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Dienstag, 23. September 2008

In der Zwischenzeit! Neues vom Holiday-Park!


Eine Freikarte kann vieles bewirken. Sie schafft es immerhin, dass FarmerBoy Dinge tut, die er sonst nicht tut. Gut, etwas überzeugen musste ihn RJay schon: Immerhin könne er, FarmerBoy, dort etwas erleben, über das er ja später noch schreiben könne. Außerdem habe RJay früher sogar einmal dort gearbeitet.

Dort, das ist der Holiday-Park. Und FarmerBoy hasst Vergnügungsparks. Aber wie gesagt, eine Freikarte verändert den Menschen. Und so begibt sich FarmerBoy auf die Reise nach Hassloch und wartet am dortigen Bahnhof auf RJay. Der Bahnhof in Hassloch ist wohl der langweiligste Ort im Universum. Dort gibt es nichts, außer einer kleinen Bahnhofskneipe. Die Menschen darinnen warten wohl schon seit Jahren auf den Zug, der sie fort trägt aus dieser Stadt.

Hassloch ist bekanntermaßen so durchschnittlich, dass die Menschen dort Testprodukte zu kaufen bekommen. Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist repräsentativ und lässt sich auf die Bundesrepublik hochrechnen. Wenn also irgendein probiotischer Joghurt mit 0,01% Fettanteil auf den Markt kommt, dann hat er den Hasslochern geschmeckt.

FarmerBoy bekommt plötzlich große Angst und beruhigt sich erst wieder, als RJay mit dem nächsten Zug ankommt. Beide warten nun auf den Bus, der sie zum Holiday-Park bringen soll. Das dauert ca. 30 Minuten, was ziemlich genau eine halbe Stunde zuviel ist, wenn man sich in Hassloch am Bahnhof aufhalten soll.

Der Vergnügungspark wird von Louis XIV beherrscht. So nennen ihn seine Angestellten hinter vorgehaltener Hand. Mit majestätischer Geste beherrscht er ein Gebiet, in dem das Licht nie ausgehen möchte. Am Ende der Saison schaut er auf sein Volk hinab, das seine saisonal bedingte Arbeitslosigkeit feiern darf. Die Feier geht auf Kosten des Sonnenstaats. Bis dahin wird aber gearbeitet.

Der Sonnenkönig beschäftigt allerlei Personal. Am glücklichsten dürften die StudentInnen sein, die nur ihre Finanzen aufbessern möchten. Weniger glücklich sind die saisonal Angestellten, die ihr Gehalt mit ALG2 aufstocken müssten, wenn sie nicht so viele Überstunden machen würden. Man kann das Personal gut auseinander halten: Jene die lächeln sind die StudentInnen, die anderen lächeln nicht. Trotzdem sind viele zufrieden und stolz. Für sie ist der Park alles.

Der Holiday-Park ist letzten Endes auch eine Single-Börse: Wer auch immer dort arbeitet, dem wird eine Affäre verheißt. So hat der Mitarbeiter Z. dort seine Freundin kennen gelernt. Andere bändeln gerade an. Es lässt sich wohl doch leben in der Armut. Man sollte den MitarbeiterInnen jedenfalls allen Respekt erweisen: Wer es schafft, 10 Stunden an einem Fahrgeschäft zu stehen und die Musik dort ohne seelische Schäden zu ertragen, der ist ein Held der Arbeit. Schade, dass die meist jugendlichen Gäste diesen Respekt nicht gewähren wollen. Doch die seltsam tumbe Masse, die sich durch das Gelände schiebt, ist auch nicht viel freundlicher.

So endet der Tag für FarmerBoy, und er ist RJay dankbar für den gewonnenen Einblick. Zurück am Bahnhof in Hassloch flirten noch ein paar Betrunkene mit Holiday-Park-Mitarbeiterinnen. Der passende Soundtrack dazu ist Arcade Fire, der passende Zug ist der nach Mannheim. FarmerBoy kommt genau rechtzeitig an, um die letzte StraBa zu verpassen. Der Weg nach Hause wird nachdenklich

Donnerstag, 4. September 2008

Betrunken, geil und picklig! Schwefel rettet Leben in der Hafenstrandbar!

