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Montag, 25. Mai 2009

So viele Ausrufezeichen! Sex sells im Super-Wahljahr 2009!


Ist ja Wahlkampf gerade! Bundestagswahl im September! Europawahl am 7. Juni! Und gleichzeitig Kommunalwahlen in MA! OB-Wahlen in LU auch noch! Soviele Ausrufezeichen gleich am Anfang eines Textes! Wahnsinn! Und viel zu tun gibt es dann wieder, Mensch! Die Pest und die Cholera von heute sind ja Pandemien und Wirtschaftkrise! Doch wozu soll man sich denn entscheiden, um den ausrufezeichenreichen Absatz nun doch mit einem Fragezeichen zu beenden?

Bekäme man nicht die Sekundärliteratur diverser Parteien in den Haushalt geschickt, mit der drohenden Zuverlässigkeit einer süddeutschen Lotterie, man wüsste ob der Sinnentleertheit der anhängigen Wahlplakate weder ein noch aus. Und doch, nach eingehender Lektüre, möchte man sich doch lieber nach rein äußerlichen Kriterien entscheiden. So viel Gähn, so viel Schnarch hat man ja selten gelesen. Leider gewinnt die verschnarchte Wertebeständigkeitspartei CDU hier haushoch: Sie setzt auf äußerlich äußerst ansprechende Frauen jüngeren Alters, die aber leider durch eine langweilige Biografie entsetzen.

Doch ansonsten stieren einem ja sowieso nur die üblichen Biedermänner und -frauen von den bunten Plakaten ohne Inhalte an. Einzig glaubwürdig ist da ja nur noch die Linke. Es gibt kein Bild, nur Text: Sie möchte Harz IV und die soziale Ungerechtigkeit abschaffen, ganz genau so wie sie es in Berlin in Koalition mit der SPD auch tut. Aber möchten Sie sich die Gesichter hinter dieser Plakatwerbung vorstellen? Nein? Ich auch nicht! Außerdem ist seit Powerpoint wohlbekannt: Bilder und ein paar starke Worte bringen's einfach besser 'rüber, das Feeling, als ehrlich gemeinte Worte!

Doch so ist das eben: Man muss sich doch nur zurückerinnern an die Zeiten, als man selber noch die Schulbank drücken musste: Waren die KlassensprecherInnen doch stets die optisch Benachteiligten, welche neiderfüllt unserem heiteren Liebesleben zuschauen mussten und in ihrem Gram darüber zu den Erfüllungsgehilfen autoritärer Wunschvorstellungen des garantiert rechtskonservativen, oder schlimmer noch, linkskonservativen Lehrerkollegiums degenerierten. Gewählt wurden sie, so glaubten sie zumindest, wegen ihrer markigen Sprüche. Doch wir wissen es besser: Sie wurden gewählt, weil sich sonst alle anderen zu schade für dieses pseudodemokratische Spiel waren. Mitbestimmung! In der Schule? Bruhaha!

Später gingen die selben Menschen entweder gleich in die Dorf-Politik, oder sie erfreuten ihre KommilitonInnen als Mitglieder der Asten und Stupen in den Hochschulen, von wo aus sie mit milder Stoik Programme aus schier 100jähriger Tradition bedienten. Man erkannte sie an ihrer absoluten Farblosigkeit und dem damit einhergehenden, fremdbestimmten Look. die markigen Sprüche sind geblieben. Wer es von ihnen ab da immer noch nicht in die große Politik geschafft hat, verkauft heute Versicherungen oder optimiert Datenbearbeitungsvorgänge.

Die anderen aber sind endlich angekommen. Damit garantieren sie den Nachwuchs für die Parteien: Langweilig muss er sein, wie ein Ausflug zum Ludwigshafener Bahnhof, der Politiker, auf dass er noch fader werde im Laufe seiner Karriere und seine Persönlichkeit zugunsten eines seltsamen Demokratieverständnisses ganz aufgeben möge. Doch sie werden gewählt! Sie werden geliebt und verhätschelt vom Wahlvolk! Warum eigentlich?

Mittlerweile müsste man doch ein tiefes Misstrauen hegen gegen Menschen, die aussehen wie der Bänker oder der Versicherungskaufmann von nebenan. Irgendwie scheinen aber die WählerInnen auf diese asthmatischen Blindschleichen abzufahren. Ich hatte ja meinerseits einmal die äußerst attraktive Frau Redl von der Berliner WASG gewählt, und war damit fast ganz alleine: Die sieht gut aus und ist auch noch schlau! Sowas, liebe Leute, ist selten! Seltsamerweise wurden dann aber doch lieber irgendwelche Bürokraten gewählt.

Sehen so etwa die Wunschschwiegersöhne und -töchter der schweigenden Mehrheit aus? Träumt der bundesdeutsche Biedermann den bundesdeutschen Traum? Avantgardisten scheint es hier ja nicht so viele zu geben. Möglicherweise ist dies aber auch eine Folge der historischen Erkenntnis, dass Charismatiker am Ende immer nur Krieg führen und Juden umbringen wollen. Wer auch nur annähernd gut aussieht, wird damit heutzutage einfach unwählbar. Tja, schade, liebe CDU: Mit Euren Mädels, da werdet Ihr dann aber alt aussehen! Vielleicht wären ein paar Inhalte nicht schlecht gewesen. Gilt natürlich auch für die anderen!

Freitag, 15. Mai 2009

Informationen, die nix kosten sind die Besten! Schnelle Bräter in der Walzmühle!


Na also! Als gäbe es hier nicht genügend Gründe, eine Stadt mal so richtig zu bashen: Die McDonalds-Filiale in der Ludwigshafener Walzmühle ist bundesweit die schlechteste. Dieses Ergebnis kam durch die NutzerInnen des Meinungsportals Qype zustande, welche die Filialen des Konzerns bewerteten, und die Tageszeitungen haben das von Qype zusammengestellte Ranking brav veröffentlicht.

Die Ludwigshafener Filiale gilt demnach als schmutzig, keiner räume dort die Tische auf und Toiletten gäbe es auch nicht. Grund genug für mich, einmal zur Walzmühle zu fahren, um dort investigativ zu recherchieren, Häme walten zu lassen. Das Elend begutachten, ein Foto zu schießen. Den Zustand genau zu beschreiben. Alles schlecht finden zu dürfen. Auch etwas zu essen: Das erwartbare Honorar für diesen Text reicht gerade noch dafür.

Leider erweist sich der Schnellimbiss als geradezu penibel sauber, und auch das Essen ist nicht schlechter als anderswo im FastFoodHimmel. Schade: es wird kein entlarvendes Foto geben. Elendsjournalismus ist das jedenfalls nicht! Toiletten gibt es tatsächlich nicht im Lokal. Die sind jedoch gleich gegenüber zu finden, wenn man den schnellen Bräter wieder verlässt. Hat die Filialleitung was auf den Deckel gekriegt, aus schlechter Presse gelernt und die Qualitätsmerkmale des Konzerns endlich umgesetzt?

Enttäuscht geht es wieder nach Hause. Nachrecherchieren. Also suche ich auf Qype.com jenes Ranking, welches so aufschlussreich Auskunft gibt. Leider kann ich es nicht finden. Obwohl ich mich sonst stets rühmen darf, alles im Netz schnell zu finden. Die Presseabteilung des Portals könnte man wohl anrufen. Aber das ist zu viel Aufwand für das erwartbare Honorar. Bloggen fällt ja mehr unter Ehrenamt als dass man angemessen dafür bezahlt würde.

Lieber direkt nach der Filiale in der Walzmühle schauen. Dort müssten die Bewertungen ja dabei sein. Und tatsächlich: Es gibt dort ausschließlich schlechte Bewertungen. Stutzig werde ich allerdings angesichts der Tatsache, dass es sich nur um drei Bewertungen insgesamt handelt. Ist das ausreichend für ein Ranking? Als erfahrener BlogAutor weiß ich ja, wie viele User ticken: entweder schließen sie sich einer Meinung an, treten also nach, oder sie verkneifen sich ihre eigene, gegensätzliche.

Ins gleiche Horn tuten ist so viel einfacher, und außerdem: Wer mag schon einen Schnellbräter in Schutz nehmen? Doch wie es es bei den hochgelobten Filialen wie der am Kölner Rudolfsplatz? Na immerhin gibt es dort zwölf Bewertungen, und allesamt sind gut. Oder der am Hamburger Dammtorbahnhof? Na, immerhin sechs Bewertungen mit Bestnoten. Das reicht für den Spitzenplatz im Ranking. Doch ist das seriös?

Angesichts dessen, das ich besagtes Ranking so nicht finden konnte, muss man sich eher fragen, von wem die Pressemitteilung stammt, zumal ja wirklich viele Tageszeitungen und Newsportale diese "Neuigkeit" aufgegriffen haben. Entweder gab man sich stolz, beschämt oder belustigt. Es ist zu vermuten, dass das Portal selbst diese Information kolportiert hat, möglicherweise um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Was ja auch ihr gutes Recht ist. Schließlich ist es ein Hauen und Stechen auf dem Anzeigenmarkt. Mit dem Gegenstand einer allseits bekannten Bräterkette lässt sich allerdings Aufmerksamkeit erheischen.

Erschreckend ist allerdings, dass keine der von mir abgerufenen Medien die Art und Weise, wie dieses Ranking offenbar zustande gekommen ist, kritisiert hat. Wahrscheinlich hat man halt einfach irgendwas übernommen. Von irgendeiner Agentur. Da prüft man doch nicht nach, ach was: Informationen, die nichts kosten, sind die Besten! Hat schließlich jeder was von: Der Redakteur kann was umschreiben, der Leser hat was Lustiges, das Portal hat seine Werbung und der BlogAutor als ZweitVerwerter bekommt eventuell ein Honorar für seine überaus kritische Abhandlung über das Pressewesen.

Aber reingefallen ist auch er. Am Anfang zumindest. Wahrscheinlich! Wenn es nicht doch ganz anders war. Aber für die paar Kröten hat er sowieso schon viel zu viel recherchiert. Man muss ja stets Kosten und Nutzen abwägen! Und ob er die kleine Pommes, den Cheeseburger und die kleine Cola erstattet bekommt? Mist: Quittung vergessen! Na, hoffentlich wird der Eintrag wenigstens veröffentlicht!

Freitag, 8. Mai 2009

Im straßenverkehrstechnischen Abseits: Kavaliere der Straße!

Ein Leser hat mich kürzlich korrigiert, weil ich einmal behauptet hatte, Mannheim sei eine Stadt voller mißgünstiger Verwaltungsfachangestellter. Er hat natürlich recht, wenn er sagt, die Stadt sei eher voller grantiger Arbeiter. So oder so gönnt der Eine dem Anderen die Butter auf dem Brot nicht. Deswegen scheint es vergebliche Liebesmüh' zu sein, die MannheimerInnen und die Bewohner des Umlands zu "Kavalieren der Straße" zu machen: Man gibt sich eher stur im Straßenverkehr!

Und das, obwohl die Initiatoren, nämlich die "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen" [link] nun die Begrifflichkeit "Kavalier" am untersten Spektrum der Selbstverständlichkeiten ansetzt: Man fährt eben nicht am Unfall "vorbei", sondern "hält" auch an und "hilft". Dafür werden im Jahr soundsoviele "Kavaliere" gekürt und geehrt.

