Posts mit dem Label liebe Frau C. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label liebe Frau C. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. August 2010

Neue CD von WirSindHelden!? Privatwege in die Freiheit!

Privatbesitz am Freiheitsweg: In Brandenburg kein Widerspruch!




















Gibt es womöglich eine neue CD von WirSindHelden!? Hört man dem Erwachsenen- Dudelfunk Radio1 zu, dann spielt man dort so ein unsäglich langweiliges Stückchen Popmusik hoch und runter, und das könnte von der o.g., unsäglich langweiligen Popband stammen.

Wenn man mit einem derart niedrigen Spannungspotenzial einsteigt, kann das Niveau ja nur noch steigen. So zumindest die Rechnung. Mal schauen ob sie aufgeht: Mein Leben zur Zeit ist spannender als die Popband WirSindHelden! Wer sich erinnert: Nachdem meine liebe Frau C. mich verlassen hat, habe ich die "Stadt" Mannheim fluchtartig und wie ich finde völlig zurecht verlassen. Nur um dann die liebe C. aus Mannheim kennenzulernen, in die ich mich etwas verliebt habe, aber sie sich irgendwie nicht so richtig in mich.

Blödes Mannheim! Nun ist aber alles gut, da ich jetzt C. aus Berlin kennen und lieben gelernt habe, mit der ich derzeit in der Stadt Brandenburg an der Havel einen Urlaub verbringe. (Ich will an dieser Stelle ausdrücklich S. danken: Ohne ihren Support wäre ich wohl leidlich untergegangen.) Die Stadt Brandenburg ist hübsch, die Bewohnerinnen und Bewohner allerdings sind unglaublich mürrisch und unfreundlich. Lächelt hier jemals einer? Brandenburg/ Stadt jedenfalls beweist, dass Eigentum mit Glück überhaupt nichts zu tun hat. Laut C. sind die Brandenburger nämlich verhältnismäßig reich.

Weswegen ihnen der Kapitalismus wohl etwas zu Kopf gestiegen ist. Alles ist hier irgendwie privat und deswegen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich: Wege, Grundstücke, Badestellen etc. Die Umgegend ist dermaßen parzelliert, dass Fußgänger und Radfahrer unnötige Wege zurücklegen müssen, um von A nach B zu gelangen, statt einfach zwischendurch zu gehen. Nirgendwo scheint der Griff zum KFZ zwingender als in solch einer Gegend.

Dabei langweilt Eigentum, vor allen Dingen privates, ungemein. Ständig muss man sich fürchten, Unbefugte könnten ungeachtet der Verbotsschilder trotzdem baden oder mit dem Fahrrad über einen Privatweg stauben, dass es nur so kracht. Die Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Bundesländer haben die riesige Chance verpasst, die ihnen der Sozialismus einst geboten hatte. Dessen eigentliche Message lautete: Privatbesitz ist Pfui und Öffentlichkeit ist Hui! Wo das Eigentum herrscht, herrscht geistige Dürre!

Leider hat man in Brandenburg/ Stadt die erzlangweiligen Glücksversprechungen aus dem Westen verinnerlicht und jagt nun dem Glück nach, indem man Besitzungen anhäuft. Besitz allerdings ist so fad wie seine Eigner, und zudem macht er unfrei. So unfrei, dass man jede Offenheit und Herzlichkeit vermissen lässt - zumindest in Brandenburg an der Havel und Umgegend. Mitleiderregend, das... Hoffentlich wird Besitz bald verboten!

Es ist ohnehin absurd, für das Anrecht zu wohnen überhaupt etwas zu zahlen. Zumal Grundbesitz irgendwie unseriös ist. Wer kann sich anmaßen, über Grund und Boden zu verfügen? Wisset Ihr denn nicht. dass unsere Erde nur geliehen ist? Dass wir nur Gäste darauf sind, die keinerlei Besitzanspruch halten dürfen? Wo soll sich dieser Anspruch herleiten? Da könnte ja auch wer kommen und sagen: Der Atlantik gehört jetzt mir, und den Himalaya, den kauf' ich mir für'n Appel und ein Ei. Von WEM? Von GOTT?

Miete bzw. Pacht, liebe Freunde und Kupferstecher, gibt es erst, seit irgendwelche Wegelagerer sich überlegt haben, wie man ohne Arbeit zu Geld kommen könnte. Die haben dann arglosen Siedlern Schutzgeld abgepresst, sich daraufhin von denselben Siedlern Burgen bauen lassen und sie hinterher in die Knechtschaft getrieben, die ihre neuen Herren nun "Souverän" nennen mussten - diese selbstverständlich von Gott eingesetzt. Landbesitz war sozusagen von Gottes Gnaden. Spätestens seit der Adel seine Macht abgeben musste und deren Bestallung durch Gott allgemein angezweifelt wird, sollten doch auch die Besitzungen an die Öffentlichkeit zurückgehen. In Great Britain heißt der Vermieter jedoch heute noch "Landlord". Soviel zur Selbstverständlichkeit von Vermietungen.

Welch' vernünftiger Mensch will denn heutzutage noch mehr besitzen als Bücher und Schallplatten, Kleidung für jeden Anlass und eine funktionale Kücheneinrichtung? Mehr Besitz belastet doch nur die Seele, die so gerne baumelt in der Leere des Verzichts! Niemand würde auf die Idee kommen, so einfache Sachen ganz ordinär anzuzünden. Carlofts und Autos brennen auch viel länger als ein gutes Buch. Die Bibel (als Buch gar nicht so schlecht) spricht doch auch ganz gerne von Schwertern und von Feuer. Warum zündeln die Popen nicht mit Inbrunst den Wahn von den angeblich selig machenden Besitztümern weg? Aber mit den Christen ließ sich ja noch nie ein Blumentopf gewinnen.

Sonntag, 22. Februar 2009

Alles was man selber nicht ist! Fasching, Alltag, Mannheim, Berlin!

Es wäre leider nicht so erquicklich gewesen, über die Fastnacht in ein weitgehend karnevalsresistentes Berlin zu flüchten: Echte Freundschaften sind wegzugsbedingt auf einen kleinen, aber umso erfreulicheren Haufen Menschen zusammengeschrumpft, welche der Umstand eint, gerne einmal die Stadt, die sie so froh macht, zu verlassen: für Tage, Wochen, Monate. Diesbezüglich hätte es ein Problem mit der Unterbringung meiner Person gegeben. Außerdem wird mir die ehedem vertraute Stadt zunehmend fremder, so dass ich immer weniger Lust verspüre, dort alleine lustzuwandeln.

