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Mittwoch, 3. April 2013

Viel Bling Bling und nichts dahinter! Der Euro: Es kommt darauf an, was man draus macht!

Zement: was man besser nicht macht
Ich habe nichts gegen Zement. Zement kann gut sein. Zementkritische Leute verstehe ich nicht. Da wird von Städten grau in grau gesprochen, von Zementwüsten gar. Zement steht für den wahr gewordenen Traum des Spießers: Eine Welt, planiert, gezogen mit dem Lineal ohne irritierende Natur darinnen, verkleistert mit Beständigem und damit mehrzweckfähig. Ich allerdings, Sohn eines Maurers, Bruder eines Maurers und ehemaliger Schüler in einer Schule gebaut aus Zement, sage: Es kommt halt darauf an, was man daraus macht!

Diese findige Reklame (liebe Kinder, so hieß damals die Werbung) wurde in den 80ern in die Republik getackert und gedruckt wie nix Gutes. Und sie hatte recht: Was kann der Zement für die Einfallslosigkeit von ArchitektInnenenenenen und Bauherren und -weiblein? Deswegen hier eine Lanze für den Zement, der unsere Welt zusammenfügt und -hält und trotz aller Bausünden Euopas mit Exemplaren architektonischer Baukunst aufwartet: zum Beispiel dem Ludwigshafener Hauptbahnhof.

Genauso haltlos finde ich dieses dämliche Geseiere über den Euro. Da wird er als Teuro verunglimpft und gilt als allein schuldig an der Eurokrise. Die Eurokrise ist aber in Wahrheit eine Bankenkrise, und der Ursprung, wir erinnern uns, liegt in den USA (Immobilienkrise). Wenn wir nun die Deutsche Mark noch hätten, hieße die Krise volkstümlich DM- Krise, und schon das klingt wahnsinnig wenig elegant nach Schlecker-Krise und schmeckt a wengerl nach Nazisprech (GröFaZ etc.), sie bliebe aber auch unter diesem Namen eine Bankenkrise. Und nur weil die Banken auf Kosten der Bevölkerung Europas gerettet wurden, ist es nun eine Staatsschulddenkrise. Ob wir nun mit Kopeken, Salatgurken oder Bierschinken zahlen, ist dabei egal.

Der Euro kann nichts dafür, dass einige Flitzpiepen das Geld anderer Leute verballern und damit eine Krise hervorrufen, die am Ende jene zu blechen haben, die sie nicht verursacht haben. Gemeint sind jene, auf deren Kosten die Sozial- und Bildungsausgaben gekürzt wurden, damit das eingesparte Geld die Verluste von Großanlegern ausgleichen kann. Der Euro: Es kommt halt darauf an, was man draus macht! Wenn ehemalige Arbeitgebervertreter und Teile der Wirtschaft den Euro am Liebsten heute noch abschaffen möchte, dann sollte man überlegen, zu wessen Gunsten dies geschähe. Ich vertraue auf die Faustregel: Wenn Dein Feind etwas haben will, dann willst Du das Gegenteil davon!

Der bundesdeutsche Stammtisch, an dem der Euro zerschmettert wird, profitiert jedenfalls bestimmt nicht davon, auch nicht Leistungsträger wie stinknormale ArbeitnehmerInnen. Dass sich dann noch eine Partei gründet, die den Weg aus der Bankenkrise ausschließlich mit dem Weg aus dem Euro finden will, ist da schon beinahe lächerlich. Dass sie auch noch Zuspruch aus weiten Teilen der Bevölkerung erhält, ist traurig. Halten wir fest: Der Euro kann nichts dafür, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Schuld ist die Gier und die Verantwortungslosigkeit der Vertreter eines ungezügelten Kapitalismus sowie die Plan- und Ahnungslosigkeit unserer politischen VertreterInnen sowie ihr Defizit an Demokratieverständnis.

Will sagen: Der Vermieter erhöht die Miete, wenn er kann! Die konventionellen Energieversorger und deren Lobbyisten erhöhen Preise und Umlagen, solange sie "ihren" PolitikerInnen die Gesetze diktieren können (siehe: Baden-Württemberg). Arbeitgeber zahlen nur soviel Gehalt, wie sie müssen und heulen sofort auf, wenn die Worte "fair" und "Bezahlung" in einem Text vorkommen (Heuuuul!). Die Wirtschaft wird nicht an den allgemeinen Teuerungen beteiligt, die entstandene Last wird den BürgerInnen aufgebürdet, während die noch für die Verluste der Superreichen aufkommen müssen. Nach dem Grundgesetz stehen eigentlich die Eigentümer in der Pflicht, soziale Verantwortung zu übernehmen. Tja, so kann's gehen.

Dass die BürgerInnen nun gefühlt weniger Geld in der Tasche haben als zu DM- Zeiten, liegt nicht am Euro. Das liegt allein an der Phantasie- und Verantwortungslosigkeit der Protagonisten, von mir aus auch am System. Wie das Geld heißt, spielt keine Rolle. Es wird eh immer den Namen derer tragen, die sich die Taschen auf Kosten der Allgemeinheit füllen. Wird Zeit, dass die Antagonisten auch mal was zu sagen haben. Doch wo ist deren Partei? Wäre noch zu gründen oder was?

Dienstag, 8. Januar 2013

2013 darf nicht sterben! 2012: Das war Mord!

still starb 2012 vor sich hin...
So! Ein neues Jahr! Hat sich was geändert? Nichts hat sich geändert. Niemand ist schlauer aus dem Vorjahr hervorgegangen. 2012 hat also zu rein gar nichts geführt. Warum sollte 2013 besser sein?

Dieselben Kriege in verschiedenen Ländern, derselbe blöde Schwachsinn, den die "führenden Köpfe" verzapfen: Waffenhandel, Klimaterrorismus, Ressourcenklau, Arbeitermissbrauch, Verdummungsgebot, Humanverschlampung, Zukunftswürgschaften, Gottesbeteuerungen allerorten.

Lustig: BioCompany verkauft nun Fastenpakete für das furzdumme Christenpack, das mit ihren SVUs zum Einkaufen fährt und fastet, während anderswo die Leut' verhungern und verdursten dürfen, solange sie noch nicht von deutschen Panzern plattgefahren worden sind. Wann gibt es eigentlich endlich ausreichend Parkplätze vor den Bioläden?

Nicht lustig: Ex-BuPrä-Scheidungsinszenierung (Wulff: immer für eine Schlagzeile gut), Mursi (immer für die Sharia gut), Putin (kauft sich seinen Demokratentitel bei reichen Steuerflüchtlingen), Depardieu (der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln...), Bardot (der beste Beweis dafür, dass Dummheit nichts mit Schönheit zu tun hat, sondern erst mit dem Alter kommt), BILD (stimmt einfach immer), Steinbrück (stimmt eigentlich immer), CSU (die Dummheit kann aber auch mit dem C im Namen zu tun haben)...

