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Sonntag, 23. September 2012

It's the system, not the sex, stupid! Ich will die 50%- Quote!

Wo genau liegt das Problem? Das statistische Mittel besagt, dass Männer und Frauen durchschnittlich begabt sind. Daher sollten beide Geschlechter zu gleichen Teilen am Gelingen einer Gesellschaft (wirtschaftlich und sozial) beteiligt werden. Es ist doch völlig egal, ob die Wirtschaft von durchschnittlich begabten Männern oder von durchschnittlich begabten Frauen gelenkt wird. Es soll schließlich keiner behaupten, dass ausgerechntet die Vorstandsetagen von irgendwie begabten Menschen bevölkert sind.

Unsere Gesellschaft fördert das Mittelmaß. Exzellenzen sind lediglich bürokratische Konstrukte, die das Mittelmaß dadurch inkludieren, indem sie sie zur Exzellenz stilisieren und mit reichlich Etat versehen. Versuchen Sie es selbst: Machen Sie Politik mit einer originellen Idee oder stellen Sie etwas her, was die Menschen wirklich brauchen! Sie werden scheitern! Denn die Mittel vergeben immer noch die durchschnittlich Begabten. Und die Wähler_innen vertrauen schließlich niemandem, der großkopfert daherkommt. Es regiert das: Mittelmaß!

Also weg mit der Forderung von 10, 20 oder 40 Prozent Frauenanteil in den Vorständen. Ich will die 50 Prozent. Statistisch gesehen kann es gar nicht schlechter werden. Auch mit Frauen bleibt alles, wie es ist. Das ist meine Prognose! Denn die Wirtschaft ist kein Problem des Geschlechtes, sondern ein Problem der Verteilung. Ich möchte, dass Frauen endlich in der Mitte der Gesellschaft ankommen und beweisen dürfen, dass sie genauso unfähig und unverantwortlich agieren wie Männer. Der einzige Unterschied: Ein Mann im Vorstand ist ein Platzhirsch. Eine Frau ist geschlechtlich eine Platzhirschkuh, sozial aber genauso ein Dummbatz wie Jedermann.

It's the system, not the sex, stupid! Politikerinnen wie die von der Leyen, die Merkel oder die Schröder beweisen, dass sich nichts verbessert, bloß weil Frauen den Job machen. Sie treten ja noch nicht mal für ihre Geschlechtsgenossinnen ein. Im Gegenteil: Letztere schreibt mit einem einzigen Buch 40 Jahre Emanzipation nieder (ohne die sie hätte niemals Ministerin werden können - Fluch oder Segen?). Wäre dennoch schön, wenn sich der Bundesrat zusätzlich zur Quote auch einmal dazu entschließen könnte, die Gehälter von Männern und Frauen anzugleichen und andere strukturellen Ungleichheiten abzuschaffen.

Für die Lohnungerechtigkeit wurde vor einigen Jahren übrigens immer die Möglichkeit einer Schwangerschaft während der Beschäftigungszeit angeführt. Dies koste den Betrieb Unsummen, daher müsse kompensiert werden. Da aber die meisten Jobs mittlerweile ohnehin befristet sind, dürfte dieses Argument wohl keine Rolle mehr spielen.

Samstag, 24. März 2012

Equal Pay Day! Ich will auch endlich equal gepayt werden!

kriegswichtig: klare Verhältnisse
Das Statistische Bundesamt hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass Frauen immer noch 23% weniger Lohn als Männer erhalten. Sicher ist diese Einkommensdiskrepanz auch der immer noch geschlechterdifferenzierten Berufswahl und Wochenarbeitszeit sowie den unterschiedlichen Karrierezielen geschuldet. Vielleicht ist der eigentliche Skandal der, dass eben in den "klassischen Frauenberufen" viel zu wenig gezahlt wird. Männer, die ihren Weg dort hinein finden, können ein Lied davon singen.

Was in der Diskussion um Berufswahl und Chancengleichheit fehlt, ist ein nicht- chauvinistischer Ansatz in der Zuweisung von Geschlechterrollen. Vor ca. 20 Jahren gab es dann endlich eine Diskussion um den Unterschied zwischen biologischem und sozialem Geschlecht. Das biologische Geschlecht ist eine genuin auf primäre und sekundäre Körpermerkmale reduzierte Angelegenheit, in der, vereinfacht ausgedrückt, festgelegt ist, wo die Kinder herkommen (und wie sie gemacht werden).

