Nun ja, irgendwie war ja früher alles besser: Wenn man in Neukölln unterwegs sein wollte, gab es genau zwei Kneipen und ein Cafè, das man besuchen konnte. Wer Abwechslung suchte, der musste halt nach Kreuzberg oder sonstwo hin. Oder nach Treptow. Man kam wenigstens noch raus aus dem Kiez.
Dann zieht man mal für drei Jahre weg, kommt wieder, und alles ist anders: Es reiht sich Kneipe an Kneipe, oder sollte man besser sagen: Bar an Bar. Ist ja eigentlich nichts Schlechtes, die Auswahl erhöht sich, sollte man meinen. Leider sind jene Bars samt und sonders Klone einer noch auszumachenden Stammzelle anderer Bezirke bzw. Szenekieze innerhalb Berlins.
Die Wände sind stets vom Putz befreit und das Inventar wurde teuer beim Spezi-Trödler mit 70er Jahre Affinität besorgt. Ein paar innovative Details wie zum Beispiel die Plastik-Kinder-Badewanne als Dämmerleuchte, bringen etwas originären Charakter in die Sache. Auch dies: 1000mal besser als das offenbar direkt beim Gaststättenverband erworbene Gelumps in den Kneipen der Restrepublik.
Was wirklich stört, ist die Dreistigkeit der Wirte in der Preisgestaltung. Die Wirte sind die wahren Gentrifizierer der schönen alten Bezirke Berlins. Sie ziehen die von Vatis Gehalt zehrenden Studenten-Praktikanten-Kreativen magisch an, allesamt bemützt und bebärtet oder berockt und geschminkt, wearing casual und H&M. Schlabberjeans meets Pali und bedrückende, weil bedruckte Shirts, von mir aus Jackets, dies für die Männer. Die Frauen: besser gekleidet, aber darinnen ähnlich belanglos!
Die Kundschaft also, Direktimport aus den Provinzen, findet es selbstredend toll, Bier unterhalb der 3 Euro 50 Marke vorzufinden und bestellt sich eben eines für dreizwanzig. Ganz super! Meinesgleichen findet dreizwanzig für ein Bier auch irre, und zwar irre teuer. Was müssten die Augen der StuPraKreas leuchten, wenn sich hier in NeuNeukölln AltNeuköllner Preise durchgesetzt hätten? Sei's drum, sie zahlen's ja auch so. Ich aber fühle mich jetzt schon verdrängt von den reichen StudentInnen und frage mich, ob ich fürderhin Eckkneipen besuchen muss, wenn ich mich einmal betrinken mag.
Was denn wirklich toll zu finden war hierzuorten, nämlich die offen heterogene BesucherInnenStruktur - Alter, (soziale) Herkunft, (soziales) Geschlecht - sucht man neuerdings vergebens. Man bleibt unter sich. Dasselbe Alter, diesselbe Mode: Hier ist nichts natürlich gewachsen, hier wurde durch unablässiges Kiezmanagement aufgepfropft: eine Gute-Nacht-Kultur ganz wie eine jüdische Siedlung mitten in Feindesland. Hübsch anzusehen, aber irgendwie fehl am Platze. Eine zur Simon-Dach-Straße geronnene Behauptung des Nachtlebens.
Und so kann man auch nachvollziehen, warum die gestrige Veranstaltung KunstReuter nicht so recht funktionieren wollte: Denn wo sich nun Bar an Bar reiht, fehlt der Raum für StandUpGalerien. Vorher standen die Räume leer, man konnte sie für lau mieten und hatte daraufhin volle Gestaltungsmacht. Heute muss man den Wirt überzeugen. Wie anstrengend darf Kunst noch sein, wenn der Wirt Umsatz machen möchte? Also blieb die Kunst gefällig und sprach auch nicht an. Allein, sie stellte die Frage nach dem Wert einer Ausstellung überhaupt.
