In der Abendakademie in Raum 2.04 findet das Seminar Knigge und so - Teil 1 statt, geleitet vom Referenten Holger E. Karst. Ungefähr 15 junge Leute sitzen im Raum, einige spielen gelangweilt mit ihren Bleistiftspitzern herum oder basteln Origami-Schwäne. Dann hat Herr Karst mal wieder eine ganz toll anschauliche Veranschaulichung:
Herr Karst: "Auch auf die Gefahr hin, etwas etepetete zu wirken, liebe SchülerInnen, möchte ich an dieser Stelle ein hier zu Orten oft beobachtetes Verhalten anprangern: Es ist dies die Sorglosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, die mich treibt, schallende Knigge-Ohrfeigen zu verteilen. Denn es ist einfach nicht schön, zu erleben, wie wenig respektvoll der Umgang untereinander vonstatten geht.
Doch der Reihe nach: Möglicherweise bin ich etwas empfindlich, da mich jetzo eine mittelschwere Erkältung plagt und jedes Wort und Getue möglicherweise eine unangemessene Bedeutung erhält. Doch wie bitte soll man es auch verstehen, wenn man mit triefender Nase in der Straßenbahn sitzt und ein paar junge Chicks den nicht von ihnen verursachten Müll von ihren Plätzen auf den Boden neben jemand anderem, in diesem Falle mir, bugsieren? Sehe ich eine Meldung? Ah, da hinten, Ulrike, bitteschön!"
Ulrike: "Na, das ist doch vollkommen egal, man weiß ja sonst nicht, wohin mit dem vielen Müll in der StraBa, da kann man doch schon mal was rüberschieben finde ich... stört doch keinen!"
Herr Karst: "Vielen Dank für die Wortmeldung, liebe Ulrike, das mögen sich die Chicks auch in etwa so gedacht haben. Gibt es noch andere Einlassungen? Bitte, Orhan?"
Orhan: "Yo, also ich finde, das nicht okay, weil das ist doch voll respektlos und so. Man bewirft doch keine fremden Leute mit Müll..."
Herr Karst: "Naja, Orhan, beworfen hat man mich ja nicht gerade, eher beschoben. Trotzdem scheint es auch mir etwas achtlos, einfach ein erachtetes Problem beiseite zu schieben und jemand anderem aufzuhalsen. Wenden wir uns aber mal den Alternativen zu. Was hätten die Chicks denn anders machen können? Gerd?"
Gerd: "Ja, Herr Karst. Man hätte den Müll ja aufsammeln können und an der nächsten Resteverwertungsstelle abgeben können. Das machen ja jetzt alle so!"
Herr Karst: "Danke Gerd, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lästig es ist, stundenlang Müll durch die Straßen zu tragen. Und dann auch noch den Müll anderer Leute, ich weiß nicht... Gabi?"
Gabi: "Ich weiß nicht, was die Aufregung soll. Bei Ihnen war wenigstens noch Platz, und da kann man sich schon noch behelfen, indem man den Müll halt dahin schiebt. Das tut doch niemandem weh außer Ihrem Ego vielleicht. Außerdem weiß ich gar nicht, was ich in diesem Seminar überhaupt soll. Ich sollte eigentlich ein paar Bewerbungen schreiben und den Finanzminister hinterher erschießen."
Elke: "Ja, aber die Chicks hätten den Herrn Karst ja wenigstens fragen können, ob er den Müll gerne beherbergen möchte, der hätte dann ja bestimmt nix dagegen gehabt. Welchen Finanzminister soll denn die Gabi erschießen? Den vom Bund oder den vom Land?"
Herr Karst: "Ich glaube, Elke, das ist im Seminar Finanzminister erschießen - aber richtig! nicht so wichtig. Gabi, Dein Seminar findet übrigens in Raum 3.01 statt. Kannst aber gerne noch etwas bleiben. Was sagen denn die anderen zu Elkes Vorschlag?"
Die Anderen artig im Chor: "Der Vorschlag der ist super, der Vorschlag der ist gut! Wir sind ja sooo froh, dass wir den Herrn Karst haben, der hat immer so toll anschauliche Themen zur Knigge und all dem. Dank Ihnen bekommen wir sicher alle eine Lehrstelle, oder eine - hihi - Leerstelle im System. Danke Herr Karst! Aber wie haben Sie denn eigentlich auf den Müll reagiert? Haben Sie es den Chicks mal so richtig gezeigt, Herr Karst?"
