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Donnerstag, 13. September 2007

Kleines Quadrat braucht Platz! Mehr Mut zum Gehen!

Dass die MannheimerInnen so langsam sind, dass man ihnen während des Gehens die Schuhe neu besohlen könnte, habe ich schon an anderer Stelle erwähnt. In den Quadraten wird dies allerdings zum Verhängnis, insofern sich die Fußgänger den Platz mit Sitzbänken, Warenauslagen, Lieferwägen und den Straßenbahnen teilen müssen. Samstags ist es besonders schlimm:

Man "strömt" nicht geschwind über die Einkaufsstraßen, der Verkehrsfluss ist eher stockend. Ich als immer noch beweglicher End- Dreissiger aus dem hektischen Berlin fühlte mich schon mehr als einmal ausgebremst. So langsam wie sich die Masse bewegt kann ich gar nicht gehen. Ich verliere dabei das Gleichgewicht. Nur mit dem dazugehörigen Speck kann man die Balance in der Langsamkeit austarieren. Viele MannheimerInnen scheinen darüber zu verfügen.

Man sollte es nicht eilig haben! Und man muss mit allem rechnen: Unachtsam wankt die flanierende Meute mit ihren Mobilfunktelefonen oder Eistüten vor einem her, Einzelne drehen sich abrupt um oder bleiben unvermittelt vor einem Schaufenster stehen. Das ist zwar auch irgendwie Sinn der Sache, schliesslich befinden wir uns in einer Fußgängerzone.

Doch beim Ausweichen, Vorbeischlängeln und Durchflutschen bimmelt es plötzlich hinterrücks: Eine Straßenbahn schiebt sich durch die Meute, ist schon gefährlich nahe und ich muss wieder zurück in die zähe Masse der Bummelwütigen.

Was haben die Straßenbahnen hier eigentlich verloren? Doch eigentlich nichts, oder? Sie stellen höchstens einen weiteren Stressfaktor dar. Und ausgerechnet in den Fußgängerzonen halten sie alle 50 Meter an, genau so als müssten die Nippes- Konsumenten von einem Laden zum nächsten fahren. Von so einer Haltestellen- Dichte kann man außerhalb der Quadrate nur träumen.

Die Quadrate sind allerdings nicht so groß, als dass man nicht auch vom City- Ring her überall hinkäme. Die paar Meter, ich bitte doch sehr! Man könnte die Straßenbahn tatsächlich von den Quadraten ausnehmen. Vom Schloss, von der Kurpfalzbrücke, der Uni oder vom Wasserturm aus kann man prima flanieren. Aber offenbar ist man es in Mannheim gewohnt, überall direkt vor der Tür abgesetzt zu werden: Man soll sich bloß nicht mehr bewegen als nötig!

Ähnliches lässt sich nämlich im Parkverhalten vieler AutofahrerInnen feststellen: Warum in der 10Meter entfernten Parklücke parken, wenn man sich doch quer über den Bürgersteig direkt vor das Geschäft stellen kann. Die junge Mutter mit dem Kinderwagen darf's ausbaden, und der End- Dreissiger versaut sich seinen Anzug am schmutzigen PKW. Er überlegt sich schwer, ob er das nächste Mal nicht über die Motorhaube spazieren soll.

Freitag, 20. April 2007

Probleme mit Maßstäben und Raumkrümmungen

sicher, wenn das wetter gut ist, ist es auch schön in mannheim. ich erfahre gerade die gnade eines frühen sommers und kann mich mittags in ein cafè setzen. es ist nicht mannheim- spezifisch, das der latte kaum zu geniessen ist: kaum ein getränk wird so lieblos zubereitet wie ein kaffee, und ausser vielleicht noch beim mineralwasser ist die gewinnspanne für die gastronomen hoch. tatsächlich bin ich diesbezüglich etwas verwöhnt, ich kenne bundesweit nur einen betreiber, der es versteht, einen kaffee zuzubereiten. er befindet sich nicht in mannheim.

