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Mittwoch, 27. Juli 2011

Alarmknöpfe drücken! War on Terror!

Es hat ganze zwei Tage gedauert, bis die üblichen Forderungen nach mehr Überwachung des Internets und Vorratsdatenspeicherung auftauchten. Die Opfer des Massakers in Norwegen sind noch nicht unter der Erde, da streben die Sicherheitsfanatiker der CSU, ganz vorne mit dabei der Herr Manfred Weber, schon den totalen Überwachungsstaat an. Mit dabei ist auch die Polizeigewerkschaft, die den Internetuser zum Denunzianten machen will: Er soll verdächtige Inhalte sofort melden oder mittels eines "Alarmknopfes" alles totdrücken, was auch nur irgendwie nach Terror riecht.

Na prima, unter dieser Prämisse können dann die Seiten von linken und rechten Gruppierungen sowie sämtliche Blogs religiöser Ausrichtung sowie harmloser Spinner, wie ich einer bin, gleich ganz dicht machen. Denn wenn mir eine Meinung von irgendwem nicht passt, dann drücke ich - schwupps - einfach auf das Knöpfchen im Browser und der unliebsame Blog ist verschwunden auf immer. Übrig bleiben die Bausparer- und die Familienfotoblogs. Das kann doch niemand wirklich wollen?

Die Behauptung geht dahin, dass mit der totalen Überwachung des Internets keine extremistischen Netzwerke möglich seien und z. B. auch Anleitungen zum Bombenbau verschwänden. Es ist nicht nur ärgerlich, dass Leute über das Internet befinden, die offenbar gar keine Ahnung davon haben. Ärgerlich ist außerdem diese Blödheit, zu glauben, dass ohne Internet kein Terror möglich sei.

Sonst vergisst man doch auch nie auf die RAF und andere revolutionäre Zellen und deren Gefährlichkeit hinzuweisen. Die haben ihre Bomben ganz bestimmt nicht nach Bauanleitungen aus dem Internet gebastelt. Wahrscheinlich haben die einfach ein Chemiebuch in der Staatsbibliothek ausgeliehen. Soll man jetzt auch noch die Bibliothekten schließen? Und versammelt haben die sich auch, per Telefon oder mittels kleiner Briefchen oder was weiß ich denn? Terror ist möglich, auch ganz ohne Internet!

Natürlich lassen sich Informationen via Internet viel schneller und umfangreicher recherchieren. Aber nur die wenigsten User setzen das in die Tat um, was andere in ihren Schriften fordern. Vieles ist zudem nur Pose, ein anonymisiertes Ventil zum gefahrlosen, wenn auch oft barschen Meinungsaustausch. In Internetforen und Blogs wird provoziert, gezielt missverstanden und massiv gedroht.

Im Internet geht es nicht friedlich zu, ganz und gar nicht. Allerdings ist das in den meisten Fällen nur heiße Luft. Der Autoverkehr auf bundesdeutschen Straßen ist auch nicht friedlich, dazu aber gefährlich für Leib und Leben! Und dies auf allerhöchstem Niveau. Niemand käme jedoch auf die Idee, einen Alarmknopf am Armaturenbrett oder in den Straßenschuhen zu fordern, mit dem man missliebige Verkehrsteilnehmer melden kann.

Wir kommen der Sache unserer Berufspolitiker und Sicherheitsexperten aber schon näher, wenn wir uns den Begriff "Extremismus" einmal zu Gemüte führen: Extremistisch sind "... jene Teile eines politischen Spektrums [...], von denen aktive Gefährdungen der Grundwerte der zur Zeit herrschenden politischen Ordnung ausgehen, prinzipiell unabhängig von der weltanschaulichen Ausrichtung und den konkreten politischen Zielen der Vertreter „extremer“ Positionen." (siehe: Wikipedia)

Die größte Gefahr für die Grundwerte der herrschenden Ordnung (Demokratie) sind jene Politikerinnen und Politiker selbst. Sie schränken Grundrechte ein und stellen den Bürger unter Generalverdacht. Jeder wird so zum potentiellen Attentäter. Insofern, in dieser unterstellenden und aushöhlenden Form der Machtausübung stehen die um unsere (?) Sicherheit besorgten PolitikerInnen unter Extremismusverdacht. Das sind schon keine extremen Positionen mehr. Bloß: Wer überwacht sie und drückt den Alarmknopf im Bedarfsfall?

Ach so, die Wählerinnen und Wähler! Nun, warum aber soll die wahlberechtigte Bevölkerung jene Personen wählen und ihnen Vertrauen entgegenbringen, die ihr zutiefst misstrauen und sogar Angst vor ihr haben? Und weil der Irrsinn noch nicht vollkommen ist, stellt sich ausgerechnet die gammelige, unglaubwürdige FDP dem Alarmismus der Sicherheitspolitiker entgegen. Verkehrte Welt! Wann darf ich endlich Heim?

Montag, 28. April 2008

Maximo Lidl! Mannheim rüstet auf!

