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Sonntag, 27. April 2014

Locked in Friedrichshain #2: And now to something completely different!

Ja, lustig geht es zu in Friedrichshain. Mein letzter Ausfall war sehr grantig. Aber relativer Reichtum scheint einher zu gehen mit sozialer Verrohung und Bullying. Die schönsten Wörter, die ich dazu (im Editorial der JungleWorld) las: Ganzkörperellbogen und Vorfahrtabonnenten. Ich füge Soziallegastheniker, Spätmuttis und Rollkofferrüpel hinzu.

Es wird noch mehr zu berichten sein, doch heute möchte ich mich den Europawahlen widmen. Ja, genau: Politik! Wer bei diesen Wörtern generell gähnen muss und hernach ins Wachkoma fällt, dem ist es bereits passiert und kann nicht mehr geholfen werden. Wer aber noch bei mir ist bekommt folgendes zu lesen:

Die Plakate sind durchweg großer Mist, und die darauf formulierten Agenden sind zumindest bei den Koalitionsparteien auf Wachstum ausgelegt: Wachstum hier und Wachstum da, besser als Stillstand sei es, das Wachstum, Berlin sei auch besser als Stillstand, weswegen man besser Berlin wähle und nicht so Gutmenschen, die für Spekulanten nix übrig haben. Und so weiter und so fort. Die Linke fällt dabei wohltuend aus dem Rahmen.

War da nicht mal was? Bankenkrise? Finanzkrise? Später umbenannt in Staatsschuldenkrise, damit besser verdeutlicht werden kann, wer die hochriskanten Geldgeschäfte der Banken zahlen muss? Hätte es dann aber nicht gleich Staatsbürgerkrise heißen sollen? Wir sind Bank!

Irgendwie hatte ich noch in Erinnerung, dass beinahe alle Parteien dem Wachstumsgedanken urplötzlich ihr Misstrauen aussprachen. Das ging sogar so weit, dass sich die FDP (wer sich noch erinnert: die Partei von Westerwelle, Göbbels und Hussein) eigens wieder für das Wachstum aussprechen musste, um wieder so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal zu haben.

Und nun? Alle (berechtigte) Kritik beiseite geräumt. Wachstum ist wieder wer. Als habe man die Bevölkerung demagogisch auf einen wirtschaftlichen Wachstumsstillstand vorbereiten wollen, indem man ihr sagt: Och jo, dat mit dem Wachstum. Das wird sowas von überbewertet, brauchen wir gar nicht. Ist ganz dolle böse, pfui, weg damit!

Kaum glaubt man die Krise überwunden, holt man das einzige Rezept aus der Schublade, das man kennt und schwupps: Wachstum ist King! Wachtum Wachstum Wachstum. Man hatte ja schon gezweifelt: Sollten unsere PolitikerInnen einen ganz kurzen, lichten Moment gehabt haben? Sollten sie eine 10tel Sekunde lang begriffen haben, dass sie nicht den Märkten, sondern allein der Bevölkerung gegenüber verantwortlich sind?

Wachstum, liebe Leute, ist nicht anderes als Raubbau an den Ressourcen unserer Welt. Das durch Wachstum entstandene Geld ist eine Anleihe auf die Zukunft, dass noch keinen sachlichen Gegenwert hat und ist daher nur fiktives, also gar nicht vorhandenes Geld. Gäbe es dieses Geld heute schon, befänden wir uns in einer schlimmen Inflation. Würde der sachliche Gegenwert in der Zukunft nicht hergestellt werden, würde das meiner Meinung nach nur für jene schlimm sein, die in die Zukunft investiert haben.

Für solche Hungerkünstler wie mich wäre das nicht weiter von Belang, womöglich würde ich sogar davon profitieren. Vom Wachstumsgedanken profitiere ich aber auf keinen Fall, und so ist mir Stillstand allemal lieber als der fortgesetzte Wahnsinn. Die Gleichung für mich lautet: Wachstum verhält sich zu böse wie Stillstand zu gut! Also muss wirtschaftliches Wachstum abgeschafft werden.

Um das zu vermeiden, soll ein Transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP) in Kraft treten. Damit soll es Konzernen aus aller Welt möglich sein, gegen so'n Quatsch wie Umweltschutzbestimmungen oder Arbeitnehmerrechte in Europa zu klagen. Nicht vor einem Gericht, sondern durch Schiedsgerichte, die keiner demokratischen Kontrolle unterworfen wären. Versteht sich von selbst, dass dieses Abkommen auch auf völlig undemokratischem Weg zustande kommen wird.

Schon allein deshalb sollte man sich an der Europawahl beteiligen. Dieses mal aber mal ausnahmsweise nicht SPD, CDU oder AfD wählen, sondern partiell mal das linke Spektrum in Betracht ziehen. Parallel kann bei campact.de gegen das Abkommen unterzeichnet werden (hier...). Bitte vorher selbst informieren! Hinterher bin ich wieder schuld, wenn Ihr was falsch macht!

Sonntag, 19. Januar 2014

Reisen statt verreisen! Ein freier Gauck für unfreie Bürger!

Deutschland sucks! Ich muss mal wieder hier raus! Nicht nur, dass der Kanzlerin keine eigene, originelle Verletzung einfällt, um sich vor den offensichtlich nur Kanzlern bekannten Kanzlertätigkeiten zu drücken. Nein, noch nicht einmal kann sie einen richtigen Winter machen. Ach was: keine(r) von "denen da oben" kann irgend etwas. Und man fragt sich, ob die diese Regierung gewählt habenden Vollpfosten nicht genau das wollen: Nichts oder zumindest keine Veränderung!

Dieser Herbstwinter macht mich leider siech. Ein, zwei Wochen Viren- und Bakterien-Holocaust mittels Minustemperaturen im zweistelligen Bereich würden vielleicht helfen. Bin schon seit Dezember malad. Verschwörungstheorien? Ja bitte: Um ganz sicher zu gehen, versucht man die noch nicht vom föderalen Bildungssystem geistig verkrüppelten Menschen durch Krankheitsförderung von der längst fälligen Revolution abzuhalten.

