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Freitag, 20. Mai 2011

Ein Reiseführer durch Sardinien (Teil 3): Meine goldrichtige Einstellung zum Auto!

Nicht mehr gefährlich = gut!
Ich habe ein schwer gestörtes Verhältnis zu Autos. Ich kann kaum an Autos denken, ohne dass sie vor meinem inneren Auge ordentlich brennen oder wenigstens irgendwo vor sich hinrosten. Nur so kann ich sie ertragen. Autofahren ist die dümmste und ödeste Art der Fortbewegung. Man sieht nur Autos vor sich und Autos neben sich, alles Feinde, und dazu gibt es etwas Gewürm, das überfahren werden muss wie in einem dieser alten Computerspiele: Radfahrer und die Fußgänger, die Baader-Meinhof-Bande des modernen Stadtverkehrs!

Nun gut, die RAF war irgendwie sexy, die Terroristen hatten wenigstens etwas Glamour, was man von Autofahrern nicht gerade behaupten kann. Autofahren ist so ziemlich das stil- und würdeloseste, was man auf Erden tun kann. Wer etwas auf sich hält, der fährt wenigstens nicht selber, sondern lässt sich von Professionellen fahren. Chauffeure und Taxifahrer sind zwar ähnlich gesellschaftliche Parias wie zum Beispiel Politessen und Parkwächter, doch sind sie trotz ihrer bornierten "ich-kann-besser-fahren-als-alle-deswegen-habe-ich-das-recht-alle-anderen-zu-töten"- Art irgendwie nützlich: Während sie sich fluchend durch den Verkehr wurschteln, kann man hinten bequem die Zeitung lesen. Getönte Scheiben sind Voraussetzung, damit man das Elend auf den Straßen nicht sehen muss.

Im Grunde kann ich mir das aber gar nicht leisten. Ich fahre deshalb Rad. Oder ich gehe zu Fuß. Damit bin ich nicht ausschließlich an die von KFZ okkupierten Straßen gebunden, sondern kann auch mal durch den Park saußen oder am Ufer entlang. Die Welt ist am schönsten dort, wo es keine fahrenden Autos gibt, und die stehenden irgenwie verkohlt sind und schon kleine Bäume aus dem zerbeulten Kofferraum wachsen. Auf den Straßen ist es sehr gefährlich für Fußgänger und Radfahrer. Deswegen sollte man lieber behut- und achtsam die Gehwege nutzen. Wenn mich ein Polizist anspricht, weil ich wieder mal auf dem Bürgersteig radele, dann gibt es zwei, nein drei Antworten, die jedoch nichts bringen:

Wie? Zu den Idioten? Auf die Straße? Ich bin doch nicht lebensmüde! Oder: Herr Wachtmeister, Sie sind gut! Wo soll denn hier eine Straße sein? Meinen Sie vielleicht diese lose nebeneinander gelegten Steine? Fünf Meter fahre ich darauf, und dann habe ich eine Gehirnerschütterung! Oder: Schieben, Herr Wachtmeister? Ein Fahrrad ist doch nicht zum Schieben gemacht. Apropos: Es gibt ja die lustigen Baustellen, an denen ein Schild steht mit der Aufschrift: Radfahrer absteigen und schieben! Jemand mit Verstand hat darunter gekritzelt: Autofahrer aussteigen und schieben! It is a car's world...

Die Welt ist gemacht von Autofahrern für Autofahrer. Wer an Baumärkten oder andernorts einmal versucht hat, sein Fahrrad an den dafür vorgesehenen Fahrradständern zu befestigen, der weiß, was ich meine. Die "deutsche" Ingenieurskunst konstruiert ausschließlich Fahrradständer, die für anständige Bereifung zu schmal sind, außerdem sind die Radabstände zu eng gewählt, dass sowieso nur jede zweite Möglichkeit genutzt werden kann. Und zuguterletzt kann man nur das Vorderrad fest anschließen. Die einzig durchdachte Komponente ist die Tatsache, dass die im Baumarkt einkaufenden Autofahrer nicht dazu neigen, ein Fahrrad zu klauen. Lieber fahren sie nur leicht drüber, sodass sich die Räder verbiegen.

