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Dienstag, 25. Dezember 2012

Berufe, die unter die Haut gehen #4: Sozialpädagoge

Habe ich meinen Humor verloren? RonJustice merkte diese Möglichkeit bezüglich der letzten Posts an. Ich hatte allerdings gedacht, die letzten Post seien sehr lustig. Diese Einschätzung jedoch scheint ein sicheres Anzeichen fehlenden Humors zu sein. Gut. Dann bin ich halt bösartig und nicht lustig. Es gibt auch nicht viel zu lachen.

Ein Teil von mir bedauert aufrichtig, dass die Welt am 21.12.2012 nicht untergegangen ist. Sicher, sterben möchte niemand, der sich lustvoll im relativen Wohlstand der Gesellschaft räkelt und von sozialen Geflechten unterschiedlichster Natur profitiert. Häuserbau, Kultur, Warenverkehr: Alles wunderbare Segnungen, die uns das Leben erträglich machen. Da sitzt man schön im warmen Zuhause, ob gemietet oder nicht. Wenn man was auf die Birne will, geht man ins Theater und die Wurst muss ja auch einer machen und dann verkaufen.

Wenn nur die Arbeit nicht wäre. Also die Lohnarbeit. Die Sorte Arbeit, die man glaubt, tun zu müssen um finanziell irgendwie über die Runden zu kommen. Um ein Zuhause haben zu können und auch die Wurst auf dem Brot. Um sich im Theater Stücke darüber anschauen zu können, wie doof das alles auch irgendwie ist. Da lässt sich ein Kulturbetrieb, der sich durch Selbst- und Fremdausbeutung über Wasser hält, über die Ausbeutung im Allgemeinen aus. Das ist, als äße der Bäcker sein Brot alleine auf und wäre selbst sein schärfster Kritiker. Das ist, als schlüge sich ein Zahnarzt selbst alle Zähne aus, um über die Anfertigung eines Gebisses seinen Swimmingpool finanzieren zu können. Das ist, als... ach, lassen wir das.

Das ist, als würde ein Sozialpädagoge (Diplom FH, staatlich anerkannt) dabei helfen, sich selbst überflüssig zu machen. Sozialpädagogen sind bessere Menschen, weil sie anderen Menschen dabei helfen, so zu werden wie der angenommene Durchschnitt der Gesellschaft. Deshalb sind Sozialpädagogen auch so furchtbar langweilige Leute. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn sie nicht selbst davon überzeugt wären, so unglaublich unangepasst und flippig zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie treffen an einer Theke einen sehr langweiligen Menschen, der von sich selbst glaubt, er sei witzig und verfüge über einen interessanten Charakter, total kritisch und unheimlich querdenkerisch sei er natürlich auch.

Wenn Sie nun das dringende Bedürfnis haben, Ihr Bier auszutrinken und schnell zu verschwinden, dann handelt es sich unter Garantie um einen Sozialpädagogen. Das sind Menschen, die jeden ihrer Sätze auf ihre pädagogische Wirkung hin abwägen müssen und niemals einen Witz über Minderheiten machen würden, es sei denn, man mache damit die Rohheit der Gesellschaft unter den furchtbar turbokapitalistischen Umständen deutlich, in denen SOLCHE Witze gedeihen können, pfui!

Sozialpädagogen sind Menschen, die anderen Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags helfen sollen, z.B. indem sie mit ihnen gemeinsam Anträge oder andere Formulare ausfüllen. Selber können Sozialpädagogen das selbstredend nicht, geschweige denn eine Rechnung oder einen Sachbericht schreiben. Für so einen im Sinne der Berufsausübung unnötigen Quatsch hat man nicht studiert. Das Studium diente freilich dem Zotteln eigener Rastalocken und dem Üben des bedächtigen Teetrinkens, bei dem man im Schneidersitz die Schale mit beiden Händen hält und mit zu schmalen Schlitzen verengten Augen sanft, aber total kritisch und auch irgendwie aufmerksam über den Teeschalenrand blickt. Dieser Blick soll sagen: Ey, Du, das ist alles eine Sache der Wahrnehmung, weißt Du? Du musst da drüberstehen, so in echt, Du! Das ist zwar krass anstrengend, aber ey, weißt Du, das muss echt sein, ey!

Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, sollte Sozialpädagoge werden. Wer schlecht bezahlt werden möchte und nichts lieber tut, als sich bis zur Verrentung mit dem unteren Rand der Gesellschaft abgeben zu müssen, braucht vielleicht selbst Hilfe. Dabei steht er vor der Wahl, entweder wirksam zu helfen und sich selbst überflüssig zu machen oder sein Klientel gerade so am Funktionieren zu halten, dass es nicht in Agonie verfällt und völlig wegknickt. Letzteres ist zwar sehr zynisch, ist aber bei den Ärzten abgeguckt: Völlige Heilung ist der Tod des eigenen Berufsstandes.

Sicher kann man auch als Sozialpädagoge Karriere machen: Man kann mehrere Fortbildungen machen und sich damit hoch verschulden. So eine Fortbildung kostet denn auch gleich mehrere tausend Euro. Das kann man machen, wenn man den Bildungskredit abbezahlt hat. Froh ist, wer Eltern hat, die ihr Geld nicht für den Aufenthalt im Pflegeheim verballern müssen. Man kann sich fortbilden in:

a.) Sich selber die Schuhe zubinden, ohne dabei umzufallen
b.) Sich solange selbst reflektieren, bis man nicht mehr weiß, wer man ist
c.) Wie man Gemüse unter den Aspekten des Gender-Mainstreamings anbaut
d.) Antisemitismus pflegen unter dem Deckmantel des Völkerrechts bei zeitgleicher Verdrängung der Tatsache, dass es im Grunde gar keine Palästinenser gibt
und
e.) Was tun, wenn das Haar unter den Rastalocken dünn wird?

Sozialpädagogen sind die Aasfresser der Gesellschaft. Sie leben vom geschaffenen Elend und müssen es erhalten, damit sie sich auch nächstes Jahr ernähren können. Erklärtes Ziel ist es, ihre Klienten an den Rest der Gesellschaft anzupassen und genau so fad und öd wie sie zu machen. Sie sind das Ketchup der sozialen Milieus, das gesellschaftlichem Leberkäs und Filetstücken einen identischen Geschmack zu verpassen trachtet. Was an sich nicht schlecht sein muss. Doch leider glauben Sozialpädogogen, damit die Welt zu verändern und zu verbessern.

Damit fällt auch dieser Beruf nicht in die engere Wahl.

Montag, 14. März 2011

Nicht zugehört und nichts dazugelernt: Demokratienachhilfe für die Kanzlerin!

Irgendwas an der Sache mit der Demokratie versteht Frau Merkel einfach nicht. Sie tut sich sehr schwer damit. Nun hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass Frau Merkel ja in der BRD geboren sei und die Demokratie quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Aber wie soll das gehen mit Eltern, die sie schon nach wenigen Wochen Lebenszeit in die Täterä verschleppt haben, einfach nur so weil sie es wollten?

Und in der DDR hatten sie es nicht so sehr mit der Demokratie. Gut, mit dem Sozialismus hatten sie es dort auch nicht wirklich, aber immerhin: Deutschland gab es auch in der DDR. Das merkt man heute noch, wenn man die ehemalige Zone besucht, selbst wenn man weiße Hautfarbe zu den Moonboots und dem H&M Käppy trägt.

Aber was genau hat denn Frau Merkel an der Sache mit der Demokratie nicht verstanden? Nun: Sie meinte im Interview mit der ARD sinngemäß, dass sie es nicht für richtig halte, die Tragödie in Japan politisch auszuschlachten. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie gar davor gewarnt, irgendeine Forderung bezüglich Atomkraft zu stellen und in einem Atemzug die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke gepriesen.

Zeitzeugen (z.B. ich) erinnern sich, dass die Zonen-Angie unter H. Kohl Umweltministerin war und die bevorstehenden Castortransporte und die daraus resultierende Angst in der Bevölkerung in etwa so kommentierte: Das mit der Atomkraft sei in etwa so wie mit dem Backen. Irgendetwas gehe halt immer daneben, ganz sicher sei überhaupt nichts, und wenigstens dies sei gesichert!

