Ich bin noch da. Merkel ist noch da. Das eine ist gut, das andere nicht so gut. Es wirkt sich auf mein Leben aus. Deprimierend ist nur das: Meine Freundin sagt zur Zeit Zweideutigkeiten wie die Kanzlerin. Nun, sie ist auch aus dem Osten.
Wir arbeiten für uns beide überraschend Vollzeit. Die Kombination Zeitumstellung, Regenwetter und Vollzeitarbeit ist mörderisch. Wir waren Freitagabend etwas trinken gegangen und sind dann völlig müde nach Hause gegangen. Wir schauten auf die Uhr. Es war 23 Uhr. Dann schliefen wir sofort ein.
Um morgens schlapp und antriebslos in den unendlichen Weiten des Bettes zu treiben. Endlich schafften wir den Absprung und besuchten wenigstens eines unserer Lieblingscafés. Es ist eines unserer Lieblingscafés aus zwei Gründen: 1. Die Inhaberin abonniert den Freitag! 2. Es ist ein Café, dass seinen Kund_innen eine vegane UND eine vegetarische Lösug anbietet.
Ich bin da konservativ: Wer einen Latte Macchiato will, der muss echte Milch trinken. Soja- oder Mandelmilch ist keine Milch. In den Kaffee muss toter Euter, sonst trinke ich etwas, das so schmecken soll wie ein Latte Macchiato. Derzeit machen hier in Neukölln jedoch viele vegane Cafés auf, in die ich nicht gehen möchte, weil der Latte nicht nach Latte schmeckt, sondern nach industriegefertigter Sojascheiße aus garantiert nicht ökologischem Anbau.
Nun gut: Puritaner trinken ihren Kaffee gar ohne Milch und ohne Zucker.
Ich kann nicht verstehen, warum überzeugte Veganer Tofu auf den Grill werfen, der nach Fleisch schmecken soll. Oder nach Würstchen. Enweder ich gebe meinem Körpergefühl nach und esse totes Tier, oder ich habe ethische Vorbehalte und esse Tofu, der nach Tofu schmeckt. Ich esse ja auch keine Salzstangen, die nach Zigaretten schmecken, wenn ich mit dem Rauchen aufhören will. Doch genug!
Letztlich saßen wir in dem Café, seltsame Leute kamen und gingen, bestellten Kaffee mit aufgeschäumter Mandelmilch. Sie schrien nach Aufmerksamkeit, indem sie Bauhelme und Sherpahüte auf ihren Köpfen trugen. Sie wollten Berlin sein, und zwar so dermaßen, dass klar wurde: sie sind es nicht! In Böblingen verkauft ein offensichtlich Geistesgestörter Fahrkarten nach Berlin und schenkt den Käufer_innen uncoole Kopfbedeckungen dazu.
Die Kellnerin kennt uns mittlerweile. Sie fragte nach unserem Wohlergehen und schlug mir mein Standardgetränk vor. Ich stimmte zu. Meine Freundin lamentierte über ihre Müdigkeit und erklärte, wir seien gestern sehr früh ins Bett gegangen. Und nach langem Schlaf seien wir trotzdem müde. Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: Nicht, dass irgendetwas passiert sei oder so.
Alle Beteiligten wurden plötzlich rot vor unbestimmter Scham über diese Äußerung von merkel'scher Unbestimmtheit und Zweideutigkeit. Und alles, was meine Freundin daraufhin noch verlegen von sich gab, um ihre Aussage zu retten, machte die Situation nur noch peinlicher. Aber auch irgendwie heiterer. Nun, dies ist mein Leben dieser Tage und vielleicht gar nicht wert, hier geschrieben zu stehen. Ich wollte ja nur von mir hören lassen.
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Sonntag, 3. November 2013
Donnerstag, 1. März 2012
Alt und distinguiert ohne Molotow- Cocktail- Affinität! LM und Clubmate als Szenegetränke!
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| kriegswichtig: kräftige, aromatische Getränke |
Da ich jedoch zusätzlich auf Latte Macchiato stehe, gehöre ich eindeutig zu den Gentrifizierern, zu denen wiederum die Hipster gehören, die in Berlin- Neukölln nicht wohlgelitten sind, weil sie sehr häufig vorkommen und drei Euro für einen Latte Macchiato zahlen, weil es schick ist, drei Euro für einen Latte Macchiato zu zahlen. Und weil teuer = gut ist!
