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Freitag, 20. März 2015

Das Leben ist schön und bietet kostbare Erlebnisse! Heute: Baby-SUV und aromatisierende Kinder!

Ja fein, das Wetter ist heiter und auch etwas Wärme dringt an meine gefrostete Seele, auch wenn ich vor lauter Büro davon wenig herausbekomme. Dann quetsche ich ein Quäntchen Zeit in ein Schnapsglas und sitze, schwupps, vor meinem derzeitigen Lieblingscafé. Nun, so warm ist es um Vier doch nicht mehr, trotz Sonnenbefall, und so sitze ich, schwupps, drinnen, schnappe mir eine Zeitung und warte darauf, worauf ich mich am meisten freue:

Auf Eltern und ihre Kinder. Es ist ganz wunderbar, ganze Sippen von überforderten oder scheißegalen Eltern mit ihren herrlich verzogenen Kindern jeden Alters zu beobachten, wie sie plärrend und oder hektisch ins oder vors Café einschlagen wie ein mit Alien-DNA verkeimter Meteorit. Es treten auf:
  • Das ein-Meter-große Kind mit der ebenso großen Eistüte, wo man nicht weiß, wer wen schlussendlich verspeisen wird
  • die an fremde Café-Tische ungefragt herantretenden Kinder, die den Kaffee ganz hervorragend zum Schwappen bringen können. Wozu noch Telekinese betreiben oder Poltergeister rufen? Schaff' Dir Kinder an, dann hast Du beides!
  • Eltern, die ihre plärrenden Kinder hektisch im Café herumtragen und damit das Kind zwar nicht beruhigen können, dafür aber unter Garantie die Kopfschmerzgrenze der anderen Gäste auf ein gerechteres Niveau senken können
Den Vogel hat heute eine trächtige Mutter in Begleitung ihrer besten Freundin (?), zweier Kleinkinder mit Tretrollern untendran, eines davon mit bis zum Hals vollen Windeln, sowie einem Kind im leichenwagenfarbenem Kinder- SUV. Die Kinder fahren mit den Rollern ein, direkt bis zur Spieleecke, die Mutter versperrt mit ihrem SUV den Durchgang links von der Theke, während sie und ihre Freundin (respektive Erzieherin? Au-Pair-Milf?) die Theke in Beschlag nehmen. Habe ich erwähnt, das beide Erwachsene (?) einen Rucksack tragen?

Andere Gäste drängen sich zwischen meinem Tisch und dem Kinderwagen vorbei, die Kinder in der Spieleecke zerlegen ein Magnetbuchstabenspiel, das kleinere aromatisiert vor sich hin und die Mutter samt Freundin (Haushälterin? Yoga-Beauftragte? Natur-Kosmetik-Guru?) macht Pause vom vielen Erziehen und lässt sich jedes Kuchenstück einzeln zeigen, als sei sie im Schuhgeschäft. Die Freundin (Lebenspartnerin? Gouvernante? Sozialassistentin?) schnappt sich das erste Gedeck aus Kaffee und Kuchen und ruft eines der Kinder, dass sie selbstredend völlig ignoriert.

Na dann macht ja eine weitere Aufforderung wohl wenig Sinn. Abgang Freundin (Liebhaberin? Tupper Ware - Verkäuferin? Haushaltshilfe?), bleiben noch die Mami, zwei Kinder mit Tretrollern, ein überdimensionierter Kinderwagen mit Automatik-Getriebe, Allradantrieb und Kind darin. Besorgt betrachtet der Wirt die Spieleecke und das angerichtete Chaos, Magnetbuchstaben lernen fliegen, und da wagt das Monster tatsächlich das Wort an die Kinder zu richten: Na? Räumt ihr das nachher wieder weg?

Die Mutter sagt: klar räumen die das wieder weg! und geht hin und sagt ihren Kindern: räumt ihr das bitte weg? Das allerdings scheint eine noch unbekannte Wortfolge zu sein, weshalb die Kinder nur verdattert schauen. Zur Verdeutlichung hebt Mami ein paar Buchstaben auf und legt sie in die zugehörige Schachtel. Das größere Kind durchschaut die Intention, nimmt die Schachtel und leert sie wieder aus.

Da ist es wohl einfacher, die Spielsachen selber aufzuräumen, sagt sich die Mami. Sie sagt sich aber auch: Halt, Moment mal, wer ist denn hier der Dienstleister? Ich habe die Unordnung nicht gemacht, meine Kinder wollen sie nicht beseitigen, also lautet die logische Schlussfolgerung: Der Wirt muss aufräumen!

Denkt's, tut's also doch nicht, nimmt ihren Kaffee und ihren Kuchen, räumt den Kinder-SUV umständlich aus dem Weg Richtung Ausgang, die Kinder mit den Tretrollern hinterher, nicht ohne noch einmal in der Tür stehen zu bleiben und mit den Kindern ausführlich den weiteren Verlauf des Nachmittags zu erörtern. Partizipation wird nämlich groß geschrieben, in der Erziehungsbranche.

Ich habe mich bis dahin wirklich und wahrhaftig amüsiert und auch manchmal leise kichern müssen. Als ich mich dann wieder dem Lesen widmen wollte, dachte ich erst an ein Satiremagazin. Es war allerdings die TAZ, der ich unter dem Einfluss guter Laune zwischenzeitlich die Ernsthaftigkeit abgesprochen hatte. Obwohl: Der Titel heute war tatsächlich Satire!

Freitag, 25. Juli 2014

Könige unter Königen! Auf der Suche nach Mr. Untertan!

Wer hierzulande immer noch behauptet, wir lebten in einer kinderfeindlichen Gesellschaft, dem muss man die Ohren verbiegen und die satten Augen aus den Höhlen herausziehen, damit er endlich erkennen mag: Wir leben tatsächlich in einer erwachsenenfeindlichen Gesellschaft!

Kinder müssen nicht arbeiten, sie müssen bei nichts behilflich sein, bekommen ihre Schulaufgaben gemacht und überhaupt mehr Recht als Pflicht. Elterndarstellern, die glauben, ihr Kind müsse sich überall, und sei es auf dem Friedhof, im Café am Nachbarstisch oder im Supermarkt auch austoben und ich entfalten dürfen, darf man getrost sagen: leck' mich doch, Du Kralle! Muss es eben nicht! Geh' auf den Spielplatz!

Wenn sie noch nicht einmal ihrern elterlichen Verpflichtungen nachkommen wollen, um damit Sorge zu tragen, dass aus ihrem Kind dereinst ein selbstverantwortliches Wesen wird, dass der Gesellschaft mehr nutzt als schadet, dann sollten Sie sie erst mal sehen, wenn fremdkindgeplagte Menschen die Plagen zur Ordnung rufen und ihnen Grenzen setzen wollen! Ieeeeek! Kinderfeind! und den Zeigefinger raus, wie bei den Körperfressern!

Nein, diese Grenzen braucht mein Kind nicht, es braucht Bestätigung und Raumerweiterung nach Osten, krakeelen die Elterndarsteller und vergessen dabei, dass sich ganze Heerschaaren professioneller Dienstleister mit jungen, selbstbestätigten Menschen herumplagen müssen, die nur gelernt haben, wie man sich selbst entfaltet und dabei gar nicht mitkriegen, dass jeder Pups für sich selbst befreiend sein mag, für den anderen aber eine Belästigung sondersgleichen ist.

Im Feudalismus, da gab es noch vererbte Gesetzmäßigkeiten. Da war der König, der Graf, der Arzt in zigster Generation, der Dorfpfaffe: ihnen hat man Respekt gezollt, hat einen Buckel gemacht, einen Kratzfuß und ist zur Seite gegangen, wenn der Betreffende seinen Weg fortführen wollte. Nicht dass ich solchen Zeiten nachtrauere. Ehrlich nicht!

Doch die postdemokratische Gesellschaft ist ein Ort voller Könige, sich selbst gegenüber völlig unkritischen Geistern, die von allen anderen, selbstredend ebenfalls mit gleichen Rechten ausgestatteten Königen, verlangen, sie mögen ihnen gefälligst aus dem Weg gehen und ansonsten zu Diensten stehen. Man wundert sich, dass die Welt nicht völlig stillsteht, weil keiner es einsieht, warum ausgerechnet er Platz machen sollte.

Das liegt daran, dass nicht alle Eltern ihrer Kinder verantwortungslose Accessoireisten sind, die Faulheit und immense Unfähigkeit vor dem Kinde mit antiautoritärer Kindererziehung verwechseln. Wer da aber gut anerzogene Vernunft walten lässt und denkt, ach: leck' mich doch, ich bin nicht so'n Arsch, und aus dem Weg geht, der wird sofort als Untertan entlarvt. Der braucht sich nicht zu wundern, wenn er hernach die Einkaufstüten des anderen trägt.

Kinder kommen mit gespreizten Ellbogen zur Welt. Dass sie dennoch aus dem Uterus ihrer Mütter kriechen können und nicht darinnen steckenbleiben, liegt an ihrer Biegsamkeit. Also ist da noch was zu retten. Doch leider hat ja schon die Elterngeneration der heutigen Eltern völlig versagt, indem sie selbst vergessen hat, ihren Gören neben einem starken Selbstbewusstsein und gaaaaanz viel Durchsetzungvermögen auch ein Portiönchen Demut oder auch Güte mitzuvermitteln.

Und dann suche ich als Erwachsener etwas Ruhe und Erholung, von den Mühen und Strapazen des Alltags. Die Nachbarn oben lassen ihr Kind mit dem Bobbycar auf dem Holzboden rumrutschen, also verlasse ich die Wohnung und sitze im Café, wo mich eine verzogene, höchstens zweijährige Göre auffordert, meine Füße hochzuheben (Füße hoch!), damit es ohne ausweichen zu müssen an mir vorbeigehen kann. Ich tue es nicht, die Mutter schaut mich tadelnd an.

Dann gehe ich einkaufen, wo mir ein Kind johlend mit dem Kindereinkaufswagen in die Hacken rennt. Das muss so sein, weil es gerade ein Kindereinkaufswagenrennen mit der kleinen Schwester macht. Der kleine Drecksack streckt mir die Zunge raus und läuft johlend weiter. Die Eltern führen derweil angeregte Gespräche mit einer Verkäuferin, die entnervt die Augen verdreht. Wenn Idioten Kinder haben, kommen leider nur noch schlimmere Idioten dabei raus. Was wird dann aus deren Kindern? Man will es sich gar nicht vorstellen!

Schland, ein kinderfeindliches Land? Bah! Man möchte um sich schießen, wenn man nur könnte. Mist!

Dienstag, 3. Juni 2014

Zum Blauen Bock mit dem Recycling-Trolley: Rassistische Kontrolleure, snobistische Bio-Eltern und eine Selbstentlarvung!

Ein Teil meines Weltekels erfüllt sich in Bio-Supermärkten. Man soll mich nicht missverstehen: Ich halte ökologisch hergestellte Nahrungsmittel für überaus wichtig, ebenso nachhaltigen Anbau und artgerechte Tierhaltung. Wir sollten alles tun, um die Welt von Pestiziden, prophylaktischem Antibiotikaeinsatz und zertifiziertem Gemüseanbau á la Monsanto zu befreien, mitsamt ihren feisten Produzenten.

Man sollte also durchaus Farbe bekennen und Zeichen setzen. Also: so bio wie möglich leben, bio einkaufen, grüne Bahncard, der richtige Strom, Hybrid-SUV etc. etc. Doch man sollte das alles tun, weil man davon überzeugt zeugt ist und nicht wegen eines pubertären Distinktionsgewinnes, der alle guten Vorsätze pulverisiert und in gute wie auch schlechte Konsumenten trennt.

Doch genau das ist es, was ich in Bio-Supermärkten erlebe. Lauter super well-behaved Hipster, Student_innen mit Vaters Portemonnaie und Average People, die sich von ihrem Einkauf eine Aufwertung ihrer Persönlichkeit versprechen. Vergreiste Mamis und Papis, die mit ihren verzogenen, sich entfalten müssenden Bälgern auf Supermarkt-Rallyes gehen und Personal wie Kunden auf die selbe perverse Art belästigen wie sie mit ihren riesigen Familienkutschen die Straßen der Stadt dominieren.

Nur um zugleich auf die dummen Habenichtse herabzuschauen, die sich lieber ein LED-Fernsehgerät anschaffen, als sich endlich mal gesund zu ernähren. Sie könnten schließlich auch ihr gesamtes Geld für Nahrungsmittel ausgeben. Diese Armut und unterstellte Gedankenlosigkeit kotzt sie an, die wohlhabende, ökologisch bewusst lebende Bagage, die sich beim Supermarktleiter beschwert, weil die Einkaufswagen aus Metall und nicht aus recycletem Papier sind und die Kühltruhen nicht mit hybridgetriebenen Motor ausgestattet sind.