Farmerboy empfindet es ja als Schmach, als Vollzeit-Selbständiger gescheitert zu sein und nun sein Einkommen durch seiner Ansicht nach wertloser Lohnsklaverei bestreiten zu müssen. So hat er nicht gewettet, und das kosmische Spielkasino, bei dem er diese Wette platziert hat, sei verflucht bis in alle Ewigkeit. Dabei sind die KollegInnen wirklich nett; allein, man verbringt viel zu viel Zeit mit Arbeit und verliert dabei viel zu viel Zeit für das Wichtigste im Leben, nämlich: Muse, Zeit und Zärtlichkeit!

Das war schon einmal anders. Es gab Zeiten, da haben Musiker noch FarmerBoys Leben retten können. Auch sogenannte Autoren-Radio-DJs konnten das, davon wurde zumindest gesungen. Autoren-Radio-DJs sind übrigens Leute, die sich mit Musik auskennen und diese für ihre Sendungen selbst zusammenstellen. Die meisten Radio-DJs im kommerziellen Radio hingegen jagen die Musik computereguliert durch den Äther, und sie plärren die ganze Zeit ihre angeblich gute Laune ins Mikrofon. So jemand rettet nicht FarmerBoys Leben.

(Norbert) Schwefel hatte mal einen guten Lauf in den 90ern und war sowas wie der Independent-Music-King der Region, als Independent-Music noch nicht Alternative hiess, deren Protagonisten heute lustige Kinnbärtchen tragen müssen. Kinnbärte gab es in den 90ern noch nicht, dafür aber schwarze Kluft und Nietengürtel. Man telefonierte noch per Münzfernsprecher, und wenn jemand mal nicht zum Konzert kommen konnte, musste er Tage vorher abtelefonieren.

Die Geschichte beginnt an einem OpenAir-Festival, als dies in Mannheim noch möglich war und die heutigen Alten jung genug waren, um nicht damals schon so alt gewesen zu sein, als dass sie sich über die Lautstärke hätten aufregen dürfen. Ich hoffe, dieser Satz ist grammatikalisch richtig, sonst setzt es was! An eben jenemTag begab es sich, dass FarmerBoy mit seinen Kumpanen RonJustice und Z. zufällig so mal eben unterwegs waren. Man hörte sich dieses und jenes an, und lästerte gegebenenfalls. Teenager eben: betrunken, geil und picklig!

Irgendwie verstanden es die drei kaum einmal, ein Girl aufzutreiben, das auf betrunkene, geile und picklige Teenager abfuhr. Doch Z. hatte die unglaubliche Gabe, wirklich jeden (nicht jede!) in ein Gespräch verwickeln zu können. Dieses mal war es eben Norbert Schwefel, der am Abend auch spielen sollte. Z. gabelte ihn irgendwo auf und textete ihn wohl dermaßen zu, bis dieser resigniert einfach mitkam, um den beiden anderen vorgestellt zu werden, die erklärtermaßen riesige Fans von Schwefel seien, die aber auch etwas irritiert dreinschauten, weil sie Schwefel in Wirklichkeit gar nicht kannten und Z. ihnen erst die Bedeutung des Events verdeutlichen musste, nicht ohne RonJustice und FarmerBoy wüst zu beschimpfen. Schwefel sah nicht besonders glücklich aus.