Als soziale Gruppe betrachtet sind Autofahrer unglaulich boshaft, leichtfertig und rechthaberisch. Niemand kann so wirkkräftig seine fälschlich angenommene Vorfahrt verteidigen wie ein Autofahrer. Niemand sonst kann so gehässig und mit Freude nah am Fußgänger oder Radfahrer durch Pfützen fahren. Sie sind wie der fiese 10jährige, der die kleinen Kinder auf dem Spielplatz verkloppt. Vielleicht trifft es auch das Bild vom bewaffneten Jäger, der arglose Tiere abknallt. Nicht etwa weil er Hunger hat. Da hätte er ja noch Interesse am Wild. Nein: er knallt sie ab, weil sein narzistischer Trieb durch sein Überlegenheitsgefühl befriedigt wird.

Auf Sardinien fährt wirklich JEDER Auto. Wahrscheinlich ist das notwendig, denn die Straßen bieten kaum eine Möglichkeit für Fußgänger. Unsere Wirtin meinte, sie habe echte Probleme, den Kinderwagen sicher von A nach B zu bringen. Auch sind die Distanzen zwischen den einzelnen Städtchen zu groß: Nicht, dass ich keine 10km laufen kann. Doch über weite Strecken gibt es auf den Landstraßen keinen Straßenrand, auf dem man gehen könnte. Die Sarden sind gleichermaßen rücksichtsvoll und leichfertig. Sie rasen durch die Straßen, fahren aber vorsichtig durch die Wasserpfützen. Das ist nett und hat nur manchmal Todesopfer zur Folge: Vor kurzem sei ein alter Mann überfahren worden. Der Fahrer habe ihn nicht gesehen, weil er so dünn war. Für den Erzähler dieser Story schien dies den Fahrer von seiner Schuld zu entlasten. Da konnte man halt nichts machen: zu dünn!

Aufgrund dieser Situation haben C. und ich uns dazu durchgerungen, ebenfalls ein Auto zu mieten. Ich schäme mich sehr! Doch die Busverbindungen waren zu schlecht, um die Insel auf diese Art zu erkunden. Aber ich finde, dass 400km in 10 Tagen nicht zuviel sind, wenn man bedenkt, dass die Rückfahrt zum Flughafen schon 160km betrug. Ich fahre nunmal nicht gerne. Ich finde meine Einstellung zu Autos jedenfalls goldrichtig.

Im Urlaub fotografiere ich eigentlich nur zwei Dinge: Blumen und Autos, die in der Landschaft zum verrotten abgestellt wurden. Man wird auf Malta oder in Griechenland, aber auch in der Türkei, leicht fündig. Dies finde ich sehr ästhetisch: Das Auto, endlich nicht mehr gegen Mensch und Natur gerichtet, sondern im Einklang mit der Welt. Die Natur überwuchert das Auto und vergibt ihm seine Schuld. Man könnte sagen, dass ich Autos erst lieben kann, wenn sie ihren Zweck überdauert haben und keinen Schaden mehr anrichten können. Zudem ist der Zerfall des Fahrzeugs zugleich eine Metapher für den erwartbaren Zerfall der Automobilindustrie. Alles ist vergänglich.

Der Anteil von Menschen ohne Auto nimmt in der BRD zu. Dies entspricht zum Teil einer tieferen Einsicht und mangelndem Einkommen. Arm, aber dadurch auch irgendwie sexy! Außerdem wird sich Benzin in den kommenden Jahren stark verknappen und damit teurer. Eigentlich eine große Chance für eine Wende im Straßenverkehr. Weniger Autoverkehr schafft auf lange Sicht mehr Platz und Sicherheit auf den Straßen. Vom Lärm und dem Gestank einmal abgesehen. Etwas ungnädig nehme ich daher die aktuellen Versuche der Regierung hin, Elektroautos zu etablieren. Werden wir die Dinger denn nie los? C. beschwert sich jedenfalls leidenschaftlich über die ach so naturverbundenen Leute, die aus der Stadt ins grüne Umland ziehen, damit ihre Kinder Kühe kennenlernen können. Um dann hinterher mit ihren Dreckschleudern die Stadtluft auf dem Weg zu ihren Jobs noch mehr zu verpesten. C. und ich sind große Verfechter der City-Maut!

