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Sonntag, 29. Juni 2008

Meine letzten 10min in der EM 2008! Ein Echtzeit-Report!

15:22 Uhr: Okay, okay, heute geht es um den EM-Titel, und damit geht es für viele Leute um die Wurst. Trotzdem ist das noch lange kein Grund, mit einem hundertfach beflaggten Sportflitzer durch die Stadt zu rasen und die restliche Welt mit ultra-öden Hits von den ultra-öden Sportfreunden Stiller zu behelligen, so wie es eben gerade passiert ist. Auch Fanatismus, dies sei an dieser Stelle einmal gesagt, hat seine Grenzen. Dahinter herrscht die Peinlichkeit.

17:34 Uhr: Heute Nacht endet es! Das Leben nach der EM beginnt bald, das kann ich schon fühlen. Ich freue mich sehr darauf. Es wird sonntags wieder neue Tatort-Folgen geben, und man kann sich endlich wieder in einen Biergarten setzen, ohne von dem ganzen Fußballgedöns behelligt zu werden. Hoffentlich fällt es niemandem ein, während der olympischen Sommerspiele in China einen Autokorso für jede gewonnene Medaille zu starten. Allein schon der Gedanke daran...

18:05 Uhr: Meine liebe Frau C. und ich haben uns vorgenommen, heute Abend lieber den Rowan Atkinson Film zu schauen. Nur in den Werbepausen wollen wir zum Fußball zappen, um zu erfahren, ob C. heute Nacht schlafen kann oder nicht. Die Arme tritt morgen in der Früh' ihre neue Arbeitsstelle an. Nicht nur deshalb wünsche ich mir, die spanische Mannschaft möge gewinnen. Das zu verkraften ist Deutschland immerhin selbstbewusst genug. Bei einem EM-Sieg würde Deutschland jedoch viel zu selbstbewusst, und davor muss man ja auch irgendwie Angst haben!

20:37 Uhr: Ach Mist, den Rowan-Atkinson-Film kenne ich schon. Wir bleiben mangels Alternativen trotzdem dabei. Rowan Atkinson heißt im Film Johnnie English und spielt einen trotteligen Agenten im Geheimdienst ihrer Majestät. Wie lustig: Es ist eine James Bond Parodie. Mike Myers macht dasselbe als Austin Powers aber viel besser. Trotzdem okay, aber irgendwie möchte es keine Werbepause geben. Ich kann mir vorstellen, dass es einfach keine Werbeaufträge gegeben hatte. Kein Wunder, bei dem Event im Ersten. Andererseits ist es sowieso mucksmäuschenstill draußen, es scheint also noch nichts passiert zu sein.

21:18 Uhr: Die erste Werbepause. Was passiert im Fußball? Wir schalten zum ARD, und ich muss zuerst einmal klären, wer welche Trikots trägt. Meine liebe Frau C. ist da viel fachkundiger und erklärt es mir: Die deutsche Mannschaft trägt immer weiß. Dies erklärt sich nur Sekunden später von alleine: Ein roter Spieler schießt ein Tor und Mannheim jubelt nicht. Muss also ein Treffer für die spanische Mannschaft gewesen sein. Gibt es nun tatsächlich eine ruhige Nacht? Und wird deutscher Größenwahn gestoppt wie anno 1946?

21:26 Uhr: Und muss die Kamera zeigen, wie das Blut aus Ballacks Gesicht spritzt? "Der Kapitän am Boden, Deutschland am Boden!" sagt die Sprechmaschine im Fernsehen. Woaah, etwas weniger Pathos, Herrschaften, bitteschön. Und dann gibt es einen Freistoß, doch andernorts ist die Werbung zu Ende und wir wollen sehen, wie Johnnie English durch ein Abflußrohr in das Schloss des Bösewichts Pascal Sauvage gelangt. Und am Ende Great Britain rettet.

21:47 Uhr: Denn der Film ist mangels Werbepausen schon zu Ende, während in der ARD erstmal Halbzeit ist. Laaaangweilig! Och nö, das Spiel geht doch schon weiter. Auch laaangweilig! Meine liebe Frau C. und ich entschließen uns, das Spiel nicht 45min am Stück zu verfolgen und machen den Fernseher lieber ganz aus. Anhand des gelegentlichen kollektiven Aufstöhnens und Fluchens in der Nachbarschaft glaube ich denken zu dürfen, dass wir beide offensichtlich viel mehr Spaß haben.

22:25 Uhr: Wir wollen doch noch mal sicher gehen, dass nichts weiter passiert ist. Beruhigt stellen wir fest, dass alles beim Alten ist. Und auch die restlichen sieben bis acht Minuten geschieht nichts. Am Ende des Spiels sieht man noch ein paar deutsche ZuschauerInnen weinen. Warum können die sich nicht einfach über den zweiten Platz freuen? Letzten Mittwoch war man ja auch nicht weiter, und da wurde gefeiert, bis der Nikolaus tot umgefallen ist. Wie bitte soll man Fußballfans verstehen können, so indifferent wie sie sind?

22:32 Uhr: Spanien ist EM! Ist sowieso ein hübscheres Land als Deutschland, und die spanische Küche ist auch viel besser. Spanien hatte früher übrigens auch mal ein faschistisches Regime, genau wie Italien und Deutschland. Nun ist aber genug. Jetzt wird der Televisor endlich heruntergefahren. Meine liebe Frau C. bekommt nämlich noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Damit sie träumt von Dingen, die schön sind und wichtig. Wie wäre es mal wieder mit einem guten Buch, liebe Fußballfans? Na, dann gute Nacht, Deutschland!

Samstag, 14. Juni 2008

No Logo! Off the herd!

