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Freitag, 8. Januar 2010

Eine kleine Knigge für Gehörnte! Geringschätzung des Nebenbuhlers ist King!

Es kommt im Leben leider vor, dass man vom Lebensabschnittsgefährten verlassen wird. Mitunter gibt es dafür sogar richtige Gründe. Der effizienteste unter allen Gründen ist ein Nebenbuhler, der selbstverständlich die Schwäche des Ex-Lebensabschnittsgefärten grob ausschlachtet und Verständnis heuchelt, um ihn ins Bett zu bekommen oder gar komplett abzuwerben.

Dies ist schändliches Tun und muss geahndet werden. Man selbst nämlich droht dabei vor die Hunde zu gehen und neigt möglicherweise zu Selbstaufgabe und Demut, nur um noch ein paar Brocken Aufmerksamkeit und etwas Freundschaft zu ernten. Das ist äußerst schädlich für Körper und Geist. Warum soll man eigentlich Freunde bleiben müssen, wenn man auch etwas Spaß oder wenigstens Genugtuung haben kann? Eben! Daher diese kleine Knigge für Gehörnte:
  1. Es ist verboten, dem Nebenbuhler die Gedärme aus dem Leib zu reißen, nur um den Ex-Lebensabschnittsgefährten damit zu würgen. Diesem Stadium der Barbarei sind wir praktisch entwachsen, theoretisch jedoch nicht. Trotzdem: Tötungsphantasien gehören zum Geschäft und stehen für eine symbolische Katharsis. Diese wirkt reinigend auf Seele und Gemüt und macht den Therapeuten obsolet.
  2. Nicht verboten ist es, dem Nebenbuhler peinliche Namen zu geben und ihn fortan in jedem Gespräch dermaßen zu benennen. "Arschloch" oder "Wichser" sind allerdings zu grob gewählt und messen dem Nebenbuhler zu viel Bedeutung bei. Geringschätzung ist King! Ich persönlich empfinde die Betitelung "Arschnase" adäquat, sie ist von leichterer Natur, obwohl darinnen auch eine leichte Herablassung mitklingt. Bestimmt gibt es aber noch andere gute bzw. bessere Namen. Ein Klassiker ist auch die Verballhornung des eigentlichen Namens. 
  3. Ex-Lebensabschnittsgefährten bevorzugen die harmonische, einvernehmliche Version der Trennung. Ein schlechtes Gewissen spielt dabei eine große Rolle. Dieses schlechte Gewissen muss unbedingt gepflegt werden. Niemals darf dem Ex-Lebensabschnittsgefährten suggeriert werden, es könnte einem auch nur irgendwie gut gehen: Damit wäre das schlechte Gewissen obsolet, weil beruhigt. Allerdings muss auch peinlich darauf geachtet werden, in keinen Jammerton zu verfallen. Das Macht- und Deutungsgefüge wäre dadurch gefährdet.
  4. Auch darf man niemals darauf eingehen, "...lieber mich (den Ex-Lebensabsschnittsgefährten; der Verf.) zu hassen..." Das ist viel zu einfach, selbst wenn es sich so verhalten sollte: Das altruistische Moment des Gegenübers wird bedient, seine persönliche Täterschaft droht zur Passion zu gerinnen. Die Folge: ungerechtfertigter Moralzugewinn! Viel besser ist es also, stattdessen den Nebenbuhler zu hassen - es gilt, die volle Missachtung der persönlichen Wahl des Ex-Lebensabschnittsgefährten zum Ausdruck zu bringen. Keinesfalls darf man durchblicken lassen, man sei mit der Situation auch nur ansatzweise "einverstanden".
  5. Die BRD führt Krieg in Afghanistan, ach was, die ganze Welt führt Krieg. Was ist da gegen einen Krieg ohne Tote noch einzuwenden?
  6. Niemals darf man dem Ex-Lebensabschnittsgefährten Fehler und/ oder eigene Großtaten vorrechnen, das macht keinen Sinn. Es käme zu einer regelrechten Schlacht voller Vorwürfe und noch größerer Großtaten. Der Ex-Lebensabschnittsgefährte muss seine Position schließlich irgendwie rechtfertigen, egal wie schwachsinnig die Argumente dafür sein mögen. Gerne blendet er nämlich die schönen Seiten der Beziehung aus, um die schlechten um so grober wirken zu lassen. Auf dieses Niveau begeben wir uns erst gar nicht hinab.
  7. Trotzdem muss zu jedem persönlichen Feiertag des Ex-Lebensabschnittsgefährten gratuliert werden. Alles andere wäre schäbig und würde die persönliche Verletztheit unangemessen offenbaren. Man sollte ebenso reagieren, wenn der Ex-Lebensabschnittsgefährte sich seinerseits mittlerweile von jeder Form der Kondolierung und Kommunikation verabschiedet hat.
  8. Man schreibe eine "kleine Knigge für Gehörnte", geringschätzt damit seinen Nebenbuhler und veröffentlicht diese im persönlichen Blog, den der Ex-Lebensabschnittspartner daraufhin ein letztes Mal liest, bevor er das Lesezeichen in den Orkus der Unendlichkeit klickt - weil man seine Entscheidung auch offiziell nicht respektiert.
  9. Wer danach trachtet, den Ex-Lebensabschnittsgefährten zurück zu gewinnen, sollte auf die Punkte 1 - 8 gänzlich verzichten. Auch Weicheier, die sich demütig in den Staub werfen, um wenigstens eine "Restfreundschaft" aufrecht zu erhalten, sollten der Knigge keine Folge leisten.
Was man auch tun mag, man hat auf jeden Fall die Moral auf seiner Seite. Und die gilt es zu wahren. Die persönliche Verletzung darf auf keinen Fall zu billig veräußert werden. Was sind schon kleinere Sticheleien gegen den Akt der aktiven Trennung?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Hoffentlich macht's keiner kaputt! Das Gerippe des Holz E. Kart Teil II