Der Künstler Holger E. (nicht verwandt mit dem Autor) findet ohnehin positive Aspekte an dem alljährlichen Umstand des Karnevals: Man könne sich dort bekleiden und etwas sein, was man sonst nicht sein könnte. Daher handele es sich um eine doch recht angenehme Veranstaltung. Ich teile die Meinung von E. nicht! Erstens verkleiden sich die wenigsten Menschen zu Fasching, sondern kleben sich nur Herzele auf die Backen und ziehen sich grüne Perücken auf's Haupt. Dies geht kaum als Verkleidung durch, sondern fällt wohl eher in den Rahmen des Vermummungsverbots, um ungestraft saufen und belästigen zu können. Fremde, die einen ohnehin nicht kennen, kann ungestraft an den Hintern gefasst werden, allein die Freunde der streng Feierwilligen erkennen den Menschen hinter der Fassade: Es ist derselbe, der sonst 51 Wochen im Jahr vor seinem Chef buckelt und sich auf die eine Woche freut, in der er lustig sein darf.

Meine liebe Frau C. hatte heuer das Vergnügen, einer Gruppe Mönche zu begegnen, die sie begrapschten und leutselig zu einem Irgendwas einladen mochten. Man muss dazu sagen, dass C. nur mal eben ein Ticket für W. Genazino in der Feuerwache kaufen mochte und selbst keinerlei Verkleidung an sich hatte, außer ihrem dezenten Lippenstift und ein wenig Lidschatten. Sie hatte sich die Grapscherei energisch verbeten, sagte sie schnaubend nach ihrer Rückkehr. Was sich diese Lackaffen denn einbilden täten, schließlich sollen sie sich an Ihresgleichen, also andere Verkleidete, halten und die neutralen, Unverkleideten, in Ruhe lassen! Ich musste meiner lieben Frau C. uneingeschränkt recht geben.

Selbst kann ich es mir auch nicht vorstellen, mich zu verkleiden, denn ich sehe genau so aus, wie ich mich gerne hätte. Dies ist ein großes Glück, das nicht jeder teilt! Bei genauerer Betrachtung allerdings stellt sich heraus, dass ich meinem Äußeren zum Fischgrätenanzug (Größe 52, leicht untersetzt) und den Lederschuhen (dunkelbraun, Größe 43) gerne noch einen weißen Knaufstock mit silberner Kugel und ebenso silberner Spitze hinzufügen würde, ich mich dies aber nicht so recht traue, da in Mannheim CamouflageKlamotten und CheMützen dominieren und man so gekleidet in den Ruf eines Dandys gerät! Von literarischen Zusammenhängen ausgehend frönt man hier eben weniger einem T. Woolfe oder G. Vidal, korrekt gekleidete Autoren immerhin. Welche Schriftsteller tragen gleich noch Schlabberlook? Ach, T. Meinecke, aber gegen diesen kann man wenig einwenden, mehr noch bewundern (trotz mieser, mannheimaffiner Kleidung). Zugeben muss ich allerdings, dass ich mich bisweilen auch schon verkleidet habe!

Ende letzten Jahres hatte ich Sorge für ein neues Einkommen zu tragen, weswegen ich mich auf diverse Stellen beworben hatte. Einer meiner Leser fand einmal, dass mir mehr Arbeit als vier Stunden täglich gut täte, und weniger Schreiben meinerseits den LeserInnen nur zuträglich sei. Daraufhin entschied ich mich, es einmal mit sechs Stunden täglich zu probieren. Es machte mich leider nicht glücklicher, und meine LeserInnen bekamen statt weniger nur schwierigeren Stoff zu lesen. Bevor nun einige LeserInnen wegdämmern, kommt nun endlich die Sache mit dem Verkleiden: Der 30StundenJob ging zuende, also schrieb ich ganz toll formulierte Bewerbungen. Trotzdem wurde ich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Dafür fügte ich mir völlig andere, mir fremde Persönlichkeiten hinzu und tat so, als interessierte ich mich tatsächlich für diese Stellen. Man sah mir meine Verkleidung genau in dem Moment an, in dem ich mich selber zu fragen begann, was ich hier eigentlich mache und wo mich das überhaupt hinführen soll. In beiderseitigen Einvernehmen kündigte man mir also schon, bevor ich überhaupt eingestellt war.

Nur ein Arbeitgeber in Frankenthal war zäh und bombardierte mich mit Einstellungsgesuchen. Es täte mir furchtbar leid, ihn, den Arbeitgeber, so enttäuschen zu müssen, doch leider sei ihm ein für mich geeigneterer Lebensentwurf zuvor gekommen, so dass ich mich leider gegen ihn entscheiden müsse, schrieb ich ihm daraufhin. Ich wünsche ihm noch viel Glück auf seinem weiteren Weg usw. usf. Nach diesem Schreiben legte ich meine Verkleidung als Arbeitnehmer endlich zur Seite und zog mich als Freiberufler an, der Anzug passt mir wenigstens. Die Arbeitnehmerverkleidung war mir stets zu eng und zu klein. Sie hat kein Phantasierevers und keine Freiheitsknöpfe. Die Schuhe entbehren jeglicher Spontaneität und der Hut versperrt mir die Sicht auf das Wesentliche. Der Stock, den ich hier tragen muss, weist stets in die Richtung, welche mein Arbeitgeber vorgibt, und diese läuft meinen Interessen meist zuwider. Ich bin nun frei zu tun was mir beliebt, und das freut mich und meine liebe Frau C.

Da haben wir also den Kopf frei für das Literaturfesival lesen.hören. Als dann der Herr Genazino am heutigen Abend noch bemerkt hatte, dass er das Faschingstreiben sogar als ExMannheimer ganz befremdlich fände, fühlte ich mich einmal mehr verstanden. Und nachdem er aus seinem neuen Buch gelesen hatte, und ich mich daraufhin an ein paar frühere Bücher von ihm erinnerte, fühlte ich mich auch sonderbar nahe seinen Protagonisten, welche stets durch die Zustände dieser Welt verwirrt und deshalb äußerst sensibel wirken. Das wollte ich an dieser Stelle noch anmerken.

