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Sonntag, 29. Dezember 2013

Von der Pole Position zum Endkampf: Ein Jahresrückblick!

Aufhängen sollt man sich, wenn man dann die Welt nicht den Deppen und den Volldeppen überlassen müsst. Doch was soll der Grund zum Weitermachen sein? Was soll das neue Jahr denn schon bringen? Und die darauffolgenden? Was, frage ich hier verzweifelt, wenn nicht das Altbekannte und Immerwährende?

In Zeiten bitterster Not, auch wen's nicht der Hunger ist, der uns plagt, sondern der Mangel an Weitsicht und Intelligenz, bleibt doch eh nur die Hoffnung. Scheiß' auf die Hoffnung! Dauernd nur ein Sonnenblinzerl am Horizont, auf das man zuläuft und das dann, sobald man's greifen könnt, von der schafenen Dumpfheit der Allgemeinheit umwollt wird. Das wird doch nix!

Um sich schießen möcht man. Auf all die Deppen, die meinen, noch mal Gas geben zu müssen, auf der Straße wenn Fußgänger queren oder beim Wachstum, wenn die Natur vor die Flinte gerät und erschossen wird aus lauter Habgier und Endverteilungsphantasien. Der Krieg zwischen den Reichen und den Armen, er ist längst entschieden. Sagt der Herr Buffet, und der muss es wissen. Nomen est Omen.

Die Armen und die nicht ganz so Armen glauben leider, sie hätten eine Chance. Sie denken, sie könnten am großen Umverteilungsprogramm teilhaben. Dabei wird ihnen die letzte Kraft aus dem Leib gezogen und das letzte Geld aus den Beuteln geschüttelt, weil sie Konsum mit Reichtum verwechseln. Sie opfern ihre Freiheit dem unreifen Gedanken, der Kunde sei König und habe damit Macht. Schon mal Schach gespielt?

Dabei haben die Reichen - ich mein damit die ganz Reichen, die wohlhabenden Emporkömmlinge sind nur Stangenhalter: Sportler, Politiker, Film- und Medienstars, auch Wurstverkäufer. Nein, die werden auch untergehen - längst registriert, worauf es ankommt: Wenn die Welt kaputt geht wegen dem Wachstum, dann geht es darum, der Nachkommenschaft die Pole Position in einer kaputten Welt zu sichern. Irgendwann braucht's den Pöbel nur noch, um denen ihre Zukunft zu sichern. Und vom Pöbel braucht's dazu nicht allzu viele.

Aber zurück zur Gegenwart. Damit auch zurück zur GroKo, die ich mit Großer Kotzerei übersetzen möcht, weg vom Führerdeutsch zur wahren Wahrheit, nämlich meine. Die Diktatur der Doofen, Restbeständerepublik, die zugunsten einer unwürdigen Pöstchenschacherei auf eine echte Opposition verzichtet und vorsorglich schon deren Redezeit eingeschränkt hat. Wer will schon Verlierern zuhören? Täten sie was taugen, hätt man sie halt gewählt.

Vergessen leider die Schafsblödigkeit der Wähler, selbst in der Demokratie nur auf die ohnehin Starken zu setzen und damit ihre Macht zu manifestieren, in dem Glauben, dass mit der Wahl des Schwächeren die Stimme verloren ginge. Also sprechen sie mit der Stimme der anderen, die wird wenigstens gehört. So blöken die brunsdummen Deutschen weiter ihren stupiden Blödsinn in die Welt und kaufen sich Autos und Böller und was weiß ich was noch für einen Scheiß.

Dann leben sie ihren ganzen Hass - mehr haben sie nicht, die Entrechteten, die gar nicht wissen, wie entrechtet sie sind - auf der Straße aus und auf der Arbeit und im Zwischenmenschlichen überhaupt. Doch sie hassen die Falschen. Sie hassen ihre Nachbarn, ihre Geschwister, ihre Kollegen, und machen sich gegenseitig das Leben noch schwerer als es ohnehin schon ist. Wären sie wenigstens vom Staat bezahlte Provokateure, man täts verstehen.

Sie sind aber einfach feige Arschlöcher, die vor allem buckeln, was mehr Macht hat als sie und nach allen anderen treten. So waten sie in der Scheiße und wundern sich, dass sie nicht herauskommen. Oder sind schon so sediert, dass sie denken, die Scheiße sei Watte und der Geruch der Duft der Freiheit. So oder so: Dauernd hält sie ein Ebenbürtiger fest und sie kommen nicht von der Stelle. Derweil wird von oben gelacht, als wärens die Götter und nicht solche Menschen wie die da drunten in der Kloake, die verwundbar sind, weil aus Fleisch und Blut.

Der letzte, der behauptet hat er sei ein Gott oder zumindest dessen Sohn, den haben sie ans Kreuz genagelt, wo sein Fleisch und Blut verdorrt ist. Aber er sei wieder auferstanden, sagen sie, die Klerikalen. Kein Vergleich sei das. Na, das wär doch mal auszuprobieren mit denen, die sich für gottgleich halten. Schauen wir ein paar Tage später nach, ob sie aufgefahren sind oder doch nur Fleisch und Blut. Man kann im Zweifelsfall immer noch beten. Verbuchen wir die vermeintliche Unsterblichkeit unter Berufsrisiko. Das wär zumindest fair. Und nicht völlig unanständig.

Aber bis dahin tät etwas Revolte nicht schlecht. Alles muss zurückerobert werden! Ich will die Welt zurück. Ich will da sein, wo ich hin möcht und nicht weggehen, weil ein paar Schutzpolizisten das Eigentum eines Erben schützen sollen. Und die Straße, die gehört allen, nicht nur den Autoservilen. Die Wälder sind die unsrigen, und das Wasser und die Luft. Die Häuser, Villen und Fabriken gehören uns auch, weil die ja Leut wie wir gebaut haben, nicht aber die Reichen. Die haben uns nur unsere Zeit gestohlen, die will ich also auch wieder zurück.

Aber ich habe keine Macht. Ich kann nur meinen Respekt und meinen Gehorsam verweigern und mir gelegentlich ein paar Brosamen schnappen, die für mich abfallen. Und wenn ich ihn nicht aus den Augen verlier, werde ich dem Silberstreif am Himmel folgen und mich daran aufbauen, dass woanders die Leut sterben, weil die für ihre Freiheit kämpfen und nicht wie ich an der Fußkette der Behaglichkeit ihre Rechte veräußern bis es zu spät ist, daraus aufzuwachen und sich zu wehren. Das Private ist politisch, und damit ist das Private leider auch scheiße!

P.S. Ich lese gerade Franz Xaver Kroetz' Der Mondscheinknecht. Der hat eine Kraft in der Sprache, die mir gut gefällt. Daher der bajuwarische Sermon im Text. Die Aneignung ist dabei kein bloßer Versuch, sondern fließt so durch mich durch... ich kann nichts dafür!

Sonntag, 2. Juni 2013

Blockupy this, blockupy that! Ab heute passiv mit Kostenblocker bewaffnet!

http://www.hr-online.de/website/specials/extended/liveticker81255.jsp?rubrik=81255&startrubrik=81233
Sie haben ja alle soooo recht!
Sicher sicher! Völlig richtig! Alle Leute im Kessel sollten den Polizeieinsatz selber bezahlen. Wo kommen wir sonst hin? Wir gehen hier in Deutschland nach dem Verursacherprinzip! Schaut zum ZDF oder in die ARD: Da wird gar jeder Haushalt abgerechnet! Und da interessiert es nicht einmal, ob die Betroffenen vom Entertainment eingekesselt sind oder nicht.

Aber hier ist es eindeutig: Die eingekesselten, besprayten wie betreuten Personen, ob schwarz angezogen, "passiv bewaffnet" (selbstgebastelte Schutzschilder) oder nicht, haben die volle Zuwendung unserer demokratischen Schutzstaffel erhalten. Wer sich vor Übergriffen der Polizei wappnet, der führt doch was im "Schilde"? Oder etwa nicht? Auch wer unfreiwillig eingekesselt wird, muss zahlen!

Wo kämen wir denn hin, wenn die Allgemeinheit für solcherlei entstandene Staatsausgaben auch noch zahlen müsste? Das wäre ja, als würde die Allgemeinheit für die übrigens völlig nicht-linken, unpolitischen Eskapaden der Banken gerade stehen müssen. Wir aber wissen es besser: Die Milliardenverluste zahlen alleinig die Verursacher der Krise: Die Banken, ihre MitarbeiterInnen und TeilhaberInnen!