Es hätte schlimmer kommen können: Z. hätte Joy Fleming im Schlepptau haben können, jene Mannheimer Wuchtbrumme, die auch heute noch felsenfest der Meinung ist, sie mache moderne und experimentelle Musik, weil sie wahrscheinlich ab und an mal den Keyboarder wechselt, da ist sich FarmerBoy heute unschlüssig. Man trank jedoch zu viert ein paar Bier und dann banden die drei Norbert Schwefel wieder los und schickten ihn auf die Bühne, wo er ein wirklich tolles Konzert gegeben hat. In genau diesem Moment sprach wohl die schöne, aber etwas doofe B. dem FarmerBoy auf den Anrufbeantworter, um ihm resigniert zu gestehen, dass sie nun die Nase voll habe, wenn er sowieso immer nur mit Z. und RonJustice unterwegs sei, und sie deswegen kein weiteres Interesse mehr an ihm habe und ihm auf diesem Weg Adieu sagen wolle.

Die schöne aber etwas doofe B. mochte FarmerBoys Pickel nicht und außerdem seine ganze Art, und so kamen die beiden am Ende nicht zusammen, weswegen sie dann auch nicht zusammen nach Israel geflogen sind und die schöne aber etwas doofe B. dort ohne FarmerBoy, aber mit vielen anderen Businsassen in die Luft gejagt wurde. Das ist traurig, weil B. eben nur etwas doof war und es ohnehin niemand verdient hat, von richtig doofen Menschen in die Luft gejagt zu werden. Wäre FarmerBoy an jenem Abend zuhause gewesen, hätte er gewiss versucht, die schöne, heutzutage Tote, damals aber etwas doofe B. umzustimmen und an ihr Mitleid zu appellieren. So aber kann er heute behaupten, Schwefel habe ihm damals das Leben gerettet.

Am nächsten Sonntag, den 7.9.2008 hat Norbert Schwefel wieder die Gelegenheit, ein paar Leben zu retten: Er spielt mit seiner Band alte Hits in der Hafenstrandbar, und vielleicht hutzelt er auch ein paar neue? FarmerBoy lässt es sich nicht entgehen. RonJustice hingegen plagt sich mit einer Erkältung und sagt seine Teilnahme per Mobilfunktelefon rechtzeitig ab. Zu Z. hat man jeden Kontakt verloren, wie das so ist im Leben. Die alten Tage, sie sind vorbei. Die Pickel sind verschwunden, die Geilheit ist kanalisiert und mündet in Ehen und Partnerschaften, und Alkohol gibt's nur noch wochenends. Arbeit kastrierte die wilden Buben!

Donnerstag, 17. Juli 2008

Zeit für einen Kleinkrieg! Aurale Botschaften, ungefragt!

Wo sind die guten alten Zeiten hin, als Kinder noch als das galten, was sie im Grunde auch sind: Als unsägliche Störenfriede, die dauernd Lärm machen, frech sind und mit ihrem ewigen Gelaufe das Treppenholz ruinieren. Eltern wurde stets mit der Aufkündigung des Mietvertrages gedroht, sollte keine Besserung eintreten. Und man meinte es ernst!

Heute ist das natürlich anders. Es soll ja nicht benachteiligt werden, wer künftige Arbeitslose in die Welt setzt. Vielmehr müssen Familien unterstützt werden, und das ist ja eigentlich auch gut so. Dummerweise setzt sich damit manchmal etwas Größenwahn durch, und das auf zweierlei Weise. Erstens: Kinder werden zum Ersatzvehikel für eine ansonsten verpfuschte, weil völlig sinnlose Existenz. Zweitens: Das ganze soziale Umfeld muss sich nach einer einzigen Familie richten, nach ihren Ritualen, Bedürfnissen und Tagesabläufen.

Schnell werden Aufrufe an die Haustür getackert, in denen so etwas anachronistisches wie Mittagsruhe gefordert wird. Zwischen 12 und 15Uhr darf nun weder gearbeitet, geputzt noch geatmet werden. Zu anderen Zeiten darf es aber auch nicht zu laut zugehen, wenn doch, dann wird - am liebsten mit Säugling im Arm - an der Wohnungstüre geklingelt. Was nämlich laut ist, legt die Familie selbst fest: Laut sind alle Geräusche, die von außen kommen und in ihrer Wohnung hörbar sind.