Vor kurzem noch, beim Orthopäden, wurde mein Rücken auf ein Alter von 80 Jahren geschätzt. Heute, in der unvermeidlichen gerätegestützten Krankengymnastik, empfahl mir mein Physiotherapeut, meinem BUCKEL durch korrekte Körperhaltung entgegenzuwirken.

Habe ich jetzt also einen BUCKEL, dem man entgegenwirken muss? Die Wahrheit kann so demotivierend sein: Ja, bei genauerer Betrachtung habe ich einen BUCKEL! Sollte ich mir eventuell die Rücken anderer Menschen anschauen? Würde mich das eher aufbauen oder frustrieren? Nun, das kommt wohl darauf an, was ich sehe!

Wieviel BUCKEL ist eigentlich noch okay? Wenn man davon ausgeht, dass oben um die Halswirbel herum immer eine leichte Krümmung ist? Aber warum dann der Hinweis des Physiotherapeuten, dass ich mich fortan darum kümmern, ja mich sogar lebenslang damit auseinandersetzen müsse?

Verdammt, nun sehe ich laut Orthopäden zwar jünger aus, als ich tatsächlich bin. Aber was nutzt mir das, wenn ich einen Buckel habe? Wenn ich eine Vision von meinem Alter habe, dann denke ich stets an einen gut aussehenden älteren Herren mit feinen Zügen, gut gekleidet und mit aufrechtem Gang. Die Prognose des Physiotherapeuten konterkariert dies alles. Mist!

Soll ich in meine maßgeschneiderten Anzuge fortan einen BUCKEL einnähen lassen? Oder sollten den gewölbten Nacken pflegsam ins Jackett eingearbeitete Längsstreifen optisch verschmälern?  Ist das vielleicht eine zukünftige, modische Herausforderung? Oder soll ich lieber lebenslänglich meinem BUCKEL sportlich entgegenwirken? Wenn ja, warum nicht?

Warum gelingt es mir nicht, einen grammatikalisch korrekten Satz zu formulieren und warum bediene ich mich der adorno'schen Satzumwälzung? Trage ich etwa schwarze Rollkragenpullover? Und wenn ja, dann nicht warum nicht, sondern: kaschieren die einen BUCKEL?

P.S. Eben, als ich diesen Post einstellen wollte, bevorlugte mich folgende Anzeige:

Rückenschmerzen lindern: Schwingen auf ********** Trampolin stärkt Muskulatur und Bandscheiben.
Vor Google kann man sich tatsächlich fürchten: jetzt wird man von denen sogar gelabelt und folgerichtig beworben.