Auf Sardinien konnte ich leider keine Fotos von Autowracks schießen. Das einzige, dass ich zu Gesicht bekam, war ein von den Serpentinen ins Tal gestürztes Fahrzeug. Ein solches Bild wäre ein Unfallbild. Sicher waren Todesopfer zu beklagen, ein Foto hiervon wäre daher zynisch und hätte einen unfeinen Nachgeschmack. Ich möchte lieber Autos fotografieren, die absichtlich "vergessen" wurden. Ein Unfalltod würde die Botschaft des Bildes überfrachten. Und am Ende wünsche ich auch niemandem den Tod, auch nicht Autofahrern. Denn da kommen wir nun vom Autofahrer als soziale Gruppe zur Person im Auto. Und diese Person muss nicht zwingend identisch sein mit der ungehobelten Masse. Ich wünsche mir sehr, dass auch ich als Fußgänger und Radfahrer nicht für eine ganze Gruppe haften muss und verwahre mich davor, ihr zugerechnet zu werden.

Donnerstag, 14. August 2008

Lost in LU! Tatort Stadtplanung!

Nun, wer es noch nicht weiß: Wegen chronischer monetärer Klammheit habe ich eine neue Arbeit angenommen und weile deswegen nicht mehr unter dem auserwählten Clan der sogenannten Nur-Selbstständigen. Ich bin jetzt nur noch Auch-Selbstständiger und leide sehr darunter, meinen Körper nun zu bestimmten Zeiten verkaufen zu müssen wie ein ganz ordinäres Freudenmädchen. Denn wer von der Arbeit gef**** wird, dem fehlt die Zeit für die schönen Dinge im Leben.

25 Stunden in der Woche sind eine Menge Zeit, die ich meinem neuen Brötchengeber in den Rachen schleudere. Ich hoffe er weiß es zu schätzen und wirft mir im Gegenzug einen markigen, monatlichen Knochen vor die Hütte. Wuff! Hechel! Apropos Hechel: Zu meiner Arbeit gehört es leider auch, ganz viel durch Ludwigshafen zu radeln, um irgendwelche Orte zu besuchen. Okay, ich könnte auch Straßenbahn fahren, aber die ist hier in der Region ja so lahm, dass man sogar im gemächlichen Walk viel weniger Zeit verplempern würde. Fängt ja schon mit Fahrschein lösen an, die ganze Misere, und dann fährt das verdammte Ding auch noch in die verkehrte Richtung.

Zu meinem Leidwesen passiert mir dasselbe auch mit dem Fahrrad. Zur Erinnerung: Ich bin kein Eingeborener, der den ludwigshafener Stadtplan mit der Muttermilch aufgesogen hat. Dabei ist Ludwigshafen gar nicht mal besonders groß. Leider sind die hiesigen Stadtplaner mit Mikado und nicht mit Schach groß geworden, und genau so haben sie diese Stadt auch geplant: Wer Auto fährt is King! Wer Fahrrad fährt is Depp! Wer Auto fährt, hat Schilder, die ihm den Weg weisen. Und Straßen, die einfach immer weiter gehen. Wer Fahrrad fährt, hat Wege, die urplötzlich aufhören. Und Schilder, die ihn in die Irre führen.

Da gibt es also diese kleinen rechteckigen Schildchen für Radfahrer, deren grüne Schrift und Umrandung Hoffnung vermitteln sollen. Folgt man ihnen aber, landet man im günstigsten Fall an irgendeiner Weggabelung und weiß nicht mehr weiter. Man entscheidet sich vielleicht noch für den Weg, der am ehesten geradeaus geht. Doch das scheint immer die falsche Entscheidung zu sein. Beim nächsten Mal entscheidet man sich anders, aber das ist ebenfalls falsch: Am Ende steht man in unheimlichen, einsamen Sackgassen, die man sonst nur aus dem ortsansässigen Tatort kennt.

Ein furchtbarer Verdacht keimt in mir auf: Stadtplaner sind vielleicht gar nicht so ungebildet, sondern einfach nur kriminell. Gangster-Familien haben sie bestochen, damit sie arglose RadfahrerInnen in deren Fallen lotsen. Pro gemeuchelten Velo-Freund bekommen sie ihren Zehnten, die Hütte in der Gartenstadt ist damit schnell abbezahlt. So mancher soll sogar eine Kuh in seinem Garten stehen haben. Eine Mafia-Kuh nämlich, nennen wir das Kind doch bei seinem Namen!

