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Freitag, 1. Februar 2008

Kleiner TV, großer Bettel! Supersize me!

Die Inflation, sie ist längst da! Das ist so gewollt, man hat es eben gerne größer und immer größer. In den Medien spricht man vom "immer mehr..." der Arbeitslosen, der Staatsverschuldung, der kriminellen Jugendlichen usw. und so fort. Mir gefiele es "immer mehr", spräche man vom "immer weniger", man sich also eher im Dienste einer Deflation begriffen sähe.

"Immer mehr" Dicke gäbe es in 'tschland, und dies sei überwiegend ein Problem bildungsferner Schichten. So heißt es jedenfalls. Mir gefällt der Gedanke, weil dadurch auch "immer mehr" PolitikerInnen der Bildungsferne bezichtigt werden können. Ein Großteil der Mannheimer Männer allerding auch. Und auf bedenkliche Weise gleiche ich mich an. Längst habe ich dem BMI abgeschworen und rechne wieder auf alte Weise, denn da komme ich viel besser weg: Körpergewicht ist gleich Körpergröße minus 100cm. Ich finde den Gedanken jedoch beunruhigend, dass mein Bildungsstand abhängig ist von der Art, wie ich mein Gewicht berechne.

Die Unzufriedenheit mit sich selbst und den Umständen, in denen man sich befindet, ist ein Relikt aus der Entstehungszeit der Menschheit. Das ständige Streben nach Verbesserung der persönlichen und der sippenhaften Lage sei der Motor der Zivilisation gewesen, so wird gemunkelt. Hatte Zomba, der hünenhafte Wurzelflechter, nur 3 Mammutkeulen, so eiferte er dem zottigen Ulagh nach, der derer 4 hatte. Da er dafür aber nichts jagen wollte, klaute er es dem nächsten Deppen, der ihm über den Weg lief.

Irgendwann hatte jeder mehr Mammutkeulen, als er essen konnte. Dumm nur, dass die Mammuts darüber ausgestorben waren, und die Keulen damit wertlos wurden in dem Maße wie sie verdarben. Wenig später erfand man Geld, aber besser geworden ist deswegen nichts. Die Menschheit, sie ist noch ganz am Anfang, so könnte man meinen. Alles wird teurer, und man bekommt noch dazu weniger dafür.

Selbst die Obdachlosen und die meist jugendlichen Schnorrer geben sich nicht mehr mit 50cent zufrieden, sondern fragen gleich nach 2 bis 3 Euro. Dies liegt nur etwas unterhalb des Stundenlohns einer Backwarenverkäuferin und ist auf die Stunde gerechnet einträglicher als die Beschäftigung bei einem die ArbeitnehmerInnen ausbeutenden Unternehmungen. Aber wer hat schon 2 bis 3 Euro übrig für Schnorrer, wenn doch alles so inflationär teuer geworden ist?

Die Backwarenverkäuferin in Ludwigshafen befindet, dass ihr billigere Brötchen angesichts ihres lausigen Lohns auch lieber wären. Während Familie G. in ihrer Bonzenvilla säße, müsste sie nämlich Tag und Nacht schuften, nur um einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich hatte lediglich die kreative Preisgestaltung verhöhnt, weil man neuerdings gerne Backwaren für beispielsweise 57cent verkauft. Dies solle dem Kunden wohl suggerieren, hier würde knallhart ihm zugunsten kalkuliert, so dass Familie G. oder Herr K. beinahe aus ihren Villen ausziehen müsste?

Es geht aber auch anders: Auf dem Weg ins Kino trafen meine liebe Frau C. und ich auf einen offenbar türkischstämmigen Mann, der uns auf offener Straße einen Kleinbild- TV verkaufen wollte. So ein Gerät besitzen wir aber selber, interessiert hätte uns also eher "ein- vom- LKW- gefallener- Plasma- Flachbild- TV- Gerät", oder wie die Dinger heutzutage heißen. Mit steigendem Alter verliert sich der Überblick über technische Errungenschaften in ebensolchen Maße, wie das Bedürfnis nach ebenjener Technik steigt.

Anders ausgedrückt: "Immer mehr" älter werdende Menschen stehen in sogenannten Medienkaufhäusern vor immer weniger motivierten und damit nur sogenannten Fachverkäufern und wollen Dinge erstehen, von denen sie den genauen Namen nicht kennen. Ungeduldig hört man dem Kunden zu, widerwillig grenzt man den Kundenwunsch ein.

So geschehen, als ich vor einigen Jahren eine "DSL- Box" erstehen wollte und einen der motivationstrainierten Angestellten danach fragte. Man hätte keine Ahnung, was ich denn meine, erklärte der sichtlich angewidert. Nach einiger Zeit stöhnte der Fachverkäufer auf: "Ach, Sie meinen ein DSL- Modem? Oder etwa einen DSL- Router?" Damit hatte ich nicht gerechnet. Da ich mich nicht mehr getraute zu erfragen, welche Bewandtnis es mit dem einen oder anderen Geräts hat, zog ich voller Scham von dannen.