Doch über den Wert und den Charme einer in der Kneipe stattfindenden Ausstellung braucht man sich nicht zu unterhalten. Es soll ja getrunken werden und auch gespeist. Schauen kann man hinterher oder während dessen. So wie daheim, beim Speisen vor dem Fernsehgerät. Friss und schau zugleich: HmmSchmatz! mjo, das Bild ist Rülps! ganz hübsch Grunz! Mir fehlt's aber Schlürf! etwas an Aus- Ronch! druckskraft. Schalt mal Börps! um und reich mir den Salat dort hinten am Artwork-Tresen und was vom Schinken Hüstel! Börps! dort hinten auf der Skulptur Röchel!
So wird das aber nix mit dem Kunststandort Neukölln. Kunstsammler neigen eher dazu, sich die Werke in Ruhe anzuschauen. Sie gehen hinterher Essen. Das ist noch nicht einmal eine Stilfrage.
Übrig bleiben noch ein paar kleinere Galerien, die teilweise ganz ordentliche Sachen ausstellen. Aber auch sie leiden vermutlich sehr unter dem zunehmenden Hipster-Tourismus. Wem sollen sie hier auch was verkaufen? Eigentlich müsste alles so werden wie in der Bergmannstraße: ÖkoKarrieristInnen essen gesund und parkettieren den Boden ihrer Eigentumswohnungen oder Haushälften.
Wenn sie hinterher den Tofu eingelegt haben, trinken sie noch ein Gläschen Biowein, naschen etwas vom Importkäse und besuchen dann eine Ausstellung. Oder sie gehen ins Theater. Nur wenigen unter ihnen aber würde ein Trip in den Reuterkiez in den Sinn kommen. Warum nur?
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Sonntag, 21. März 2010
Über den Charme verkneipter Kieze! Kunstreuter und die Stuprakreas!
Samstag, 13. Juni 2009
Eine Ode an den Anzug! Ballonseidetrainingsanzüge zählen nicht!
Spätestens, seit mich der sonst recht freundliche Wirt nicht mehr erkennen wollte und sich deshalb sein höfliches "... und? Was macht die Kunst?" sparte, ist mir klar geworden, dass noch nicht einmal mehr der zweiteilige Anzug zur Alltagskleidung gehört. Mein Vater hatte wenig Gutes an und in sich. Aber es gibt von ihm nur drei Sorten Bilder aus den 50er und 60er Jahren: Jene, auf denen er entweder seine Motorradkluft, seine Bauarbeiterkleidung oder eben einen maßgeschneidertern Anzug trägt. Man muss sagen, dass er und seine Freunde tatsächlich superb gekleidete Menschen waren.
Dies gab er erst auf, als es später vornehmlich Konfektionsware zu kaufen gab und die sogenannte Alltagsmode damit Einzug in die Garderoben bundesrepublikanischer Haushalte hielt. Am Ende seiner Tage trug mein Vater fast nur noch Ballonseidetrainingsanzüge. Der Stil wich aus seinem Leben wie die Verbitterung darinnen zunahm! Also bitte, liebe Leute, lernt daraus: Wer sein Leben mit Stil führt, dem kommen erst gar keine Garstigkeiten in den Sinn! Tatsache! Und bedenke: Am Anfang jeder Revolution steht ein freiwillig getragener Anzug!
Nun kann man sich heutzutage kaum vorstellen, dass ein Maurer einen Anzug trägt. Man erkennt den Handwerker eher an seiner praktischen Kurzhaarfrisur und dem unausrottbaren MuskelShirt. Dazu trägt er am liebsten Bermudas oder FlickenJeans. Mit ihm ist man modisch am Ende der Fahnenstange angekommen. Einen Anzug trägt er allenfalls zur Kommunion oder zu Beerdigungen, und das auch nur, weil es sich so gehört! Und weil er eben noch kein Mann ist, muss er seine Männlichkeit ganz stark betonen. Leider glaubt er zu wissen, dass Männlichkeit etwas mit Hässlichkeit oder gar mit Grobschlächtigkeit zu tun habe.