Freitag, 18. April 2008

Kleine Stadt, kleine Bewegungen! Wenig Mannheim, großes Gewicht!

Der Mensch treibt Sport, weil er kein natürliches Leben führt. Der Arbeitsalltag lässt ihn körperliche Tätigkeiten nur einseitig betreiben, und dieses so entstehende Defizit wird durch das Training bestimmter, untrainierter Körperpartien kompensiert. Man könnte sagen, dass Sport der Katalysator der Leistungsgesellschaft ist.

Die meisten Menschen betreiben Sport, weil sie zu dick sind. Und weil sie endlich wieder ein Gefühl für ihren Körper bekommen möchten, das ihnen im Alltagseinerlei abhanden gekommen ist. Das Bedürfnis nach Sport ist ein Zeichen körperlicher Unausgeglichenheit. Kein Wunder, wenn sonst jeder Pfad, der im Leben begangen werden möchte, widernatürlich mit dem KFZ gefahren wird.

Als ich noch in Berlin lebte, betrieb ich keinen Sport. Das war gar nicht nötig. Meine Arbeitswege waren so lang, dass ich fahrradfahrenderweise fit blieb. Und das nächstbeste Café zum Hinfläzen war ca. 1km von meiner Wohnung entfernt, so dass der Latte Macchiato schon verdaut war, bevor ich ihn überhaupt trank. Auch das hektische Treiben in der Stadt und die dauerhaft finanzielle Klammheit schaffte Kalorien beiseite.

Tatsächlich ist Berlin riesig. Von Neukölln im Süden nach Wedding im Norden kann mit dem Fahrrad 20km weit und mehr fahren, und das ist alles noch dichtbesiedelte Innenstadt. Das Verhältnis zu den Fußwegen steigt mit den Wegen, die man mit dem ÖPNV zurücklegt. Da läuft man gerne auch mal drei Kilometer, nur weil es sich nicht lohnt, das Fahrrad dafür auf- und wieder abzuschließen.

In Mannheim ist das anders. Mannheim ist geradezu mickrig im Vergleich zu Berlin. Alles ist zu Fuß zu erreichen. Dass Mannheim trotzdem eine Großstadt ist, liegt an einem simplen Trick: Es werden einfach alle Kuhkäffer und Inzestsiedlungen in der Umgebung dazugezählt, und schon passt es. Mannheim ist genau gesehen eher eine Verbandsgemeinde als eine Großstadt. Wenigstens hält hier ein ICE. Mal sehen, wie lange noch!

Es kann kein Zufall sein, dass ich, seit ich in Mannheim lebe, 6kg zugenommen habe. Mir fehlt es hier einfach an Bewegung, ich habe kaum Auslauf. Alles ist in Sichtweite. Es lohnt sich kaum, irgenwohin zu laufen, wenn man doch eben mal kurz 'rüberlangen kann. Faktisch braucht man in Mannheim überhaupt keinen ÖPNV, geschweige denn ein Auto. Soll ich dereinst die Blumen verreister Bekannter gießen, spucke ich einfach 'rüber in den Blumentopf. So leicht ist das.

Okay, meine liebe Frau C. aka BionicWoman kocht vorzugsweise mit Sahne und Käse, und ich habe mich dementsprechend angepasst. Das sind natürlich Dickmacher. Dafür wird aber kaum noch Fleisch verzehrt, da meine liebe Frau C. Vegetarierin ist. Aber gegessen habe ich auch in Berlin, allein daran kann es also nicht liegen. Auffällig ist allerdings, dass viele MannheimerInnen etwas rundlich und sehr sehr bequem sind.

Hier tickt die Uhr eben etwas langsamer, und über die Geschwindigkeit der Eingeborenen habe ich ja bereits Bücher verfasst. Was bleibt mir jedoch, der ich einen Anzug nach dem anderen in die Schämecke hängen muss, weil ich nicht mehr hineinpasse? Wenn sich mein Bauchspeck bräsig über den nicht mehr nötigen Gürtel wölbt, sobald ich mich aufrecht hinsetze? Soll ich kapitulieren und neue Kleidung erwerben? Ja bin ich denn Krösus?

Also muss ich wohl oder übel Sport treiben. Zur Zeit kann man mich jeden 2. Tag durch die Neckarpromenade hetzen sehen, verzweifelt mit der Wampe kämpfend. Was ist geschehen? Bin ich nun endlich in der Leistungsgesellschaft angekommen? Man kann ja schließlich nicht ewig dagegen ankämpfen. Dennoch stimmt es mich irgendwie traurig, dass mein Körper durch Widerlichkeiten wie Sport gestählt werden soll, wo doch sonst das Selbst das Sein bestimmen sollte!?

Montag, 3. März 2008

Cinemaxx ist das Country for odd Men! Und dissen kommt von disrespect!

Immer noch werde ich von FreundInnen gefragt: "Nun, MetroBoy, wie geht es Dir denn so in Mannheim? Alles fit im Schritt?". Meist antworte ich: "Oooch, is' ganz okay hier, man müsste hie und da noch etwas nachbessern, aber ansonsten..." Ich verschweige gerne, dass ich mangels adäquater Kneipen weniger weg und dank üppiger Mahlzeiten mehr in die Breite gehe. Sei's drum! Es ist ein Zeichen tiefer Einsicht, nicht mehr jeder Party hinterherrennen zu müssen und dabei fett zu werden.

Manchmal aber schäme ich mich auch für Mannheim. Insbesondere der Hang der MannheimerInnen, das Herz auf der Zunge, dieses also nicht immer am rechten Fleck zu haben, beschwert meine Unbekümmertheit. Neulich zum Beispiel war mein guter Freund RonJustice zu Besuch, und wir gingen zusammen mit BionicWoman in den hochgelobten Film "No Country for Old Men". Was soll ich zu diesem Film sagen? Er hat ein paar Oscars gewonnen, aber wen interessiert das wirklich? Außer vielleicht das Publikum des Cinemaxx, das möglicherweise fehl am Platze war. Nicht jeder Oscar- Gewinner ist massenkompatibel.