Das soziale Geschlecht ist eine systemabhängige Festlegung individuell zu erwerbender Kenntnisse, Fertigkeiten und vor allem Verhaltensweisen und deren Zuweisung an das jeweilige biologische Geschlecht. Wieder vereinfacht ausgedrückt wird folgendes behauptet: (alle) Männer basteln gerne an Autos rum und (alle) Frauen kümmern sich am Liebsten um Kind und Haushalt. Da dieses Verhalten als (geschlechter-) konform gilt, wird es beständig in Familie, Kita, Schule und Erwerbsleben reproduziert, bis alle Beteiligten glauben, da sei schon was dran. Und wer dem nicht entspricht oder entsprechen möchte, wird ebenso entsprechend gemobbt.

Wie erbärmlich diese Selbsteinschränkung ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Denn soziale Verhaltensweisen sind keineswegs ein Ergebnis eines biologischen Geschlechts. Diese Erkenntnis haben uns die Gender- Studies geschenkt, und die Gesellschaft hat sich dafür großzügig mit Büchern wie "Mann = Mars, Frau = Venus" sowie Mario Barth und diversen Päpsten bedankt. In der Emanzipation der biologischen Geschlechter vom konformen Rollenzwang hat es einen Rollback sondersgleichen gegeben. Dass Frauen fast weltweit ausgebeutet werden, liegt ja nun nicht an deren generell unterwürfigem Charakter, sondern ist allein der temporären Abhängigkeit von der Gesellschaft vor, während und nach des Gebärprozesses geschuldet. Ansonsten gilt: Was Vatikan, kann Mutti auch! (den Kalauer wollte ich schon lange mal unterbringen)

Doch ist es nicht so, dass männliche Babys automatisch auf den Bagger zukrabbeln und die weiblichen Babys auf die Puppe? Wollen wir die offensichtlichen (körperlichen) Unterschiede zwischen Mann und Frau wirklich nivellieren? So ähnlich hat es Frau von der Leyen, immerhin ehemalige Familienministerin, in einer Talkshow zum Thema "Weltfrauentag" ganz biologistisch ausgedrückt. Einzig Frau Weisband von den Piraten hatte dem etwas entgegenzusetzen, jedoch ganz ohne theoretische Termini. Aber dennoch, immerhin... Sie hat's gut gemeint und hat ja auch nichts Falsches gesagt.

Machen wir es doch wie Richard Sennett und schauen uns erst mal in unserem direkten Umfeld um. In einer meiner diversen Tätigkeiten u.a. in einer Grundschule wurde vor allem eines deutlich: Das Spektrum von biologischen Jungen und Mädchen ist unglaublich breit. Vom aggressiven über den moderaten bis hin zum introvertierten Jungen geht es (ab dieser Nulllinie) zum introvertierten über das moderate bis hin zum aggressiven Mädchen. Einfach gesagt: stopfte man das aggressive Mädchen in Jungenkleidung und schnitte ihm die Haare, dann könnte man äußerlich und am Verhalten gemessen, nicht mehr erkennen, dass das biologische Geschlecht eigentlich weiblich ist.

Beim introvertierten Jungen verhielte es sich genau so, trüge er Mädchenkleidung und sein Haar lang mit Schleife. Das Verhaltensrepertoire dieser Kinder ist so vielfältig, man möchte beinahe behaupten, es gäbe genau so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt. Freilich werden die Kinder früh genug in ein Verhaltenskorsett gesteckt. Recht bekommen allein die verkorksten Jungs-Jungs (wild und aggressiv) und die Mädchen-Mädchen (brav und süß). Sie müssen sich nicht verändern, sind sie doch der heimliche Stolz der nicht minder (zwangs-) konformen Eltern: Hauptsache, meine Brut ist nicht homosexuell und fällt auch sonst nicht weiter auf!

