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Freitag, 25. Juli 2014

Könige unter Königen! Auf der Suche nach Mr. Untertan!

Wer hierzulande immer noch behauptet, wir lebten in einer kinderfeindlichen Gesellschaft, dem muss man die Ohren verbiegen und die satten Augen aus den Höhlen herausziehen, damit er endlich erkennen mag: Wir leben tatsächlich in einer erwachsenenfeindlichen Gesellschaft!

Kinder müssen nicht arbeiten, sie müssen bei nichts behilflich sein, bekommen ihre Schulaufgaben gemacht und überhaupt mehr Recht als Pflicht. Elterndarstellern, die glauben, ihr Kind müsse sich überall, und sei es auf dem Friedhof, im Café am Nachbarstisch oder im Supermarkt auch austoben und ich entfalten dürfen, darf man getrost sagen: leck' mich doch, Du Kralle! Muss es eben nicht! Geh' auf den Spielplatz!

Wenn sie noch nicht einmal ihrern elterlichen Verpflichtungen nachkommen wollen, um damit Sorge zu tragen, dass aus ihrem Kind dereinst ein selbstverantwortliches Wesen wird, dass der Gesellschaft mehr nutzt als schadet, dann sollten Sie sie erst mal sehen, wenn fremdkindgeplagte Menschen die Plagen zur Ordnung rufen und ihnen Grenzen setzen wollen! Ieeeeek! Kinderfeind! und den Zeigefinger raus, wie bei den Körperfressern!

Nein, diese Grenzen braucht mein Kind nicht, es braucht Bestätigung und Raumerweiterung nach Osten, krakeelen die Elterndarsteller und vergessen dabei, dass sich ganze Heerschaaren professioneller Dienstleister mit jungen, selbstbestätigten Menschen herumplagen müssen, die nur gelernt haben, wie man sich selbst entfaltet und dabei gar nicht mitkriegen, dass jeder Pups für sich selbst befreiend sein mag, für den anderen aber eine Belästigung sondersgleichen ist.

Im Feudalismus, da gab es noch vererbte Gesetzmäßigkeiten. Da war der König, der Graf, der Arzt in zigster Generation, der Dorfpfaffe: ihnen hat man Respekt gezollt, hat einen Buckel gemacht, einen Kratzfuß und ist zur Seite gegangen, wenn der Betreffende seinen Weg fortführen wollte. Nicht dass ich solchen Zeiten nachtrauere. Ehrlich nicht!

Doch die postdemokratische Gesellschaft ist ein Ort voller Könige, sich selbst gegenüber völlig unkritischen Geistern, die von allen anderen, selbstredend ebenfalls mit gleichen Rechten ausgestatteten Königen, verlangen, sie mögen ihnen gefälligst aus dem Weg gehen und ansonsten zu Diensten stehen. Man wundert sich, dass die Welt nicht völlig stillsteht, weil keiner es einsieht, warum ausgerechnet er Platz machen sollte.

Das liegt daran, dass nicht alle Eltern ihrer Kinder verantwortungslose Accessoireisten sind, die Faulheit und immense Unfähigkeit vor dem Kinde mit antiautoritärer Kindererziehung verwechseln. Wer da aber gut anerzogene Vernunft walten lässt und denkt, ach: leck' mich doch, ich bin nicht so'n Arsch, und aus dem Weg geht, der wird sofort als Untertan entlarvt. Der braucht sich nicht zu wundern, wenn er hernach die Einkaufstüten des anderen trägt.

Kinder kommen mit gespreizten Ellbogen zur Welt. Dass sie dennoch aus dem Uterus ihrer Mütter kriechen können und nicht darinnen steckenbleiben, liegt an ihrer Biegsamkeit. Also ist da noch was zu retten. Doch leider hat ja schon die Elterngeneration der heutigen Eltern völlig versagt, indem sie selbst vergessen hat, ihren Gören neben einem starken Selbstbewusstsein und gaaaaanz viel Durchsetzungvermögen auch ein Portiönchen Demut oder auch Güte mitzuvermitteln.

Und dann suche ich als Erwachsener etwas Ruhe und Erholung, von den Mühen und Strapazen des Alltags. Die Nachbarn oben lassen ihr Kind mit dem Bobbycar auf dem Holzboden rumrutschen, also verlasse ich die Wohnung und sitze im Café, wo mich eine verzogene, höchstens zweijährige Göre auffordert, meine Füße hochzuheben (Füße hoch!), damit es ohne ausweichen zu müssen an mir vorbeigehen kann. Ich tue es nicht, die Mutter schaut mich tadelnd an.