Der Flaneur im neuen Berliner "Szenebezirk" Neukölln (oder KreuzKölln - brrrrr) ist leider ähnlich schlecht gekleidet: Er trägt Schlabberjeans zum schmuddeligen Shirt, darunter lugt der Pansen hervor, sein schirmbemützter Kopf ist von einem 5TageBart umflort. Das hält man dort neuerdings für männlich. Ich nenne es allerdings: ungepflegt! Das kommt davon, wenn ProvinzHeinis in die große Stadt ziehen: Das Bier wird teurer und das Stilbewußtsein verreckt elendig. Man muss Berlin vor diesen Waldschraten schützen!
Es ist übrigens der typischen Paschamentalität westdeutscher Prägung geschuldet, wenn aus purer Faulheit vermeintliche Ästhetik wird. Wenig tun und viel dafür bekommen, das ist nicht nur chauvinistisch, das ist kreuzdumm! Doch einfach ein Vollpfosten zu sein genügt offenbar schon, und die Mädels fallen reihenweise in Ohnmacht. Die Frauen aber müssen sich erst aufbrezeln, um als Frau (an)erkannt zu werden. Leider verhält sich das in Mannheim nicht anders: Die meisten Männer hier sind nicht nur schlampig gekleidet, sie neigen auch zu Übergewicht und mangelnder Körperhygiene.
Dass der Autor gelegentlich ebenfalls all diese Attribute in der Öffentlichkeit zeigt, ist nur dem einfachen Wunsch gezollt, beim Kneipenbesuch auch einmal freundliches Bier gezapft zu bekommen und etwas Konversation zu üben. Denn mit gepflegter Garderobe kann er hier nicht punkten. Ein Anzug steht für ein Gutteil der nocturnen Trinkergemeinschaft für Parias wie Bänker und Versicherungsvertreter, oder auch für sogenannte "Schwuchtel". Also für all jene, die sich die Hände angeblich nicht schmutzig machen wollen und sich vielleicht für etwas Besseres halten könnten. Doch steht denen ein Anzug ja gar nicht, eben weil sie ihn tragen MÜSSEN. Es fehlt ihnen jene Souveränität des tragen WOLLENs. Ohne sie hängt man darinnen, als wäre der Kleiderbügel noch nicht entfernt.
Man muss den Anzug als das erkennen, was er ist: Ein bequemes und dabei gutaussehendes Kleidungsstück, das jedem steht, der es in der richtigen Größe besitzt. Der Anzug gibt seinem Träger die Würde zurück, die ihm die Zwänge des gesellschaftlichen Lebens nur allzu oft rauben. In ihm kann man vornehm sein, ohne auf andere hinabzublicken. Er macht seinen Träger eben nicht zu etwas Besserem, evoziert aber leider Minderwertigkeitskomplexe beim ungeübten Betrachter. So wie der größte Homosexuellenhasser selber latent homosexuell ist, so schämt sich der FashionProll ob seiner Stilabsenz. Er würde so gerne gut aussehen, glaubt aber, das nicht zu dürfen. Eigentlich hasst er ja nur sich selber!
Doch ist Suitophobie gar nicht vonnöten. Es war selbst in den Tagen, als Punk brach, üblich, im Anzug Pogo zu tanzen. Noch früher prügelten sich die Mods in ihren Anzügen, ganz stilbewußt. Das wird gerne vergessen und verdrängt von den sogenannten Subkulturen. Auch hier machte sich blöde Bequemlichkeit über das Stilbewusstsein her und gewann: SkaJünger und HillieBillies sehen mittlerweile aus wie pubertierende Südstaatenjungs'n Girls der 50er. BlueJeans und karierte Hemden legitimieren jedoch niemanden dazu, einen Anzugträger schräg von der Seite anzugucken. Denn auch in einem Anzugärmel steckt mal eine harte Faust, ihr Weicheier!
Dies gab er erst auf, als es später vornehmlich Konfektionsware zu kaufen gab und die sogenannte Alltagsmode damit Einzug in die Garderoben bundesrepublikanischer Haushalte hielt. Am Ende seiner Tage trug mein Vater fast nur noch Ballonseidetrainingsanzüge. Der Stil wich aus seinem Leben wie die Verbitterung darinnen zunahm! Also bitte, liebe Leute, lernt daraus: Wer sein Leben mit Stil führt, dem kommen erst gar keine Garstigkeiten in den Sinn! Tatsache! Und bedenke: Am Anfang jeder Revolution steht ein freiwillig getragener Anzug!