Nur Heldenmut und ein im Pfälzer Wald geprägter Orientierungssinn haben mich bislang vor dem Schlimmsten bewahrt. Doch kann ich mich immer darauf verlassen? Bald werden mich die Zumutungen des Arbeitsalltags so abgestumpft haben, dass mein ach so wacher Geist einschläft und ich nur noch sabbernd irgendwelchen Schildern folgen will. Was dann? Ich möchte nicht als Leiche aufgefunden werden, nur weil ich mich als ortsunkundiger Fahrradfahrer auf ebenso ortsunkundige Beschilderungen verlassen habe. Es ist mein Recht als Mehrwertsteuer zahlender Verkehrsteilnehmer, sicher und verlässlich durch eine Stadt, und sei sie noch so klein, gelotst zu werden. Sapperlot!

Sonntag, 10. August 2008

Ein Päckchen Papiertücher für Herrn Karst! Ein Knigge-Seminar in der Abendakademie!

In der Abendakademie in Raum 2.04 findet das Seminar Knigge und so - Teil 1 statt, geleitet vom Referenten Holger E. Karst. Ungefähr 15 junge Leute sitzen im Raum, einige spielen gelangweilt mit ihren Bleistiftspitzern herum oder basteln Origami-Schwäne. Dann hat Herr Karst mal wieder eine ganz toll anschauliche Veranschaulichung:

Herr Karst: "Auch auf die Gefahr hin, etwas etepetete zu wirken, liebe SchülerInnen, möchte ich an dieser Stelle ein hier zu Orten oft beobachtetes Verhalten anprangern: Es ist dies die Sorglosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, die mich treibt, schallende Knigge-Ohrfeigen zu verteilen. Denn es ist einfach nicht schön, zu erleben, wie wenig respektvoll der Umgang untereinander vonstatten geht.
Doch der Reihe nach: Möglicherweise bin ich etwas empfindlich, da mich jetzo eine mittelschwere Erkältung plagt und jedes Wort und Getue möglicherweise eine unangemessene Bedeutung erhält. Doch wie bitte soll man es auch verstehen, wenn man mit triefender Nase in der Straßenbahn sitzt und ein paar junge Chicks den nicht von ihnen verursachten Müll von ihren Plätzen auf den Boden neben jemand anderem, in diesem Falle mir, bugsieren? Sehe ich eine Meldung? Ah, da hinten, Ulrike, bitteschön!"
Ulrike: "Na, das ist doch vollkommen egal, man weiß ja sonst nicht, wohin mit dem vielen Müll in der StraBa, da kann man doch schon mal was rüberschieben finde ich... stört doch keinen!"
Herr Karst: "Vielen Dank für die Wortmeldung, liebe Ulrike, das mögen sich die Chicks auch in etwa so gedacht haben. Gibt es noch andere Einlassungen? Bitte, Orhan?"
Orhan: "Yo, also ich finde, das nicht okay, weil das ist doch voll respektlos und so. Man bewirft doch keine fremden Leute mit Müll..."
Herr Karst: "Naja, Orhan, beworfen hat man mich ja nicht gerade, eher beschoben. Trotzdem scheint es auch mir etwas achtlos, einfach ein erachtetes Problem beiseite zu schieben und jemand anderem aufzuhalsen. Wenden wir uns aber mal den Alternativen zu. Was hätten die Chicks denn anders machen können? Gerd?"
Gerd: "Ja, Herr Karst. Man hätte den Müll ja aufsammeln können und an der nächsten Resteverwertungsstelle abgeben können. Das machen ja jetzt alle so!"
Herr Karst: "Danke Gerd, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lästig es ist, stundenlang Müll durch die Straßen zu tragen. Und dann auch noch den Müll anderer Leute, ich weiß nicht... Gabi?"
Gabi: "Ich weiß nicht, was die Aufregung soll. Bei Ihnen war wenigstens noch Platz, und da kann man sich schon noch behelfen, indem man den Müll halt dahin schiebt. Das tut doch niemandem weh außer Ihrem Ego vielleicht. Außerdem weiß ich gar nicht, was ich in diesem Seminar überhaupt soll. Ich sollte eigentlich ein paar Bewerbungen schreiben und den Finanzminister hinterher erschießen."
Elke: "Ja, aber die Chicks hätten den Herrn Karst ja wenigstens fragen können, ob er den Müll gerne beherbergen möchte, der hätte dann ja bestimmt nix dagegen gehabt. Welchen Finanzminister soll denn die Gabi erschießen? Den vom Bund oder den vom Land?"
Herr Karst: "Ich glaube, Elke, das ist im Seminar Finanzminister erschießen - aber richtig! nicht so wichtig. Gabi, Dein Seminar findet übrigens in Raum 3.01 statt. Kannst aber gerne noch etwas bleiben. Was sagen denn die anderen zu Elkes Vorschlag?"
Die Anderen artig im Chor: "Der Vorschlag der ist super, der Vorschlag der ist gut! Wir sind ja sooo froh, dass wir den Herrn Karst haben, der hat immer so toll anschauliche Themen zur Knigge und all dem. Dank Ihnen bekommen wir sicher alle eine Lehrstelle, oder eine - hihi - Leerstelle im System. Danke Herr Karst! Aber wie haben Sie denn eigentlich auf den Müll reagiert? Haben Sie es den Chicks mal so richtig gezeigt, Herr Karst?"
Herr Karst: "Nun ja: Ich habe mich zunächst einmal ganz artig und brav bedankt. Ich finde, man sollte sich immer für alles bedanken, auch für ganz doofe und repektlose Sachen. Daraufhin wurde der Müll zwar unter Murren wieder entfernt, aber die ganze Fahrt wurde ich den Verdacht nicht los, dass man sich über mich lustig machte. Weil ich wohl eben doch etwas etepetete war. Ich war ja so hilflos, und außerdem auch ein wenig erkältet..."
Alle, im Chor: "Ooooch je, der arme Herr Karst!"