Nun bedeutet "ein Kavalier sein" ja in erster Linie, dass sie sich Damen gegenüber als zuvorkommend erweisen und ihnen z.B. die Türe aufhalten. Das Elitäre steckt schon im Begriff "Damen" drin: Wer entscheidet denn in Zeiten, in denen jeder "was werden" kann, wer "was ist"? Und schon erkennt man ebenjener Frau, welche ins Kaufhaus hinein möchte, den Damenstatus ab, weil sie vielleicht nicht so nett dreinschaut, und schon fliegt ihr die Tür in die Fresse.

Das Verhaltensrepertoire des Kavaliers sollte allerdings nicht nur allen(!) Frauen gelten, sondern überhaupt allen Menschen(!!). Das ist ja der Sinn der Sache! Ein Kavalier sollte jedem Menschen gegenüber zuvorkommend freundlich sein und ihm selbstverständlich den Vortritt lassen, und auch da helfend zur Tat schreitet, wenn die Hilfe nicht unbedingt nötig scheint. Eine Agenda der Nettigkeit.

Kavalier zu sein heißt demnach auch, jemanden NICHT töten zu oder absichtlich ins straßenverkehrstechnische Abseits drängen zu wollen, bloß weil man der Ansicht ist, im Recht zu sein! Das ist bööööse! So musste oben genannte Initiative extra darauf hinweisen, dass im Innenstadtbereich manche Einbahnstraßen für Radfahrer freigegeben seien und man dies doch bitte zur Kenntnis nehmen sollte, so als KFZ- und LKW- FührerIn.

Dies ist natürlich eine schöne Neuerung. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass es tatsächlich zu Aggressionen kommt, weil irgendeines der hiesigen Landeier es entweder als Zumutung empfindet, neu angebrachte Schilder zu lesen und daher zu Vigilantismus gegenüber den schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen neigen, sollten diese ihre heiligen Wege kreuzen. Da gibt man gerne nochmal so richtig extra Vollgas. Doch Einschüchterungsversuche haben gar nichts mit vorauseilender Freundlichkeit zu tun. Eher mit Dummheit, und in diesem Fall sogar mit doppelter Dummheit, weil ja der Radfahrer im Recht ist. Und hoffentlich noch am Leben.

Doch was will man von den Menschen einer Arbeiterstadt auch anderes erwarten? Marx hat das Potenzial des Proletariats leider vollkommen falsch eingeschätzt. Mal ehrlich: Wer möchte von einer Horde Arbeiter regiert werden? Wenn die sich doch lieber gegenseitig das Leben schwer machen, überhaupt nicht solidarisch miteinander sind, sogar eher noch zur Seite oder nach unten boxen, aber noch oben stets buckeln? Nein, mit Arbeitern kann man keinen Blumentopf gewinnen! Und es macht auch keinen Spaß, sich mit ihnen zu streiten.

Ich selbst habe in meinen Tölpeljahren ein Handwerk erlernt und danach auch ein paar Jahre im Beruf gearbeitet. Obwohl mir die Ausübung meines Berufs Spaß gemacht hatte, kündigte ich bald: Erst fand man es im Betrieb nämlich komisch, dass ich in der Pause BÜCHER las. Nur ich fand es hingegen seltsam, dass alle anderen dieses widerwärtige Boulevardblatt lasen, ließ aber kein Wort darüber verlauten. Dann riss ich eines Tages ein Plakat von der Werkstattwand, auf dem ein "Vaterunser für Patrioten" zu lesen war: faschistoide Hirnwichse und Hetze gegen Asylbewerber!

Das Handwerk lehrte mich nicht nur, antifaschistisch zu denken und zu handeln, es führte mich auch in den zweiten Bildungsweg ein. Denn bald kündigte ich meinen Job und machte mein Abi nach. Zumal ich nach jener Aktion gemobbt wurde. Seitdem habe ich mit Arbeitern nichts mehr am Hut. Der Betrieb indes war gar kein kleiner Naziladen, sondern ein ganz großer: Meine Werkstatt befand sich in den Weiten der BASF AG.

Was es darinnen gibt, gibt es natürlich auch draußen. Und man kümmert sich recht wenig darum! Stadtregierungen sollten den Nazis ja ebenfalls die Stirn bieten. Doch ist dies meist anstrengend und kostet viel Geld. Lieber spricht man ein Alkoholverbot auf dem Berliner Platz aus, als dass man die in Ludwigshafen leider dauernd anzutreffenden Nazischmierereien entfernt. Ludwigshafen ist ja auch so eine Arbeiterstadt!

Warum aber sollen Hakenkreuze überhaupt entfernt werden? Ist doch nur so ein doofes Zeichen, welches doofe Menschen hinkritzeln, möglicherweise nur um zu "provozieren" oder einfach nur als "Gag"? Ich möchte so auf diese Frage antworten: Stellen Sie sich vor, auf offener Straße liefe Ihnen ein Mensch mit geballter, schwingender Faust entgegen. Sie wären wahrscheinlich beunruhigt, oder? Wenn dieser Mensch dann vor Ihnen stehen bleibt und mit der Faust ausholt, dann bekommen Sie möglicherweise Panik. Und selbst wenn seine Faust kurz vor Ihrem Gesicht stehen bleibt, fühlen Sie sich vielleicht trotzdem etwas flau?

Für Angehörige von Minderheiten ist jedes aufgemalte Hakenkreuz eine Faust, welche kurz vor ihrem Gesicht stehen bleibt. Sie sagt: "Du hast aber sowas von nichts hier zu suchen, und wenn Du eines Tages wirklich auf's Maul bekommst, dann bist Du selber schuld! Geh' nach Hause, Du Kaffer, Schwuchtel oder Studentenbrille!" Ein Hakenkreuz ist eine ständige Morddrohung an den Wänden der Republik. Für einen Staat, der Bürgerrechte für die Sicherheit der Bürger veräußert, ist dies ganz erbärmlich: Er schützt nur jene, die so "richtig dazu gehören".

Wie wäre es mit der Initiative "Städte als Kavaliere"? Man gewönne einen Preis dafür, dass man tut, was ohnehin selbstverständlich ist: Nazischmiereien sofort zu entfernen, gehört schonmal dazu. Ebenfalls für Freundlichkeit und Rücksicht unter den BürgerInnen zu werben. Im Juni sind schließlich Wahlen. Doch leider gibt es einen solchen Preis nicht und so kümmert man sich um das, was wirklich wichtig ist: den Wirtschaftsstandort Ludwigshafen. Erstmal Gähn! Und hinterher das böse Erwachen: Ich prognostiziere dem omnipräsenten legalen Arm der Nazis ein fabelhaftes Ergebnis in LU!

Dienstag, 28. April 2009

Verordnete Niedertracht! Alkohol vs. Taliban und Ludwigshafen!

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis auch der Alkohol böse diskreditiert (altdeutsch für: dissen) würde: Komasaufen, Flatrate-Trinken, Anisschnappspanscherei in Turkye und dergleichen mehr sind Gefahrenquellen, und damit ist Alkohol grundböse. Gehört verboten! Die Talibanisierung der Gesellschaft schreitet munter voran, das Rauchverbot kann ja noch nicht alles gewesen sein. Es wird auch langsam Zeit, dass unsere Frauen von den Straßen, das Wahlrecht aberkannt (be)kommen und wir Herren wieder Hüte mit Dachshaarpinseln im Hutband tragen müssen. Jawoll, soweit kommt's auch noch, warten wir es nur ab!

Bis es aber endlich soweit ist, begnügt sich die Stadt Ludwigshafen mit einem temporären Alkoholverbot auf dem Berliner Platz. Okay okay, was in Mannheim schon längst Gang und Gäbe ist, muss hier erst mühsam installiert werden: Tanz- und Lächelverbot in der Öffentlichkeit, verordnete Niedertracht und Spaßdezimierung allenthalben. Ich möchte aber nun zur Sache kommen, denn der Alkoholspiegel in meinem Blut sinkt rapide gegen Null, und dagegen muss bald etwas getan werden!

Weil es letztes Jahr so gut geklappt hat, führt man ab kommenden Freitag in Ludwigshafen wieder ein Alkoholverbot rund um den Berliner Platz ein, dieses Mal sogar sechs Monate statt der drei im letzten Jahr. Wer weiß, wem man es danken muss, dass es auch dieses Mal nur von jeweils Donnerstag bis Sonntag von 22Uhr bis sieben Uhr morgens gilt? Als Grund für diesen herben Schlag gegen die Trinkergemeinde wird allein angeführt, dass es im letztjährigen Zeitraum 3% weniger Fälle von Körperverletzung gegeben hätte. Indem man den Zeitraum nun verdoppele, rechne die Stadt in ihrer Logik nun mit 6% weniger Haue!

Das ist natürlich enorm! Man rechne es sich einmal aus und übertreibe mal zugunsten der Kulturpessimisten: drei Monate haben ungefähr 90 Tage. Wenn es sonst an jedem Tag jeweils 2 Verletzte gegeben hätte, also 180 insgesamt, und es während dem Alkoholverbot 3% weniger gegeben hat, dann gab es also insgesamt, mal nachrechnen, hmmmm, grübel grübel, ach ja: 174,5 Verletzte. Verdoppelt man den Zeitraum, dann gäbe es statt sonst 360 durch alkoholbedingte Rauferei körperlich versehrte Menschenleiber nur 349 davon.

Bei diesen Zahlen hauen sich genauso viele Statistiker die Hand vor die Stirn, wie es sie braucht, um die Zahlen durch Fälle von Gehirnerschütterungen wieder auf ihr Normalmaß anzuheben: Hat man in Ludwigshafen denn schon einmal was von Varianzen gehört? Wenn es in besagtem Jahr nur fünf Regentage mehr gegeben hat, dann hätte man ähnliche Ergebnisse erreicht. Genau so gut hätte man mir im angedachten Zeitraum das Annähen von Mantelknöpfen verbieten können und damit möglicherweise noch weniger Verletzte gehabt.

Oder man schafft diese dummbatzigen Feste wir Kirmes oder Weihnachtsmarkt endlich ab, dann tendiert die Körperverletzungsgefahr eventuell sogar gegen Null? Denn es bleiben ja offenbar noch 97% Restrisiko! Jedenfalls sind die Zahlen wohl kaum signifikant genug, um ein Alkoholverbot damit zu begründen. Das ist nur Augenwischerei, und durch Gefahrhuberei möchte man wohl von der eigenen Spießigkeit, ergo von den wirklichen Gründen ablenken: Alkoholisierte Menschen sind laut, sehen nicht besonders gut aus, dauernd scheppert irgendwas durch die Gegend, und sie stören auch sonst jedes ästhetische Empfinden.

Diese Partyposse dann vom Platz zu verjagen, löst denn auch nur dieses Unwohlgefühl saturierter und scheintoter Beschwerdebürger auf. Das angeführte Problem aber wird nur verlagert: Dann saufen wir halt woanders und hauen uns dort gegenseitig die Fresse ein. Na dann mal los, Frau Lohse: Sorgen sie doch für einen weiteren sterilen Platz in der Region. Als ob es davon nicht genug gäbe! Ich rufe jedenfalls auf zum Widerstandstrinken! Prost!

