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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Die schönste Tabelle der Welt! Danke, danke, danke FvdL!

Zu aller Überraschung ergab die Neuberechnung des ALG II- Regelsatzes gar nicht, dass den Langzeitarbeitslosen und ihren Kindern zu wenig bezahlt wird, sondern ganz im Gegenteil, sogar zu viel. Und nur dem Großmut einer Frau von der Leyen ist es zu verdanken, dass die Sätze nicht sofort gesenkt, sondern sogar um 5 Euro erhöht werden sollen - insofern es im Bundesrat eine Mehrheit dafür gibt. Danke, danke, danke, Frau von der Leyen.

Da Arbeitslose ständig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen, sollen sie auch schön gesund sein und auf keinen Fall Alkohol und Zigaretten im Wert von 14 Euro pro Monat erwerben und - schlimmer noch - für ihre Süchte missbrauchen. Diese Pauschale wurde gekürzt: Noch nicht einmal eine Flasche Sekt zum Geburtstag oder zu Silvester ist mehr drin - es könnte ja sein, dass just an diesem Glückstag ein Gespräch beim PAP ansteht oder man sich spontan für einen Job vorstellen soll. Zum Ausgleich steht dem Erwerbslosen eine Pauschale von 2,99 Euro im Monat zu: für Mineralwasser.

Wie ein Sixpack zu je 9 Litern für einen ganzen Monat reichen soll, wird allerdings nicht erklärt. Genauso, wie darüber gerätselt werden darf, wie man sich für 1,39 Euro bilden soll - wohlgemerkt: im Monat! Das reicht noch nicht einmal für eine Tageszeitung. Kein Wunder, dass das Lumpenproletariat auf Erzeugnisse der Springer-Hass-Presse zurück greift. Fortbildung zahlt doch der Staat? Wir reden aber gar nicht von Fortbildung: Es geht um Bildung, ganz allgemein! Das gab es früher mal, Sie kennen es bestimmt, das Wort: BILDUNG! Doch vergessen? Macht nix! Wer nix weiß, den macht auch nichts heiß. Wir brauchen hier Arbeitnehmer und keine Intellektuellen! Hinterher wird dann wohl auch noch nachgedacht über alles und so oder wie?

Und wenn der Geist schon hungert: 128 Euro für Lebensmittel sollen es schon sein - alles für den dicken Bauch: Dafür kann man ganz schön bio und gesund leben! Das Geld reicht dann zwar nur für einen halben Monat, aber Hauptsache gesund! Oder aber man verzichtet völlig auf Fleisch und Käse. Es gibt noch eine Möglichkeit: Täglich guten Biokäse kaufen (200 bis 300gr) und ein Stück Brot. Da kommt man mit vielleicht 4 Euro über den ganzen Tag.

Man kann jedoch alle Knappheiten mit anderen Posten verrechnen. Was soll man denn mit 15 Euro für die Gesundheit anfangen? Das geht besser: ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen, tüchtig ausfiebern - das spart die Quartalsgebühr und Kosten für Medikamente. Wenn man dann ein Jahr lang spart, kann man sich vielleicht eine Waffe auf dem Schwarzmarkt kaufen und ein paar Patronen. Sich selbst in den Kopf schießen und die Gesellschaft, den Arbeitsmarkt und den PAP (persönlicher Ansprechpartner vom Jobcenter) entlasten, das wäre anständig! Wie anständig sind Sie?

Ja, den Arbeitslosen soll es nicht besser gehen als den Arbeitnehmern. Letztere missgönnen Ersteren lieber ihre Grundsicherung, als für sich selbst höhere Löhne zu erstreiten. Aber was rede ich da? Deutsche Arbeitnehmer sind viel zu blöd zum Ziehen der richtigen Schlüsse. In Frankreich brennen schon wieder Autos, weil die Franzosen nicht bis 62 arbeiten wollen. Hier in der Bunzreplik (H. Kohl) ist sowas nicht denkbar. Lieber schützt man die Bäume im erzlangweiligen Stuttgarter Park, als dass man gegen die Wohltätigkeiten unserer Politiker auf die Straße geht.

Der Zorn über die soziale Ungerechtigkeit, der wird im Straßenverkehr ausgelebt. Immer schön nach unten treten, und vielleicht auch zur Seite. Aber niemals nicht nach oben hauen, bitteschön! Das stört die Ordnung der Dinge. Ordnung ist das halbe Leben. Die andere Hälfte ist die Demütigung anderer sowie die eigene. Jedenfalls weiß man: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert, so steht es geschrieben. Kann wirklich niemnd sehen, dass diese Hand schon lange niemanden mehr füttert? Hmmm? Ergo: Schnapp, Hasso, fass'!