Nun kann man sich heutzutage kaum vorstellen, dass ein Maurer einen Anzug trägt. Man erkennt den Handwerker eher an seiner praktischen Kurzhaarfrisur und dem unausrottbaren MuskelShirt. Dazu trägt er am liebsten Bermudas oder FlickenJeans. Mit ihm ist man modisch am Ende der Fahnenstange angekommen. Einen Anzug trägt er allenfalls zur Kommunion oder zu Beerdigungen, und das auch nur, weil es sich so gehört! Und weil er eben noch kein Mann ist, muss er seine Männlichkeit ganz stark betonen. Leider glaubt er zu wissen, dass Männlichkeit etwas mit Hässlichkeit oder gar mit Grobschlächtigkeit zu tun habe.
Der Flaneur im neuen Berliner "Szenebezirk" Neukölln (oder KreuzKölln - brrrrr) ist leider ähnlich schlecht gekleidet: Er trägt Schlabberjeans zum schmuddeligen Shirt, darunter lugt der Pansen hervor, sein schirmbemützter Kopf ist von einem 5TageBart umflort. Das hält man dort neuerdings für männlich. Ich nenne es allerdings: ungepflegt! Das kommt davon, wenn ProvinzHeinis in die große Stadt ziehen: Das Bier wird teurer und das Stilbewußtsein verreckt elendig. Man muss Berlin vor diesen Waldschraten schützen!
Es ist übrigens der typischen Paschamentalität westdeutscher Prägung geschuldet, wenn aus purer Faulheit vermeintliche Ästhetik wird. Wenig tun und viel dafür bekommen, das ist nicht nur chauvinistisch, das ist kreuzdumm! Doch einfach ein Vollpfosten zu sein genügt offenbar schon, und die Mädels fallen reihenweise in Ohnmacht. Die Frauen aber müssen sich erst aufbrezeln, um als Frau (an)erkannt zu werden. Leider verhält sich das in Mannheim nicht anders: Die meisten Männer hier sind nicht nur schlampig gekleidet, sie neigen auch zu Übergewicht und mangelnder Körperhygiene.
Dass der Autor gelegentlich ebenfalls all diese Attribute in der Öffentlichkeit zeigt, ist nur dem einfachen Wunsch gezollt, beim Kneipenbesuch auch einmal freundliches Bier gezapft zu bekommen und etwas Konversation zu üben. Denn mit gepflegter Garderobe kann er hier nicht punkten. Ein Anzug steht für ein Gutteil der nocturnen Trinkergemeinschaft für Parias wie Bänker und Versicherungsvertreter, oder auch für sogenannte "Schwuchtel". Also für all jene, die sich die Hände angeblich nicht schmutzig machen wollen und sich vielleicht für etwas Besseres halten könnten. Doch steht denen ein Anzug ja gar nicht, eben weil sie ihn tragen MÜSSEN. Es fehlt ihnen jene Souveränität des tragen WOLLENs. Ohne sie hängt man darinnen, als wäre der Kleiderbügel noch nicht entfernt.
Man muss den Anzug als das erkennen, was er ist: Ein bequemes und dabei gutaussehendes Kleidungsstück, das jedem steht, der es in der richtigen Größe besitzt. Der Anzug gibt seinem Träger die Würde zurück, die ihm die Zwänge des gesellschaftlichen Lebens nur allzu oft rauben. In ihm kann man vornehm sein, ohne auf andere hinabzublicken. Er macht seinen Träger eben nicht zu etwas Besserem, evoziert aber leider Minderwertigkeitskomplexe beim ungeübten Betrachter. So wie der größte Homosexuellenhasser selber latent homosexuell ist, so schämt sich der FashionProll ob seiner Stilabsenz. Er würde so gerne gut aussehen, glaubt aber, das nicht zu dürfen. Eigentlich hasst er ja nur sich selber!