Apropos Steinbrück: Du alter Depp! Nicht das Kanzlergehalt ist wichtig! Die Gehälter der Arbeitnehmer sind's! Da hilft auch die Ankündigung eines Mindestlohns nicht. Zumindest nicht solange Du ohnehin nicht vorhast, Kanzler zu werden, Du Vizekanzleranwärter, Du... Du... Du... BUCHHALTER! Geh' doch zur Kreissparkasse Holzminden. Da haben'se vielleicht 'n Job für Dich. Als Kanzler? Niente, Nada. Never. Oder auf deutsch: bitte nicht!

Wahl 2013: Was soll man denn wählen, wenn es dieses Mal noch nicht einmal ein kleineres Übel gibt? Die Antizionisten von den Linken vielleicht? Den grünen Bausparverein vielleicht? Die FDP (ach hör' mir doch auf mit diesen dummen Wachstumsnasen!) vielleicht? Die Piraten (war da mal was?) vielleicht? Die CDU (wenn ich Stillstand will, kauf ich mir ein Auto, aber wähl doch die nicht!) vielleicht?

Andererseits: Anderswo verbrennen sich die Leut', damit's überhaupt erst Wahlen geben darf. Oder sie machen gleich Revolution. Hinterher kommen dann die Gottesfürchtigen und machen alles wieder kaputt. Wie in Berlin. Da sind die Mieten jetzt auch teurer, seit die reichen Leut' vom BRD-Bible-Belt (Baden-Württemberg, Bayern) daherkommen. Lauter Bs, ist das schon aufgefallen? B-kloppt!

Apropos B: Bildungsnotstand! Ich halluziniere mal. Dieses Jahr darf nicht dümmer werden! Ich will Bildungspakete, ganz ganz viele. Ich miet' mir den Rosinenbomber und werf' sie über'm Regierungsviertel ab. Ach was, ich werf' sie über der ganzen Republik ab. Kann nicht schaden. In einem Paket ist ganz viel Herz drin. In einem anderen sind zum Beispiel Umweltlobbyisten drin. In den restlichen Paketen ist nichts Dummes drin. Vielleicht ein bisserl Gips und ein R (Pssst! Hey Du! Willst Du ein R kaufen? Herzlichen Glückwunsch, Sesamstraße!). Wer weiß, wer weiß, was noch kommt...

Montag, 17. Dezember 2012

Berufe die unter die Haut gehen #2: Politiker vs. Münzautomat

Eines muss ich meiner ehemaligen Kollegin lassen: Sie hat von mir längst vergessene Begrifflichkeiten reaktiviert. Die Dame mit dem spröden Charakter ist eine große Anhängerin des Wortes: Lügen. Nicht, dass sie selbst gelogen hat (das weiß ich nicht). Nein, sie hat andere Leute der Lüge bezichtigt. Ein junger Mensch ist sparsam im Umgang mit der Wahrheit? Der lügt doch! Oder er versteht den Inhalt von vorangegangener Gesprächen nicht völlig und formuliert ihn frei nach eigener Interpretation? Der lügt!

Ich habe lange überlegen müssen, wann und in welchem Zusammenhang ich das Wort "lügen" zuletzt gehört habe. Ich hatte es nämlich fast vergessen. In meiner Welt gibt es Missverständnisse, aneinander vorbei reden und selbstverständlich die Wahrheit zu eigenen Gunsten verdrehen. Das trifft nicht ganz den Tatbestand der Lüge. Und da ist es mir eingefallen: Lügen, das entspringt dem Sprachschatz von Kleinkindern und Grundschülern. Oberstufenschüler gehen schon gewitzter mit der Wahrheit um. Die lügen selbst nicht und bezichtigen andere eher der üblen Nachrede. 

Dann ist mir eingefallen, dass besonders einfältige Erwachsene aus einer bestimmten Berufsgruppe auch gerne das Wort "Lüge" benutzen, um Konkurrenten in Verruf zu bringen: Politiker! Die Vorstufe des Politikers ist bekanntlich der Stand des Klassensprechers, dann folgt der Jahrgangssprecher und in Akademikerkreisen der AstA- Beirat oder die Mitgliedschaft im StuPa: Alles völlig stupide Ämter, die das kindlich naive Denken in den Adelsstand einer Berufung erheben.

Ich selbst war einmal Mitglied in der StuPa, und wenn es nur war, um die Beschlussfähigkeit zu sichern. Dann habe ich gemeinsam mit Gleichgesinnten auf einer studentischen Party den DJ gefesselt, geknebelt und in den Geräteraum verbracht. Um bei der Wahrheit zu bleiben habe ich ihm auch noch Sekt über den Kopf gegossen. Daraufhin durfte ich meine Ämter endlich abgeben und wir bekamen alle Partyverbot. Indes nahm man uns den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung mittels schlechter Musik nicht ab und bezeichnete die Verteidigung an den Haaren herbeigezogen. Wir hatten uns schließlich nur in Notwehr verteidigt.

Was soll ich sagen? Politik ist mir in der militanten APO eben am Liebsten. Ich will nicht in die gut-böse- Rhetorik verfallen müssen, die Politiker so sehr mögen. Ich will guerillamäßig zuschlagen. Viele Politiker hingegen scheinen zu glauben, dass der Wahlpöbel ohne die gemeingefährliche Zuspitzung von Tatsachen die Zusammhänge und die zu verbreitende Botschaft nicht versteht. Hinzu kommen völlige Unfähigkeit und mangelnde Empathie. Anders sind solche politischen Ungetüme wie die Lebensleistungsrente, das Betreuungsgeld, geänderte Mietrechtsgesetze etc. doch nicht zu erklären. Und man hüte sich davor, solcherlei Schwachsinn nur einer Partei anzurechnen: Dämlichkeit ist keine Frage der Parteienzugehörigkeit. Sie ist eine Frage des Systems.

Wenn Sie mich fragen, sollte Politkermord deshalb eine legitime Form der Ausübung  echter sozialer Verantwortung sein. Aber leider macht man sich damit immer noch strafbar. Man tötet außerdem nicht nur den Politiker, sondern auch den Menschen dahinter. Politiker wachsen stark nach, doch der Mensch hinterlässt bei anderen eine Lücke. Wahrscheinlich. Am Besten wäre es doch, wenn Politik von Münzautomaten gemacht würde. Lobbyisten könnten vorne Geld einwerfen und hinten käme das passende Gesetz raus. Das wäre ungemein ehrlich und Transparency International würde sein Gütesiegel draufpappen. Alle vier Jahre kommt dann der Wahlpöbel, der den am wenigsten schlimmen Münzautomat wählt. Dazu wirft er einen Euro in den Automaten seiner Wahl ein und lässt sich einen Kaffee mit oder ohne Zucker spendieren. Der mit dem beliebtesten Kaffee gewinnt die Wahl.

