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Freitag, 3. Februar 2012

Extrem schwul: Hitlers rote Socken!

kriegswichtig: Chaos und Verwirrung
Ja, auch ich arbeite. Oder ich tue etwas, was man landläufig als Arbeit bezeichnet: Ich gehe irgendwo hin, um irgendwas zu tun und bekomme irgendwie Geld dafür. Leider ist meine Arbeitsstelle etwas chaotisch organisiert. Ich kann nichts dafür. Ich versuche von Zeit zu Zeit etwas Struktur in meine Arbeitsstelle zu schmuggeln. Aber dafür werde ich eigentlich nicht bezahlt, und Kolleginnen wie Kollegen sowie meine Vorgesetzten boykottieren meine Versuche charmant, aber vehement.

Ich brauche die Struktur. Nicht so eine Struktur wie: immer zur selben Zeit aufstehen, immer dasselbe am selben Ort tun und den lieben langen Tag in fein säuberlich aufgeteilte Zeiteinheiten eingeteilt zu wissen. Da fehlt es mir an den Freiheiten, an meinen ganz persönlichen, inneren Chaostagen und imaginiertem Linksterrorismus. Meine Strukturreformen verlangen eher nach einigen allgemein gültigen und anerkannten Verhaltensparadigmen innerhalb einer Gesellschaft.

Leider sind die Menschen mittlerweile dermaßen individualisiert, dass es nur noch ganz persönliche Werte zu geben scheint (jene, die einem Individuum einen Vorteil garantieren), und weniger gesellschaftlich verbindliche Werte (damit's mir besser geht). Aus diesem Umstand generiert sich ein Verhalten, das ich euphemistisch als "das Problem anderer Leute, das plötzlich zu meinem wird" benennen möchte.

Hier einige der gemeinten Kalamitäten:
  • Jemand hat es besonders eilig und verknappt den Passanten die ohnehin kurze Grün-Phase mittels auf dem Fußgängerüberweg stehendem KFZ, damit er (oder sie) nicht noch ein weiteres Mal an dieser beschissenen Ampel stehen bleiben muss. Wer bezahlt denn hier die KFZ- Steuer?
  • Ein anderer braucht dringend eine Bescheinigung, die ihm jetzt sofort ausgefertigt werden muss, weil er diese in einer Viertelstunde abgeben muss. Und nein, früher konnte er damit nicht kommen, da er keine Zeit hatte, weil er a.) die Enten im Park füttern musste b.) gerade Beziehungsprobleme hat oder c.) das Telefon kaputt ist.
  • Jemand möchte gerne aus einer WG ausziehen und verhindern, deshalb doppelte Miete zu zahlen. Verständlich, möchte man meinen. Daher bittet er die Mitbewohnerin, ggf. einen Nachmieter zu akzeptieren. Da er es aber irgendwie lästig findet, selbst nach einem passenden Nachmieter zu suchen, möchte er das lieber gleich der Mitbewohnerin in Auftrag geben. Schließlich muss sie mit seinem Nachmieter leben, nicht er, so die Begründung.
  • Jemand bekommt ein Kind und danach vielleicht noch ein zweites. Nun wollte der Rest des Hauses gerade diese Kinder eigentlich gar nicht wirklich haben, muss es aber wohl akzeptieren. Dennoch hat plötzlich das ganze Haus besonders viel Rücksicht zu nehmen. Da darf man sich ab 20Uhr nicht mehr in der Küche unterhalten, und die Schuhe zieht man am Besten erst vor dem Haus an und auch dort wieder aus. Von wegen dem Getrampel.
  • Jemand will unbedingt einen Hund in einer Stadt halten. Geschenkt! Nun findet dieser Jemand es leider extrem schwul, die Scheiße des Hundes zu entsorgen. Ein anderer tritt hinein. Glück personalisieren, Ungemach sozialisieren, nennt man das.
  • Banken bauen großen Bockmist und verursachen die sogenannte Staatsschuldenkrise (mein Vorschlag als Unwort des Jahres 2012). Obwohl die meisten Menschen gar nichts dafür können, müssen sie dafür bezahlen. In den Banken schäumen derweil die Champagnerflaschen. Gewinn personalisieren, Verlust sozialisieren, nennt man das.
  • Jemand fällt kein weiteres Beispiel mehr ein und bittet die LeserInnen, im Kommentarfeld geeignete zu beschreiben.
Andere Leute haben da ganz andere Probleme, die sie völlig Unbeteiligten wie mir aufhalsen. Leute wie zum Beispiel Erika Steinbach (CDU). Wer es nicht weiß: Frau Steinbach (CDU) ist MdB, Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU- Bundestagsfraktion sowie Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV). Letzterer ist ein durch und durch geschichtsrevisionistischer, vielleicht sogar rechtsextremistischer Verein, der die Vertriebenen allein als Opfer des Bolschewismus stilisiert.