BionicWoman sagt, es gäbe nichts traurigeres als Menschen, die vorher noch Bestandteil einer Gruppe waren, später aber alleine anzutreffen sind. Man denke an heimkehrende FaschingsteilnehmerInnen, deren Blume im Revers längst abgeknickt, deren Schminke längst verlaufen und deren Perücke verrutscht ist.

Genau das dachte FarmerBoy am Mittwochabend im Supermarkt. Das von ihm nicht goutierte Fußballspiel ist schon zu Ende, und eine ganz offensichtlich todtraurige junge Frau mit Deutschlandlogo im Gesicht steht am Alkoholregal und greift sich missmutig was Hochprozentiges. Ein Häufchen Elend, enttäuscht vom verlorenen Spiel. Das kommt davon, wenn man sich die falschen Farben ins Gesicht schmiert.

Es soll Menschen gegeben haben, die geweint haben als die deutsche Mannschaft verlor. Sogar Leute, die vor einigen Jahren den Sachbuchklassiker "No Logo!" von Naomi Klein propagiert haben, finden plötzlich nichts mehr dabei, kleine Fläggchen aus dem Fenster zu hängen. Die Emotionalisierungsmaschine hat also funktioniert. Auf irgendwas muss man ja schließlich stolz sein können hier, wenn schon nicht auf sich selbst.

Montag, 9. Juni 2008

5 Tage EM 2008! Aber ein Ende ist in Sicht!

So, jetzt ist also seit ein paar Tagen EM und es ist natürlich alles viel schlimmer gekommen als ich befürchtet habe. Tatsächlich gibt es kaum einen Ort, an den man sich als fußballscheuer Mensch flüchten kann. Dass die meisten Bars und Kneipen die Spiele in ihrem Inneren zeigen müssen (zumindest in der Innenstadt), ist da nur ein kleiner Trost. Zumindest kann man sich draußen beinahe ungestört bei einem kühlen Bier vergnügen, während die Fans sich in stickigen Kabuffs aufhalten müssen. Recht so!

Tatsächlich aber ist die Belästigung durch Fußballfanatismus permanent. Denn jeder Genuss wird von kollektivem Stöhnen bzw. Gejubel begleitet. Jetzt mal im Ernst: Ist es wirklich nötig, jedes mal ein Feuerwerk zu starten, bloß weil z.B. deutsche Millionäre den unterbezahlten, polnischen Kartoffelbauern einen Ball nach dem anderen ins Tor schießen? Das wäre in etwa so, als würden deutsche Manager für jeden entlassenen Arbeitnehmer eine Flasche Champagner köpfen. Was sie ja laut Volksmund tun!

Interessant allerdings ist: Plötzlich machen Menschen aural auf sich aufmerksam, von denen man sonst das ganze Jahr nichts gehört hatte. Verhuschte Existenzen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt, nutzen die Europameisterschaft, um ihre Existenz unter Beweis zu stellen. Sie schreien und ächzen, sie stöhnen und jubeln und haben doch keinen Sex. Diese armen Menschen müssen ihre Gefühle und Regungen offenbar zwei Jahre lang unterdrücken, nur um sie zu den Meisterschaften WM bzw. EM feuerwerkartig ejakulieren zu lassen.

Freundlicherweise jubelt man dabei auch den nicht-deutschen Mannschaften zu, zumindest solange diese nicht "mit dabei" sind. Am Ende hat man doch noch Wunschgegner, denen im Finale ordentlich "in den Hintern getreten" werden soll. Dennoch bleibt als Eindruck: Ich habe noch nie so viele beflaggte Fenster und Autos gesehen wie hier in Mannheim. Ich bin etwas betrübt, weiß ich doch: Aus Patriotismus ist noch nie etwas Gutes entstanden!

Und der deutsche Patriotismus ist immer so verkrampft. Es geht immer nur um das Recht, Flagge zeigen zu dürfen, weil "andere das ja auch dürfen". Seit dem Kindergarten weiß man doch, dass man "nicht alles darf, nur weil andere das dürfen." Selbst die infantilen Deutschen, deren Charts von DJ Ötzi und dem Schnuffelhasen angeführt werden, sollten das verinnerlicht haben.

Und so möchte ich schließen mit einem Gesang, der in der Nacht zum vergangenen Montag von einem offenkundig Betrunkenen circa eine Stunde lang krakeelt wurde. Besonders hervorzuheben ist die zwar etwas tumbe, doch unter Auslassung jeglicher phonetischer Wiederholung begangene Verkündung des Wortes "Deutschland":

"Deutsch! Land! Deuheutschland! Deueueueutsch! Land! Deutschlaaaaaaaand! Doiiiiiiiiiiii 'tschland! Deutschland! Deut-schland! Deu 'tsch land! Doioioioioioitsch-land! Deuheutsch-lahahahahahand! 'tschland! Deutschlnd! 'schlnd! nd! Ende!

Samstag, 17. Mai 2008

Frau Z. und der Datenschutz! Lustiges aus den Benzbarracken!

Man stelle sich vor, man ruft bei der Polizei an, um aus welchem Grund auch immer eine Anzeige zu machen, und die zuständige Polizeidienststelle veröffentlicht das Gespräch im Internet. Voraussetzung natürlich ist, man hat eine Sprachstörung (z. B. Dialekt) und allzu genaue Vorstellungen über mögliche Bestrafungsarten (Einsperren, Seife mitgeben, eine auf's Maul hauen etc.). Wer soll sich da noch trauen, bei der Polizei anzurufen, wenn ja doch alles veröffentlicht wird? Andererseits: Etwas Abschreckung hat noch nie geschadet!