Diese Einschränkung des persönlichen Verhaltensrepertoires aufgrund einer zufälligen Geschlechterzugehörigkeit stellt eine Zumutung für jeden denkenden Menschen dar. Würden diese völlig willkürlichen Zuweisungen endlich überwunden, gäbe es keine Überlegungen mehr zur Einführung von Frauen- Quoten und niemand käme auf die Idee, Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter für die gleiche Arbeit zu zahlen. Einige wenige Unternehmen indes wollen erkannt haben, dass sogenannte weibliche Eigenschaften ihnen nützen könnten, weshalb sie sich dazu bereit erklärt haben, den Frauen bessere Karrieremöglichkeiten zu bieten.

Über eines muss man sich doch klar werden: Niemand kann eindeutig erklären, wie die unverwechselbaren Verhaltensmuster von Frauen oder Männern denn auszusehen haben. Der Versuch ist meist ein elendiges biologistisches Gebrabbel, allenfalls mit etwas Küchenpsychologie angereichert á la Frauen könnten nicht einparken und Männer fänden im Kühlschrank den Joghurt nicht. Und wenn ich den Joghurt dann doch finde UND einparken kann? Bin ich dann schwul, lesbisch oder gar intersexuell?

Insofern fand ich es zum gestrigen Equal Pay Day völlig ungerecht, dass Frauen einen 23%- Rabatt für ihre Getränke in den Kneipen bekommen haben. Zum Einen kann ich davon ausgehen, dass alle Frauen, mit denen ich gestern zusammen saß, deutlich mehr als ich verdienen (wahrscheinlich sogar zu Recht), zum Anderen kann ich ja noch nicht mal selbst ernsthaft behaupten, dass ich tatsächlich dem gesellschaftlich verbrieften Bild eines Mannes entspreche:

Ich arbeite am liebsten in Teilzeit, mag keine Autos und habe bezüglich meiner beruflichen Karriere keinerlei Ehrgeiz. Gemäß der vorherrschenden Logik wäre ich also eine Frau (wozu noch passt, dass ich wenig verdiene). Während die karrierebewussten, autofahrenden, Vollzeit arbeitenden und gut verdienenden Frauen eigentlich Männer sein müssten. Ich hätte den Rabatt jedenfalls beanspruchen können. Und damit ihn die Wirtsleute schneller ausrechen können, wäre der Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau, Ost und West, Friseur und Bankkaufmann auf 20% zu senken. Oder sogar ganz abzuschaffen! Soviel Ordnung muss sein!

Dienstag, 15. Februar 2011

Ein klitzekleiner Schritt für die Menschheit! So macht Dreifaltigkeit endlich einmal Sinn!

Eigentlich ist ja eine super Sache: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass sich Transsexuelle nicht mehr einer Totaloperation unterziehen müssen, um den Geschlechtereintrag ändern lassen zu können. Bislang war es ihnen nur möglich, zwar laut Pass z.B. Hugo heißen zu dürfen, aber trotzdem weiblichen Geschlechts bleiben zu müssen. Den weiblich "Namifizierten" ging es gerade umgekehrt. Diesbezüglich bedeutet dieses Urteil einen Fortschritt.

Andererseits geht egal welcher Geschlechtereintrag völlig am wesentlichen Problem vorbei: Denn wozu soll es überhaupt einen solchen geben? Wem ist damit gedient, wenn im Pass "männlich" oder "weiblich" steht? Und was ist, wenn ich diesbezüglich noch unentschlossen bin? Bedeutet der Geschlechtereintrag nicht eine Reduzierung ausschließlich auf das biologische Geschlecht? Ist die Kategorisierung in "männlich" und "weiblich" im Grunde nicht überholt?

Was können Männer, was Frauen nicht können? Was ist ihnen erlaubt und was nicht? Ob mensch gebär- oder zeugungsfähig ist, entscheidet die Natur und nicht die Behörden. Und ob mensch der Fortpflanzung willig ist oder nicht, liegt ebenfalls nicht in deren Entscheidung. Mit Verlaub: Mit der zwangsweisen Festlegung der Geschlechter gehen nur Diskriminierungen einher! Arbeitsteilung, Ausbeutung sowie sexualisierte Gewalt sind die Folgen.

Eine sich beruflich für eine sogenannte "Männerdomäne" entschiedene Frau darf beispielsweise nicht so oft und so schwer heben wie Männer - unabhängig von Statur und Alter. Die Berufsgenossenschaft begründet dies mit dem drohenden Verlust der Gebärfähigkeit der Frauen bei dauerhafter körperlicher Belastung. Weibliche Gesundheit wird im Grunde wie im 3. Reich mit Fertilität gleichgesetzt.