In der Tat kann man auch fragen, ob dieses Bildungssystem und die Weigerung der Bundesländer, die offensichtlichen Bildungdefizite zugunsten einer bundesweiten Regelung zu beheben, nicht dem Umstand zu verdanken ist, dass nun mal jedes Bundesland eine ganz spezielle Verdummung ihrer Bevölkerung benötigt, um auch weiterhin das landesspezifisch offensichtliche Unrichtige ungestraft verbrechen zu dürfen.

Über allem steht die Springerpresse mit ihren überregionalen Verblödungsstreitschriften BILD und B.Z. und berichtet begeistert von allem, was für Springer und Konsorten gut ist: Gut ist alles, was gegen alles Schlechte ist: "Asylbetrüger", "linke Chaoten und Krawallmacher", "Hartz IV Betrüger" etc. Gut ist auch: Hoeneß! Alles was "uns" eint, auch Nazis, wenn's sein muss! Alles was für Arbeitgeber und sogenannte Leistungsträger gut ist etc. BILD ist der "Stürmer" postdemokratischer Zeiten, ein Hetz- und Propagandablatt! Wer erkennt endlich wieder den Feind in ihr? RAF, where are you wenn man Dich mal braucht?

Ich will weg! Ich will reisen! Ich bin noch nie gereist! Ich meine nicht verreisen, also in den Flieger springen und zwei Wochen irgendwo sein, in den Flieger springen um sich wieder in D zu finden und innerhalb der restlichen 50 Wochen die ganze Erholung vom Irrsinn nicht nur komplett zu löschen, sondern gleich für zukünftige "Erholungstrips" völlig ungeeignet zu werden, weil man das gar nicht aufholen kann, wieviel Erholung so ein Mensch eigentlich bräuchte, um nicht am Rad zu drehen und zu kotzen die ganze Zeit vor lauter Übelkeit.

Ich meine mit reisen eine Reise. Eine Reise hat ein Ziel. Bis dahin gibt es Etappen. Diese Etappen sind das Bindeglied zu dem zu erreichenden Ziel. In diesen Etappen verweilt man, bis man zur nächsten Etappe reist. Nach einigen Aufenthalten ist man am Ziel. Schön ist es dort. Man bleibt eine Woche, ein Monat, ein Jahr. Für immer. Auch wenn man weiß, dass Deutschland mittlerweile überall ist: Dort ist wenigstens schöneres Wetter.

Selbstverständlich wird mit dem Zug gereist. Wo Land fehlt, wird geschifft. Wo Anschlussmöglichkeiten fehlen, wird gekifft. Mit dem Zug zieht die Landschaft an einem vorbei. Änderung in der Vegetation zeugen bereits von dem kommenden Anderen. Wo der einzige Nadelbaum die Kiefer ist, da soll mein Ziel sein. Die ersten Apfelsinenbäume sind Kundschafter einer besseren Welt. Dort leg ich mich darnieder und schreibe Dinge in mein Notizbuch und male und döse. Fahre weiter. Weiter.

Und die Fähre bringt mich zu einem Punkt im Meer. Dort wächst und gedeiht auch etwas Feines. Die partygeilen Wischmobs (Smartphone- User) haben die Insel bereits verlassen, selbstredend. Da lieg ich dann am Strand und überlege, wann ich wohl abreisen muss. Oh verdammt, ich bin schon drei Wochen über der Zeit. Das Dilemma: Reisen braucht Zeit. Mehr als nur einen Jahresurlaub. Verdammte Scheiße!

Und auch hier wieder ein Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen: Wir tun so viel, was mit etwas gesundem Menschenverstand nicht getan werden müsste. Wir stellen her, wir vertreiben, wir verkaufen Dinge, die wir im Grunde nicht brauchen. Wir sind unfrei. Wer sagt, Freiheit entstehe durch neoliberale Werte (Gauck) ergo Wettbewerb [hier...], der hat einen perversen Begriff von Freiheit (Gauck). Da liegt die Behauptung, Arbeit mache frei, nicht weit.

Freiheit, lieber Herr Gauck, ist die Freiheit, sich für seinen individuellen Weg selbst zu entscheiden und in prosperierenden Gesellschaften wie unserer (an dessen Reichtum nur einige Wenige teilhaben) ökonomisch unabhängig von einer Erwerbstätigkeit zu sein. Der Zwang, seinen Körper gegen Geld zu verkaufen, ist keine Freiheit. Selber Wein saufen und anderen Wasser zu predigen ist vielleicht Ausdruck ihrer Freiheit, Herr Gauck. Aber die geht zu Lasten der Freiheit anderer.

Was wir dringend brauchen, in diesem Land und in allen anderen auch, ist mehr Freiheit und nicht mehr Arbeit! Mehr Arbeit kostet die Erde mehr Ressourcen. Am Ende und auch am Anfang nutzt dies nur den Wenigen, schadet aber den vielen. Es ist aller Voraussicht nach vergebene Liebesmüh', Sie zum sich schämen aufzufordern, Herr Gauck. Ich weiß nicht, wie manche Menschen die Schmerzen aushalten. Aber ich müsste mich schreiend vor Schmerz am Boden wälzen, wenn ich nur halb so dumm wäre und Dummheit weh täte! Aber ehrlich!

Sonntag, 29. Dezember 2013

Von der Pole Position zum Endkampf: Ein Jahresrückblick!

Aufhängen sollt man sich, wenn man dann die Welt nicht den Deppen und den Volldeppen überlassen müsst. Doch was soll der Grund zum Weitermachen sein? Was soll das neue Jahr denn schon bringen? Und die darauffolgenden? Was, frage ich hier verzweifelt, wenn nicht das Altbekannte und Immerwährende?

In Zeiten bitterster Not, auch wen's nicht der Hunger ist, der uns plagt, sondern der Mangel an Weitsicht und Intelligenz, bleibt doch eh nur die Hoffnung. Scheiß' auf die Hoffnung! Dauernd nur ein Sonnenblinzerl am Horizont, auf das man zuläuft und das dann, sobald man's greifen könnt, von der schafenen Dumpfheit der Allgemeinheit umwollt wird. Das wird doch nix!

Um sich schießen möcht man. Auf all die Deppen, die meinen, noch mal Gas geben zu müssen, auf der Straße wenn Fußgänger queren oder beim Wachstum, wenn die Natur vor die Flinte gerät und erschossen wird aus lauter Habgier und Endverteilungsphantasien. Der Krieg zwischen den Reichen und den Armen, er ist längst entschieden. Sagt der Herr Buffet, und der muss es wissen. Nomen est Omen.