Herr Karst: "Nun ja: Ich habe mich zunächst einmal ganz artig und brav bedankt. Ich finde, man sollte sich immer für alles bedanken, auch für ganz doofe und repektlose Sachen. Daraufhin wurde der Müll zwar unter Murren wieder entfernt, aber die ganze Fahrt wurde ich den Verdacht nicht los, dass man sich über mich lustig machte. Weil ich wohl eben doch etwas etepetete war. Ich war ja so hilflos, und außerdem auch ein wenig erkältet..."
Alle, im Chor: "Ooooch je, der arme Herr Karst!"
Während Herr Karst schluchzend am Pult steht, sammeln seine SchülerInnen etwas Kleingeld für ein Päckchen Papiertaschentücher, das sie ihm nach der nächsten Pause feierlich überreichen wollen. Da wird der Herr Karst aber Augen machen!
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Sonntag, 10. August 2008
Samstag, 26. Mai 2007
roy black rettet den musikfilm! katja riemann's method- acting floppt bei mir!
hmmm... vom 6. - 17. juni findet in ludwigshafen, der stadt mit dem basf- logo im wappen, ein "festival des deutschen films" statt. eingeladen ist auch katja riemann, die dort einen preis für schauspielkunst erhält. wie hat sie sich denn den verdient? bislang ist frau riemann ja noch nicht durch irgendeine schauspielkunst aufgefallen.
man erinnert sich an frühere zeiten mit filmen wie "der bewegte mann", "die apothekerin" und den unsäglichen "bandits". dort überall und noch bei viel mehr durfte die unvermeidliche riemann mitspielen, meistens in der hauptrolle. aber hat sie wirklich mitgespielt? man weiss es nicht.
"bandits" war ja dieser frauenknastfilm, für den die hauptdarstellerinnen vorher instrumente spielen lernen mussten. das ist "method- acting" auf deutsch. es ging nämlich um 4 weibliche knackis, die alle total unterschiedlich drauf waren. der film war eine einzige charakterstudie. die mussten zusammen im knast auftreten, sind dann aber geflüchtet und wurden selbstverständlich von total selbstherrlichen männern gejagt.
ich erinnere mich, dass eine der schauspielerinnen sogar songs für den film geschrieben hat. die songs kamen später auf cd heraus und waren unterirdisch. was man sich eben in deutschland so unter "authentischem rock" vorstellt. die mädels sind also auf der flucht und werden seltsamerweise und gar nicht deutsch von allen deutschen geliebt und gebucht. selbstverständlich gewinnt am ende das doofe patriarchat, aber die mädels spielen auf dem dach eines hauses nochmal einen letzten "gig". das ist dann sowas von "free", weil die freiheit ja - vorsicht symbolik - in den köpfen stattfindet, die gedanken kann man nicht einsperren. soweit, so gähn, so deutscher musikfilm.
meine freundin C. und ich überlegten uns eben beim späten frühstück, ob es überhaupt deutsche musikfilme geben kann. also filme in denen die musik eine hauptrolle spielt. wir fanden heraus, dass das nicht möglich ist, da es keine tragischen gestalten im deutschen rock- und popgeschäft gibt. alle sogenannten stars sind vollkommen ungebrochene gestalten, langweiler von format: herbert grönemeyer, marius müller westernhagen, wir sind helden, naidoo, mia., tote hosen usw. usf. alles brave bausparer und role- models für's kapitalistische system.
grosse musikfilme haben tragische und grosse helden. sie sterben an einer überdosis, sie schiessen sich selbst in den kopf, sie gehen an ihren selbstzweifeln zugrunde oder sie werden einfach verrückt: jim morrison, kurt cobain, joe strummer und syd barrett sind wahrlich eine film- erzählung wert. ungeklärte todesfälle oder gestrauchelte, sich aber wieder berappelnde helden sind ebenfalls beliebt.
es braucht einen mythos, den die deutschen musiker nicht in der lage sind zu begründen. sie geben sich gerne hemdsärmelig, sind kumpel, ganz einfache menschen. falco war das totale gegenteil dazu, der ist aber nun auch ein österreicher gewesen.