Dann gehe ich einkaufen, wo mir ein Kind johlend mit dem Kindereinkaufswagen in die Hacken rennt. Das muss so sein, weil es gerade ein Kindereinkaufswagenrennen mit der kleinen Schwester macht. Der kleine Drecksack streckt mir die Zunge raus und läuft johlend weiter. Die Eltern führen derweil angeregte Gespräche mit einer Verkäuferin, die entnervt die Augen verdreht. Wenn Idioten Kinder haben, kommen leider nur noch schlimmere Idioten dabei raus. Was wird dann aus deren Kindern? Man will es sich gar nicht vorstellen!

Schland, ein kinderfeindliches Land? Bah! Man möchte um sich schießen, wenn man nur könnte. Mist!

Samstag, 14. Mai 2011

Ein Reiseführer durch Sardinien (Teil 2): Flaschenpost von Silvio Berlusconi

Wozu sich so eine große Insel wie Sardinien alles eignet, kann man kaum in einen kleinen Post hineinschreiben. Es gibt viele Berge und Täler, und um die Insel herum befindet sich klarstes Meerwasser, dass in seiner Durchsichtigkeit beinahe an karibische Qualitäten heranreicht.

Viel Wald gibt es nicht mehr: Laut Reiseführer ist Sardinien nur noch auf ca. 13% der Gesamtfläche bewaldet. Den Rest bilden kleinere Städte, europäisch finanzierte Straßen mit aus geschichtlichen Gewogenheiten unaussprechlichen Bezeichnungen (z.B. SS 125) und die Macchia, eine Heidelandschaft. Dass dies trotzdem alles recht heimelig anmutet und die Insel weitgehend naturbelassen wirkt, ist ein Trost für Naturschützer und eine Freude für Touristen.

Wenn es dann doch einmal unwettert, dann sieht der ansonsten astrein weiße Sandstrand aus wie eine Müllkippe: Seegras, Bambus, Styroporverpackungen, Getränkedosen (Pfand ist ja eine rein bundesdeutsche Erfindung), Orangen, Warmwasserboiler und eine Vielzahl anderer Dinge. Ein Rätsel gaben mir jedoch die Glasflaschen auf, die man am Strand andauernd finden konnte. Wurden sie von Strandhockern liegen gelassen oder wurden sie als Flaschenpost angeschwemmt, sozusagen als nautische SMS- Vorlage (Ich bin gleich da, wo bist DU?) ohne jede inhaltliche Aussage?

Die oben abgebildete Flasche enthielt übrigens eine Nachricht. Dem Papier beigefügt war ein kleines, schweres Stückchen Erz, das in der Flasche herum kullerte. Auf dem Papier stand Folgendes geschrieben:
Ciao, lieber Finder!

Jeden Menschen und jede Frau möchte ich mit dieser Flaschenpost recht herzlich grüßen. Wie geht es Ihnen? Mir geht es sehr gut. Oder doch nicht so ganz, denn leider habe ich ein klitzekleines Problem: Ich weiß nämlich nicht wohin mit all dem Müll aus unseren CO²- neutralen, atombetriebenen Energiegewinnungsanlagen. Deswegen bin ich auf Ihre Hilfe angewiesen.
Vielleicht landet diese Flaschenpost auf einer hübschen Insel mit viel Natur und wenig Arbeit. Dann kann ich Ihnen folgendes Angebot machen:
Ich baue auf Ihrer Insel ein Atomendlager und lagere dort im Folgenden viele viele klitzekleine Stückchen Plutonium (siehe Anlage). Dafür bekommen Sie irgendeine finanzielle Unterstützung und gelegentlich eine Einladung zu einer meiner Partys.
Anbei eine weitere, kleine Anfrage: Ein kleines Flüchtlingsendlager macht auch nicht so viel Arbeit, wie man gemeinhin denken könnte. Doch Lampedusa ist viel zu klein für alle Flüchtlinge. Ihre Insel hingegen... und wenn man das Atomendlager dazu denkt...?  Die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten...? Und die Kollegialität unter Insulanern...? Ich möchte hier nicht allzu deutlich werden. Aber: Denken Sie mal darüber nach.

Mit vielen vielen Grüßen, und vielen Dank im Voraus,

Ihr Silvio Berlusconi

P.S. Als Regierungschef habe ich Anspruch auf die 10 schönsten Jungfrauen einer jeden Insel. Bildvorschläge bitte an: silvio.berlusconi@freenet.de

Sonntag, 27. Februar 2011

200 people in a room! Wire im Postbahnhof!

Es gibt alte Männer, die können's einfach nicht mehr. Interessieren eigentlich noch Auftritte von PIL respektive Sex Pistols? Will man wirklich noch die Buzzcocks auf der Bühne sehen? Oder NoFX oder oder?