Wenn ein Protestwähler mit der Axt zum Münzautomaten kommt, weil der wieder so doofe Gesetze gemacht hat, von denen man bestenfalls schon wieder nicht profitiert, und schlimmstenfalls dem verlorenen Geld hinterherheult, wenn die Wirtschaftsbosse wegen dem dummen Automaten nach außen grienen müssen, damit sie nach innen schmatzen können, wenn er also endlich zu Klump gehauen ist, der Apparatschik, damit er nicht weiter Unfug treiben kann, dann trauert niemand um ihn. Da wird einfach ein neuer Automat hingestellt, und wenn man Glück hat, dann gibt er wenigstens einen guten Kaffee aus. Die Anklage lautete dann auf Vandalismus, und das macht sich vor Gericht viel besser als Mord. Glaube ich. Man hört schon den Boulevard greinen: So sinnlos, die Tat! Und er hätte damit wohl recht!

Wenn ich nun zwischen den Berufen wählen müsste, würde ich lieber ein ehrlicher Automat sein als so ein formloser Haufen Politiker. Ein Automat hat kein Gewissen, das ihn morgens vom Spiegel her anschreit. Auch kennt er keine Dialektik, mit der er seine Wähler quält. Er kann nicht lügen und es wäre absurd, wenn er einen anderen Automaten der Lüge bezichtigen würde. Er könnte nur behaupten: Was man beim Automaten X vorne reintut, das kommt hinten aber nicht so exakt lecker wieder raus. Steckt Eure Münzen also lieber bei mir vorne rein. Aber wahrscheinlich wären sie eh alle gleich, diese Automaten: Dämlichkeit ist nämlich keine Frage der Herstellers. Sie ist eine Frage der Bauart.

Sonntag, 19. August 2012

Der Horror, der Horror! Mieten werden sinken aus lauter Langeweile!

Jawoll!
Fein fein! Es wird so schön gesungen heute. Na, es ist Zuckerfest, und in den nächsten Tagen werden die von Essgelüsten geplagten Muslime wieder zur gewohnt freundlichen Trägheit zurückkehren, von der sich die Alltagsdeutschen gerne mal ein Scheibchen abschneiden könnten. Viel lieber jammern sie aber über die fremden Klänge in den Straßen und den Feierlärm am heiligen Sonntag.

Grabesruhe hat zu herrschen auf bundesdeutschen Straßen an einem solchen Tag. Es geht nicht an, dass religions- und was-sonst-noch-fremde Menschen hier einen auf Fest machen, während deutschstämmige Griesgrame ihrer verhassliebten Griesgrämigkeit harren sollen dürfen müssen. Man kommt sich ja vor wie auf einem Basar in Kabul.

Wir sind aber in Neukölln, und der alltägliche Rassismus großer Teile unserer ach so offenen Gesellschaft sorgt für erschwingliche Mieten. Neukölln ist in den Augen vieler Menschen ein Ort voller gewalttätiger Türken und Araber, die ihre Frauen zwangsverschleiern, den Kindern den Penis abschnippeln und deutschstämmigen MitbürgerInnen das Portemonnaie abknöpfen und hernach Mann wie Frau ganz fies vergewaltigen und dann messern.

Ebendieses Volksgesummse feiert dann abends lautstark seine Bösartigkeit, während der brave Deutsche keinen Schlaf findet und am nächsten Tag vor lauter Müdigkeit arbeitslos wird. Da lacht dann der Türke, weil er den neuen Hartz IV- Empfängern trotzdem das Geld aus den Rippen leiert, von wegen Gemüse und Süpürmarket und so, und dann gehen seine Kinder auch noch auf die toll ausgestatteten Schulen im Kiez. Ja hört das denn nie auf?

Doch. Denn deren Kinder gehen ja wahrscheinlich gar nicht auf die voll gut ausgestatteten Schulen. Und wie wir seit heute wissen, von der Frau von der Leyen nämlich, dass Langzeitarbeitslosigkeit seinen Anfang in der Schulschwänzerei findet (und nicht etwa in fehlenden oder mies bezahlten Arbeitsplätzen) und daher ein Bußgeld erhoben werden soll, da feiern die feinen Deutschen mit den Pickeln und den schlechten Zähnen im Gesicht, weil es endlich mal die Richtigen erwischt, die ganzen Nichtdeutschen, gegen die man gerade auch in Neukölln was hat, weiß der Geier warum.

Ob den WählerInnen der oberdoofen Parteien Pro Deutschland und NPD, von denen es in Neukölln schon ein paar gibt, und von denen es jedoch noch viel mehr gäbe, wenn der Rechtsableger der SPD, der Herr Buschkowski, den Nazis mit seinem Dumpfgebrumme nicht die Stimmen klauen würde, eigentlich klar ist, dass eine national befreite Zone mit unerschwinglichen Mieten einhergeht? Oder rechnen sie damit, dass Neukölln, erst einmal alleingelassen von all den tüchtigen MigrantInnen, für alle weltoffenen Menschen so dermaßen unattraktiv sein wird, dass die Mieten aus lauter Langeweile und Dumpfheit sinken werden?

Ich bleibe erstmal hier, auch wenn die meisten Deutschen schon arg nerven mit ihrer schlechten Laune und dem schlechten Bieratem. Es tun einem ja auch die fehlgezüchteten Hunde leid, die sie an der Leine mit sich führen, in all ihrer Ko- Abhängigkeit und der an ihnen vollzogenen Mast, die nicht einmal ihrer eigenen Verfütterung zu Weihnachten oder von mir aus Sankt- Martin dient, sondern allein dem Vergnügen ihrer vergnügungsunfähigen HalterInnen. Mit ihren kehlig- verrauchten Stimmen rufen die ihr Hündchen zur Ordnung, wenn es auch nur von Weitem an einem Migranten oder auch einem irgendwie entarteten Deutschen schnuppern möchte.

Ein schlimmes Leben, dass sich nur durch Hass an anderen und sich selbst ausdrücken kann und in dem man allein liebevoll an ein Phantasieprodukt wie Deutschland denken mag, wie einer es sich nur vorstellen kann und wie es doch niemals gewesen ist: Ein Deutschland bevölkert nur mit Duplikaten der eigenen Person und überall hinkotenden, fetten und garstigen Hunden. Da weiß er wenigstens, woran er ist, der edle Deutsche! Die Hölle, das sind ja nicht die anderen! Die ist man nämlich selbst!