Doch ist Suitophobie gar nicht vonnöten. Es war selbst in den Tagen, als Punk brach, üblich, im Anzug Pogo zu tanzen. Noch früher prügelten sich die Mods in ihren Anzügen, ganz stilbewußt. Das wird gerne vergessen und verdrängt von den sogenannten Subkulturen. Auch hier machte sich blöde Bequemlichkeit über das Stilbewusstsein her und gewann: SkaJünger und HillieBillies sehen mittlerweile aus wie pubertierende Südstaatenjungs'n Girls der 50er. BlueJeans und karierte Hemden legitimieren jedoch niemanden dazu, einen Anzugträger schräg von der Seite anzugucken. Denn auch in einem Anzugärmel steckt mal eine harte Faust, ihr Weicheier!
Montag, 9. Juni 2008
5 Tage EM 2008! Aber ein Ende ist in Sicht!
So, jetzt ist also seit ein paar Tagen EM und es ist natürlich alles viel schlimmer gekommen als ich befürchtet habe. Tatsächlich gibt es kaum einen Ort, an den man sich als fußballscheuer Mensch flüchten kann. Dass die meisten Bars und Kneipen die Spiele in ihrem Inneren zeigen müssen (zumindest in der Innenstadt), ist da nur ein kleiner Trost. Zumindest kann man sich draußen beinahe ungestört bei einem kühlen Bier vergnügen, während die Fans sich in stickigen Kabuffs aufhalten müssen. Recht so!
Tatsächlich aber ist die Belästigung durch Fußballfanatismus permanent. Denn jeder Genuss wird von kollektivem Stöhnen bzw. Gejubel begleitet. Jetzt mal im Ernst: Ist es wirklich nötig, jedes mal ein Feuerwerk zu starten, bloß weil z.B. deutsche Millionäre den unterbezahlten, polnischen Kartoffelbauern einen Ball nach dem anderen ins Tor schießen? Das wäre in etwa so, als würden deutsche Manager für jeden entlassenen Arbeitnehmer eine Flasche Champagner köpfen. Was sie ja laut Volksmund tun!
Interessant allerdings ist: Plötzlich machen Menschen aural auf sich aufmerksam, von denen man sonst das ganze Jahr nichts gehört hatte. Verhuschte Existenzen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt, nutzen die Europameisterschaft, um ihre Existenz unter Beweis zu stellen. Sie schreien und ächzen, sie stöhnen und jubeln und haben doch keinen Sex. Diese armen Menschen müssen ihre Gefühle und Regungen offenbar zwei Jahre lang unterdrücken, nur um sie zu den Meisterschaften WM bzw. EM feuerwerkartig ejakulieren zu lassen.
Freundlicherweise jubelt man dabei auch den nicht-deutschen Mannschaften zu, zumindest solange diese nicht "mit dabei" sind. Am Ende hat man doch noch Wunschgegner, denen im Finale ordentlich "in den Hintern getreten" werden soll. Dennoch bleibt als Eindruck: Ich habe noch nie so viele beflaggte Fenster und Autos gesehen wie hier in Mannheim. Ich bin etwas betrübt, weiß ich doch: Aus Patriotismus ist noch nie etwas Gutes entstanden!
Und der deutsche Patriotismus ist immer so verkrampft. Es geht immer nur um das Recht, Flagge zeigen zu dürfen, weil "andere das ja auch dürfen". Seit dem Kindergarten weiß man doch, dass man "nicht alles darf, nur weil andere das dürfen." Selbst die infantilen Deutschen, deren Charts von DJ Ötzi und dem Schnuffelhasen angeführt werden, sollten das verinnerlicht haben.
Und so möchte ich schließen mit einem Gesang, der in der Nacht zum vergangenen Montag von einem offenkundig Betrunkenen circa eine Stunde lang krakeelt wurde. Besonders hervorzuheben ist die zwar etwas tumbe, doch unter Auslassung jeglicher phonetischer Wiederholung begangene Verkündung des Wortes "Deutschland":
"Deutsch! Land! Deuheutschland! Deueueueutsch! Land! Deutschlaaaaaaaand! Doiiiiiiiiiiii 'tschland! Deutschland! Deut-schland! Deu 'tsch land! Doioioioioioitsch-land! Deuheutsch-lahahahahahand! 'tschland! Deutschlnd! 'schlnd! nd! Ende!