Nun, wahrscheinlich bin ich ein Türöffner für Gentrifizierer, weil ich vor zwölf Jahren nach Berlin gezogen bin, als alle noch dachten, in Berlin gäbe es zu viele "Ausländer" und alles sei so schmutzig. Das hat sich wegen mir und anderen Provinzflüchtlingen gründlich geändert. Freilich waren diese damals gemeinten "Ausländer" nicht jene, über die heute viele Berliner jammern. Heute kommen ja auch die "guten Ausländer", also jene, die ihr Geld nach Berlin "mitbringen" statt es dort "abzuholen". Das jedenfalls ist die reine Folklore, deshalb erscheint sie in "Gänsefüßchen".
Ich aber habe den Weg geöffnet für all die Gentrifizierer, die die Mieten in schwindelerregende Höhen haben treiben lassen, weil ich Landei, das ich war, garantiert schon damals zu viel Miete bezahlt habe und damit einen unumkehrbaren Trend eingeläutet habe, der unaufhaltsam Randgruppen noch weiter an den Rand drängt als der Rand überhaupt Kapazitäten hat. Und dann trinke ich auch noch Latte Macchiato und Clubmate. In Berlin! Geht's noch? Es ist zum auswachsen. Ich alte Sau, ich!
Was meine Schuld nicht gerade schmälert, ist die Tatsache, dass ich schon Darmstadt gentrifiziert habe. Denn schon dort, also vor mindestens dreizehn Jahren, habe ich schon am liebsten Latte Macchiato getrunken. Dies zwar nur der Beschaffenheit des Getränkes wegen: Im Gegensatz zum ordinären Milchkaffee, der aus ebenso ordinärem Kaffee gemacht wird, besteht der Latte Macchiato aus Espresso und Milch und schmeckt deshalb würziger. Darmstadt war jedoch schon vor meiner Zeit teuer. An meinem Konsum von LM mag's also nicht gelegen haben.
Clubmate mag ich schlicht und einfach deshalb, weil das Getränk nicht so süß ist wie andere Limonaden. Daher erfrischt es mich besser. Ich habe nun aber keine Lust, dem damaligen Innensenator Körting den Gefallen zu tun, seinem Bild eines Autonomen zu entsprechen. Deswegen sah ich stets davon ab, aus jeder Flasche Clubmate einen Molotow- Cocktail anzufertigen. Es ist quasi nur Körting zu verdanken, dass ich zu den Hipstern zähle, obwohl ich meine Wolllmütze gar nicht wie der Peter- Stuyvesant- Mann kurz über dem Pony trage und keine zu engen Hosen mit Fäkal- Reservoir am Hintern mein Eigen nenne.
Ich finde es allerdings etwas anmaßend, mich allein wegen meiner Trinkgewohnheiten einer Szene zuzuordnen, zumal ich Stofftaschen ästhetisch ablehne. Außerdem kann ich nichts dafür, dass bestimmte Personengruppen meine Lieblingsgetränke okkupiert haben. Aber ich lasse mir nun mal nicht gerne vorschreiben, was ich zu trinken habe und was nicht. Das unterscheidet mich übrigens vom Hipster: Ich trinke und trage etwas, weil ich es mag, und nicht aufgrund eines Modediktats.
Der Hipster findet Dinge cool, weil sie bereits als cool gelten. Er selbst gilt nicht als kreativ und schon gar nicht als beflissen. Der Hipster ist ein Nachahmer, er setzt keine eigenen Akzente. Er ist lediglich ein Abdruck der immer kürzer werdenden modischen Epochen und muss deshalb immer mit der Angst leben, plötzlich nicht mehr up-to-date zu sein. Zu schnell darf er aber auch nicht sein, sonst wäre er ja Avantgarde. Was? Du trägst immer noch Stofftaschen und Pullover mit V-Ausschnitt? Wie? Igitt! Was soll das denn sein, was Du da anhast?
Es beruhigt mich sehr, nicht dazu zu gehören. Allerdings ist es das Haupt- Wesensmerkmal eines jeden Hipsters, sich selbst nicht als Hipster zu bezeichnen. Hipster ist einzig und allein eine Fremdzuweisung. So ein Mist! Würde ich jedoch auf andere Getränke ausweichen, dann wäre ich ebenso fremdbestimmt wie ein Hipster. Was wäre ich dann?
