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Samstag, 9. Juni 2007

Verkatert in einer Grossstadt wach geworden! Fassungslosigkeit stellt sich ein!

ich bin völlig fassungslos: nicht weil ich diesen eintrag stilunwürdig mit einem "ich" begonnen habe, sondern allein deswegen: ich bin vor einem halben jahr in eine kleinstadt gezogen und heute morgen in einer grossstadt wach geworden! das war sehr unerwartet und für mich nachträglich weniger eine frage der kriterien, die eine stadt zur grossstadt machen, sondern eine des persönlichen empfindens und eine der dimensionen. dies habe ich gestern gelernt!

tatsächlich dachte ich die ganze zeit, mannheim sei eine kleinstadt. im vergleich zu berlin, köln oder münchen ist das auch richtig. doch meine freundin C. eröffnete mir gestern, mannheim besässe mit ca. 300.000 einwohnerInnen den ultimativen grossstadtstatus! ich verschluckte mich an meinem hefeweizen marke eichbaum und musste fürchterlich husten.

"bah" sagte ich zu meiner freundin C., nachdem ich mich wieder gefasst hatte "so ein quatsch! alles in dieser stadt deutet auf klein hin! wo sind die grossen gesten der bürgerInnen und ihrer prominenz? wo bleibt die weltoffenheit, wo ist die bohème, wo die reichhaltige, kulturelle vielfalt?" "weiss ich auch nicht" sagte meine freundin C. "aber fakt ist: mannheim ist eine grossstadt!"

ich schlief sehr schlecht in dieser nacht, obwohl ich mich in einen rauschhaften zustand gesoffen hatte. und auch heute war ich am grübeln und es wollte sich nicht so recht eine freude bei mir einstellen. einer kleinstadt kann ich provinzialität und kleinhuberei ja gut verzeihen, und so zog ich beinahe täglich mit väterlichen gefühlen und wohlmeinenden ratschlägen durch diese stadt. doch ab heute werde ich für mannheim andere massstäbe ansetzen müssen.

ich kenne mannheim seit 20jahren. für mich war es trotz meiner ländlichen herkunft immer eine kleine stadt, in der man einkaufen kann wenn man neue hosen braucht und in der man noch ein bis zwei kneipen findet, in denen man sich einigermassen wohl fühlen kann. hmmm... was nun?

liebe mannheimerInnen: wer in einer grossstadt lebt, soll sich bitte auch so verhalten. wo kommen wir denn da hin, wenn jeder so tut, als lebte er in hintertutzenhausen bei den säuen? etwas glamour erwarte ich da schon, ein paar stars wären nicht schlecht. und zwar solche, die einer grossstadt würdig sind, nicht so provinzkünstler wie die hiesigen.

grossstädter sind nicht kleinlich, sie leisten zivilen ungehorsam und ranzen sich nicht gegenseitig wegen belanglosigkeiten an. sie hören sich neue ideen an und interessieren sich für das bild, dass man sich von ihnen in der welt macht - egal ob das jemand tut oder nicht! kleinstädter machen kleine haufen und grossstädter machen grosse, so ist das nun mal. wer das nicht möchte, kann ja zurück auf's land. man kann nicht dauernd "grossstadt" sagen und "kleinstadt" meinen. das geht nicht!

grossstädte haben einen funktionierenden öpnv und bürgermeisterkandidaten, bei denen einem nicht gleich das gesicht einschläft. sie haben wenigstens eine gute tageszeitung mitsamt einem richtigen feuilleton. man kann trinken und feiern bis in die nacht hinein, und es gibt eine interessante und innovative musik- szene.

die polizisten einer grossstadt kümmern sich nicht um blumentöpfe auf der kurpfalzbrücke, sondern lassen sich von autonomen an der nase herumführen und zur not auch mal verprügeln - und nicht umgekehrt. die polizisten haben deswegen die nase voll von ihren vorgesetzten und streiken oft, was sie dann beinahe wieder sympathisch macht

was ich aber hier sehe ist eine kleinstadt: piefige bürgerInnen und ein paar möchtegern- zampanos. übrigens auch jede menge sympathische leute, das muss jetzt auch mal gesagt werden. und schliesslich lebt meine freundin C. hier, der eigentliche grund meiner anwesenheit. und die ist hoffentlich von langer dauer. für diese zeit habe ich eine grosse bitte an die mannheimerInnen: werdet grossstadtbürgerInnen!

Samstag, 5. Mai 2007

Depressive Katerstimmung! Vorsicht: ermüdender, sich im Kreis drehender Text! Ein Kuss am Ende!

eine zeitung sollte ein feuilleton haben! das feuilleton ist mehr als nur ein abbild des kulturell geschehenen und des kulturell erwartbaren in der region, sondern bildet auch die geistesverfassung einer gesellschaft ab. deshalb beschäftigt sich das feuilleton auch u.a. und z.b. mit ethischen oder linguistischen fragen, im saloppen und populärwissenschaftlichen stil.

der "mannheimer morgen" hat leider nur einen kleinen kulturteil und stellt sich den fragen einer gesellschaft nicht. er hat ja auch kein feuilleton. warum aber nicht? fallen ihm keine gesellschaftlichen fragen ein? traut er dem mannheimer nicht zu, etwaigen diskursen und ausführungen mit interesse zu folgen?

generell wird den menschen nur wenig zugetraut. bei der frage um die europäische verfassung (z.b.) wurde der gesellschaft keine urteilsfähigkeit zugetraut, weswegen die damalige regierung auf eine bürgerabstimmung verzichtet hatte. man hätte sonst die ausrichtung einer europäischen verfassung transparent machen müssen, und jeder, der noch ganz bei trost ist, hätte dieses ausschliesslich wirtschaftsliberale pamphlet abgelehnt. die soziale frage beantwortet der verfassungsentwurf nämlich nicht. die franzosen haben das gewusst und dagegengestimmt. in 'schland stand das aber nicht mal zur debatte.

"was ist denn mit dem los?" lieber leser, du hast ja recht, aber ich habe eine schwer durchzechte nacht hinter mir und den fehler gemacht, den tag mit dem lesen des mannheimer morgens zu beginnen. ich fühlte mich sofort intelektuell unterfordert und müsste jetzt eigentlich irgendetwas ganz kluges lesen. geht aber nicht: das zeug liegt noch verpackt im keller und ich bin zu verkatert, um schwere kisten umzuschichten und zu durchsuchen. ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob ich die seiten eines buches tatsächlich lesen könnte oder doch nur müde anstarren würde.

da dachte ich halt: schreibe ich mal was über den unterschied zwischen kulturteil und feuilleton. 'tschuldigung. kommt nicht wieder vor. versprochen. hat mich ja auch angestrengt. musste aber mal sein. war doch nur, weil mich der "mm" so deprimiert hat. dass ich dann aber noch auf die längst vergessene europäische verfassung zu sprechen kam? seltsam... was ist nur los mit mir?

ich gehe jetzt zur couch. dort sitzt meine liebste C. ich gehe jetzt also dahin und mache das beste aus dem heutigen tag: ich gebe C. einen kuss!