Wir erinnern uns: Die bösen Bolschewisten haben in der Nachkriegszeit die armen, osteuropäischen Deutschen aus ihren Ländereien gejagt, nachdem Hitler erfolglos versucht hat, seine Auffassung von Sozialismus dort zu implementieren. Die ansässigen Deutschen waren indes und eigentlich allesamt große Humanisten und somit eine wertvolle Stütze für die osteuropäischen Staaten. Die Deutschen haben Russland und Polen ja geradezu erfunden, und sie für die sozialistischen Untaten Hitlers verantwortlich zu machen, war und bleibt ungerecht.

Diesbezüglich ist es laut Frau Steinbach (CDU) auch unverschämt, wenn die Rückgewinnung ehemaliger Besitztümer, vom "Tätervolk" Polen kritisiert wird. Jeder (also Frau Steinbach) weiß, dass die Polen damals aufgerüstet hatten, um Deutschland zu überfallen. Diese Pläne hat Hitler allerdings vereitelt. Sonst wären wir heute allesamt lethargische Arbeitnehmer mit Hang zu Kraftfahrzeugen in einem großpolnischen Reich. Dank Hitler ist es anders gekommen. Ist es nicht? Egal!

Hitlers war indes ein Sozialist. Und da ein Sozialist, noch dazu einer, der sich um die Arbeiter kümmert (wie, hat man ja gesehen), IMMER auch ein Linker ist, war die NSDAP eben auch eine linke Partei. So twitterte Frau Steinbach (CDU) zumindest munter drauf los, wie es so ihre Art ist: "Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI". (hier...) Soweit alles klar, Frau Steinbach (CDU): Wie wenn die CDU oder die CSU Christen und soziale Demokraten wären, nur weil es in deren Namen steht.

Wir lernen daraus: Wenn rechtskonservative Politikerinnen und Politiker "moderne" Mediendienste wie Twitter benutzen, bedeutet das noch lange nicht, dass sich diese technische Kehrtwende auf ihr Verhältnis zur Realität auswirkt und vielleicht sogar Progressives aus ihnen hervorbringt. Wir lernen aber noch etwas: Wenn die NSDAP eine linke Partei war, dann muss es die CDU ebenfalls sein. Denn in keiner anderen Nachkriegspartei sind so viele "ehemalige" Nationalsozialisten (also Linke) politisch aktiv gewesen wie in der CDU. Hier nur die bekanntesten Namen:
  • Kurt Georg Kiesinger
  • Walther Leisler Kiep
  • Hanns Martin Schleyer
  • Carl Carstens
  • Hans Filbinger u.v.a. 
Um nicht zu vergessen, die derzeit aktiven Linksextremisten innerhalb der CDU/CSU. Eigentlich müsste der Verfassungsschutz hier mal ein Auge oder zwei darauf werfen. Sonst passieren vielleicht noch ein paar "Bratwurst"- Morde.

Dienstag, 16. Juni 2009

Schillerlocken! Schillerglocken! Und zur Feier eine 3. Teilüberschrift: Schillertage!


Schiller hier, Schiller da! Geht man einkaufen, bekommt man Schillerdollar aufgeschwatzt wie nichts Gutes. Damit soll man "Dinge" kaufen können. Dinge, die der Mensch braucht? Ein Rabattsystem ohne Kundendatenerfasssung, wie sympathisch! Eines ist klar: Schiller's on the road again. Und zwar: in Mannheim! What's up with Schiller in Mannheim?