Würde ich auf pappsüße Cola umsteigen, wäre ich ein Imperialist. Tränke ich nun aber Cola-Light oder Zero (was exakt dasselbe ist, nur klingt Zero irgendwie männlicher), dann würde ich als Huppie (Eigenkreation für: health urban professional) gelten. Bionade geht auch nicht. Erstens, weil's gar nicht so sehr bio ist und zweitens, weil man einem Konzern auf den Leim gegangen ist. Drittens schmeckt's sch....
Wenigstens finde ich, dass Becks- Bier zu trinken, zumal während des Fahrrad fahrens, eine ausgemachte Geschmacklosigkeit ist. Und den Shawl (sic!) als rein modisches und nicht halswärmendes Element um den Larynx zu winden ist eine hoffentlich krank machende Sünde. Mittels nichtpassender Hosen auch noch zu unterstreichen, dass man über keinen nennenswerten Hintern verfügt, ist nachlässig und sollte meines Erachtens nach mit Sex- Entzug nicht unter drei Kilo Gewichtszunahme bestraft werden. Bedruckte Stofftaschen geschultert zu tragen, mit oder ohne Einkäufe darinnen, gehört einfach verboten, genau so wie der protzige Kopfhörer als Accessoire.
In diesen Ablehnungen liegt meine Distinktion: Ich bin kein Hipster, kein Gentrifizierer und auch kein Ex- Yuppie: Ich bin einfach nur alt und mag meine Gewohnheiten nicht mehr ändern. Andere sollen gefälligst ihre Gewohnheiten zu meinen Gunsten ändern. Wenn ich schon mit keiner nennenswerten Rente zu rechnen habe, soll die Jugend wenigstens das für mich erledigen. Aaaaaaaaalt! Und an den hohen Mieten sind immer noch die Vermieter schuld. Niemand sonst!
Aaaaaaaaalt!
worte die fallen
Berlin,
Club,
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Gentrifizierung,
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Miete,
Milchkaffee,
Occupy,
Stoff,
Tasche
Freitag, 18. April 2008
Kleine Stadt, kleine Bewegungen! Wenig Mannheim, großes Gewicht!
Der Mensch treibt Sport, weil er kein natürliches Leben führt. Der Arbeitsalltag lässt ihn körperliche Tätigkeiten nur einseitig betreiben, und dieses so entstehende Defizit wird durch das Training bestimmter, untrainierter Körperpartien kompensiert. Man könnte sagen, dass Sport der Katalysator der Leistungsgesellschaft ist.
Die meisten Menschen betreiben Sport, weil sie zu dick sind. Und weil sie endlich wieder ein Gefühl für ihren Körper bekommen möchten, das ihnen im Alltagseinerlei abhanden gekommen ist. Das Bedürfnis nach Sport ist ein Zeichen körperlicher Unausgeglichenheit. Kein Wunder, wenn sonst jeder Pfad, der im Leben begangen werden möchte, widernatürlich mit dem KFZ gefahren wird.
Als ich noch in Berlin lebte, betrieb ich keinen Sport. Das war gar nicht nötig. Meine Arbeitswege waren so lang, dass ich fahrradfahrenderweise fit blieb. Und das nächstbeste Café zum Hinfläzen war ca. 1km von meiner Wohnung entfernt, so dass der Latte Macchiato schon verdaut war, bevor ich ihn überhaupt trank. Auch das hektische Treiben in der Stadt und die dauerhaft finanzielle Klammheit schaffte Kalorien beiseite.
Tatsächlich ist Berlin riesig. Von Neukölln im Süden nach Wedding im Norden kann mit dem Fahrrad 20km weit und mehr fahren, und das ist alles noch dichtbesiedelte Innenstadt. Das Verhältnis zu den Fußwegen steigt mit den Wegen, die man mit dem ÖPNV zurücklegt. Da läuft man gerne auch mal drei Kilometer, nur weil es sich nicht lohnt, das Fahrrad dafür auf- und wieder abzuschließen.