Und das ist gut so! Denn sonst müsste ja der deutsche Steuerzahler ran, und der griechische und der spanische und der portugiesische und der irische gleich mit, um die Krise einzugrenzen und unser schönes Land zu retten, das einen Rettungsschirm gerade nötig hätte bei dem Dauerregen, Sauwetter das! Pfui! Auch andere Veranstaltungen wie die Bundesliga oder Champions-League werden nach dem Verursacherprinzip abgerechnet: Dort bezahlen selbstverständlich die Vereine bzw. Verbände die millionenschweren Einsätze der Polizei, um die Städte vor Verwüstungen zu bewahren. Alles andere wäre doch ein Skandal!

Also bitten wir die"linken Gewaltdemonstranten" endlich zur Kasse, ebenso wie die Castor-Transportgegner schon zuvor, sowie die Fussballfans und Vereine, Banken und Trader. Der angerichtete Schaden in Frankfurt ist immens! Stellen Sie sich vor: Deutsche Beamte werden durch selbsgebastelte Schilder an der Ausübung ihrer Lieblingstätigkeit gehindert, außerdem sind ihre Uniformen mit Plakafarben verunstaltet! Das kann doch nicht angehen. Da muss es doch kesseln, sowas darf man sich nicht gefallen lassen!

Das kostet allerdings Geld. Und das kann der Staat nicht alleine zahlen. Der Staat, bedenken Sie, das sind auch wir! Wir alle! Anständige Leute! Anständige Leute übrigens, die gar keine Zeit zum protestieren haben! Die tagein tagaus arbeiten und allenfalls ein bisserl bei der Steuererklärung betrügen, nicht wahr? Ansonsten helfen anständige Leute dem Staat, aufzuräumen und Kosten zu sparen; aber auch neue Einnahmequellen zu finden. Notfalls auch, ein paar Fremde, die nicht hierher gehören, abzuschieben, da sind wir generös! Führer befiehl, wir folgen Dir, aber das war eine völlig andere Zeit. Wir sind keine Nazis! Wir sind Leute, die tun, was nötig ist in so einer Demokratie!

Es kann doch nicht sein, dass unsere schöne Demokratie kaputt gemacht wird von Menschen, die sich nur aus dem Grund versammeln, um gegen etwas zu demonstrieren. Demonstrieren ist Sabotage an unserem gemeinsamen Werk! Das ist so... destruktiv? Eigentlich müssten Demonstrationen (und politischer Aktivismus gleich mit) schon aus Kostengründen verboten werden. Schön, dass man eines wenigstens kapiert hat: Wer gegen die Wirtschaftpolitik der Regierung oder die Kernaufgaben der Banken (Gewinnmaximierung) protestiert, der schadet der Gesellschaft! Wer dagegen ist, muss zahlen! So funktioniert Demokratie! So und nicht anders!

Bildquelle:  http://www.hr-online.de/website/specials/extended/liveticker81255.jsp?rubrik=81255&startrubrik=81233

Freitag, 5. April 2013

Eine Definitionshilfe für Herrn Gröhe: Links ist da, wo der Daumen rechts ist!

Um dem Herrn Gröhe von der CDU mal grob den Unterschied zwischen links- und rechtsextremistischer Gewalt zu erklären, da er ja schon wieder einmal gegen Extremismus belfert, aber allein den Linksextremismus meint (hier...)

Hypothese: Linke wie rechte Extremisten zünden Autos und Häuser an. Das ist wohl richtig. Nun der kleine, aber feine Unterschied:

Linksextremisten zünden Häuser und Autos an, wenn sich NIEMAND darinnen befindet!
Die Tat ist eine Kritik an Eigentum und am Kapitalismus! Die Folge: Der Schaden ist materiell. Eigentümer weinen und die Polizisten, die das Eigentum beschützen sollen, bekommen höchstens einen Stein an den Schutzhelm geworfen. Dafür sind Polizisten aber besser bewaffnet und kloppen in deeskalierender Weise auf alles ein, was sich auch nur zufällig in ihrer Nähe befindet.

Rechtsextremisten zünden Häuser und Autos an, WEIL sich jemand darinnen aufhält! 
Die Tat ist eine Kritik an der multikulturellen Gesellschaft! Die Folge: Menschen sterben (vgl. NSU) und Sachschaden tritt kollateral ein. Das ist aber nicht so schlimm, weil Multikulti ja ohnehin gescheitert ist (vgl. Buschkowsky, Sarrazin etc.). Und wer an Ausländer vermietet, hat es ja nicht anders verdient, als dass ihm die Bude abgefackelt wird. So'ne Vaterlandsverräter!

Jetzt, Herr Gröhe, dürfen Sie erklären, warum linker und rechter Extremismus miteinander gleichgesetzt werden sollte und welche Opfer linksextremer Gewalt verhöhnt werden, wenn die LINKE und die Grünen eine (satirische) Kampagne ins Leben rufen, in der Linksextremisten zum Outing aufgerufen werden? Vollkaskoversicherte Eigentümer?

Ich finde jedenfalls, dass gerade Sie mit Ihrer politisch rechts motivierten Sichtweise die Opfer rechtsextremer Gewalt verhöhnen, INDEM sie alle Extremisten in einen Topf werfen. Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag zur Diskussion, Herr Gröhe von der CDU!

Samstag, 1. Dezember 2012

Berufe, die unter die Haut gehen #1: Hund

Ich stehe nun auf den Scherben eines durch Enttäuschungen geprägten Erwerbslebens. Buhuuuh! Meine letzte Arbeit wäre schön gewesen, hätte meine Kollegin auch nur Ansatzweise kollegiales Verhalten gezeigt. Stattdessen Ellbogen und Konkurrenzdenken. Nun bin ich zurück aus der Hölle wie einst Orpheus, der endlich gemerkt hat, dass seine Euridike eigentlich eine doofe Zimtzicke ist. Zeit also, sich was Neues zu überlegen. Doch der Berufe Vielfalt ist groß, nur wenig aber wirklich interessant. Da muss es doch was geben? Vielleicht werde ich Hund!

Doch wer will schon Hund werden? Ein Hund ist bekanntlich der beste Freund des Menschen. Das ist perspektivisch ein bisschen wenig, sieht man einmal von der Vollverpflegung und Verhätschel- bis Vermenschlichung des Hundes ab. Hunde haben damit eine Konsumhaltung verinnerlicht, die ihresgleichen sucht. Hund sein ist vielleicht bequem, aber auch irgendwie doof: Die Leine nervt, die Bude von Frauchen ist viel zu klein und wenn man mit dem Schwanz wedelt, räumt man das Teeservice vom Tisch. Außerdem riecht ein Hund nicht besonders gut. Mit der hundseigenen, sensiblen Nase würde mich mein Eigengeruch sehr stören. Ich könnte mich selbst nicht mehr riechen.

Vielleicht wende ich mich daher lieber dem Beruf des Polizisten zu. Er hat erheblich mehr Vorteile gegenüber dem Hundestand: Ein Polizist verdient Respekt. Er darf eine Uniform tragen. Er hat keine Leine um den Hals. Wenn er mit dem Schwanz wedelt, dann bekommen seine "Kunden" es mit der Angst zu tun. Er ist nicht nur Freund, sondern auch Helfer des Menschen. Außerdem kackt ein Polizist nicht auf den Bürgersteig. Vermutlich. Vielmehr gibt er auf brave Bürgerlein fein acht, damit ihnen nichts passiert. Zumindest theoretisch. Doch wie kann man einen Polizisten vor Ungemach durch subversive Elemente bewahren?

Sind nicht auch Polizisten schutzbedüftige Wesen, die vor unehrlichem Gesocks wie Ausländern, Drogenkriminellen und Homosexuellen beschützt werden müssen? Wie das sächsische Innenministerium zu wissen vorgibt, haben all diese Menschen AIDS oder wenigstens Hepatitis. Und wenn dann so einer abgeführt werden muss, weil er vielleicht undeutsch (synonym mit Drogenkurier) oder einfach schwul (synomým mit dekadent) aussieht und sich dabei rechtswidrig zur Wehr setzt, vielleicht kratzt oder sogar beißt, dann steckt er die Polizisten ganz automatisch mit AIDS oder Hepatitis an. Daher sollen sogenannte Risikogruppen nun auf diese Krankheiten zwangsgetestet werden.