Das haben ihm die Ausländer jedenfalls noch nicht genommen: Das Hässliche und das Grantige. Man muss wissen: Wessen Blut nicht deutsch ist, wer aber trotzdem deutsch sein will, der muss grantig werden und hässlich, vielleicht auch ein bissserl dumpf, wer weiß. Dann gehört er mit dazu, auch wenn er undeutsch ausschauen mag und es zwischendurch zu Verwechslungen kommen kann. Aber vielleicht ist sich der Restdeutsche sich ja auch selbst schon so fremd geworden, dass er sich am liebsten selbst fortjagen möchte. Nur zu!

Donnerstag, 1. März 2012

Alt und distinguiert ohne Molotow- Cocktail- Affinität! LM und Clubmate als Szenegetränke!

kriegswichtig: kräftige, aromatische Getränke
Ich bin ganz offensichtlich ein Hipster. Ich bin auch ein Gentrifizierer. Ich bin sowieso ein Szenetyp. Unumstößliche Tatsachen, Herrschaften! Ich liebe den Brausedrink Clubmate, der sowohl den Gentrifizierern als auch der autonomen Hausbesetzerszene mit Molotow- Cocktail- Affinität zugerechnet wird.

Da ich jedoch zusätzlich auf Latte Macchiato stehe, gehöre ich eindeutig zu den Gentrifizierern, zu denen wiederum die Hipster gehören, die in Berlin- Neukölln nicht wohlgelitten sind, weil sie sehr häufig vorkommen und drei Euro für einen Latte Macchiato zahlen, weil es schick ist, drei Euro für einen Latte Macchiato zu zahlen. Und weil teuer = gut ist!

Nun, wahrscheinlich bin ich ein Türöffner für Gentrifizierer, weil ich vor zwölf Jahren nach Berlin gezogen bin, als alle noch dachten, in Berlin gäbe es zu viele "Ausländer" und alles sei so schmutzig. Das hat sich wegen mir und anderen Provinzflüchtlingen gründlich geändert. Freilich waren diese damals gemeinten "Ausländer" nicht jene, über die heute viele Berliner jammern. Heute kommen ja auch die "guten Ausländer", also jene, die ihr Geld nach Berlin "mitbringen" statt es dort "abzuholen". Das jedenfalls ist die reine Folklore, deshalb erscheint sie in "Gänsefüßchen".

Ich aber habe den Weg geöffnet für all die Gentrifizierer, die die Mieten in schwindelerregende Höhen haben treiben lassen, weil ich Landei, das ich war, garantiert schon damals zu viel Miete bezahlt habe und damit einen unumkehrbaren Trend eingeläutet habe, der unaufhaltsam Randgruppen noch weiter an den Rand drängt als der Rand überhaupt Kapazitäten hat. Und dann trinke ich auch noch Latte Macchiato und Clubmate. In Berlin! Geht's noch? Es ist zum auswachsen. Ich alte Sau, ich!

Was meine Schuld nicht gerade schmälert, ist die Tatsache, dass ich schon Darmstadt gentrifiziert habe. Denn schon dort, also vor mindestens dreizehn Jahren, habe ich schon am liebsten Latte Macchiato getrunken. Dies zwar nur der Beschaffenheit des Getränkes wegen: Im Gegensatz zum ordinären Milchkaffee, der aus ebenso ordinärem Kaffee gemacht wird, besteht der Latte Macchiato aus Espresso und Milch und schmeckt deshalb würziger. Darmstadt war jedoch schon vor meiner Zeit teuer. An meinem Konsum von LM mag's also nicht gelegen haben.

Clubmate mag ich schlicht und einfach deshalb, weil das Getränk nicht so süß ist wie andere Limonaden. Daher erfrischt es mich besser. Ich habe nun aber keine Lust, dem damaligen Innensenator Körting den Gefallen zu tun, seinem Bild eines Autonomen zu entsprechen. Deswegen sah ich stets davon ab, aus jeder Flasche Clubmate einen Molotow- Cocktail anzufertigen. Es ist quasi nur Körting zu verdanken, dass ich zu den Hipstern zähle, obwohl ich meine Wolllmütze gar nicht wie der Peter- Stuyvesant- Mann kurz über dem Pony trage und keine zu engen Hosen mit Fäkal- Reservoir am Hintern mein Eigen nenne.

Ich finde es allerdings etwas anmaßend, mich allein wegen meiner Trinkgewohnheiten einer Szene zuzuordnen, zumal ich Stofftaschen ästhetisch ablehne. Außerdem kann ich nichts dafür, dass bestimmte Personengruppen meine Lieblingsgetränke okkupiert haben. Aber ich lasse mir nun mal nicht gerne vorschreiben, was ich zu trinken habe und was nicht. Das unterscheidet mich übrigens vom Hipster: Ich trinke und trage etwas, weil ich es mag, und nicht aufgrund eines Modediktats.

Der Hipster findet Dinge cool, weil sie bereits als cool gelten. Er selbst gilt nicht als kreativ und schon gar nicht als beflissen. Der Hipster ist ein Nachahmer, er setzt keine eigenen Akzente. Er ist lediglich ein Abdruck der immer kürzer werdenden modischen Epochen und muss deshalb immer mit der Angst leben, plötzlich nicht mehr up-to-date zu sein. Zu schnell darf er aber auch nicht sein, sonst wäre er ja Avantgarde. Was? Du trägst immer noch Stofftaschen und Pullover mit V-Ausschnitt? Wie? Igitt! Was soll das denn sein, was Du da anhast?

Es beruhigt mich sehr, nicht dazu zu gehören. Allerdings ist es das Haupt- Wesensmerkmal eines jeden Hipsters, sich selbst nicht als Hipster zu bezeichnen. Hipster ist einzig und allein eine Fremdzuweisung. So ein Mist! Würde ich jedoch auf andere Getränke ausweichen, dann wäre ich ebenso fremdbestimmt wie ein Hipster. Was wäre ich dann?

Würde ich auf pappsüße Cola umsteigen, wäre ich ein Imperialist. Tränke ich nun aber Cola-Light oder Zero (was exakt dasselbe ist, nur klingt Zero irgendwie männlicher), dann würde ich als Huppie (Eigenkreation für: health urban professional) gelten. Bionade geht auch nicht. Erstens, weil's gar nicht so sehr bio ist und zweitens, weil man einem Konzern auf den Leim gegangen ist. Drittens schmeckt's sch....