Ich fühle mich leidlich unwohl unter solchesgleichen. Und befinde mich daher in einem Dilemma. Liegt's an meiner Wahrnehmung? Bin ich grantelig? Kommt das mit fortschreitendem Alter? Sind mit Vorurteile nicht ein Gräuel? Warum möchte ich manchmal töten? Warum tue ich es nicht? Fragen über Fragen!

Andererseits: Ich kann Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht leiden! Bin ich allergisch gegen. Bei mir hat die Entnazifizierung ihre volle Wirkung entfaltet. Ich finde den Nationenbegriff kindisch, Nazis dumm und die bundesdeutschen Normalitätsbemühungen um Jahrhunderte verfrüht. Nicht dass ich gerne leide! Aber ich finde, es ist eine großartige Chance, wenigstens 80 Mio Bundebürgern dieses rassistische Geseier aufgrund früherer Untaten verbieten zu können. In Ungarn, Frankreich, Polen, Italien etc. gibt es schon genug davon, da braucht es unsere Deppen nicht auch noch.

Nein, von selbsauferlegtem Leid ist da nicht die Rede. Es ist die Rede von großer Erleichterung, dieses dumme Gewäsch von AfD, Sarrazin und NPD einfach als das bezeichnen zu dürfen, was es ist und ihren Apologeten im Smalltalk das Wort abschneiden zu können und damit moralisch im Recht zu sein. So viel zum Thema Distinktionsgewinn...

Kürzlich wurden wieder Fahrgäste nach Fahrscheinbesitz gefiltert und am Bahnsteig debattierten drei Kontrolleure mit einem südeuropäisch aussehenden Fahrgast, der sich lauthals radebrechend beschwerte. Er hatte wohl tatsächlich keinen Fahrschein dabei und ehe ich mich weiter verzettele, komme ich zum Punkt: Einer der Kontrolleure sagte im Disput: "Jaja, Ihr kommt daher und wollt hier leben und arbeiten, aber zahlen wollt Ihr nicht!"

Selbst der dreisteste Dienstleistungserschleicher hat diesen grob verallgemeinernden Rassismus nicht verdient! Worauf ich dem Kontrolleur zurief, er solle diese rassistische Scheiße einfach mal lassen. Er hat aber nicht darauf reagiert, wohl auch, weil er's gar nicht auf sich bezogen hat. Der vom Rassisten selbst nicht bemerkte Rassismus ist der Schlimmste!

Ich komme heute auch nicht ungeschoren davon: Bei einer Feier ging es darum, dass Heinz Schenk kürzlich verstorben sei. Für die Kleinen im Theater: Das war der volkstümliche Wirt vom Blauen Bock, der später auch mal etwas mit Hape Kerkeling gemacht hat. Als Kind mochte ich ihn nicht, auch später war er mir suspekt. Aus diesem Anlass hatte ich fallen lassen: "Der war ja Jude! Das hat man ihm gar nicht angemerkt."

Ja, so ist es: Ein paar Gläser Wein und man wird genau zu dem selben, unreflektiert Arschloch, das man sonst eigentlich verachtet. Wenn's wenigstens noch Äppelwoi gewesen wäre!

Montag, 14. April 2014

Back in Rollkoffertown! Out of Neukölln!

Ich fange heute mit dem Bonus an. Ort: Supermarkt, Wurst-Käsetheke. Eine Frau, sichtlich erregt, debattiert mit der Dame hinter der Theke: "Ei, eine Mettwurscht halt! Do, do liegtse ja. Des is a Mettwurscht. So heißt des bei uns!" Völlig korrekte, aber wurschtige Antwort der Verkäuferin: "Na, wie das bei Ihnen heißt, ist mir ja egal. Wenn Sie etwas bestellen möchten, müssen Sie mir schon den hier üblichen Namen nennen!"

Liebe Freund_innen des veganen Rahabarberkuchens, eigentlich will ich aber was ganz anderes sagen: Unter beinahe unglaublichen Anstrengungen und Entbehrungen bin ich nun umgezogen und wohne, völlig eingerichtet und körperlich zugerichtet, bei C. und ihrer Tochter L. Ich bin Back in Friedrichshain! Hier wird es enden, dort, wo alles begann. Der Showdown naht! Ich spüre es. Das Feeling, das Eletrisierende des gedanklichen Vakuums, in dem ich mich so gerne suhle, als Gast wie auch als Gastgeber.

Ich habe sogar ein eigenes Zimmer und fürchte nun, dass ich auch Miete zahlen muss. In Friedrichshain! Das muss man sich jetzt mal vorstellen! Ich dachte nun, es sei wichtig und richtig, Euch darüber informieren, wohin Geschenke nun gesendet werden müssen und wie Ihr das vorher mit mir per Kommentarfeld vereinbaren könnt. Ich bitte den ungelenken Text zu entschuldigen: Ich habe Rückenschmerzen und der Wein schmeckt in Friedrichshain leider genauso gut wie in Neukölln.

Wer uns besuchen möchte, ist gerne eingeladen. Ja, auch Du, lieber Anonym, der zur Utopie unfähig ist und sich gerne mit allem abfinden möchte. Oder andere, die mir die Fähigkeit zum Erträumen einer besseren Welt neiden. Für Euch ist Platz in meinem Herzen, und ich bekehre Euch gerne! Denn im Grunde kann mein Zimmer nun als Gästezimmer fungieren. Staubsauger, Feudel und Wischmob stehen direkt neben meinem Zimmer in der Kammer, kann aber gegen kleines Entgelt vorher etwas etablierter platziert werden. Es ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass eine Endreinigung nicht zwingend vorgesehen ist!

Zum Ort: Die Friedrichshainer sind zahm und bisweilen sogar niedlich. Und sehr reinlich, auch wenn sie keine Ahnung von Kindererziehung haben. Die Touristen sind gesettelte Schwaben und Österreicher sowie punkaffine Spanier und Franzosen, wobei das Prädikat "Punk" stark missinterpretiert wird. Dies wollte ich noch gesagt haben, vor allem für jene, die Angst davor haben, von Rollkoffern, kinderwagenschiebewütigen Spätmuttis und aufmerksamkeitsdefizitären Schulklassen aus aller Welt überrollt zu werden.

Es gibt hier sehr wohl Verkehrsregeln, und sie werden bisweilen genutzt, jedoch ist die Binnenschifffahrt stark unterentwickelt ob mangelnder Beschiffungsmöglichkeit aufgrund Gewässermangels in der Region. Dementsprechend fehlen auch die das Ufer säumenden Trauerweiden. Dafür gibt es anderen Kokolores, den Ihr bitte selber erkundet, ich bin doch hier nicht Euer Erkundungsfurunkel!

Hoffentlich wird die Mauer nicht wieder aufgebaut zum Behufe endloser Pass- und Kofferraumkontrollen seitens kontrollierwütiger Kontrolleure. Der Ostberliner kontrolliert beinahe so gerne wie der Westberliner, insofern gibt es kaum Unterschiede. In Bussen wird neuerdings übrigens hüben wie drüben kontrolliert. Es gibt viel Bio, dafür wenige bis gar keine türkischen Supermärkte, die ich so sehr liebe, weil sie z.B. Klopapier zur Unerschwinglichkeit adeln.

Doch man kann nicht alles haben! Scheiss auf die Ufer, Trauerweiden und Normcore-Hipster! Wir wohnen in Muttiland, der Kanzlerin zu Ehren und Wohlgedenken. Doch was ist ein Hain ohne Wald, der noch dazu auf den Namen Friedrich hört? Ich schäme mich! Ich freue mich! Ich will einer von uns sein! Und so schließe ich mit Harald Juhnkes Worten auf die Frage, was er sich unter höchstem Glück vorstellt: Einen sitzen und keine Termine!

Sonntag, 28. April 2013

In der Retrohölle #27: Ein Versuch über Social Media und ihre Bedeutung für das Erwerbsleben!

Erinnert sich noch jemand an SecondLife? Ich musste kürzlich daran denken: Das war diese virtuelle Plattform, in der man sich einen Avatar zulegen, durch eine künstliche Welt spazieren und mit Avataren anderer vom Leben gelangweilter Nutzer interagieren konnte. Dummerweise war SecondLife mehr Hype als virtuelle Realität (sic!): Denn der Avatar ist nachweislich durch eine Welt voller (Kartei-)Leichen gewandelt, die sich seltsam hin- und herwiegend im Standby- Modus befanden.

Das, liebe Kinder, war lange, bevor FaceBook zu dem daten- und zeitraubenden Monster wurde, das es heute ist. SecondLife gibt es übrigens auch heute noch. Der ganz große Unterschied zwischen beiden Plattformen ist: Bei FaceBook sitzen die eigentlichen Avatare VOR dem Bildschirm und warten auf Fremd- bzw Fernsteuerung (vielleicht schauen sie sich gerade noch Foodporn- Fotos an oder laden selber welche hoch). Bei SecondLife warten die dumpfen Avatare IM virtuellen Raum auf eine vom Nutzer gesteuerte Aktion.

Sozialromantisch betrachtet könnte man sagen: Die SecondLife- Nutzer hatten Besseres zu tun als ihre Zeit in einer virtuellen Welt zu verbringen. Oder sie hatten schlicht nicht genug Geld, um sich Lindendollars einzutauschen, mit denen sie nutzlosen virtuellen Kram kaufen konnten, der in der echten Welt nicht funktioniert. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass sich die SecondLife- Nutzer einen Account bei FaceBook zulegten und nun glauben, sie hätten deshalb Freunde oder irgendjemand würde wirklich mögen, was sie den lieben langen Tag dort an die große Glocke hängen.

Kleine Kinder zeigen ihren Eltern schließlich auch gerne und mit großem Hallo ihre ins Töpfchen gemachte Häufchen. Es ist offenbar auch der explizite Wunsch angeblich erwachsener Menschen, aus jedem kleinen Pups, der einem einmal entfahren ist, etwas gaaanz Großes zu machen. Twitter funktioniert auf ähnliche Weise. Selbst wenn sich die Nutzer einmal pseudojournalistisch betätigen und nicht über ihre eingewachsenen Zehennägel twittern, kommt dabei nur großer Mist heraus (siehe: Boston).

Kann man diesen grenzdebilen Zustand weiter Teile der Gesellschaft kritisieren, ohne einen Blick in deren Lebensrealität zu werfen? Wagen wir es: Sie gehen arbeiten und stellen Dinge her, die niemand braucht, dann bewerben und verkaufen sie diese. An ihrem Arbeitsplatz treffen sie auf Menschen, die dumm herumstehen und wie sie selber darauf warten, fremd- bzw. ferngesteuert zu werden. Mit dem eingesteckten Gehalt wackeln dann alle los und kaufen sich Dinge, die sie nicht brauchen, mit denen sie sich jedoch für die Zumutungen des Erwerbslebens entschädigen möchten.

Tja, vielleicht wird nun deutlich, warum SecondLife nicht funktioniert hat: Der Sinn der Sache war ja wohl, der Realität für ein paar Stunden am Tag zu entkommen, indem man sich ein zweites Leben aufbaut. Als die Nutzer schließlich erkannt haben, dass dieses zweite Leben exakt so aussieht wie das (ir)reale (surreale?), zweite Leben, nämlich die Arbeitswelt, da haben sie es schließlich aufgegeben und sich eine Plattform gesucht, mittels derer man der Arbeitswelt gaaanz in echt entkommen kann. Und das für viele Stunden: Das geht nur mit FaceBook!

Nachtrag: Nun wollte ich meinen Unmut über eine bekannte (ultrabekannte) Social- Media- Seite äußern und habe sie deshalb in FuckBook umbenannt. Nun gibt es aber tatsächlich eine Sexual- Media- Seite namens Fuckbook. Deren Sinn erkenne ich sogar an. Doch hat mein Text nun eine gänzlich andere Bedeutung. Ist korrigiert. Sorry.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Die reine Notwehr! Kinder an die Macht?

Ich musste erst ca. 30 Jahre alt werden, bis ich endlich in Erfahrung gebracht hatte, dass elterliche Prügel nicht allgemeiner Konsens waren, sondern selbst zu meiner Kindheit recht selten vorkamen. Von all meinen Bekannten kenne ich nur zwei Personen, die zu ihrem eigenen Besten gezüchtigt wurden. Selbstverständlich tat es den Eltern mehr weh als den Kindern, schließlich standen sie ja unter enormem, gesellschaftlichem Druck. Kann man sich heute gar nicht mehr ausmalen. Meine Mutter sagt: Wir wussten es nicht besser!