Polizisten haben sich bis dahin sicherlich längst schon infiziert. Man muss als so ein perverser kranker Ausländer einen Polizisten ja nur kurz anhusten und schwupps: schon hat er AIDS. Doch mittels Zwangstest wissen die Polizisten zukünftig wenigstens von wem und können Ansprüche geltend machen. Das aber reicht alleine noch nicht aus. Vor der Infektion kommt die Prävention! Daher sollte das sächsische Innenministerium auf eine Kennzeichnungspflicht Hepatitis- bzw. HIV- Infizierter beharren, weil: so geht es nun auch nicht! Wenn diese Risikogruppen gekennzeichnet sind, dann kann man sich ja vorher schon überlegen, ob man das subversive Element festnimmt oder besser gleich erschießt. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, tut man dem Todgeweihten damit einen großen Gefallen. Und man muss schließlich auch an die Kosten für das Gesundheitssystem denken.

Polizisten ist es nicht zuzumuten, einfach Gummihandschuhe zu benutzen. Schon Gummigeschosse sind eine Zumutung. Wer das Gesetz vertritt, braucht scharfe Waffen. Aber wenn Polizisten schon nicht auf den Bürgersteig kacken dürfen, muss der braune Brei halt woanders raus. Polizeiapparat und Verfassungsschutz sind strukturell bekanntlich auf dem rechten Auge blind (besonders der sächsische). Man sollte Polizisten, Verfassungsschützern und Innenministern daher Lätzchen um den Hals binden, damit sie sich gelegentlich den Mund damit wischen können. Aber die widersetzen sich ja auch erfolgreich dem Wunsch nach personeller Kennzeichnung vermummter Beamter. So ein Lätzchen kommt da auch nicht durch.

Und da kommt die Frage auf: Wer schützt zu verhaftende Menschen (Ausländer, linke Demonstranten, Radfahrer) vor Ansteckung durch Hepatitis- bzw. HIV- infizierte Polizisten? Sollte es da nicht einen Zwangstest für Beamte geben? Man könnte neben das Namensschild mit Dienststellennummer eine Gesundheitsampel anbringen. Da weiß der kriminelle Demonstrant oder Ausländer, dass er sich bei Verhaftung besser nicht wehrt, wenn der Beamte einen gelben (HIV- infiziert) oder gar einen roten Punkt (AIDS) auf dem Namensschild hat. Das könnte die Polizeiarbeit erheblich erleichtern und würde die bislang für den Staatsdienst diskriminierten Personengruppen in den Beamtenstatus verhelfen. Deeskalation durch biologische Einschüchterung - dass man darauf noch nicht gekommen ist?

Vielleicht sollte das Bundesland Sachsen jedoch lieber in die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen ADIS investieren, anstatt den Menschen das verfassungsmäßig garantierte Recht auf informelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit zu verwehren. Dass man in Sachsen nicht einmal auf die Idee kommt, dass der Vorschlag mit dem Zwangstest für sogenannte Riskogruppen üble Erinnerungen an die großdeutsche Vergangenheit weckt, zeugt von Geschichtsvergessenheit oder, schlimmer noch, von böswilligem Revisionismus. Auf jeden Fall legt er nahe, dass die Nazis nicht vom Verfassungsschutz unterwandert sind, sondern umgekehrt der Verfassungsschutz von Nazis.

Dann doch lieber Hund werden! Da wartet nur der Maulkorb auf mich.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Der Bundestrojaner ist ein Bayer! Der CCC ist Lumpenpack!

Fast hat man den Eindruck, als probierten "unsere" Verbrechensbekämpfer einmal aus, was derzeit geht. Vielleicht wollen sie die Bevölkerung auch weichkochen und qua Schocktherapie eine Art Duldungsstarre herbeiführen. Erst der Abhörskandal in Dresden, bei dem alle Telefonate gescannt und aufgezeichnet wurden, die während einer Demo gegen rechts geführt wurden. Dabei spielte es gar keine Rolle, ob es sich bei den Abgehörten um Anwohner handelte oder andere Unbeteiligte.

Und jetzt halt der Bundestrojaner, und man wundert sich, dass die Hetzpresse des Springerverlags nicht titelt: "Der Bundestrojaner ist ein Bayer!" Der verfügt über eine Subroutine, die "Ozapftis" heißt. Solche Spaßvögel! Denn dieser Trojaner kann viel zu viel, jedenfalls viel mehr, als erlaubt ist. Der CCC hat sich den Trojaner angeschaut und dabei festgestellt, dass er eben nicht nur höchst intime Daten ausleiten kann, sondern auch eine Fernsteuerungsfunktion zum Nachladen und Ausführen beliebiger weiterer Schadsoftware bietet. Sollte dies stimmen, wäre der Einsatz dieser Software illegal. Noch, muss man leider hinzufügen.

Für diesen kleinen Bürgerservice kassierte der CCC eine Rüge von Unionspolitikern. Man sieht sich unter Generalverdacht gestellt, und das ist schon ein bisserl gemein von denen dreckerten Computernerds da alldieweil die nicht so viel herumschnüffeln sollen, sondern mal ordentlich was schaffen wie es sich für g'scheite Leit gehört! Das Schnüffeln ist Staatssache und nicht für so ein Lumpenpack wie die! Und wer kein Dreck am Stecken hat, der braucht auch nichts zu fürchten und kann sich ruhig einmal ausspionieren lassen, da passiert dem ja dann nix.

Unwahrscheinlich, dass Festplatten von den Kriminalern oder Dritten manipuliert werden, so dass auch Unschuldige schuldig werden. Andererseits könnten Fahndungserfolge auch beschleunigt werden, wenn's mal wieder länger dauert: Jetzt muss man missliebigen Leuten nämlich gar kein Koks mehr unter die Spüle jubeln, jetzt kann man denen quasi online ganz einfach schlimme Dateien platzieren auf denen ihren Computern. Schade nur, dass man die Leute nicht auch online verhaften kann und noch selber hin muss. Schweinerei!

Eine sichere Software, die nicht gehackt und missbraucht werden kann, gibt es einfach nicht. Da kann der Herr Friedrich noch so viel reden, von Computern hat der so viel Ahnung wie ich, und das ist recht wenig! Von daher gehört so ein Scheiß' wie ein Bundestrojaner auch nicht in die Hände von den Ermittlern, weil die sich zwar auch nicht auskennen mit den Computern, aber sehr genau wissen, was sie von denen, die sich mit Computern auskennen, machen lassen wollen. Das Interesse gilt nicht dem Datenschutz, sondern seiner sukzessiven Abschaffung im Sinne der Verbrechensbekämpfung.

Wenn ich mir jedoch erlauben darf: Ein Staat, der seine Steuerermittler zum Psychotest schickt und hinterher suspendiert, wenn sie zu gründlich im Sinne des Bundes ermitteln (also den Unternehmerinteressen entgegen), der seine V-Männer beinahe überall drinnen hat, so dass man erstens gar nicht mehr weiß, ob etwaige Verbrechen ohne sie überhaupt stattgefunden hätten und man zweitens die organisierte Kriminalität wegen deren Verstrickungen überhaupt nicht mehr zur Rechenschaft ziehen kann usw. usf., so ein Staat braucht auch keine Spionage-Software. Der ist nämlich viel zu deppert für sowas!

Mittwoch, 27. Juli 2011

Alarmknöpfe drücken! War on Terror!

Es hat ganze zwei Tage gedauert, bis die üblichen Forderungen nach mehr Überwachung des Internets und Vorratsdatenspeicherung auftauchten. Die Opfer des Massakers in Norwegen sind noch nicht unter der Erde, da streben die Sicherheitsfanatiker der CSU, ganz vorne mit dabei der Herr Manfred Weber, schon den totalen Überwachungsstaat an. Mit dabei ist auch die Polizeigewerkschaft, die den Internetuser zum Denunzianten machen will: Er soll verdächtige Inhalte sofort melden oder mittels eines "Alarmknopfes" alles totdrücken, was auch nur irgendwie nach Terror riecht.

Na prima, unter dieser Prämisse können dann die Seiten von linken und rechten Gruppierungen sowie sämtliche Blogs religiöser Ausrichtung sowie harmloser Spinner, wie ich einer bin, gleich ganz dicht machen. Denn wenn mir eine Meinung von irgendwem nicht passt, dann drücke ich - schwupps - einfach auf das Knöpfchen im Browser und der unliebsame Blog ist verschwunden auf immer. Übrig bleiben die Bausparer- und die Familienfotoblogs. Das kann doch niemand wirklich wollen?

Die Behauptung geht dahin, dass mit der totalen Überwachung des Internets keine extremistischen Netzwerke möglich seien und z. B. auch Anleitungen zum Bombenbau verschwänden. Es ist nicht nur ärgerlich, dass Leute über das Internet befinden, die offenbar gar keine Ahnung davon haben. Ärgerlich ist außerdem diese Blödheit, zu glauben, dass ohne Internet kein Terror möglich sei.