Während Herr Karst schluchzend am Pult steht, sammeln seine SchülerInnen etwas Kleingeld für ein Päckchen Papiertaschentücher, das sie ihm nach der nächsten Pause feierlich überreichen wollen. Da wird der Herr Karst aber Augen machen!

Freitag, 11. Januar 2008

Super! Prominente! Stars! In Mannheim!

Warum sollte man über Paris Hilton überhaupt noch schreiben? Sie ist ja eigentlich eine bedauernswerte Kreatur. Sie kann nichts, sieht noch nicht einmal besonders aus und müsste dazu noch allein von den spärlichen Zuwendungen aus der Familienstiftung leben, vermarktete sie sich selbst nicht geschickt als... ja, als was denn eigentlich?

Sie ist wahlweise ein PartyGirl, ein blondes Brötchen oder eine Zicke, und wie man weiß trägt sie nichts drunter. Obwohl sie sich die teure Unterwäsche ja nun wirklich leisten könnte. Eine Form von Understatement? Man weiß es nicht.

Doch es scheint bergab zu gehen mit Paris Hilton. Sie muss neuerdings Straßenbahn fahren, was an sich ja schon ein Elendsexkurs par excellence ist. Doch Straßenbahn fahren in Mannheim ist die Krönung eines sozialen und monetären Abstiegs, wie er schlimmer nicht sein könnte. Oder ist das wieder eine Sache des Understatements? Zeige Nähe zur Provinz, zu den Menschen der arbeitenden Kategorie und gewinne dadurch?

Jedenfalls war ich einigermaßen überrascht, als ich, ebenfalls auf dem absteigenden Ast, mit der Straßenbahn fuhr und Paris "das Wesen" Hilton erblickte, wie sie mit Hündchen im Arm das Gefährt betrat und durch die übrigen Fahrgäste hindurchsah. Ich bin mir sehr sicher, dass sie es war, denn wer sollte so aussehen und so sein wollen? Eben!

Ebenfalls sicher gesichtet habe ich DocSchneider in der Neckarstädter Weststadt. Er promenierte zusammen mit seiner(?) Frau über die Mittelstraße, was ihm standesgemäß ja nun zusteht. Wer sich nicht erinnert: DocSchneider ist jener Mensch, der in der Mitte der 90er Jahre einem bekannten 'ütschen Kreditunternehmen sog. "Peanuts" für Bauunternehmungen aus dem Futtersäckchen entlockte, nach einiger Pleiten ins Ausland floh und kurz darauf von Interpol gefasst wurde.