Ich habe ähnliches tatsächlich noch nie zuvor erlebt: Während der Vorstellung klingelten ungefähr dreißig Mobilfunktelefone verschiedener BesitzerInnen, einer ging sogar ran, und das Pärchen neben mir schien jede Einstellung des Films raunend kommentieren zu müssen. Sie, vom Typ kleines Mäuschen sucht zärtlichen Teddy, der ihr die Welt erklärt, verstand den Film nicht, und er, vom Typ zärtlicher Teddy, der kleinen Mäuschen die Welt erklärt, tat sein Bestes, das Gesehene zu erläutern.

Da ich weiss, dass pure Blödheit immer obsiegt, und man deshalb eher das Gegenteil von Ruhe bekommt, wenn man sie einfordert, verhielt ich mich still und grollte dennoch. BionicWoman hingegen verwies die StörerInnen leider erst gegen Ende des Filmes, was trotzdem Wirkung zeigte. Wow! Hätte ich das geahnt! Doch der Flow war beinahe dahin, und es war schwer, die Handlung der bewegten Bilder ungetrübt einzufangen.

Als dann der doch sehr überraschend einsetzende Abspann über die Leinwand rollte, stand ein mittelaltes Pärchen vom Typ Zuchthausverwandschaft und zugehöriger Alkoholszene polternd auf, und das Weib brüllte durch den Raum: "Jetz geht mer noch zwanzisch Johr ehmol widder ins Kino, und dann kummt so ein Scheiß". Da ich den schönen Brauch pflege, einen Film über den Abspann hinaus zu goutieren und ihn innerlich noch einmal zusammenfassen, fühlte ich mich sehr gestört, und deswegen kann ich zu dem Film aber auch gar nichts sagen. Es ist so als hätte ich ihn nicht gesehen oder das Gesehene wäre irgendwie unrein.

Und ich schämte mich meiner Fettheit wegen und sämtlicher Menschen, mit denen ich die Stadt teilen muss. Ich schämte mich wegen RonJustice, der eigens aus seiner Kleinstadt in der Pfalz zu Besuch war und trotzdem so viel mehr Stil hat. Und ich bekam die Angst des Paranoikers, sich langsam in das zu verwandeln, was man am meisten ablehnt. Und was wäre dann? Würde ich meine gute Erziehung vergessen? Würde ich mir übergroße Autos kaufen wollen und den Gürtel noch drei Löcher weiter schnallen müssen? Würden sich Freunde von mir abwenden deswegen? Sie würden!

Denn es trifft mich große Schuld! Ich habe schlecht gegoogelt. Filme wie diesen, von den wunderbaren Coen- Brüdern produziert, darf man sich eben nicht in dem Vollprollkino Cinemaxx ansehen. Hätte ich die Trefferliste noch weiter durchsucht, wäre ich nämlich darauf gestoßen, dass dieser Film auch im Atlantis läuft. Die Gleichung lautet: Besseres Kino = besseres Filmpublikum = besserer Filmgenuss = weniger Scham und Paranoia! Denn nur wenige der MannheimerInnen sind wirklich so beknackt, die meisten gehen nämlich voll okay!

Samstag, 1. März 2008

Frische Luft für frische Bürger! Die Plakette für den Minivan!

Urlaub mit meiner Familie war selten spaßig: Zu fünft im Kadett auf dem Weg nach Österreich, zwischen den Beinen die Kühltasche und unterm Gesäß die Spielzeugkiste, eine Mördertour. Nur um am Ende das langweiligste überhaupt zu tun: Wandern!

Heute schnappt man sich den Minivan, baut im Kofferraum zwischen den Reisetaschen die Legolandschaft des Jüngsten auf und streckt die Beine aus. Die Reise zum Mond, zu den Küsten des Universums und zurück: Das ist Luxus und auch so bequem, und es soll ein Ende haben? Dank der sogenannten Umweltzonen?

Natürlich nicht! Denn Feinstaub verringern heißt nicht, auf seine vierrädrige Schwanzverlängerung verzichten zu müssen. Der Hund und die Kinder müssen zum Sport gefahren werden, der tägliche Einkauf ist zudem mit einem Kleinwagen kaum zu bewältigen. Und deshalb wird es vorkommen, dass der 14liter- Wagen eine grüne Plakette bekommt und der kleine, sparsame Zweisitzer mit dem Handschuhfach hinten eben nicht. Der bläst im Verhältnis zu seiner Größe einfach zu viel Feinstaub in die ohnehin verseuchte Luft.

Es bleibt abzuwarten, was die ganze Aktion überhaupt bringt. Eine schöne Nebenwirkung wäre ja auch eine Verringerung des Verkehrsaufkommens in der Innenstadt gewesen. Mir persönlich geht das alles nicht weit genug. In meiner Diktatur dürften Autos in die Ortschaften erst gar nicht rein, sondern müssten draussen warten.

Schliesslich wurden ja auch Autobahnen eigens für Autos gebaut, und da sollen sie gefälligst unter sich bleiben und dort die Luft verpesten. Ja, rauchfreie Gaststätten sollten zwangweise zu autofreien Städten führen. Das wäre folgerichtig: Frische Luft für frische Bürger! Und im Ernst: Das Leben in den Ortschaften wäre um einiges sicherer, zumal die wenigsten Fahrer ihr Fahrzeug wirklich beherrschen. Doch faschistoide Phantasien sollte man den Weltverbesserern überlassen, sie haben sonst nichts mehr zu tun.

Aber schliesslich täte mir ein solches Verbot sowieso nicht weh: Ich führe außer meinem Fahrrad überhaupt kein Fahrzeug, und nutze ansonsten brav die Bummelbahn durch Mannheim. Für den äußerst seltenen Fall zum Transport gefährlicher und/oder wertvoller Güter nutze ich das Angebot von Stadtmobil. Da sage mal einer, dass monetäre Armut zu unökologischem Verhalten führen muss.

Auch der VRN hat übrigens die Zeichen der Zeit erkannt und bietet das sogenannte Entdeckerticket an, mit dem man im gesamten Verbund herumtuckern kann, und das satte 30 Tage lang. Ich entdecke nun die Möglichkeit, mich und meine liebe Frau C. am kommenden Sonntag bei meiner Mutter zum Mittagsessen einzuladen. Sie lebt am ganz anderen Ende des Tarifgebiets und freut sich über mein VRN Ticket genauso sehr wie ich. Mahlzeit!