Dienstag, 17. Februar 2009

Eins, zwei, viele Arbeitsmärkte! In Ludwigshafen wird man geholfen!

Bei diesem Mistwetter macht sich schnell Langeweile breit: Man möchte nicht mehr vor die Tür, gräbt sich lieber zuhause unter der Bettdecke ein und sinnt seltsame und hanebüchene Dinge aus. So ähnlich muss es auch dem Sozialdezernenten Wolfgang van Vliet aus Ludwigshafen ergangen sein. Der hat sich ganz viele Gedanken machen müssen, weil nun jedes vierte Kind in der BASF-Town von Hartz IV lebt, und das geht nun gar nicht, auch wenn es irgendwie trendy in der BRD ist. Also ab zum Interview mit einer Mannheimer Zeitung:

Sein Rezept gegen die Folgen der Kinderarmut heißt Ganztagsschule und Hausaufgabenbetreuung. Soweit so gut, klingt spitze, funktioniert aber nur, wenn Geld fließt und nicht irgendwelche Freigesetzte dies ehrenamtlich tun müssen. Fachpersonal braucht's da schon, von wegen der Bildungsgerechtigkeit. Aber man ist ja dabei in Ludwigshafen und anderswo, ist ja längst dabei, ist ja dabei, jaja, ist ja gut!

Die Ursache von Kinderarmut ist zuerst einmal die Armut der Eltern. Offenbar verdienen viele Menschen einfach zu wenig und brauchen daher finanzielle Unterstützung vom Staat bzw. den Kommunen. Andere wiederum sind zu schlecht qualifiziert für eine ordinäre Arbeit. Für diese hat man den sogenannten zweiten Arbeitsmarkt geschaffen. Leider verdienen die Arbeitnehmer dort noch weniger und brauchen deshalb - richtig: erst recht staatliche Unterstützung. So kommen die Kinder aber nicht aus der Armut heraus.

Irgendwie ist da laut Herrn van Vliet auch nicht die Hartz IV-Gesetzgebung dran schuld, nein: Schuld ist einzig und allein die Tatsache, dass "...für gewisse Tätigkeiten keine Arbeit mehr da ist." Aha! So ist das also! Aber genau deswegen hat sich der Herr van Vliet etwas besonders Innovatives ausgedacht: Wenn erster und zweiter Arbeitsmarkt nicht ziehen, dann muss ein dritter Arbeitsmarkt her - ist doch logisch! Da gibt's auch nichts dran zu rütteln! Damit es für gewisse Tätigkeiten wieder Arbeit gibt!

Allein dieses Satzkonstrukt ist so dermaßen interessant, dass man gar nicht mehr fragen mag, was denn diese gewissen Tätigkeiten eigentlich sein sollen. Vor allen Dingen, wenn es für diese im dritten Arbeitsmarkt, der ja noch zu schaffen sei, Arbeit gäbe. Das ist jetzt aber irgendwie verwirrend, Herr van Vliet! Gibt's dafür jetzt Arbeit oder nicht? Außerdem wäre da noch zu klären, wie ein Arbeitnehmer seinen Kindern ausgerechnet via Arbeitsmarkt III (AM III) aus der Armut helfen soll, wenn AM II schon nicht ausreicht.

Kaum vorzustellen, ob Arbeitgeber dafür überhaupt noch was zahlen müssten, möglicherweise wäre der Job voll aus Steuern finanziert? (Wer sein Unternehmen darauf gründen mag, der soll bitteschön Pleite gehen und selber Leistungsbezieher werden!) Nicht auszudenken, dass in ein paar Jahren immer noch ein paar Menschen zu gering qualifiziert sind, um in AM III unterzukommen. Dann erfindet der Herr van Vliet ganz schnell den vierten Arbeitsmarkt, da dürften die Arbeitnehmer dann sogar noch Geld mitbringen. Wäre das nicht super?

Man sollte den allesamt erfundenen Göttern der Weltreligionen dankbar sein, dass Herr van Vliet nicht eigenhändig Arbeitsmärkte erschaffen darf. Sein Verständnis von sozialen Leistungen geht ohnehin kaum über den Wohlfahrtsgedanken hinaus: Die Vereine sollen's richten, wenn es um kulturelle Teilhabe und Bildung geht, und wer Hunger hat, geht einfach zur Tafel. Schön, dass sich die Stadt Ludwigshafen so einen wie den Herrn van Vliet überhaupt leisten mag, denkt man da. Denn ein Sozialdezernent, das wäre doch wirklich auch ein Job für den dritten Arbeitsmarkt, oder nicht? Damit es für gewisse Tätigkeiten endlich wieder Arbeit gibt!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Mannheim ist schöner! Analoge Blogs in der Neckarstadt!

In unserem Haus gibt es jetzt einen analogen Blog. Im Treppenhaus, zweites Stockwerk, prangt nun ein Pamphlet, in dem vermerkt ist, wie heizkostentreibend die Unart sei, betreffende Fenster über Stunden geöffnet zu halten. Außerdem sei stundenlanges Lüften gar nicht erlaubt. Die Replik darauf, die nun darunter geschrieben steht, ist aufschlussreich, doch nicht überzeugend: Lüften sei erstens gar nicht nicht erlaubt und außerdem bilde sich Schimmel in Häusern, welche nie nicht gelüftet werden. Schließlich könne man das Lüften eines Hausflures nicht verbieten.

Das ist wohl eher ein juristisches Problem. Selber habe ich nichts ergooglen können, was die eine oder andere Sache untergraben könnte. Aber die Tatsache, dass zweimal googlen soviel Energie verbraucht wie eine Tasse Kaffee zu kochen, macht auch energietechnische Probleme in einem Wohnhaus in der Neckarstadt-Ost nicht leichter. Schauen wir mal, wie wir das Ganze eskalieren lassen können, denn offensichtlich geht es letzterer Partei am Arsch vorbei (was sich reimt ist nicht immer gut), was erstere zu bemängeln hat: Hier geht es ums Prinzip, und wenn das mal nicht schwer exemplarisch ist, dann gute Nacht, Mannheim!

Eine Partei möchte also, dass weniger zeitintensiv gelüftet wird und die Heizkosten sich dadurch mindern, die andere denkt, je mehr lüften, desto weniger Schimmel wird sich bilden und verbieten lässt man sich ja schon mal gar nichts! Vor allen Dingen nicht von einem läppischen Mieter, der von Besitz und Wertminderung ja so rein gar nichts versteht wie zum Beispiel ein Eigentümer. Soweit so gut! Mal sehen, ob sich das nicht noch toppen lässt:

"Wenn einige Frischluftfreunde denken, sie müssten das Haus mal so ordentlich durchlüften, dann sollen sie das gefälligst tun, aber nicht stundenlang. Stoßlüften reicht vollkommen aus! Nach fünf Minuten gehören die Fenster wieder geschlossen. Wer dem aus irgendwelchen Gründen nicht nachkommen kann oder mag, der soll für immer schweigen und nie wieder ein Fenster berühren noch irgendwelchen Unsinn ans Fenster bloggen!", steht nun ans Fenster geschrieben und ich harre auf Antwort.

Solange kann über etwas anderes berichtet werden: Wozu braucht eigentlich Ludwigshafen ein neues Einkaufszentrum wie die "Rhein-Galerie" am Zollhafen? Es gibt nun schon genügend Einkaufszentren in dieser Stadt, die zwar ambitioniert, doch leider gescheitert sind. Als Beispiele seien genannt: Der Berliner Platz und die Walzmühle - Takko, Tortenschachtel, KIK, T€DI, und Schlecker zählen zu den Garanten des konsumistischen Untergangs - funktionieren einfach nicht.

Was waren das noch Zeiten, als die Walzmühle noch mit (sub)kulturellen Angeboten lockte, bevor der Laden zu etwas vollkommen Belanglosem umverwandelt wurde: Hier hatten immerhin einmal The Notwist gespielt, im linken Teil der Fabrik, und im rechten konnte man gleichzeitig Techno nachvollziehen, der vorher doch nur eine trübe Masse an Tönen war, hier aber sich voll offenbaren durfte als das, was er war: eine intuitiv zusammenklabusterte Musik mit mehr Herz und mehr Seele, als es die ganze Rockliga annodazumal fertig brachte. Nun ist die Walzmühle ein trauriges Einkaufszentrum voller grantiger Menschen!

Wer soll bitteschön in Ludwigshafen einkaufen, wo doch jeder seit Jahrhunderten schon weiß, dass ein Einkauf in Mannheim viel mehr Spaß macht? Man geht höchstens nach Ludwigshafen, wenn man mal billige Jeans braucht. Wer aber Style kaufen will, der geht nach Mannheim. Ich weiß, ungewohnte Worte aus meiner Tastatur, aber es ist so! In Ludwigshafen flaniert allein das Proletariat: Es hat gar keinen Geschmack und braucht deswegen keine zweite ShoppingMall mit Kleidungsdiscountern und zugegebenermaßen schönem Rheinblick (man wirbt sogar mit dem Blick auf das Mannheimer Schloss! Wie niederträchtig, sich auch noch mit fremden Immobilien schmücken zu wollen). Zwei davon reichen!

Man gibt sich also voll der Hoffnung hin und schafft damit weitere Bauruinen. Davon gibt es in Ludwigshafen schon so viele! Genannt seien das ehrgeizige U-Bahnprojekt am Heinrich-Pesch-Haus, die Walzmühle, der Hauptbahnhof, der Berliner Platz, das RathausCenter, die BASF-AG, etc. usw, usf. Da ist sogar Mannheim schöner, und das meine ich ernst! Vielleicht liegt es aber auch an den drei Bier, die ich heute Abend schon getrunken habe. Ich trinke mir Mannheim richtig schön - Prost!

Sonntag, 25. Januar 2009

Stinkstädte vs. Pfälzer Wald! Temporäre Stadtflucht und die Wandervögel!

Mannheim stinkt! Es hat zwar weitaus weniger Grund dazu als Ludwigshafen, immerhin steht der Brauerei Eichbaum und der Schokinag die immens große BASF-AG entgegen, doch in der Top-Ten-Hitliste der Stinkstädte steht Mannheim ganz vorne, und Ludwigshafen wirkt dagegen wie der reinste Luftkurort. Leider ist Ludwigshafen noch hässlicher als Mannheim und taugt deswegen nicht zum Verweilen.

CountryGirl wurde zuletzt einmal gefragt, welches Auto sie denn habe. Sie antwortete, sie habe gar keines und wurde daraufhin erschreckt angesehen: "Ja, wie kommst Du denn dann zu Ikea?" Wochenendausflügler, so konnte CountryGirl erfahren, führen nun nicht mehr in den Pfälzer Wald, um den "zuzuscheißen", sondern besuchten IKEA oder das Rhein-Neckar-Centrum in Viernheim. Dort gebe es alles, was man für ein ordentliches Freizeiterlebnis bräuchte: Shopping, Shopping und Shopping!