Na denn, man hat jedoch eine Wahl. Ich darf mich rühmen, mein Kind nicht einmal geschlagen zu haben, obwohl Prügel für mich als Kind zur Normalität gehört haben. Irgendwie muss ich geahnt haben, dass es wohl doch nicht so gut ist, wenn man jemanden schlägt, ich weiß es nicht. Wenn ich jedoch ganz ehrlich bin: Meine damals fast zweijährige Tochter hat mich einmal im Zorn geboxt. Ich habe sie daraufhin leicht geschubst, und da fiel sie auf ihren gut gepolsteren Hintern. Das Geheule war groß. Aber es war die reine Notwehr, und hernach hat mich meine Tochter nie mehr geboxt. Waffenstillstand.

Trotzdem hatte ich während einiger ihrer unerklärlichen, endlosen Schrei- und Panikattacken das starke Bedürfnis, sie einfach aus dem Fenster zu werfen. Sie hatte die nervtötende Eigenheit aller Säuglinge, ihren weit klaffenden, lauthals schreienden Mund direkt an mein Ohr zu halten, egal wie herum ich sie hielt. Selbst wenn ich den Arm wechselte, der Kopf wandt sich stets meinen empfindlichen Gehörgängen zu. Aus reiner Hilflosigkeit hatte ich oft nur diesen einen Gedanken: Kind weg, Lärm weg, (aber auch) Freiheit weg: Guter Deal!

Der Trick dabei war jedoch, es nicht zu tun. Ich habe jedoch bis heute großes Verständnis für Väter und Mütter, die ihre Kinder getötet haben: Ich kann die Verzweiflung und Hilflosigkeit, die diese Menschen dazu treibt, wehrlose Kinder zu töten (meist im Affekt) gut nachvollziehen. Was nicht bedeutet, ich würde die Tat gutheißen. Sie kannten bedauerlicher Weise den Trick nicht. Wer hier nun entrüstet die Nase rümpft über solche Gedankengänge, ist ein selbstgerechter und vor allen Dingen unaufrichtiger Mensch.

Tatsächlich habe ich lange Zeit darunter gelitten, solche Gedanken zu haben. Ich schrieb sie der elterlichen Gewalt zu, die sich sozusagen weitervererbt hatte und nur darauf wartete, sich in mir voll zu entfalten. Erst als ich mit anderen Vätern und Müttern darüber gesprochen hatte, war ich beruhigt: Offensichtlich bin ich nicht völlig pervers, sondern gehöre zu einem zwar nicht repräsentativen, aber dafür recht liebevollen, halb perversen Haufen Mensch, der es sich zugesteht, auch einmal böse Gedanken gehabt zu haben und froh darüber gewesen zu sein, den Trick zu kennen, es nicht zu tun.

Warum ich das schreibe? Mir begegnen aktuell einige Menschen, vor allem Frauen, die sich schuldig fühlen, wenn sie ihrem Kind nicht ständig die liebevolle Aufmerksamkeit bieten können. Sind die Kinder unleidlich, haben sie schlechte Laune, echte Schmerzen oder sonstige Probleme, die es ihnen unmöglich machen, einfach nur mal nett zu sein, dann sollen Eltern trotzdem ungemindert ihren Dienst am Kind tun und dürfen keinen Moment an der Liebe zu ihrem Kind zweifeln. So ein Humbug!

Es ist ganz normal, sein Kind zu hassen. Vor allem, wenn es sich hassenswert zu verhalten beliebt. Ebenso normal ist es, sein Kind zu lieben. Die intensive Beziehung zu einem Menschen, egal ob zum Partner oder zum Kind, ist von einem Wechselbad aus Gefühlen geprägt. Alles andere ist emotionale Folklore, ein räudiges Knäuel aus Verlogenheit und Unaufrichtigkeit. Wir lernen aus der Ablehnung und Zusprache durch andere Menschen, uns innerhalb der Gesellschaft zu verorten. Erleben wir nur Zusprache, fehlt uns ein wichtiges Sensorium für die Bedürfnisse andere Menschen.

In diesem Sinne werden Kinder gefördert, ohne ihnen etwas abzuverlangen oder zuzumuten. Das elterliche Unterfangen, dem Kind alles zu ermöglichen, was es sich wünscht und alles auszuschalten, was es nicht wünscht, führt zu dreijährigen Erwachsenen, in deren Welt die Eltern nichts mehr verloren haben außerhalb ihrer Rolle als 24/7 Dienstleistungsgemeinschaft. Erstaunlich ist nicht, dass solche geförderten Kinder, wie sie Frau von der Leyen und Frau Schröder wohl waren, nun darüber befinden dürfen, wie die Eltern heutiger Kinder zu agieren haben. Erstaunlich ist vor allem, dass weite Teile der Gesellschaft diesem Diktat folgen möchte.

Geigen Sie Ihrem Kind mal öffentlich die Meinung: Es findet sich immer jemand, der meint, dass man mit einem Kind so nicht reden darf! Ach ja, aber das Kind darf das? In welcher Welt leben wir eigentlich? Es ist sicherlich gut, dass Kinder heute über ihre Rechte bescheid wissen. Ihre Pflichten bekommen sie schon noch früh genug von der dumpfen Leistungsgesellschaft eingeimpft. Aber Eltern sind ganz gewiss nicht die Prügelknaben der Kleinsten, und im Zweifelsfall (der immer auch ein Gefahrenfall ist) muss das Kind einfach spuren. Und nicht umgekehrt.

Ein paar Beobachtungen gelungener Erziehung: Kleinkinder, die ihre Eltern anherrschen, wenn sie für einen Augenblick nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen. Grundschüler, die maulen, wenn Papa ihnen nach der Schule nicht schnell genug die Schnürsenkel zubindet. Kinder, die ihren Eltern mit Liebesentzug drohen, wenn sie kein Eis bekommen. Alleinerziehende, die ihren Kindern Mitspracherecht bei der Partnerwahl einräumen. Eltern, die sich für ihr "Fehlverhalten" entschuldigen bzw. sich von ihren Kindern maßregeln lassen. Mütter, die ihrem (Klein)Kind geduldig und völlig ruhig erklären, warum es nicht gut ist, ein anderes Kind mit der Schippe zu hauen. Und dann traurig dreinschauen, wenn ihr Kind mitten im Satz weg geht. Und all das nur, weil man glaubt, sein Kind nicht gelegentlich hassen zu dürfen!

Dienstag, 3. Januar 2012

Terroristen und ihre willfährigen Unterstützer! Die Welt ist erwachsenenfeindlich!

kriegswichtig: Barrikaden
Das Zusammenleben von Menschen ist im Grunde denkbar einfach. Auch in Ballungsräumen sollte dies funktionieren: Man denkt sich all die Dinge aus, die einen selber nerven und tut sie deswegen gerade nicht, weil man davon ausgehen kann, dass alle anderen sie ebenfalls nerven. Anders gesagt: Wenn ich nachts um Drei wach werde und mir spontan einfällt, den Küchenschrank anzubringen, dann verschiebe ich das auf den folgenden Tag. Denn ich kann mich noch erinnern, wie ich anderntags zu ähnlicher Zeit zerknirscht an der Türe meines Nachbarn stand und ihn bat, die Musik etwas leiser zu drehen. Alles hat nämlich seine Zeit!

Wenn ich Sonne will, dann fliege ich in den Urlaub und klage nicht über hiesiges Wetter. Wenn ich pinkeln muss, gehe ich auf's Klo. Wenn ich laut spielen will, gehe ich auf den Spielplatz oder auf mein Zimmer. Alles hat seinen Ort. Und auch seine Zeit: Nachts schlafe ich und mein Bedürfnis nach Toberei hat sich aufgelöst in selige Schlummerträume. Wenn ich des Nachts spielen würde, bekäme ich Ärger mit meinen Eltern. Es sei denn, sie gehören zu der Sorte, welche jede Klage über den Lärmpegel mit einem kräftigen: "Hallo? Das ist ein Kind! Das muss überall und jederzeit toben können, sonst nimmt es psychischen Schaden" quittieren.

Kürzlich habe ich eine Reportage über die erste Miss World 1929(?) gesehen. Sie lebte in Wien und kam aus ärmlichen Verhältnissen. Dort, wie überall,  war der Wohnraum sehr beengt, mehrere Leute teilten sich ein Zimmer, so dass die Menschen jede Gelegenheit nutzten, dieser Form familiärer und räumlicher Enge zu entkommen. Sie besuchten schlicht die Cafés ihrer Umgebung und verbrachten dort ihre Freizeit in einer anderen, geselligen und dennoch entspannteren Enge. Daher kommt sie also, die Kaffeehauskultur: Aus dem Bedürfnis nach Ruhe und Erholung vom Alltag, der getrübt war durch den Stress jener Tage.  

Ich kenne Eltern, die es genießen in ein Cafè zugehen, und zwar ohne ihre Kinder. Sie wollen einfach mal ihre Ruhe haben und einen Kaffee geniessen, den sie nicht selber zubereiten müssen. Durchatmen wollen sie mal. Leider können sich viele Eltern, die mit ihren Kindern die Cafés bevölkern, gar nicht vorstellen, dass es so etwas überhaupt gibt: Eltern, die ohne ihre Kinder sind und ihre Ruhe haben wollen. Oder kinderlose Erwachsene, die ebenfalls dem Lärm des Alltags entgehen möchten: Autolärm, Deppenlärm, Kirchenglocken, Maschinenlärm, Hundelärm, Betrunkenenlärm, Kinderlärm und dergleichen mehr. Niemand möchte Kinder von Cafés oder gar Restaurants fernhalten. Aber wenn die Eltern ihren Kindern gütigst soziales Verhalten beizubringen gedächten? Dass nicht überall getobt und gelärmt werden muss?

Die neue Elternschaft fördert ihre Kinder unentwegt, vergisst dabei allerdings, ihnen Grenzen aufzuzeigen. Alles darf: überall und jederzeit! Etwas zu verweigern oder zu verbieten bereitet seelischen Schaden. Das Kind könnte weinen! Und dann? Sehen Sie? Wir wollen doch nicht, das ein im Konsumparadies aufwachsendes Kind weinen muss. Wie herzlos sind Sie denn? LehrerInnen und ErzieherInnen tun mir schlicht leid: Sie haben es demgemäß mit egozentrischen, soziopathischen und besserwissenden Kindern zu tun, die gleich mit dem Anwalt der Eltern drohen, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt.

In einem Kurzurlaub saß ich mit meiner Freundin am gedeckten Kaffeetisch, als eine Mutter - Typ: ich fühle mich leer und ausgebrannt, komm' lass' uns Kinder haben - mit ihren kleinen Kindern ankam und sich mit ihnen auf die Suche nach einem verloren gegangenen Plastikarmband machte. Sie scheute nicht davor zurück, ihr Problem dem gesamten Personal zu erläutern und es in die Suche einzubeziehen. Selbst wir wurden einbezogen. Lieber hätte ich in Ruhe meinen Kuchen gegessen. Aber damit war's nun essig. Dabei haben mich nicht einmal die Kinder gestört. Die Mutter hätte ich allerdings am liebsten gelyncht. Hat die sonst nichts zu tun?

Oder gehen Sie einmal in einen Biosupermarkt: Dort gibt es auch diese Kindereinkaufswagen und viele bewegte Mamis und Papis mit ihren geförderten Kindern. Es gibt auch super gestresst aussschauende Verkäuferinnen und Kunden, die einfach nur einkaufen möchten. Leider fahren die Kinder mit den Kindereinkaufswagen ein Rennen zwischen den Supermarktregalen. Ihre Eltern unterhalten sich derweil über die Unausweichlichkeit von geschlechtsspezifischem Spielzeug. "Da kann man nicht dagegensteuern, da hilft nichts." Währenddessen fährt mir ein Kindereinkaufswagen voll in die Hacken. Es tut weh, ich schreie kurz auf, doch das Kind sieht in mir nur ein zu vernachlässigendes Hindernis im Parcours. So geht's die ganze Zeit. Und als eines der Kinder sich stößt und laut aufheult, da freue ich mich diebisch. Ätsch! Mutti tröstet das heulende und schluchzende Kind. Die Verkäuferin verdreht nur noch die Augen nach oben.

Die Welt ist längst nicht mehr kinderfeindlich. Sie ist erwachsenenfeindlich. Und das in Zeiten, in denen die Jobs unsicher sind, die Anforderungen an die ArbeitnehmerInnen unverschämt und das Leben sich um Vieles verkompliziert hat im Vergleich zu früheren Tagen. Raum und Zeit zum Nachdenken tut Not. Umso erstaunlicher, wie sich manche Eltern zu den Sklaven ihrer Kinder machen und diese auch ihre nächste Umwelt unterjochen lassen. Wer heute noch fordert, Kinder mögen die Welt regieren, der nimmt Despotie und Willkür in Kauf. Man muss dabei an wohlerzogene Kinder anderer Generationen gedacht haben. Diese Terroristen heutzutage und ihre willfährigen Unterstützer können damit jedenfalls nicht gemeint sein.