Sonst vergisst man doch auch nie auf die RAF und andere revolutionäre Zellen und deren Gefährlichkeit hinzuweisen. Die haben ihre Bomben ganz bestimmt nicht nach Bauanleitungen aus dem Internet gebastelt. Wahrscheinlich haben die einfach ein Chemiebuch in der Staatsbibliothek ausgeliehen. Soll man jetzt auch noch die Bibliothekten schließen? Und versammelt haben die sich auch, per Telefon oder mittels kleiner Briefchen oder was weiß ich denn? Terror ist möglich, auch ganz ohne Internet!

Natürlich lassen sich Informationen via Internet viel schneller und umfangreicher recherchieren. Aber nur die wenigsten User setzen das in die Tat um, was andere in ihren Schriften fordern. Vieles ist zudem nur Pose, ein anonymisiertes Ventil zum gefahrlosen, wenn auch oft barschen Meinungsaustausch. In Internetforen und Blogs wird provoziert, gezielt missverstanden und massiv gedroht.

Im Internet geht es nicht friedlich zu, ganz und gar nicht. Allerdings ist das in den meisten Fällen nur heiße Luft. Der Autoverkehr auf bundesdeutschen Straßen ist auch nicht friedlich, dazu aber gefährlich für Leib und Leben! Und dies auf allerhöchstem Niveau. Niemand käme jedoch auf die Idee, einen Alarmknopf am Armaturenbrett oder in den Straßenschuhen zu fordern, mit dem man missliebige Verkehrsteilnehmer melden kann.

Wir kommen der Sache unserer Berufspolitiker und Sicherheitsexperten aber schon näher, wenn wir uns den Begriff "Extremismus" einmal zu Gemüte führen: Extremistisch sind "... jene Teile eines politischen Spektrums [...], von denen aktive Gefährdungen der Grundwerte der zur Zeit herrschenden politischen Ordnung ausgehen, prinzipiell unabhängig von der weltanschaulichen Ausrichtung und den konkreten politischen Zielen der Vertreter „extremer“ Positionen." (siehe: Wikipedia)

Die größte Gefahr für die Grundwerte der herrschenden Ordnung (Demokratie) sind jene Politikerinnen und Politiker selbst. Sie schränken Grundrechte ein und stellen den Bürger unter Generalverdacht. Jeder wird so zum potentiellen Attentäter. Insofern, in dieser unterstellenden und aushöhlenden Form der Machtausübung stehen die um unsere (?) Sicherheit besorgten PolitikerInnen unter Extremismusverdacht. Das sind schon keine extremen Positionen mehr. Bloß: Wer überwacht sie und drückt den Alarmknopf im Bedarfsfall?

Ach so, die Wählerinnen und Wähler! Nun, warum aber soll die wahlberechtigte Bevölkerung jene Personen wählen und ihnen Vertrauen entgegenbringen, die ihr zutiefst misstrauen und sogar Angst vor ihr haben? Und weil der Irrsinn noch nicht vollkommen ist, stellt sich ausgerechnet die gammelige, unglaubwürdige FDP dem Alarmismus der Sicherheitspolitiker entgegen. Verkehrte Welt! Wann darf ich endlich Heim?

Freitag, 4. Februar 2011

Let's kill the Landlord! Jetzt gibt es aber Schelte!

Wer eben noch jungen Leuten erklärt hat, warum die Bundesrepublik Deutschland kein Polizeistaat ist, sich aber einiger polizeistaatlicher Fragmente bedient, wird am 2.2.2011 in Friedrichshain beinahe eines Besseren belehrt. Das Bedrohungspotenzial durch die anwesenden, ca. 1500 Einsatzkräfte zählenden Polizisten, ist überdeutlich, wohingegen ich keinerlei Furcht vor den "Randalierern" hatte, auch wenn sage und schreibe fünf Molotow-Cocktails gebastelt wurden, während ich an potenziellen Molotow-Cocktail-Werfern vorbei lief.

Gut, ich habe überlebt und viele andere auch. Laut BZ-Dauerberieselung in der U-Bahn entstand am Tage und in der Nacht ein Sachschaden von ca. 1 Mio. Euro. Ich finde, das ist wenig. Immerhin wurde das letzte Hausprojekt aus ehemaligen Hausbesetzern in Berlin zwangsgeräumt, unter Einsatz von 250 Polizisten und einem Vollstrecker, und zwar über das Dach des Hauses in der Liebigstraße. Der Eigentümer hat die Zwangsräumung durchgesetzt, nachdem die Bewohner, welche über einen Rahmenmietvertrag verfügten, gegen den Rauswurf geklagt und verloren hatten.

Nun steht ja zu befürchten, dass mit dem Haus ähnliches geschieht wie mit dem Haus in der Brunnenstraße in Mitte, das Ende 2009 geräumt wurde, nämlich: gar nichts! Es steht nach wie vor leer. Wo es vorher kulturelle Projekte gegeben hatte, gibt es nun gar nichts mehr. Wo vorher ehemalige HausbesetzerInnen die  Bausubstanz durch Bewohnung und Renovierung erhalten haben, verkommt nun ein Haus in Toplage - zum Wohle von wem eigentlich?

Natürlich wurde den Bewohnern des Hausprojekts in der Liebigstraße ein Objekt in Weißensee angeboten. Aber solch ein Projekt gedeiht eben nur in einer kulturell offenen Gegend und nicht am Stadtrand mit Naziüberschuss und einer rechtskonservativen Bevölkerung, die sich nicht zwischen Hitler und Honecker entscheiden mag und sich ihr Weltbild aus beiden Topoi zusammenbastelt. Real existierender Nationalsozialismus nennen's die Einen, die anderen nennen es: großer brauner Haufen!

Wer will nach Weißensee? Wie soll dort Kulturarbeit und Kulturschaffen aussehen? Bietet man dann Kurse zur Reintegration von Nazis inklusive akzeptierender Jugendarbeit an? Welches Umfeld soll denn bitte ein linkes Projekt in Weißensee bespaßen? Kein Wunder, dass man dieses Angebot der Eigentümer und der Stadt abgelehnt hat.

Nun wundert man sich auch noch, dass dieses bestens vernetzte Hausprojekt es schafft, haufenweise Sympathisanten auf die Straße zu bekommen. Mit der richtigen Anzahl Polizeibeamter ist der Krawall vorbestimmt. Natürlich gehen da Schaufensterscheiben zu Bruch und Autos werden beschädigt. Man könnte aber auch einmal das Positive am sogenannten "linken Terror" sehen. Erstens machte der Kaisers an der Warschauer Straße höchstwahrscheinlich einen riesen Umsatz durch Verkauf von Alkoholika, Zigaretten und Brandbeschleunigern.

Und zweitens werden ja dauernd irgendwelche Leute von (Neu-)Eigentümern auf die Straße gesetzt, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Doch die wehren sich - wenn überhaupt - ausschließlich auf gerichtlichem Weg. Nun packen es ein paar Menschen, mobil zu machen gegen die gerichtlich durchgesetzte Räumung und damit ein Fanal zu setzen, indem sie ihre Wut gegen einen Staat richten, der das Eigentum höher schätzt als den Menschen, der ganz den Interessen des Kapitals dient und dieses als außerordentlich schützenswert erachtet.

Ein Staat, der den stabilisierenden Wert subkultureller Einheiten innerhalb des kapitalistischen Wertesystems völlig verkennt und mit Gewinnmaximierung nur die Vermehrung von Geld meint, nicht aber die Vermehrung von Kultur, ist per se verachtenswert. Und wer nur die Interessen weniger durchsetzt und schützt, aber nicht den im Grundgesetz verankerten Grundsatz, wer da Eigentum hat, der sei der Gesellschaft verpflichtet - was ja nichts anderes bedeutet als: denk' nicht nur an Dich, Drecksack, sondern an das Gemeinwohl - muss sich kaum wundern, wenn "Chaoten" die Straßen stürmen.

Und die Springer-Presse, die ja sonst immer so tut, als stünde sie auf der Seite des "kleinen Mannes" und schon mal gegen besitzstandsmindernde Maßnahmen der Regierung wettert, positioniert sich selbstverständlich wieder auf der Seite des Kapitals. Klar: Der Sabberreflex wird durch die Glöckchen "links" und "Autonom" ausgelöst. Dass so viele Menschen sich die Erzeugnisse dieses Verlags kaufen, spricht für eine grundsätzliche Dämlichkeit einer Gesellschaft, für die "Bildung" ein Fremdwort und "Herzensgüte" ein unerlaubter Zusammenschluss zweier Hauptworte ist.