Einer Frau aus Mannheim ist genau dies passiert, als sie sich bei der Polizei über Ruhestörung beschweren wollte. Das eigentliche Gespräch ist zwar schon einige Zeit her, doch wurde es erst vor kurzem ins Netz gestellt. Seitdem beschäftigen sich ganze Internetforen unter anderem mit der Tatsache, dass örtliche Dialekte selten eine Begleiterscheinung geistiger Eliten sind. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeuten soll, dass des Hochdeutschen mächtige per se die intellektuellen Stützen unserer Gesellschaft sein müssen.

Womit man sich aber leider nirgendwo beschäftigt: Dass in dem bei You Tube! ausgestrahlten, mit Untertitel versehenen Videomaterial der volle Name und die Adresse der Anruferin genannt sind. Beides hätte aber weggeschnitten werden können. Denn wer in der Lage ist, eine Audiodatei mit einer Videospur zu koppeln, der sollte auch in der Lage sein, bestimmte Audiosequenzen auszusparen, und sei es nur im Namen des offenbar läppischen Datenschutzgesetzes oder des sicherlich kindischen Dienstgeheimnisses.

Schließlich und letztendlich wurde dieses durch die örtliche Polizei mitgeschnittene Gespräch zu 100 Prozent illegal verwendet, und man darf sich fragen, wessen Geistes Kind der betreffende Mitarbeiter tatsächlich gewesen sein muss oder immer noch ist, um vertrauliche Daten einfach an die Gemeinschaft weiter zu leiten. Nicht umsonst müssen solche Daten des Datenschutzes wegen innerhalb weniger Tage wieder gelöscht werden (genauso auch Videoaufnahmen im öffentlichen Raum). Egal wie lustig sie auch sein mögen, veröffentlicht dürfen sie nicht werden.

Und lustig ist der Anruf, der in meiner Phantasie für viele der täglich zigtausend Anrufe bei der Polizei steht, tatsächlich. Denn man kann es kaum verneinen: Der gemeine Mannheimer klingt oft sehr drollig und ist dabei meistens sehr laut. Wer im Sommer die Fenster offen lässt, der weiß, wovon ich spreche. Und dass man den Text einer Videobotschaft untertitelt, ist nicht boshaft, sondern schlicht notwendig. Ohne die Übersetzungshilfe hätte ich den Inhalt des Anrufes tatsächlich nicht zur Gänze erfassen können. Und inhaltlich entspricht die Anzeige genau der geistigen Verfassung des Großteils der BürgerInnen 'tschlands: Es hat Ruhe zu herrschen im Karton!

Also kommt nicht nur Frau Z. dabei schlecht weg, sondern gleich eine gesamte, ausschließlich an spießbürgerlichen Werten orientierte Gesellschaft. Doch auch das sprachliche Leistungsvermögen des gesprächsführenden Polizisten wird weit überschätzt. Mag man bestenfalls noch annehmen können, dass er durch die sprachliche Anpassung Empathie erzeugen wollte, so ist beim besten Willen nicht nachvollziehbar, warum er den von Frau Z. als Wichser bezeichneten Ruhestörer ebenso als Wichser betitelte. Schon klar: Auch bei der Polizei arbeiten keineswegs nur Leuchten der Gesellschaft. Dennoch: Etwas Benimm sollte man schon erwarten können.

Deswegen ist es schade, dass Frau Z. zwar von Gaffern (Presse, Mob etc.) gewallfahrt wurde, nicht aber die für sie zuständige Polizeidienststelle. Dies kann jetzt nachgeholt werden: Besuchen sie das Polizeirevier Käfertal in der Ladenburger Straße 3, 68389 Mannheim. Übrigens hat You Tube! das betreffende Video mittlerweile entfernt, und die Polizei stellt mittlerweile Ermittlungen gegen Unbekannt an. Und ich tue mir schwer damit, einen Link zu dem noch im Netz erhältlichen Material zu setzen. Also lass' ich's sein!

Mittwoch, 19. März 2008

Deutschland! Eine Winterreise!

„Des Mannheim sieht abr au net bsonders eiladend aus!“ Gerade sind wir, meine liebe Frau C. und ich, in den ICE Richtung Berlin eingestiegen und erhaschten einen bahn.comfort- Sitzplatz, der uns nicht zustand. Der älteren Dame vor uns musste ich insgeheim rech geben: Der Blick aus dem Zugfenster zeigte Tristesse pur, Industrieaanlagen und Zweckbaufassaden liessen uns frösteln. Nein, man verspürt bestimmt nicht den Drang, in Mannheim auszusteigen! Und ich war sowieso gerade sehr empfänglich für Mannheim- Bashing, da mich einige Tage zuvor eine meiner gefürchteten Provinzdepressionen ereilte und diese mich zwei volle Tage lang ins Bett verwiess. Berlin sollte meine Pille sein und sie schmeckte ganz vorzüglich!

Was man aber gerne mal vergisst: Vom Zug aus gesehen findet kaum eine Stadt Gnade in den Augen des Reisenden. Dem Betrachter bietet sich in den meisten Fällen trostlose Architektur, so als wolle uns die BahnAG darauf hinweisen, dass der Güterverkehr nun mal lukrativer als der Personenverkehr sei und die Schiene eben gerade deshalb nicht durch wunderschöne Stadtkerne führen, sondern durch die Stätten des ständigen Gesichtsverlustes ausgebeuteter Arbeitnehmerschaft.