aber halt, einen gibt es doch, sozusagen der sid vicious des schwarzwalds, der brian jones des schlagers: roy black! der ist verhältnismässig jung gestorben, sein fenstersturz könnte auch gefaked gewesen sein. er war tablettensüchtg und wollte eigentlich rock'n roll machen. doch die schlagermafia abonnierte ihn auf's schlagerfuzzi- dasein. roy black hat also das zeug zum mythos, aus seinem leben könnte man einen guten musikfilm machen - mit halt nicht so doller musik, okay.
nachtrag (nur wenig später): könnte natürlich sein, dass roy black ebenfalls ein österreicher war! hmmm...
nachtrag (noch später): aber ich glaube er war schwabe...
dann aber der letzte nachtrag: katja riemann könnte ja den roy black im film spielen!
man erinnert sich an frühere zeiten mit filmen wie "der bewegte mann", "die apothekerin" und den unsäglichen "bandits". dort überall und noch bei viel mehr durfte die unvermeidliche riemann mitspielen, meistens in der hauptrolle. aber hat sie wirklich mitgespielt? man weiss es nicht.
"bandits" war ja dieser frauenknastfilm, für den die hauptdarstellerinnen vorher instrumente spielen lernen mussten. das ist "method- acting" auf deutsch. es ging nämlich um 4 weibliche knackis, die alle total unterschiedlich drauf waren. der film war eine einzige charakterstudie. die mussten zusammen im knast auftreten, sind dann aber geflüchtet und wurden selbstverständlich von total selbstherrlichen männern gejagt.
ich erinnere mich, dass eine der schauspielerinnen sogar songs für den film geschrieben hat. die songs kamen später auf cd heraus und waren unterirdisch. was man sich eben in deutschland so unter "authentischem rock" vorstellt. die mädels sind also auf der flucht und werden seltsamerweise und gar nicht deutsch von allen deutschen geliebt und gebucht. selbstverständlich gewinnt am ende das doofe patriarchat, aber die mädels spielen auf dem dach eines hauses nochmal einen letzten "gig". das ist dann sowas von "free", weil die freiheit ja - vorsicht symbolik - in den köpfen stattfindet, die gedanken kann man nicht einsperren. soweit, so gähn, so deutscher musikfilm.
meine freundin C. und ich überlegten uns eben beim späten frühstück, ob es überhaupt deutsche musikfilme geben kann. also filme in denen die musik eine hauptrolle spielt. wir fanden heraus, dass das nicht möglich ist, da es keine tragischen gestalten im deutschen rock- und popgeschäft gibt. alle sogenannten stars sind vollkommen ungebrochene gestalten, langweiler von format: herbert grönemeyer, marius müller westernhagen, wir sind helden, naidoo, mia., tote hosen usw. usf. alles brave bausparer und role- models für's kapitalistische system.
grosse musikfilme haben tragische und grosse helden. sie sterben an einer überdosis, sie schiessen sich selbst in den kopf, sie gehen an ihren selbstzweifeln zugrunde oder sie werden einfach verrückt: jim morrison, kurt cobain, joe strummer und syd barrett sind wahrlich eine film- erzählung wert. ungeklärte todesfälle oder gestrauchelte, sich aber wieder berappelnde helden sind ebenfalls beliebt.
es braucht einen mythos, den die deutschen musiker nicht in der lage sind zu begründen. sie geben sich gerne hemdsärmelig, sind kumpel, ganz einfache menschen. falco war das totale gegenteil dazu, der ist aber nun auch ein österreicher gewesen.
aber halt, einen gibt es doch, sozusagen der sid vicious des schwarzwalds, der brian jones des schlagers: roy black! der ist verhältnismässig jung gestorben, sein fenstersturz könnte auch gefaked gewesen sein. er war tablettensüchtg und wollte eigentlich rock'n roll machen. doch die schlagermafia abonnierte ihn auf's schlagerfuzzi- dasein. roy black hat also das zeug zum mythos, aus seinem leben könnte man einen guten musikfilm machen - mit halt nicht so doller musik, okay.
nachtrag (nur wenig später): könnte natürlich sein, dass roy black ebenfalls ein österreicher war! hmmm...
nachtrag (noch später): aber ich glaube er war schwabe...
dann aber der letzte nachtrag: katja riemann könnte ja den roy black im film spielen!
worte die fallen
BASF AG,
herbert grönemeyer,
Joe Strummer,
katja riemann,
marius müller westernhagen,
mia.,
Naidoo,
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Syd Barrett,
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