FarmerBoy hat das Pech, in einem sehr hellhörigen Haus zu leben. Die Zimmertüren dämpfen den Schall mehr als der Fußboden. Offensichtlich hat man es unterlassen, eine Trittschalldämmung einzubauen. Er leidet darunter stark, weil seine kleinen Nachbarkinder nachts mitunter erbärmlich schreien. Manchmal wirklich so erbärmlich und so lange, dass er aufrecht im Bett sitzt und hinterher nicht mehr einschlafen kann. Er beschwert sich allerdings nicht. Ist ja völlig normal, mit so kleinen Kindern im Haus, denkt er nachsichtig.

Grenzwertig wird es für ihn, wenn er zum Beispiel an einem Feiertag mal so richtig ausschlafen möchte, aber die hochmusikalische Mutter und Nachbarin morgens um acht Uhr laut auf der Orgel spielen muss. Er denkt sich dann, das Kissen fest ans Ohr gedrückt: "Na warte!" Aber am Ende reagiert er dann doch nichts, man will ja keinen Kleinkrieg entfachen. Andererseits ist es natürlich unfair, dass einzig die Familie von unten ihre Existenz aural unter Beweis stellen darf.

Packt FarmerBoy aber einmal seine akustische Gitarre aus, um ein paar selbstkomponierte Folkstücke mit Bandkollegin H. zu spielen - er streichelt seine Gitarre dabei nur sanft, und seine Stimme hat ein wohltuendes Timbre, während H. ein Keyboard anstimmt, das in Tonlage und Lautstärke der Gitarre angepasst ist - klingelt es an der Tür. Es ist viertel nach Acht abends. Die Nachbarin, mit Säugling im Arm: "Können Sie bitte etwas leiser sein, es ist jetzt schon nach Acht Uhr und wir wollen unsere Kinder ins Bett bringen!"

FarmerBoy ist zuerst verdattert: "Aber das ist doch Zimmerlautstärke, und es ist noch nicht einmal 22Uhr!" "Vielleicht sind die Wände ja sehr hellhörig", flötet die Nachbarin, und als ihr FarmerBoy dann doch geistesgegenwärtig entgegnet, dass sie jetzt doch noch wenigstens bis 21Uhr spielen würden, zieht sie mit verhärteter Miene von dannen. Seitdem hat FarmerBoy den starken Eindruck, schon die ganze Zeit um sein Recht zur freien Entfaltung seiner Persönlichkeit betrogen worden zu sein. Schritt für Schritt. Vielleicht wird es doch endlich Zeit für einen Kleinkrieg.

Mittwoch, 13. Februar 2008

BionicWoman und FarmerBoy sagen: It-tipjip joctol!

Bionic Woman, formerly known as meine liebe Frau C., muss wohl das Rauchen von teer- und nikotinhaltigen Konsumguetern aufgeben. Der zukuenftigen Gesundheit wegen. Ein guter Anlass, bei Zeiten selber damit aufzuhoeren. Ich bin ja sowieso nur Gesellschaftsraucher und mein Beduerfniss nach einer Zigarette sinkt proportional mit der Anzahl der RaucherInnen im Umfeld. Glaube ich zumindest.

Und das, wo Pfaelzer Wirte doch gerade erfolgreich ein Rauchverbot in Eckkneipen verhindert haben. Bionic Woman und FarmerBoy gehen jedoch aus irgendeinem Prinzip nicht in Eckkneipen, und auch erst recht nicht ins feindliche Bundesland links vom Rhein.

In Malta wird der Nichtraucherschutz schon seit letztem Sommer recht strikt durchgesetzt. Es faellt aber kaum schwer, die Fluppe mit nach draussen zu nehmen, da die Temperaturen auch im Februar moderat sind und hier auch kaum Gedoens um Heizpilze gemacht wird. Jedenfalls kann man hier ohne Frust und Frost seine Lieblingssubstanz im Freien inhalieren, und der Wirt freut sich.