'tschlands Gebäudeansammlungen sind überdies besonders hässlich. Es gibt ja kaum Städte oder Dörfer, in denen man wirklich leben möchte. Na schön, die Nie- Weg- Gewesenen wissen es nicht besser, sie bevorzugen das Altbekannte. Doch mir kann niemand erzählen, dass einer, der schonmal in einer richtigen Stadt gewesen ist, wieder zurück möchte nach, sagen wir mal, Göttingen. Göttingen hat ungefähr 47 Kirchtürme und ein Eiscafé in der 20m langen Fußgängerzone. Keine Ahnung ob das stimmt. Aber so stelle ich es mir vor. Das mit den Kirchtürmen ist aber wahr, ich habe sie vom Zugfenster aus gezählt.

Es geht aber noch besser! Der Bahnhof in Kassel- Wilhelmshöhe möchte keinen Fremdenverkehr. Ausgewaschener, schmutziger Beton betont den Willen der Stadtväter, und der besagt: Steige hier nicht aus, Fremder! Unsere Gesetze sind hart und das Sozialamt bleibt für dich geschlossen! Dir blüht höchstens das Einmauern bei lebendigem Leibe! Na gut, liebes Kassel, wenn wir derart unerwünscht sind, fahren wir halt weiter. Mir sind Ortschaften sowieso suspekt, die den Reisenden nicht über den eigentlich recht hübschen innerstädtischen Hauptbahnhof empfangen, sondern dazu ein ausgelagertes Auffanglager wie Kassel- Wilhelmshöhe benutzen.

Doch dann fährt man durch die Mitte 'tschlands und wird ganz banane vor lauter Trübsal: Hannover, Siegen, Giessen und wie sie alle heißen, die Städte der Behäbigkeit und des teuer entfernten Graffitos. 'tschlands Mitte ist sozusagen das Auge des Hurrikans namens Leben. Im dortigen Vakuum und in völliger Windstille möchte man nicht einmal begraben sein. Also schnell weiter, Kutscher, fahr' er doch zu! Der Zug frisst sich schnaufend weiter durch das Eisen, und dann kommt Wolfsburg. Ach je!

In der BuRep gibt es tatsächlich kaum vernünftige Städte. Wem fallen außer Hamburg, München oder Berlin noch welche ein? Köln? Okay okay, geht vielleicht noch, aber dann ist wirklich Ende. Wenn Berlin für mich aber die Stadt überhaupt ist und so etwas wie Fulda die unterste Kategorie darstellt, was ist dann eigentlich Mannheim? Ich würde sagen, Mannheim ist irgendwie „mittel“. Und wenn ich das so dahin sage, dann soll das schon mal was bedeuten. Ich bin nämlich sehr wählerisch! Und manchmal braucht es eben eine Reise quer durch 'tschland, um das Bild wieder zurecht zu rücken. Oder anders gesagt: „Vo drausse sieht Mannheim doch gar net so übel aus!“

Freitag, 22. Februar 2008

Senile Bettflucht! Von Malta nach Mannheim und dann weiter?

Nach zwei Wochen unfreiwillig verlängertem Aufenthalt im Ausland sehnt man sich fast wieder zurück nach Mannheim/ 'tschland. Ab in die eigene Wohnung, die Mediathek durchwühlen und vernünftige Musik hören, sich auf's Sofa lümmeln und endlich wieder selber kochen, Brauchtum pflegen und so weiter.

Sobald man aber in Frankfurt gelandet ist und die verkniffenen Gesichter der Leute betrachtet, sehnt man sich schon wieder zurück. So kann es gehen, und der Zauber der Heimat verpufft. Der Alltag ruft und die existenzialistische Verausgabung der letzten Tage ist beinahe vergessen. BionicWoman alias meine liebe Frau C. hatte schon auf Malta genug von den Alten.

In der Klinik dort waren sie allgegenwärtig, und später im Hotel fanden sie sich ebenfalls ein, zum gerontologischen Kongress. Das Durchschnittsalter im Flugzeug war so um die 70, und Mannheim ist ja auch nicht gerade ein Hort der Jugend. In den hiesigen Krankenhäusern regiert das Alter immerdar, der vierstündige, gestrige Besuch war glücklicherweise der letzte vorerst. Meine liebe Frau C. genest allmählich.

Auf dem neuen alten Messplatz schwelte ein Müllkübel, die Feuerwehr kam mit dem Leiterwagen und löschte höchstselbst. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Ein Glas Wasser hätte es aber auch getan.

Unsere Nachbarn erfreuen sich mittlerweile gleich zweier Kinder, doch man fragt sich wieso. Schliesslich kommen sie kaum mit dem "alten" Gör zurecht, es schreit Tag und Nacht ganz erbärmlich, und handelte es sich bei den Eltern nicht irgendwie um akademisch verhunzte Gestalten, riefe man das Jugendamt zu Hilfe. Dafür aber darf sich nun das ganze Haus nach der jungen Familie richten.

Plötzlich gibt es sowas wie eine Mittagsruhe, in der man sämtliche Aktivitäten bitte einzustellen hat. Sofort! Es sei zu laut, die Kinder könnten keinen Mittagsschlaf halten. Mir persönlich ist es allerdings lieber, die Kinder schliefen nachts, und so ändere ich meine Gewohnheiten nicht. Die Einzigen, die hier im Haus wirklich mit Lautstärke zur Sache gehen, sind: Jawohl, die vierköpfige Familie. Aber deswegen hänge ich noch lange kein erzkonservatives Pamphlet an die Haustür.

Es passiert schliesslich auch mal etwas in einem Haus in einer Stadt, und das nennt sich das ganz normale Leben. Da wird gelärmt, getalkt, gesaugt und herumgelaufen, was das Zeug hält. Und auf der Straße vor dem Haus, da ist's nicht viel besser. Und dann ist da noch die Natur, die keine Rücksicht kennt. Noch nicht einmal auf dem Land gibt es sie, die absolute Ruhe. Immer ist irgend etwas. Wo ist Frau von der Leyen, wenn man sie wirklich mal braucht?