Mein Mitleid mit Hausbesitzern hält sich in Grenzen. Vor allen Dingen, wenn sie ein Objekt kaufen, in dem ein alternatives Projekt beheimatet ist und regulär Miete abführt. Aber es wird ja alles zugunsten des Besitzers entschieden. Schön wäre es allemal, wenn konzentrierte Polizeigewalt einen renitenten Eigentümer zwangsenteignet. Das wird wohl niemals passieren, solange die Gesetzeslage das Eigentum mehr schützt als die Nutzer.

Doch denken wir mal quer - nur für einen Moment: Der bildungsgrüne Teil der Gesellschaft kritisiert und verurteilt zwar zum Beispiel die Absicht des Nestlè- Konzerns, natürliche Ressourcen wie Wasser zu privatisieren und gewinnbringend zu veräußern, denkt sich aber nichts dabei, wenn so natürliche Ressourcen wie Grund und Boden bereits privatisiert sind. Es lohnt sich darüber nachzudenken, ob und wie Land wieder in den Besitz aller Menschen gelangen kann.

Und folgerichtig wäre zu klären, ob Miete zu zahlen tatsächlich so natürlich ist, wie immer behauptet wird. Die Geschichte lehrt uns: Landbesitz ist immer mit räuberischer Landnahme verbunden. Aus Räubern wurden damit Souveräne, die das Bedürfnis der Menschen nach Seßhaftigkeit ausbeuteten. Daran hat sich bis heute im Grunde nichts mehr geändert. Bezeichnend allein ist die Tatsache, dass der Vermieter im Englischen "Landlord" heißt. Wo bleibt denn da bitte die Revolution? Und wo ist die Schelte?

P.S. Übrigens bin ich gespannt, ob die Sympathiebekundungen für den revolutionären Auftrieb in den nordafrikanischen Staaten dann enden, wenn bemerkt wird, dass sich dies auf den Ölpreis auswirken wird. Ich sehe schon den gemeinen Autofahrer, wie er an der Zapfsäule steht und den Fernsehjournalisten was über die "rücksichtslosen Moslems" vorjammmert, weil er seine technische Schwanzverlängerung wegen dem arbeitsscheuen Pack angeblich nicht mehr vollgetankt bekommt.

Dienstag, 14. September 2010

Esst mehr Autos! Ich selbst bin meistens Vegetarier!

Für Kampagnen jedweder Art bin ich vollkommen unempfänglich. Die Form der Überspitzung, um den gemeinen Alltagsmenschen auf eine bestimmte Position festzunageln, lehne ich von Grundauf ab. "Lieben Sie Tiere?", die gerne gestellte Frage von den freilaufenden Homunculussen der Tierschutz- bis Tierrechtsorganisationen, will so sehr eine einzige Position erheischen, dass man ihr nicht ganz sauber entrinnen kann. Wer hier verneint, ist automatisch ein Tierfeind. Wer antwortet denn auf so eine Frage mit "Nein!"

"Ja, ich mag Tiere - besonders auf dem Teller!" ist zwar eine grundehrliche Aussage, entzaubert aber die Gesichter der Fragesteller derart, dass man sich überlegt, ob man seine Speisekarte nicht erweitern soll. Doch was soll das: Wenn Tiere könnten, würden sie die Menschen jagen, züchten und auch verspeisen. Hat denn niemand "Planet der Affen" gesehen? Tiere sind keinen Deut besser als Menschen. Tierrechtler unterstellen den lieben Tierchen sogar ein Bewusstsein: Dadurch wird jeder Tigerbiss zum Mordversuch!

Neulich wurde ich von einem freundlichen Herrn, der sich in Begleitung einer hübschen Kamerafrau befand, angesprochen. Ob ich denn die Verantwortung für die Ermordung von, nein, sogar den Massenmord an Thunfischen übernehmen würde. Er hielt mir eine Papiertüte mit was drin hin. Ich gab mich genervt und bedeutete ihm, dass er mich bitte in Frieden lassen soll. Er sagte daraufhin "Ah ja, ich verstehe schon!" und ich wusste sofort: Er hat gar nichts verstanden. Ich folgte daraufhin einem trotzigen Impuls und bestellte in einem Café gleich nebenan etwas zu laut ein Thunfischsandwich.

Ich lasse mir eben kein schlechtes Gewissen durch miese Propagandasprüche, Fangfragen und Postulate einreden. Da reagiere ich meistens trotzig. Wer mich zu etwas zwingen möchte, erlebt mich dabei, wie ich noch nicht einmal das Gegenteil davon tue, sondern einfach: gar nichts! Aber ich lebe auch inmitten dieser, meiner Welt. Mein Thunfischkonsum beschränkt sich auf 3 - 4 Dosen im Jahr, um eine leckere Tomatensoße zu kredenzen. Obwohl ich Beifang wie Delfine als Veredelung der Konserve betrachte, ist mir das Problem mit den Fischen, dem Thunfisch insbesondere, durchaus bewusst. Jawohl, mein Herr, deswegen kaufe ich (fast) nur noch Fische, die mensch züchten kann! Warum sollte ich dann Verantwortung für die ERMORDUNG von Thunfischen übernehmen?

Allein der Duktus: Noch nicht einmal Soldaten werden ermordet! Sie werden allenfalls getötet. Soldaten aber sind keine Tiere, sondern einfach nur schrecklich fehlgeleitete Menschen (sofern sie die freie Wahl haben). Warum sollten dann aber Tiere einen besseren Status halten, indem man ihre biologische Absenz zum Mordfall erklärt? Kommt denn etwa gleich die Tier- Kripo, wenn einer dieser gefährlichen Stoibären (vgl. Problembär) aus den Alpen ein grasmordendes Schaf reißt? Ist der Metzger immer der Mörder? Oder ist er nur der Gehilfe des Jägersmannes?

Ich plädiere hier allenfalls auf ein Tötungsdelikt, allerdings aus freiem, menschlichen Willen und trotzdem einer lebensmitteltechnischen und klimapolitischen Notwendigkeit heraus. Der Mensch braucht einfach Tier in der Pfanne, da kann er sich's doch drehen und wenden, wie er möchte. Ich habe noch nie einen fröhlichen Veganer gesehen. Vegetarier essen immerhin Käse, Honig und dergleichen. Die habe ich aber auch schon lachen sehen! Ich selbst bin meistens Vegetarier, vegan lebe ich jedoch nur selten. Kürzlich hat C. behauptet, ich sei ein fröhlicher Mensch. Das ist der Beweis: Tiere essen macht fröhlich!

Thunfische, Kühe und von mir aus auch Schweine haben übrigens eine ganz erbärmliche CO²- Bilanz. Fische furzen ungeniert ins Meer und die Säuger an Land furzen in die Luft. Man muss sie einfach aufessen, sonst geht es abwärts mit dem Weltklima und aufwärts mit den Temperaturen. Deswegen gebe ich hier die Losung aus: Esst mehr Kühe! Autos stinken übrigens auch, deswegen gilt: Esst mehr Autos! Und wer kleine Kinder hat, muss sich daran gewöhnen: Esst mehr Kinder! Die pupsen dauernd durch die Gegend und werden später einmal zu erwachsenen, autofahrenden und im Flieger sitzenden Umweltschweinen.

Wir heurigen Erwachsenen sind allerdings unentbehrlich: Wer soll die ganzen Kühe, Thunfische und Autos denn aufessen, wenn es uns auf einmal nicht mehr gibt? Wollen Sie etwa für die Ermordung des Weltklimas Verantwortung übernehmen? Sehen Sie: Ich auch nicht! Drückebergerei gilt dabei nicht: Wer die Welt retten will, der muss ran an die Buletten! Ganz gleich, aus welchem Tier die gemacht sind!

Mittwoch, 11. August 2010

Keine rosige Zukunft mehr! Mein verschmitzt zwinkernder, lieber "alter Sony"!

Leserinnen und Leser meiner letzten Posts könnten den Eindruck bekommen, dass ich mit Eigentum "Probleme" hätte oder sogar "neidvoll" auf den Besitz anderer blicke. Tatsächlich habe ich "Probleme" mit Eigentum, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass meines Vaters Baufirma pleite gegangen war und meine Eltern daraufhin um ihr Eigenheim bangen mussten. Um als Kind selbst keine Sorgenfalten ins Gesicht gemeiselt zu bekommen, musste ich mich ja geradezu von jedem Gedanken an Besitz lossagen.