In Mannheim ist das anders. Mannheim ist geradezu mickrig im Vergleich zu Berlin. Alles ist zu Fuß zu erreichen. Dass Mannheim trotzdem eine Großstadt ist, liegt an einem simplen Trick: Es werden einfach alle Kuhkäffer und Inzestsiedlungen in der Umgebung dazugezählt, und schon passt es. Mannheim ist genau gesehen eher eine Verbandsgemeinde als eine Großstadt. Wenigstens hält hier ein ICE. Mal sehen, wie lange noch!
Es kann kein Zufall sein, dass ich, seit ich in Mannheim lebe, 6kg zugenommen habe. Mir fehlt es hier einfach an Bewegung, ich habe kaum Auslauf. Alles ist in Sichtweite. Es lohnt sich kaum, irgenwohin zu laufen, wenn man doch eben mal kurz 'rüberlangen kann. Faktisch braucht man in Mannheim überhaupt keinen ÖPNV, geschweige denn ein Auto. Soll ich dereinst die Blumen verreister Bekannter gießen, spucke ich einfach 'rüber in den Blumentopf. So leicht ist das.
Okay, meine liebe Frau C. aka BionicWoman kocht vorzugsweise mit Sahne und Käse, und ich habe mich dementsprechend angepasst. Das sind natürlich Dickmacher. Dafür wird aber kaum noch Fleisch verzehrt, da meine liebe Frau C. Vegetarierin ist. Aber gegessen habe ich auch in Berlin, allein daran kann es also nicht liegen. Auffällig ist allerdings, dass viele MannheimerInnen etwas rundlich und sehr sehr bequem sind.
Hier tickt die Uhr eben etwas langsamer, und über die Geschwindigkeit der Eingeborenen habe ich ja bereits Bücher verfasst. Was bleibt mir jedoch, der ich einen Anzug nach dem anderen in die Schämecke hängen muss, weil ich nicht mehr hineinpasse? Wenn sich mein Bauchspeck bräsig über den nicht mehr nötigen Gürtel wölbt, sobald ich mich aufrecht hinsetze? Soll ich kapitulieren und neue Kleidung erwerben? Ja bin ich denn Krösus?
Also muss ich wohl oder übel Sport treiben. Zur Zeit kann man mich jeden 2. Tag durch die Neckarpromenade hetzen sehen, verzweifelt mit der Wampe kämpfend. Was ist geschehen? Bin ich nun endlich in der Leistungsgesellschaft angekommen? Man kann ja schließlich nicht ewig dagegen ankämpfen. Dennoch stimmt es mich irgendwie traurig, dass mein Körper durch Widerlichkeiten wie Sport gestählt werden soll, wo doch sonst das Selbst das Sein bestimmen sollte!?
Die meisten Menschen betreiben Sport, weil sie zu dick sind. Und weil sie endlich wieder ein Gefühl für ihren Körper bekommen möchten, das ihnen im Alltagseinerlei abhanden gekommen ist. Das Bedürfnis nach Sport ist ein Zeichen körperlicher Unausgeglichenheit. Kein Wunder, wenn sonst jeder Pfad, der im Leben begangen werden möchte, widernatürlich mit dem KFZ gefahren wird.
Als ich noch in Berlin lebte, betrieb ich keinen Sport. Das war gar nicht nötig. Meine Arbeitswege waren so lang, dass ich fahrradfahrenderweise fit blieb. Und das nächstbeste Café zum Hinfläzen war ca. 1km von meiner Wohnung entfernt, so dass der Latte Macchiato schon verdaut war, bevor ich ihn überhaupt trank. Auch das hektische Treiben in der Stadt und die dauerhaft finanzielle Klammheit schaffte Kalorien beiseite.
Tatsächlich ist Berlin riesig. Von Neukölln im Süden nach Wedding im Norden kann mit dem Fahrrad 20km weit und mehr fahren, und das ist alles noch dichtbesiedelte Innenstadt. Das Verhältnis zu den Fußwegen steigt mit den Wegen, die man mit dem ÖPNV zurücklegt. Da läuft man gerne auch mal drei Kilometer, nur weil es sich nicht lohnt, das Fahrrad dafür auf- und wieder abzuschließen.