Na super! Soweit ist es mit unserer ach so liberalen Gesellschaft also doch noch nicht her! Der Staat will durch die oktroyierte Identifizierung mit männlichen und weiblichen Verhaltensmustern ohnehin nur die altehrwürdige, aber verzichtbare Tradition der Produktions- und Reproduktionsverhältnisse aufrecht erhalten. Die Angst vor "Monstern", die sich diesen Mustern entziehen und möglicherweise andere damit "anstecken" ist groß. Politiker denken wie Troglodyten innerhalb unserer modernen Gesellschaft. Sie alleine sind die ansteckende Krankheit!

Denn spätestens jetzt, da die Wehrpflicht ausgesetzt ist, die Bundeswehr schon im 10ten Jahr auch für Frauen zugänglich ist, ebendiese Frauen wählen und gewählt werden dürfen und weitgehend ihre Unabhängigkeit vom biologischen Manne unter Beweis stellen, somit also der einzige soziale Unterschied zu ihm sich lediglich in der Gehaltsfrage spiegelt, könnte man doch, in der nächstliegenden Variante, wenigstens einen Pass mit den drei frei wählbaren Kategorien "männlich", "weiblich" und "unentschieden" einführen.

Von da aus wäre es dann nur noch ein klitzekleiner Schritt, völlig auf die Geschlechterkategorien zu verzichten. Nicht nur Trans-, Homo- oder Intersexuelle würden davon profitieren, auf dass ihnen das Stigma ihrer Natur endlich genommen würde. Alle Menschen wären einfach nur noch "Mensch" und hätten dieselben Chancen und Voraussetzungen. Man stelle sich vor, biologische Männer wie Frauen bzw. jene, die beides sind, jene, die sich umentschieden haben oder sich gar nicht festlegen möchten, begegnen sich auf Augenhöhe.

Eigentlich ist das das Paradies: Der hierzulande so heftig angebetete Gott offenbart sich endlich als intersexueller Homosexueller mit Menstruationshintergrund. So macht Dreifaltigkeit endlich einmal Sinn! Das kann man doch nur mit einem fluffig-flockigen Stück Populärkultur feiern und ein stimmungsvoll beschriebenes Szenario hier in mein Blog einbetten. Nicht böse sein, liebe Band F.S.K. und insbesondere Herr Meinecke. Dafür kaufe ich ja auch (fast) alle ihre Platten und Bücher.
1+1=3 [F.S.K. 1996 vom Album "International"]

Lola sagt, ihr Zuckerpappi stößt sie
Jeden Abend unsanft in den Schlaf
Dabei hat sie selber einen Phallus
Den sie aber nicht benutzen darf

Hektor sagt, sein Mädchen sei so zickig
ängstigt sich vor seiner süßen Art
Dabei hat er selber eine Vulva
Die sich gern mit blanken Schwengeln paart

Wer behauptet heute noch die Welt ist rund
Warum kann dein Mann nicht lesbisch sein?
Darwinismus Superservus
Unsere Welt ist flach
Eins plus eins macht drei im Zweifelsgrund

Lola läuft von ihrem Zuckerpappi fort
Hektor pfeift: Obladi Oblada
Lolas Lanze hebt ihr Brautkleid vorne in die Hoeh'
Hektors Muschi glitzert auf dem Traualtar

Wer behauptet heute noch die Welt ist rund
Warum kann dein Mann nicht lesbisch sein?
Darwinismus Superservus
Unsere Welt ist flach
Eins plus eins macht drei im Zweifelsgrund

Donnerstag, 11. Februar 2010

Ein Plädoyer für Long Johns! Vom Sterben der Arten!

Okay, wahrscheinlich wird es wieder niemanden interessieren, aber ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. Es handelt sich um eine Art des uncooleren Outings, nicht so cool jedenfalls wie das Bekenntnis zum Schwul sein. Damit kann ich, so glaube ich, nicht dienen. Auch gehöre ich nicht zu einer Art Zirkel oder Geheimbund mit der Zielsetzung Attac aufzulösen. Ich weiß gar nicht was das ist: cool sein!