Alles war gut gegangen, und meine Eltern haben ihr Haus halt noch einmal bezahlt. Aber ich selbst war von da an für jegliches Eigentum versaut: Mit Autos z.B. stand ich eh und je auf Kriegsfuß, und das diese Dinger gepflegt, betankt und gewartet werden mussten, war mir stets zuviel des Guten. Die Scheibenwischer z.B. mussten sehr sehr lange die Frontscheibe verschmieren, ehe ich es mir erlaubte, neue zu besorgen und zu montieren.

Besitz belastet mich in der Tat enorm, und somit sei der Vorwurf des Neides hinfort gewischt wie Blütenstaub mit verbrauchten Scheibenwischern. Einmal um die Weihnachtszeit, es muss im letzten Jahrtausend noch gewesen sein, bekam ich Post von der Polizei, man hätte mein Auto vor ca. zwei Wochen gefunden. Diebe hatten es offenbar zur Spritztour missbraucht - weit waren sie nicht gekommen: Die Tankfüllung reichte nur für ungefähr 30km Spassfahrt.

Ich hatte jedoch den Diebstahl gar nicht bemerkt, weil ich mein Auto erstens: immer an verschiedenen Plätzen geparkt hatte und zweitens: ich dieses Ding sowieso die letzten Wochen gar nicht gebraucht hatte. Da ich nun aber mein Auto auch in den nächsten Wochen nicht brauchen würde, ließ ich es noch zwei weitere Wochen bei der Polizei und war dann recht überrascht, dass ich für einen vollen Monat Standgebühr entrichten musste. Und dann folgte die Reparatur...

Wer etwas hat, der muss sich um etwas kümmern. Wer nichts hat, muss sich auch um nichts kümmern. Dieses Credo ist viel zu einfach um falsch zu sein. Trotzdem gibt es Dinge, die mir lieb sind: Ich hatte bis vor kurzem einen Pflegefall, um den ich mich bis zum Ende liebevoll und mit Geduld kümmerte: Mein lieber Sony 5 Disc CD- Changer, den ich mir zwischen 1988 und 1990 als ersten und einzigen CD- Player gekauft hatte. Seit 2006 hatte er die kleine Macke gehabt, sehr spät "anzuspringen", und tatsächlich brauchte er zuletzt beinahe 15 Minuten, bis er einsatzbereit war.

Zudem verweigerte er zusehends die Nahrung. Am Ende spielte er nur noch gebrannte CDs, die Originale verschmähte er stets. Zu meiner Freude schien er in hohem Alter noch ein konsumkritisches Verhalten zu entwickeln und zeigte zivilen Ungehorsam. So manches Mal zwinkerte er mir kurz mit dem Display zu, um so seine Renitenz unter Beweis zu stellen. Mein lieber "alter Sony" hat mir bis zum März dieses Jahres gute Dienste geleistet, immerhin begleitete er mich über 20 Jahre als kompetenter Verwalter musikalischer Angelegenheiten. Dann erlosch das verschmitzt zwinkernde Display auf ewig...

Ihn nun reparieren zu lassen wäre genauso grausam wie einen Rentner arbeitstauglich zu operieren. Er wäre dann ein anderer, nicht mehr mein "alter", sondern mein "reparierter Sony". Mein "alter Sony" hat sich seinen Ruhestand verdient. Ihm kondoliert auszugsweise folgende (manchmal etwas peinliche) Playlist:
Cassandra Complex, Skinny Puppie, Philip Boa and the Voodooclub, Einstürzende Neubauten, Abwärts, Alien Sex Fiend, Flowerpornoes, Public Enemy, Pop will eat itself, Yo la Tengo, The Shamen, Baby Ford, Bernd Begemann, F.S.K., Momus, Sonic Youth, Wire, Stereolab, Laila France, Jah Wobble, Tortoise, So, F.M. Blumm, Burger, Scott Horsecroft, Antonelli Electronics, Jan Jelinek uvm.
Jetzt besitze ich einen DVD-Player zum Abspielen meiner CDs. Einen Fernseher habe ich allerdings nicht, will ich auch nicht. Das Haus meiner Eltern werde ich irgendwann einmal erben. Was soll ich damit nur machen? Meine Zukunft ist etwas weniger rosig ohne meinen "alten Sony".

Montag, 9. August 2010

Die Ausübung unguter Berufe, gekontert mit gut sitzenden Anzügen! Sowas kommt von sowas!

Ich bin sowas von gewieft und abgebrüht! Ich habe nicht nur immer recht (siehe ein paar Posts vorher), sondern werde von allerlei Gegebenheiten erst gar nicht tangiert. So kann ich, wenn ich in der S- bzw. U-Bahn unterwegs bin, völlig unbehelligt meinen Weg fortsetzen, wenn dieses doch ansonsten ungnädige Völkchen der Kontrolleure zum Generalverdacht anhebt und die Fahrgäste auf Fahrscheinbesitz überprüft. Ich muss meinen Fahrschein generell nie hervorkramen und kann in völliger Ruhe mein Buch weiterlesen.

Diese Coolness hat natürlich nur, wer über einen gültigen Fahrschein verfügt, sich aber zu bequem ist, diesen auch vorzuweisen. Oder, wer am Startort aus Gründen des Versagens des Fuhrunternehmens keinen gültigen Fahrschein lösen konnte und es nun nicht einsieht, deswegen übermäßig zur Kasse gebeten zu werden. Dann zieht man es leidlich vor, den Blickkontakt nur lässig zum Kontrolleur zu halten, um dann wieder gelangweilt zum Buch zurückzukehren.

Die Kleidung spielt natürlich eine große Rolle. Zerrissene Jeans und Schlabbershirts sind völlig unglaubwürdig, selbst wenn man ansonsten authentisch im Buch herumblättert. Typen im MitteLook lesen generell keine Bücher und müssen nervös auf dem SmartPhone herumhacken. Diese Nervosität wird mit dem Nichtbesitz eines gültigen Fahrscheines gleichgesetzt und schwupps wird man kontrolliert.

Nein, die Kleidung soll smart und unauffällig sein. Ein leichter Anzug ohne viel SchnickSchnack, schmal geschnitten, das Gesichtchen frisch rasiert mit sparsamen, aber wohligen Duftnoten garniert - so sieht sich der Kontrolleur gerne angetäuscht und freut sich, dass so edle Kundschaft überhaupt bahnfährt. Wenn so einer keinen Fahrschein hat, dann hat er bestimmt eine Sondergenehmigung, denkt er bei sich und lächelt froh vorbei zum nächsten Kunden.

Vielleicht denkt er aber auch: Mein Kursleiter vom Seminar: "Kontrollieren, aber richtig!" hat auch so einen billigen Anzug. Vielleicht ist das einer seiner Kollegen, und ich werde gerade darauf getestet, ob ich anständig angezogene Menschen mit einer Überprüfung des Fahrscheines belästige oder ob ich meine Konzentration lieber auf die ganzes Hartzies im Zug verwende, die ja unseren schönen Sozialstaat kaputtmachen, die Hungerleider sind und die deswegen generell nie Fahrscheine haben, auch weil sie selbst dazu zu faul sind...

Aber hoppla, denkt sich der Kontrolleur: Ich bekam ja bis vor Kurzem auch noch Hartz IV. Aber genau deswegen weiß ich ja auch, wie die alle so drauf sind: Weil die nämlich alle sind wie ich! Nur ich habe jetzt eine BEFUGNIS dazu, andere zu kontrollieren, und wenn ich sonst vollkommen bedeutungslos bin, dass es kracht, kann ich hier wenigstens etwas MACHT ausüben und andere belehren oder mich hämisch freuen, wenn einer mal keinen Fahrschein hat. Hoffentlich ist er nicht allzu klug, sonst erkennt er schnell, was für eine arme Sau ich in Wirklichkeit bin.

Der Kontrolleur weiß nicht: Kontrolleur sein ist kein ehrenwerter Beruf. Denn er unterstellt den Menschen generell Schlechtigkeit und Betrug. Mit so einem Weltbild wollen wir uns aber erst gar nicht abgeben und sagen "Pfui! Was ist das denn für ein doofes Weltbild?" Und Kontrolleure, die noch etwas Ehre im Leib haben, denen ist es schlicht wurscht, ob jemand einen Fahrschein hat oder nicht. Man muss sich ja nicht für jedermann zum Büttel machen lassen - und für Arbeitgeber schon gar nicht!