P.P.S. Oder, liebe LeserInnen: wenigstens Google interessiert hier mein Geschreibsel, wenn auch nur aus marketing-technischen Gründen zur Bewerbung des bloggenden Individuums. Vielleicht sollte ich mir so ein ********** Trampolin besorgen?

P.P.P.S. Ach nein, lieber doch einen buckel kaschierenden Anzug in Längsstreifenoptik!

Mittwoch, 2. September 2009

Die Mitte meines Körpers! Eine narzisstische Übung!

Ich bin nicht ganz in meiner Mitte. Schon seit Monaten nicht mehr. Die Symmetrie meines Körpers ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Darob lief ich, mich zwar gerade wähnend, gekrümmt durch die Wirrungen des Lebens. Aufgrund einerseits verkürzter, andererseits aber verlängerter Muskel gab es hie und da Verhärtungen, welche die Nerven quälten und zum Protest bewegten.

Nerven sind offenbar nur dazu da, Schmerzen zu signalisieren. Ob dies aber eine körperliche Vorahnung zu kommender, seelischer Pein gewesen ist, bleibt gleich: Weh tut es allemal! Doch die Kur zu beiderlei Schmerz ist unterschiedlich: Wo mir wegen des körperlichen Schmerzes narzisstische Selbstbetrachtung anempfohlen wurde, ist dies bei geistigem Schmerz kontraproduktiv.  Ich neige ohnehin zur Eitelkeit!

Dass ich für das eine eine Empfehlung habe und für das andere nicht, liegt in einer einfachen Sache begründet: Für das eine habe ich einen Physiotherapeuten, für das andere (Trennung im speziellen und Mannheim im allgemeinen) aber keinen Psychotherapeuten. Die Kur für das eine steht dem anderen allerdings im Weg. Der Psychotherapeut würde mir unter Garantie nicht empfehlen, mich selbst so zu betrachten wie es der Physiotherapeut empfiehlt.

Ich soll nun bei jeder Gelegenheit eine Möglichkeit zur Selbstspiegelung suchen, um meine krumme Körperhaltung zu korrigieren. Es ist meinem Körper nämlich gar nicht mehr bewusst, wie er sich gerade anfühlt, soll heißen: Wenn ich ganz gerade stehe, habe ich das Gefühl, ich stünde auf einem Dach und müsste mein Gewicht nach links hinten verlagern. Das bedeutet in meinem Fall eine Reihe von ergomemischen Übungen:

Hüfte nach vorne durchdrücken und nach links korrigieren, Bauch nach hinten ziehen und den restlichen Oberkörper nach rechts, leicht nach vorne biegen. Die Brustpartie allerdings soll nach oben weisen und dem Rücken leicht hohl machen, der Kopf hingegen muss aber mitsamt dem Hals nach links hinten gerückt werden und das Kinn leicht nach unten. Das hört sich nicht nur Scheiße an, das ist es auch! Kaum hat man das eine erreicht, verliert man schon das andere.

Damit ich das aber aushalten kann und mein Körper sich wieder gewöhnt, muss ich mich nun in Schaufensterscheiben oder öffentlichen Spiegeln betrachten und gegebenenfalls korrigieren. Dabei fällt mir jeweils folgendes auf:
  1. Ich sehe gar nicht mal so schlecht aus!
  2. Wer mich verlässt, ist selber Schuld!
  3. Ich habe wirklich eine schlechte Körperhaltung!
  4. Mir gefällt es irgendwie, mich dauernd anzugucken!
  5. Aber es ist mir trotzdem auch peinlich!
Mangels Spiegel oder Schaufenster musste ich einmal auf eine Autofensterscheibe zurückgreifen. Gerade als ich mich zur physischen Mittigkeit korrigiert hatte, kam der Besitzer aufgeregt angerannt: "Was machscht du do an meim Audo. Hald disch emohl fort devun!" Offenbar hatte der junge Mann angst, dass ich das Innere seines Wagens zum Behufe des Diebstahls ausspähen wollte. Ich gab mir nicht die Mühe, die Sache aufzuklären, sondern entfernte mich fluchs, lächelnd und erhobenen Hauptes, so gerade es mir möglich war.