Bei Wire verhält sich das anders: Zum einen hat sich die Band vor sechs Jahren zum dritten Mal neu erfunden. Zum anderen sind die mittlerweile nur noch drei Bandmitglieder mit ihren eigenen Projekten in Kunst und Musik unterwegs. Das hält offenbar wach, jung und fit und bewahrt auch davor, in überholten Posen zu verharren und das Publikum mit einem Backkatalog zu vergraulen. Diese erarbeitete Stilsicherheit schützt zudem davor, so wie die Kollegen von Gang of Four in Nu-Metal-Gefilde abzudriften.

State of the Art ist eine deutliche und unpeinliche, weil wire-adäquate, Verschiebung hin zum Poppunk mit gelegentlichen Ausbrechern in das, was man früher wohl Artpunk nannte. Dieser Trend zeichnete sich ja schon beim vorletzten Album ab. Gelegentlich nimmt man sich auch Anleihen aus der Ideal-Copy/ A-Bell-is-a-Cup-Phase. Nach wie vor weigert sich die Band, auf (mehrfachen) Zuruf Klassiker wie 12XU (oder wie ein Bierpunk kreischte: IXO2) zu spielen und spielt aus Trotz, Verschmitzt- und Gehässigkeit einfach das langsamste Stück von der aktuellen Platte.

Das alles kommt live überraschend gut rüber: Klar sind die drei Herren gesetzteren Alters (in Begleitung eines sehr jungen zweiten Gitarristen) keine Bühnenakrobatiker (und wahrscheinlich auch nie gewesen), dabei springt nach ca. 20 Minuten leicht dröger Darbietung jedoch tatsächlich pure Energie auf das Publikum über und hält sich bis zum Ende nach zwei ausgedehnten Zugaben. Und das, obwohl Colin Newman mit seiner Lesebrille mittlerweile ausschaut wie ein arrivierter Architekt, Graham Lewis wie ein bissbereiter Pittbull schaut und man sich bei dem hageren Robert Grey nicht ganz sicher sein kann, ob er nicht gleich vor Erschöpfung über seinem Schlagzeug zusammensackt (ist er nicht!).

Vor einigen Jahren spielten Wire im Maria am Ostbahnhof ein enttäuschendes Konzert mit einer Nettospielzeit von 30 Minuten inklusive Zugabe. Sie spulten dort irgendwelche Songs (lustlos improvisiert?) herunter, um dann zu verschwinden und erst nach 20 Minuten Publikumsgeheul noch einen Song (lieblos improvisiert?) zum Besten zu geben. Von dieser Lustlosigkeit war gestern Abend nichts zu spüren. Klar war es eine geschickte Mischung aus lupenreinen Popsongs à la Wire, Avantgarde (=Lärm) und aggressiven Punkrock. Nimmt man den Herren aber gut und gerne ab. Die können's dann doch noch!

P.S. Was soll eigentlich die Unsitte, Konzerte schon so früh um 19:30Uhr beginnen zu lassen (und nicht wie auf Homepage und Karte behauptet um 20Uhr)? Den Support "Weekend" hätte ich wirklich gerne gesehen. Nichts dagegen, wenn pünktlich angefangen wird. Wer wartet schon gerne stundenlang auf Bands. Aber jetzt fühle ich mich geprellt vom Veranstalter...

Montag, 9. August 2010

Die Ausübung unguter Berufe, gekontert mit gut sitzenden Anzügen! Sowas kommt von sowas!

Ich bin sowas von gewieft und abgebrüht! Ich habe nicht nur immer recht (siehe ein paar Posts vorher), sondern werde von allerlei Gegebenheiten erst gar nicht tangiert. So kann ich, wenn ich in der S- bzw. U-Bahn unterwegs bin, völlig unbehelligt meinen Weg fortsetzen, wenn dieses doch ansonsten ungnädige Völkchen der Kontrolleure zum Generalverdacht anhebt und die Fahrgäste auf Fahrscheinbesitz überprüft. Ich muss meinen Fahrschein generell nie hervorkramen und kann in völliger Ruhe mein Buch weiterlesen.

Diese Coolness hat natürlich nur, wer über einen gültigen Fahrschein verfügt, sich aber zu bequem ist, diesen auch vorzuweisen. Oder, wer am Startort aus Gründen des Versagens des Fuhrunternehmens keinen gültigen Fahrschein lösen konnte und es nun nicht einsieht, deswegen übermäßig zur Kasse gebeten zu werden. Dann zieht man es leidlich vor, den Blickkontakt nur lässig zum Kontrolleur zu halten, um dann wieder gelangweilt zum Buch zurückzukehren.