Wenigstens finde ich, dass Becks- Bier zu trinken, zumal während des Fahrrad fahrens, eine ausgemachte Geschmacklosigkeit ist. Und den Shawl (sic!) als rein modisches und nicht halswärmendes Element um den Larynx zu winden ist eine hoffentlich krank machende Sünde. Mittels nichtpassender Hosen auch noch zu unterstreichen, dass man über keinen nennenswerten Hintern verfügt, ist nachlässig und sollte meines Erachtens nach mit Sex- Entzug nicht unter drei Kilo Gewichtszunahme bestraft werden. Bedruckte Stofftaschen geschultert zu tragen, mit oder ohne Einkäufe darinnen, gehört einfach verboten, genau so wie der protzige Kopfhörer als Accessoire.

In diesen Ablehnungen liegt meine Distinktion: Ich bin kein Hipster, kein Gentrifizierer und auch kein Ex- Yuppie: Ich bin einfach nur alt und mag meine Gewohnheiten nicht mehr ändern. Andere sollen gefälligst ihre Gewohnheiten zu meinen Gunsten ändern. Wenn ich schon mit keiner nennenswerten Rente zu rechnen habe, soll die Jugend wenigstens das für mich erledigen. Aaaaaaaaalt! Und an den hohen Mieten sind immer noch die Vermieter schuld. Niemand sonst!

Aaaaaaaaalt!

Samstag, 19. Februar 2011

Die Verschwörung der Energieriesen! Kalt ist es und still in Deutscheland!

Ich habe den Winter satt! Heute Nacht soll es bis zu Minus 13°C kalt werden, und in den nächsten Tagen wird es nicht wärmer als Minus 4°C. Minus Minus Minus - so eine Bilanz kann sich doch nur die HypoRealEstate erlauben. Alles andere wird doch sonst auch mehr bzw. höher: Die Miete, Energiekosten, Beiträge zu den Sozialversicherungen und und und...

Man kann eigentlich nur vermuten, dass die neue Kältewelle den schlüpfrigen Energieriesen und deren Lobby zu verdanken ist. Die pulvern ihren Dreck absichtlich in die Luft und das Erdklima kühlt deswegen dermaßen ab, dass der Verbraucher seine schlecht isolierte Mietwohnung auf wenigstens 18°C Plus hochbollern muss. Und wer zahlt dann wieder? Richtig! Und wer verdient da wieder dran? Genau! Die Kälte erstmal sozialisieren und dann die Gewinne privatisieren! Ihr Schlawiner seid durchschaut!

Man kann den Winter und die damit einhergehende Kälte wirklich nur boykottieren! Einfach nicht mehr vor die Tür gehen und die sackdämliche Arbeit jenen überlassen, deren Phantasie bereits so weit heruntergefahren ist wie es sämtliche Atomreaktoren schon längst sein sollten, dass sie gar nicht mehr wissen, welche wunderbaren Dinge man stattdessen tun könnte:
  • Sex haben mit der/ dem Liebhaberin/ Liebhaber
  • Zehennägel schneiden und lackieren
  • die schon seit Jahren geschriebenen Songs aufnehmen und der Weltöffentlichkeit für umme präsentieren
  • Trockengemüße in selbst angelegtes Öl einlegen
  • den Stapel Bücher abarbeiten, den ich abends vergnatzt und übermüdet anstarre
  • an den/ die Liebhaber/ Liebhaber denken und ihn/ sie ggf. küssen
  • männliche und weibliche Geschlechtsteile auf Leinwände malen 
  • die Kinder an Angelina Jolie und Brad Pitt verkaufen (aber nicht an Madonna oder Marc Dutroux)
  • Mails an die GDL schreiben und darin erörtern, warum ein Streik der Berliner S-Bahnen gar nicht auffallen würde
  • einen Leiharbeiter oder ALGII- Empfänger finden, der sich auf einem berliner Marktplatz anzündet (damit die Revolution auch zu uns kommt!)
  • darüber nachdenken, woher unsere Regierung dieses Revolutionsexpertentum hat, mit dem sie ganz Tunesien und Ägypten belabert (besteht etwa doch noch Hoffnung?)
  • die Hamburger heute noch daran erinnern, dass es Guido Westerwelle immer noch gibt und man das nicht vergessen sollte, wenn man vorhat, FDP zu wählen
Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass es um Guido Westerwelle ganz schön ruhig geworden ist dieser Tage? Als hätten FDP und Union dem Gustav Gans der bundesdeutschen Außenpolitik angeraten, einfach mal die Klappe zu halten, damit die grüngelben Koalitionen in den nächsten Landtagswahlen nicht gefährdet sind bzw. sich erstmal welche bilden können. Noch vor wenigen Wochen hat man versucht, uns Guido ganz FDP-intern zu stürzen - und jetzt hört man kein Sterbenswörtchen mehr von ihm: Nachtigall, ick hör dir trappsen! Oder in den Worten des Herrn Außenministers: Quack quack quack!

Freitag, 4. Februar 2011

Let's kill the Landlord! Jetzt gibt es aber Schelte!

Wer eben noch jungen Leuten erklärt hat, warum die Bundesrepublik Deutschland kein Polizeistaat ist, sich aber einiger polizeistaatlicher Fragmente bedient, wird am 2.2.2011 in Friedrichshain beinahe eines Besseren belehrt. Das Bedrohungspotenzial durch die anwesenden, ca. 1500 Einsatzkräfte zählenden Polizisten, ist überdeutlich, wohingegen ich keinerlei Furcht vor den "Randalierern" hatte, auch wenn sage und schreibe fünf Molotow-Cocktails gebastelt wurden, während ich an potenziellen Molotow-Cocktail-Werfern vorbei lief.

Gut, ich habe überlebt und viele andere auch. Laut BZ-Dauerberieselung in der U-Bahn entstand am Tage und in der Nacht ein Sachschaden von ca. 1 Mio. Euro. Ich finde, das ist wenig. Immerhin wurde das letzte Hausprojekt aus ehemaligen Hausbesetzern in Berlin zwangsgeräumt, unter Einsatz von 250 Polizisten und einem Vollstrecker, und zwar über das Dach des Hauses in der Liebigstraße. Der Eigentümer hat die Zwangsräumung durchgesetzt, nachdem die Bewohner, welche über einen Rahmenmietvertrag verfügten, gegen den Rauswurf geklagt und verloren hatten.

Nun steht ja zu befürchten, dass mit dem Haus ähnliches geschieht wie mit dem Haus in der Brunnenstraße in Mitte, das Ende 2009 geräumt wurde, nämlich: gar nichts! Es steht nach wie vor leer. Wo es vorher kulturelle Projekte gegeben hatte, gibt es nun gar nichts mehr. Wo vorher ehemalige HausbesetzerInnen die  Bausubstanz durch Bewohnung und Renovierung erhalten haben, verkommt nun ein Haus in Toplage - zum Wohle von wem eigentlich?