Tatsächlich aber ist die Belästigung durch Fußballfanatismus permanent. Denn jeder Genuss wird von kollektivem Stöhnen bzw. Gejubel begleitet. Jetzt mal im Ernst: Ist es wirklich nötig, jedes mal ein Feuerwerk zu starten, bloß weil z.B. deutsche Millionäre den unterbezahlten, polnischen Kartoffelbauern einen Ball nach dem anderen ins Tor schießen? Das wäre in etwa so, als würden deutsche Manager für jeden entlassenen Arbeitnehmer eine Flasche Champagner köpfen. Was sie ja laut Volksmund tun!
Interessant allerdings ist: Plötzlich machen Menschen aural auf sich aufmerksam, von denen man sonst das ganze Jahr nichts gehört hatte. Verhuschte Existenzen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt, nutzen die Europameisterschaft, um ihre Existenz unter Beweis zu stellen. Sie schreien und ächzen, sie stöhnen und jubeln und haben doch keinen Sex. Diese armen Menschen müssen ihre Gefühle und Regungen offenbar zwei Jahre lang unterdrücken, nur um sie zu den Meisterschaften WM bzw. EM feuerwerkartig ejakulieren zu lassen.
Freundlicherweise jubelt man dabei auch den nicht-deutschen Mannschaften zu, zumindest solange diese nicht "mit dabei" sind. Am Ende hat man doch noch Wunschgegner, denen im Finale ordentlich "in den Hintern getreten" werden soll. Dennoch bleibt als Eindruck: Ich habe noch nie so viele beflaggte Fenster und Autos gesehen wie hier in Mannheim. Ich bin etwas betrübt, weiß ich doch: Aus Patriotismus ist noch nie etwas Gutes entstanden!
Und der deutsche Patriotismus ist immer so verkrampft. Es geht immer nur um das Recht, Flagge zeigen zu dürfen, weil "andere das ja auch dürfen". Seit dem Kindergarten weiß man doch, dass man "nicht alles darf, nur weil andere das dürfen." Selbst die infantilen Deutschen, deren Charts von DJ Ötzi und dem Schnuffelhasen angeführt werden, sollten das verinnerlicht haben.
Und so möchte ich schließen mit einem Gesang, der in der Nacht zum vergangenen Montag von einem offenkundig Betrunkenen circa eine Stunde lang krakeelt wurde. Besonders hervorzuheben ist die zwar etwas tumbe, doch unter Auslassung jeglicher phonetischer Wiederholung begangene Verkündung des Wortes "Deutschland":
"Deutsch! Land! Deuheutschland! Deueueueutsch! Land! Deutschlaaaaaaaand! Doiiiiiiiiiiii 'tschland! Deutschland! Deut-schland! Deu 'tsch land! Doioioioioioitsch-land! Deuheutsch-lahahahahahand! 'tschland! Deutschlnd! 'schlnd! nd! Ende!
Mittwoch, 25. April 2007
Job und Wohnung - Mannheims ungleiche Geschwister!
meine freundin C. und ich wollen bald umziehen. seit längerem suchen wir, d.h. sie, nach einer etwas grösseren wohnung. wir wohnen zurzeit in einer 2zkb, und das ist etwas zu klein. wenn ich zum beispiel gedenke zu musizieren, latscht C. durchs zimmer, ich kann es ihr nicht verbieten, aber es ist mir peinlich, da es mit meinen musikalischen künsten nicht weit her ist. also braucht grosses genie grosse wohnung, ist doch logisch, mit einem extrazimmer für konspirative musik und leises schreiben. das problem ist: grosses genie hat kleines portemonnaie und braucht auch eine kleine, bezahlbare wohnung. verflixt!