Die toedliche Dosis Lungengift bekommt man aber auch wie in `tschland gratis dazu, hier in Form von verkehrsbedingtem Diesel- Feinstaub. Die Menschen werden zwar vor Lungenkrebs erzeugenden RaucherInnen bewahrt, dem Krebs selber ist es jedoch egal, wovon er gedeiht und wuchert. Wenn halt nicht durch Nikotinausstoss, dann eben durch Feinstaub im Verkehr und Buero. Der macht es sich aber auch leicht, der Lungenkrebs. Die Sau, wenn ich das mal so formulieren darf. Warum verbietet man nicht einfach den Lungenkrebs, moechte man da fragen?

Jedenfalls stelle ich es mir doppelt grausam vor, daran zu sterben ohne jemals an einer Zigarette gezogen zu haben. Der ganze Verzicht, so ganz umsonst? Aber darum soll es hier ja gar nicht gehen. Denn mit etwas Glueck wird Bionic Woman am Freitag aus dem Hospital entlassen, und da sie sich vor dem Hinflug noch etwas erholen soll, werden wir beide ihrem Zustand entsprechend die Sau rauslassen. Irgendwie bin ich es auch leid, dauernd alleine auszugehen und die lustigsten Preise zu zahlen, ohne darueber laestern zu koennen.

Malta hat den Euro naemlich ganz frisch bekommen, und da der Handel und die Gastronomie versprochen haben, fair zu bleiben (anders als in `tschland, wo die Preise vor der Umstellung klammheimlich angehoben wurden), wurde zunaechst auch nichts verteuert. So bezahlt man fuer eine Busfahrt laeppische 47ct (davon eine Scheibe abschneiden bitte: Infrastruktur darf nicht teuer sein, sie ist eine Dienstleistung des Staates an seine BuergerInnen).

Ein Orangensaft oder ein Kaffee (auch besser als in Mannheim) kostet 1,17 Euro, und einen gekochten Hasen nach Malteser Art bekommt man fuer 9,41 Euro. Doch ab Maerz duerfen die Preise auf ein weniger seltsames Niveau geschraubt werden. Die Malteser tun sich jedoch sehr schwer mit ihrer neuen Waehrung, ein Euro kostet schliesslich 2,33 Maltesische Lira. Das ist schwer umzurechnen. Und die meisten Laeden haben noch gar nicht umgestellt. Ich behelfe mir damit, den Warenpreis zunaechst zu verdoppeln und dann einen kleineren Phantasiebetrag draufzuschlagen. Das geht meistens auf.

Als alter Euro- Hase muss ich den Maltesen oft auf die Spruenge helfen und ihnen die irgendwie alle gleich grossen Muenzen erklaeren. Auch bin ich wesentlich fixe im Umrechnen. Protz! Und heute habe ich meinem Stammwirt in Griza gezeigt, wie man ein ordentliches Hefeweizen einschenkt. Das ist naemlich auch neu hier, und es will gepflegt sein. Alles wird gut!

Dienstag, 6. November 2007

Roìsìn Murphy! In der Feuerwache!

Das Konzert ist zu Ende. CountryGirl, FarmerBoy und - zu Besuch - MetroBoy sitzen auf der mit Wohnzimmerlampen ausgestatteten Bühne. Im Hintergrund flimmert videoanimierter Sternenhimmel. Zeit für eine ausführliche Besprechung.

FarmerBoy (beschwippst): Na, das war ja was!

MetroBoy (nüchtern): Wie sich Frau Murphy wohl so gefühlt hat? Sie ist ja international bekannt, bespielte schon Bühnen in London, Dublin und auch Moskau. Und jetzt... Mannheim?

