Was passieren kann, wenn der ÖPNV privatisiert wird, kann man in Großbritannien ganz wunderbar beobachten: Die Schienennetze sind marode und nur alle Schaltjahre fährt mal ein zudem noch kaputter Zug in den Bahnhof ein. Man mag sich fragen, wie das mit der Deutschen Bahn sein wird, sollte die tatsächlich teilprivatisiert werden - wenn also Profitgier auf Beamtenmentalität stößt! Halleluja, möchte man da den Herrn lobpreisen.
Doch auch vom sogenannten Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN oder rnv? Was fährt denn hier wo und wie heißt das denn jetzt richtig? Häh?) kann man lernen. In Mannheim zeichnet sich der Gasmonopolist MVV GmbH für den Nahverkehr zuständig, nennt sich hierfür aber MVV Verkehr AG und ist demnach eine Aktiengesellschaft und naturgemäß profitorientiert. Anders lässt sich das Debakel ja kaum noch erklären.
Nun war es ja noch nie besonders angenehm, in Mannheim und Ludwigshafen auf Busse und Bahnen angewiesen zu sein. FarmerBoy freut sich jedenfalls sehr, wenn die Kälte nicht mehr ganz so klirrend ist und man wieder weitere Strecken innerhalb der Großwaben LU/MA mit dem Fahrrad fahren kann. Denn das Preis-Leistungsverhältnis war immer schon lausig: Die Bahnen fahren viel zu selten, brauchen dafür aber extra lange für eine lächerliche Strecke und tuckern unglaublich umständliche Wege ab.
Eigentlich sollte mit der Fahrplanumstellung seit Montag einiges besser werden, und man dürfte dem VRN auch gerne noch etwas Zeit einräumen, etwaige Probleme in der Umsetzung zu beheben. Aber wer möchte einem profitorientierten Unternehmen seine eigene Zeit schenken und dafür noch Geld bezahlen? Wenn man sich ein Auto kauft, möchte man doch auch, dass es fährt und hat dann wenig Verständnis für technische Probleme wie z.B. dass es dauernd stehen bleibt oder sogar ganz ausfällt. Dafür gibt es u.a. die Geld-zurück-Garantie!
Seit Montag benötigt FarmerBoy für die einfache Strecke von Mannheim-Neckarstadt bis nach Ludwigshafen-Mitte ca. 40Minuten. Sonst dauerte das nur 20Minuten, doch nun fährt ja nur noch eine Straßenbahn üwwer de Brigg, und beinahe jede zweite Bahn fällt aus. Dabei kann es sich zwar um ein Einzelschicksal handeln, aber gerade Einzelschicksale können so dermaßen frustrierend sein. Da muss sich doch auch mal Wut entladen?
Die Mannheimer und Ludwigshafener nehmen das allerdings sehr gelassen, und FarmerBoy fragt sich schon, ob er diese Gelassenheit eher zu einer allgegenwärtigen Apathie verklären soll. Es kommt ihm nämlich so vor, als befänden sich die Menschen hier in einer Art Duldungsstarre. Beinahe wünscht er sich deshalb griechische Verhältnisse her. Oder wenigstens die seit der Finanzkrise wieder topmodische Verstaatlichung. Seltsam: Der Staat stand sonst eher im Verdacht der Trägheit und der Inkompetenz. Seit man aber entdeckt hat, dass die sogenannte "freie Marktwirtschaft" ähnliche Defizite aufweist, weiß man ja gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht.
Aus rein jounalistischem Interesse hat es FarmerBoy gewagt, einen Mitarbeiter des VRN darüber zu befragen, wie lange es wohl dauern mag, bis die chaotischen Zustände sich aufgelöst haben. Drei bis sechs Wochen, beschied man ihm. Und für Beschwerden solle er in Zukunft gefälligst die zuständige Hotline nerven. FarmerBoy weiß, dass die armen Mitarbeiter nicht für entstandenes Ungemach verantwortlich sind. Er hat aber auch schon einmal in einem Callcenter gearbeitet und weiß daher, dass diese keine Problemlösungen anbieten, sondern nur eine beruhigende Funktion haben sollen. FarmerBoy will sich aber gar nicht beruhigen lassen, er will einfach nur irgendwann einmal nach Hause kommen.