In Mannheim ist das anders. Mannheim ist geradezu mickrig im Vergleich zu Berlin. Alles ist zu Fuß zu erreichen. Dass Mannheim trotzdem eine Großstadt ist, liegt an einem simplen Trick: Es werden einfach alle Kuhkäffer und Inzestsiedlungen in der Umgebung dazugezählt, und schon passt es. Mannheim ist genau gesehen eher eine Verbandsgemeinde als eine Großstadt. Wenigstens hält hier ein ICE. Mal sehen, wie lange noch!
Es kann kein Zufall sein, dass ich, seit ich in Mannheim lebe, 6kg zugenommen habe. Mir fehlt es hier einfach an Bewegung, ich habe kaum Auslauf. Alles ist in Sichtweite. Es lohnt sich kaum, irgenwohin zu laufen, wenn man doch eben mal kurz 'rüberlangen kann. Faktisch braucht man in Mannheim überhaupt keinen ÖPNV, geschweige denn ein Auto. Soll ich dereinst die Blumen verreister Bekannter gießen, spucke ich einfach 'rüber in den Blumentopf. So leicht ist das.
Okay, meine liebe Frau C. aka BionicWoman kocht vorzugsweise mit Sahne und Käse, und ich habe mich dementsprechend angepasst. Das sind natürlich Dickmacher. Dafür wird aber kaum noch Fleisch verzehrt, da meine liebe Frau C. Vegetarierin ist. Aber gegessen habe ich auch in Berlin, allein daran kann es also nicht liegen. Auffällig ist allerdings, dass viele MannheimerInnen etwas rundlich und sehr sehr bequem sind.
Hier tickt die Uhr eben etwas langsamer, und über die Geschwindigkeit der Eingeborenen habe ich ja bereits Bücher verfasst. Was bleibt mir jedoch, der ich einen Anzug nach dem anderen in die Schämecke hängen muss, weil ich nicht mehr hineinpasse? Wenn sich mein Bauchspeck bräsig über den nicht mehr nötigen Gürtel wölbt, sobald ich mich aufrecht hinsetze? Soll ich kapitulieren und neue Kleidung erwerben? Ja bin ich denn Krösus?
Also muss ich wohl oder übel Sport treiben. Zur Zeit kann man mich jeden 2. Tag durch die Neckarpromenade hetzen sehen, verzweifelt mit der Wampe kämpfend. Was ist geschehen? Bin ich nun endlich in der Leistungsgesellschaft angekommen? Man kann ja schließlich nicht ewig dagegen ankämpfen. Dennoch stimmt es mich irgendwie traurig, dass mein Körper durch Widerlichkeiten wie Sport gestählt werden soll, wo doch sonst das Selbst das Sein bestimmen sollte!?
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ICE,
Latte Macchiato,
Leistungsgesellschaft,
liebe Frau C.,
Mannheim,
Neckarpromenade,
Neukölln,
ÖPNV,
Sport,
Wedding
Mittwoch, 2. April 2008
Aldis Messplatz! Und ein entschiedenes Nein!
Beinahe hätte sich das "Platzhaus" am neuen "alten Messplatz" in mein Herz geschunkelt, doch es sollte leider nicht sein. Zu hübsch waren die beiden kleinen Bungalows. Sie erinnerten fast an toskanische Begebenheiten, hätte man sie nicht in diesem spiesserdeutschen weiß angemalt. Natürlich war es ob der unvermeidlichen Bauzäune nicht möglich, das "Platzhaus" wirklich lieb zu haben, zumindest nicht für mich!
Der gemeine Mannheimer hingegen liebt Gitter und Absperrungen, was sich dem geneigten Fußgänger z.B. beim Überqueren der Strassen deutlich zeigt: Man wird durch ein kleines Labyrinth geschleust und am Ende wartet der Mann mit dem Bolzenschussgerät. Das ist fein und gefällt uns! Also goutieren wir den gerasterten Blick auf die Außenwelt durch den Maschendrahtzaun unserer Unbeweglichkeit, während der Latte Macchiato heiss und fingergespreizt geschlürft wird.
Doch alles hat einmal ein Ende! Es kann ja nicht sein, dass etwas einigermaßen ästhetisches auch so bleiben darf - nicht in Mannheim! Der Bauzaun ist tot, es lebe das Lochblech: Das "Platzhaus" ist nun vollverkleidet und wirkt ganz plötzlich wie eine Aldi- Filiale. Immer noch besser als Lidl! Herzlichen Glückwunsch! Ein Riesentrumm von Gebäude mit Würgreflexgarantie! Spitze!