CountryGirl (euphorisch): Sie fühlte sich bestimmt sehr gut! Schließlich hatte sie das schunkelerprobte Publikum voll im Griff. Ein Fingerschnippen und die Leute tobten. Das kann man von deinen Leuten in Berlin oder Köln nicht erwarten. Da empfängt einen ja nur pseudo- coole Stoik!

MetroBoy: Naja, ich fand das Konzert ja auch ganz gut, nur war der Anfang wenig subtil, so mit dem ganzen Kirmestechno... Das war ja sowas von 80er, bestenfalls noch BigBeat. Dem Himmel sei Dank hat sich das relativ schnell gelegt! Zuerst habe ich gedacht, das ist genau das richtige für Love- Parade- Besucher. Aber dann, der angefunkte Beat, das hatte schon was. Erinnerte zwar stark an Moloko, aber was soll's.

FarmerBoy (lallend): Ich konnte ihre Nippel durchs Trikot sehen. Scharfe Tante, das! Schade, dass sie sich nicht augezogen hat...

CountryGirl (streng): Das ist ja wieder typisch! Statt die Leistung dieser Frau zu würdigen, die sich trotz einer Verletzung wacker durch die Show geschlagen hat und die Menschen ganz offensichtlich mitgenommen hat...

MetroBoy (nüchtern): Das finde ich jetzt auch ziemlich daneben... Allerdings war es vollkommen unnötig, dass sich Roìsìn Murphy ständig umgezogen hat. Als bräuchte sie die mentale Unterstützung durch Dress- Changing, um ihre Songs durchzustehen!

FarmerBoy (bleich im Gesicht): Häh? (nach kurzer Pause): Gibt's irgendwo noch Bier? Ich fand das Gitarrensolo in der Mitte gut!

CountryGirl (nachdenklich): Dabei waren die Kostüme durchaus gut gewählt. Auch die Videoeinspielungen unterstützten die Show gut. Und am schönsten finde ich nach wie vor die Art, wie sie gegen den Strich singt, wenn ihr wisst was ich meine...

MetroBoy: Ja, schon recht. Es ist nur so schwer zu erkennen, was jetzt Moloko, Matthew Herbert oder einfach Roìsìn Murphy ist. Aber vielleicht ist das auch nicht so wesentlich. Bei den Gorillaz, Blur oder The Good, the Bad & the Queen fragt ja auch keiner wirklich danach, obwohl man eindeutig den Damon Albarn erkennt.

FarmerBoy (nun hysterisch schreiend): Titten! Ich will Titten sehen! Was für eine Braut! Einen Scheiss geb' ich auf Damon Albern! Außerdem habe ich jemanden im Publikum Rauchen sehen... hähä... Revolution! Revolution... (steckt sich eine Zigarette an)

Verlassen wir die unschöne Szene in dem Moment, als FarmerBoy von den Ordnungskräften aus der Feuerwache getragen wird. MetroBoy und CountryGirl verlassen den Konzertraum ruhig und gesittet, zusammen mit dem Rest eines rundum zufriedenen Publikums.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Gekreische um die Sicherheit! Und Datenschutz?

Als FarmerBoy noch MetroBoy war, musste er für ein großes Marktforschungsinstitut telefonische Umfragen machen. Was bedeutete: nichtsahnende BürgerInnen zu terrorisieren! Es war nicht auszuschliessen, dass viele Menschen nicht an einer Umfrage interessiert waren, mitunter wg. des Datenschutzes.

MetroBoy akzeptierte dies gerne, obwohl er nur für die beendeten Interviews bezahlt wurde. Er hatte jedoch ein großes, gütiges Herz und entschuldigte sich vielmals für die Störung. Doch er hatte Zweifel an der inneren Konsequenz der zu Befragenden: Denn war es nicht so, dass die meisten Menschen ihre persönliche Sicherheit durch ein Telefongespräch gefährdet sehen, aber völlig bereitwillig an PayBack- und Miles'nMore- Systemen teilnehmen, wo sie sich und ihre Konsuminteressen samt Anschrift für ein Plüschtier pro Jahr an gewiefte Vermarkter verscherbeln?