In 'tschland wurde er dann zu ca. 7Jahren Haft verurteilt. Heute schreibt er Bücher und spaziert mal eben so durch die Neckarstadt. Es kann keine Verwechslung gewesen sein! Denn es gibt überhaupt keinen Grund, wie DocSchneider aussehen zu wollen. Jedenfalls viel weniger Gründe, als so wie Paris Hilton sein zu wollen. Trotzdem heiße ich beide willkommen in Mannheim. Sie haben es sich verdient!

Gibt es weitere Sichtungen von Stars und Prominenten in Mannheim zu vermelden? Nur her damit, habt keine Scheu!

Donnerstag, 8. November 2007

Aufräumen mit einem Mythos! Tipps zur Hygiene!

Mit der Hygiene ist es nicht so einfach, denn die Meinungen darüber gehen weit auseinander: Manche Menschen scheinen sich zum Beispiel nie zu waschen, andere wiederum können sich keinen Sex vorstellen, ohne vorher, nachher und sogar zwischendrin zu duschen. Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen.

Ich zum Beispiel lasse mich ungern von Hunden abschlatzen. Sogar das Küssen einer geliebten Person ist mir unmöglich, wenn der Umgang mit einem Hund nachgewiesen werden kann: Der zu Küssenden wurde möglicherweise über das Gesicht geschlabbert, doch die Hände riechen auf jeden Fall ranzig! Allein die Vorstellung genügt, um sämtliche Würgreflexe zu mobilisieren. Meine liebe Frau C. respektiert das und wäscht sich Hände und Gesicht nach Hundkontakt. Sagt sie zumindest. Ich vertraue ihr.

Man sollte in der Schule das Fach "Hygienekunde" einführen. Es setzte sich nicht nur mit den allgemein gültigen Hygienestandards auseinander, sondern auch mit der Belastbarkeit der Mitmenschen. Denn wie sollen es unsere Jüngsten lernen, wenn schon die Alten jeden An- und Abstand vermissen lassen? Es ist nämlich kein froher Reigen aus Gerüchen, wenn man sich durch enge Fußgängerzonen zwängen und überfüllte Straßenbahnen benutzen muss.

"Welche Gerüche sind meinem Nächsten im Supermarkt noch zumutbar?" oder "Kann Schweissgeruch Übelkeit erzeugen?" wären Fragen in einer zu schreibenden Klassenarbeit, genauso wie "Was kann ich als Alkoholiker gegen Uringeruch tun?" und "Was tun, wenn mich plötzlicher Nies- oder Hustenreiz überfällt?".

Letzteres ist ja immer Thema, wenn der Herbst da ist und der Winter dräut! Es wird geniest und gehustet, dass es nur so eine Freude ist. Leider setzt sich seit Jahren die Unsitte durch, dass man als "Auswerfender" die schützende Hand eben nicht vor das Gesicht hält, sondern frei Schnauze auswirft. Ältere Menschen, Middle- Aged- People und Kinder behaupten frech, dass es viel schlimmer sei, Bakterien und Viren vorübergehend auf der Hand zu lagern, nur um sie nachher auf Tür- und Haltegriffe zu schmieren, die wiederum andere anfassen und so weiter und so blah...

Ich halte das für eine billige und allzu bequeme Ausrede, damit man guten Gewissens bei seinem schändlichen Treiben bleiben kann und nicht mehr über seine Mitmenschen nachdenken muss! Denn diese Behauptung kann für einsame Waldläufer in menschenleeren Gegenden richtig sein, doch in der Stadt ist das ein unbewiesener Mythos: In der Straßenbahn z. B. ist es vollkommen egal, ob ungesunde Bakterien und Viren frei ausgeworfen oder irgendwo drangeschmiert werden.

Mir persönlich sind drangeschmierte Erreger viel lieber als irgendwelche herumfliegende Tröpfchen subversiver Konsistenz. Überhaupt ist die Zahl der Menschen, mit denen ich Flüssigkeiten austauschen möchte, stark begrenzt. Insofern mag ich keinen Auswurf wildfremder Menschen in meine Atemwege bekommen, ganz gleich ob sie steril oder hoch infektiös sind!