Wenn es aber stimmt, dass nur derjenige cool ist, der gar nicht von sich denkt, cool zu sein, dann müsste ich dieser Logik zufolge cool sein. Da ich mich aber wegen etwas schäme, weswegen ich mich eigentlich nicht schämen müssen sollte, bin ich wohl doch nicht ganz cool, vielleicht nur so ein bißchen, obwohl ich gar nicht weiß, ob das geht: nur ein bißchen cool sein. Ich bin sicherlich der uncoolste Mensch überhaupt: Ich bin nämlich vernünftig!

Weil ich im Winter nicht frieren möchte, ziehe ich bei besonders erbärmlicher Kälte eine lange Unterhose, sogenannte Long Johns, an. So, jetzt ist es draußen! Lange Unterhosen gelten nicht nur als besonders uncool, sondern auch als besonders unsexy! Wer Sex haben möchte, der muss an den Beinen frieren. Das gilt selbstredend nur für Männer. Alle Frauen, die ich kenne, finden das praktische Kleidungsstück abscheulich und lustmordend wie Männer früher den sogenannten Liebestöter.

Allerdings hatte ich aber auch schon an den Beinen gefroren, ohne dass sich eine sexuelle Handlung daraus ergeben hätte. Im Zweifelsfall entscheide ich mich doch lieber für eine Long John. Trotzdem: Kann es sein, dass die Damen da etwas zimperlich sind? Ich meine: Wenn eine Frau einen Mann mit nach Hause nimmt, dann weiß sie ja nicht, was er so drunter trägt. Es sei den es ist einer dieser "ich-lass-den-Hintern-aus-der-Hose-hängen"-Typen, bei dem man Fabrikat und Farbe der Unterwäsche sofort erkennt. Dennoch: Der Typ muss ja irgendwie okay sein.

Ist es dann nicht etwas herzlos von besagter Frau, denselben Mann sofort aus der Wohnung zu jagen, bloß weil er aufgefordert die Hosen herunter gelassen hat und sich ein weiteres Beinkleid darunter zelebriert? Ist dann der ganze Typ im Eimer? Ich jedenfalls finde es sexuell gesehen etwas oberflächlich, den Koitus deswegen spontan zu verweigern. Außer in dem Fall selbstredend, in dem die Unterhose zerlumpt und mit Kackbalken durchsetzt ist. Dies sollte jedoch ganz allgemein zwingend im Reich der Unterwäsche sein.

Männer sind da jedenfalls nicht so empfindlich: Sie haben sich an im Schritt verschließbaren Bodies abgearbeitet, sich Leggings visuell zuerst an-, dann wieder ab- und zuletzt doch wieder angewöhnen müssen und auch sonst jede modische Verirrung der Frau ertragen, sogar Wollstrumpfhosen. Doch nur selten scheitert Sex an der falsch oder ungünstig gekleideten Frau. Denn Männer schauen da drüber weg. Das ist einfach nur tolerant und keineswegs irgendwie oberflächlich. Es ist sogar höchst galant!

Ich weiß also nicht, welcher biologische Reflex die Frauen in dieser Hinsicht dominiert. Sonst wird ja der sexuelle Partner eher nach irgendwelchen urtümlichen Kriterien auserwählt, die da wären: mustergültiger Ernährer, stirbt nicht sofort an jedem Scheiß', ausgeprägte Muskulatur etc. usw. usf. Und ausgerechnet an dieser Stelle emanzipiert sich die Frau von ihrer biologischen Disposition: Sie fährt auf Männer ab, die lieber erfrieren, als sich angemessen zu kleiden. Es gibt Tierarten, die sind auf diese Art und Weise ausgestorben!

Mittwoch, 30. Mai 2007

Ein Mittags- Walk mit Gepäck und Gekeife! Der Kapitalismus ist schuld daran!

ich muss hier mal mit einer falschen vorstellung aufräumen! es geht um die allgemein akzeptierte theorie der ungleichheit, welche besagt: frauen sind die besseren menschen!

frauen gelten als die sozial verträglicheren menschen, als reine kommunikationswunder und dazu sollen sie noch über die superkraft des "multi- taskings" verfügen. nichts davon ist wahr! alles gelogen! frauen sind in wahrheit genauso miese zeitgenossen - verzeihung - zeitgenossinnen wie männer!