Montag, 25. Februar 2008

Odysseus' Jahre auf Gozo! Der frugale Kulturbeutel!

Da ich, warum auch immer, stets davon ausgehe, dass man in den Städten fremder Länder ja wohl kaum Hygieneartikel kaufen kann, pflege ich seit Jahren den Habitus, einen vollständig bepackten Kulturbeutel im Hause zu haben, so dass man diesen nur mitzunehmen bräuchte, wollte man denn verreisen. Den benutze ich allerdings auch für Trips nach Berlin oder Sojndersputzenhausen. Denn wie man ganz allgemein weiss, gibt es auch in Inner'tschland keine Putz- und Kratzsachen zu kaufen.

Meine liebe Frau C. findet dies sehr lustig, und als ich ihr zu ausgelassener Stunde mitteilte, dass ich früher sogar dazu neigte, spezielle und komfortable Reiseunterwäsche im eigens dafür geparkten Koffer gelagert zu haben, fiel sie vor lauter Lachen beinahe von ihrem Stuhl. Ich betrachte meine liebe Frau C. alias BionicWoman daher als genesen, wenn auch hie und da ein kleiner Schmerz sie piesackt.

Das war schon in unserem Hotelzimmer auf Malta in der touristisch etwas verhunzten Stadt Sliema. Das Wasser war gerade so spärlich aus dem Hahn getropft, dass man nicht hatte duschen können. Schuld waren wie immer die vielen alten Leute in unserem Hotel, die wie man weiss, alle immer zur gleichen Zeit aufstehen und duschen müssen. Sie müssen, so vermuten wir, pünktlich zum Gerontologischen Kongress erscheinen.

Auf Malta ist das Wasser knapp, laut einer Internetenzyklopädie gilt die Insel sogar als wasserärmstes Land auf der ganzen weiten Welt. Was ich aber irgendwie nicht glauben möchte, man denke nur an die Anrainerstaaten der Sahara. Trotzdem muss die Hauptinsel Malta Trinkwasser importieren, um allen Einwohnern und Gästen einen unbeschwerten Badespass zu gönnen. Und damit niemand verdursten muss.

Die Gozitaner auf Gozo zu Malta haben es da etwas besser. Die lehmige Erde dort eignet sich hervorragend zur Speicherung von Wasservorkommnissen. Es gibt sogar einige Brunnen, die man auf Malta vergeblich sucht. Überall grünt und wuchert es. So stellt man sich Irland vor, wenn man noch nie dort gewesen ist.

Der Boden glitscht, wenn man sein Schuhwerk fest in ihn gräbt. In Xhara gibt es innerstädtisch sogar ein paar Tropfsteinhöhlen, die man beim Brunnenbau entdeckte. Heute lassen die Hausbesitzer liebe Touristen gegen Bares zuerst in das Haus hinein, dann eine enge Treppe hinunter gehen, und dann kann man die feuchte Wunderwelt betrachten. Ganz bezaubernd, das!

Betritt man die kleine Insel Gozo zum ersten Mal, fallen einem sofort die hübschen, hellbeigen Häuser auf. Sie sind allesamt gebaut aus geschnittenem Lehmgestein, was sich farblich sehr gut zur Vegetation ausmacht. Auch der Baustil ist ganz wunderbar, arabeskes vermischt sich mit britishness, und es gibt dort keine einzige Bausünde. Apropos: Warum muss ich jetzt wieder an Mannheim denken?

Tatsächlich ist es auf Gozo sehr felsig. Springt man auf den Felsen herum, scheint es so als hüpfe man auf einer Schulsportmatte, so weich sind die. Wirft man einen Stein gegen die teilweise riesigen Brocken, dann klackert es nicht, sondern es pockt nur dumpf. Gozo ist, akustisch gesehen, die in Watte eingepackte Insel, der Opiumrausch unter der Tauchglocke, der Wadenwickel im Fieberwahn. Man muss nur aufpassen, dass man nicht allzu nahe am Inselrand herumspringt, sonst evoziert man eventuell einen Erdrutsch und reitet auf der Scholle in das tosende Mittelmeer.

Gozo ist also wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen, und daher recht fruchtbar. Man pflanzt dort ganzjährig allerlei Obst an, und Schafherden mähen das üppige Gras, um hinterher wundervoll hinter der Fleischertheke drapiert zu werden. Einst war Gozo sogar so etwas wie die Kornkammer Maltas, doch mittlerweile werden Lebensmittel aus Sizilien bestellt. Man ist dort etwas preiswerter.

Die Gozitaner sind nicht verbittert und pflanzen dennoch wohlschmeckende Orangen und Zitronen. Bei offensichtlichem Obstdiebstahl setzen sie ein gütiges Lächeln auf und geben dem Dieb einen Plastikbeutel, damit die Frucht am Baum nicht verschimmeln muss und sie ihr Ende im Verdauungstrakt des Menschen finden kann.

Auch Odysseus wusste einst die Freundlichkeit der Gozitaner zu schätzen. Er ließ sich dort von der schönen Nymphe Calypso aushalten, zappelte sozusagen an ihrem Mösenhaken und hing an ihren Kochtöpfen wie das Jungtier an den Zitzen seiner Mutter. Er benötigte immerhin sieben Jahre seines Lebens, um sich wieder seiner lieben Frau P. zu erinnern und sich nach ihr zu sehnen. Das verflixte siebente Jahr eben.

Die Calypso- Cave auf Gozo kann heute sogar kostenlos besichtigt werden, doch ist diese mit der Zeit ganz schön heruntergekommen und kaum mehr bewohnbar. Da gäbe es aber ganz schön was zu sagen in der Miteigentümerversammlung zu Gozo!

Mittwoch, 13. Februar 2008

BionicWoman und FarmerBoy sagen: It-tipjip joctol!

Bionic Woman, formerly known as meine liebe Frau C., muss wohl das Rauchen von teer- und nikotinhaltigen Konsumguetern aufgeben. Der zukuenftigen Gesundheit wegen. Ein guter Anlass, bei Zeiten selber damit aufzuhoeren. Ich bin ja sowieso nur Gesellschaftsraucher und mein Beduerfniss nach einer Zigarette sinkt proportional mit der Anzahl der RaucherInnen im Umfeld. Glaube ich zumindest.