Dass Frau Merkel nun Probleme damit hätte, wenn Unmenschen die Tragödie in Japan dazu ausnutzen würden, um z.B. die umweltfreundliche Atomenergie zu diskreditieren, spricht Bände. Die ehemalige Blockflöte hat ja auch schon in der Täterä das Lied gepfiffen, das man von ihr erwartet hat.

Wer kommt denn eigentlich jedesmal auf die blöde Idee, in der DDR seien die SED- Leute ausschließlich Bösewichte gewesen, während sich in den Blockparteien nur Widerständler, Dissidenten und Gutmenschen aufgehalten hätten? Lupenreine Demokraten in der DDR? Das würde ja bedeuten, Moment mal, ja das würde ja heißen: die DDR war am Ende doch demokratisch! Dann sind die Rechtsnachfolger der SED ja gar nicht so böse wie immer getan wird? Schließlich hätte man eine echte Alternative wählen können!

Nun, Frau Merkel schätzt ganz offenbar keine politischen Diskussionen, vor allem wenn sie das Verhältnis Regierung/ Energiekonzerne belasten. Sie verlangt im Grunde, ganz Kanzlerin der Bildungsoffensive, dass Tragödien nicht lehrreich sein dürfen. Sie sagt: Wer seine Argumentation auf dem Leid anderer aufbaut, um seinen Willen durchzusetzen, dem mangelt es an Respekt vor den Opfern. Damit bringt sie unsere schönen Kulturerrungenschaften wie z.B. das Theater aber in arge Not. Welchen Sinn haben Tragödien denn sonst?

Verzeihung, ich habe es irgendwie mit Hitler, ich weiß! Trotzdem ein Beispiel: Dass der Holocaust eine unfassbare Tragödie war, scheint unter vernünftigen Menschen unbestritten. Wenn nun aber die Alliierten damals gesagt hätten, nun, man dürfe aus dieser Tragödie keine politische Forderung ableiten, weil dies den Opfern gegenüber respektlos sei, dann hätten wir heute wahrscheinlich keine Demokratie hier. Demokratie bedeutet nun mal debattieren bis die Ohren bluten und die Münder schäumen. So ist es nämlich recht!

Aber bei der Debattenkultur hierzulande bin ich mir nicht mal so sicher, ob Hitler am Ende nicht doch noch irgendwie gewonnen hat... wo man doch auch heute noch nach einem Führer schreit  in unserer sanften Diktatur: Unser Freiherr, unser König, Heiland, Erlöser, unser Ein und Alles, komm zurück! Zur Not nehmen wir aber auch den Sarrazin!

Freitag, 15. Oktober 2010

Ich erschieße keine fremde Menschen! Aber wenn die Dummheit siegt?

In der Arztpraxis. Ein Pärchen um die 30 betritt den Warteraum und setzt sich. Sie kramt in ihrer Tasche.
Frau: Willst Du die Zeitung?
Mann: Ja, gib her...
Die Frau holt die Zeitung heraus – Berliner Kurier – und teilt sie in der Mitte auf. Dem Mann gibt den Nachrichtenteil, sie selbst behält den Rätselteil. Sofort setzt sie sich an ein Kreuzworträtsel und füllt es aus, während der Mann in der Zeitung blättert und an einem Artikel hängen bleibt.
Mann: Hier steht, dass ein Arbeitsloser 1200 Euro verdienen darf. Also ich verstehe das nicht...
Frau: Was? 1200 Euro? Soviel verdiene ja ich nichtmal. Das ist ja unverschämt, dass die soviel verdienen dürfen.
Mann: Da fragt man sich, wozu man überhaupt noch arbeiten geht...
Frau: Ich versteh' das nicht. Sollen die doch arbeiten gehen...

Und spätestens ab diesem Moment, zuvor hatte ich noch interessiert zugehört (bei Leuten, die den Berliner Kurier, die BZ oder die Bildzeitung „Zeitung“ nennen, höre ich immer genau zu), möchte ich den beiden am liebsten ihre sogenannte Zeitung aus der Hand reißen und sie ihnen um die Ohren hauen. „Na, wer 1200 Euro verdient, der arbeitet doch“ würde ich ihnen am gerne zurufen. „Oder was glaubt ihr, dass da jemand kommt und sagt Ja ihr lieben Arbeitslosen, ihr tut mir so leid und deswegen zahle ich Euch einfach mal, sagen wir 1200 Euro und gut ist?" Ich halte jedoch den Mund und bin schockiert für den Rest des Tages.