FarmerBoy und CountryGirl ziehen es vor, in den Pfälzer Wald hinein zu fahren und den Wandervogel herauszukehren, wenn es der vorabendliche Kneipenbesuch erlaubt, die Glieder noch einmal zu regen und das Wetter es den verweichlichten Städtern erlaubt, die wilde Natur zu erleben. Wenn man kein eigenes Auto für derlei Ausflüge hat, tut eine Zugfahrt not oder man "lädt" Freunde ein, die ein solches Fahrzeug besitzen und gerade nicht bei IKEA sind. Der Plan ist folgender:

Man könnte sie zum Beispiel dazu einladen, nach St. Martin bei Edenkoben zu fahren und dort eine zünftige und kurze, weil schon nachmittägliche Wanderung zu unternehmen und zwischendurch auch einmal einzukehren. Dann könnte man zu fünft einem Passionsweg folgen, der unfassbar steil ist und an dessen Wegesrand die Stationen der Leiden Christi erfahrbar sind und an dessen Ende man ziemlich erschöpft ist, genau wie Jesus. Zwischendurch allerdings könnte man zu einer Grotte wandern und plötzlich einer katholischen Ausformung des Götzendienstes begegnen: dem Marienkult! Da muss das Jesuskind weinen, wenn es das mitbekommt!

Man könnte sich also über die Christen lustig machen, obwohl man sich eher vor ihnen fürchten sollte, vor deren Phantasie, Einbildungskraft und Wahnzersetztheit. Man könnte sich fragen, warum das Abbild der heiligen Mutter Gottes stets hinter Gittern ist und von A., der türkischer Abstammung ist, zur Antwort bekommen: Damit sie Jungfrau bleibt! Ja, dies macht Sinn, würde man da denken. Man würde sich vielleicht auch noch wundern, wer Christiam Kreuz ist, dem ein Stein immerhin noch gewidmet ist. Man könnte sich auch fragen, warum am Anfang des Passionswegs ausgerechnet ein Gedenkstein für die (deutschen!) Toten der beiden Weltkriege stehen muss, nicht aber einer für deren Opfer!

Man würde eventuell etwas später einem anderen Wanderer begegnen, der seinen Hund frei im Wald herum laufen lässt, der im Übrigen überhaupt nicht mehr an der Message seines Herrchens interessiert ist. FarmerBoy könnte dem Wanderer sagen, er sei ja sehr beruhigt darüber, dass er den Hund ja offenbar voll unter Kontrolle hat, woraufhin der Wanderer FarmerBoy nachäfft und dieser ihn wiederum als Arschloch bezeichnet. Die anderen Vier befänden sich eventuell etwas weiter hinter FarmerBoy und würden den Wanderer gerne grüßen, der aber dem Idioten, der ihn weiter vorne als Arschloch bezeichnet habe, lieber alle Knochen brechen würde.

Man befände sich dann noch später in einer Wanderhütte, in dem man für ein angemessenes Geld ein zünftiges Essen und einen Weinschorle bekäme und hinterher pappsatt wäre. Hinterher träte man den Heimweg an und genösse noch einmal so richtig den Duft des Waldes und das Licht der untergehenden Sonne, die sich sonderbare Wege durch die Nadelbäume sucht und findet. Man könnte dabei über Politik reden, über Urlaubsziele, über deren geographische Beschaffenheiten, gerne auch über die stinkende Stadt mit all ihren Vorzügen, und sei es auch nur, dass sie Stadt sei und kein Dorf. Denn da wäre man sich einig: In einem Dorf wolle man nun wirklich auf keinen Fall leben!

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Operation gelungen, Patient tot! Fahrplanumstellung in Mannheim und Ludwigshafen!

Was passieren kann, wenn der ÖPNV privatisiert wird, kann man in Großbritannien ganz wunderbar beobachten: Die Schienennetze sind marode und nur alle Schaltjahre fährt mal ein zudem noch kaputter Zug in den Bahnhof ein. Man mag sich fragen, wie das mit der Deutschen Bahn sein wird, sollte die tatsächlich teilprivatisiert werden - wenn also Profitgier auf Beamtenmentalität stößt! Halleluja, möchte man da den Herrn lobpreisen.

Doch auch vom sogenannten Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN oder rnv? Was fährt denn hier wo und wie heißt das denn jetzt richtig? Häh?) kann man lernen. In Mannheim zeichnet sich der Gasmonopolist MVV GmbH für den Nahverkehr zuständig, nennt sich hierfür aber MVV Verkehr AG und ist demnach eine Aktiengesellschaft und naturgemäß profitorientiert. Anders lässt sich das Debakel ja kaum noch erklären.

Nun war es ja noch nie besonders angenehm, in Mannheim und Ludwigshafen auf Busse und Bahnen angewiesen zu sein. FarmerBoy freut sich jedenfalls sehr, wenn die Kälte nicht mehr ganz so klirrend ist und man wieder weitere Strecken innerhalb der Großwaben LU/MA mit dem Fahrrad fahren kann. Denn das Preis-Leistungsverhältnis war immer schon lausig: Die Bahnen fahren viel zu selten, brauchen dafür aber extra lange für eine lächerliche Strecke und tuckern unglaublich umständliche Wege ab.

Eigentlich sollte mit der Fahrplanumstellung seit Montag einiges besser werden, und man dürfte dem VRN auch gerne noch etwas Zeit einräumen, etwaige Probleme in der Umsetzung zu beheben. Aber wer möchte einem profitorientierten Unternehmen seine eigene Zeit schenken und dafür noch Geld bezahlen? Wenn man sich ein Auto kauft, möchte man doch auch, dass es fährt und hat dann wenig Verständnis für technische Probleme wie z.B. dass es dauernd stehen bleibt oder sogar ganz ausfällt. Dafür gibt es u.a. die Geld-zurück-Garantie!

Seit Montag benötigt FarmerBoy für die einfache Strecke von Mannheim-Neckarstadt bis nach Ludwigshafen-Mitte ca. 40Minuten. Sonst dauerte das nur 20Minuten, doch nun fährt ja nur noch eine Straßenbahn üwwer de Brigg, und beinahe jede zweite Bahn fällt aus. Dabei kann es sich zwar um ein Einzelschicksal handeln, aber gerade Einzelschicksale können so dermaßen frustrierend sein. Da muss sich doch auch mal Wut entladen?

Die Mannheimer und Ludwigshafener nehmen das allerdings sehr gelassen, und FarmerBoy fragt sich schon, ob er diese Gelassenheit eher zu einer allgegenwärtigen Apathie verklären soll. Es kommt ihm nämlich so vor, als befänden sich die Menschen hier in einer Art Duldungsstarre. Beinahe wünscht er sich deshalb griechische Verhältnisse her. Oder wenigstens die seit der Finanzkrise wieder topmodische Verstaatlichung. Seltsam: Der Staat stand sonst eher im Verdacht der Trägheit und der Inkompetenz. Seit man aber entdeckt hat, dass die sogenannte "freie Marktwirtschaft" ähnliche Defizite aufweist, weiß man ja gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht.

Aus rein jounalistischem Interesse hat es FarmerBoy gewagt, einen Mitarbeiter des VRN darüber zu befragen, wie lange es wohl dauern mag, bis die chaotischen Zustände sich aufgelöst haben. Drei bis sechs Wochen, beschied man ihm. Und für Beschwerden solle er in Zukunft gefälligst die zuständige Hotline nerven. FarmerBoy weiß, dass die armen Mitarbeiter nicht für entstandenes Ungemach verantwortlich sind. Er hat aber auch schon einmal in einem Callcenter gearbeitet und weiß daher, dass diese keine Problemlösungen anbieten, sondern nur eine beruhigende Funktion haben sollen. FarmerBoy will sich aber gar nicht beruhigen lassen, er will einfach nur irgendwann einmal nach Hause kommen.

Er möchte manchmal eben lieber den totalen Verkehrskollaps, verursacht durch umgestürzte, brennende Straßenbahnen und Busse. Dazu braucht es aber einen aufgebrachten Mob und keine lethargischen MitbürgerInnen. Gäbe es diesen Mob, man darf ja mal träumen, würde die Stadt einfach planiert, es würden U-Bahnschächte unten und oben drüber dann wieder Häuser gebaut, vielleicht dieses Mal ein paar schöne? Denn in Mannheim lässt sich einfach kein vernünftiger Verkehr planen. Es gibt kein richtiges Fahren im Falschen! Oder: Einen toten Patienten kann man zwar noch operieren, aber nützen tut es nichts! Gewaltphantasien aber leider auch nicht!

Sonntag, 7. Dezember 2008

Dank lästigem Grundgesetz keine Todesstrafe! Ein antifaschistischer Hinweis für Ludwigshafen!


Na gut! Ludwigshafen ist - wie übrigens ganz Rheinland-Pfalz - kein Ort intellektueller Begegnungen. Woher soll das auch kommen? Geschmacksverirrungen wie Fasching werden unter der Rubrik Kultur verbucht und Büttenredner wie Kurt Beck oder den Oggersheimer Dr. Kohl hält man irrtümlich für Politiker. Die Fachhochschulen dienen allein der Reproduktion wirtschaftlicher Wertesysteme und folgerichtig steht Herzensbildung nicht auf der Agenda.

Rheinland-Pfalz besteht aus größeren und kleineren Dörfern. In den kleineren wird gerne geistige und körperliche Inzucht getrieben. In den größeren Dörfern wie zum Beispiel Ludwigshafen tut man wenigstens noch so, als gäbe es eine kulturelle Aufsicht und noch einige gesellschaftliche Tabus. Doch was soll man gegen die renitente Bevölkerung tun?

Auch der Autor schreibt, denkt und sagt gelegentlich Bockmist. Das Geschriebene muss allerdings keiner lesen, das Gedachte bekommt ohnehin keiner mit und das Gesagte, tja... Das wird leise den zugedachten Ohren hinein posaunt und bekommt der Zaungast nur dann mit, wenn es beabsichtigt ist. Anders aber ist der Ludwigshafener: Wenn er spricht, muss alles zuhören, wer sich nicht die Ohren mit Sekundenkleber oder lauter Musik zukleben mag.

Alle Facetten des Lebens werden besprochen: die richtigen Dateiformate für Musik, warum Männer schlecht sind (und zwar allesamt), wen man sich in seinem Bett vorstellen könnte und wen nicht usw. usf. Das ist mündlicher Trash und dient wohl lediglich dem Kommunikationsbedürfnis der Menschen, das dank mangelnder Themenvielfalt intellektuell ausgebremst wird. Das kann auch lustig sein, je nach mentaler Verfassung lacht oder weint man.

Bedrückend wird solcherlei Dreistgeschwätz allerdings, wenn jemand wieder mal für irgend jemanden die Todesstrafe einführen möchte. In der Regel geht es hierbei um Kinderschänder, die ja strukturell bedingt mehr Therapiestunden vom Staat "geschenkt" bekommen als deren Opfer. In der Tat ist dies ein beklagenswerter Zustand, den zu beheben aber die Todesstrafe nicht in der Lage ist, weil sie dem Opfer auch nicht weiter hilft. Außerdem gibt es ja noch so lästige Sachen wie ein Grundgesetz.