Natürlich wurde den Bewohnern des Hausprojekts in der Liebigstraße ein Objekt in Weißensee angeboten. Aber solch ein Projekt gedeiht eben nur in einer kulturell offenen Gegend und nicht am Stadtrand mit Naziüberschuss und einer rechtskonservativen Bevölkerung, die sich nicht zwischen Hitler und Honecker entscheiden mag und sich ihr Weltbild aus beiden Topoi zusammenbastelt. Real existierender Nationalsozialismus nennen's die Einen, die anderen nennen es: großer brauner Haufen!

Wer will nach Weißensee? Wie soll dort Kulturarbeit und Kulturschaffen aussehen? Bietet man dann Kurse zur Reintegration von Nazis inklusive akzeptierender Jugendarbeit an? Welches Umfeld soll denn bitte ein linkes Projekt in Weißensee bespaßen? Kein Wunder, dass man dieses Angebot der Eigentümer und der Stadt abgelehnt hat.

Nun wundert man sich auch noch, dass dieses bestens vernetzte Hausprojekt es schafft, haufenweise Sympathisanten auf die Straße zu bekommen. Mit der richtigen Anzahl Polizeibeamter ist der Krawall vorbestimmt. Natürlich gehen da Schaufensterscheiben zu Bruch und Autos werden beschädigt. Man könnte aber auch einmal das Positive am sogenannten "linken Terror" sehen. Erstens machte der Kaisers an der Warschauer Straße höchstwahrscheinlich einen riesen Umsatz durch Verkauf von Alkoholika, Zigaretten und Brandbeschleunigern.

Und zweitens werden ja dauernd irgendwelche Leute von (Neu-)Eigentümern auf die Straße gesetzt, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Doch die wehren sich - wenn überhaupt - ausschließlich auf gerichtlichem Weg. Nun packen es ein paar Menschen, mobil zu machen gegen die gerichtlich durchgesetzte Räumung und damit ein Fanal zu setzen, indem sie ihre Wut gegen einen Staat richten, der das Eigentum höher schätzt als den Menschen, der ganz den Interessen des Kapitals dient und dieses als außerordentlich schützenswert erachtet.

Ein Staat, der den stabilisierenden Wert subkultureller Einheiten innerhalb des kapitalistischen Wertesystems völlig verkennt und mit Gewinnmaximierung nur die Vermehrung von Geld meint, nicht aber die Vermehrung von Kultur, ist per se verachtenswert. Und wer nur die Interessen weniger durchsetzt und schützt, aber nicht den im Grundgesetz verankerten Grundsatz, wer da Eigentum hat, der sei der Gesellschaft verpflichtet - was ja nichts anderes bedeutet als: denk' nicht nur an Dich, Drecksack, sondern an das Gemeinwohl - muss sich kaum wundern, wenn "Chaoten" die Straßen stürmen.

Und die Springer-Presse, die ja sonst immer so tut, als stünde sie auf der Seite des "kleinen Mannes" und schon mal gegen besitzstandsmindernde Maßnahmen der Regierung wettert, positioniert sich selbstverständlich wieder auf der Seite des Kapitals. Klar: Der Sabberreflex wird durch die Glöckchen "links" und "Autonom" ausgelöst. Dass so viele Menschen sich die Erzeugnisse dieses Verlags kaufen, spricht für eine grundsätzliche Dämlichkeit einer Gesellschaft, für die "Bildung" ein Fremdwort und "Herzensgüte" ein unerlaubter Zusammenschluss zweier Hauptworte ist.

Mein Mitleid mit Hausbesitzern hält sich in Grenzen. Vor allen Dingen, wenn sie ein Objekt kaufen, in dem ein alternatives Projekt beheimatet ist und regulär Miete abführt. Aber es wird ja alles zugunsten des Besitzers entschieden. Schön wäre es allemal, wenn konzentrierte Polizeigewalt einen renitenten Eigentümer zwangsenteignet. Das wird wohl niemals passieren, solange die Gesetzeslage das Eigentum mehr schützt als die Nutzer.

Doch denken wir mal quer - nur für einen Moment: Der bildungsgrüne Teil der Gesellschaft kritisiert und verurteilt zwar zum Beispiel die Absicht des Nestlè- Konzerns, natürliche Ressourcen wie Wasser zu privatisieren und gewinnbringend zu veräußern, denkt sich aber nichts dabei, wenn so natürliche Ressourcen wie Grund und Boden bereits privatisiert sind. Es lohnt sich darüber nachzudenken, ob und wie Land wieder in den Besitz aller Menschen gelangen kann.

Und folgerichtig wäre zu klären, ob Miete zu zahlen tatsächlich so natürlich ist, wie immer behauptet wird. Die Geschichte lehrt uns: Landbesitz ist immer mit räuberischer Landnahme verbunden. Aus Räubern wurden damit Souveräne, die das Bedürfnis der Menschen nach Seßhaftigkeit ausbeuteten. Daran hat sich bis heute im Grunde nichts mehr geändert. Bezeichnend allein ist die Tatsache, dass der Vermieter im Englischen "Landlord" heißt. Wo bleibt denn da bitte die Revolution? Und wo ist die Schelte?

P.S. Übrigens bin ich gespannt, ob die Sympathiebekundungen für den revolutionären Auftrieb in den nordafrikanischen Staaten dann enden, wenn bemerkt wird, dass sich dies auf den Ölpreis auswirken wird. Ich sehe schon den gemeinen Autofahrer, wie er an der Zapfsäule steht und den Fernsehjournalisten was über die "rücksichtslosen Moslems" vorjammmert, weil er seine technische Schwanzverlängerung wegen dem arbeitsscheuen Pack angeblich nicht mehr vollgetankt bekommt.

Freitag, 6. August 2010

Neue CD von WirSindHelden!? Privatwege in die Freiheit!

Privatbesitz am Freiheitsweg: In Brandenburg kein Widerspruch!




















Gibt es womöglich eine neue CD von WirSindHelden!? Hört man dem Erwachsenen- Dudelfunk Radio1 zu, dann spielt man dort so ein unsäglich langweiliges Stückchen Popmusik hoch und runter, und das könnte von der o.g., unsäglich langweiligen Popband stammen.

Wenn man mit einem derart niedrigen Spannungspotenzial einsteigt, kann das Niveau ja nur noch steigen. So zumindest die Rechnung. Mal schauen ob sie aufgeht: Mein Leben zur Zeit ist spannender als die Popband WirSindHelden! Wer sich erinnert: Nachdem meine liebe Frau C. mich verlassen hat, habe ich die "Stadt" Mannheim fluchtartig und wie ich finde völlig zurecht verlassen. Nur um dann die liebe C. aus Mannheim kennenzulernen, in die ich mich etwas verliebt habe, aber sie sich irgendwie nicht so richtig in mich.