In dem Artikel, den der Mann gelesen und offenbar falsch wiedergegeben hat, stand höchst wahrscheinlich etwas zum Thema „Zuverdienst“ für Langzeitarbeitslose. Nach den Plänen der FDP soll sich der Selbstbehalt für Leute, die wenig hinzuverdienen, verringern und sie so animieren, mehr zu verdienen, denn schon ab 400 Euro ist der Selbstbehalt größer. Folglich könnten Arbeitslose bis zu 1200 Euro brutto verdienen, bevor das Arbeitslosengeld voll angerechnet wird bzw. die Leistungen komplett entfallen. Na, so ähnlich - zumindest aus dem Gedächtnis rezitiert. Wahrscheinlich noch nicht einmal der Berliner Kurier wird behauptet haben, dass Hartz IV- Empfänger zusätzlich zu ihrem Bedarf noch 1200 Euro verdienen dürfen.

Also frage ich mich, wie viele Leute nicht einmal in der Lage sind, die recht einfach geschriebenen Artikel der Boulevardpresse zu lesen UND zu verstehen. Hier obläge der Presse die Aufgabe, alles noch einmal ganz genau zu erklären, damit das gering einzuschätzende Text-Lesevermögen der proletarischen Eliten nicht überfordert wird. Da wird doch das gesamte Bildungsdefizit in der Gesellschaft deutlich. Die Leute sind zu Bild um blöd zu lesen (sic!). Aber was soll man auch von einer Presselandschaft halten, in der Zeitungen die Mitteilungen von Bund, Lobbys und Agenturen unkommentiert und nicht mal recherchiert übernehmen? Gibt es das überhaupt noch: Zeitungen? Naja, wollen wir mal nicht unfair sein: Es gibt die Zeit, die Süddeutsche und die Jungle World. Und die haben ja auch ein paar Leser.

Die Lesenation Deutschland. Das ich nicht lache. Es geht doch wohl nicht darum, wieviel eine Bevölkerung liest, sondern darum, was. Mit Blick auf die Auflagenstärke der Zeitungen und die Bestsellerlisten bekommt das doch einen ganz anderen Geschmack: Da reiht sich Boulevard an Schmähliteratur auf Stammtischniveau und poesiefreie Trivialitäten an diverse Ratgeberbücher. Da wollen die Leserinnen und Leser doch lieber leicht Verdauliches in feinen Häppchen zugeführt bekommen. Sich einen Text erarbeiten? Poesie? Um die Ecke denken? Niente, nada! Wozu denn? Alles viel zu anstrengend.

Und so ist es zum Beispiel auch zu erklären, dass großartige Fernsehserien im Quotentief einfach verpuffen. Die Programmchefs reden mittlerweile davon, dass sie ihr Publikum nicht überfordern wollen und dementsprechend wird produziert: Belanglose Soaps, als Werbesendungen getarnte Wissenschaftsmagazine (Galileo und Konsorten) und Real-Life-Formate (Tattoos, Kinder, plastische Chirurgie u.d.m.) sind die Folge. Das Leben ist ja schon hart und anstrengend genug. Da wollen's wir in unserer Freizeit doch kunterbunt und weich haben, nicht wahr? Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass solche kritiklosen, ausschließlich konsumierenden Flachzangen eine Bereicherung für die Arbeitswelt sind (egal wie diese organisiert ist).