Die allgemeine Mittagsruhe ist etwas, dass die Nazis erfunden haben könnten. In sehr heißen Ländern macht sie vielleicht Sinn, schliesslich kann man sich da kaum bewegen in der Mittagshitze, und ruht deswegen besser. Dafür wird nachts gefeiert. Man ruft die Polizei nur, wenn man sie zum Umtrunk einladen möchte. In Deutschland allerdings gibt es noch dazu die Nachtruhe, und so soll der gesamte Spass am Leben flöten gehen für die paar Wichtel, die noch Arbeit haben und sich den Luxus leisten können, Kinder zu erziehen.

Man wolle die Kinder eben nachmittags schlafen machen, damit man selber ein wenig Ruhe und Zeit für sich selbst habe. Ich aber frage: Wozu denn überhaupt Kinder, wenn man gerne mal seine Ruhe hat? Ist es da nicht geradezu kontraproduktiv, gleich zwei von der Sorte in die Welt zu setzen? Aber bitte, so ist er, der Mensch: Kaum zieht er seine Brut auf, wird er zum gesetzestreuen Spiesser und vermasselt seinem Umfeld jeden Spass. Kann man den Wunsch also verstehen, so schnell wie möglich wieder wegzutauchen?

Gestern Abend gab Arte den netten Film "Sommer vorm Balkon". Er spielt in Berlin, und ich erkannte die Schönheit der Stadt wieder, auch die Tristesse, und ebenso die als Melancholie getarnte Traurigkeit. Sofort packte mich das Heimweh wie einen senilen, bettflüchtigen Senioren, der sich im Morgengrauen, im Schlafanzug zwar, doch mit gepacktem Koffer, auf den Weg in den Ort seiner garantiert glücklichen Kindheit macht. Doch leider verläuft er sich ganz arg und muss mit Spürhunden und Hubschraubern gesucht werden. Das Leben, es ist kein leichtes.

Mittwoch, 13. Februar 2008

BionicWoman und FarmerBoy sagen: It-tipjip joctol!

Bionic Woman, formerly known as meine liebe Frau C., muss wohl das Rauchen von teer- und nikotinhaltigen Konsumguetern aufgeben. Der zukuenftigen Gesundheit wegen. Ein guter Anlass, bei Zeiten selber damit aufzuhoeren. Ich bin ja sowieso nur Gesellschaftsraucher und mein Beduerfniss nach einer Zigarette sinkt proportional mit der Anzahl der RaucherInnen im Umfeld. Glaube ich zumindest.

Und das, wo Pfaelzer Wirte doch gerade erfolgreich ein Rauchverbot in Eckkneipen verhindert haben. Bionic Woman und FarmerBoy gehen jedoch aus irgendeinem Prinzip nicht in Eckkneipen, und auch erst recht nicht ins feindliche Bundesland links vom Rhein.

In Malta wird der Nichtraucherschutz schon seit letztem Sommer recht strikt durchgesetzt. Es faellt aber kaum schwer, die Fluppe mit nach draussen zu nehmen, da die Temperaturen auch im Februar moderat sind und hier auch kaum Gedoens um Heizpilze gemacht wird. Jedenfalls kann man hier ohne Frust und Frost seine Lieblingssubstanz im Freien inhalieren, und der Wirt freut sich.

Die toedliche Dosis Lungengift bekommt man aber auch wie in `tschland gratis dazu, hier in Form von verkehrsbedingtem Diesel- Feinstaub. Die Menschen werden zwar vor Lungenkrebs erzeugenden RaucherInnen bewahrt, dem Krebs selber ist es jedoch egal, wovon er gedeiht und wuchert. Wenn halt nicht durch Nikotinausstoss, dann eben durch Feinstaub im Verkehr und Buero. Der macht es sich aber auch leicht, der Lungenkrebs. Die Sau, wenn ich das mal so formulieren darf. Warum verbietet man nicht einfach den Lungenkrebs, moechte man da fragen?

Jedenfalls stelle ich es mir doppelt grausam vor, daran zu sterben ohne jemals an einer Zigarette gezogen zu haben. Der ganze Verzicht, so ganz umsonst? Aber darum soll es hier ja gar nicht gehen. Denn mit etwas Glueck wird Bionic Woman am Freitag aus dem Hospital entlassen, und da sie sich vor dem Hinflug noch etwas erholen soll, werden wir beide ihrem Zustand entsprechend die Sau rauslassen. Irgendwie bin ich es auch leid, dauernd alleine auszugehen und die lustigsten Preise zu zahlen, ohne darueber laestern zu koennen.

Malta hat den Euro naemlich ganz frisch bekommen, und da der Handel und die Gastronomie versprochen haben, fair zu bleiben (anders als in `tschland, wo die Preise vor der Umstellung klammheimlich angehoben wurden), wurde zunaechst auch nichts verteuert. So bezahlt man fuer eine Busfahrt laeppische 47ct (davon eine Scheibe abschneiden bitte: Infrastruktur darf nicht teuer sein, sie ist eine Dienstleistung des Staates an seine BuergerInnen).

Ein Orangensaft oder ein Kaffee (auch besser als in Mannheim) kostet 1,17 Euro, und einen gekochten Hasen nach Malteser Art bekommt man fuer 9,41 Euro. Doch ab Maerz duerfen die Preise auf ein weniger seltsames Niveau geschraubt werden. Die Malteser tun sich jedoch sehr schwer mit ihrer neuen Waehrung, ein Euro kostet schliesslich 2,33 Maltesische Lira. Das ist schwer umzurechnen. Und die meisten Laeden haben noch gar nicht umgestellt. Ich behelfe mir damit, den Warenpreis zunaechst zu verdoppeln und dann einen kleineren Phantasiebetrag draufzuschlagen. Das geht meistens auf.