Man sollte nämlich noch erwähnen, dass sich zu den jungen Müttern eher bodenständigen Charakters, welche diesen Unsinn verzapften, noch ein älterer Herr der Marke Gewohnheitstrinker gesellte, der lallend bestätigte, dass solche Leute - ob er Kinderschänder, Studenten oder Migranten meinte, war unklar - früher vergast worden seien. Die Mütter waren sichtlich froh, dass endlich jemand ausgesprochen hatte was sie sich offenbar nicht selbst getraut hatten, und nahmen den Herrn freundlich in ihre Gesprächsrunde auf.

Der Mund des Autors stand weit offen, er war so sprachlos wie sonst nur selten. Hier wünscht er sich die Pflichtfächer "Herzensbildung" und "Antifaschismus" in die Schulen. So ist es ja kaum erstaunlich, dass an öffentlichster Stelle seit Wochen ein Hakenkreuz prangen darf, ohne dass es je beseitigt wurde. Und das, obwohl der Verfasser dieser Zeilen diesbezüglich schon einmal bei der Stadtverwaltung angerufen hat, sogar Namen und Telefonnummer dort hinterlassen hat, um etwaigen Nachfragen bezüglich einer Unauffindbarkeit der Örtlichkeit begegnen zu können.

Leider scheint es nicht zu den Prioritäten der Stadt Ludwigshafen zu gehören, Nazi-Schmierereien zu entfernen. Wo aber ungehindert Hakenkreuze wuchern dürfen, da wuchert auch faschistisches Gedankengut. An anderer Stelle nämlich darf Folgendes gekritzelt stehen: "Natzis rein! Albaner, Amerikaner und Araber raus!" Nun, da hat einer Recht: Natzis sollten endlich rein in die Knäste und mal so ordentlich durchalphabetisiert werden. Albaner und Araber allerdings gehören raus aus den Abschiebeknästen! Doch wer sind DIE Amerikaner?

P.S. Liebe Stadt Ludwigshafen: Ein Hakenkreuz samt Bekenner-Tag finden Sie an der Stelle, wo die Berliner Straße unter der Eisenbahnbrücke durchführt, rechterhand gleich am ersten Bogen.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Vitamine sind das Alpha und das Omega! Und Fett hat kein Niveau!

Es ist immer dasselbe: Im Sommer schrumpft man seinen Körper auf Bikiniformat, und im Winter frisst man sich alles wieder drauf. Es ist ja so kalt, man bibbert die ganze Zeit und jede Bewegung macht gleich doppelt müde. Die im Sommer angeeignete Hautfarbe blättert ab wie alter Lack, denn die Sonne strahlt ja nur noch, wenn man irgendwo für wenig Geld arbeiten tut, und das dann auch noch drinnen. Kein Wunder, dass man da alles, was einem in die Quere kommt, in sich rein frisst. Kapitalismus macht halt dick, faul und dumm, wie man ja gerade mal wieder sehen kann.

O. aus B. hat sich extra ein neues Fahrrad gekauft und die Überlegung zum Erwerb einer Monatsfahrkarte verworfen. Im Endeffekt, so sagt er, fuhr ich zwar wieder mehr Fahrrad, bin dann aber mittags so hungrig gewesen, dass ich angefangen hatte, fettiges Zeug in mich hinein zu stopfen. Fett werden trotz bzw. durch Bewegung sei aber so dermaßen frustrierend, dass er sich angewöhnt hat, auf dem Markt eine Schale bereits zugeschnittenes Obst zu erwerben und zu schnabulieren. Vitamine, sagt O., sind das Alpha und sind das Omega!

Wenn ich Obst zum Mittag esse, fängt mein Hunger erst so richtig an. Ich bekomme dann regelrechte Currywurst-Phantasien, feuchte Träume in rot-weiß und einen Schmacht auf Haxe mit Zwiebelringen. Die Gnocchi sind am bitteren Ende wieder mit Käse-Sahne-Sauce statt mit Mehlschwitze, und zum Nachtisch gibt es dann bitte einen Schokoladenpudding. Hmmmmm! JunkFood ist das Beste wo gibt! Allein, der Geist ist willig, doch der Körper schwächelt arg und drängt einem immer dazu, Reserven anzulegen. Und meine Arbeitsumgebung macht es mir nicht gerade leicht, die Fußgängerzone in Ludwigshafen bietet jedenfalls all das auf, was ein Gesundheitsapostel in den Rang der Erbsünde heben würde (siehe oben).

Dabei wäre es ja so einfach, nur für den Hunger und noch dazu gesund zu essen. Ist es aber so lecker wie daheim nur bei Muttern, fällt es eben schwer, einfach so den Suppenlöffel hinzulegen. Am Ende ist im Topf doch nur noch ein ganz klitzekleiner Rest, der ja gar keine volle Mahlzeit mehr ergibt. Den kann ich doch nicht einfach wegwerfen, schließlich ist man ja im Krieg aufgewachsen, solch harte Zeiten vergisst man nicht! Damals wäre man richtig froh gewesen um jeden noch so kleinen Bissen! Also rein damit in die gute Stube, dann isses weg, jawoll!

Auf die Idee allerdings, so zu portionieren, dass das Mahl für zwei Tage reicht, bin ich offensichtlich erst in diesem Moment gekommen. Es ist letzlich albern: Man quillt so lange in die Horizontale, bis die Hosen nicht mehr passen und die Pullover unbequem spannen. Dann werden eben neue Hosen gekauft und auch neue Pullover, schon mal von vornherein ein bisserl größer, gelle? Dann füllt sich aber auch diese Spanne zwischen dem mit dem Daumen weggehaltenen Hosenbund und dem Bauch, und man will auf einmal doch den unschönen Körperspeck loswerden. Das dauert dann wieder ewig, und am Ende hat man nagelneue Klamotten, die an einem herum schlackern und alte, die endlich wieder passen. Was ist das nur für ein Leben?

Donnerstag, 14. August 2008

Lost in LU! Tatort Stadtplanung!

Nun, wer es noch nicht weiß: Wegen chronischer monetärer Klammheit habe ich eine neue Arbeit angenommen und weile deswegen nicht mehr unter dem auserwählten Clan der sogenannten Nur-Selbstständigen. Ich bin jetzt nur noch Auch-Selbstständiger und leide sehr darunter, meinen Körper nun zu bestimmten Zeiten verkaufen zu müssen wie ein ganz ordinäres Freudenmädchen. Denn wer von der Arbeit gef**** wird, dem fehlt die Zeit für die schönen Dinge im Leben.

25 Stunden in der Woche sind eine Menge Zeit, die ich meinem neuen Brötchengeber in den Rachen schleudere. Ich hoffe er weiß es zu schätzen und wirft mir im Gegenzug einen markigen, monatlichen Knochen vor die Hütte. Wuff! Hechel! Apropos Hechel: Zu meiner Arbeit gehört es leider auch, ganz viel durch Ludwigshafen zu radeln, um irgendwelche Orte zu besuchen. Okay, ich könnte auch Straßenbahn fahren, aber die ist hier in der Region ja so lahm, dass man sogar im gemächlichen Walk viel weniger Zeit verplempern würde. Fängt ja schon mit Fahrschein lösen an, die ganze Misere, und dann fährt das verdammte Ding auch noch in die verkehrte Richtung.

Zu meinem Leidwesen passiert mir dasselbe auch mit dem Fahrrad. Zur Erinnerung: Ich bin kein Eingeborener, der den ludwigshafener Stadtplan mit der Muttermilch aufgesogen hat. Dabei ist Ludwigshafen gar nicht mal besonders groß. Leider sind die hiesigen Stadtplaner mit Mikado und nicht mit Schach groß geworden, und genau so haben sie diese Stadt auch geplant: Wer Auto fährt is King! Wer Fahrrad fährt is Depp! Wer Auto fährt, hat Schilder, die ihm den Weg weisen. Und Straßen, die einfach immer weiter gehen. Wer Fahrrad fährt, hat Wege, die urplötzlich aufhören. Und Schilder, die ihn in die Irre führen.

Da gibt es also diese kleinen rechteckigen Schildchen für Radfahrer, deren grüne Schrift und Umrandung Hoffnung vermitteln sollen. Folgt man ihnen aber, landet man im günstigsten Fall an irgendeiner Weggabelung und weiß nicht mehr weiter. Man entscheidet sich vielleicht noch für den Weg, der am ehesten geradeaus geht. Doch das scheint immer die falsche Entscheidung zu sein. Beim nächsten Mal entscheidet man sich anders, aber das ist ebenfalls falsch: Am Ende steht man in unheimlichen, einsamen Sackgassen, die man sonst nur aus dem ortsansässigen Tatort kennt.

Ein furchtbarer Verdacht keimt in mir auf: Stadtplaner sind vielleicht gar nicht so ungebildet, sondern einfach nur kriminell. Gangster-Familien haben sie bestochen, damit sie arglose RadfahrerInnen in deren Fallen lotsen. Pro gemeuchelten Velo-Freund bekommen sie ihren Zehnten, die Hütte in der Gartenstadt ist damit schnell abbezahlt. So mancher soll sogar eine Kuh in seinem Garten stehen haben. Eine Mafia-Kuh nämlich, nennen wir das Kind doch bei seinem Namen!

Nur Heldenmut und ein im Pfälzer Wald geprägter Orientierungssinn haben mich bislang vor dem Schlimmsten bewahrt. Doch kann ich mich immer darauf verlassen? Bald werden mich die Zumutungen des Arbeitsalltags so abgestumpft haben, dass mein ach so wacher Geist einschläft und ich nur noch sabbernd irgendwelchen Schildern folgen will. Was dann? Ich möchte nicht als Leiche aufgefunden werden, nur weil ich mich als ortsunkundiger Fahrradfahrer auf ebenso ortsunkundige Beschilderungen verlassen habe. Es ist mein Recht als Mehrwertsteuer zahlender Verkehrsteilnehmer, sicher und verlässlich durch eine Stadt, und sei sie noch so klein, gelotst zu werden. Sapperlot!

Sonntag, 4. Mai 2008

Die Sonntagsblödigkeit! Ein Text wider die Disziplin!

Mannheim ist beinahe schön, wenn die Sonne mal scheint und der Winter so allmählich scheiden muss. Das Gras auf den Neckarwiesen überwuchert beinahe den Abfall, alles grünt und blüht, so dass es schier eine Freude ist. In einer Stadt gibt es nun erfahrungsgemäß viele Menschen, die diesen Genuss mit einem teilen möchten. Gottlob nicht alle zur gleichen Zeit.

Menschen mit geregeltem Arbeitsalltag müssen auf Sonn- und Feiertage zurückgreifen, wenn sie einmal die zarten Bande eines Sommers touchen wollen. Arbeitsfaulen und müßiggängerischen Menschen aber sei empfohlen, ihren Walk ausschließlich unter der Woche zu begehen, denn die aufgeregte Wachheit des Bohemians korreliert nur selten mit der zivilisatorischen Taubheit des Arbeitsgetiers.

Denn eines ist klar: Wer ein tägliches Allerlei und Ewiggleich erlebt, sich also ständig automatisierten Abläufen aussetzt wie ein Ackergaul seinen Scheuklappen, der brummt auch Feiertags blöd vor sich hin und schaut nicht hierhin und auch nicht dorthin. Heftige Begegnungen sind vorprogrammiert. Manche nennen dieses mechanische Herumspazieren die "große Sonntagsblödigkeit", andere nennen es die "affektierte Diszipliniertheit von niederen Wesen".