Donnerstag, 8. September 2011

Brunzdumm! Schule als posttraumatisches Erlebnis!

In einem wiederkehrenden Traum finde ich mich in einer Fachoberschule wieder, an der ich meine Hochschulreife erwarb. Ich bin dort explizit NICHT nackt, so gerne das manche Leserinnen und Leser wohl hätten. Ich bin ordentlich gekleidet und frage mich immerzu, während ich einen Test schreibe, warum zur Hölle ich da wohl bin. Schließlich, das weiß ich stets, habe ich längst mein Diplom und mein Abi und all das. Im Traum fühle ich mich völlig unmündig.

In der Traumdeutung hieße das wohl, dass man sich unversehens jeder Verantwortung über sich und sein Geschick enthoben sieht. Die Schule als Institution der Willkür ist symbolisch bestens geeignet dazu. Ausgeliefert an Lehrer, die sich Pädagogen nennen dürfen, weil sie zwei Semester lang zwei Doppelstunden je Woche Pädagogik studiert haben und sich erst nach dem ersten Examen vor Publikum erproben dürfen, bekommt der Schüler jeden selbständigen Gedanken gründlich ausgetrieben.

Der menschliche Drang, zu lernen und zu verstehen, wird durch überwiegend unfähige Lehrerinnen und Lehrer und viel Bürokratie, verschüttet. Ein Beispiel: Nachdem der "Lehrkörper" (klingt dass nicht nach der Nazibande um Adolf Hitler?) an meiner Realschule festgestellt hat, dass es zu oft hitzefrei gäbe, hatte man zuständige Stellen so lange belabert, bis automatische Jalousien eingebaut wurden, die, so die Theorie, die Sonne verdunkeln und die Klassenzimmer angenehm kühl halten sollten.

Leider durften die Dinger beim geringsten Wind nicht heruntergefahren werden, da sie sonst verhaken würden, so die Legende. Da es bei großer Hitze nun aber auch immer ein bisserl windig ist, konnten die Jalousien praktisch nie ihre Aufgabe erfüllen, so dass es in den Klassenzimmern entsetzlich heiß wurde. Nun da es aber theoretisch Jalousien gegeben hat, die theoretisch die Sonne verdunkeln gekonnt hätten, es aber praktisch nie taten, gab es auch ganz praktisch niemals nie mehr hitzefrei.

Auch wurden öfter die Jacken von Schülerinnen oder Schülern geklaut, die draußen auf dem Flur hängen mussten. Man durfte die Jacken nicht mit ins Klassenzimmer nehmen. Der Vorschlag, die Kleiderhaken im Klassenzimmer anzubringen, wurde mit der Begründung abgewiesen, dass während der Unterrichtszeit gar niemand Jacken klauen könne wegen ist nicht. Der Lehrkörper konnte es sich schlicht nicht vorstellen, wer welche Jacken wie klauen könnte und hat schlicht befunden: Es kann nicht sein was nicht sein darf!

Man soll nun nicht glauben, dass sich Schule innerhalb eines viertel Jahrhunderts grundlegend geändert hat. Wenn man beruflich mit Schulen zu tun hat, oder gar als Elternteil, dann darf man erleben, wie völlig lebensfern und ignorant der "Lehrkörper" ist. Erwachsene können von Lehrern übrigens innerhalb weniger Minuten genauso zum ewigen Klassendepp abgestempelt werden wie es wahrscheinlich auch in jeder Klasse zwei oder drei SchülerInnen gibt, denen dieses Stigma bis zum Ende ihrer Schulzeit anhaftet.

"Ah ja, der Herr von Bald! [genüsslich die Vokale dehnend], da gibt es ja so einige Kollegen (sic!), die sich gerne mal mit Ihnen unterhalten würden! Jaja..." Und das bloß, weil ich erwachsene Berufsschüler regelmäßig gegen institutionelle Willkür aufhetze und die mich dann verpetzen. Obwohl es innerhalb jeden Kollegiums auch wahre Perlen der Lehrkunst aufhalten, sie sind in der Minderheit. Man darf mit Fug und Recht behaupten: Lehrer und Lehrerinnen sind nur in der kleineren Teilmenge brauchbar. In der Schnittmenge aber sind sie unerträglich blöde!

Deswegen verstehe ich auch nicht das Brimborium, mit dem Eltern die Schulkarriere ihrer Kinder veredeln wollen. Nun gut, man stelle sich wirklich die Frage, ob man sein Kind in der Schmuddelschule um die Ecke oder lieber an einer Schule weiter weg mit weniger "Ausländerkindern" und den "damit verbundenen Aggressionen" anmelden soll. Man darf sich ruhig fragen: Wo soll mein Kind zur Schule gehen, wo lernt es was?

Eine Bekannte äußerte kürzlich Bedenken, ihr Kind an der verordneten Schule im Kiez anzumelden, da auf dem Schulhof so eine aggressive Atmosphäre herrsche. Und der Grund für diese Atmosphäre ist nicht etwa ein unfähiger Lehrkörper, sondern allein die Tatsache, dass 99% aller Schüler und Schülerinnen nichtdeutscher Herkunft seien. Pardon, sage ich da, wenn ich Aggression und Herkunft in einen Topf werfe, dann ist wohl das Vorurteil die Mutter der Gefühle.

Ich jedenfalls konnte an dieser Schule keine aggressive Tendenzen feststellen, jedenfalls nicht mehr als an anderen Schulen auch. Vielmehr sehe ich dort spielende und lachende Kinder. Und wenn eines hinfällt, dann weint es. Ein weiteres Kind ist auf ein anderes Kind wütend und boxt es. Vielleicht ist es komisch, wenn das Kind liebender Eltern das einzige blonde an der Schule ist. Doch wer Kinder hat, mutiert eh so ein bisschen zum Nazi-Blockwart und Denunzianten, machen wir uns nichts vor!

Wenn dann aber sämtliche (deutsche) Eltern einer Kita die betreffende Schule boykottieren, statt sämtliche (deutsche) Kinder dahin zu schaffen, und sie ihre Zeit lieber mit völlig blöder Herumfahrerei verbringen, statt sie für die Interessen ihrer Kinder an der hiesigen Schule einzusetzen, dann muss man diese Leute für brunzdumm halten. Ehrlich! Denn an anderen Schulen gibt es andere Arschlöcher, die ihre Mitschüler terrorisieren und ihnen die Milch klauen. Deutsch oder nichtdeutsch ist daher gar nicht die Frage, und Kinder deutscher Herkunft sprechen auch nicht automatisch das bessere Deutsch.

Ich jedenfalls [genüsslich gedehnte Vokale] würde mir zuallererst die Lehrer anschauen.

Samstag, 2. Juli 2011

Devote Fremdenführer und schlunzige Eltern! Mondäne Orte sind Spielplätze nicht!

sicher bald gentrifiziert
Ja es ist wahr: Sie gehen auf die Nerven! Touristen richten ihren Blick auf alles, was der Eingeborene verachtet: Sehenswürdigkeiten und andere Grässlichkeiten wie in Tourismuszonen verwandelte Straßenzüge und Boutiquen, in denen man angebliche Reste der Berliner Mauer in Tüten abgepackt zu kaufen bekommt.

Weil sie aber so egalitär auf den Alltagsverkehr reagieren, der ihnen vor lauter Aaahs und Ooohs sowieso nicht vorkommt, sind Zusammenstöße unvermeidbar. Vor allem im Pulk auftretende Touristenhorden trotten wie eine Herde Schafe dem Leithammel hinterher und sehen nüscht außer: den Ausblick von der hundertsten Berliner Brücke, auf den 500sten Straßenmusiker und in den 1000sten H&M, der vielleicht doch nicht ein und dasselbe verkauft wie der in Hinterwaldbach-Überdingen, so wie immer behauptet wird.

Man möchte den in identischen T-Shirts auftretenden Horden gerne zurufen: Wir sind hier nicht in der Schwäbischen Alp und auch nicht im Pfälzer Wald, wo man Glück haben muss, will man anderen Menschen auf dem Weg begegnen. Berlin ist eine gefährliche Stadt voll mit Leuten darinnen, mitunter aggressiv, und die möchten nicht umgemöbelt werden von Rollkoffer hinter sich herziehenden Massentouristen, und ihr Bier will auch nicht von sich abrupt umdrehenden Rucksackträgern vom Tisch gefegt werden.

Nachhaltiger Tourismus wäre die Lösung: Es wäre schön, würden die Fremdenführer nicht nur von der schnoddrigen Berliner Schnauze erzählen, sondern auch von den pöbelnden Unmenschen hier, die gerne mal was auf's Maul geben, wenn geführte Radlergruppen zu fünft nebeneinander in 20 Reihen, mit dem Fahrbier in der Hand, die stark frequentierte Straße entlang schleichen. In jedem Dschungel wird man vom Fremdenführer gewarnt: Don't go alone! Don't talk loud! Be careful with the Tiger! Hier in Berlin lässt man sie ins Unglück stürzen.

Die Fremdenführer in Berlin sind einfach zu devot: Es könnte ja ein Tourist beleidigt sein und zurück in seinem Dorf Schlechtes über die Stadt berichten. Diese Angst ist unbegründet: Meistens finden die Leute Berlin gaaanz toll! Die Jungen wollen eh nur Ballermann in der Hauptstadt, und die Älteren und die Alten wollen ausschließlich Kultur und billig essen. Sie finden die Armut und die Alkoholiker zwar ganz schlimm, doch klingt auch stets die Faszination für das gesehene Elend durch.

Die Touristen sind nicht für die Gentrifizierung der Berliner Stadtbezirke verantwortlich. Sie bringen Geld in die Stadt, die ja nur den Tourismus hat und keine nennenswerte Industrie. Sicher werden vermehrt Ferienwohnungen angeboten, was den Wohnraum für die Einwohner verteuern mag. Und man traut sich als Neuköllner kaum noch etwas zu fotografieren, weil man sonst für das gehalten wird, was man selbst bemitleidet: Für einen Touristen, der es sämtliche Schaufenster und jede Straßenlaterne für wert befindet, in das Mobilfunktelefon hinein geknipst zu werden.

Schlimmer als die Touristen sind nämlich die, die keine mehr sind, weil sie sich dazu entschieden haben, in die hippen Bezirke Berlins zu ziehen. Sie bezahlen viel zu viel Miete, weil sie nicht so sehr auf's Geld achten müssen und kriegen dann ökologisch gezeugte Kinder, die sie zuhause auf's Podest stellen und sie tagein, tagaus frühfördern, bis denen die Empathie aus dem Gesicht fällt und sich psychopathische Grundmuster in ihren Gemütern ausbilden.

Wer nun aber Kinder hat und auch Arbeit, muss morgens früh raus aus den Federn. Und damit ist eben Schluss mit dem hippen Abgefeiere im Kiez. Man hat ja nichts gegen Parties und Kneipen und all das, aber um 22Uhr ist bitte Ruhe da draußen, jaaa?

Das schlimmste Ritual, dass der Neuberliner aus der Provinz mitbringt, ist der auf den Fenstersims krachende Rolladen und der beherzte Griff zum Handy mit der fest eingespeicherten Klage wegen Ruhestörung. Ganz freihaus bekommt man sozusagen die Unsitte des ländlichen Bürgersteig-Hochklappens in die Nachbarschaft gepfropft.

Wenn sie dann einmal frei haben, sonntags zumeist, terrorisieren die Neuberliner den Kiez mit ihren verzogenen Blagen mit all diesen altdeutschen Namen. Dann bevölkern sie die Eiscafés, Spielplätze und Bioläden der Stadt und lassen ihre Kinder toben, weil die sich nun mal überall entfalten müssen. Sie könnten sich ja sonst zu rücksichtsvollen Wesen entwickeln, verböte man es ihnen.

Ungeachtet der armen Bedienungen und Bediensteten, die nach zwei Jahren Routine schon längst taub sein müssen, selbstredend. Sagt einer was, heißt es nur: Das sind halt Kinder, die müssen sich austoben. Ja, sag' ich. Aber nicht hier! Geht auf den Spielplatz, Ihr Banausen! Dann bin ich auf einmal ein Kinderfeind.