Als alter Euro- Hase muss ich den Maltesen oft auf die Spruenge helfen und ihnen die irgendwie alle gleich grossen Muenzen erklaeren. Auch bin ich wesentlich fixe im Umrechnen. Protz! Und heute habe ich meinem Stammwirt in Griza gezeigt, wie man ein ordentliches Hefeweizen einschenkt. Das ist naemlich auch neu hier, und es will gepflegt sein. Alles wird gut!

Sonntag, 27. Januar 2008

Dem Mannheim sein Nokia! Flatterhafte Germanen in Angst!

Jetzt ist es endlich raus: Die Ütschen sind gar nicht so reinrassig wie es sich manche herbeihalluzinieren, sondern sind ein Mish-Mash aus verschiedenen Völkern, die sich geil wie sie sind unter die Original- Ütschen gemischt haben. Der Herr Stoiber aus Bayern (wer erinnert sich noch an den?) sprach schon einmal von einer erwartbaren "durchrassten" Gesellschaft, ohne zu ahnen, dass dies bereits der Fall war.

Hätte Hitler damals geahnt, dass "därrr doitsche Stommboum" ein Mix aus Skythen, Phöniziern und - jawohl! - Juden ist, hätte er sich wohl vorsichtshalber selber vergast. Aber die Genforschung war noch nicht soweit, und äußerlich lassen sich kaum Zusammenhänge mit den an sich schönen Menschen aus dem Südosten Europas herstellen: Pickelface dominiert hier die Gestaden, so als wollten die Phönizier damals die besten Gene für sich selber behalten und die Pickel-, Fett- und Sonnenbrandgene an die ollen Waldfurzer im Norden verteilen. Vielen Dank auch!

Also zieht es die Finnen nun gen Südosten, zu den Blutsbrüdern, und sie nehmen ihr Mobilfunktelefon gleich mit. Man will schöne Dinge eben von schönen Menschen herstellen lassen. Und da die Bedingungen in Rumänien besser sind und es tolle, neue Subventionen gibt, lässt man dafür gerne mal 2300 ArbeitnehmerInnen in Bochum stehen. Man sollte sie nach Rumänien mitnehmen, denn Bochum ist überhaupt nicht schön. Erst wenn man arbeitslos ist, bemerkt man die Hässlichkeit seiner Umgebung überhaupt.

Mein Mitleid gilt den Nokia- Leutchen in Bochum. Man versteht ihren Ärger. Aber der Firmenumzug ist keine Frage der Moral, sondern eine der Wirtschaft. Die Europäische Union ist explizit eine Wirtschaftsgemeinschaft. In der noch zu installierenden Verfassung wird nicht von einem sozialen Europa gesprochen. Viel mehr wird es den europäischen Unternehmen durch Subventionen ermöglicht, sogar nahegelegt, ihre Standorte so oft zu wechseln, wie es ihnen gefällt.

Jedesmal, wenn sich ein Bundespolitiker darüber aufregt, wenn Firmen so wie Nokia agieren, gehört ihm eine hinter die Ohren gewatscht. Und wenn er hinterher fragt nach dem Warum, dann gleich noch eine, denn er hat die dazugehörigen Gesetze und Bestimmungen der EU höchstselbst für gut befunden und abgenickt. Man erinnere sich an die Betroffenheit unserer Politiker, als sich Holländer und Franzosen der EU- Verfassung verweigerten. In 'tschland lässt man die Bevölkerung deswegen lieber gar nicht selbst abstimmen.

Deutsche Unternehmen im Ausland machen es übrigens auch nicht anders: Sobald alle Fördergelder und Vergünstigungen aufgebraucht sind, schließen sie die Werkstore, und Sanchez oder Giovanni gucken dumm aus der Wäsche. Auch hält man einen Sozialplan für überflüssig. Das ist das hässliche Gesicht des Kapitalismus', und es steht dem Nordeuropäer gut!

Für das alles braucht man aber gar keine EU, das funktioniert ebenso auf Länder- wie auf kommunaler Ebene: Gerade bedauert Mannheim, ein weltweit renommiertes Unternehmen an Ludwigshafen verloren zu haben. Dadurch gehen der Stadt Einnahmen verloren, und unser aller liebster Oberbürgermeister, der Herr Kurz (wer kennt ihn noch?), findet das nicht so gut. Weshalb er einen Verhaltenskodex für die Region einfordert, der Unternehmen und Konkurrenzstädte nicht wirtschaftlich, sondern moralisch denken lassen soll. Man stiehlt dem Nachbarn eben nicht die Butter vom Brot!

Das ist gelinde gesagt vollkommener Blödsinn. Denn man bekommt sonst ja jeden Tag das Gegenteil beigebracht: "Stehle deinem Nachbarn die Butter vom Brot". Aber da man sonst nichts vom Herr Kurz hört und sieht, kann er sich damit wieder super ins Gespräch bringen. Indem er unhaltbare Forderungen auf die Tapete kleistert. Er muss nämlich weiter nichts für tun, wird aber trotzdem als starker Mann mit markigen Sprüchen geadelt. Mit mir als Oberbürgermeister (wer weiß das noch?) wäre das alles nicht passiert. Selber schuld, liebe MannheimerInnen! Jeder bekommt die Regierung, die er verdient!

Sonntag, 4. November 2007

German Angst & American Breakfast! Notstand in der Neckarstadt!