schade ist, dass die gastronomen offensichtlich keinen zugang zu den flüssen in der stadt haben - ersäuft es, das pack? - nein! ich meine: es gibt hier kaum kneipen in unmittelbarer wassernähe. dies bleibt wohl der vorbehalt der ansässigen industrie, und da fällt mir auf, dass mannheim ja tatsächlich industrie hat und ich das blos nicht kenne, weil ich eigentlich nur industriefreie, aber dafür gastronomiestarke städte bewohnt habe. da gibt es einen zusammenhang, meine ich.

die gastronomie befindet sich also überwiegend in den sogenannten "quadraten", deren aufstellung mir schon viel kopfzerbrechen bereitet hat: es handelt sich dabei um eine seitenverkehrte spiegelachse, die diametral zu meinem intelektuellen fassungsvermögen in einer horizontalen liegt, umgeben von einem stadtring, dessen inneres also eine quadratur der kreises beschreibt und: wer kann die heute eigentlich noch erklären?

auch merkwürdig: ich wohne in einer strasse in neckarstadt-ost, die paralell zum neckarufer verläuft. wenn ich am ende der strasse angekommen bin, laufe ich über den neckar! wie geht das? ich kann es nur so erklären: es handelt sich um eine räumliche paradoxie, eine raumkrümmung verursacht durch irgendsoeine kosmische magnetstrahlung, was weis ich?
etwas ähnliches kenne ich nur auf der autobahn von kaiserslautern nach trier: irgendwann kommt man an einem schild vorbei, auf dem eine restkilometerangabe zu trier steht. ca. 10minuten später kommt man an einem weiteren schild vorbei, auf dem der exakt gleiche abstand vermerkt ist. man durchfährt also offensichtlich ein stück land, in dem die zeit stehengeblieben ist bzw. gar nicht stattfindet.
das mannheimer finanzamt übrigens befindet sich ebenfalls in einer zeitschleife, allerding mit sporadischen hypersprüngen in die realzeit, nur um gleich wieder abzutauchen. jedenfalls hatte ich mit einer sachbearbeiterin 3 mal das exakt gleiche gespräch. irgendwann allerdings gab es eine koinzidenz der ereignisse: exakt 2monate nach beantragung einer steuernummer bekam ich diese endlich und kann jetzt jedem menschen, der mir unangenehm auffällt, eine rechnung schreiben.

mittlerweile kenne ich mich hier aus, auch wenn mich doch noch einiges verwirrt. meine freundin gab mir mal eine stadtkarte, da ich zu eben diesem finanzamt musste. es sah nach einem weiten weg aus, zu weit, um schnell mal zu fuss zu gehen: meine strasse den neckar entlang, um ihn dann doch zu überqueren (?) und des kreises quadratur entlang usw usf. ich setzte mich auf das fahhrad und stieg im scheibar selben moment wieder ab: ich war angekommen. der verfluchte massstab, sagte ich zu mir und seitdem laufe ich selbst viel zu weite strecken. in berlin ging es mir genau anders herum: och, das sind ja nur 2cm auf der karte, da geh ich zu fuss hin!
man könnte jetzt fragen: warum fährt dieser nörgler nicht überallhin mit seinem vermaledeiten fahrrad? ganz einfach: die zeit des aufschliessens und am ende wieder abschliessens des fahrradschlosses darf nicht länger dauern als die fahrt selbst. ihn dieser zeit kann man locker schon 100m gelaufen sein.

es gilt folgende faustregel:

fb = (0,5min*2)*n

das fahrradbedürfnis (fb) ergibt sich also aus der zeit des auf- und wieder abschliessens des fahrrads (0,5min*2) und der anzahl der zu fahrenden oder zu laufenden kilometer (n). ist der faktor fb kleiner als 2, wird gelaufen. ist er grösser oder exakt, wird gefahren.