Polizist ist auch so ein Beruf, dem ein Grundmißtrauen an den Teilhabern einer Gesellschaft zugrunde liegt. Polizist wird keiner, der der Meinung ist, dass die Menschen ihr Leben und die Gemeinschaft mit anderen von alleine hinkriegen. Womit sie vielleicht sogar recht haben. Aber braucht es Straßenkontrollen, um die Welt zu verbessern? Oder verdachtsunabhängige Personenkontrollen (wo ja Leute aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden - so wie kürzlich auf der Fahrt von München nach Innsbruck).

In Erstere bin ich geraten, weil ich angeblich bei rot über eine Ampel geradelt bin. Zwei Personen (später als Zeugen benannt) standen vorne und haben durch ein Gerät gespäht. Da wurde ich etwas weiter angehalten und über mein angebliches Vergehen aufgeklärt. Ich bestritt alles, indem ich darauf verwies, dass die Ampel gerade mal gelb war, als ich sie passierte. Außerdem zweifelte ich an, dass die beiden Zeugen meines angeblichen Vergehens wirklich unparteiisch seien, was mir aber einen etwas ungnädigen Blick seitens der Beamtin einbrachte.

Mir wurde dann noch ein Brief angedroht, als sei die Polizei die Süddeutsche Klassenlotterie. Darin wird man mir jedoch schreiben, dass ich 45 Euro zahlen soll und außerdem einen Punkt in Flensburg bekomme (mein allererster). Und soll ich Ihnen noch was sagen: Ich hatte keinen gut geschnittenen Anzug an! Sowas kommt von sowas! Aber immerhin bekomme ich mal wieder Post...

Samstag, 1. Mai 2010

Mein ConvenienceAlkoven ist bewohnt! Aus dem System, gegen das System zum 1. Mai!

"Wenn Du zuhause bleibst, wegen den ganzen Bullen und den ganzen Absperrungen und so, dann haben DIE erreicht, was sie erreichen wollten: Die Demonstranten sind isoliert und können leichter angegriffen werden..." 

Na und? Das ganze Jahr tut man mehr oder weniger das, was man gesagt bekommt. Will meinen: Wir tun mehr Dinge, die man von uns verlangt als Dinge, die wir für uns, wegen uns tun. Wir gehen arbeiten, wir zahlen Miete, wir streiken nicht, um den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht zu gefährden, wir kaufen Sachen zum Anziehen und zum Essen. Wir stehlen nicht, wir vergewaltigen nicht, wir morden nicht - auch wenn uns danach ist.

Und dann soll ich ausgerechnet zum ersten Mai, dem "Tag der Arbeit", meine Faust erheben und gegen das "Schweinesystem" protestieren? Weil andere das von mir verlangen? Machen wir uns doch nichts vor: Wir sind doch alle Teil dieser Wertegesellschaft! Die allermeisten Demonstranten wollen auch nichts weiter, als einen Job bekommen oder ihn zu behalten. Mehr Geld, das auch. Oder auch keinen. Selbst der allerpolitischte Alg2- Empfänger ist ein Rädchen im Getriebe. Erste Tradition des 1. Mai: Es geht um Arbeit oder Nichtarbeit!

Das habe ich das ganze Jahr über, und ich kann mich auch das ganze Jahr über zur Wehr setzen. Dafür muss ich nicht auf die Straße. Arbeit ist, wenn man es so will, der Zwang, die Notwendigkeit, etwas zu tun, um die Existenz zu sichern. Genau genommen ist der Ruf der Straße nichts anderes als ein Ordnungsruf eines anderen Arbeit- oder Sinngebers, eine Verpflichtung sozusagen, unbezahlte Überstunden zu leisten. Das erinnert mich zu sehr an viele der Beschäftigungsverhältnisse, die auch gerne am 1. Mai kritisiert, ja sogar "angeprangert" werden.

Warum sollte ich da mitmischen wollen? Oder gar Krieg führen gegen die Vertreter, die Arschkriecher des Schweinesystems, die "Bullenschweine"? Da war man hierzulande aber schon weiter und hat jene erschossen oder geautobombt, die wirklich die Verantwortung tragen für so manche Ungerechtigkeit und Sauerei. Vielleicht nicht immer die Richtigen, aber man hat es wenigstens probiert. Heute kippt man die Autos armer Leute in Kreuzberg um oder zündet jene von vermeintlichen Yuppies an.

Okay, nichts gegen Autozerstörung, durchaus sympathisch, und ich gebe zu, dass ich dazu viel zu feige bin. Damit sympathiere ich, geht es mir hier aber mehr um die Zerstörung eines Fetischs als um "Stadtteilpolitik". Soll jeder wohnen, wo er will. Yuppies können nichts dafür, dass die Mieten dort steigen, wo sie leben. Sie zahlen halt jeden Preis. Die Vermieter sind's, Eigentümer allesamt, die glauben, für eine Wohnung sei ein Preis zu entrichten. Okay: Manchmal sind Vermieter und Yuppie dieselbe Person. Trotzdem möchte ich in keinem Stadtteil leben, in dem nur pseudolinke Wursthaarspießer mit Revieransprüchen leben.

Angesichts dessen sitze ich doch lieber in meinem ConvenienceAlkoven und schreib' mir die Finger spitz und blutig. Sollen die anderen ihre gewaltlosen Festchen feiern oder für mehr Arbeit demonstrieren, auf die beknackten Nazis einschlagen oder sich mit Polizisten messen, sich die ach-so-linken Bands anhören und den Gewerkschaften folgen: Am Montag führen sie ihr Leben so weiter wie zuvor! Ich auch!

Montag, 13. April 2009

Sommersmilde! Mannheim kriegt nochmal 'ne Gnadenfrist!


Eine Steuererklärung zu machen kann sehr gefährlich für Leib und Seele sein. Insbesondere dann, wenn der heimische Schreibtisch nebst einer Gaube, also unter einer Dachschräge, befindlich ist und man eben dieser Fenstereinlassung die Stirn bietet und dadurch eine große Beule davonträgt, die zwar jedem Klingonen zu großer Ehre gereichen würde, aber in bundesdeutschen Städten wie Mannheim sozial arg geächtet ist.

Welche unsichtbaren Schäden diese äußerst sichtbare Verletzung zu verursachen in der Lage ist, ist in diesem Fall noch nicht hinreichend geklärt. Möglich wäre eine Auswirkung auf das Sprachzentrum und damit auch auf die Syntax meiner. Mindestens aber eine Gehirnerschütterung mit Fieberanfällen wird die Folge sein. Appettitlosigkeit. Sexuelle Unlust. Vergrämung der Lebensqualität. Man wird abwarten müssen.

Dabei hat alles so gut angefangen! Seit ich wieder zurück bin in Mannheim, wohlbehalten zwar, doch irgendwie verzweifelt. Verzweifelt an der Tatsache, in dieses triste, kalte, hässliche Mannheim zurückkehren zu müssen, wo doch hier jeder Verwaltungsfachangestellter zu sein scheint, dessen einziger Spaß darin besteht, den jeweils anderen mit Formularvorlagen vollzuschmeißen und Griesgrämigkeit in jede Furche der Kultur zu sähen. Und an dieser Saat würde sogar die zäheste Krähe zugrunde gehen. Womit nicht gesagt sein soll, ich sei eine Krähe.

Ich weinte also noch bittere Tränen am Flughafen von Malta und wäre wohl nicht in den Airbus gestiegen, wenn meine liebe Frau C. nicht in heldenhaftem Mut den ersten Schritt getan hätte, dies schwöre ich bei der Ehre von allem was mir heilig ist, also meiner selbst! Aber seit ich wieder hier bin, geschah dann doch einmal etwas Erstaunliches, beinahe poesiebehaftetes, das ich diesen Gefilden gar nicht zugetraut hätte.

Denn erstens einmal ist das Wetter ja ganz grandios dieser Tage, dafür kann Mannheim aber nichts! Auch dass alles blüht und blumt und grünt in vielen bunten Farben und Grüntönen und dabei gar nicht so sehr nach Auto riecht wie in den Wochen zuvor, als es kalt war, nass und grausam, ist nicht Verdienst der Stadt. Aber dass deren EinwohnerInnen entspannt wirken, in diesen harten Krisenzeiten, und sie den Gemeinheiten, welche ihnen sonst widerfahren, den sonnenbestrahlten Rücken zuwenden, hatte ich so nicht erwartet.