Die Disziplin unserer Vorfahren beschränkte sich darauf, Fleischvorräte aufzufüllen, bevor sie zur Neige gingen. Das Leben war hart, und selten wurde jemand älter als sagen wir mal 25 Jahre. Faktisch gab es kaum Großeltern, was aber auch den einzigartigen Vorteil in sich barg, dass der Generationenvertrag ohne Rentenkasse auskam. Unsere Vorfahren kannten keine nine-to-five-Jobs!

Doch dann kamen die Religionen, später die Industrie, und vorbei war's mit dem Lotterleben. Plötzlich gab es Frondienste statt Muse, Schichtarbeit statt Sex. Menschen lernten Berufe und wechselten vom Handwerk zum Verwaltungswesen. Man lernte, aus dem Bett zu steigen, obwohl man gerade keinen Hunger hatte. Zum Zeichen ihrer Knechtschaft trugen die nun Angestellten Schlipse und Krawatten, die allerdings viel länger und schmaler waren als die ihrer Herren. Angeleint wie Hunde und verachtet wie ebendiese verrichten sie noch heute ihr Tagewerk.

Zum Ausgleich für einen disziplinierten Arbeitstag redete man dem Arbeitstier gut zu, erfand eigens dafür die Freizeit und diverse Aktivitäten, mit denen diese zu begehen sei. Voilá, die Freizeitindustrie war erfunden, und die Segnungen allerlei Sportgerätes sollten den Menschen beglücken. Freizeit ist tatsächlich nie etwas anderes gewesen, als die Erholungsphase zwischen zwei Arbeitstagen. Man arbeitet also nicht für die Freizeit, sondern freizeitet für die Arbeit.

Damit man da nicht aus dem Tritt kommt, gilt es, die Freizeit ebenfalls einem strengen Zeitschema zu unterwerfen. Denn Freizeit muss ausschließlich mechanisch begangen werden. Der Wochenplan eines Durchschnittsmenschen zeigt Folgendes: Mittwochs ist Tennis, donnerstags ist Skat, samstags Fußball und sonntags Familie. Oder Fußball. Oder Grillen. Oder Gartenarbeit. Irgendwas Sinnvolles muss es aber schon sein. Wer aber nur faul herumlungert, der taugt auch auf der Arbeit nichts.

So also nicht! Und wenn die Kinder mal wieder Auslauf brauchen oder die Frau unzufrieden ist, geht man auch gerne mal an der Hannelore-Kohl-Promenade in Ludwigshafen spazieren. Dabei ist zu beachten, wirklich gar nichts und niemanden zu beachten. Entgegenkommende Menschen müssen erbarmungslos niedergetrampelt und zu Tode ignoriert werden. Der Blick hat stumpf zu sein um die Unansprechbarkeit der Person zu betonen.

Kein freundliches Wort, kein gütiges Brummeln soll dem Kehlkopfbereich entweichen. Man hat versunken zu sein in die Anschaffungen der nächsten Tage, die Farbe des Wohnzimmerschrankes, den nächsten Arbeitstag, den nächsten Minivan, die Sporttabellen und allerlei anderen Konsum. So muss das sein! Ja, die gute alte Disziplin, sie ist die Scheuklappe der Zivilisation!

Freitag, 1. Februar 2008

Kleiner TV, großer Bettel! Supersize me!

Die Inflation, sie ist längst da! Das ist so gewollt, man hat es eben gerne größer und immer größer. In den Medien spricht man vom "immer mehr..." der Arbeitslosen, der Staatsverschuldung, der kriminellen Jugendlichen usw. und so fort. Mir gefiele es "immer mehr", spräche man vom "immer weniger", man sich also eher im Dienste einer Deflation begriffen sähe.

"Immer mehr" Dicke gäbe es in 'tschland, und dies sei überwiegend ein Problem bildungsferner Schichten. So heißt es jedenfalls. Mir gefällt der Gedanke, weil dadurch auch "immer mehr" PolitikerInnen der Bildungsferne bezichtigt werden können. Ein Großteil der Mannheimer Männer allerding auch. Und auf bedenkliche Weise gleiche ich mich an. Längst habe ich dem BMI abgeschworen und rechne wieder auf alte Weise, denn da komme ich viel besser weg: Körpergewicht ist gleich Körpergröße minus 100cm. Ich finde den Gedanken jedoch beunruhigend, dass mein Bildungsstand abhängig ist von der Art, wie ich mein Gewicht berechne.

Die Unzufriedenheit mit sich selbst und den Umständen, in denen man sich befindet, ist ein Relikt aus der Entstehungszeit der Menschheit. Das ständige Streben nach Verbesserung der persönlichen und der sippenhaften Lage sei der Motor der Zivilisation gewesen, so wird gemunkelt. Hatte Zomba, der hünenhafte Wurzelflechter, nur 3 Mammutkeulen, so eiferte er dem zottigen Ulagh nach, der derer 4 hatte. Da er dafür aber nichts jagen wollte, klaute er es dem nächsten Deppen, der ihm über den Weg lief.

Irgendwann hatte jeder mehr Mammutkeulen, als er essen konnte. Dumm nur, dass die Mammuts darüber ausgestorben waren, und die Keulen damit wertlos wurden in dem Maße wie sie verdarben. Wenig später erfand man Geld, aber besser geworden ist deswegen nichts. Die Menschheit, sie ist noch ganz am Anfang, so könnte man meinen. Alles wird teurer, und man bekommt noch dazu weniger dafür.

Selbst die Obdachlosen und die meist jugendlichen Schnorrer geben sich nicht mehr mit 50cent zufrieden, sondern fragen gleich nach 2 bis 3 Euro. Dies liegt nur etwas unterhalb des Stundenlohns einer Backwarenverkäuferin und ist auf die Stunde gerechnet einträglicher als die Beschäftigung bei einem die ArbeitnehmerInnen ausbeutenden Unternehmungen. Aber wer hat schon 2 bis 3 Euro übrig für Schnorrer, wenn doch alles so inflationär teuer geworden ist?

Die Backwarenverkäuferin in Ludwigshafen befindet, dass ihr billigere Brötchen angesichts ihres lausigen Lohns auch lieber wären. Während Familie G. in ihrer Bonzenvilla säße, müsste sie nämlich Tag und Nacht schuften, nur um einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich hatte lediglich die kreative Preisgestaltung verhöhnt, weil man neuerdings gerne Backwaren für beispielsweise 57cent verkauft. Dies solle dem Kunden wohl suggerieren, hier würde knallhart ihm zugunsten kalkuliert, so dass Familie G. oder Herr K. beinahe aus ihren Villen ausziehen müsste?

Es geht aber auch anders: Auf dem Weg ins Kino trafen meine liebe Frau C. und ich auf einen offenbar türkischstämmigen Mann, der uns auf offener Straße einen Kleinbild- TV verkaufen wollte. So ein Gerät besitzen wir aber selber, interessiert hätte uns also eher "ein- vom- LKW- gefallener- Plasma- Flachbild- TV- Gerät", oder wie die Dinger heutzutage heißen. Mit steigendem Alter verliert sich der Überblick über technische Errungenschaften in ebensolchen Maße, wie das Bedürfnis nach ebenjener Technik steigt.

Anders ausgedrückt: "Immer mehr" älter werdende Menschen stehen in sogenannten Medienkaufhäusern vor immer weniger motivierten und damit nur sogenannten Fachverkäufern und wollen Dinge erstehen, von denen sie den genauen Namen nicht kennen. Ungeduldig hört man dem Kunden zu, widerwillig grenzt man den Kundenwunsch ein.

So geschehen, als ich vor einigen Jahren eine "DSL- Box" erstehen wollte und einen der motivationstrainierten Angestellten danach fragte. Man hätte keine Ahnung, was ich denn meine, erklärte der sichtlich angewidert. Nach einiger Zeit stöhnte der Fachverkäufer auf: "Ach, Sie meinen ein DSL- Modem? Oder etwa einen DSL- Router?" Damit hatte ich nicht gerechnet. Da ich mich nicht mehr getraute zu erfragen, welche Bewandtnis es mit dem einen oder anderen Geräts hat, zog ich voller Scham von dannen.

Bei den Frisören ist es übrigens ähnlich: Wenn ich mich mit deren Fachjargon auskennen würde, so könnte ich ja meinen Wunsch auch genauestens benennen und wäre dann aber wohl in der Lage, mich selber zu frisieren, bräuchte also gar keinen Frisör mehr. Dem ist aber nicht so, deswegen lasse ich mir die Haare von meiner lieben Frau C. schneiden. Ich schäme mich zu sehr über meinen Mangel an fremdberuflichem Fachsprech. "Immer weniger" Frisöre profitieren wegen ihrer offensichtlichen Arroganz von meiner Haarpracht, die sich übrigens ganz wunderbar frisieren lässt.

Dies hat aber zur Folge, dass "immer weniger" Frisöre ausreichend Geld verdienen. Sie bezahlen ihrem Personal deswegen Hungerlöhne. Im Gegenzug werden die Preise erhöht, damit "immer weniger" KundInnen das gleiche Einkommen einbringen. Leute wie ich sind Schuld, dass die Wirtschaft den Bach heruntergeht. Soll sie doch...

Sonntag, 27. Januar 2008

Dem Mannheim sein Nokia! Flatterhafte Germanen in Angst!

Jetzt ist es endlich raus: Die Ütschen sind gar nicht so reinrassig wie es sich manche herbeihalluzinieren, sondern sind ein Mish-Mash aus verschiedenen Völkern, die sich geil wie sie sind unter die Original- Ütschen gemischt haben. Der Herr Stoiber aus Bayern (wer erinnert sich noch an den?) sprach schon einmal von einer erwartbaren "durchrassten" Gesellschaft, ohne zu ahnen, dass dies bereits der Fall war.

Hätte Hitler damals geahnt, dass "därrr doitsche Stommboum" ein Mix aus Skythen, Phöniziern und - jawohl! - Juden ist, hätte er sich wohl vorsichtshalber selber vergast. Aber die Genforschung war noch nicht soweit, und äußerlich lassen sich kaum Zusammenhänge mit den an sich schönen Menschen aus dem Südosten Europas herstellen: Pickelface dominiert hier die Gestaden, so als wollten die Phönizier damals die besten Gene für sich selber behalten und die Pickel-, Fett- und Sonnenbrandgene an die ollen Waldfurzer im Norden verteilen. Vielen Dank auch!

Also zieht es die Finnen nun gen Südosten, zu den Blutsbrüdern, und sie nehmen ihr Mobilfunktelefon gleich mit. Man will schöne Dinge eben von schönen Menschen herstellen lassen. Und da die Bedingungen in Rumänien besser sind und es tolle, neue Subventionen gibt, lässt man dafür gerne mal 2300 ArbeitnehmerInnen in Bochum stehen. Man sollte sie nach Rumänien mitnehmen, denn Bochum ist überhaupt nicht schön. Erst wenn man arbeitslos ist, bemerkt man die Hässlichkeit seiner Umgebung überhaupt.