In der Neckarstadt und vermutlich in ganz Mannheim herrscht wochenends Notstand! Wer versucht, am Samstag noch einen Lebensmitteleinkauf zu tätigen, weiss was ich meine: Die Märkte sind leergeräumt und die Einkaufsliste wird zu einer Liste unerfüllbarer Wünsche und Träume. Nur hartnäckige Menschen "stückeln" sich ihr Wochenendmahl durch den Besuch vieler Supermärkte zusammen.

Traumatisiert ist man jedoch am Sonntag, wenn man versucht, noch frische Brötchen zum späten Frühstück zu bekommen. Nicht, dass die "Backwarenaufbereitungsläden" durchweg zu früh schliessen würden. Doch was nutzt es, wenn ein solches Geschäft bis 16Uhr geöffnet ist, aber bereits ab 13Uhr ausverkauft ist. Es gibt "Backshops", in denen die MitarbeiterInnen ganz offenbar dafür eingestellt sind, untätig hinter der Theke zu stehen und jedem herein kommenden Kunden entgegen zu krähen: "Mir sinn leider ausverkauft, gell'?"

Die Alternative sei, früher aufzustehen und sich so Backwaren nach Herzenswunsch zu besorgen. Ratschläge dieser Art kommen meistens von Menschen hyperaktiver Natur, für die ein nachmittags im Bett zu sich genommener erster Kaffee eine Sünde erster Sahne darstellt. Sonntag morgens wird erst ein neues Board aufgestellt, und spätestens um 8Uhr ist man beim Bäcker oder was man dafür hält. Dann kann man um 10Uhr bereits das Bad neu kacheln.

Sogenannte Bäckereien sind ja auch nur so genannt. Meistens werden die Backwaren an der Verkaufsstelle "fertig gebacken". Es handelt sich dabei um sehr luftige, sehr kleine, nach Papier schmeckende Produkte einer kranken Phantasie. Die zudem noch sehr teuer sind! Und schon während des Verzehrs knochentrocken werden. Die sog. Bäcker in Mannheim sind in erster Linie Halsabschneider ohne kulinarisches Gewissen. Einzig ein türkischer Bäcker in der Mittelstraße verkauft ordnungsgemäße Backwaren zu vernünftigen Preisen.

In 'tschland gibt es sowieso keine ausgeprägte Frühstückskultur. Damit ist nun nicht das obligatorische Frühstücksbüffet gemeint, ohne das ganz offenbar kein Cafè in 'tschland mehr auskommen möchte. Sondern das ganz einfache und typisch regional Frühstück: Es stirbt leider aus, weil es dafür nie einen besonderen Namen gegeben hat.

In Amerika bezeichnete man das typische Frühstück nicht als "Typical Breakfast", sondern als "American Breakfast". Das Ergebnis? Bands und Filmemacher betitelten ihre Platten und Filme danach! Es gibt das "English Breakfast", das von einer britischen ProgRock- Band vertont wurde, und es gibt das "Continental Breakfast", das man genauso gut "Cheap Hotel Breakfast" nennen könnte. Aber in 'tschland gibt es nur die "German Angst": Die Angst der Ütschen, vor geschlossenen oder ausverkauften Geschäften zu stehen. Diese Angst ist in Mannheim legitim!

Samstag, 8. September 2007

Deutsches Gemüse für deutsche Deppen! Sonst Vielfalt für den Arsch!

Ich finde, dass sog. "Volksdeutsche", die meinen, das "Deutschland den Deutschen" gehöre und sonst niemandem, auch konsequent in ihrer Ernährung sein sollten.

Nein, ich rede nicht nur davon, dass sie statt Döner Bratwurst essen sollen, sondern ich möchte da noch einen Schritt weiter gehen: Ich rede von volksdeutschem Gemüse für volksdeutsches Gemüse. Ich rede von Kohl und Rüben in allen Varianten, auf dass die Doofmullen an ihren Ausdünstungen frühzeitig zu erkennen sind.

Vorbei ist's mit der Tomate und der Kartoffel. Sie kommt nämlich gar nicht aus deutschen Landen! Vorbei ist es auch mit den Zucchini, Auberginen und Brokkoli. Letzteres wurde sogar von einem Amerikaner "gezüchtet", und das geht in "Neudeutsch" ja gar nicht.

Die Mandarinen, sowieso alle Zitrusfrüchte, und auch die Banane sind keine mitteleuropäischen Produkte. Auch das Hühnchen wäre tabu, ist es doch ein Import aus Indien. Und Nudeln oder Reis könnt ihr euch auch bitteschön verkneifen.

Ja, so soll es sein, liebe Nazis: Ihr müsst das urdeutsche Zeug solange essen, bis euch euer Deutschland wieder aus den Ohren heraus kommt. Bis ihr kotzen müsst vor lauter Volkstum. Und vielleicht redet ihr euch dabei endlich mal die Wahrheit ein:

Dass es sowas wie ein deutsches Volk oder eine arische Landmasse nämlich gar nicht geben kann. Das sind willkürlich vergebene Namen für zufällig Anwesende in zufällig abgesteckten Grenzen. Manchmal sind's nur ein paar Meter und man ist dann zufällig z.B. ein Holländer.

Und so kann man allenfalls froh sein, in Deutschland geboren zu sein. Und man kann froh darüber sein, das uns Menschen aus aller Welt mit ihren Leckereien beliefern und manche sogar bei uns wohnen wollen. Denn alleine mit euch Doofmullen ist es hier ja gar nicht auszuhalten, ihr lieben Nazis.

Donnerstag, 30. August 2007

Schnappschüsse! Und ein Düstermonolog!

Vor einer Stunde noch: Am Strand liegen, die dicke Plautze in die Sonne haengen, und das Meer schwappt über wie eine zu stark gerührte Tasse Tee. Der Imam ruft zum Gebet, niemanden hier interessiert es! Angesichts zweier vor der Moschee abgestellter Paar Schuhe verliert sich die Angst vor der İslamisierung der Welt schnell.