Und das, wo Pfaelzer Wirte doch gerade erfolgreich ein Rauchverbot in Eckkneipen verhindert haben. Bionic Woman und FarmerBoy gehen jedoch aus irgendeinem Prinzip nicht in Eckkneipen, und auch erst recht nicht ins feindliche Bundesland links vom Rhein.

In Malta wird der Nichtraucherschutz schon seit letztem Sommer recht strikt durchgesetzt. Es faellt aber kaum schwer, die Fluppe mit nach draussen zu nehmen, da die Temperaturen auch im Februar moderat sind und hier auch kaum Gedoens um Heizpilze gemacht wird. Jedenfalls kann man hier ohne Frust und Frost seine Lieblingssubstanz im Freien inhalieren, und der Wirt freut sich.

Die toedliche Dosis Lungengift bekommt man aber auch wie in `tschland gratis dazu, hier in Form von verkehrsbedingtem Diesel- Feinstaub. Die Menschen werden zwar vor Lungenkrebs erzeugenden RaucherInnen bewahrt, dem Krebs selber ist es jedoch egal, wovon er gedeiht und wuchert. Wenn halt nicht durch Nikotinausstoss, dann eben durch Feinstaub im Verkehr und Buero. Der macht es sich aber auch leicht, der Lungenkrebs. Die Sau, wenn ich das mal so formulieren darf. Warum verbietet man nicht einfach den Lungenkrebs, moechte man da fragen?

Jedenfalls stelle ich es mir doppelt grausam vor, daran zu sterben ohne jemals an einer Zigarette gezogen zu haben. Der ganze Verzicht, so ganz umsonst? Aber darum soll es hier ja gar nicht gehen. Denn mit etwas Glueck wird Bionic Woman am Freitag aus dem Hospital entlassen, und da sie sich vor dem Hinflug noch etwas erholen soll, werden wir beide ihrem Zustand entsprechend die Sau rauslassen. Irgendwie bin ich es auch leid, dauernd alleine auszugehen und die lustigsten Preise zu zahlen, ohne darueber laestern zu koennen.

Malta hat den Euro naemlich ganz frisch bekommen, und da der Handel und die Gastronomie versprochen haben, fair zu bleiben (anders als in `tschland, wo die Preise vor der Umstellung klammheimlich angehoben wurden), wurde zunaechst auch nichts verteuert. So bezahlt man fuer eine Busfahrt laeppische 47ct (davon eine Scheibe abschneiden bitte: Infrastruktur darf nicht teuer sein, sie ist eine Dienstleistung des Staates an seine BuergerInnen).

Ein Orangensaft oder ein Kaffee (auch besser als in Mannheim) kostet 1,17 Euro, und einen gekochten Hasen nach Malteser Art bekommt man fuer 9,41 Euro. Doch ab Maerz duerfen die Preise auf ein weniger seltsames Niveau geschraubt werden. Die Malteser tun sich jedoch sehr schwer mit ihrer neuen Waehrung, ein Euro kostet schliesslich 2,33 Maltesische Lira. Das ist schwer umzurechnen. Und die meisten Laeden haben noch gar nicht umgestellt. Ich behelfe mir damit, den Warenpreis zunaechst zu verdoppeln und dann einen kleineren Phantasiebetrag draufzuschlagen. Das geht meistens auf.

Als alter Euro- Hase muss ich den Maltesen oft auf die Spruenge helfen und ihnen die irgendwie alle gleich grossen Muenzen erklaeren. Auch bin ich wesentlich fixe im Umrechnen. Protz! Und heute habe ich meinem Stammwirt in Griza gezeigt, wie man ein ordentliches Hefeweizen einschenkt. Das ist naemlich auch neu hier, und es will gepflegt sein. Alles wird gut!

Dienstag, 12. Februar 2008

Lost in Malta! Rosenkranz und Mutter Gottes!

Ein Hoch dem maltesischem Gesundheitsapparat! Vorbildliche Krankenhaeuser, gepflegtes und freundliches Personal und hoffentlich enormes Fachwissen zeichnen es aus. Ich darf das sagen, da ich bzw. meine liebe Frau C. Nutzniesser desselben sind.

Am Abreisetag bekam C. leider unglaubliche Schmerzen, so dass sie nun auf der CCCU im maltesischen Mater Dei liegt, wo sie nicht nur gut versorgt wird, sondern auch taeglich ein Pope oder eine Schwester zum Beten kommt. Was meine liebe Frau C. schwer nervt, da sie ueberzeugte Atheistin ist. Sie verabscheut den organisierten Glauben gar, und damit tut sie recht.

Aber was will man erwarten in einem Hospital, dass sich "Mutter Gottes" nennt? Ueberhaupt sind die Malteser (Malteken?) sehr glaeubig im katholischen Sinne, die Aufnahme in die EU erfolgte vor 2 Jahren trotz dem absoluten Abtreibungsverbot, dass wohl die beiden Bischoefe (einer fuer die Insel Gozo und einer fuer Zentralmalta) durchgesetzt haben. Ganz saekulaer geht es auf Malta also nicht zu.

Man gibt sich offen fuer andere Religionen. Im Krankenhaus koennen Muslime, Bhaghwani und Hare- Krishnas, orthodoxe Juden und Christen seelischen Beistand anfordern, und ich habe sogar noch einige vergessen. Ich weiss nur, dass die Church of Scientology nicht vertreten ist. Wenn man sich aber nicht vorsichtshalber einbalsamieren lassen und auch keinen Rosenkranz gebetet bekommen moechte, trifft man auf Unverstaendnis. Es ist also fast alles wie in Mannheim auch, und eine gewisse Bigotterie schwebt im Raum. Seltsam das!

Nachdem meine liebe Frau C. endlich ihren Helikopter- Flug bekam, den sie sich schon so lange wuenschte, sah es sehr kritisch aus. Ihre zuvor diagnostizierte Bronchitis stellte sich als etwas Ernsteres dar. Ich moechte hier nicht ins Detail gehen, es kann aber sein, dass ich demnaechst eine elektrische Frau habe, und das ist doch auch was.