ich arbeite zurzeit für einen muslimischen verband und bereite dort junge männliche muslime mittels nachhilfe auf ihre spätere bestimmung vor. ein paar stunden am tag, tut kaum weh (auch wenn ich an anderer stelle schon erwähnte, wie sehr mich das lohnsklavendasein schmerzt), und in den ferien habe ich frei und kann mich der muse widmen. mein gehalt ist leider dementsprechend. ich brauche noch einen job! dafür werde ich mich heute mal in einer kneipe vorstellen - man drücke mir den daumen.
wir haben nämlich tatsächlich eine tolle wohnung gefunden. mit einer akzeptablen vermieterin. und C. meint, für mannheim sei die miete noch ganz okay. wir hatten uns noch zwei andere wohnungen angeschaut, doch war die eine zwar süss, aber eben süss klein. 3 klitzekleine zimmer mit klitzekleiner küche, balkon und bad. die andere war optimal, doch der vermieter erwies sich als schäuble- pendant: jeder von uns beiden musste ein 6-seitiges papier ausfüllen, in dem nachgebohrt wurde, was und wer wir sind und wer wir gedenken, in den nächsten jahren sein zu wollen. nach eingehender prüfung bespitzelte er unsere wohnung und lies uns eine vereinbarung unterschreiben, damit er unsere kreditwürdigkeit überprüfen konnte. wir wollten die wohnung ja nicht kaufen. zuguterletzt wies er uns darauf hin, dass wir uns mit unseren nachbarn absprechen müssten, sollten wir mal für ein paar tage weg wollen. es ging um ein ventil im haus, bei dem sichergestellt werden musste, dass es immer von jemandem aus dem haus bedient werden kann.
was sind denn das für vermieter? sind die krank? welches trauma durchlebten die in ihrer kindheit? das gewünschte pony nicht zu weihnachten gekriegt? schlechte erfahrungen mit mietern?
unsere neue wohnung ist toll und die vermieterin ist nett. sie fragte erst nach vertragsabschluss, was wir eigentlich beruflich so machen, und sie hat sich sehr viel mühe gegeben, es uns nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie ob unserer antwort erschrak.
ich arbeite zurzeit für einen muslimischen verband und bereite dort junge männliche muslime mittels nachhilfe auf ihre spätere bestimmung vor. ein paar stunden am tag, tut kaum weh (auch wenn ich an anderer stelle schon erwähnte, wie sehr mich das lohnsklavendasein schmerzt), und in den ferien habe ich frei und kann mich der muse widmen. mein gehalt ist leider dementsprechend. ich brauche noch einen job! dafür werde ich mich heute mal in einer kneipe vorstellen - man drücke mir den daumen.
wir haben nämlich tatsächlich eine tolle wohnung gefunden. mit einer akzeptablen vermieterin. und C. meint, für mannheim sei die miete noch ganz okay. wir hatten uns noch zwei andere wohnungen angeschaut, doch war die eine zwar süss, aber eben süss klein. 3 klitzekleine zimmer mit klitzekleiner küche, balkon und bad. die andere war optimal, doch der vermieter erwies sich als schäuble- pendant: jeder von uns beiden musste ein 6-seitiges papier ausfüllen, in dem nachgebohrt wurde, was und wer wir sind und wer wir gedenken, in den nächsten jahren sein zu wollen. nach eingehender prüfung bespitzelte er unsere wohnung und lies uns eine vereinbarung unterschreiben, damit er unsere kreditwürdigkeit überprüfen konnte. wir wollten die wohnung ja nicht kaufen. zuguterletzt wies er uns darauf hin, dass wir uns mit unseren nachbarn absprechen müssten, sollten wir mal für ein paar tage weg wollen. es ging um ein ventil im haus, bei dem sichergestellt werden musste, dass es immer von jemandem aus dem haus bedient werden kann.
was sind denn das für vermieter? sind die krank? welches trauma durchlebten die in ihrer kindheit? das gewünschte pony nicht zu weihnachten gekriegt? schlechte erfahrungen mit mietern?
unsere neue wohnung ist toll und die vermieterin ist nett. sie fragte erst nach vertragsabschluss, was wir eigentlich beruflich so machen, und sie hat sich sehr viel mühe gegeben, es uns nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie ob unserer antwort erschrak.
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