Die Kleidung spielt natürlich eine große Rolle. Zerrissene Jeans und Schlabbershirts sind völlig unglaubwürdig, selbst wenn man ansonsten authentisch im Buch herumblättert. Typen im MitteLook lesen generell keine Bücher und müssen nervös auf dem SmartPhone herumhacken. Diese Nervosität wird mit dem Nichtbesitz eines gültigen Fahrscheines gleichgesetzt und schwupps wird man kontrolliert.

Nein, die Kleidung soll smart und unauffällig sein. Ein leichter Anzug ohne viel SchnickSchnack, schmal geschnitten, das Gesichtchen frisch rasiert mit sparsamen, aber wohligen Duftnoten garniert - so sieht sich der Kontrolleur gerne angetäuscht und freut sich, dass so edle Kundschaft überhaupt bahnfährt. Wenn so einer keinen Fahrschein hat, dann hat er bestimmt eine Sondergenehmigung, denkt er bei sich und lächelt froh vorbei zum nächsten Kunden.

Vielleicht denkt er aber auch: Mein Kursleiter vom Seminar: "Kontrollieren, aber richtig!" hat auch so einen billigen Anzug. Vielleicht ist das einer seiner Kollegen, und ich werde gerade darauf getestet, ob ich anständig angezogene Menschen mit einer Überprüfung des Fahrscheines belästige oder ob ich meine Konzentration lieber auf die ganzes Hartzies im Zug verwende, die ja unseren schönen Sozialstaat kaputtmachen, die Hungerleider sind und die deswegen generell nie Fahrscheine haben, auch weil sie selbst dazu zu faul sind...

Aber hoppla, denkt sich der Kontrolleur: Ich bekam ja bis vor Kurzem auch noch Hartz IV. Aber genau deswegen weiß ich ja auch, wie die alle so drauf sind: Weil die nämlich alle sind wie ich! Nur ich habe jetzt eine BEFUGNIS dazu, andere zu kontrollieren, und wenn ich sonst vollkommen bedeutungslos bin, dass es kracht, kann ich hier wenigstens etwas MACHT ausüben und andere belehren oder mich hämisch freuen, wenn einer mal keinen Fahrschein hat. Hoffentlich ist er nicht allzu klug, sonst erkennt er schnell, was für eine arme Sau ich in Wirklichkeit bin.

Der Kontrolleur weiß nicht: Kontrolleur sein ist kein ehrenwerter Beruf. Denn er unterstellt den Menschen generell Schlechtigkeit und Betrug. Mit so einem Weltbild wollen wir uns aber erst gar nicht abgeben und sagen "Pfui! Was ist das denn für ein doofes Weltbild?" Und Kontrolleure, die noch etwas Ehre im Leib haben, denen ist es schlicht wurscht, ob jemand einen Fahrschein hat oder nicht. Man muss sich ja nicht für jedermann zum Büttel machen lassen - und für Arbeitgeber schon gar nicht!

Polizist ist auch so ein Beruf, dem ein Grundmißtrauen an den Teilhabern einer Gesellschaft zugrunde liegt. Polizist wird keiner, der der Meinung ist, dass die Menschen ihr Leben und die Gemeinschaft mit anderen von alleine hinkriegen. Womit sie vielleicht sogar recht haben. Aber braucht es Straßenkontrollen, um die Welt zu verbessern? Oder verdachtsunabhängige Personenkontrollen (wo ja Leute aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden - so wie kürzlich auf der Fahrt von München nach Innsbruck).

In Erstere bin ich geraten, weil ich angeblich bei rot über eine Ampel geradelt bin. Zwei Personen (später als Zeugen benannt) standen vorne und haben durch ein Gerät gespäht. Da wurde ich etwas weiter angehalten und über mein angebliches Vergehen aufgeklärt. Ich bestritt alles, indem ich darauf verwies, dass die Ampel gerade mal gelb war, als ich sie passierte. Außerdem zweifelte ich an, dass die beiden Zeugen meines angeblichen Vergehens wirklich unparteiisch seien, was mir aber einen etwas ungnädigen Blick seitens der Beamtin einbrachte.

Mir wurde dann noch ein Brief angedroht, als sei die Polizei die Süddeutsche Klassenlotterie. Darin wird man mir jedoch schreiben, dass ich 45 Euro zahlen soll und außerdem einen Punkt in Flensburg bekomme (mein allererster). Und soll ich Ihnen noch was sagen: Ich hatte keinen gut geschnittenen Anzug an! Sowas kommt von sowas! Aber immerhin bekomme ich mal wieder Post...