Ich spreche hier von denselben Flachzangen, die niemals in ihrem Leben ein Theater von innen gesehen haben und dennoch wissen, dass sie darin das Grauen schlechthin erwartet. Von Menschen, die jeden andersartigen Gedanken mit dem Hinweis: Es ist so, es war schon immer so und es wird auch immer so bleiben, ablehnen (und offensichtlich im Geschichtunterricht gepennt haben), die dementsprechend keinerlei phantastische Energie haben, um eine Utopie zu entwickeln. Ein Pack, dessen größter anzunehmender Traum sich zwischen dem Erwerb eines Neuwagens, einem Plasmafernseher und einem Ferienhäuschen (in einem warmen Land am Meer) bewegt. Idioten, die wirklich glauben, dass eine Gehaltserhöhung mitten im Aufschwung nicht möglich ist (wann denn sonst, Ihr Deppen? In der Rezession?), die wissen, das Streiks der Wirtschaft nur schaden (das ist ja wohl auch der Zweck der Übung) und ein branchenübergreifender Mindestlohn oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen NICHT möglich ist. Dieses Lumpenproletariat misstraut zwar den Arbeitgebern allgemein und der Regierung insbesondere zutiefst, kauft ihnen aber jede ihrer unhaltbaren Behauptungen ab. Noch dazu lässt es sich gegen sozial Schwächere aufhetzen, ohne auch nur einmal zu hinterfragen, wem die Hetze nutzt um wem sie schadet. So eine Bevölkerung wünscht sich doch jedes totalitäre Regime, und für eine demokratisch gewählte Regierung ist das natürlich sowas wie Erdbeerkuchen mit Sahnehäubchen obendrauf.

Wer wagt es also, über den eigenen Tellerrand zu schauen? Mal die eigene Kontextbrille abzusetzen und sein Leben in ein Verhältnis zu anderen zu setzen?
  • Wer macht sich schon Gedanken um Hartz IV Empfänger (um den Bogen wieder zu schließen), die keinen (Vollzeit-) Job bekommen und froh sind um jede Kröte, die sie dazu verdienen können?
  • Wer hat Verständnis für Selbständige, die mal auftragslos durch Monate dümpeln und sich aufstocken lassen, aber dann und wann auch mal einen Treffer landen und vielleicht sogar 1200 Euro verdienen? Arbeiten die deshalb nicht? Haben die kein Recht auf einen halbwegs anständigen Lebensunterhalt?
  • Und wer geht schon davon aus, dass er anderen Menschen den Arbeitsplatz wegnimmt? Und zwar allein aufgrund der Tatsache, dass er eine Stelle wegen eines 30-Minuten-Gesprächs bekommen hat, auf die viele andere sich ebenfalls beworben haben? Und die vielleicht zufällig die falsche Qualifikation, Herkunft, das falsche Geschlecht oder sogar Kinder haben? Die eventuell sogar nicht in der Lage sind, ihre jämmerlichen Skills als hervorragende Leistungen darzustellen und so zu verkaufen wie man selber es tat?
  • Wer vermutet auch nur, dass jene, die für einen kleinen Stundenlohn arbeiten, die Lohnspirale nach unten drehen und andere dadurch unter Druck setzen, für noch weniger Geld zu arbeiten.
  • Oder wer denkt daran, dass jener, der schwarz arbeitet, auch jemanden braucht, der ihn schwarz arbeiten lässt? Und dass deshalb zur Debatte stehen muss, wer da eigentlich „asozial“ ist: Der, der Geld benötigt oder der, der ihn schwarz beschäftigt und so Sozialversicherungsbeiträge spart?
  • Und wer würde in der Sache zustimmen, dass, wie zu Urzeiten, immer noch Dummheit und Gier die Oberhand behalten, während die Vernunft nur der Bremsklotz ist, der die Welt vor dem endgültigen Untergang bewahrt? Würden uns wenigstens mittelgroße Leuchten regieren und einigermaßen intelligente Menschen die Firmen und Konzerne leiten, dann wäre unsere Welt wohl eine bessere. Und etwas Widerstand bitte... hat noch nie geschadet!
  • Und zuletzt: Wer überhaupt stellt denn wenigstens einmal in seinem Leben seine Grundüberzeugungen auf den Prüfstand? Anstatt dauerhaft Dämlichkeiten und Banalitäten von sich zu geben wie verdorbenes Essen? Ich? Kommt schon vor! 
Und macht mich das besser? Ich weiß es nicht! Aber nachdenken hat jedenfalls noch nie geschadet. Träumen auch nicht. Ohne Träume gibt es keine Zukunft. Darüber zu schreiben scheint mir wichtig. Weil mich an manchen Tagen diese unsägliche Borniertheit der Masse wütend macht. So wütend, dass ich am liebsten amok laufen möchte. Ich schieße aber eben nicht auf fremde Menschen, weil mir an besseren Tagen die Tatsache genügt, dass es auch andere Menschen gibt. Wenn auch nicht so viele. Aber es ist ein Anfang. Immerhin!