Man ist es ja gewöhnt, immer und überall überwacht, gefilmt, geduzt und über's Ohr gehauen zu werden, wo es nur geht. In Mannheim gibt es dagegen kaum Widerstand, man lebt getreu der Devise, dass, wer nichts zu verbergen habe, auch nichts zu befürchten hat. Natürlich soll Überwachung nur dort stattfinden, wo sie einen selber nicht stört.

An den Neckarwiesen würden Kameras allerdings stören, weil man dann nicht mehr seinen Köter überall hinkacken lassen kann ohne Bußgeld bezahlen zu müssen. Auch bestimmte Straßen gehören ausgenommen von jeglicher Observation, denn sonst könnte man wunderbare Videos von rüpelhaften und rücksichtslosen AutofahrerInnen schauen. Soviel zum "nix-zu-verbergen-haben", liebe MannheimerInnen! Doch wer da unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!

Ansonsten aber liebt man es, an öffentlichen Plätzen beim Nasebohren gefilmt zu werden, und man denkt sich kaum was dabei, wenn man sich in der Furche herum puhlt. Schließlich leben wir in Castingdeutschland, und jede öffentliche Begebenheit ist Bühne und Künstlerschmiede zugleich. Eingeschränkt fühlt man sich höchstens durch zischelnde Drogenverkäufer, doch die scheuen die Kamera wie der aufgeklärte Mensch den Papst.

Schlimmer als Drogenverkauf in der Öffentlichkeit finde ich legale Erwerbsarbeit. Sie macht uns dumm und angepasst. Und uns zu Drogen überhaupt erst greifen. Ein gestresster oder zugedröhnter Kopf neigt aber nicht zur Weltrevolution, er hat noch nicht einmal besonders gute Einfälle. Sicherheitshalber gilt: Damit der Arbeitnehmer nicht doch zu schlau zum Arbeiten wird und plötzlich auf dumme Gedanken kommt, filmt man ihn bei der Arbeit.

Dies prangere ich an! Widerstand ist geboten! Bei Discountern beschäftigte VerkäuferInnen zum Beispiel sei hiermit wärmstens empfohlen, der Überwachungskamera mindestens einmal täglich den blanken Hintern entgegenzuhalten. Hinterher sollen sich alle Angestellten vor einer Kamera postieren und in aller Ruhe gemeinsam einen zuvor aus den Regalen entnommenen und nicht bezahlten Snack verschnabulieren.

Doch solcherlei Meinungsäußerung ist den VerkäuferInnen gewiss untersagt. Wo kämen wir denn auch hin, wenn jeder nur noch das täte, wofür er bezahlt wird? Die Kameras in Discountern beispielsweise filmen die Angestellten leider nicht dabei, wie sie die Filiale morgens und abends außerhalb der bezahlten Arbeitszeit aufarbeiten. Ich übe aber Solidarität mit den gegängelten Angestellten, indem ich Discounter meide wo es nur geht, trotz meiner ständigen monetären Klammheit.

Bald werde ich ebenfalls aufpassen müssen, wie und an welchem Körperteil ich mich kratze. Ein Teil unserer Hausgemeinschaft möchte nämlich eine Kamera am Haus installieren. Früher habe man sowas ja gar nicht gebraucht, denn man schloss einfach Hoftor und Haustüre ab, und fertig war der Käse. Da kam keiner rein, leider aber auch keiner raus im Ernstfall. Man hat den MitbewohnerInnen jedenfalls für immer verboten, ihr Hab und Gut zu schützen.

Da aber beim jährlichen Fest in der Max-Joseph-Straße immer jemand in den Hof kackt, und man auch weiß, dass jemand, der in den Hof kackt, auch gerne in Eigentumswohnungen einbricht und alles stiehlt, was nicht festgeschraubt ist, will man eben eine Überwachungskamera. Am Besten eine mit integriertem Notruf und Wachschutzfunktion. Es ist ebenfalls bekannt, das Einbrecher sofort ihre Maske abnehmen, wenn sie eine Kamera auch nur aus der Entfernung sehen. Sie wollen es dem polizeilichen Erkennungsdienst so einfach wie möglich machen.

Ich möchte gar keine Überwachung, weder öffentlich noch privat. Jeder Filmer weiß, dass sich Menschen im Angesicht einer Kamera schlagartig anders verhalten. Ich will so bleiben wie ich bin. Da ich aber so wie ich bin haufenweise Dinge zu verbergen habe und deshalb mehrjährige Haftstrafen befürchte, würde das Verborgene erkannt, werde ich Widerstand leisten:

Ich habe noch ca. 200 kleine Kartons, die eine Überwachungskamera verdecken können. Jeden Morgen würde ich einen neuen Karton über die Installation werfen, bis diese aufgebraucht sind. Hängt das Teil dann noch immer und will mich bei delinquentem Verhalten ertappen, lasse ich mir von einem Optiker eine Linse anfertigen, die man über die Linse der Kamera kleben kann. In die Linse eingraviert wäre ein Mann in lustigen Kleidern, der immer schön in die Kamera lächelt. Es wäre auf jeden Fall ein schönes Bild.