Die Armen und die nicht ganz so Armen glauben leider, sie hätten eine Chance. Sie denken, sie könnten am großen Umverteilungsprogramm teilhaben. Dabei wird ihnen die letzte Kraft aus dem Leib gezogen und das letzte Geld aus den Beuteln geschüttelt, weil sie Konsum mit Reichtum verwechseln. Sie opfern ihre Freiheit dem unreifen Gedanken, der Kunde sei König und habe damit Macht. Schon mal Schach gespielt?

Dabei haben die Reichen - ich mein damit die ganz Reichen, die wohlhabenden Emporkömmlinge sind nur Stangenhalter: Sportler, Politiker, Film- und Medienstars, auch Wurstverkäufer. Nein, die werden auch untergehen - längst registriert, worauf es ankommt: Wenn die Welt kaputt geht wegen dem Wachstum, dann geht es darum, der Nachkommenschaft die Pole Position in einer kaputten Welt zu sichern. Irgendwann braucht's den Pöbel nur noch, um denen ihre Zukunft zu sichern. Und vom Pöbel braucht's dazu nicht allzu viele.

Aber zurück zur Gegenwart. Damit auch zurück zur GroKo, die ich mit Großer Kotzerei übersetzen möcht, weg vom Führerdeutsch zur wahren Wahrheit, nämlich meine. Die Diktatur der Doofen, Restbeständerepublik, die zugunsten einer unwürdigen Pöstchenschacherei auf eine echte Opposition verzichtet und vorsorglich schon deren Redezeit eingeschränkt hat. Wer will schon Verlierern zuhören? Täten sie was taugen, hätt man sie halt gewählt.

Vergessen leider die Schafsblödigkeit der Wähler, selbst in der Demokratie nur auf die ohnehin Starken zu setzen und damit ihre Macht zu manifestieren, in dem Glauben, dass mit der Wahl des Schwächeren die Stimme verloren ginge. Also sprechen sie mit der Stimme der anderen, die wird wenigstens gehört. So blöken die brunsdummen Deutschen weiter ihren stupiden Blödsinn in die Welt und kaufen sich Autos und Böller und was weiß ich was noch für einen Scheiß.

Dann leben sie ihren ganzen Hass - mehr haben sie nicht, die Entrechteten, die gar nicht wissen, wie entrechtet sie sind - auf der Straße aus und auf der Arbeit und im Zwischenmenschlichen überhaupt. Doch sie hassen die Falschen. Sie hassen ihre Nachbarn, ihre Geschwister, ihre Kollegen, und machen sich gegenseitig das Leben noch schwerer als es ohnehin schon ist. Wären sie wenigstens vom Staat bezahlte Provokateure, man täts verstehen.

Sie sind aber einfach feige Arschlöcher, die vor allem buckeln, was mehr Macht hat als sie und nach allen anderen treten. So waten sie in der Scheiße und wundern sich, dass sie nicht herauskommen. Oder sind schon so sediert, dass sie denken, die Scheiße sei Watte und der Geruch der Duft der Freiheit. So oder so: Dauernd hält sie ein Ebenbürtiger fest und sie kommen nicht von der Stelle. Derweil wird von oben gelacht, als wärens die Götter und nicht solche Menschen wie die da drunten in der Kloake, die verwundbar sind, weil aus Fleisch und Blut.

Der letzte, der behauptet hat er sei ein Gott oder zumindest dessen Sohn, den haben sie ans Kreuz genagelt, wo sein Fleisch und Blut verdorrt ist. Aber er sei wieder auferstanden, sagen sie, die Klerikalen. Kein Vergleich sei das. Na, das wär doch mal auszuprobieren mit denen, die sich für gottgleich halten. Schauen wir ein paar Tage später nach, ob sie aufgefahren sind oder doch nur Fleisch und Blut. Man kann im Zweifelsfall immer noch beten. Verbuchen wir die vermeintliche Unsterblichkeit unter Berufsrisiko. Das wär zumindest fair. Und nicht völlig unanständig.

Aber bis dahin tät etwas Revolte nicht schlecht. Alles muss zurückerobert werden! Ich will die Welt zurück. Ich will da sein, wo ich hin möcht und nicht weggehen, weil ein paar Schutzpolizisten das Eigentum eines Erben schützen sollen. Und die Straße, die gehört allen, nicht nur den Autoservilen. Die Wälder sind die unsrigen, und das Wasser und die Luft. Die Häuser, Villen und Fabriken gehören uns auch, weil die ja Leut wie wir gebaut haben, nicht aber die Reichen. Die haben uns nur unsere Zeit gestohlen, die will ich also auch wieder zurück.

Aber ich habe keine Macht. Ich kann nur meinen Respekt und meinen Gehorsam verweigern und mir gelegentlich ein paar Brosamen schnappen, die für mich abfallen. Und wenn ich ihn nicht aus den Augen verlier, werde ich dem Silberstreif am Himmel folgen und mich daran aufbauen, dass woanders die Leut sterben, weil die für ihre Freiheit kämpfen und nicht wie ich an der Fußkette der Behaglichkeit ihre Rechte veräußern bis es zu spät ist, daraus aufzuwachen und sich zu wehren. Das Private ist politisch, und damit ist das Private leider auch scheiße!

P.S. Ich lese gerade Franz Xaver Kroetz' Der Mondscheinknecht. Der hat eine Kraft in der Sprache, die mir gut gefällt. Daher der bajuwarische Sermon im Text. Die Aneignung ist dabei kein bloßer Versuch, sondern fließt so durch mich durch... ich kann nichts dafür!

Samstag, 30. März 2013

Democracy for Dummies Lesson 2: You can call me Pfusch!

Auf meine kleine Insel hab' ich's dann doch nicht geschafft. Mir ist kalt um's Herz, so fällt's mir schwer, aus dem Bett zu kriechen und einem Tagewerk nachzugehen: Es ist kalt und grau draußen, vom Frühling keine Spur. Und auch keine Ahnung davon, wie lange er noch braucht. Nur die Uhr wird heute Nacht umgestellt so wie jedes Jahr. Als ob sich damit alles ändern würde außer meinem Tagesrhythmus. Außerdem bedeutet die Zeitumstellung heuer nur, dass der Frühling noch eine Stunde später kommt. Prima!