Mir ist die Krankheitsübertragung durch Berührung von Haltegriffen deswegen lieber, weil ich hinterher nicht mehr weiss, weswegen ich überhaupt erkrankt bin. Ich erinnere mich hingegen an jeden, der mich angeniest hat und möchte sein Schicksal nur ungern teilen. Vielmehr möchte ich ihn eigenhändig erwürgen, begegnete ich ihm einmal wieder.

Dass der Mythos vom "Blos nicht die Hand vor's Gesicht halten!" völliger Mumpitz ist, lässt sich auch psychologisch beweisen: Hustet mir jemand entgegen, denke ich gleich: "Hoffentlich werde ich nicht krank!", und werde sofort krank! Berühre ich einen Türgriff, denke ich "Oh, die Tür geht auf, und jetzt geht sie wieder zu!", verschwende dabei aber keinen Gedanken an Krankheit und Siechtum (Ausnahme: Neurotiker!).

Eine positive Einstellung, gepaart mit der Dankbarkeit dem gegenüber, der die Hand schützend vor's Gesicht hält, ist der Beste Schutz vor Krankheit. Dass der Mythos tatsächlich nur eine billige Ausrede ist, wird zuletzt durch ein einfaches Gedankenexperiment deutlich: Wäre es nicht viel besser, sich schützend ein Tuch vor das Gesicht zu halten? Dann schmiert man weder was an Lichtschalter noch spuckt man den Tod!

Donnerstag, 13. September 2007

Kleines Quadrat braucht Platz! Mehr Mut zum Gehen!

Dass die MannheimerInnen so langsam sind, dass man ihnen während des Gehens die Schuhe neu besohlen könnte, habe ich schon an anderer Stelle erwähnt. In den Quadraten wird dies allerdings zum Verhängnis, insofern sich die Fußgänger den Platz mit Sitzbänken, Warenauslagen, Lieferwägen und den Straßenbahnen teilen müssen. Samstags ist es besonders schlimm:

Man "strömt" nicht geschwind über die Einkaufsstraßen, der Verkehrsfluss ist eher stockend. Ich als immer noch beweglicher End- Dreissiger aus dem hektischen Berlin fühlte mich schon mehr als einmal ausgebremst. So langsam wie sich die Masse bewegt kann ich gar nicht gehen. Ich verliere dabei das Gleichgewicht. Nur mit dem dazugehörigen Speck kann man die Balance in der Langsamkeit austarieren. Viele MannheimerInnen scheinen darüber zu verfügen.

Man sollte es nicht eilig haben! Und man muss mit allem rechnen: Unachtsam wankt die flanierende Meute mit ihren Mobilfunktelefonen oder Eistüten vor einem her, Einzelne drehen sich abrupt um oder bleiben unvermittelt vor einem Schaufenster stehen. Das ist zwar auch irgendwie Sinn der Sache, schliesslich befinden wir uns in einer Fußgängerzone.

Doch beim Ausweichen, Vorbeischlängeln und Durchflutschen bimmelt es plötzlich hinterrücks: Eine Straßenbahn schiebt sich durch die Meute, ist schon gefährlich nahe und ich muss wieder zurück in die zähe Masse der Bummelwütigen.

Was haben die Straßenbahnen hier eigentlich verloren? Doch eigentlich nichts, oder? Sie stellen höchstens einen weiteren Stressfaktor dar. Und ausgerechnet in den Fußgängerzonen halten sie alle 50 Meter an, genau so als müssten die Nippes- Konsumenten von einem Laden zum nächsten fahren. Von so einer Haltestellen- Dichte kann man außerhalb der Quadrate nur träumen.

Die Quadrate sind allerdings nicht so groß, als dass man nicht auch vom City- Ring her überall hinkäme. Die paar Meter, ich bitte doch sehr! Man könnte die Straßenbahn tatsächlich von den Quadraten ausnehmen. Vom Schloss, von der Kurpfalzbrücke, der Uni oder vom Wasserturm aus kann man prima flanieren. Aber offenbar ist man es in Mannheim gewohnt, überall direkt vor der Tür abgesetzt zu werden: Man soll sich bloß nicht mehr bewegen als nötig!