Meine linkische Schreibe kommt womoeglich etwas kaltherzig herueber bei den geneigten LeserInnen, doch ist dies lediglich einem energischen Aufatmen zu verdanken. Und einem klinischen Optimismus, der mitreisen soll, vor allem meine liebe Frau C. Sie kann sich immerhin schon ueber andere lustig machen, auch wenn das Lachen noch sehr schmerzt.

So werden die maltesischen PatientInnen von Horden Verwandter besucht, die selbstgekochtes mitbringen, was garantiert nicht gesund ist: Fettes Huehnchen, Lasagne, Pizza (jawohl, die Lieblingsspeise hier), und Pastizzes. Dann gibt es ein grosses Bohei und der Laermpegel steigt auf Startbahn- West- Level. Des Nachts, so sagt C., wird geroechelt und gehustet, dass es eine Freude ist. Meine liebe Frau C., soviel sei gesagt, drueckt den Altersdurchschnitt auf ihrer Station um Einiges. Ich bin sehr stolz auf sie. Wieder mal!

Und jetzt, wo sich alles entspannt hat, werde ich hier noch einiges ueber Malta posten, so dass mein unfreiwillig verlaengerter Aufenthalt hier nicht ganz ueberschattet wird von draeuendem
Unbill.

Freitag, 1. Februar 2008

Kleiner TV, großer Bettel! Supersize me!

Die Inflation, sie ist längst da! Das ist so gewollt, man hat es eben gerne größer und immer größer. In den Medien spricht man vom "immer mehr..." der Arbeitslosen, der Staatsverschuldung, der kriminellen Jugendlichen usw. und so fort. Mir gefiele es "immer mehr", spräche man vom "immer weniger", man sich also eher im Dienste einer Deflation begriffen sähe.

"Immer mehr" Dicke gäbe es in 'tschland, und dies sei überwiegend ein Problem bildungsferner Schichten. So heißt es jedenfalls. Mir gefällt der Gedanke, weil dadurch auch "immer mehr" PolitikerInnen der Bildungsferne bezichtigt werden können. Ein Großteil der Mannheimer Männer allerding auch. Und auf bedenkliche Weise gleiche ich mich an. Längst habe ich dem BMI abgeschworen und rechne wieder auf alte Weise, denn da komme ich viel besser weg: Körpergewicht ist gleich Körpergröße minus 100cm. Ich finde den Gedanken jedoch beunruhigend, dass mein Bildungsstand abhängig ist von der Art, wie ich mein Gewicht berechne.

Die Unzufriedenheit mit sich selbst und den Umständen, in denen man sich befindet, ist ein Relikt aus der Entstehungszeit der Menschheit. Das ständige Streben nach Verbesserung der persönlichen und der sippenhaften Lage sei der Motor der Zivilisation gewesen, so wird gemunkelt. Hatte Zomba, der hünenhafte Wurzelflechter, nur 3 Mammutkeulen, so eiferte er dem zottigen Ulagh nach, der derer 4 hatte. Da er dafür aber nichts jagen wollte, klaute er es dem nächsten Deppen, der ihm über den Weg lief.

Irgendwann hatte jeder mehr Mammutkeulen, als er essen konnte. Dumm nur, dass die Mammuts darüber ausgestorben waren, und die Keulen damit wertlos wurden in dem Maße wie sie verdarben. Wenig später erfand man Geld, aber besser geworden ist deswegen nichts. Die Menschheit, sie ist noch ganz am Anfang, so könnte man meinen. Alles wird teurer, und man bekommt noch dazu weniger dafür.

Selbst die Obdachlosen und die meist jugendlichen Schnorrer geben sich nicht mehr mit 50cent zufrieden, sondern fragen gleich nach 2 bis 3 Euro. Dies liegt nur etwas unterhalb des Stundenlohns einer Backwarenverkäuferin und ist auf die Stunde gerechnet einträglicher als die Beschäftigung bei einem die ArbeitnehmerInnen ausbeutenden Unternehmungen. Aber wer hat schon 2 bis 3 Euro übrig für Schnorrer, wenn doch alles so inflationär teuer geworden ist?

Die Backwarenverkäuferin in Ludwigshafen befindet, dass ihr billigere Brötchen angesichts ihres lausigen Lohns auch lieber wären. Während Familie G. in ihrer Bonzenvilla säße, müsste sie nämlich Tag und Nacht schuften, nur um einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich hatte lediglich die kreative Preisgestaltung verhöhnt, weil man neuerdings gerne Backwaren für beispielsweise 57cent verkauft. Dies solle dem Kunden wohl suggerieren, hier würde knallhart ihm zugunsten kalkuliert, so dass Familie G. oder Herr K. beinahe aus ihren Villen ausziehen müsste?

Es geht aber auch anders: Auf dem Weg ins Kino trafen meine liebe Frau C. und ich auf einen offenbar türkischstämmigen Mann, der uns auf offener Straße einen Kleinbild- TV verkaufen wollte. So ein Gerät besitzen wir aber selber, interessiert hätte uns also eher "ein- vom- LKW- gefallener- Plasma- Flachbild- TV- Gerät", oder wie die Dinger heutzutage heißen. Mit steigendem Alter verliert sich der Überblick über technische Errungenschaften in ebensolchen Maße, wie das Bedürfnis nach ebenjener Technik steigt.

Anders ausgedrückt: "Immer mehr" älter werdende Menschen stehen in sogenannten Medienkaufhäusern vor immer weniger motivierten und damit nur sogenannten Fachverkäufern und wollen Dinge erstehen, von denen sie den genauen Namen nicht kennen. Ungeduldig hört man dem Kunden zu, widerwillig grenzt man den Kundenwunsch ein.

So geschehen, als ich vor einigen Jahren eine "DSL- Box" erstehen wollte und einen der motivationstrainierten Angestellten danach fragte. Man hätte keine Ahnung, was ich denn meine, erklärte der sichtlich angewidert. Nach einiger Zeit stöhnte der Fachverkäufer auf: "Ach, Sie meinen ein DSL- Modem? Oder etwa einen DSL- Router?" Damit hatte ich nicht gerechnet. Da ich mich nicht mehr getraute zu erfragen, welche Bewandtnis es mit dem einen oder anderen Geräts hat, zog ich voller Scham von dannen.