Dienstag, 16. Juni 2009

Schillerlocken! Schillerglocken! Und zur Feier eine 3. Teilüberschrift: Schillertage!


Schiller hier, Schiller da! Geht man einkaufen, bekommt man Schillerdollar aufgeschwatzt wie nichts Gutes. Damit soll man "Dinge" kaufen können. Dinge, die der Mensch braucht? Ein Rabattsystem ohne Kundendatenerfasssung, wie sympathisch! Eines ist klar: Schiller's on the road again. Und zwar: in Mannheim! What's up with Schiller in Mannheim?

Seien wir ehrlich: Der Großteil der Menschheit musste "Die Glocke" nie lesen beziehungsweise auswendig lernen. Genauso viele Menschen kennen die Fischverballhornung "Schillerlocken" nicht - und das mit gutem Grund! Ach, Hamlet ist nicht von Schiller, genauso wenig wie die Schillerlocken? Wieviele Menschen wissen das überhaupt? Und das man Shakespeare nicht trinken kann?

Der Mannheimer kennt Schiller gut! Er kennt ihn so gut, dass er weiß, wie Schiller aufgeführt werden muss! Er weiß es sogar besser als Schiller selbst. Manchmal zumindest. Wenn mal wieder ein Gastspiel ansteht, von Leuten, die Schiller überhaupt nicht verstehen können,, eben weil sie nicht aus Mannheim sind. Schließlich hat Schiller ganze drei Jahre in Mannheim verbracht: Geduzt und ausgebuht, um hier einmal den hochverehrten Max Goldt in fremdem Kontext zu zitieren.

Der Herr Schiller: Musste aus Stuttgart flüchten und bekam in Mannheim ein Jahr lang einen Job als Theaterdichter. Damals gab es noch keinen 1-Euro-Job und auch noch kein Jobcenter. Der Herr Dalberg vom Nationaltheater hat den Flüchtling aufgenommen und ein Jahr später wieder gefeuert. Warum nur? Vielleicht wegen der Malaria-Anfälle oder auch wegen der expliziten Aufsässigkeit des jungen Dichters. Beides keine besonders guten Voraussetzungen für einen Job auf Lebenszeit. Das war früher so wie heute!

Dann kam die ganz große Armut, beinahe wie mit Hartz IV, nur ohne Geld und ohne Sachleistungen. Wenn der Herr Schiller nicht in Leipzig aufgenommen geworden wäre, wäre er in Mannheim wohl elendig verreckt. Ich sehe da Parallelen zum Schaffen und Dasein des Autors dieser Zeilen. Auch nur geduzt und ausgebuht. Und dann? Ein Jahr lang zeigt man heuchlerisches Interesse, und dann: Pustekuchen, heiße Kartoffel und Undank allenthalben. Drohender Umzug in den Osten der Republik.

Wenn er dann tot ist, und postmortem berühmt, dann sagt Mannheim: Der war mal bei uns, ein ganz Großer! Richten wir ihm doch ein paar E. Karst-Tage aus und huldigem dem armen Tropf zwei Wochen, indem wir seine Texte, Lieder und Gedichte spielen (der konnte schließlich mehr als nur bloggen!). Wilhelm Genazino hat das früher begriffen und ist rechtzeitig nach Heidelberg ausgewandert. Ob ihm das etwas genutzt hat? Nun, er wird nicht arm in Mannheim vergammeln, das ist sicher!

So hat auch Schiller arg gehustet und viel gefiebert, bis er Mannheim endlich verlassen hat und fortan in Saus und Braus sein kurzes Leben geniessen durfte. Man möchte sich vorstellen, dass ihn die Mannheimer mit Schimpf und Schande aus dem Ländle getrieben haben, bewaffnet mit Fackeln und Mistgabeln. Händler der bäuerlichen Genossenschaften riefen auf zur Vertreibung und vertickten ihre landwirtschaftlichen Gerätschaften zu diesem Behufe.

