Es ist immer dasselbe: Im Sommer schrumpft man seinen Körper auf Bikiniformat, und im Winter frisst man sich alles wieder drauf. Es ist ja so kalt, man bibbert die ganze Zeit und jede Bewegung macht gleich doppelt müde. Die im Sommer angeeignete Hautfarbe blättert ab wie alter Lack, denn die Sonne strahlt ja nur noch, wenn man irgendwo für wenig Geld arbeiten tut, und das dann auch noch drinnen. Kein Wunder, dass man da alles, was einem in die Quere kommt, in sich rein frisst. Kapitalismus macht halt dick, faul und dumm, wie man ja gerade mal wieder sehen kann.
O. aus B. hat sich extra ein neues Fahrrad gekauft und die Überlegung zum Erwerb einer Monatsfahrkarte verworfen. Im Endeffekt, so sagt er, fuhr ich zwar wieder mehr Fahrrad, bin dann aber mittags so hungrig gewesen, dass ich angefangen hatte, fettiges Zeug in mich hinein zu stopfen. Fett werden trotz bzw. durch Bewegung sei aber so dermaßen frustrierend, dass er sich angewöhnt hat, auf dem Markt eine Schale bereits zugeschnittenes Obst zu erwerben und zu schnabulieren. Vitamine, sagt O., sind das Alpha und sind das Omega!
Wenn ich Obst zum Mittag esse, fängt mein Hunger erst so richtig an. Ich bekomme dann regelrechte Currywurst-Phantasien, feuchte Träume in rot-weiß und einen Schmacht auf Haxe mit Zwiebelringen. Die Gnocchi sind am bitteren Ende wieder mit Käse-Sahne-Sauce statt mit Mehlschwitze, und zum Nachtisch gibt es dann bitte einen Schokoladenpudding. Hmmmmm! JunkFood ist das Beste wo gibt! Allein, der Geist ist willig, doch der Körper schwächelt arg und drängt einem immer dazu, Reserven anzulegen. Und meine Arbeitsumgebung macht es mir nicht gerade leicht, die Fußgängerzone in Ludwigshafen bietet jedenfalls all das auf, was ein Gesundheitsapostel in den Rang der Erbsünde heben würde (siehe oben).
Dabei wäre es ja so einfach, nur für den Hunger und noch dazu gesund zu essen. Ist es aber so lecker wie daheim nur bei Muttern, fällt es eben schwer, einfach so den Suppenlöffel hinzulegen. Am Ende ist im Topf doch nur noch ein ganz klitzekleiner Rest, der ja gar keine volle Mahlzeit mehr ergibt. Den kann ich doch nicht einfach wegwerfen, schließlich ist man ja im Krieg aufgewachsen, solch harte Zeiten vergisst man nicht! Damals wäre man richtig froh gewesen um jeden noch so kleinen Bissen! Also rein damit in die gute Stube, dann isses weg, jawoll!
Auf die Idee allerdings, so zu portionieren, dass das Mahl für zwei Tage reicht, bin ich offensichtlich erst in diesem Moment gekommen. Es ist letzlich albern: Man quillt so lange in die Horizontale, bis die Hosen nicht mehr passen und die Pullover unbequem spannen. Dann werden eben neue Hosen gekauft und auch neue Pullover, schon mal von vornherein ein bisserl größer, gelle? Dann füllt sich aber auch diese Spanne zwischen dem mit dem Daumen weggehaltenen Hosenbund und dem Bauch, und man will auf einmal doch den unschönen Körperspeck loswerden. Das dauert dann wieder ewig, und am Ende hat man nagelneue Klamotten, die an einem herum schlackern und alte, die endlich wieder passen. Was ist das nur für ein Leben?
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Donnerstag, 23. Oktober 2008
Donnerstag, 13. September 2007
Kleines Quadrat braucht Platz! Mehr Mut zum Gehen!
Man "strömt" nicht geschwind über die Einkaufsstraßen, der Verkehrsfluss ist eher stockend. Ich als immer noch beweglicher End- Dreissiger aus dem hektischen Berlin fühlte mich schon mehr als einmal ausgebremst. So langsam wie sich die Masse bewegt kann ich gar nicht gehen. Ich verliere dabei das Gleichgewicht. Nur mit dem dazugehörigen Speck kann man die Balance in der Langsamkeit austarieren. Viele MannheimerInnen scheinen darüber zu verfügen.
Man sollte es nicht eilig haben! Und man muss mit allem rechnen: Unachtsam wankt die flanierende Meute mit ihren Mobilfunktelefonen oder Eistüten vor einem her, Einzelne drehen sich abrupt um oder bleiben unvermittelt vor einem Schaufenster stehen. Das ist zwar auch irgendwie Sinn der Sache, schliesslich befinden wir uns in einer Fußgängerzone.
Doch beim Ausweichen, Vorbeischlängeln und Durchflutschen bimmelt es plötzlich hinterrücks: Eine Straßenbahn schiebt sich durch die Meute, ist schon gefährlich nahe und ich muss wieder zurück in die zähe Masse der Bummelwütigen.
Was haben die Straßenbahnen hier eigentlich verloren? Doch eigentlich nichts, oder? Sie stellen höchstens einen weiteren Stressfaktor dar. Und ausgerechnet in den Fußgängerzonen halten sie alle 50 Meter an, genau so als müssten die Nippes- Konsumenten von einem Laden zum nächsten fahren. Von so einer Haltestellen- Dichte kann man außerhalb der Quadrate nur träumen.
Die Quadrate sind allerdings nicht so groß, als dass man nicht auch vom City- Ring her überall hinkäme. Die paar Meter, ich bitte doch sehr! Man könnte die Straßenbahn tatsächlich von den Quadraten ausnehmen. Vom Schloss, von der Kurpfalzbrücke, der Uni oder vom Wasserturm aus kann man prima flanieren. Aber offenbar ist man es in Mannheim gewohnt, überall direkt vor der Tür abgesetzt zu werden: Man soll sich bloß nicht mehr bewegen als nötig!
Ähnliches lässt sich nämlich im Parkverhalten vieler AutofahrerInnen feststellen: Warum in der 10Meter entfernten Parklücke parken, wenn man sich doch quer über den Bürgersteig direkt vor das Geschäft stellen kann. Die junge Mutter mit dem Kinderwagen darf's ausbaden, und der End- Dreissiger versaut sich seinen Anzug am schmutzigen PKW. Er überlegt sich schwer, ob er das nächste Mal nicht über die Motorhaube spazieren soll.
worte die fallen
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