Mein Mitleid gilt den Nokia- Leutchen in Bochum. Man versteht ihren Ärger. Aber der Firmenumzug ist keine Frage der Moral, sondern eine der Wirtschaft. Die Europäische Union ist explizit eine Wirtschaftsgemeinschaft. In der noch zu installierenden Verfassung wird nicht von einem sozialen Europa gesprochen. Viel mehr wird es den europäischen Unternehmen durch Subventionen ermöglicht, sogar nahegelegt, ihre Standorte so oft zu wechseln, wie es ihnen gefällt.

Jedesmal, wenn sich ein Bundespolitiker darüber aufregt, wenn Firmen so wie Nokia agieren, gehört ihm eine hinter die Ohren gewatscht. Und wenn er hinterher fragt nach dem Warum, dann gleich noch eine, denn er hat die dazugehörigen Gesetze und Bestimmungen der EU höchstselbst für gut befunden und abgenickt. Man erinnere sich an die Betroffenheit unserer Politiker, als sich Holländer und Franzosen der EU- Verfassung verweigerten. In 'tschland lässt man die Bevölkerung deswegen lieber gar nicht selbst abstimmen.

Deutsche Unternehmen im Ausland machen es übrigens auch nicht anders: Sobald alle Fördergelder und Vergünstigungen aufgebraucht sind, schließen sie die Werkstore, und Sanchez oder Giovanni gucken dumm aus der Wäsche. Auch hält man einen Sozialplan für überflüssig. Das ist das hässliche Gesicht des Kapitalismus', und es steht dem Nordeuropäer gut!

Für das alles braucht man aber gar keine EU, das funktioniert ebenso auf Länder- wie auf kommunaler Ebene: Gerade bedauert Mannheim, ein weltweit renommiertes Unternehmen an Ludwigshafen verloren zu haben. Dadurch gehen der Stadt Einnahmen verloren, und unser aller liebster Oberbürgermeister, der Herr Kurz (wer kennt ihn noch?), findet das nicht so gut. Weshalb er einen Verhaltenskodex für die Region einfordert, der Unternehmen und Konkurrenzstädte nicht wirtschaftlich, sondern moralisch denken lassen soll. Man stiehlt dem Nachbarn eben nicht die Butter vom Brot!

Das ist gelinde gesagt vollkommener Blödsinn. Denn man bekommt sonst ja jeden Tag das Gegenteil beigebracht: "Stehle deinem Nachbarn die Butter vom Brot". Aber da man sonst nichts vom Herr Kurz hört und sieht, kann er sich damit wieder super ins Gespräch bringen. Indem er unhaltbare Forderungen auf die Tapete kleistert. Er muss nämlich weiter nichts für tun, wird aber trotzdem als starker Mann mit markigen Sprüchen geadelt. Mit mir als Oberbürgermeister (wer weiß das noch?) wäre das alles nicht passiert. Selber schuld, liebe MannheimerInnen! Jeder bekommt die Regierung, die er verdient!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Wenig Hirn und wenig Sex! Über die Nebenwirkungen von Arbeit und den Zauber der Weihnachtsgulags!

Uff, jetzt ist das Jahr fast vorbei und man kann beinahe wieder aufatmen. Das Weihnachtsgeschäft ist ein hartes Solches, und natürlich will die ganze Welt in der letzten Woche vor Weihnachten Sonderwünsche in Rekordzeit erfüllt bekommen, weil: Hey, wir leben doch in einer Dienstleistungsgesellschaft, wo der Kunde (sic!) König und der Dienstleister Sklave mehrerer Lehnsherren (pardon: auch Lehnsdamen!) ist!

Nach Weihnachten ist es dann so, als stünde die Welt für ein paar Tage still und wolle sich erholen, und dann, mit Ach und Krach, fängt der ganze Schlamassel wieder von vorne an. Arbeit, sie drückt uns auf's Hirn und auf die Libido. Viel Arbeit verursacht doch bloß mentale Trägheit und lässt einen an alles denken, nur nicht an Sex. Warum tun sich die Menschen sowas an?

Wenn man sich schon unbedingt etwas für das nächste Jahr vornehmen will, gibt es den ultimativen Tipp: Weniger arbeiten und dafür ersatzweise mehr Spass haben. Ich denke, das wäre ein guter Tausch und täte allen Beziehungen gut. Ein Vorsatz, der so gar nicht schmerzt, ganz im Gegensatz von solchen schier unerfüllbaren (und/ oder stinklangweiligen) Vorsätzen wie "mit dem Rauchen aufhören" oder "Vegetarier werden" oder "mehr arbeiten".

Sicher ist das eine Empfehlung, die sich ganz auf meine Erlebnissphäre stützt. Bin ich doch beinahe ersoffen in Arbeit, nun zwar (die nächsten zwei Monate) reich, befinde mich dafür aber in permanentem Erschöpfungszustand. Wo bleibt da der Genuss? Das Dolce Vita? Das Wahre, Gute und Schöne? Ich weiss auch nicht!

Natürlich trug auch die Vorweihnachtsstimmung zu meiner persönlichen Ermattung bei. Klar, als Weihnachtsverächter, der bunten Lichtern und zuckersüßer Musik mit Weihnachtsmann- und Christkindlbezug so gar nichts abgewinnen kann, findet man das Gedöns einfach nur grauenhaft.

Man kann das alles jedoch meist weiträumig umgehen, und ein Kopfhörer in den Ohrmuscheln ersetzt Sangeskitsch mit adäquat klingenden, weil in schnafte Musik umgewandelten, Dateisätzen. So kann man selbst durch die Fußgängerzonen der Stadt gehen, vorausgesetzt man hält die Augen auf weihnachtsunverdächtiges gerichtet.

Ich muss aber auch sagen, dass ich dem Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Platz in Lu' nicht entkommen konnte. Mein Atelier befindet sich in unmittelbarer Nähe, und als ich es einmal satt hatte, dieses städteplanerisch an ein Gulag gemahnendes Holzhüttendorf weiträumig zu umgehen, beschloss ich, mitten hindurch zu walken.

Was ich besser nicht getan hätte. Denn Neurotiker wie ich sehen und hören keine glücklichen Kinder, zufriedene Erwachsene und blühenden Handel mit Tand und Gebäck, sondern eine stumpfsinnige Masse Mensch mit Bratwürsten statt Händen und verschmierte, plärrende Kinder.

Ich schlug mir den Weg frei durch einen Wald voller toter Gesichter in bunt leuchtender Umgebung. Es war wie in einer perfide durchwirkten Strafkolonie, deren Insassen jeden Fluchtinstinkt verloren hatten, so dass die drei Ausgänge aus dem Gulag gar nicht verschlossen sein mussten. Ich fand einen Ausweg und mache seither einen großen Bogen um die Holzhütten. Ich bin frei und ich lebe! Ach, wie schön kann die Welt doch sein, in Freiheit!

Donnerstag, 9. August 2007

Im Fieberwahn! Doch wessen Fieber ist es?

meine schwester A. meinte einmal, dass sie in der kneipe gerne die gesellschaft von raucherInnen suche, da diese oft die unterhaltsameren und angenehmen gesprächspartner seien. nichtraucherInnen hingegen empfände sie oftmals als spassbremsen: sie seien ach so vernünftig und bräuchten nie irgendwelche substanzen, "sie könnten auch ohne spass haben".

man muss wissen, dass meine schwester A. zu dieser zeit bereits mit dem glimmstängel gebrochen hatte und damit eine ungewöhnliche ausnahme der spezies "nichtraucherInnen/ ex- raucherInnen" darstellte: die duldsame ausnahme nämlich!

denn in der regel ist diese spezies eher anstrengend für jedermann. der erhobene zeigefinger und der schielende blick nach dem gesetzgeber macht den abstinenzler aus, der ja nicht nur so alleine vor sich hin abstinenzlert, sondern sein anliegen zum anliegen aller menschen machen muss.

derlei talibanisierung ist man in baden- württhemberg ja längst gewohnt: man denke an das tanzverbot an christlichen feiertagen, an das verbot von alkoholika an öffentlichen plätzen und jetzt auch noch das rauchverbot. letzteres wurde durchgesetzt zum wohle aller menschen, der wirt muss nicht mehr nach rauch stinken, der nichtraucher muss nicht mehr passivrauchen und der raucher muss nicht mehr rauchen.

es sei denn er geht nach draussen. sicher war ich gestern abend angenehm überrascht, wie wenig ich nach rauch rieche - nämlich gar nicht - nachdem ich aus dem "vienna" nach hause kam. ich hätte aber so gerne gemütlich bei einer zigarette geplauscht, dies wurde aber durch dauerregen verhindert: denn wo hätte ich sonst meinen glimmstängel entzünden sollen wenn nicht draussen?

ausserdem möchte man seinen lieben gesprächspartner, in diesem fall meinen kumpel R., nicht bitten, mit hinaus zu gehen, damit ICH eine rauchen kann. denn wo ist denn da bitte die gemütlichkeit, wenn man draussen vor der tür verbleiben muss wie einst nur die hunde!

ich fühle mich schwer kolonialisiert von eifernden missionaren, die mir die hoheit über meinen körper rauben wollen. wir gehen der gemütlichkeit verlustig, und das wegen ein paar nervöser gesundheitsapostel, die uns aber ansonsten gerne mit ihrem autoabgasmief belästigen, der ja nicht minder krebserregend ist.

ich vertrat ja immer die these, dass neben den ganzen unfreiwillig eingenommenen giften (benzole, schwermetalle, lebensmittelgifte etc.) die zigarette ein akt emanzipativer selbstvergiftung ist und deshalb subversiv sei. und wer möchte eigentlich nicht subversiv sein?

wahrscheinlich mal wieder alle ausser mir! jedenfalls lästert man in ludwigshafen ganz schön über das schöne mannheim (stellvertretend für bawü), und bedauert uns thekengänger auch ein wenig. diese kommunikation geschieht in der regel entspannt mit der gemütlichen zigarette im mundwinkel.

man hat aber auch angst: was ist, wenn die welle überschwappt? heute nach ludwigshafen und ganz rheinland- pfalz, und morgen in die ganze brd? was käme als nächstes? wird ussama bin beck, erklärter talibanversteher, zuerst die zigarette verbieten, dann den alkohol? müssen die pfälzer landfrauen statt obligatorischem kopftuch nun die burka tragen? wie lang muss der männerbart uns wachsen?

und wie würde dies alles durchgesetzt? die mullahs beckstein, koch, oettinger und beck schüfen uns die hölle auf erden. es gäbe in allen bundesländern gedungene sprengstoff- attentäter, deren ziel das kiosk in deiner (!) nähe ist? würden sie kollateralschäden billigend in kauf nehmen? man hört sie heut' ja schon rufen: "recht ist da wo rechts ist!"

würden die vereinten nationen eingreifen und uns ins technische mittelalter zurückbomben? im mentalen mittelalter befinden wir uns ja schon, im old- europe! ich halte aber dagegen und warte auf das erste spontane und illegale smoke- inn, dance- inn und drink- inn in mannheim. denn rechts ist da wo die leber sitzt und auch ein lungenflügel! aber links, da pocht das herz und lebt die freiheit!