Bei den Frisören ist es übrigens ähnlich: Wenn ich mich mit deren Fachjargon auskennen würde, so könnte ich ja meinen Wunsch auch genauestens benennen und wäre dann aber wohl in der Lage, mich selber zu frisieren, bräuchte also gar keinen Frisör mehr. Dem ist aber nicht so, deswegen lasse ich mir die Haare von meiner lieben Frau C. schneiden. Ich schäme mich zu sehr über meinen Mangel an fremdberuflichem Fachsprech. "Immer weniger" Frisöre profitieren wegen ihrer offensichtlichen Arroganz von meiner Haarpracht, die sich übrigens ganz wunderbar frisieren lässt.

Dies hat aber zur Folge, dass "immer weniger" Frisöre ausreichend Geld verdienen. Sie bezahlen ihrem Personal deswegen Hungerlöhne. Im Gegenzug werden die Preise erhöht, damit "immer weniger" KundInnen das gleiche Einkommen einbringen. Leute wie ich sind Schuld, dass die Wirtschaft den Bach heruntergeht. Soll sie doch...

Samstag, 12. Januar 2008

Komplimente ja, aber welche? Die Dialektik der Partnerschaft!

Ich lasse die LeserInnen entscheiden: Was kann man dem/der LebenspartnerIn schmeichelhaftes ins Ohr flüstern? Welcher magische Spruch bringt die Hormone in wohlige Stimmung und lässt auf ein zügiges Zusammenfinden hoffen? Was wollen unsere PartnerInnen wirklich hören?

Ich fürchte, die Lüge ist der schaurige Gewinner. Denn markante, gesellschaftlich aber verruchte Sätze wie "Du siehst super aus, bist gut im Bett und kochen kannst Du auch" mögen zwar ehrlich gemeint sein, sind aber zumindest für den weiblichen Part der Beziehung unerträgliches und ihr Geschlecht stigmatisierendes Gedöns.

Ich selber, ja ich würde mich mit solcherlei Attributen versehen in den Himmel gehoben fühlen. Es ist mir stets ein Gräuel, immer nur auf meine inneren Werte reduziert zu werden. Denn es wird vermutlich einiges zurecht gebogen, wenn nicht sogar gelogen. Wenn da mal nicht der Wunsch Pate des Gedankens war. Und ich muss dann die Phantasie meiner Partnerin bedienen, um ihrem Bild von mir zu entsprechen. Das ist gar nicht gut und kann nur schief gehen.

Doch schon die Frage, welches Kompliment zuerst bedient wird, stellt uns doch vor schier unlösbare Probleme: Sage ich zuerst "Du bist schön" oder doch lieber "Ich liebe Deine analytischen Fähigkeiten"? Entscheide ich mich für das Erste, wird mir unterstellt, ich sähe zwar den Körper, doch nicht den Geist. Nehme ich letzteres, wird das Haar beleidigt zurückgeworfen und trotzig befunden, man fände betreffende Person wohl unattraktiv.

Man kann sich also unglücklich machen, indem man stets das Ungesagte vermisst und das Gesagte kritisiert. Ich will aber, das meine liebe Frau C. glücklich ist. Ich nehme an, jeder Liebende will dieses Gefühl beim Lebenspartner erzeugen. Sollte man deswegen nicht gnadenlos bei der Wahrheit bleiben und Komplimente frei Schnauze verteilen? Oder ist es besser, zu Lügen oder sogar Kompliziertes zu konstruieren? Auch wenn dabei die Libido flöten geht?

Ich lasse also die LeserInnen entscheiden, wenn sie geneigt sind. Was ist besser für ein wohliges Zusammensein?

  1. Einfach die harten Fakten auf den Tisch legen und brünftiges vom Stapel lassen a la "Grunz"
  2. Gnadenlos lügen, bis sich die Balken biegen, um damit das Selbstwertgefühl des Lebenspartners zu stärken?
  3. Den Intellekt des Partners durch Komplimente hervorheben mittels einer detailreichen Analyse über die Verquickung der betreffenden Person mit dem Kosmos und die Bedeutung selbiger im selben?
  4. Eine Mischung von allem? Dabei die Gewichtung der Bestandteile je nach Situation und Erfordernis beurteilen?

Montag, 22. Oktober 2007

Up to Date! Down to Earth!

Ja ja, ich weiss: Ich vernachlässige hier sträflichst meine mir selbst aufgebürdete Pflicht, hier an dieser Stelle regelmäßig zu schreiben. Doch bin ich mitten im Broterwerb und möchte mich hinterher höchstselbst um meine liebe Frau C. kümmern.

Da bleibt nicht viel Zeit und Muse für wilde Schreiberei und tiefgreifende Erlebnisse, die berichtenswert wären. Die Arbeitswelt ist kaum der Rede wert, und über die Aktivitäten mit meiner lieben Frau C. zu schreiben, das wäre wohl zu intim. Wir fühlen uns wohl, das muss genügen.

Heute wurde gebacken und gekanapee't, dass es nur so eine Freude war. Im Kino sah man dann den nicht mehr ganz so neuen Fatih Akin. Trotz aller Befürchtungen ob des Vorgängers "Gegen die Wand", der ja sehr niederschmetternd war, muss ich sagen: Guter Film! Nicht brillant, aber immerhin gut.

Ansonsten habe ich seit 2 Wochen einen Auftrag über 250 Taschen, die ich mit meiner Firma bemybag.com zu produzieren gedenke. Was auch hoffentlich klappt. Aber wie immer ist die Zeit nur knapp bemessen, so dass ich bis Ende November Tag für Tag bunte Taschen nähen muss. Es ist nur eine meiner vielfältigen und erschreckenden Schrullen, dass ich meine Sachen nur ungern aus der Hand gebe und ihnen damit sozusagen das "Meisterprädikat" aufstempeln möchte.

Liebe Handwerkskammer: das Wort "Meisterprädikat" ist an dieser Stelle nur Metapher! Ich täusche nicht vor, einen Meisterbrief zu besitzen - wenn auch dieser als Relikt einer mittelalterlichen Zünftewirtschaft und Produkt des barbarischen 3. Reiches so allmählich seine Bedeutung verlieren sollte. Nicht alles, was unter Hitler geschah, war gut! (Wenn ich die ebenfalls non-PC- These von Eva Herman mal ins Gegenteil verkehren darf!)

Gehabt Euch wohl und lasst es Euch gut gehen. Wir hören voneinander - bald!