Neben dem verhunzen von Gebäuden und öffentlichen Plätzen wird in Mannheim eine andere schöne Tradition gepflegt: Der gute alte Leierkastenmann spielt wieder in den Gassen. Morgens um Neun! Es gibt Menschen, denen könnte man den lieben langen Tag den Hals umdrehen.
Aber Moment mal: Ist das nicht eine schöne Tradition? Viel schöner als Kapitalismus, Feuerwehrfeste, Arbeit und Weihnachten zusammen? Ich sage da ganz deutlich: Nein! Nicht per se! Nicht zu jeder Uhrzeit, und auch nicht jeden Tag! Man muss ja allen Mumm zusammen reissen, um mal wieder NEIN sagen zu können, heutzutage.
Denn es kommen täglich neue Zumutungen auf uns zu, und da ist es eigentlich ganz schön, wenn ein paar alte dafür wegfallen. Unser Hirn ist schließlich nur soundso groß, deswegen passt da nur soundso viel rein. Alles was neu ist verdrängt etwas altes, das kosmische Gleichgewicht der Doofness ist nicht verhandelbar.
Jetzt kommt also neuerdings der Leierkastenmann, dazu noch frühmorgens, und allein seine Anwesenheit lässt mich existenzielle Dinge wieder vergessen. So kann das nicht weitergehen. Deswegen sage ich ganz entschieden NEIN zum Leierkastenmann! Geh' weg! Lass' mich in Ruhe! Wo ist der Mann mit dem Bolzenschussgerät?
Der gemeine Mannheimer hingegen liebt Gitter und Absperrungen, was sich dem geneigten Fußgänger z.B. beim Überqueren der Strassen deutlich zeigt: Man wird durch ein kleines Labyrinth geschleust und am Ende wartet der Mann mit dem Bolzenschussgerät. Das ist fein und gefällt uns! Also goutieren wir den gerasterten Blick auf die Außenwelt durch den Maschendrahtzaun unserer Unbeweglichkeit, während der Latte Macchiato heiss und fingergespreizt geschlürft wird.
Doch alles hat einmal ein Ende! Es kann ja nicht sein, dass etwas einigermaßen ästhetisches auch so bleiben darf - nicht in Mannheim! Der Bauzaun ist tot, es lebe das Lochblech: Das "Platzhaus" ist nun vollverkleidet und wirkt ganz plötzlich wie eine Aldi- Filiale. Immer noch besser als Lidl! Herzlichen Glückwunsch! Ein Riesentrumm von Gebäude mit Würgreflexgarantie! Spitze!
Neben dem verhunzen von Gebäuden und öffentlichen Plätzen wird in Mannheim eine andere schöne Tradition gepflegt: Der gute alte Leierkastenmann spielt wieder in den Gassen. Morgens um Neun! Es gibt Menschen, denen könnte man den lieben langen Tag den Hals umdrehen.
Aber Moment mal: Ist das nicht eine schöne Tradition? Viel schöner als Kapitalismus, Feuerwehrfeste, Arbeit und Weihnachten zusammen? Ich sage da ganz deutlich: Nein! Nicht per se! Nicht zu jeder Uhrzeit, und auch nicht jeden Tag! Man muss ja allen Mumm zusammen reissen, um mal wieder NEIN sagen zu können, heutzutage.
Denn es kommen täglich neue Zumutungen auf uns zu, und da ist es eigentlich ganz schön, wenn ein paar alte dafür wegfallen. Unser Hirn ist schließlich nur soundso groß, deswegen passt da nur soundso viel rein. Alles was neu ist verdrängt etwas altes, das kosmische Gleichgewicht der Doofness ist nicht verhandelbar.
Jetzt kommt also neuerdings der Leierkastenmann, dazu noch frühmorgens, und allein seine Anwesenheit lässt mich existenzielle Dinge wieder vergessen. So kann das nicht weitergehen. Deswegen sage ich ganz entschieden NEIN zum Leierkastenmann! Geh' weg! Lass' mich in Ruhe! Wo ist der Mann mit dem Bolzenschussgerät?
worte die fallen
Aldi,
Alter Messplatz,
Arbeit,
Bolzenschussgerät,
Kapitalismus,
Latte Macchiato,
Leierkasten,
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