Seien wir ehrlich: Der Großteil der Menschheit musste "Die Glocke" nie lesen beziehungsweise auswendig lernen. Genauso viele Menschen kennen die Fischverballhornung "Schillerlocken" nicht - und das mit gutem Grund! Ach, Hamlet ist nicht von Schiller, genauso wenig wie die Schillerlocken? Wieviele Menschen wissen das überhaupt? Und das man Shakespeare nicht trinken kann?

Der Mannheimer kennt Schiller gut! Er kennt ihn so gut, dass er weiß, wie Schiller aufgeführt werden muss! Er weiß es sogar besser als Schiller selbst. Manchmal zumindest. Wenn mal wieder ein Gastspiel ansteht, von Leuten, die Schiller überhaupt nicht verstehen können,, eben weil sie nicht aus Mannheim sind. Schließlich hat Schiller ganze drei Jahre in Mannheim verbracht: Geduzt und ausgebuht, um hier einmal den hochverehrten Max Goldt in fremdem Kontext zu zitieren.

Der Herr Schiller: Musste aus Stuttgart flüchten und bekam in Mannheim ein Jahr lang einen Job als Theaterdichter. Damals gab es noch keinen 1-Euro-Job und auch noch kein Jobcenter. Der Herr Dalberg vom Nationaltheater hat den Flüchtling aufgenommen und ein Jahr später wieder gefeuert. Warum nur? Vielleicht wegen der Malaria-Anfälle oder auch wegen der expliziten Aufsässigkeit des jungen Dichters. Beides keine besonders guten Voraussetzungen für einen Job auf Lebenszeit. Das war früher so wie heute!

Dann kam die ganz große Armut, beinahe wie mit Hartz IV, nur ohne Geld und ohne Sachleistungen. Wenn der Herr Schiller nicht in Leipzig aufgenommen geworden wäre, wäre er in Mannheim wohl elendig verreckt. Ich sehe da Parallelen zum Schaffen und Dasein des Autors dieser Zeilen. Auch nur geduzt und ausgebuht. Und dann? Ein Jahr lang zeigt man heuchlerisches Interesse, und dann: Pustekuchen, heiße Kartoffel und Undank allenthalben. Drohender Umzug in den Osten der Republik.

Wenn er dann tot ist, und postmortem berühmt, dann sagt Mannheim: Der war mal bei uns, ein ganz Großer! Richten wir ihm doch ein paar E. Karst-Tage aus und huldigem dem armen Tropf zwei Wochen, indem wir seine Texte, Lieder und Gedichte spielen (der konnte schließlich mehr als nur bloggen!). Wilhelm Genazino hat das früher begriffen und ist rechtzeitig nach Heidelberg ausgewandert. Ob ihm das etwas genutzt hat? Nun, er wird nicht arm in Mannheim vergammeln, das ist sicher!

So hat auch Schiller arg gehustet und viel gefiebert, bis er Mannheim endlich verlassen hat und fortan in Saus und Braus sein kurzes Leben geniessen durfte. Man möchte sich vorstellen, dass ihn die Mannheimer mit Schimpf und Schande aus dem Ländle getrieben haben, bewaffnet mit Fackeln und Mistgabeln. Händler der bäuerlichen Genossenschaften riefen auf zur Vertreibung und vertickten ihre landwirtschaftlichen Gerätschaften zu diesem Behufe.

Mannheim biss sich hinterher in den Arsch: Wieder einmal hat man jemanden weggejagt, der kurz darauf woanders berühmt wurde. So ein Mist aber auch! Doch strategische Denke vermochte aus der Not heraus eine Tugend zu machen und dem Herrn Schiller zu Gedenken ein Fest zu bereiten, zwei Wochen lang: Theater, Oper, Konzerte und Vorträge - was ganz was Feines und besser als nix!

Leider gibt es die bis in die 60er Jahre hinein stattfindenden Schilleraustreibungen nicht mehr: Das ist natürlich Geschichtsrevisionismus der übelsten Sorte! Denn was gibt es Schöneres, als noch einmal zu sehen, wie der Schiller von den Mannheimern fortgejagt wird. Am Ende der Schillertage wäre dies ein würdiges, ein ehrliches Spektakel. Schade drum!