Montag, 6. August 2007

Das Huhn brennt nicht! Wo geht's bitte zum Leerstand?

ein wundersamer tag ereignete sich am 4. august in ludwigshafen: mit einem bus in ziehharmonika- format begaben sich knapp 50 menschen durch die stadt, um den hiesigen leerstand zu begutachten, das thema also: wo werden mit leeren gebäuden die wohnbaren räume spekulativ verteuert? der name der aktion? "leer in lu - eine szenische stadtführung"

ein leeres grab im hemshof wurde u.a. goutiert und befeiert, eine ludwigshafener schlagersängerin stieg aus der leeren gruft und gab ein letztes mal(?) ein playback- konzert. ansonsten interessanter leerstand mit mustergültigen kommentaren. leider verstand man im hinteren ende des busses kaum ein wort des reiseführers, motorengebrumm übernahm an dieser stelle.

erschwert wurde die aktion durch ein vielerlei an wortführern, mitunter lenkte mundartliche sprechweise stark von den inhalten der reisegruppe ab. immer wieder wurde auch von einem brennenden huhn gemunkelt, weswegen ich ja eigentlich dabei war. zusammen mit meiner freundin C.

absonderliche orte futuristischem bauwahns wurden ebenso gezeigt wie zeugnisse längst vergessener zeiten. besonders bedrückend kam die leicht frequentierte und dennoch im gebrauch stehende bauruine "haltestelle heinrich- pesch- haus" rüber - vergleichbar nur mit der springfielder (nevada/ usa) "rolltreppe ins nichts" und dem dort ebenfalls vorhandenen "riesen- brennglas". schaurig das!

am ende der veranstaltung endlich: das brennende huhn! nebenbei: es wollte nicht so recht brennen! mehrere anläufe machten die show leider zu einer farce. schade eigentlich: so ambitioniert war es, besser noch als die aus helikoptern geworfene kuh in berlin.

doch es half nichts! man müsste diese aktion besser konzertieren. das huhn indes stand für leerstehende räume im hirn. umso bezeichnender, dass dies scheitern musste. war doch die gesamte aktion durchplant wie kaum eine andere zuvor. welche ich meine? keine ahnung! ich bin ja immer neu hier!

trotzdem: eine gelungene aktion des "büro's für angewandten realismus". vielen dank dafür! dies ist übrigens eine unaufgeforderte berichterstattung mit leichter gefälligkeitstendenz. solcherlei dienstleistungen werden im übrigen ohne gegenleistung erbracht.

Sonntag, 8. Juli 2007

Ein WOW für meine Achseln! Die Herrenrasse wohnt nicht in Ludwigshafen!

wer denkt, nur auf dem land im geringsten dorf laufen entlegene gestalten herum, der täuscht sich! liebe mannheimerInnen, ich kann euch beruhigen: es geht heute nicht um euch! es geht um teile der einwohnerschaft eurer liebsten nachbarstadt - ludwigshafen.

mein atelier liegt in der gegend um den berliner platz. dort den menschenmassen bei ihrem treiben zuzschauen, ist kein ästhetischer spass. selten habe ich so heruntergekommene exemplare gesehen. ähnliches findet man noch nicht mal in berlin in z.b. hellersdorf- marzahn:

schlecht, ach was: schäbig gekleidet, ungesunder teint, frisuren direkt aus der hölle, gemacht von friseurInnen mit schmuddeligen phantasien. das sweatshirt wird in die hose gestopft, ein unheiliger gürtel hält die hose. diese steckt in schlimmen stiefeln, welche man wohl polnischen dirnen gestohlen hat.

man nehme sich ein beispiel an den jungen, muslimischen migrantInnen: sie sehen selbst in trainingsanzügen vorzeigbar aus, und körperpflege ist ihnen kein fremdbegriff. es gibt ein nord- süd- gefälle, wie ich befürchte. klar gibt es auch hier modeopfer. aber auch das ist selten schlimm. lächerlich zwar, aber gepflegt!

die kaukasischen exemplare halten von alledem nichts. so sieht sozialamt aus. man möchte offenbar ein möglicht erbärmliches bild abgeben, um transfergelder zu erschleichen. wie konnte es jemals jemandem einfallen, dass gerade die "nordmänner" die herrenrasse sein sollen? wenn hier nicht mal ein minderwertigkeitskomplex pate stand.

die jungen muslimInnen haben es schwer, transfergelder geltend zu machen, da sie stets adrett gekleidet daherkommen. die sachbearbeiterin mag sich denken: kleidungstechnisch auf dicke hose machen, aber hier geld abzocken wollen. dir werd' ich helfen!

liebe sachbearbeiterin: nimm es als ein zeichen tiefen respekts, der dir bekundet wird. er beinhaltet, eben nicht in den ausgelutschtesten klamotten bei dir anzuklopfen und eine kilometerlange bierfahne vor dir herzuschwenken. sei froh um jeden, der nicht nach tote ratte riecht.

junge muslimInnen finden auch: männer und frauen, die sich nicht die achselhaare rasieren, stinken ein bisschen, im ernstfall sogar massiv. sie haben recht. wer kennt das nicht: man steht in einer schlange vor der kasse und möchte nicht zum vordermann aufrücken, weil: er stinkt nach schweiss, und zwar ganz elendig.

dem kann abhilfe geleistet werden: ab und an mal waschen, und bei starker achseltranspiration hilft die achselhaarrasur. das habe ich jetzt - notwendigerweise - auch gemacht: ich arbeite ja nun in der gastronomie, und nach ein paar stunden dienst erschnuppern die gäste gezwungenermassen auf der stuhl- achselachse den achselschweiss der bedienungen. aber bei mir? nada! da riecht der kaffee doch gleich viel besser!

ausserdem sieht das unglaublich ästhetisch aus: ich schaue mir nun jeden tag im spiegel meine blanken achseln an und denke: wow!

Sonntag, 13. Mai 2007

Ein Wow zu einer exotischen Bratwurst! Top-Acts, drei Feste und eine Top Brauerei!

ein hartes wochenende war das: erst im kino, dann trinken (ich berichtete), am samstag trinken ohne kino, dafür in zwei verschiedenen lokalitäten, heute nicht trinken, dafür eine ausstellung und eine dvd. doch der reihe nach. ach was, ich erzähle doch nur den mittelteil und schweife dann wieder ab, wie gehabt.

gestern nach meinem einkauf und meinem einlauf für den gealterten autofahrer war ich erst mal sehr müde. als ich nämlich in einem kiosk gerade einen herrn ansprechen wollte, um ihn zu fragen, warum ein erwachsener mensch denn so etwas wie die bildzeitung kaufen könne, überfiel mich eine müdigkeit, die mich davor bewahrte, noch einen wähler durch ungeschickte propaganda zu verlieren.

als ich wieder wach wurde, lag ich in meinem bett. meine freundin C. war gerade nach hause gekommen und überredete mich, ein multikulturelles fest "vielfalt statt einfalt" (hiess das so?) - zu besuchen, um dort ganz elegant multikulturelles bier zu schlürfen und ein paar exotische bratwürste zu schnabulieren. begeistert fiel ich aus dem bett heraus und blieb dort ungefähr 10min liegen, bis ich mich endlich aufraffen konnte.

ich habe schnell ein paar meiner oberbürgermeister-kandidatur- unterstützerInnenzettel, leider nur einen kugelschreiber und viele meiner wahlkampfzettel eingepackt, denn ich hatte vor, schwer etwas zu reissen. zur stärkung trank ich vor ort zwei biere und dann ging es los. und man glaubt es nicht: an jedem biertisch gab es jemand, der bereit war mich zu unterstützen. leider gab es dort nur etwa 10 bierbänke, so dass ich von meinem ziel leider immer noch weit entfernt bin! mir fehlen jetzt noch 232 unterstützer.

ich fürchtete schon, dass ich wohl grandios floppen würde, wenn ich heute nicht mit voller kraft an die sache heranginge. ich entschied mich für noch ein bier, aber dann war das fest schlagartig zu ende - um 22uhr!!! in mannheim gibt es multikulti und vielfalt und das alles, aber nur bis um 10uhr abends! dann ist schluss damit und alles geht seinen üblichen gang. tja. was soll ich sagen - ich musste meinen wahlkampf auf einen anderen tag verschieben. heute war er jedenfalls nicht, der tag.

es spielte übrigens eine ganz furchtbare rock'n roll band. man konnte aus einer anderen perspektive betrachtet eigentlich ganz froh sein, dass der zauber ein ende hatte. die band entblödete sich nicht, den bis dahin längst und zurecht vergessenen song "mir san a bayrische band" von der spider murphy gang umzudichten in "mer sin ä monnemer band".

apropos spider murphy gang: diese band ist beim ludwigshafener stadtfest im juni der "top-act". der werksleiter der basf-ag kündigte die band jedenfalls "voller stolz" (mannheimer morgen) an. nun ja, wenn man sich geschätzte 25jahre lang um nichts anderes kümmert als um den job, dann kann man schon mal den anschluss verlieren. es ist durchaus vorstellbar, dass herr dr. schwager das einzige mal in seinem leben zu einem song der "spiders" getanzt hat. womöglich hat er sich 1983 auf der studi-fete des "studiengangs gepflegte langeweile" den hals wundgeschrien: "skandal - skandal - skandal um rosi..." und dann die dicke sabine abgeschleppt, das einzige mädchen im semester. wer weiss?

toll ist auch das mannheimer stadtfest an pfingsten. lauter "top-acts" tummeln sich da und zeigen mal wieder, wie "up-to-date" sie sind. der veranstalter ist die "top-brauerei" eichbaum, die ein solch ein super bier braut, dass sie sämtliche mannheimer kneipen auf mir unbekannte weise erpressen muss, dass sie dieses superbe bier ausschenken. die versammelten "musik-grössen" sind dem bier durchaus angemessen, darunter wird viel wert auf "frau" gelegt: u.a. die grossartige joy fleming, die nervenzerreisende, aber unvermeidliche julia neigel (ehedem jule neigel) und die "stimme 2000", die kathrin! die jahnke! wer immer das sein mag.

es verspricht, der ganz grosse spass für jung und alt, für gross und klein zu werden. ich werde mich aber stattdessen gleich morgen zur konserve eindosen lassen, um kostenlos in die antarktis zu gelangen. dort werden die eisforscher grosse augen machen, wenn sie mich statt ihrem corned beef aus der konserve pulen. ich springe lustig heraus, singe dann folgendes:

"Ist mir egal, ob du mein Eis zerbrichst, ich will in deiner Hand zergehen
Ist mir egal, ich will mit Haut und Haaren untergehen
Ich sehe Schatten an der Wand
Sie erzählen mir aus einem neuen Land" (jule neigel)
ich nutze die sich daraufhin ausbreitende panik, klaue mir einen weissen schnee- overall und etwas kryptonit, damit ich mir meine eigene festung der einsamkeit errichten kann. eisforscher haben das alles massenhaft auf lager. es wird jedenfalls sehr schön sein in der antarktis. man sollte jedes pfingsten so verbringen.

manch einer mag sich fragen: "was ist eigentlich mit der versprochenen geschichte von der dicken familie? ausserdem stehen noch die oberbürgemeisterkandidatenprofile aus!" kommt noch, liebe leserInnen, zu gegebener zeit. nichts ist vergessen, nur aufgeschoben.