Kürzlich hat mich eine dieser Rotznasen mit dem Kindereinkaufswagen (!) beinahe umgemäht, als sie damit um die Ecke gerannt kam. Ich konnte gerade noch zur Seite springen und war fassungslos. Dann kam ein zweites Kind mit Einkaufswagen hinterher. Der Verkäuferin, welche die Regale einpflegte, sah man die Kopfschmerzen direkt an, die sie durch diese und andere sich irgendwann nunmal austoben müssenden Kinder bekommen hatte. Als die beiden Rotznasen aus unerfindlichen Gründen plärrend zu ihren Ökomüttern rannten, hellte sich ihr Gesicht für einen Moment schadenfroh auf. Wir wurden für kurze Zeit zu Komplizen.

Es gibt übrigens kaum noch Restaurants oder Cafés, die nicht explizit kinderfreundlich sind. Damit sind erwachsenenfreundliche Orte per se abgeschafft. Überall gibt es Spielzimmer, Kuschelecken und sonstiges Gedöns. Ich aber will einfach in Ruhe essen oder Kaffee trinken. Was ist so abartig an der Vorstellung, dass Kinder einfach einmal für eine halbe Stunde leise sein sollen? Mir tun ja jetzt schon alle LehrerInnen leid, die all diesen zappelnden und kreischenden Kinderterroristen irgendwas beibringen sollen.

Weil aber die dooferen unter den Eltern ihre Kinder noch dazu lieber wegschicken, als sich zu ihnen zu setzen und zu beaufsichtigen, rennen die Kinder zwischen den Räumen lärmend hin und her. Mal gibt es Streit, mal hat ein Kind Sehnsucht, immer ist irgendwas. Vor allen Dingen ist es immer sehr laut, dieses Irgendwas. Das stört jeden noch so freundlichen Gast! Es ist ärgerlich, wie die Großzahl der Eltern ihr persönliches Glück zwar privatisieren, den Ärger und den Unmuß aber sozialisieren. Entschuldigen Sie, aber ich bin etwas ungehalten.

Auf den Spielplätzen macht sich eine gewisse Schlunzigkeit breit. Die Neuberliner Eltern tragen ihre pastellfarbenen Marken-Wanderjacken und sind damit für jede Trecking-Tour und jedes Spielplatzwetter in Berlin gewappnet. Die Altberliner und die Mediokren sind anders schlunzig gekleidet: Kleid bzw. Rock über Hose, Trainingsjacken, Kapuzenjacken, Schlabberjeans, geblümte Küchenschürzen über Strumpfhosen und dergleichen mehr.

Sicher, Kinder schmutzen stark, und besonders mondän sind die Spielplätze auch nicht. Aber man muss sich deswegen ja auch nicht gleich gehen lassen, finde ich. Scheinbar hat man sich diesen Schmuddellook angewöhnt, als die Kinder noch auf den Kragen gespuckt haben beim Bäuerchen. Dann hat man das teure Hemd halt nicht mehr getragen, und auch die Jacke nicht. Man ist deswegen immer mehr verschlunzt, und womöglich ziehen manche Eltern schon gar nicht mehr ihren Schlafanzug aus.

Liebe Eltern: Die Kinder erbrechen ihr Essen ab einem bestimmten Alter nicht mehr auf Eure Anziehsachen! Ihr könnt Euch wieder ganz normal anziehen und die Männer können die Gesichter auch ein wenig rasieren. Und etwas Sport machen. Ihr seid fett! Und wenn Eure Kinder nicht jeden Tag ein Eis bekommen, sterben sie nicht! Zieht Euch endlich wieder ordentlich an. Das ist ja nicht mehr mit anzuschauen. Zwischen Lässigkeit und Nachlässigkeit verläuft nur ein schmaler Grat. Ihr habt ihn überschritten! Schon längst!

Sonntag, 13. Februar 2011

Hier nur zulässige Vergleiche: Hund und Kinder und deren BesitzerInnen!*

Meine Mitbewohnerin wünscht sich sehr einen kleinen, nicht allzu überzüchteten Hund. Mir selber wird vom Geruch eines Hundes speiübel, ich ekele mich sehr und ich meide die Tiere - in der Regel auch deren BesitzerInnen - wo es nur geht. Ich kann K schlecht verbieten, sich einen Hund anzuschaffen. Eine Hundeneuanschaffung würde bedeuten, dass ich aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen müsste.

Um ihren Hundewunsch zu kompensieren, schloss K Freundschaft zu einer frisch eingezogenen Hausbewohnerin, die ein eigentlich recht hübsches Kerlchen von Hund ihr eigen nennt und das gegebenenfalls zum temporären Betreuungsfall wird, diesen zu übernehmen sich K freudig angeboten hatte. Der Hund ist nun zeitweiliger Gast in unserer Wohnung, wobei K nur darauf zu achten hat, dass er Küche, Bad, Arbeitszimmer und meinem Zimmer fernbleibt. Das mag etwas pedantisch erscheinen. Was Hunde betrifft, bin ich es nun mal besonders stark.

K ist eine äußerst freundliche und zurückhaltende Frau. Der scharfe Ton liegt ihr nicht im Blute. Die Besitzerin des Hunde gibt offen zu, dass ihr Hund nicht erzogen ist. K versucht sich daran, scheitert aber: Ihre Kommandos dem Hund gegenüber klingen gelinde gesagt mehr wie ein überdenkenswerter und gutgemeinter Rat, aber nicht wie ein Befehl. Hunde funktionieren nicht so: Sie sind dem offenen Diskurs gegenüber verschlossen und setzen unbeirrt ihren eigenen Willen durch. Wieviele Herrchen und Frauchen sind tatsächlich die Alphawesen in der Hund-Mensch-Beziehung?

Im Grunde sind Kinder genau wie Hunde. Mit der Ausnahme, dass man gemeinhin erwartet, dass sich diese jungen Menschen dereinst zu einem eigenständigen sozialen Charakter entwickeln. Dieses Stadium wird der Hund nie erreichen. Dafür muss er aber später nicht arbeiten gehen. Andererseits werden heute geborene Kinder als Erwachsene wahrscheinlich gar nicht arbeiten dürfen. Wie auch immer.

Ein Kinder- oder Hundewunsch sollte auf jeden Fall gut durchdacht sein. Man sollte sich die Frage stellen, ob man tatsächlich in der Lage ist, zum Besseren des Kindes oder des Hundes klare und unmissverständliche Anweisungen zu geben. Ein Kind, das beständig und lachend den Spielplatzbereich verlässt, um die Eltern zu foppen, dafür aber droht auf die befahrene Straße zu laufen, muss deutlich spüren, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Da hilft schimpfen viel mehr als dem evtl. 2jährigen geduldig und vor allem ruhig zu erklären, warum er auf dem Spielplatz bleiben soll. Kinder haben keine Vorstellung vom Tod und ihr Aktion-Reaktion-Verständnis entspricht in der Regel der Handlung eines Fernsehcartoons.

In der Straßenbahn fühlte sich kürzlich ein mittelalter Herr offenbar von dem Kind eines Pärchens gestört. Dieses Kind hatte tatsächlich die ganze Zeit laut gesprochen, mal geschrien und auch gesungen. Der Herr sagte zu dem Kind, es könne doch auch mal ruhig sein. Ich fand diese Ansprache berechtigt und fand den stark berlinernden Mann auf Anhieb sympathisch. Der Vater des Kindes jedoch protestierte und behauptete, sein Kind sei eben lebhaft. Das könne man einem Kind ja wohl kaum verbieten usw.

Ich finde, man kann das wohl. Die Welt, sie ist kein riesengroßer Spielplatz. Kinder sollten durchaus lernen, wie man sich wo verhält. Im Restaurant wird gesessen und gegessen. Auf dem Spielplatz und im Haus wird getobt. In der Straßenbahn wird leise gesprochen und gekichert. Auf dem Fest wird anderen Leuten laut ins Ohr gebrüllt. Man nennt es Rücksicht. Solche Sachen sollten Kinder lernen.  Die Welt ist ohnehin voll von egomanischen Deppen. Wer sein Kind nicht erzieht, entlässt irgendwann einmal einen egomanischen Deppen in die Welt. Das ist Gesetz!

Von Eltern erwarte ich deshalb schlicht und einfach, dass sie ihre Kinder erziehen. Ich möchte rücksichtsvolle und umsichtige Schlaulis um mich herum haben. Da gehört die Zurechtweisung bei Fehlverhalten bzw. Störung einfach dazu. Und wenn das Kindchen dann weint, ach gottchen, dann nimmt es die Zurechtweisung wenigstens ernst. Das ist doch auch schon was. Wenn aber Eltern lediglich ihrem Fortpflanzungstrieb frönen und nur ihr persönliches Glück auf die private Seite ziehen, die negativen, lästigen Sache aber der Allgemeinheit überlassen, dann müssen sie es sich gefallen lassen, wenn andere intervenieren.

Nun zum Hund: Wer einen Hund hat, zieht ebenfalls einen Nutzen - welchen auch immer - daraus. Wer ihn auf den Gehsteig kacken lässt und den Haufen nicht entfernt, also den (Distinktions)Gewinn privatisiert und die Lasten sozialisiert, soll sich bitte niemals wieder über irgendwelche Bänker oder Manager beschweren. Und die paar Ocken, die HundebesitzerInnen an den Staat abdrücken, befreien noch lange nicht von lästig empfundenen Pflichten und Verantwortung. Die verrechnet sich eh mit der reduzierten Umsatzsteuer für Tiernahrung.

*Dieser Text ist werdenden Eltern und zukünftigen HundebesitzerInnen gewidmet

Sonntag, 10. Oktober 2010

Auf dem Boden der Tatsachen: Ernüchterndes aus der Welt der Kinder!

Wir leben in einer kinderfeindlichen Gesellschaft! Jährlich ist diese Behauptung ein paar Schlagzeilen wert, und viele Eltern würden ihr zustimmen: Denn dauernd beschweren sich ein paar grantige Rentner und Ärzteehepaare wegen dem Lärm, den Kinder nun mal zu emittieren in der Lage sind. Außerdem wären Kinder immer noch Karrierebremsen. Doch bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen:

Das Kinder und Job nicht wirklich zusammengehen, ist allein kein Zeichen für eine kinderfeindliche Gesellschaft, sondern eine Frage der gesellschaftlichen Organisation von Arbeit. Wer im Kapitalismus Kinder in die Welt setzt, muss das wissen. Denn Naivität ist dort nicht gefragt: Kinder bringen nur dort einen Nutzen, wo man sie gewinnbringend einsetzen kann - zum Beispiel durch Veräußerung. Fragen Sie dazu Madonna oder Angela Jolie, die statt Prada in den reichen Metropolen nun in armen Ländern Kinder shoppen gehen.

Überall dürfen Kinder ungestört Lärm machen und sich austoben. Sie lärmen ungehindert in Cafés, in Arztpraxen, in Wohnungen, auf Spielplätzen und auch sonst überall, und wirklich niemand fordert von ihnen Einhalt. Dabei sitzen deren Eltern bräsig neben dran und finden es unglaublich kinderfeindlich, wenn man zum Beispiel in einem Café, das man besucht um einmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken, ein Kind dazu auffordert, sich etwas zu mäßigen. Ich finde es schon unglaublich, dass man da überhaupt etwas sagen muss. Ruhe sollte selbstverständlich sein.

Eltern haften für ihre Kinder! Letzten Endes haben die sich, aus welchen Gründen auch immer, für Kinder entschieden. Dann dürfen sie nicht erwarten, dass sich alles nach ihnen und ihrer Brut richtet. Als Kind habe ich gelernt, dass man an bestimmten Orten leise sprechen muss, behände zu laufen (also nicht zu trampeln), und dass ich nicht alles haben kann, was ich möchte. Oft war ich beleidigt oder ich habe geweint, wenn ich glaubte, meine Interessen seien nicht ausreichend beachtet worden. Ich habe es überlebt und bin nun ein ganz passabler Zeitgenosse mit einem gesunden Gefühl für Ruhepausen und Muse.

Ich sehe es allerdings nicht ein, dass ich zu hause bleiben muss, bloß weil Familien den öffentlichen Raum okkupieren und Terrorregime nebst Terrorregime errichten. Wir leben nicht in einer kinderfeindlichen, sondern in einer erwachsenenfeindlichen Welt! So sieht es nämlich aus! Erwachsene, ob mit oder ohne Kinder, müssen sich endlich von der Kinderherrschaft emanzipieren und lernen, ihre persönlichen Bedürfnisse zu schätzen. Eltern müssen damit aufhören, sich nur noch über ihre Kinder zu definieren und ihnen alles an den Arsch zu tragen, wenn sie auch nur glucksen. Wenn sie einmal "kinderfrei" haben, sollen sie auch nicht über ihre Kinder sprechen, sondern über etwas ähnlich Wichtiges. Und sie sollten sich darüber Gedanken machen, warum sie die überhaupt haben wollten. Hier ein paar ernüchternde Erklärungen dazu:

1. Kinder als Accessoire: Für viel mehr können Kinder gar nicht mehr herhalten. Seit Frauen und Männer erfolgreich verhüten können, gibt es eigentlich gar keinen altruistischen Grund mehr, Kinder zu bekommen. Ich habe noch nie einen wirklich plausiblen Grund genannt bekommen, warum es notwendig sein sollte, ein Kind in die Welt zu setzen. Aber irgendwie scheint es dazu zu gehören, so wie ein eigenes Haus, ein Auto, einen guten Job, tolle Visitenkarten, Mitgliedschaft im Tennisverein und dergleichen mehr.