es ist nämlich nicht eine frage des geschlechts sondern die der sozialen bildung, ob jemand zuvorkommend, aufmerksam und höflich ist. natürlich ist die frau in unserer gesellschaft immer noch benachteiligt, und möglicherweise zieht sie selbstbewusstsein aus dem "mythos des besseren menschen".

ehrlich gesagt ist aus diesem mythos noch nie etwas gutes entstanden: die deutschen verübten vor nicht allzu langer zeit überheblichkeit und mord an behinderten, homosexuellen und nicht- arischen menschen zugleich. es gibt massenhaft beispiele in der geschichte der menschheit. überall wo sich menschen als die "besseren" outen, entsteht nur neue ungerechtigkeit. frauen sollten auf die bewusstseinsprägende phantombehauptung "frauen sind die besseren menschen" verzichten. sie ist pfui!

ich bin gerade sehr aufgeregt: heute nachmittag kam ich schwer beladen aus einem handwerkermarkt. ich kaufte werkzeug und material für eine grosstierfalle, damit die fette dicke spinne auf unserem balkon lebendig gefangen und in der wildnis ausgesetzt werden kann. in ermangelung eines fahrzeuges torkelte ich auf dem gehweg herum und war wirklich jedem sehr dankbar, der mein malheur aufmerksam beäugte und mir deswegen vielleicht auch etwas ängstlich aus dem weg ging bzw. mir platz machte.

doch ich scheiterte an einer person, die auf ihr mobilfunkgerät herunter starrte und ganz offensichtlich versuchte, ihr multi- tasking- talent durch "gehen-und-simsen-zugleich" unter beweis zu stellen. es funktionierte nicht, wie zu erwarten war. ich musste mir kompliziert einen anderen weg bahnen und dabei entfuhr mir entnervt folgender satz: "man müsste halt nur mal die augen aufmachen..."

war das ein schlimmer satz? war das jetzt böse? darf man nicht mal mehr laut vor sich hinseufzen? offensichtlich nicht! ich bekam folgendes zu hören: "des is ja wohl mei problem, wenn ich net guck wo ich hinlauf, du arschloch!" ich hingegen fand schon, dass diese frau ihre unaufmerksamkeit zu meinem problem gemacht hatte.

womöglich behauptet jene frau nicht von sich selbst, kommunikativ, sozial und aufmerksam zu sein. trotzdem schiessen einem schlagartig all diese pseudowissenschaftlich getarnten berichte durch den kopf, in denen der frau genau diese attribute angehängt werden.

ich möchte meine sichtweise nicht mit diesem beispiel begründen, sondern nur folgendes erhellen: antisoziales engagement wird geschlechterübergreifend erlernt! viele anzeichen deuten darauf hin, dass frauen UND männer fast ausschliesslich mit sich selbst oder ihrer brut beschäftigt sind. schon aus prinzip tun sie den teufel, um es ihren mitmenschen leichter zu machen. warum sollten sie auch? unsere kapitalistische leistungsgesellschaft hat aus uns allen egoisten mit übergrossem ellbogen gemacht. wo ich mir selbst der nächste bin, stört der andere doch nur.

liebe leute: in einem der nächsten blogs werde ich euch mal darüber aufklären müssen, was eine utopie ist und warum es gut wäre, wenn sich jeder eine zulegen würde!

Montag, 7. Mai 2007

Furzen, Rülpsen, Dauerbreit! Der Mann in der Reflexzone der Unerträglichkeit!

am freitagabend hatte ich von meinem freund J. aus berlin besuch, und wir tranken viel zusammen, deswegen auch der etwas merkwürdige aufsatz vom samstag. wir tranken aber nicht nur, sondern unterhielten uns auch.