Bei den Frisören ist es übrigens ähnlich: Wenn ich mich mit deren Fachjargon auskennen würde, so könnte ich ja meinen Wunsch auch genauestens benennen und wäre dann aber wohl in der Lage, mich selber zu frisieren, bräuchte also gar keinen Frisör mehr. Dem ist aber nicht so, deswegen lasse ich mir die Haare von meiner lieben Frau C. schneiden. Ich schäme mich zu sehr über meinen Mangel an fremdberuflichem Fachsprech. "Immer weniger" Frisöre profitieren wegen ihrer offensichtlichen Arroganz von meiner Haarpracht, die sich übrigens ganz wunderbar frisieren lässt.

Dies hat aber zur Folge, dass "immer weniger" Frisöre ausreichend Geld verdienen. Sie bezahlen ihrem Personal deswegen Hungerlöhne. Im Gegenzug werden die Preise erhöht, damit "immer weniger" KundInnen das gleiche Einkommen einbringen. Leute wie ich sind Schuld, dass die Wirtschaft den Bach heruntergeht. Soll sie doch...

Freitag, 10. August 2007

Präadipositas im Anfangstadium! Der Speckgürtel ist hellorange!

laut body-mass-index (bmi) bin ich übergewichtig, wenn auch nur leicht, nämlich: übergewichtig im engeren sinne (präadipositas bmi 26). was immer das heissen soll. zur hölle mit dem bmi.

sicher: ich habe einen schwimmring, mein hintern ist gut gepolstert und meine brüste beginnen gerade, mir spass zu machen. ich gehe nun mal auf die 40 zu, da ist man(n) kein adonis mehr. ich sage es rund heraus:

ich fühle mich wohl in meiner haut. sie ist - das wurde mehrfach bezeugt - zart und glatt wie ein babypopo! der speck auf meinen hüften eignet sich gut zum daran festhalten und gibt den nötigen schwung - wenn sie verstehen was ich meine.

schon vor einigen jahren, ich war zu besuch bei meiner mutter, da behauptete ich felsenfest, ich wöge 73kg. meine mutter lachte nur und wies mir den weg zur waage. und sie hatte recht, denn ich hatte seit meiner letzten wiegung 10jahre zuvor ordentlich zugelegt. wie geht es anderen menschen?

mannheim z.b. wird von meiner freundin C. gerne gerne als der speckgürtel baden- württembergs bezeichnet, da die vielzahl seiner einwohnerInnen ganz offenbar übergewichtig ist. den leuten geht es hier offenbar zu gut. obwohl ja fettleibigkeit heutzutage eher ein zeichen von tiefer armut und mangelernährung ist.

früher, ja, da waren die bonzen aus politik und wirtschaft fett. bei denen da oben verstand man es zu feiern. die arme bevölkerung, sie musste schuften für ihr täglich brot, während die reichen zum frühstück schon ihren ersten schweinebraten verspeisten.

doch die verhältnisse haben sich umgekehrt: der geld- und politikadel achtet stark auf figur und gesundheit, um den ausgebeuteten massen zu zeigen: "seht her, ich verdiene gut an euch, doch ich übe mich dennoch in zurückhaltung. ihr sollt es mir gleichtun, lebt gesund und vor allem: fangt bloss nicht an zu rauchen!"

ja, liebe leute, man möchte den pöbel gesund und fleissig sehen. wer krank is(s)t, der liegt den kassen auf der tasche und schadet dem wirtschaftsstandort deutschland. doch der pöbel dankt es nicht und isst am liebsten bei mc donalds und raucht und säuft und hurt herum dass es kracht. er lässt sich doch nicht die hoheit über seinen körper nehmen!

deswegen, und nur deswegen wurde der body-mass-index erfunden: um die bevölkerung zu knechten und zu sklaven einer schwer umstrittenen tabelle zu machen. ich aber bin gar nicht dick, ich bin bloss alt! und gesund, jawohl! ich lasse mir hier doch nichts einreden. sowas!

trotzdem: vor allem die männlichen mannheimer neigen leicht zum bärenhaften. aber eher zu denen der drolligeren sorte à la balu oder yogi bear. das liegt bestimmt an der mangelnden bewegung! ein vorschlag: lasst ab und an mal das auto stehen und geht zu fuss! rauchen soll auch helfen, habe ich gehört...

ich fahre jetzt für ein paar tage nach berlin und schaue mir dort die menschen an. die sind zwar etwas oberflächlich, aber dafür haben sie stil und sind chic: berlin, ick liebe dir! mannheim, du bist auch ganz okay!