Ähnliches lässt sich nämlich im Parkverhalten vieler AutofahrerInnen feststellen: Warum in der 10Meter entfernten Parklücke parken, wenn man sich doch quer über den Bürgersteig direkt vor das Geschäft stellen kann. Die junge Mutter mit dem Kinderwagen darf's ausbaden, und der End- Dreissiger versaut sich seinen Anzug am schmutzigen PKW. Er überlegt sich schwer, ob er das nächste Mal nicht über die Motorhaube spazieren soll.

Montag, 10. September 2007

Was sind schon 30 Minuten! Verkehr geht anders!

Man kennt das ja: Es ist später Abend, sagen wir mal sonntags um 21Uhr, man steht am Hauptbahnhof in Mannheim und möchte einfach nur nach Hause. Es gibt 3 Möglichkeiten: Man geht zu Fuß, man nimmt ein Taxi oder man wartet auf die nächste Bahn.

Die nächste Bahn kommt aber erst in 20 Minuten? Na, dann bleiben immer noch 2 Möglichkeiten: Man fährt mit dem Taxi oder geht zu Fuß. Doch das Taxi ist viel zu teuer? Man kann es sich als Bohemian nicht leisten, von seinesgleichen befördert zu werden?

Es bleibt die Möglichkeit, zu Fuß zu gehen, mit etwas Glück ist man so schneller zu Hause als mit der Straßenbahn. Immerhin spart man dabei eine große Strecke im Vergleich zur Bahn, die ja immer auch irgendwie nochmal kurz überall vorbei muss.

Ich persönlich bin am liebster per pedes. Ist es beispielsweise kalt, muss man nicht an ungemütlichen Haltestellen frieren. Die Bewegung hält einen warm. Begegnet man auf dem Heimweg doch noch der zuständigen Straßenbahn, ist man wirklich froh, sich nicht mit den anderen Fahrgästen darin stapeln zu müssen.

In meiner Schulzeit war es üblich, mit dem Sammelbus in die Schule verbracht zu werden. Die Eltern bezahlten einen monatlichen Beitrag zur Fahrkarte, die zum Teil von der Kommune gesponsert war. Die Busgesellschaft war stets der Meinung, dass ein Bus für die Schüler von 5 Gemeinden reichen müsse. Spätestens ab der letzten Haltestelle konnte man ein physikalisches Prinzip hautnah erleben:

Das Prinzip der Verdrängung, nachdem 2 Körper sich nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten können. Wir sind trotzdem alle in die Schule gekommen, das hat immer funktioniert. Rätselhafterweise gelang der Weg nach Hause nicht immer. Zumal der Busfahrer ab und an beschied, dass der Bus nun voll sei und keine Fahrgäste mehr aufnehmen könne. Die Eltern murrten zwar, doch holten sie uns arme, schmachvolle Würstchen stets ab.

Ähnliches konnte ich heute beobachten: Die Straßenbahn war gerammelt voll, und ein Mann mit Zwillingskinderwagen begehrte Einlass. Er wurde ihm zwangsläufig verweigert. Und da die MVV- AG davon auszugehen scheint, dass die Zeit ihrer Passagiere weniger wert ist als ihre Rendite, bleibt es wohl bei dieser sehr ungünstigen Taktung der Züge. "Warten sie halt nochmal 30 Minuten, vielleicht ist die nächste Bahn ja nicht so voll."

Der 10- Minuten- Takt unter der Woche mag noch angehen, doch die Taktung am Wochenende ist schlicht unmenschlich. Liebe MVV- AG: Wochenends gibt es viele Reisende, Rastlose und Heim- oder Umkehrer. Ist es da nicht etwas blödsinnig, gerade hier weniger Züge einzusetzen? Böse Zungen könnten diesbezüglich von Profitgier sprechen!

Die Börse ist halt ein ganz schlechter Ort für den Erhalt von Infrastruktur. Mannheim könnte diesbezüglich eine Negativfolie für den Börsengang der Deutschen Bahn sein. Hoffentlich! Denn aus den Folgen der Privatisierung bzw. Teilprivatisierung öffentlicher Aufgaben hat man ja bis jetzt offenbar noch nichts gelernt.

"Britannia rules the world!", möchte man rufen. Oder besser noch "400 Jahre Mannheim, 20 Jahre Stadtplanung", wie ein Plakat prahlerisch, aber dabei völlig unbeabsichtigt auch verleumderisch, Mannheims Verdienste rühmt.