Bin immer noch auf der Suche, nach einer Arbeit, die mich nicht zu Tode langweilt. Habe sogar ein oder zwei Stellen gefunden, mich darauf beworbe, doch was soll ich sagen? Man erkennt mein Genie einfach nicht! Meine Erwartungen also etwas herunterschrauben? Ganz ehrlich: Lieber hocke ich deprimiert im Bett und starre trübselig aus meinem Schlafzimmerfenster, als dasselbe tödlich gelangweilt von einem Bürofenster aus zu tun. Jedes zusätzliche Stockwerk, in dem sich dieses Bürofenster befindet, ist ein zusätzlicher Anreiz, sich hinauszustürzen.

Worst Case Scene: Wegen der Erderwärmung bricht Eis aus den polaren Gletschern und bahnt sich den Weg in den Golfstrom. Die Fische darin und das Krill bekommen einen Schnupfen, weil die warme Meeresader sich deutlich abkühlt und uns in Europa mächtig kalte Luft bringt. Die Folge: Der Winter bricht nicht ab und bleibt uns erhalten. Wir müssten nur nach Süden ziehen, am Besten nach Afrika ganz runter, doch halt: Da gibt es ja keine Arbeit nicht. Toll: Oben verhungern wir, weil kein Getreide im Schnee wachsen will, und unten will uns keiner.

Naiver Gedanke Nummer 1: Unsere PolitikerInnen sind natürlich vollkommen ahnungslos. Sie stimmen über Gesetze ab, die sie nicht verstehen. Eigentlich sollten sie diejenigen sein, die aus den Bürofenstern springen. Gut, einige Leute wählen sie ins Amt. Und sie wählen nun ja auch keine Experten, sondern Menschen, in die sie ihr Vertrauen setzen, dass sie das Richtige zu tun. Dazu können PolitikerInnen Experten fragen, wenn sie selber von nichts eine Ahnung haben. Leider tun sie es nicht! Sie werden von Experten beraten, die so tun, als würden sie freiwillig ihre Dienste anbieten. Dabei stehen sie in Wirklichkeit im Dienst der Wirtschaftslobbyisten.

Dies führt nicht gerade dazu, dass die direkten Interessen der Bevölkerung vertreten werden, sondern die von einigen Wenigen. Die es freilich verstehen, darzustellen, dass ihre Interessen die Interessen aller sind: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den "Leuten" auch gut. Sagen sie schon seit Jahren. Stimmt aber nicht. Im Verhältnis geht es der Wirtschaft schon zu Zeiten Helmut Kohls stetig besser, während sich für die "Leute" bestenfalls nichts verschlechtert hat, schlimmstenfalls jedoch deutlich schlechter wurde. Alle Macht geht vom Volke aus? Demokratie musss man sich schon leisten können!

Naiver Gedanke Nummer 2: Und wir glauben auch noch, unsere Würde durch die Mitarbeit in diesem System zu bewahren zu können. Jetzt frage ich mal provokant: Was ist das für eine Würde, wenn ich keine Wahl habe? Wenn ich in einem Land lebe, in dem jeder Bürger zumindest im Durchschnitt reich ist, und zu jeder Arbeit, ob sie mir gefällt oder nicht, gezwungen werden kann, weil ich eben nur im Durchschnitt reich bin, aber real gegen die enorm reichen 10 Prozent der Bevölkerung keine Chance habe? Wenn sich eine Gesellschaft ein paar Superreiche leistet und gleichzeitig auch wachsende Armut? Wo ist da die Würde von Geburt an? Bei den superreichen 10 Prozent?

Naiver Gedanke Nummer 3: Ich hole mir meine Würde zurück! Es wird sowieso viel zu viel gearbeitet. Apropos Würde: Würde weniger gearbeitet werden, würde auch weniger hergestellt und damit weniger verbraucht. Und wenn doch etwas gebastelt wird, dann ohne eingebaute Obsolenzen. Dann hält alles lange und muss nicht dauernd nachproduziert werden. Ohne die teuren Obsolenzen könnte wahrscheinlich genau so billig produziert werden. Das Erdklima könnte sich vielleicht erholen, zumindest aber die Arbeitnehmer. Doch ganz im Gegenteil: Die Produktivität der bundesdeutschen Lohnsklaven hat sogar zugenommen. Und das, obwohl der Krankenstand so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

Naiver Gedanke Nummer 4: Ja ist die Welt denn irre? Während die einen aufgrund des hohen Drucks krank werden, arbeiten die anderen eben noch mehr. Und werden dann wahrscheinlich ebenfalls krank. Es wachsen ja genug ausbeutungswillige Idioten nach. Was mir jedoch aufgefallen ist: Es wird zwar mehr in weniger Zeit produziert, doch sinkt der Wert des Hergestellten stetig. Das liegt vielleicht daran, dass keiner mehr die Zeit hat, die Dinge richtig anzupacken. So Sachen wie: Vorher nachdenken, bevor man anfängt zu arbeiten. Sich mit KollegInnen austauschen. Erfahrungen auswerten, reflektieren, Kosten nicht nur überschlagen, sondern ausrechnen usw.

Dann könnte so ein Mist wie mit dem Stuttgarter Bahnhof oder dem Großflughafen BER wohl nicht passieren. Doch leider: Alle müssen sich immer furchtbar beeilen, unter größtem Zeitdruck agieren. Dadurch werden allerdings auch viele Fehler gemacht. Und diese Fehler müssen korrigiert werden, was dazu führt, dass alles viel länger dauert und viel teurer wird, als die knappe Kalkulation es vorgesehen hatte. Tja, so ist das: Kapitalismus ist die Ursache für großen Pfusch. Siehe auch: Kölner Dom oder jeden beliebigen Betrieb, in dem Menschen zusammengepfercht sind und tun was sie tun müssen.