Blödes Mannheim! Nun ist aber alles gut, da ich jetzt C. aus Berlin kennen und lieben gelernt habe, mit der ich derzeit in der Stadt Brandenburg an der Havel einen Urlaub verbringe. (Ich will an dieser Stelle ausdrücklich S. danken: Ohne ihren Support wäre ich wohl leidlich untergegangen.) Die Stadt Brandenburg ist hübsch, die Bewohnerinnen und Bewohner allerdings sind unglaublich mürrisch und unfreundlich. Lächelt hier jemals einer? Brandenburg/ Stadt jedenfalls beweist, dass Eigentum mit Glück überhaupt nichts zu tun hat. Laut C. sind die Brandenburger nämlich verhältnismäßig reich.

Weswegen ihnen der Kapitalismus wohl etwas zu Kopf gestiegen ist. Alles ist hier irgendwie privat und deswegen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich: Wege, Grundstücke, Badestellen etc. Die Umgegend ist dermaßen parzelliert, dass Fußgänger und Radfahrer unnötige Wege zurücklegen müssen, um von A nach B zu gelangen, statt einfach zwischendurch zu gehen. Nirgendwo scheint der Griff zum KFZ zwingender als in solch einer Gegend.

Dabei langweilt Eigentum, vor allen Dingen privates, ungemein. Ständig muss man sich fürchten, Unbefugte könnten ungeachtet der Verbotsschilder trotzdem baden oder mit dem Fahrrad über einen Privatweg stauben, dass es nur so kracht. Die Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Bundesländer haben die riesige Chance verpasst, die ihnen der Sozialismus einst geboten hatte. Dessen eigentliche Message lautete: Privatbesitz ist Pfui und Öffentlichkeit ist Hui! Wo das Eigentum herrscht, herrscht geistige Dürre!

Leider hat man in Brandenburg/ Stadt die erzlangweiligen Glücksversprechungen aus dem Westen verinnerlicht und jagt nun dem Glück nach, indem man Besitzungen anhäuft. Besitz allerdings ist so fad wie seine Eigner, und zudem macht er unfrei. So unfrei, dass man jede Offenheit und Herzlichkeit vermissen lässt - zumindest in Brandenburg an der Havel und Umgegend. Mitleiderregend, das... Hoffentlich wird Besitz bald verboten!

Es ist ohnehin absurd, für das Anrecht zu wohnen überhaupt etwas zu zahlen. Zumal Grundbesitz irgendwie unseriös ist. Wer kann sich anmaßen, über Grund und Boden zu verfügen? Wisset Ihr denn nicht. dass unsere Erde nur geliehen ist? Dass wir nur Gäste darauf sind, die keinerlei Besitzanspruch halten dürfen? Wo soll sich dieser Anspruch herleiten? Da könnte ja auch wer kommen und sagen: Der Atlantik gehört jetzt mir, und den Himalaya, den kauf' ich mir für'n Appel und ein Ei. Von WEM? Von GOTT?

Miete bzw. Pacht, liebe Freunde und Kupferstecher, gibt es erst, seit irgendwelche Wegelagerer sich überlegt haben, wie man ohne Arbeit zu Geld kommen könnte. Die haben dann arglosen Siedlern Schutzgeld abgepresst, sich daraufhin von denselben Siedlern Burgen bauen lassen und sie hinterher in die Knechtschaft getrieben, die ihre neuen Herren nun "Souverän" nennen mussten - diese selbstverständlich von Gott eingesetzt. Landbesitz war sozusagen von Gottes Gnaden. Spätestens seit der Adel seine Macht abgeben musste und deren Bestallung durch Gott allgemein angezweifelt wird, sollten doch auch die Besitzungen an die Öffentlichkeit zurückgehen. In Great Britain heißt der Vermieter jedoch heute noch "Landlord". Soviel zur Selbstverständlichkeit von Vermietungen.

Welch' vernünftiger Mensch will denn heutzutage noch mehr besitzen als Bücher und Schallplatten, Kleidung für jeden Anlass und eine funktionale Kücheneinrichtung? Mehr Besitz belastet doch nur die Seele, die so gerne baumelt in der Leere des Verzichts! Niemand würde auf die Idee kommen, so einfache Sachen ganz ordinär anzuzünden. Carlofts und Autos brennen auch viel länger als ein gutes Buch. Die Bibel (als Buch gar nicht so schlecht) spricht doch auch ganz gerne von Schwertern und von Feuer. Warum zündeln die Popen nicht mit Inbrunst den Wahn von den angeblich selig machenden Besitztümern weg? Aber mit den Christen ließ sich ja noch nie ein Blumentopf gewinnen.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Wenn's um Geld geht - Hasskappe! Ob der Fluchtzug pünktlich ist?

Aber fangen wir doch mit lustigen Bahnfahrerlebnissen an: Es ist ja nahezu unmöglich geworden, mit der Bahn Reisen zu planen und diese auch eins zu eins umzusetzen. Seit die Bahn bei Fahrreservierungen auf Zugbindung setzt, ist es mir kaum einmal gelungen, tatsächlich die gebuchten Züge zu benutzen.

Dem Zentrum unseres Universums und dem darin hockenden Gnom allein ist es zu verdanken, dass wenigstens das Zugpersonal der flexiblen Gleisbestallung des Fuhrunternehmens "Deutsche Bahn AG" kongenial flexibel reagiert. Ein Beispiel gefällig? Na gut: Einmal wurde der Anschlusszug verpasst, doch der verspätete Zug reiste selbiges Fahrtziel an - gänzlich unkompliziert durfte man darinnen sitzen bleiben, ohne lästiges Umsteigen und ohne Sprinter-Zuschlag.

Wer das für selbstverständlich hält, hat noch nie was von der Unkorrumpierbarkeit des schlechten Herzens eines Mitarbeiters in einem Dienstleistungsunternehmen gehört und ist wahrscheinlich im Glauben aufgewachsen, die Bundesrepublik Deutschland sei in Wahrheit Lukas Lokomotivführers Lummerland und dessen zweiter Bediensteter sei Jim Knopf. Dem ist nicht so! Deshalb fährt man hierzulande besser, indem man angenehm überrascht ist, sobald Selbstverständlichkeiten den Weg kreuzen.

Letzte Woche hatte ich eine neue Reise geplant, und in meiner Freude, ein günstiges Ticket ergattert zu haben, hatte ich wohl vergessen, mir die Reisedetails anzuschauen. Erst viel später bin ich erschrocken, denn meine Nächtens in Mannheim beginnende Reise sollte in Frankfurt für ganze zwei Stunden jäh enden, um danach, wenn ich vollkommen durchgeschlottert wäre, fortgesetzt zu werden - mit lediglich zwei weiteren Umstiegen bis nach Berlin.