Er möchte manchmal eben lieber den totalen Verkehrskollaps, verursacht durch umgestürzte, brennende Straßenbahnen und Busse. Dazu braucht es aber einen aufgebrachten Mob und keine lethargischen MitbürgerInnen. Gäbe es diesen Mob, man darf ja mal träumen, würde die Stadt einfach planiert, es würden U-Bahnschächte unten und oben drüber dann wieder Häuser gebaut, vielleicht dieses Mal ein paar schöne? Denn in Mannheim lässt sich einfach kein vernünftiger Verkehr planen. Es gibt kein richtiges Fahren im Falschen! Oder: Einen toten Patienten kann man zwar noch operieren, aber nützen tut es nichts! Gewaltphantasien aber leider auch nicht!
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Mittwoch, 17. Dezember 2008
Montag, 10. September 2007
Was sind schon 30 Minuten! Verkehr geht anders!
Die nächste Bahn kommt aber erst in 20 Minuten? Na, dann bleiben immer noch 2 Möglichkeiten: Man fährt mit dem Taxi oder geht zu Fuß. Doch das Taxi ist viel zu teuer? Man kann es sich als Bohemian nicht leisten, von seinesgleichen befördert zu werden?
Es bleibt die Möglichkeit, zu Fuß zu gehen, mit etwas Glück ist man so schneller zu Hause als mit der Straßenbahn. Immerhin spart man dabei eine große Strecke im Vergleich zur Bahn, die ja immer auch irgendwie nochmal kurz überall vorbei muss.
Ich persönlich bin am liebster per pedes. Ist es beispielsweise kalt, muss man nicht an ungemütlichen Haltestellen frieren. Die Bewegung hält einen warm. Begegnet man auf dem Heimweg doch noch der zuständigen Straßenbahn, ist man wirklich froh, sich nicht mit den anderen Fahrgästen darin stapeln zu müssen.
In meiner Schulzeit war es üblich, mit dem Sammelbus in die Schule verbracht zu werden. Die Eltern bezahlten einen monatlichen Beitrag zur Fahrkarte, die zum Teil von der Kommune gesponsert war. Die Busgesellschaft war stets der Meinung, dass ein Bus für die Schüler von 5 Gemeinden reichen müsse. Spätestens ab der letzten Haltestelle konnte man ein physikalisches Prinzip hautnah erleben:
Das Prinzip der Verdrängung, nachdem 2 Körper sich nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten können. Wir sind trotzdem alle in die Schule gekommen, das hat immer funktioniert. Rätselhafterweise gelang der Weg nach Hause nicht immer. Zumal der Busfahrer ab und an beschied, dass der Bus nun voll sei und keine Fahrgäste mehr aufnehmen könne. Die Eltern murrten zwar, doch holten sie uns arme, schmachvolle Würstchen stets ab.
Ähnliches konnte ich heute beobachten: Die Straßenbahn war gerammelt voll, und ein Mann mit Zwillingskinderwagen begehrte Einlass. Er wurde ihm zwangsläufig verweigert. Und da die MVV- AG davon auszugehen scheint, dass die Zeit ihrer Passagiere weniger wert ist als ihre Rendite, bleibt es wohl bei dieser sehr ungünstigen Taktung der Züge. "Warten sie halt nochmal 30 Minuten, vielleicht ist die nächste Bahn ja nicht so voll."
Der 10- Minuten- Takt unter der Woche mag noch angehen, doch die Taktung am Wochenende ist schlicht unmenschlich. Liebe MVV- AG: Wochenends gibt es viele Reisende, Rastlose und Heim- oder Umkehrer. Ist es da nicht etwas blödsinnig, gerade hier weniger Züge einzusetzen? Böse Zungen könnten diesbezüglich von Profitgier sprechen!
Die Börse ist halt ein ganz schlechter Ort für den Erhalt von Infrastruktur. Mannheim könnte diesbezüglich eine Negativfolie für den Börsengang der Deutschen Bahn sein. Hoffentlich! Denn aus den Folgen der Privatisierung bzw. Teilprivatisierung öffentlicher Aufgaben hat man ja bis jetzt offenbar noch nichts gelernt.
"Britannia rules the world!", möchte man rufen. Oder besser noch "400 Jahre Mannheim, 20 Jahre Stadtplanung", wie ein Plakat prahlerisch, aber dabei völlig unbeabsichtigt auch verleumderisch, Mannheims Verdienste rühmt.
worte die fallen
Deutsche Bahn AG,
Mannheim,
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Straßenbahn
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