Freitag, 10. Februar 2012

Ein Besinnungsaufsatz: Besseres für die Mittagspause! Arbeit muss weniger werden!

kriegswichtig: Freiheitsversprechungen
Oft wird mein Blog über das Stichwort "Besinnungsaufsatz" gegoogelt. Da hat wohl ein Deutschlehrer Hausaufgaben aufgegeben, und wissbegierige kleine Schülerlein suchen nun nach Aufsätzen im Internet, die sie liebevoll in ihre Hefte hinein guttenbergisieren können. Ich helfe gerne, wo ich nur kann. Zur Sicherheit sollten KTgorisierer genau prüfen, ob dieser Text der Gattung "Besinnungaufsatz" überhaupt angehört. Das heißt: Man sollte ihn zum Wenigsten gelesen haben, bevor er ausgedruckt wird. Also, liebe Kinder, gebt fein Acht! Ich hab' Euch etwas mitgebracht:

Jede Gelegenheit zur Flucht ist zu ergreifen! Es ist ja auch furchtbar: Man kann nicht einmal zur Mittagszeit in einem Café sitzen, ohne unfreiwilliger Zeuge von Gesprächen über die Arbeit zu werden. Immer und immer wieder langt die Nervensäge am Tisch nebenan mit dem Löffel in die Suppe, schlürft dann appetitlos herum, um hernach wieder über anstehende Arbeitsaufgaben zu referieren. Ihre Begleitung spricht auffällig wenig und beginnt kein Gespräch aus eigener Motivation heraus. Ich habe genug und wandere mit meiner Zeitung und der Tasse Kaffee an einen frei werdenden Tisch aus, um dort zur Ruhe zu kommen. Die Leute am Nachbartisch unterhalten sich über: Richtig! Sie unterhalten sich über: Arbeit!

Haben die Leute nichts Besseres in ihrer Mittagspause zu tun? Können sie nicht einfach entspannen? Wenn sie ihre Pause doch wenigstens noch auf die Arbeitszeit angerechnet bekämen. Aber nicht einmal das. Sie arbeiten am Mittagstisch weiter, natürlich unbezahlt. Und das nur, weil sie mit ihrer Zeit nichts anderes anzufangen wissen, so deformiert von ihrer Arbeit sind sie schon. Und dann belästigen sie unbescholtene Bürgerinnen und Bürger, die ihren Mittag arbeitsfrei begehen und vielleicht einfach nur in Ruhe lesen möchten. Bezahlte Arbeit ist leider allgegenwärtig, obwohl sie doch so grenzenlos öde ist.

Selbst Dinge, die man sonst mit Freude tut, werden öde, sobald man dafür bezahlt wird. Künstlerinnen und Künstler, deren Werke sich verkaufen, wissen ein Lied davon zu singen. Denn Geld zerstört jede Kreativität, jede Sinnlichkeit. Geld macht impotent. Sex zum Beispiel ist schön. Sobald man dafür bezahlen muss, ist er jedoch höchstens triebbedingt notwendig. Doch garantiert ist er nun das Gegenteil von: schön! Warum sollte dann also bezahlte Arbeit schön sein? Sie ist existenzbedingt notwendig. Doch garantiert ist sie nun das Gegenteil von: schön!

Arbeit verliert ihre Unschuld, wie auch der Sex seine Unschuld verliert (nur Katholiken sprechen von Schuld im Zusammenhang mit Sexualität). Arbeit wird erst dann wieder unschuldig sein, sobald sich der Werktätige im Spiegel betrachten kann, ohne sich ernsthafte Gedanken über den Zweck und Sinn seines Daseins machen zu müssen. Erst dann, wenn Arbeit von der Sicherung der Existenz entkoppelt ist, macht Arbeit wieder Sinn. Doch kann etwas, das seine Unschuld längst verloren hat, diese wieder erlangen? Wächst ein Hymen wieder nach? Nur operativ! Folglich müsste man nun doch das verzeihende Element des Katholizismus reanimieren oder wenigstens den Resozialisierungsgedanken des Strafvollzugs, der stets Besserungswille unterstellt, bemühen.

Dies ist nun gerade kein Plädoyer für den anhaltenden Trend, Werktätige mit einem Minimum an materiellem Gut im Tausch für ein Maximum an Wertarbeit abzuspeisen. Es ist dies der Versuch, die existenzielle Absicherung des Individuums von jeglicher Arbeit zu entkoppeln, auf dass sich der Einzelne auf das Wesentliche beschränken möchte und Dinge von hohem gesellschaftlichen oder persönlichen Wert herzustellen in die Lage versetzt würde. Dadurch würde die Zurichtung des Individuums auf die bloße Ausübung eines winzigen Segments zugunsten der Gesamtheit seines Spektrums aufgegeben.

Dies wäre eine Freiheit, über die es sich zu sprechen lohnen würde. Noch dazu gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr, da ein Jeder sich beschäftigen könnte und der Wert einer Arbeit nicht mehr von seiner Bezahlung abhinge. Dem gegenübergestellt seien die Programme der Bundesregierung zur Förderung ehrenamtlicher Arbeit. Es gibt sie also längst: Arbeitskraft, die nicht entlohnt wird und dennoch wertvoll zu sein scheint. Warum aber sollte die Arbeit in einem sog. Ehrenamt, die womöglich den wahren Interessen des Arbeitnemers eher entsprechen als dessen Erwerbsarbeit, nur auf dessen kärgliche Freizeit beschränkt sein? Als eine zusätzliche Leistung des Arbeitnehmers, damit er wenigstens ab und an etwas Sinnvolles leisten kann? Spricht das nicht für die Sinnentleertheit jeder Erwerbstätigkeit?

Auch die Arbeitslosigkeit mit dem Hinweis auf die Belastung der Gesellschaft ist längst obsolet. Erstens leistet sich die Gesellschaft die Arbeitslosigkeit, nicht umgekehrt. Und zweitens: Sobald ich für Geld arbeite, nehme ich einem anderen die Möglichkeit zu einer Erwerbstätigkeit weg. Erst wenn ich die Stelle verlasse, kann er in diese Bresche springen. Was ändert's? Die Zahl der Erwerbslosen bleibt konstant. Um dieses Dilemma zu lösen, muss man ohnehin umdenken. Man muss andere Fragen stellen, z.B.:
  • Wird der Konsum der Menschen künstlich herbeigeführt? Gibt es ein Zuviel an Produkten?
  • Welche Produkte braucht der Mensch tatsächlich? Welche sind im Grunde überflüssig?
  • Welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus?
  • Ist es diesbezüglich sinnreich, dem Gedanken quantitativen Wachstums abzuschwören und ein (wenn überhaupt) qualitatives Wirtschaftswachstum anzustreben? 
  • Ist Wachstum überhaupt noch ein tragfähiger Leitgedanke intra- und supranationaler Wirtschaft?
  • Wie viel Arbeitskraft wäre nötig, um den Erhalt des Notwendigen im Sinne der Menschenwürde (Lebensmittel, Wohnraum, Infrastruktur, Kunst und Kultur etc.) zu garantieren? 
Dies abzuwägen und hernach aus der leichtgängigen Maschine kapitalistischer Verwertungslogik herauszutreten, ist ohnehin längst notwendig, eingedenk sich verknappender Ressourcen und unruhigen (welt-) politischen Klimata. Arbeit muss weniger werden, nicht mehr! Und die Menschen sollten selbst entscheiden, wieviel Arbeit nötig ist. Hier setzt das Versprechen von wahrer Freiheit an. Schaut man sich hingegen noch einmal den arg überstrapazierten Begriff von Freiheit an, dann überkommen einen ohnehin Zweifel:

Welche Freiheit soll das denn sein, wenn die Bürgerinnen und Bürger ihre Zuchtmeister auf demokratischem Wege wählen können? Selbst wenn Freiheit ausschließlich die Freiheit des Konsums bedeuten würde, dann wäre dieses Versprechen nicht im Geringsten erfüllt. Der Gedanke der Freiheit sollte deshalb auf der Emanzipation des Einzelnen der Gesellschaft gegenüber gebaut sein. Die freie und menschenwürdige Entfaltung der Persönlichkeit muss garantiert sein. Wenn dieser Gedanke in einer Demokratie durch den Zwang zur Erwerbstätigkeit unterdrückt wird, dann unterscheidet sie sich nur unwesentlich von klerikalen, wirtschaftlichen oder feudalen Diktaturen.

Und so wird das gesamte Potenzial der Menschen zum alleinigen Nutzen einiger weniger verschleudert. Heute liegt das Geschick der Welt in den Händen von insgesamt 147 Unternehmen (hier...). Jede Gelegenheit zur Flucht ist zu ergreifen!

Sonntag, 8. Januar 2012

Pizza Stagnatione: Vier Irrtümer für die Bunzreplik!

kriegswichtig: ein Fluchtfahrzeug
Es ist übrigens nicht die Kritik an PolitikerInnen gefährlich für eine Demokratie, sondern das Ausbleiben berechtigter (wie auch unberechtigter) Kritik. Dies gilt ebenso für kritische Stimmen innerhalb derselben Partei. Eine Partei ist kein harmonisches Kuschelseminar, sondern ein Sammelbecken verschiedenster Meinungsträger, die sich gefälligst streiten sollen. Es wird übrigens auch kein Amt beschädigt, wenn Kritik geübt wird, sondern höchstens die Person, die es ausübt. Und die erledigen die Beschädigung ihres Amtes in der Regel schon selber. Stichwort "Bundespräsident"

Ziviler Ungehorsam ist und bleibt wichtig für eine moderne, fortschrittliche Gesellschaft. Die Legislative folgt, wenn auch zögerlich, dem Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung (oder Teilen davon). Wären zum Beispiel die Homosexuellen nicht für ihre Rechte auf die Straße gegangen und hätten sie ihre Sexualität nicht trotz des Verbotes (§§ 175 und 175a StGB - widernatürliche Unzucht und Unzucht zwischen Männern) ausgelebt, könnte man sie heute noch verhaften und entmündigen wie noch in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts. Schlimm ist einzig, dass es immer noch (oder wieder) Menschen gibt, die dies begrüßen würden. Stichwort "Versammlungsfreiheit"

Eine Politik, die gleichzeitig auf Wachstum und auf Klimaschutz drängt, kann es nicht ganz ernst meinen. Entweder verzichtet man auf Wirtschaftswachstum, das ist dann gut für das Klima. Oder man verzichtet auf Klimaschutz, dann ist das gut für das Wirtschaftswachstum. Unendliches Wachstum gibt es ohnehin nicht (fragen Sie den Naturwissenschaftler ihrer Wahl), und Wachstum an sich impliziert den Raubbau an sich verknappenden Ressourcen. Wenn Politik wirklich "alternativlos" sein muss, dann ja wohl an dieser Stelle, oder? Stichwort "Klimagipfel" , "Wachstumsbeschleunigungsgesetz"

Die Europäische Union ist eine Wirtschaftsunion und keine Sozialunion. Wirtschaft und Soziales müssen sich zwar nicht gegenseitig ausschließen,aber hey... der Schwerpunkt liegt nun mal bei der Wirtschaft. Und damit sind wir beim Geld anderer Leute. Doch die Demokratie rahmt diese Wirtschafts- und Geldunion immerhin ein. Ihre Mitglieder müssten eigentlich demokratische Staaten sein. Warum aber werden demokratische Prozesse gerade dann ausgesetzt, wenn es brenzlig wird? Wo doch die Alternativen zur Demokratie hinlänglich bekannt sind? Stichwort "alternativlose Politik", "Eigentum verpflichtet", "Volksabstimmung"

Samstag, 22. Oktober 2011

Wachstumswichtig! Meine Mutter baut kein Schloss!

kriegswichtig: die Liebe
Sollen sie doch! Sollen sie doch ihren Schwachsinn verzapfen, ist mir doch egal. Jeden Tag verzapfen unzählige Menschen irgendwelchen Schwachsinn, da soll es doch auf den einen oder anderen Schwachsinn nicht mehr ankommen! Baut Eure scheiß' Autobahn! Macht den Ring rund! Macht die Leute sagen: Es war nicht alles schlecht unter Wowereit! Immerhin hat er uns eine Autobahn gebaut und Arbeit nach Berlin gebracht!

Ein Vorschlag, der als Kompromiss gedacht ist: Baut Eure blöde Autobahn. Vergrößert die Auffahrten und mauert die Ausfahrten einfach zu. Dann wären die Autos alle da, wo sie hin gehören: Auf der Autobahn. Dort können sie vor sich hinstinken, bis auch der letzte Blödian kapiert hat, dass man Autos nicht essen kann, zu Fuß gehen gesund ist und der allmählich ausgehende Sprit in zehn Jahren ohnehin für andere Dinge gebraucht wird als für den Individualverkehr! Früher hieß das "kriegswichtig". Morgen heißt es "wachstumswichtig", wer weiß? Krieg. Wachstum. Was bitte ist der Unterschied?