2. Ich leiste damit einen Beitrag zur Sicherung der Renten und sorge durch Kindererzeugung dafür, dass die Art erhalten bleibt: Derart rassistisches Gedankengut ist weit verbreitet. Und den dahinter steckenden Altruismus nimmt einem sowieso keiner ab, der bei klarem Verstand ist. Davon abgesehen: Wie sollen die zukünftigen Arbeitslosen unsere Renten sichern? Hier steht allenfalls der egozentrische Trieb dahinter, sich in irgendeiner Form, zur Not auch auf Kosten des Nachwuchses, selbst zu vergewissern und so einen Distinktionsgewinn zu erzielen. Und sich als Märtyrer für die Gesellschaft aufzuspielen. Das ist ja so perfide!

3. Kinder geben so viel und machen die Welt zu einem besseren Ort: Kinder würden, wenn sie könnten, ihre Eltern ohne schlechtes Gewissen (das ist noch nicht voll entwickelt) aufessen. Wer glaubt, dass Kinder die besseren Menschen sind, der kommt durch Beobachtung einer Kindergruppe zu völlig falschen Ergebnissen: Kinder sind absolute Faschisten, nein - viel schlimmer - sie sind in ihrer Unbarmherzigkeit vollkommen willkürlich und daher unberechenbar. Hitler, Mussolini, Salazar, Franco, Baby Doc, Pinochet, Walter Mixa etc.: Sie alle würden blass erscheinen in einer von Kindern regierten Welt! W. Goldings "Herr der Fliegen" war eben kein Roman der Fiktion!

4. Es gehört zu meiner Bestimmung als Frau, Kinder in die Welt zu setzen! Die biologische Uhr tickt: Diese Uhr ist aber gar nicht biologisch. Sie ist eine gesellschaftliche Uhr. Der Druck der Gesellschaft auf junge Frauen ist enorm. Staat, deren Eltern, Religionsgemeinschaften - sie alle sehen in der Frau nur eine Gebärmaschine. Andersrum: Wenn alle Frauen wirklich Kinder haben wollten, warum gibt es dann eine Vielzahl von Verhütungsmitteln? Außerdem: Befragen sie doch mal Frauen aus ärmeren Verhältnissen, gerne auch in anderen Ländern, zu diesem Thema. Kinder zu bekommen ist hierzulande wohl eher die Flucht vor der beruflichen hinein in die private Verantwortung. Oder so: Wer beruflich scheitert, wird schwanger! Warum aber nicht einfach scheitern und hinterher ohne Kind das Leben genießen?

5. Die Pille / der Coitus Interruptus/ die Spirale / das Kondom hat versagt. Ich wollte eigentlich kein Kind. Nun ist es da! Hilfe! Die einzig wahre Art, ein Kind zu bekommen: zufällig, by accident. Nur so kann sich eine vernünftige Grundhaltung zum Kind entwickeln! Kein Podest wird aufgebaut, auf das es gestellt werden könnte. Die Eltern projizieren nicht ihre eigenen Sehnsüchte und Wünsche in ein Kind hinein und lassen es sein, was es ist: Ein neuer Mensch, der ordentliches Strippenziehen benötigt, um später nicht allzusehr asozial zu werden. Und schließlich wird dafür gesorgt, dass man selber auch noch eine bisschen Freude im Leben hat. Kinder sind doch ach so normal! Warum sollte dann mit ihnen kein normales Leben mehr möglich sein?

Leider vergessen viele Eltern, ihre Kinder zu erziehen. Sie fördern sie lieber. Ist auch leichter so: Förderung geht ja nur von den Stärken aus, da ist Kritik an den Schwächen nicht gefragt. Das Kind könnte ja sonst weinen. Wenn also ein Kind ein beknacktes Arschloch ist, aber irgendwie musikalisch begabt, dann fördert man die Begabung und hat am Ende ein musikalisch minderbegabtes, erwachsenes Arschloch im Elternhaus sitzen, dessen einzige Form der gesellschaftlichen Auflehnung darin besteht, sich möglichst lange dem Schweinesystem zu verweigern, indem es den Eltern auf der Tasche liegt (deren Einkommen freilich aus demselben System entspringt).

Hätte man doch lieber an dem Arschlochsyndrom gearbeitet! Nun ja, jede Gesellschaft hat die Kinder, die sie produziert. Nun sind es eben Kinder, die alles besser wissen als die Erwachsenen und die vor Selbstbewusstsein strotzen. Dumm nur, wenn es dafür überhaupt keine Grundlage gibt. Zu meiner Zeit musste man spätestens nach dem Angeben auch etwas beweisen. Heute reicht es aus, sich zu präsentieren, um andere glauben zu machen, dass man etwas kann. Auch hier wäre etwas Kritik am Unvermögen der Zöglinge vonnöten gewesen.

Extremes und vor allen Dingen dauerndes Geschrei wird zudem als oberstes Gebot der Selbstpräsentation betrachtet. Die Eltern sind sich allerdings zu schade, ihren Kindern die Grundformen gesellschaftlichen Konsenses beizubringen. Kaum ein Elternteil, dass sein Kind einmal zur Stille gemahnt. Oder das in der Lage ist, seinem Kind etwas zu verwehren, weil es sonst weint. Ach Gottchen, Kindchen darf nicht weinen! Willst Du ein Eis, hmmmm?

Wer auf die Idee gekommen ist, dass es schädlich ist, wenn ein Kind weint, traurig ist oder einfach mal still in der Ecke sitzt, der gehört standrechtlich erschossen. Kinder darf man nicht anschreien, man darf von ihnen nicht erwarten, dass sie sich erträglich benehmen, man darf sie nur fordern, wenn es um schulische Leistungen geht und man darf deren erbärmliches Kindergeschwätz auch nie unterbrechen. Und man darf keinerlei Kritik formulieren, sonst durchleben Kinder Trauma auf Trauma.

So ein Quatsch! Natürlich darf man all das tun, und Traumata gehören zur Entwicklung eines jeden Menschen. Wer Kinder vor Traumata bewahrt, der verwehrt ihnen jede persönliche Reifung. Das wäre der Gipfel der Lieblosigkeit, getarnt als Güte. Eltern müssen, wenn sie schon Kinder haben mussten, knallhart sein können. Sonst tanzen ihnen die kleinen Terroristen auf der Nase herum und stehlen ihnen den letzten Rest selbstbestimmten Lebens. Eltern müssen ihrem Kind gegen jede Quengelei das tägliche Eis verbieten können und ihren Kindern abverlangen, sich einmal mit sich selbst zu beschäftigen.

Eltern sind eben keine Dienstleister, und Kinder sind keine Kunden. Die einen haben auch noch ein Leben, und die anderen müssen auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. Da muss vermittelt werden. Und je weniger Ratgeber man sich zu diesem Vermittlungsprozess kauft, desto besser. Am Ende zählt nämlich nicht, wer seine Kinder am Lässigsten oder am Strengsten erzogen hat, sondern wer sie am Besten auf die Anforderungen der Gesellschaft vorbereitet hat - mit einem Quäntchen Kritikbewußtsein selbstredend.

Übrigens: Kinder wissen es zu schätzen, wenn man sich mit ihnen mal so ordentlich streitet! Und sie sterben nicht, wenn sie nicht sofort alle ihre Wünsche erfüllt bekommen. Sie freuen sich vielmehr, wenn ab und an mal einer gewährt wird. Und das kann dann auch ein Eis sein. Zuviel von allem raubt jedoch die Freude daran und steigert das Anspruchsdenken! Und Ansprüche sind immer so langweilig wie jene, die sie formulieren.

Hugh, ich habe gesprochen!

Sonntag, 23. Mai 2010

Entspannt Euch, Ihr Stadtspinat! Pull Trigger: Click Kill Kill Kill!

Ach ist es nicht schön? Reinstes Frühlingswetter treibt uns hinaus, lässt uns irren in der Wahl der Kleidung (doch noch zu leicht, mein Rock und meine Bluse, ich friere, und die Härchen an meinen Armen stellen sich leicht auf). Wir erfreuen uns auch an der tendenziell steigenden guten Laune anderer Menschen. Mit nichts an als mit einem guten Buch setzt man sich also an ein sonnenbeschienenes Ufer oder auf eine Parkbank und lässt gut Ding lange Weile sein. Betrachtungen sind des Königs neue Kleider, und sie stehen ihm so gut, dass der König keine Ohrstöppsel braucht, um sich Gesehenes oder Gehörtes wegzudröhnen.

Derweil dieses hier geschrieben wird, sitze ich natürlich an keinem Ufer und auf keiner Parkbank, und selbstredend höre ich Musik, in diesem Falle die "Kolossale Jugend", altehrwürdige Band aus Hamburg, lange schon tot, aber mit jeder Silbe und jedem Ton die Wahrheit sprechend. Gestern Erlebtes will sich hier in die Zeilen drängen und schlägt mir zum Behufe desselben  eins in die Fresse, fingert mir ins Gesicht, Aufmerksamkeit erheischend: schreib schreib schreib, schreib Du Stadtspinat! Dieser Text ist keine Party!

Gestern (noch kein Krieg): Da sitze ich also alleine auf einer der großteils abgeschraubten Parkbänke am Paul-Linke-Ufer, diese Angeberpromenade mit all seinen satten Stinos und den achsokreativen, LUSTIGEN (weil bunten) jungen Austauschstudenten. Ich lächle zufrieden wie ein Buddha auf Drogen und bin recht froh. Wo soll ich sonst hin, wie sonst soll ich sein? Im restlichen Kreuzberg, Treptow und Neukölln ist der Kanal zugesperrt, die Mauer kommt zurück: Jetzt handelt es sich noch um einen Bauzaun, aber wartet nur...

Versonnen betrachte ich all die jungen und alten, auf alle Fälle aber ängstlichen, Muttis, wie sie ihre Kinderwägen schieben und sich alle paar Meter lang darüberbeugen, um nach dem Rechten zu schauen. Womöglich hat das Kind in den letzten Sekunden nun doch einen Sonnenbrand bekommen, oder es ist ihm plötzlich kalt, oder nicht vielleicht zu warm? Sind ihm möglicherweise Flügel gewachsen und es will der Mutter fliehen? Schnell, Schere heraus und zippzapp, Flügel ab. Frauen proben schon einmal die Rolle der Übermutter, um diese perfekt mimen zu können. Für den Fall, das Kind sollte doch einmal größer werden und einen eigenen Willen entwickeln. Deinen eigenen Willen sollst Du haben, mein Kind, solange es nur auch mein Wille ist!

Ja, da wachsen sie heran, die neuen Menschen: Sie brauchen später keinen Therapeuten, weil man versucht hat sie zu disziplinieren, weil man sie geschlagen oder nicht geliebt hat. Sie gehen zu Therapeuten, weil sie zu sehr geliebt wurden, so dass ihnen die Brust engt, wenn sie nur einmal selber ein- und ausatmen wollen. Sonst pressen ihnen die Eltern mit ihren starken Fangarmen ja die Luft heraus. Wie soll das denn überhaupt gehen, selber Atmen? Mami, wirf die Decke über mein Körperchen! Mami, setze das Helmchen auf mein Köpfchen. Mache mir Creme in mein Gesicht. Fahr mich, wohin Du willst mit Deinem Sicherheitspanzer und ummäntele mich mit Deinem Behüteponcho! Die Welt wird kalt genug sein, wenn Du stirbst dereinst.

Da beneide ich die Unterschichtenkinder! Keinen Zugang zu Bildung, aber auch keinen zur Verbildung. Einbildung. Ihnen läuft die Nase und mit ihnen andere verrotzte Kinder. Ihr Spielzeug ist die Straße. Ihre Eltern vernachlässigen sie. Ihre Eltern geben ihnen Freiheit. Ihre Eltern schenken ihnen ihre Nichtbeachtung. Ihre Eltern sind keine Eltern. Deswegen sind es vielleicht gute Eltern. Die Kinder sind lebendig. Sie haben keine Chance. Die Kinder der Bildungselite haben eine Chance. Man stopft sie jedoch zurück in den Mutterleib. Darinnen begraben, füttern die Mütter ihre Kinder durch den Spalt zwischen ihren Beinen.