Mannheim biss sich hinterher in den Arsch: Wieder einmal hat man jemanden weggejagt, der kurz darauf woanders berühmt wurde. So ein Mist aber auch! Doch strategische Denke vermochte aus der Not heraus eine Tugend zu machen und dem Herrn Schiller zu Gedenken ein Fest zu bereiten, zwei Wochen lang: Theater, Oper, Konzerte und Vorträge - was ganz was Feines und besser als nix!

Leider gibt es die bis in die 60er Jahre hinein stattfindenden Schilleraustreibungen nicht mehr: Das ist natürlich Geschichtsrevisionismus der übelsten Sorte! Denn was gibt es Schöneres, als noch einmal zu sehen, wie der Schiller von den Mannheimern fortgejagt wird. Am Ende der Schillertage wäre dies ein würdiges, ein ehrliches Spektakel. Schade drum!

Dienstag, 11. November 2008

Die späte Schimpfkanonade! Eine Verunglimpfung!

Sie sind einfach widerlich: Sie arbeiten nicht und leben auf Kosten der Gemeinschaft. Sie treffen sich meist in großen Gruppen. Dabei belagern sie alle öffentlichen Plätze und Parkbänke, ja sogar vor Kirchhöfen machen sie keinen Halt! Dauernd rinnt ihnen Speichel aus dem Mund und bildet große Pfützen auf dem Boden, so dass man sich nicht mehr dort hin setzen will, wo sie sich vorher aufgehalten haben. Dabei schauen sie sich stets grimmig und verschlagen um, als planten sie irgendein Verbrechen.

An den Haltestellen des ÖPNV drängeln sie sich rücksichtslos nach vorne und lassen aussteigende Fahrgäste nicht durch. In der Bahn setzen sie sich dann verlässlich auf die Plätze zum Gang hin, Fensterplätze sind ihnen offenbar ein Greuel. Nein, diese Plätze sind reserviert für ihre Einkaufstüten und Taschen. Nur widerwillig stellen sie diese vor sich auf den Boden, um Platz für bedürftige Fahrgäste zu machen.

Sie unterhalten sich dauernd laut und unflätig, und wenn man sie darauf anspricht, werden sie auch noch frech und geben Widerworte. Dann schimpfen sie und drohen mit Prügel. Ständig läuft man gefahr, ihnen zu begegnen. Noch nicht einmal in Theatern oder auf Konzerten ist man vor ihnen sicher. Denn sie bekommen überall ermäßigten Eintritt und nutzen dies auch gnadenlos aus. Wenn sie sich doch wenigstens dort benehmen könnten!

Aber nein: Sie furzen und sie schneuzen sich extra laut. Und nichts kann sie dazu bringen, ihre Mobilfunktelefone auszuschalten. Ständig piepst und brummt irgendwo eines dieser verfluchten Dinger. Sie haben kein Problem damit, ein zweistündiges Cellokonzert durchzuquasseln. Wenn sie nicht quasseln, schlafen sie sofort ein und schnarchen noch dazu. Gratis, sozusagen on Top! Sagt man etwas, erntet man giftige Blicke. Ruhig sitzen können sie auch nicht. Wenn sie sich sehr langweilen, beginnen sie mit den Füßen zu scharren.

Dabei sind sie furchtbar ungebildet: Weder kennen sie bedeutsame literarische Werke noch können sie den Unterschied zwischen Tanztheater und Ballett benennen. Ihre bevorzugte Musik ist meist ganz grauenhaft und wird zudem viel zu laut gehört, so dass ihr Gehör zunehmend beeinträchtigt wird. Sie schauen viel fern und lesen, wenn überhaupt, grottenschlechte Zeitungen. Sie essen wie die Schweine, grunzen und schmatzen dabei laut. Ihre ungepflegten Zähne klappern dabei unschön.

Sie sind uns eine Last, die ständig größer wird. Ihr Verhalten macht es uns wirklich nicht leicht, sie zu mögen. Gerne würden wir Verständnis für sie aufbringen können, doch vermutlich wollen sie das noch nicht einmal. Sie bewegen sich nun mal gerne außerhalb gesellschaftlicher Konventionen. Beinahe möchte man von einer Parallelwelt reden. Man kann ihnen nicht helfen, und man will es auch nicht! Sie sind, was sie sind: Senioren!