Sicher ist: Es gibt kein "Recht auf Auto", genauso wenig wie es überhaupt irgendwelches Recht zu geben scheint. Meine Mutter ist schier verzweifelt, weil mein Bruder gerade torpedoschnell an Krebs stirbt. Der Krebs folgt lediglich der Idee des unendlichen Wachstums, dem bundesdeutschen Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Meine Mutter findet das ungerecht, es gibt doch so viele böse Menschen auf der Welt, und ausgerechnet ihr Sohn soll sterben. Jetzt haben "die guten" lybischen Revolutionäre den bösen lybischen Revolutionär Gaddafi erschossen. In den Kopf. Das spart die Kosten einer Gerichtsverhandlung, wo doch am Ende sowieso nur der Strang wartet.

Aber mein Bruder stirbt immer noch, obwohl Oberst Gaddafi tot ist. Das ist nicht ungerecht, das ist einfach nur saudämliches, scheiß' Pech. Mein Bruder weiß das. Seine Familie weiß das auch. Meine Mutter ahnt es. Immerhin: Als ich ihr den teuflischen Deal vorschlug, dass sie die Krankheit dann eben auf einen "bösen" Menschen übertragen solle, damit ihr Sohn gesund wird, schlug sie aus. Es gibt auf dieser Welt genug Menschen, die diesen Deal annehmen würden. Ach was, sie tun es jeden Tag. Täglich sterben Menschen, weil mächtigere Menschen auf deren Gerippen ein Schloss bauen, und noch eines, und noch eines. Meiner Mutter fehlt jegliche Neigung zur Niedertracht. Meine Mutter baut kein Schloss.

Wie klein doch alles scheint und übertrieben! Leute kommen zu spät zur Arbeit, weil Brandstifter sich an Kabeln zu schaffen machen: Na und? Leute sind krank, gehen trotzdem zur Arbeit und machen dort andere krank, die dann ebenfalls krank zur Arbeit gehen: Na und? Arbeit generell und überhaupt: Na und? Machtgierige Politiker beschließen Koalitionen, die die Bevölkerung nicht wollte: Na und? Es gibt rund 3,5 Mio. Arbeitslose: Na und? Gaddafi ist tot: Na und? Wir werden alle sterben, und die meisten von uns an Krebs: Na und? Eben!

Montag, 25. April 2011

Endlich nutzlos! Mein vorläufiges Leben Afterwork!

Nun ist es bald soweit: Ab 1. Mai (dem Tag der Arbeit - ausgerechnet) bin ich völlig nutzlos für unsere Gesellschaft, ach was, die Weltgesellschaft. Ich leiste dann keinerlei Beitrag zum Wirtschaftswachstum - vorläufig zumindest. Ich ruhe mich auf den Alimenten aus, welche die Gesellschaft für Leute wie mich angehäuft haben.

Früher, da dachten die Menschen noch: Ich habe ja auch schon so und so viele Jahre eine so und so hohe Summe einbezahlt, dann ist nur gut und billig, wenn ich mir das wieder zurückhole und ein bezahltes Sabbatjahr einlege.

So viel anders dachte der Arbeitsmüde damals nicht, wie es der Fleißarbeiter heute tut, wenn er an seine Rente denkt: Ich habe ja so und so viele Jahre eine so und so hohe Summe einbezahlt, dann will ich auch so und soviel wieder heraus bekommen, wenn ich alt bin. Da meckerst ja auch niemand herum und sagt: Das steht Dir nicht zu!

Doch die Zeiten haben sich geändert: Unser Sozialsystem geht nicht nur von einer Lebensleistung (beinahe hätte ich "Restlaufzeit" geschrieben) aus, sondern auch davon, welchen Wert (Gehalt) diese Lebensleistung erzielt hat und dementsprechend Beiträge geleistet hat.

In diesem Sinne bin ich gleich doppelt nutzlos: Ich bin nicht nur ab 1. Mai arbeitsuchend, wie es in Neusprech heißt, sondern habe wegen eines geringen Einkommens auch nur einen geringen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Damit bin ich noch nicht einmal einem konsumistischen Markt von Wert.

Wer bis hierhin gedacht hat, ich sei ein gechasster Politiker oder Bundesbanker, sieht sich hier eines Besseren belehrt: Ich bin anders nutzlos! Immerhin habe ich schon mal selber Geld erwirtschaftet und habe nicht ausschließlich auf Staatskosten gelebt. Irgendwie aber bekommt man es immer so gedreht, als haben die ehemaligen und die bestehenden Politiker und Bundesbanker bislang Wertvolleres geleistet als ich.

Sie schaffen eben Werte, die nicht mit normalen Leistungskriterien messbar sind. Deswegen ist z. B. ein Qualitätsmanagement in Politikkreisen nicht exerzierbar: Dies setzt nämlich eine Zielsetzung voraus, und Evaluation findet intern statt und nicht durch, sagen wir mal, ein Institut aus Allensbach.

In meiner Arbeit gibt es hingegen Qualitätsmanagement. Das nutzt nur auch nichts, da sie durch die jeweilige Politik gesteuert wird. Das bedeutet: Man legt einen Maßstab an zur Messbarkeit der Qualität der Arbeit und lässt sich finanzieren von einem Apparat, der sich jeder qualitativen Instanz entzieht und mal so tut und dann wieder ganz anders. Im Grunde produziert man dann nur noch Papier, damit Leute, die Kwalitet nicht mal buchstabieren können, so tun dürfen als würden sie wissen, was ich zu tun hätte.

Das ist unendlich blöd nämlich! Da kann man doch nur Konsequenzen für sich ziehen und sagen: Ich stehe Ihnen nicht mehr zur Verfügung! Denn das ist ein qualitativ messbarer Schritt: Das Ziel der freiwilligen Kündigung ist eine qualitative Verbesserung mentaler Zustände unter Inkaufnahme einer Verschlechterung des materiellen Zustands. Die Evaluation findet ab sofort statt.

Ich kann jetzt schon sagen: Mir geht es schon viel besser, danke. Seit langem fühle ich mich in so einem liberalen Sinne frei(gestellt). Ich war schon lange nicht mehr so fröhlich und locker als in dem Moment, als ich meine Kündigung abgegeben hatte. Ich habe sogar gepfiffen auf dem Nachhauseweg. Wer pfeift heutzutage noch? Nur Irre und Glückliche!