Und ist es nicht so, dass die selben ach so datenbewegten BürgerInnen sich keinerlei Gedanken darüber machen, was die Videoüberwachungen in Gebäuden und an öffentlichen Plätzen eigentlich so alles aufnehmen? Klaro, die Installationen dienen der Sicherheit der BürgerInnen. Und tatsächlich lässt die Kriminalität in videoüberwachtem Gebiet nach - um sich lediglich in andere Gegenden zu verlagern.

Gewerbe- und Handeltreibende mögen die Videoüberwachung: Sie hält ihnen Diebe, Jugendliche und Störenfriede vom Laden fern bzw. sie werden per Hubschraubereinsatz durch die Polizei entfernt. Alle sind froh, dass das Geld da bleiben darf, wo es einer kapitalistischen Werteordnung gemäß hingehört: Bei den Konsummächtigen! Sollen die Diebe doch bei ihresgleichen klauen, und die Störenfriede sollen gefälligst ihresgleichen stören.

Für FarmerBoy, der früher ja MetroBoy war, ist es eine gute Nachricht, dass die Videokameras in der Mannheimer Innenstadt abgeklemmt werden sollen. Es wird einfach nicht mehr genug gestohlen, als dass sich der Betrieb noch lohnen würde. Eigentlich könnten Handel und Gewerbe ja zufrieden sein, doch es regt sich Protest. "Die Sicherheit! Die Sicherheit der KonsumentInnen!" rufen sie und sehen doch nur ihre Läden leergeräumt.

Was man ja nicht so kapieren mag am Kapitalismus ist, dass der relative Reichtum einiger Weniger die Armut von vielen bedingt. Oder wie CountryGirl zu sagen pflegt: "Man kann das eine nicht ohne das andere haben!" Die Armen jedoch wollen nicht vertrieben werden, sondern sich an prominenter Stelle produzieren und rufen: "Schaut her, da bin ich und Eure Sicherheit ist mir ja sowas von piepschnurz!"

"Jawohl!" ruft da sein einarmiger Kumpel, "ihr wisst gar nicht mehr wie schön das Leben sein kann, weil Ihr ständig die Hosen bezüglich Eurer Zukunft voll habt! Geht nur und kauft Euren noch ungeborenen Kindern eine Rundum- Versicherung, damit sie später für jedes aufgeschlagene Knie und jeden Kratzer Schadensersatz bekommen. Baut Euch von mir aus Alarmanlagen aus purem Gold in Eure Häuser! Aber lasst uns mit Eurer bescheuerten Videoüberwachung in Ruhe!"

Kurzes Getuschel unter den Gammlern, dann spricht wieder der Einarmige: "Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Gönnt den armen Call- Center- Agents die mickrigen paar Euros, die er für ein Gespräch mit Euch verdient! Euer Gelaber tut ihm mehr weh als Euch, und er braucht das Geld tatsächlich! Er verdient mit viel Glück im Monat ungefähr so viel wie Ihr heute beim Shopping ausgegeben habt!"

Leider wird die Ansprache durch einen nahenden Hubschrauber unterbrochen, und bald schon seilen sich vermummte Hundertschaften ab, um die "Gammler" wegen Landfriedensbruch zu verhaften. Man hat Probleme damit, dem Einarmigen Handschellen anzulegen. FarmerBoy indes zieht es vor, noch ein paar Schritte zu gehen!

Doch was hat FarmerBoy, ehemals MetroBoy, aus all dem gelernt? Er hat folgendes gelernt: Sicherheit und Datenschutz sind zwei paar Schuhe! Und aus Sicherheit entsteht Langeweile! Der Beweis: So eine Geschichte könnte sich in Mannheim niemals zutragen!