J. ist ein "bewegter" mann im positiven sinne. er ist ein verfechter des "gender mainstreamings", also von der gattung, die sich nicht vorschreiben lässt, was "mann-sein" oder "frau-sein" zu bedeuten hat. mir selbst fehlt der direkte theoretische überbau, aber ich sympathisiere sehr. nun ist es leider so, dass die frau in seinem leben möglicherweise lieber einen "richtigen" mann hätte.

wir redeten so herum, und wir kamen nicht umhin, zugeben zu müssen, dass wir beide überhaupt keine ahnung davon hatten, wie ein "richtiger" mann zu sein hätte. die vorbilder, die wir aus berlin, darmstadt oder mannheim kennen, oder auch aus unserem ländlichen ursprung - also verzeihung, so wollen wir denn auch nicht sein. furzend, rülpsend, dauerbreit durch die welt des mannschaftsports rennen, mit rasierklingen unter den armen?

uns fehlt ein angemessenes bild von der männlichkeit, und wir sind stolz darauf. wir wollen uns nicht von anderen definieren lassen, und wenn wir es chic finden, beim teetrinken den kleinen finger abzuspreizen oder eine edle elfenbein- zigarettenspitze zu benutzen, dann ist das ein zeichen von souveränität, nicht von weiblichkeit oder "nicht-männlichkeit". wir erwarten im gegenzug auch nicht, dass frauen im gegenzug huldvoll in ohnmacht fallen oder zu hause am herd bleiben. meine freundin C. denkt ähnlich. sie amüsiert sich jedenfalls sehr über meine eitelkeit, wie sie mir kürzlich mitteilte.

ich dürfte als "richtiger" mann so vieles nicht mehr: die beine übereinanderschlagen, die zigarette in augenhöhe halten, meinen kleinen finger beim teetrinken spreizen, brusthaare auszupfen, rufus wainwright hören, bei traurigen filmen weinen, sich über eingerissene fingernägel ärgern, stöckelschuhe tragen. all das wäre tabu. mein leben würde viel qualität einbüssen!

sich als ein sexuelles wesen zu begreifen, ist toll, da sind geschlechterrollen schön und austauschbar. aber sobald es um soziale zuweisungen geht, hört der spass auf. wenn ein kleiner junge mit puppen spielen will, bittesehr! soll er doch. er wird deswegen nicht schwul, und wenn doch: na und? das wäre er dann auch ohne die puppen "geworden". schwul "wird" man nicht, schwul "ist" man! ich kann es nicht mehr hören: jungen sollen dies, mädchen dürfen das nicht... grrrrrrrr!

ein paar besondere männliche exemplare konnte ich vorgestern in darmstadt während einer aufführung im kleinen aber feinen hoffart-theater erleben! ich kann erst heute darüber schreiben, so schockiert war ich. rücksichtslos haben sie nämlich die besten sitzplätze okkupiert, sich breitbeinig und armgestämmt dort festgesetzt, als ging es darum das revier zu verteidigen und duftmarken abzusetzen. es wurde derb herumproletet und auch während des stücks die basecap nicht abgezogen. abstossend selbstbewusst und etwas hämisch adressierte man(n) seine comments an den schauspieler (heah, is' die brotworscht do vun deim gebortsdach? hähähä!) und ähnlich sachdienliches wurde geprustet. zu diesen real men gehörten auch real women, und die krähten und kreischten gar nicht fein mit.

es stünde männern und(!) frauen gut, verhielten sie sich pietätsvoll ihrer umwelt gegenüber. denn lautstärke ist immer auch das mittel der dummen. wer will schon dumm sein? klar, die dummen, die lauten, setzen sich oft durch, zu oft sogar. gegen dumme hat man keine chancen, weil sie argumenten nicht zugänglich sind. doch ist es nicht die menschliche vernunft, die uns weiterbringen sollte? und beim dummsein sind sich doch männer und frauen gleich? okay, die sozialen geschlechter sind vielleicht verschieden dumm! ein weiterer grund, sich nicht an einem solchen konstrukt festzuhalten.

man sollte menschen wie eva hermann und ähnlichen schwätzerInnen wie den leberts keinen glauben schenken. das übel dieser welt besteht in der zuschreibung und zurrichtung des menschen. das glück liegt in der freiheit der wahl. das kann man lernen und tut dann gar nicht mal weh!

man nehme sich die jüngeren türkischen und arabischen jungs zum beispiel. die sind mittlerweile so auf androgyn gestylt - wäre ich in meiner jugend so herumgelaufen, ich wäre nicht mehr hier um diese banalen zeilen zu schreiben. doch diese jungs heben den optischen unterschied zwischen mann und frau auf und trauen sich, weich auszuschauen. wenn sie es dann auch noch schaffen, mal weich zu "sein", dann sind sie dem deutschen proletenpickel weit voraus. chapeau!