Etwas später (Krieg): Welche Kinder werden zu amoklaufenden Jugendlichen oder Erwachsenen? Warum klingen die kleinsten Vögel hier draußen plötzlich alle nach den allergierigsten Rabentieren. Und warum ist das ehemals zarte Grün der Bäume mit einem Mal giftig, warum hat das Wasser im Kanal ein kaltes Herz? Heaven is a place where nothing ever happens. Der Himmel ist die Hölle. Mein MP3Player wird zur Waffe, im Magazin ist ausreichend Munition, um die Menschheit auszurotten. Setze Kopfhörer auf zwecks Schallschutz. Ich erchieße alle um mich herum mit Noten und Worten. Am Ende erschieße ich mich selbst, so wird es sein.

Das tumbe Pack kommt näher, ich ziele bereits darauf, ich befreie das Kind im Wagen, ich befreie auch das Kind im Bauch von seinen Bremsern und Verstümmlern. Sie sind so dumm, so instinktlos, und setzen sich direkt zu mir. Sie okkupieren mein Land und drängen mich hinaus, fremd auf der eigenen Bank. Sie scheinen nicht verwundbar zu sein durch meine Musik. Die Mutter zappelt zwar im Kugelhagel, doch sie weicht den Gechossen nur aus. Ihr Gefuchtel macht mich wahnsinnig, ihr retardiertes, vollbeschäftigtes Muttergehabe. Und der Vater ist ein Vollpfosten mit Verantwortung, wo ist denn der strafende Gott der Christen, wenn man ihn nur braucht?

Da will ich die letzte Waffe zur Verteidigung ergreifen, will den Familienklumpen mit einer Zigarette niederstrecken. Leider habe ich keine Zigaretten dabei. Ich verzweifele zunehmend, während ich immer weiter ins Abseits gedrängt werde von diesen kalten Kriegern mit ihren Geiseln in Leib und Kinderwagen. Kollateralschäden, Guerillakrieg, Strategiewechsel. Ich schieße Blickeraketen ab, sie verfehlen ihr Ziel. Da tauchen Verbündete auf. Es werden immer mehr. Sie riechen bereits die Kadaver der Gefallenen und wollen nun deren Besitz fleddern. Sie schneiden mir den Weg zu meinen Truppen ab. Versorgungsengpass. Belagerung. Hunger auf Perspektive. Dann diktieren sie die Bedingungen meiner Kapitulation.

Geschlagen, gedemütigt, erobert. Ich willige ein und gehe. Wohin? Heimatlos. Meine Tasche aber lasse ich wie unabsichtlich liegen. Kaum habe ich den Ort, verlassen, höre ich die Explosion, spüre die Druckwelle. Rieche verbranntes Fleisch. Die Unterdrückten jubeln, sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sie tanzen um die abgetrennten Körperteile ihrer einstigen Unterdrücker herum und gründen eine neue Republik. In ihr wird alles anders werden. Ich lächle und nenne dies Entspannungspolitik. Ich habe noch viele Taschen und Koffer. Im Supermarkt gegenüber gibt's Sprenggürtel im Sonderangebot.

Donnerstag, 4. März 2010

Modenamen und ihre Bedeutung für! Ja, für was eigentlich?

Wenn man nichts Besseres zu tun hat, als die ZEIT zu lesen, denkt man halt darüber nach, was da so drin steht und wundert sich auch so ein bisschen. Mein Arbeitgeber meint wahrscheinlich, ich hätte in der Tat Besseres zu tun als die ZEIT zu lesen, da ich mich nun bitte darum kümmern soll, ein Konzept in die Tasten zu hämmern, wobei ich die ja gar nicht in die Tasten hämmere, sondern AUF die Tasten IN das Notebook, noch genauer... ach lassen wir das.

Gerade kann ich aber gar nicht an einem Konzept arbeiten, weil ich zur ZEIT nämlich gar keines habe. Zurück also zur ZEIT: Modenamen sind Namen, die zu einer bestimmten Zeit in Mode waren. Wären sie immer schon modisch, könnten sie gar nicht Mode sein. Ein Paradox, welches die ZEIT nicht hilft aufzulösen in ihrer gar wundersamen Grafik namens "Konjunktur der Namen".

Sogleich fällt auf, dass einstige Modenamen wie Mandy, Candy oder Lt. Commander Data dort gar nicht auftauchen. Sonderbar, habe ich doch den Eindruck, dass beinahe alle 10-20jährigen einen dieser Namen tragen. Wohl aufgezählt aber sind die Unterschichten- Namen wie Jacqueline, Alina, Justin oder Marvin, samt und sonders aufgetreten nach der Wende und gar so schnell verwelkt wie eine Nelke in der Wüstensonne.

Was mich aber nun so tief bewegt an dieser Grafik, ist, dass die männlichen H- Namen (Heiko, Holger, Hans) die 80er gar nicht mehr erlebt haben. Und was ist mit Helmut, Horst und Heino? Nun, diese erscheinen dort erst gar nicht als Modenamen. Offenbar gibt es doch einen Gott. Nun aber trage ich einen dieser mir von meinen Eltern verpassten Namen, der zuletzt angeblich 1978 vergeben wurde, und den ich selber aus lauter Scham gar nicht mehr verwenden möchte.

Weswegen ich dem H. zwar mit Holz konsequenterweise treu geblieben bin, aber von dessen Rest ich mich entschieden distanziere, so sehr offizielle Stellen der Demokratie auch darauf beharren mögen, mich weiterhin dermaßen zu nennen. Ich könnte meinen Namen ja auch ändern lassen, also wirklich. Ich finde es unerträglich, dass im Ausweis überhaupt Vorname und Geschlecht verlangt wird: Ich finde, dass man/ frau Geschlecht und Vorname täglich wechseln dürfen sollte.

Zur eindeutigen Identifizierung bekommt man ja schließlich auch bald eine ID- Nummer vom Finanzamt. Mehr will der Staat doch gar nicht. Er will nur all unser Geld! Jedenfalls wäre es dann auch viel einfacher für eine Frau, einen tollen Job zu bekommen, da sie sich ja notfalls einen Männernamen geben könnte. Und für Männer wären nun Schwangerschaft und Mutterschutz möglich! Einen Nachteil hat das: Er/ Sie wäre Mutter und Vater zugleich und könnte sich nicht wirklich aus der Verantwortung stehlen.

Doch was sind denn nun die Modenamen dieser unübersichtlichen ZEIT? Es sind jene Namen aus den ökologisch und politisch korrekten Milieus einer spätberufenen Elternschaft, bei deren Nennung man sofort spätere Erwachsene mit ausgewachsener Neurose oder ordentlichem Trauma beim Therapeuten sitzen sieht, weil deren Eltern ihre Zeit damit verplempert haben, bei Amazon ganze Bücherwände der allerrichtigsten Erziehungsratgeber zu kaufen und ansonsten Erziehung durch einen Terminkalender für ihre Kinder ersetzen.

Noch so ein langer Satz gefällig? Bitte sehr:

Es sind die Namen jener Kinder, die mit drei Jahren mit ihren Eltern bereits die Kosten-Nutzen-Diskussion um eine Spielkonsole austragen und gewinnen können, deren Eltern immer gefasst und daher nie authentisch sind, die ihre wirklichen Gefühle also niemals zeigen, um das Kind nicht zu verletzen, was aber gerade deshalb ungemein grausam ist, die wahrscheinlich gar nicht wissen um ihre Grausamkeit, aber umso mehr um ihre Bildung, und deshalb ihren Kindern Namen geben wie:

Nele, Niklas, Paul, Philip, Elias, Emilia, Emma, Lennard, Anna usw. Durchaus schöne Namen also. Hoffen wir mal, dass die Behauptungen über Bildungsbürgereltern im Vorfeld reine Erfindung sind! Und hoffen wir ebenso, dass meine Eltern ein Schuldbewusstsein bezüglich meiner Namensgebung entwickelt haben. So, und jetzt heran ans Konzept! Ei wo bisse denn? Kommsu her, na? Nukommscho, Konzepti, hallöle? Weissu: Morgen und dann noch ein Tag, dann fliege ich nach Griechenland! Bleibsu halt weg!
P.S. Haben Sie gemerkt, wie im vorletzten Abschnitt ganz zufälligst Subjekt und Objekt die Plätze getauscht haben?
P.P.S. Ich nenne das Redundanz
P.P.P.S. Sie nennen das wahrscheinlich "grammatiklaisch nicht korrekt"
P.P.P.P.S. Ich nenne das "grammatikalisch nicht korrekt"
P.P.P.P.P.S. aber trotzdem irre redundant
P.P.P.P.P.P.S. super Ausrede was?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Die Quelle ist versiegt! Ach Gottchen, wie pathetisch!

Na? Habe ich es nicht gesagt? Vor nicht ganz einem halben Jahr habe ich prognostiziert, dass die 50Millionen Euro Soforthilfe für das Versandhaus Quelle rausgeschmissenes Geld ist (hier...). Lieber solle man mir 5Millionen Euro geben, das Geld sei dann zwar auch weg, aber es wäre deutlich weniger gewesen. Der Staat hätte mich zum Billigtarif reich machen können, dabei sogar noch 45Millionen Euro sparen können.

Nun hat es Quelle noch nicht einmal bis Weihnachten geschafft! Man könnte fragen, wie man innerhalb von vier Monaten soviel Geld durchbringen kann. Zusatzfrage: Wenn die Soforthilfe wie angekündigt für den Katalog benötigt wurde, und diese anschließend an den Kunden verschickt wurden; was macht man denn nun mit diesen dicken, bebilderten Schwarten, aus denen man ja ohnehin nichts mehr bestellen kann?

Was passiert eigentlich, wenn ein quelleeigenes Gerät innerhalb der Garantiezeit defekt ist? Wird denn noch garantiert (vor allem, wenn man die extrateure, extraverlängernde Extragarantie beim Kauf des Gerätes abgeschlossen hat)? Es wird kolportiert, man habe dann Pech gehabt und müsse die Reparatur selbst zahlen. Hmmm, wie funktioniert das nochmal im Insolvenzverfahren? Hoffentlich hält mein Kühlschrank noch ein paar Jahre.

Dass ich recht behalten habe, was Quelle betrifft, verschafft mir übrigens keinerlei Genugtuung. Schade! Was mir die Stimmung etwas verhagelt hat, sind vielmehr blutjunge Nachmieter, welche zum ersten Mal in eine Wohnung ziehen. Man lässt die Baggage einen halben Monat früher rein, zeigt ihnen die Wohnung und lässt sich versichern, dass alles in Ordnung ist. Ein paar Tage später, deren Eltern haben bei der Renovierung geholfen, werden vormals okaye Dinge plötzlich zu Mängeln.

Ich kann mich noch erinnern, als ich meine erste Wohnung bezog und meine Eltern schockiert waren über den Zustand, in dem diese sich befand. Es war eben eine günstige Wohnung, und schon deshalb entsprach sie nicht den Vorstellungen meiner Eltern. Hinter meinem Rücken erstellten sie eine Mängelliste und kündigten Mietminderung an. Vielleicht sogar zu recht. Nur hatte ich dann den Ärger am Hals, und ehrlich gesagt: Mir gefiel die Wohnung gerade WEGEN dieser Entgleisung vom bürgerlichen Anspruch!

Was lernen wir daraus? Wir lernen: Eltern, liebe Kinder, darf man niemals reinpfuschen lassen. Sie helfen einem beim Umzug, beim Renovieren, und dabei bringen sie ihre ganze kleinbürgerliche, penetrant- penible Weltsicht in den Lauf der Dinge ein. Und ehe man sich's versieht, wird man genauso so eine freudlose Flachzange wie sie, deren Gedanken nur innerhalb des eigenen Gartenzauns zirkulieren und durch die Latten hindurch schädliche Strahlung streuen.

Also ehrlich, was soll das? Erst freundlich und begeistert tun, und dann im Nachhinein jeden kleinen Furz, der in der Vergangenheit einmal getan wurde, anprangern. Ihr vollkaskodeutschen Hinternwischer, Ihr! Man sollte Euch verpacken und als Garantiefall zum Quelle- Versand schicken. Doch dort ist niemand mehr, der Euch noch auspackt!

Sonntag, 1. März 2009

Den Geruch bekommt man nie wieder raus! Tiere und Menschen!

Der Frühling ist da, endlich! Und damit werden die Neckarwiesen wieder von allerlei Menschenvolk frequentiert: Kinderwagen schiebende Herrchen und Frauchen, ihre Hunde begleitende Mütter und Väter, singulär auftretende Personen wie auch Pärchen - mit beseeltem Blick schreiten sie voran, dem Ende eines Tages entgegen, einem Sonntag noch dazu. Allein das Unbehagen vor der bald beginnenden Arbeitswoche lässt sie leicht frösteln. Was soll's? Des Lewwe geht weider, wie man hier gerne sagt.