Sogar der karge neue, alte Messplatz hat ein noch nicht völlig abgeschlossenes Update bekommen. Da, wo sonst nur diese seltsamen Glimmstängel herumstanden, dort gibt es nun auch ein paar Bäume. Und der Platz wird wider (meinem) Erwarten tatsächlich angenommen, freundlicherweise nicht nur von kreischenden Kindern und keifenden Müttern am Tag, sondern auch in der Nacht, und jetzt kommt sie, die Poesie des Alltags, von der hier schon die Rede war: Orientalisch anmutende Musiker hatten den Platz annektiert und ließen ägäischen Flair frei, während Punks und Normalos sich dem Feuertanz und dem Alkohol hingaben. Dieses friedliche Event sei mit dem Adjektiv "leicht" umfassend umschrieben.

Geht doch, liebes Mannheim! Eintracht mal ohne Fußball und über ethnische Zugehörigkeiten hinweg. Und um noch einen draufzusetzen: Die Polizei kam erst gegen halb Zwei in der Nacht, und die beiden schienen sich sogar ein ganz kleines bisschen dafür zu schämen, Vollstrecker eines grantigen Nachbarwillens sein zu müssen. Und dieser freundlichen Beschämtheit folgte ein ebenso freundliches Schulterzucken seitens aller Beteiligten, friedlich wurde der Platz geräumt. Da sieht man hinterher doch alles mit anderen Augen.

Sommersmilde möchte ich noch hinzufügen, dass die neue VHS an der Kurpfalzbrücke gar nicht so hässlich ist wie es zu erwarten war. Man müsste jetzt nur noch solche Bausünden wie die Kurpfalzpassage einreißen, ein Gebäude, das es im Dutzend wohl billiger gab: Jedes kleine Städtchen hat ein Verwaltungsgebäude, das genau so eine Fassade, genau so ein Dach hat. Weg damit! Und auf dem Dach der VHS bitte eine Bar mit Neckarblick! Mannheim kriegt 'ne Gnadenfrist!

Samstag, 17. Mai 2008

Frau Z. und der Datenschutz! Lustiges aus den Benzbarracken!

Man stelle sich vor, man ruft bei der Polizei an, um aus welchem Grund auch immer eine Anzeige zu machen, und die zuständige Polizeidienststelle veröffentlicht das Gespräch im Internet. Voraussetzung natürlich ist, man hat eine Sprachstörung (z. B. Dialekt) und allzu genaue Vorstellungen über mögliche Bestrafungsarten (Einsperren, Seife mitgeben, eine auf's Maul hauen etc.). Wer soll sich da noch trauen, bei der Polizei anzurufen, wenn ja doch alles veröffentlicht wird? Andererseits: Etwas Abschreckung hat noch nie geschadet!

Einer Frau aus Mannheim ist genau dies passiert, als sie sich bei der Polizei über Ruhestörung beschweren wollte. Das eigentliche Gespräch ist zwar schon einige Zeit her, doch wurde es erst vor kurzem ins Netz gestellt. Seitdem beschäftigen sich ganze Internetforen unter anderem mit der Tatsache, dass örtliche Dialekte selten eine Begleiterscheinung geistiger Eliten sind. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeuten soll, dass des Hochdeutschen mächtige per se die intellektuellen Stützen unserer Gesellschaft sein müssen.

Womit man sich aber leider nirgendwo beschäftigt: Dass in dem bei You Tube! ausgestrahlten, mit Untertitel versehenen Videomaterial der volle Name und die Adresse der Anruferin genannt sind. Beides hätte aber weggeschnitten werden können. Denn wer in der Lage ist, eine Audiodatei mit einer Videospur zu koppeln, der sollte auch in der Lage sein, bestimmte Audiosequenzen auszusparen, und sei es nur im Namen des offenbar läppischen Datenschutzgesetzes oder des sicherlich kindischen Dienstgeheimnisses.

Schließlich und letztendlich wurde dieses durch die örtliche Polizei mitgeschnittene Gespräch zu 100 Prozent illegal verwendet, und man darf sich fragen, wessen Geistes Kind der betreffende Mitarbeiter tatsächlich gewesen sein muss oder immer noch ist, um vertrauliche Daten einfach an die Gemeinschaft weiter zu leiten. Nicht umsonst müssen solche Daten des Datenschutzes wegen innerhalb weniger Tage wieder gelöscht werden (genauso auch Videoaufnahmen im öffentlichen Raum). Egal wie lustig sie auch sein mögen, veröffentlicht dürfen sie nicht werden.

Und lustig ist der Anruf, der in meiner Phantasie für viele der täglich zigtausend Anrufe bei der Polizei steht, tatsächlich. Denn man kann es kaum verneinen: Der gemeine Mannheimer klingt oft sehr drollig und ist dabei meistens sehr laut. Wer im Sommer die Fenster offen lässt, der weiß, wovon ich spreche. Und dass man den Text einer Videobotschaft untertitelt, ist nicht boshaft, sondern schlicht notwendig. Ohne die Übersetzungshilfe hätte ich den Inhalt des Anrufes tatsächlich nicht zur Gänze erfassen können. Und inhaltlich entspricht die Anzeige genau der geistigen Verfassung des Großteils der BürgerInnen 'tschlands: Es hat Ruhe zu herrschen im Karton!

Also kommt nicht nur Frau Z. dabei schlecht weg, sondern gleich eine gesamte, ausschließlich an spießbürgerlichen Werten orientierte Gesellschaft. Doch auch das sprachliche Leistungsvermögen des gesprächsführenden Polizisten wird weit überschätzt. Mag man bestenfalls noch annehmen können, dass er durch die sprachliche Anpassung Empathie erzeugen wollte, so ist beim besten Willen nicht nachvollziehbar, warum er den von Frau Z. als Wichser bezeichneten Ruhestörer ebenso als Wichser betitelte. Schon klar: Auch bei der Polizei arbeiten keineswegs nur Leuchten der Gesellschaft. Dennoch: Etwas Benimm sollte man schon erwarten können.

Deswegen ist es schade, dass Frau Z. zwar von Gaffern (Presse, Mob etc.) gewallfahrt wurde, nicht aber die für sie zuständige Polizeidienststelle. Dies kann jetzt nachgeholt werden: Besuchen sie das Polizeirevier Käfertal in der Ladenburger Straße 3, 68389 Mannheim. Übrigens hat You Tube! das betreffende Video mittlerweile entfernt, und die Polizei stellt mittlerweile Ermittlungen gegen Unbekannt an. Und ich tue mir schwer damit, einen Link zu dem noch im Netz erhältlichen Material zu setzen. Also lass' ich's sein!

Donnerstag, 14. Juni 2007

Sonderkommando "Blumenkübel"! Grosse Detektivarbeit auf der Kurpfalzbrücke!

polizisten in mannheim leisten grossartige detektivarbeit! wenn man viel glück hat, kann man sie bei ihrer arbeit beobachten. ich hatte das seltene glück. seitdem weiss ich, dass meine steuergelder gut angelegt sind!

vor einigen nächten ging ich mit meiner freundin C. leicht angetrunken über die kurpfalzbrücke nach hause. wir wollten dort den abend beschliessen. bin ich eigentlich ein trinker? ich muss hier mal eine statistik führen!

auf der brücke standen ein paar jugendliche, die von der polizei am gehen gehindert wurden. die polizisten hatten sie schwer im verdacht, dass die kids die blumen aus den seitlich aufgehängten kübeln dem neckar übergeben hatten, was diese allerdings bestritten.

da hatte einer der polizisten eine grossartige eingebung "ist ja schon komisch: ihr seid hier auf der der brücke und die blumen sind im neckar! wer ausser euch soll es denn sonst gewesen sein?" das war ein zeichen von grossem, detektivischem spürsinn, dem ich beiwohnen durfte.

im selben moment wurde mir zweierlei, nein, dreierlei klar: erstens war ich froh, dass wir nicht vor den kids auf der brücke gewesen sind, sonst wären wir der logik des polizisten entsprechend die einzig möglichen täter. zweitens: die polizisten hatten überhaupt nichts in der hand gegen die jugendlichen, sie hätten einfach gehen können. drittens ist mir gerade entfallen, ich hole diesen punkt nach, sobald er mir wieder einfällt.

meine freundin C. teilte mir eben mit, dass die blumenkübel wieder bepflanzt sind und einige beamte eigens dafür abgestellt sind, diese zu bewachen. eine besonders ehrenvolle aufgabe, wie ich meine! mich erinnert das eigentümlicherweise an diese fotographie aus den 80ern, auf dem hippies den soldaten blumen in die gewehrläufe steckten. sonderbar, die assoziationsmaschine namens hirn, was?