Ich hatte mich sehr gefreut, dass der Anschlusszug in Frankfurt schon bereit stand, und setzte mich alsbald hinein um dort zu harren. Etwas zeitig vor eigentlichem Reisebeginn setzte sich der Zug in Bewegung, was mich leicht irritierte. In Panik versetzte mich, dass die Displays im  Zug nun gar nichts mehr anzeigten, und ich sah mich schon auf ein Abstellgleis zufahren, in völliger Einöde müsste ich dort im Zug übernachten und Morgens käme ein Wachmann und führte mit mir ein hochnotpeinliches Verhör.

Tatsächlich schien ich völlig alleine im Zug zu sein, erst nach zehn, zwölf Waggons begegnete ich Menschen und auch einem Schaffner (ebenfalls menschlich), der mich darüber aufklärte, wohin der Zug fahren sollte und warum ich getrost darinnen bleiben konnte. Man hatte, während ich schlief, heimlich Zug und Gleis ausgetauscht, und um mich zu erschrecken ist man schon mal losgefahren. Da dies ein böser Scherz der DB AG war, durfte ich einmal in die Kamera lächeln und ohne Zuschlag im Sprinter bis zum Bestimmungsort mitfahren - ohne Zwischenhalt!

Die Heimreise war beinahe zugbindungskonform, doch leider verwechselten einige Russen oder Polen, ich weiß es nicht genau, den CityNightLiner mit einer fahrenden Bierschänke und grölten die halbe Nacht. Die andere halbe Nacht verbrachte ich mit einem Umstieg und Weiterfahrt ab Dortmund. Leider scheint es nicht zu gehen, während einer Bahnfahrt zu schlafen. Die Reisezeit dadurch zu akkumulieren, indem man während derer schlummert, funktioniert nun also erwiesenermaßen nicht.

Nun geht es mit unlustigen Begebenheiten weiter: Umzüge kosten Geld, und wer denkt, man könne einfach aus einer Wohnung ausziehen und in die nächste Wohnung ein-, der muss sich getäuscht fühlen ob der Sensibilität etwaiger NachmieterInnen (ich berichtete) und VermieterInnen. Sagen wir es so: jeglicher Besitz scheint die Herzen der Menschen zu verhärten. Zukünftige Besitzer (wie so mancher Nachmieter) vollziehen das nach und legen die Latte unerreichbar hoch.

Arme Schlucker wie ich hingegen, die zwar verantwortungsvoll hausen, aber laissez faire über bereits durch Vormieter verursachte Schäden hinwegsehen, bleiben am Ende zwar die besseren Menschen, werden dann aber zu Zahlonkeln. Auch dieses Problem gilt es weiter zu geben, und sei es auch nur durch das Anlegen einer Hasskappe mit anschließender Bankfilialbegehung. Und so ist ein ökonomischer Kreislauf beinahe wieder geschlossen. Hoffentlich ist der Fluchtzug schon warmgelaufen und fährt pünktlich ab!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Die Quelle ist versiegt! Ach Gottchen, wie pathetisch!

Na? Habe ich es nicht gesagt? Vor nicht ganz einem halben Jahr habe ich prognostiziert, dass die 50Millionen Euro Soforthilfe für das Versandhaus Quelle rausgeschmissenes Geld ist (hier...). Lieber solle man mir 5Millionen Euro geben, das Geld sei dann zwar auch weg, aber es wäre deutlich weniger gewesen. Der Staat hätte mich zum Billigtarif reich machen können, dabei sogar noch 45Millionen Euro sparen können.

Nun hat es Quelle noch nicht einmal bis Weihnachten geschafft! Man könnte fragen, wie man innerhalb von vier Monaten soviel Geld durchbringen kann. Zusatzfrage: Wenn die Soforthilfe wie angekündigt für den Katalog benötigt wurde, und diese anschließend an den Kunden verschickt wurden; was macht man denn nun mit diesen dicken, bebilderten Schwarten, aus denen man ja ohnehin nichts mehr bestellen kann?

Was passiert eigentlich, wenn ein quelleeigenes Gerät innerhalb der Garantiezeit defekt ist? Wird denn noch garantiert (vor allem, wenn man die extrateure, extraverlängernde Extragarantie beim Kauf des Gerätes abgeschlossen hat)? Es wird kolportiert, man habe dann Pech gehabt und müsse die Reparatur selbst zahlen. Hmmm, wie funktioniert das nochmal im Insolvenzverfahren? Hoffentlich hält mein Kühlschrank noch ein paar Jahre.

Dass ich recht behalten habe, was Quelle betrifft, verschafft mir übrigens keinerlei Genugtuung. Schade! Was mir die Stimmung etwas verhagelt hat, sind vielmehr blutjunge Nachmieter, welche zum ersten Mal in eine Wohnung ziehen. Man lässt die Baggage einen halben Monat früher rein, zeigt ihnen die Wohnung und lässt sich versichern, dass alles in Ordnung ist. Ein paar Tage später, deren Eltern haben bei der Renovierung geholfen, werden vormals okaye Dinge plötzlich zu Mängeln.

Ich kann mich noch erinnern, als ich meine erste Wohnung bezog und meine Eltern schockiert waren über den Zustand, in dem diese sich befand. Es war eben eine günstige Wohnung, und schon deshalb entsprach sie nicht den Vorstellungen meiner Eltern. Hinter meinem Rücken erstellten sie eine Mängelliste und kündigten Mietminderung an. Vielleicht sogar zu recht. Nur hatte ich dann den Ärger am Hals, und ehrlich gesagt: Mir gefiel die Wohnung gerade WEGEN dieser Entgleisung vom bürgerlichen Anspruch!

Was lernen wir daraus? Wir lernen: Eltern, liebe Kinder, darf man niemals reinpfuschen lassen. Sie helfen einem beim Umzug, beim Renovieren, und dabei bringen sie ihre ganze kleinbürgerliche, penetrant- penible Weltsicht in den Lauf der Dinge ein. Und ehe man sich's versieht, wird man genauso so eine freudlose Flachzange wie sie, deren Gedanken nur innerhalb des eigenen Gartenzauns zirkulieren und durch die Latten hindurch schädliche Strahlung streuen.

Also ehrlich, was soll das? Erst freundlich und begeistert tun, und dann im Nachhinein jeden kleinen Furz, der in der Vergangenheit einmal getan wurde, anprangern. Ihr vollkaskodeutschen Hinternwischer, Ihr! Man sollte Euch verpacken und als Garantiefall zum Quelle- Versand schicken. Doch dort ist niemand mehr, der Euch noch auspackt!