Wären Kinder wirklich die Zukunft einer Gesellschaft, man würde sie endlich ernst nehmen und für ihre Entwicklung Sorge tragen mit vernünftigen Schulen und einer Erziehung zur Mündigkeit. Doch wieviel Drang zur Selbstverwirklichung, wieviel Projektion eigener Wünsche steckt in einer Elternschaft, dass hier das Wesen des Kindes verschütt gehen mag? Man will es gar nicht wirklich wissen.

Ein Kind zu erziehen ist ein äußerst kniffliger Job, und daher mögen sich manche Menschen lieber für einen Hund entscheiden. Der singt das Lied dessen, der ihn füttert, entwickelt ebenfalls einen Charakter, bleibt aber immer treu. Teure Klavierstunden fallen weg, ebenso hat man keinen Ärger mit Lehrern und den Beamten von der Drogenfahndung. Hunde lassen sich im Gegensatz zu Kindern, den späteren Erwachsenen also, im Alter noch knuddeln, riechen dafür allerdings etwas strenger.

Ich selbst mag keine Hunde! Das ist eine Frage des Charakters dieser Tiere, denn Rudeltiere sind unkritisch und obrigkeitshörig. Außerdem ist meine Abneigung auch eine Frage des Geruchs. Im wahrsten Sinne des Wortes kann ich diese Tiere nicht riechen, auch wenn sie manchmal meine Aufmerksamkeit auf äußerst charmante Weise zu erlangen versuchen: Tatsächlich finde ich einige Hunde irgendwie sympathischer als andere. Aber für sie gibt es keinen Platz in meinem Herzen, und am allersympathischten sind sie mir in sicherer Entfernung.

Meine liebe Frau C. liebt Hunde und hätte am liebsten auch einen gehabt. Als sie mir dies einmal mitteilte, erschrak ich sehr: Den Geruch dieser Tiere bekommt man nicht mehr aus der Wohnung und der Kleidung heraus, und dauernd wird man angehechelt und vollgesabbert. Kinder hingegen ziehen irgenwann einmal aus, und es bleibt nur ein leeres Zimmer. Ich schaffte es, C. glaubhaft zu vermitteln, dass ich lieber ein Kind mit ihr hätte. Am Ende stand die Vereinbarung, dass wir weder Hund noch Kind haben würden. Dies war eine der typischen WinWinSituationen, wie ich sie manchmal für mich herbeizuführen vermag.

Ich denke, dass wir beide dennoch glücklich sind, und es mangelt uns an nichts. Alles ist vorhanden: Es gibt Kinder im Haus, deren Eltern unsere Nerven tagtäglich strapazieren, unsere Vermieterin hat eine Katze, die um unsere Fahrräder schleicht und Hunde gibt es in der Neckarstadt überall. Das großartige Erlebnis, ein Kind beim Erwachsenwerden zu begleiten, wenn auch nur die ersten Jahre, habe ich ebenfalls hinter mich gebracht, und was soll ich sagen: Elternschaft kann schön sein, aber es ist dem Urknall sei Dank nicht das letzte große Abenteuer im Leben eines Menschen!

Dies behaupten nur vom Leben gelangweilte, phantasielose Menschen mit stark begrenztem Erlebnishorizont. Von einem Kind erwarten sie dann, wenigstens ein Abenteuer zu sein. Was aber ist, wenn das Kind kein Abenteuer sein möchte? Sondern lieber ein undankbarer Psychopath oder ein unbegabter Plagegeist, der dem von den Eltern ausgeleuchteten Pfad gar nicht folgen möchte? Die Schwelle, ein Kind ins Heim zu stecken ist allerdings etwas größer als sie bei einem Hund wäre. Trotzdem gilt: Niemand möchte nur ein Abenteuer sein, auch kein Hund!

Bevor ich meine liebe Frau C. kennenlernte, war ich zu einigen Experimenten bereit: Da war auch die schöne Modeschöpferin aus Berlin, deren einziger Makel es war, einen sehr großen Hund ihr zugehörig zu zählen. Ich muss sagen, dass ich aufgrund mangelnden Willens und dem daher rührenden Unwissen die Rasse nicht benennen kann, so wie ich auch z.B. bei Zeugenvernehmungen bei Verkehrsdelikten nie den Fahrzeugtyp benennen kann. Etwas in mir blockiert die Aufnahme und Verarbeitung solch wichtiger Einzelheiten. Es ist dann für mich einfach ein blaues Auto, oder eben ein großer Hund.

Ich traf mich also mit der schönen Modeschöpferin und ihrem großen Hund, und bald küssten wir uns auch, also ich die Modeschöpferin, nicht den Hund (wer bis jetzt aufgepasst hat, ahnt das). Eines Tages ward ich zum Dinner eingeladen, in ihr nach Hund riechendes Apartment. Der anschließende Beischlaf war so lange angenehm, bis sich der Hund zu uns gesellte und mir einen kummervollen Blick zuwarf, während sein Schweif ausdauernd gegen das Bettgestell schlug. Nach dieser Erfahrung pflegten die schöne Modeschöpferin und ich einen freundlichen, aber distanzierten Umgang miteinander.

Sonntag, 17. August 2008

Telefonieren mit dem Headset! Schwarze Pädagogik, where are you?

Früher hat man einwandfrei erkennen können, ob jemand ein Psycho ist oder nicht: Wer im Freien laut mit sich selbst gesprochen hat, konnte getrost als ein solcher eingestuft werden. "Besser nicht reagieren", sagte man dann leise zu sich selbst, "sonst verwechselt mich der Psycho mit einer seiner halluzinierten Gestalten und drückt mir einen Monolog ins Ohr oder ein Messer in den Rücken." Einen weiten Bogen um seltsame Menschen zu machen hat ja noch nie geschadet. Manchen kann man dennoch nicht entkommen, wie z.B. jenem Herren in der Straßenbahn, der stetig folgendes vor sich hinmurmelte: "Rnch, hrmmm, Viehtransporter hmhm - Viehtransporter, ab in die Schlachtbank, jahaahwoll! Grmmm, ihr alle, alle! Ronch, Schlachtbank, grmpf jaaaaja!"

Dank Headsets für den Mobilfunk ist es nicht mehr so ganz einfach, die Leute richtig einzuordnen. Zuerst dachte ich ja, der Anteil stark gestörter Menschen sei stark angestiegen, doch dann habe ich entdeckt: Einige darunter telefonieren per Freisprechanlage. Doch ist dies nicht nur eine andere Form von unterdrückter Geistesgestörtheit? Denn wer generell nicht bereit ist, sein Gesicht mit Mobilfunkstrahlen zu duschen, der zeigt doch ein kommunikatives Suchtverhalten. Dieser Befund ist zwar überhaupt nicht wissenschaftlich begründet. Aber auf die Idee mit dem Headset können nur Dauertelefonierer mit latenter Flatrate kommen. Endlos verstrippte Quassler, denen kein Anlass zu blöd ist, um nicht als potenzielle Psychotiker fehlinterptretiert zu werden.

Apropos Dauerquassler: Eine kleine Gruppe junger Studentinnen suchte kürzlich das Café Sammo heim, in dem sich auch meine Wenigkeit für eine kleine Rast aufhielt. Sie wurde von einem besonders lauten Exemplar dominiert, das zu jedem Thema noch eine Extra-Story parat hatte. Die Gespräche jedoch waren zu wenig interessant, als das ich hätte zuhören wollen. Deshalb wollte ich hin und ihr leise zuflüstern: "Hallo, kleine Studiermaus, Du musst nicht schreien! Deine Freundinnen sitzen bei Dir am Tisch, sie können Dich bestimmt verstehen. Ich, der ich drei Tische weiter sitze, kann es doch auch!" Meine Mutter hat mir immer, wenn ich ihrem Empfinden nach etwas zu laut wurde, ein giftiges "Psssst!" entgegen gezischt. Ich war ihr oft zu laut. Deswegen habe ich Komplexe aufgebaut. Mitmenschen schätzen nun aber meine gepflegte Art der Konversation, die ohne Geschrei und Geplärre auszukommen scheint. Man attestiert mir eine angenehme Stimme, und so habe ich meinen Komplex mittlerweile richtig gerne.

Ist Erziehung denn am Ende nichts anderes, als die Brechung des anarchistisch-kindlichen Gemüts hin zur Gesellschaftskompatibilität? Aber wird heutzutage denn überhaupt noch erzogen? Bekommen Kinder noch auf die Finger gehauen, wenn sie allzu nassforsch sind? Ich neige zu der Behauptung, dass heutige Eltern schlicht überfordert sind und ihre Kinder gar nicht mehr erziehen. Viel schlimmer noch: Sie bürden den Kleinen die Verantwortung auf, sich selber zu erziehen. Eltern wollen lieber die Kumpels ihrer Kinder sein, und nicht deren Aufseher. Später als Jugendliche sind die Plagen zuerst Terroristen, als Erwachsene dann verantwortungslose Idioten ohne jede Sozialkompetenz. Hinterher weiß keiner mehr, ob sie Psychotiker sind oder doch einfach nur telefonieren. Schwarze Pädagogik, where are you?

Dienstag, 10. Juli 2007

Kevin und Lea sind die geborenen Terroristen! Entschuldigung: Ich meine natürlich TerroristInnen!

ich habe gestern noch ein highlight vergessen. vielleicht auch absichtlich, denn die "story" wurde schon am samstag gebracht:

die autorin mrs. rowland war vielen pressemeldungen zufolge sehr deprimiert, da sie den letzten band der "harry potter"- reihe fertiggestellt hat. sie habe wie ein schlosshund geheult und aus frust eine halbe flasche champagner aus der minibar eines hotels in einem zug ausgetrunken.

erst danach sei sie nach hause gegangen. das wirft fragen auf: 1. schreibt die frau in hotels? 2. eine halbe flasche champagner aus der minibar ist doch, wenn ich nicht irre, ein halbes piccolo? und das in einem zug ausgetrunken? mrs. rowlands versteht es offenbar, ordentlich auf den putz zu hauen.

was gibt es sonst noch? meine freundin C. und ich sind seit unserem einzug in die neue wohnung die "quasi- eltern" eines säuglings. das bedeutet: wir haben zwar (noch) keinen erziehungsauftrag bekommen, dürfen uns aber die nächte mit krakelereien um die ohren schlagen. pünktlich nachts um 3uhr und frühmorgens um 6uhr geht es los und hört nach nur ca. 30min. wieder auf.

meine freundin C. tangiert das nicht, sie trägt zu ihren träumen neckische ohrenstöpsel, die nur ungestümes schnarchen überwinden kann. aber ich leide unter den nächtlichen lärmattacken. selber vertrage ich keine ohrenstöpsel, ich kriege davon pickel in den ohren.

ich finde es dennoch lobenswert, dass sich die eltern nicht von jedem gekrähe ihres babys irritieren lassen. die kinder gewöhnen sich schnell daran, dass die eltern immer "da sind". ihre laute bekommen diesen gewissen unterton: "bei fuss!" meint man dann herauszuhören.

will man nicht, dass die kinder später an der supermarktkasse rücksichtlos durch hochfrequentes kreischen ihren vom kommerz verwöhnten willen durchsetzen, muss man sie vorher bei nacht ab und an mal überhören. denn kinder sind geborene terroristen. nur durch fachgerechte erziehung macht man aus ihnen umgängliche menschen.

liebe eltern: schmeisst eure bücherwände voller erziehungsratgeber weg und hört ab jetzt nur noch auf mich:

es tut klein- kevin oder klein- lea nicht gut, wenn man auf jeden ihrer noch so kunstfertigen fürze hin begeistert in die hände klatscht und sie damit bestätigt! die kinder in diesem land sind "überbestätigt". sie bekommen davon ein wahnhaftes selbstbild ohne jeden realitätsbezug.

wie sonst liesse es sich erklären, dass jeder pickelige teenager meint, er sei der nächste superstar? oder er wisse schon mit 10jahren wirklich ALLES besser. und das, obwohl nichts davon, was er von sich gibt, dafür spricht?

ich kenne mich mit sowas aus: ich war selber mal kind und aknegeplagt! sicher, die jugend hat das privileg, dumm daherlabern zu dürfen und keinen schimmer von tuten und blasen haben zu müssen. aber man muss ihren unreflektierten kinderquatsch noch lange nicht ernstnehmen!

aber bitte: wer will, dass ihm die kleinen biester auf ewig auf der nase herumtanzen und noch mit 45jahren auf der tasche liegen, statt uns unsere rente zu erarbeiten, der muss seine brut bis zur selbstaufgabe verwöhnen. selber schuld!