Ich bin ab jetzt also völlig nutzlos für eine auf materielle Werte ausgerichtete Gesellschaft. Ich bin jedoch auch kein Nutztier, dem Jedermann ein Geschirr umspannen und es über den Acker treiben kann auf das es tiefe Furchen grabe. Eine Gesellschaft, die nur auf diese materielle Wertschöpfung ausgerichtet ist, die umgekehrt keinen ideellen Mehrwert zu kennen scheint und in jedem Menschen nur eine verwertbare Arbeitskraft sieht, ist kalt und grau.

Nun könnte man es so sehen, dass ich durch meinen Weggang einen Arbeitsplatz freigegeben habe, den nun ein ehemaliger Arbeitsuchender, vielleicht sogar gerne, besetzen kann. In quantitativer Hinsicht hat sich also gar nichts verändert. Einer macht nun eine Pause, ein anderer kann seine Pause beenden. Im Grunde habe ich sogar mitgeholfen, einen erstarrten Arbeitsmarkt zirkulieren zu lassen.

Ich bin ein Held der Arbeit! Ich bin wie der Regenwurm, der den Acker durchlüftet, damit dieser fruchtbar bleibt. Ich bin systemimmanent. Diesen Job tue ich gerne. Immer wieder! Nicht, das hier jemand auf die Idee kommt, ich hätte nichts mehr zu tun und würde nur herumlungern. So von wegen: auf dem Bierkasten sitzen und Fern gucken. Ich habe gar keinen Fernseher. Und lieber trinke ich einen guten Wein.

Ich habe jedoch viele bislang ungelesene Bücher im Regal. Ich habe schönes Wetter derzeit. Ich habe viel Zeit und Muse. Ich habe eine wundervolle Frau an meiner Seite und Freunde. Da sind noch unbepinselte Leinwände und viele leere Seiten zu füllen. Mehrere Gigabyte Speicherplatz warten darauf, endlich mit eigener Musik bespielt zu werden. Und dann gibt es noch diese Idee mit dem neuen Blog.

Wann bitte soll ich bei so einem ausgefüllten Tag noch zur Arbeit gehen? Ich bin zwar sowas von nutzlos, und doch fühle ich mich sehr gut dabei. Wie kann denn sowas sein? Das man glücklich ist, indem man tut, was einem Freude bereitet? Indem man hinter sich lässt, was unglücklich macht? Das sind die Auswirkungen spätrömischer Dekadenz! Die grauen Damen und Herren werden dies zu beenden wissen. Bis dahin werde ich es genießen! Bis dahin bin ich unendlich reich!

Freitag, 22. Januar 2010

Im Vorwärtsgang! Im Rückwärtsgang!

Ach so: Jetzt bin ich so ein Wochenend-Freizeit-Schreiber. Gruselig! Unter der Woche muss ich nun richtig den Hintern hinhalten, und ich werde gefickt wie schon lange nicht mehr mit dem dicken Schwanz so called Gehalt, der natürlich nur auf "dick" macht, in Wirklichkeit aber nur so ein magerer Schwengel ist, der nicht einmal die Rosette weitet und schon gar nicht die Prostata anregt.

Im Hader, liebe Freundinnen und Freunde des geposteten Worts, kommen dem Menschen eben leider nicht die besten Worte, vielleicht aber die treffendsten. Doch wie ein Musiker im Drogenrausch glaubt, die beste Musik zu produzieren, wird es das Publikum nicht solchermaßen goutieren. Über Mannheim zu lästern war beinahe ein Vergnügen, doch über wen soll nun vergnüglich gelästert werden, wenn man sich selbst im Mittelpunkt der Betrachtung wähnt?

Okay okay, Selbstironie wäre so ein Ding. Bitteschön: schon geschehen! Meine Verhältnisse jedoch bedürfen dringend einer Besserung! Überlegt habe ich mir diesbezüglich eine meinen bescheidenen Einkünften gemäße Spende an die FDP, die sich bald auszahlen dürfte in Form einer satten Steuererstattung. Da ich zwar nun zu einer bestimmten Form der Leistungsträgerschaft gehöre, zweifle ich dennoch daran, dass mich die FDP erhören wird. Schade eigentlich.

Zumindest gehöre ich, wenn auch nur indirekt, zu Roland Kochs "Zwangsarbeitern". Wobei Zwangsarbeit immer noch irgendwie besser klingt als Zwangsprostitution, der sich ja jeder unterwirft, der auch nur einen Gedanken daran ver(sch)wendet, einer entlohnten Tätigkeit nachzugehen. Seinen Körper für bestimmte Zeit für Geld zur Verfügung zu stellen, ist ja nichts anderes als Prostitution. Im Bedeutungskontext Koch'scher Logik wäre Arbeitszwang eventuell nazistisches Gedankengut, wenn es ihn nicht sowieso schon längst gäbe: Der Bezieher von ALG2 muss ja ohnehin jede ihm angebotene Arbeit annehmen.

Was will dieser Mann also? Womöglich rächt er sich, wie jeder Chauvinist, der ja nur mit Verachtung bestraft werden darf, bei den sozial Schwächeren für vergangenes Ungemach. Er hatte es bestimmt schwer in seiner Jugend. Roland Koch wurde wahrscheinlich niemals zum Bestandteil einer Fahrgemeinschaft, die ihn zu Studienzeiten ins benachbarte Frankfurt mitnahm. Ich denke, auch heute würde kaum jemand Halt machen, hielte er seinen Daumen in den Fahrtwind entgegenkommender KFZ. Ein gemiedener Mensch, der als dürrer Schwengel in den Hintern jeder desavouierenden Sau kriecht, um Beachtung zu erlangen. So wünsche ich mir das jedenfalls.

Was haben Roland Koch oder die FDP mit mir zu tun? Erfreulicherweise nichts! Und das soll gefälligst so bleiben! Aber irgendwas muss sich was ändern hier: Wenn ich schon gefickt werde, so soll's mir wenigstens Spaß machen. Ich bau mir jetzt mein eigenes Wachstumsbeschleunigungsgesetz und setze mich dann in ein KFZ, auf der Suche nach hinternkriechenden Schwengeln, und wenn gefunden: Ich fahre im Vorwärtsgang, im Rückwärtsgang, wieder im Vorwärtsgang und weg!