Und nun: Die schönste Tabelle der Welt! Darin steht, was mensch so braucht, um über die Runden zu kommen. Vielleicht sollten sich zukünftig alle Arbeitgeber daran orientieren, wenn die Gehaltsfrage mal wieder auftaucht. Also wirklich, mehr Geld braucht doch nun wirklich niemand, oder?

Regelsatz für Erwachsene
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke128,46 Euro
Bekleidung, Schuhe30,40 Euro
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung
(ohne Miet- und Heizkosten, die separat erstattet werden)
30,24 Euro
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände27,41 Euro
Gesundheitspflege15,55 Euro
Verkehr22,78 Euro
Nachrichtenübermittlung31,96 Euro
Freizeit, Unterhaltung, Kultur39,96 Euro
Bildung1,39 Euro
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen7,16 Euro
andere Waren und Dienstleistungen26,50 Euro
 
Regelsätze für Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres (in Klammern: Kinder zwischen 7 und 14 Jahren/zwischen 15 und 18 Jahren):
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke78,67 Euro
(96,55/124,02 Euro)
Bekleidung und Schuhe31,18 Euro
(33,32/37,21 Euro)
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung7,04 Euro
(11,07/15,34 Euro)
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände13,64 Euro
(11,77/14,72 Euro)
Gesundheitspflege6,09 Euro
(4,95/6,56 Euro)
Verkehr11,79 Euro
(14,00/12,62 Euro)
Nachrichtenübermittlung15,75 Euro
(15,35/15,79 Euro)
Freizeit, Unterhaltung, Kultur35,93 Euro
(41,33/31,41Euro)
Bildung0,98 Euro
(1,16/0,29 Euro)
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen1,44 Euro
(3,51/4,78 Euro)
andere Waren und Dienstleistungen9,18 Euro
(7,31/10,88 Euro)
Quelle: tagesschau.de

Freitag, 21. März 2008

Rücksichtslose BVG-Fahrer! Töten Mädchen!

Die Bildzeitung in Berlin ist die "B.Z."! Sie hält uns mit genauso differenzierten Berichten in Laune wie die Bundesausgabe, doch beschäftigt sie sich überwiegend mit lokalen Geschehnissen. Man kann aber so oder so kaum glauben, dass erwachsene Menschen solche Zeitungen kaufen, doch die Auflagen zeigen uns ein anderes "Bild" (sic!).

Die Springerpresse ist generell gegen Streiks, außer denen, die sie selber organisiert. Wer erinnert sich nicht schmunzelnd an den "Warnstreik" der PIN AG- MitarbeiterInnen, der sich gegen Mindestlöhne in der Zustellungsbranche richtet? Arbeitgeber und Gewerkschaft in einem, das kriegt sonst nur Siemens hin. Bravo!

Streiken hingegen andere Berufsgruppen, sieht man 'tschland gerne dem Zerfall entgegensteuern. Die Streiks der Bahn waren ein Riesenthema, nun waren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dran: Das geht ja gar nicht! Überall war Chaos!

Busse, Straßen- und U-Bahnen verweigerten ihren Dienst, die BVG musste Privatunternehmen anheuern, um den Anschein von Mobilität zu wahren. Da dies nicht im Ansatz funktionierte, waren die Straßen voller KFZ und FahrradfahrerInnen. Manchen sah man förmlich an, dass sie es sonst gewohnt waren, mit der Bahn zu fahren, so schlingernd war ihr Pfad.

Nun musste man ja trotzdem in die Schule oder zur Arbeit kommen. Und nun kommen wir zur großen Schuld des BVG- Streiks: Ein 14jähriges Mädchen fuhr nur deswegen mit dem Fahrrad zur Schule, weil kein Bus fahren mochte. Und prompt wurde sie überfahren! Von einem KFZ. Und wer ist der Logik der "B.Z." entsprechend schuld daran?

Die streikenden Busfahrer natürlich! Nicht etwa der unfallverursachende KFZ- Führer oder die überaus beknackten Fahrradwege in der Stadt. Oder die Eltern, die ihr zartes Pflänzchen doch hätten zur Schule bringen können. Oder die BVG selber, die ihren FahrerInnen ein lächerliches Einstiegsgehalt von lächerlichen 1400 Euro brutto entrichten. Oder oder oder... Die Welt ist doch so einfach, wenn man einen Schuldigen hat!