6 Jungs steuern unsere einsame Bucht mit dem Tretboot an. Warum bleiben die nicht an İhrem Stück Strand, diese Doofmullen? Der Grund wird sofort nach der Landung klar: Es muss heimlich geraucht werden, in Abwesenheit der Eltern, der aelteren Geschwister. Geraucht wird: eine lange Damenzigarette. Jeder kommt mal dran. Die Zigarette ist bald aufgeraucht, die Jungs verlassen unseren Strandabschnitt genauso geraeuschvoll, wie sie ihn betreten haben.
Wer hat Angst vorm Muselmann,
dass er Nachts nicht schlafen kann?
Das ist es, was ich hier sehe, im Südwesten der tourismusgepraegten Türkei: Eine völlig bekleidete junge Muslima badet zusammen mit ihren weniger- und wenigstbekeideten Freundİnnen. Als sie von einer grösseren Welle umgeworfen wird, haelt sie sich an dem offensichtlich von ihr angebeteten Jüngling fest. Sie bleibt sehr lange an ihm haengen.

Gestern noch: Eine Fahrt nach Kekova, 'the sunken city'! Zuvor besuchten wir den von den Antalya- Russen bevorzugten Wallfahrtsort Myrna nahe der Agrarstadt Demre: Dort liegt angeblich der Schutzpatron der russisch- orthodoxen Kirche, naemlich Santa Claus oder der für Christen heilige Sankt Nikolaus begraben. An den zahllosen Staenden: Reliquien und Devotionalien.

Die Russen hier sind eine besondere Merkwürdigkeit. Fast hat man den Eindruck, dass der durch den Verkauf der DDR gewonnene Erlös ausnahmslos den Falschen zugute gekommen ist:

Fette, schwitzende Patriarchen, die mit kolonialer Haerte und Haeme um Tand feilschen, im Verbund mit ihren Mamutschkas, den feisten Söhnen und ihren kaum bekleideten Töchtern. Letztere tragen bis in die Farblosigkeit gebleichtes Haar und Pirellireifen (tm) statt Lippen im Gesicht. İhr in engste Hotpants gezwaengtes Geschlecht wirft lange Schatten auf den Boden.

İn der Auswahl meiner Reiseklamotte habe ich auch als Mann der Etikette halber der Bedecktheit gefrönt. Überall auf der Welt soll man den Touristen an seinen kurzen Hosen und der Schlabbermütze bzw. BaseCap erkennen. İmmerhin traegt auch der Türke mittlerweile knielange Shorts, und mich aergert mein vorauseilender Gehorsam ein wenig, denn ich schwitze wie ein landestypisch unreines Tier.

Man klettert hier übrigens gerne über Absperrungen, um die Graeber von innen zu besichtigen. Da es dort aber nichts zu sehen gibt, scharrt man mit den Füssen den Boden auf. İch selbst habe kaum Respekt vor Absperrungen, wohl aber vor den Lebenden und den Toten - und seien sie noch so lange tot! İst es die Aehnlichkeit zu den deutschen Unzulaenglichkeiten, die mich hier so schreckt? Bin ich etwa altmodisch?

Nur einen Mausklick weiter - 'tschland: İnteressieren die Übergriffe auf Fremde in Deutschland nach einer Woche überhaupt noch? Einen Moment, ich schau mal nach... Naja, Top- Thema ist es nicht gerade! Man wirft ja der Ministerin von der Leyen Versagen vor: Zu ihrem Ministerialgebiet gehört nun auch mal die Jugend. Welche Werte werden denen aber gegenwaertig vermittelt? Humanistische Grundwerte doch ganz bestimmt nicht!

Apropos ostdeutsche Nazis: İch kann mich noch sehr gut an die akzeptierende Jugendarbeit erinnern, die man vorzugsweise jungen Rechtsradikalen angedeihen liess: Man müsse den fehlgeleiteten Jugendlichen nur ein kuscheliges Zuhause bereiten, dann integrierten sie sich schon und trügen den türkischen, phillipinischen und vietnamesischen Mamis die Einkaufstüten heim.

Dazu nur noch eines: Mache ich es den Schaben und Maden in meiner Wohnung kuschelig, dann fühlen die sich wohl und vermehren sich geschwind. Aber sie bleiben vor allen Dingen eines: Schaben und Maden! Die nur um wenige Grade höhere İntelligenz der Rechtsradikalen liess allerdings nicht nur wohliges Schnurren verlauten, sondern auch handfeste Strukturen entstehen. Und diese gehören zerschlagen mit aller Gewalt! Übrigens nicht nur in Ostdeutschland!

Wenn eine Ministerin aber nichts anderes vor hat, als ein paar Akademikerinnen zur Aufzucht einer deutschen Brut zu bewegen, und diese wiederum nichts anderes schaerfen lernen soll als den ureigenen İnstinkt der sozialen Selektion, dann passiert ebendies: Kaum dass die Brut dem Mutterkreuz - pardon - Mutterherz entwachsen ist, wendet sie das Erlernte an.

Diese Jungen können entweder diesseits der markierten Linie funktionieren oder jenseits derer die benagelten Knüppel schwingen und auf die noch Kleineren dreinhauen. Es sind die zwei Seiten ein und derselben Münze. Die Münze heisst: Kapitalistisch- liberale Wertegemeinschaft! Und der fehlt zudem die humanistische Praegung!

Schade, 'tschland haette naemlich das Zeug dazu gehabt, sich in eine andere Richtung zu entwickeln. So aber bleibt es ein Land wie jedes andere auch: Klein, schaebig und doof!