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Sonntag, 28. April 2013

In der Retrohölle #27: Ein Versuch über Social Media und ihre Bedeutung für das Erwerbsleben!

Erinnert sich noch jemand an SecondLife? Ich musste kürzlich daran denken: Das war diese virtuelle Plattform, in der man sich einen Avatar zulegen, durch eine künstliche Welt spazieren und mit Avataren anderer vom Leben gelangweilter Nutzer interagieren konnte. Dummerweise war SecondLife mehr Hype als virtuelle Realität (sic!): Denn der Avatar ist nachweislich durch eine Welt voller (Kartei-)Leichen gewandelt, die sich seltsam hin- und herwiegend im Standby- Modus befanden.

Das, liebe Kinder, war lange, bevor FaceBook zu dem daten- und zeitraubenden Monster wurde, das es heute ist. SecondLife gibt es übrigens auch heute noch. Der ganz große Unterschied zwischen beiden Plattformen ist: Bei FaceBook sitzen die eigentlichen Avatare VOR dem Bildschirm und warten auf Fremd- bzw Fernsteuerung (vielleicht schauen sie sich gerade noch Foodporn- Fotos an oder laden selber welche hoch). Bei SecondLife warten die dumpfen Avatare IM virtuellen Raum auf eine vom Nutzer gesteuerte Aktion.

Sozialromantisch betrachtet könnte man sagen: Die SecondLife- Nutzer hatten Besseres zu tun als ihre Zeit in einer virtuellen Welt zu verbringen. Oder sie hatten schlicht nicht genug Geld, um sich Lindendollars einzutauschen, mit denen sie nutzlosen virtuellen Kram kaufen konnten, der in der echten Welt nicht funktioniert. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass sich die SecondLife- Nutzer einen Account bei FaceBook zulegten und nun glauben, sie hätten deshalb Freunde oder irgendjemand würde wirklich mögen, was sie den lieben langen Tag dort an die große Glocke hängen.

Kleine Kinder zeigen ihren Eltern schließlich auch gerne und mit großem Hallo ihre ins Töpfchen gemachte Häufchen. Es ist offenbar auch der explizite Wunsch angeblich erwachsener Menschen, aus jedem kleinen Pups, der einem einmal entfahren ist, etwas gaaanz Großes zu machen. Twitter funktioniert auf ähnliche Weise. Selbst wenn sich die Nutzer einmal pseudojournalistisch betätigen und nicht über ihre eingewachsenen Zehennägel twittern, kommt dabei nur großer Mist heraus (siehe: Boston).

Kann man diesen grenzdebilen Zustand weiter Teile der Gesellschaft kritisieren, ohne einen Blick in deren Lebensrealität zu werfen? Wagen wir es: Sie gehen arbeiten und stellen Dinge her, die niemand braucht, dann bewerben und verkaufen sie diese. An ihrem Arbeitsplatz treffen sie auf Menschen, die dumm herumstehen und wie sie selber darauf warten, fremd- bzw. ferngesteuert zu werden. Mit dem eingesteckten Gehalt wackeln dann alle los und kaufen sich Dinge, die sie nicht brauchen, mit denen sie sich jedoch für die Zumutungen des Erwerbslebens entschädigen möchten.

Tja, vielleicht wird nun deutlich, warum SecondLife nicht funktioniert hat: Der Sinn der Sache war ja wohl, der Realität für ein paar Stunden am Tag zu entkommen, indem man sich ein zweites Leben aufbaut. Als die Nutzer schließlich erkannt haben, dass dieses zweite Leben exakt so aussieht wie das (ir)reale (surreale?), zweite Leben, nämlich die Arbeitswelt, da haben sie es schließlich aufgegeben und sich eine Plattform gesucht, mittels derer man der Arbeitswelt gaaanz in echt entkommen kann. Und das für viele Stunden: Das geht nur mit FaceBook!

Nachtrag: Nun wollte ich meinen Unmut über eine bekannte (ultrabekannte) Social- Media- Seite äußern und habe sie deshalb in FuckBook umbenannt. Nun gibt es aber tatsächlich eine Sexual- Media- Seite namens Fuckbook. Deren Sinn erkenne ich sogar an. Doch hat mein Text nun eine gänzlich andere Bedeutung. Ist korrigiert. Sorry.

Mittwoch, 3. April 2013

Viel Bling Bling und nichts dahinter! Der Euro: Es kommt darauf an, was man draus macht!

Zement: was man besser nicht macht
Ich habe nichts gegen Zement. Zement kann gut sein. Zementkritische Leute verstehe ich nicht. Da wird von Städten grau in grau gesprochen, von Zementwüsten gar. Zement steht für den wahr gewordenen Traum des Spießers: Eine Welt, planiert, gezogen mit dem Lineal ohne irritierende Natur darinnen, verkleistert mit Beständigem und damit mehrzweckfähig. Ich allerdings, Sohn eines Maurers, Bruder eines Maurers und ehemaliger Schüler in einer Schule gebaut aus Zement, sage: Es kommt halt darauf an, was man daraus macht!

Diese findige Reklame (liebe Kinder, so hieß damals die Werbung) wurde in den 80ern in die Republik getackert und gedruckt wie nix Gutes. Und sie hatte recht: Was kann der Zement für die Einfallslosigkeit von ArchitektInnenenenenen und Bauherren und -weiblein? Deswegen hier eine Lanze für den Zement, der unsere Welt zusammenfügt und -hält und trotz aller Bausünden Euopas mit Exemplaren architektonischer Baukunst aufwartet: zum Beispiel dem Ludwigshafener Hauptbahnhof.

Genauso haltlos finde ich dieses dämliche Geseiere über den Euro. Da wird er als Teuro verunglimpft und gilt als allein schuldig an der Eurokrise. Die Eurokrise ist aber in Wahrheit eine Bankenkrise, und der Ursprung, wir erinnern uns, liegt in den USA (Immobilienkrise). Wenn wir nun die Deutsche Mark noch hätten, hieße die Krise volkstümlich DM- Krise, und schon das klingt wahnsinnig wenig elegant nach Schlecker-Krise und schmeckt a wengerl nach Nazisprech (GröFaZ etc.), sie bliebe aber auch unter diesem Namen eine Bankenkrise. Und nur weil die Banken auf Kosten der Bevölkerung Europas gerettet wurden, ist es nun eine Staatsschulddenkrise. Ob wir nun mit Kopeken, Salatgurken oder Bierschinken zahlen, ist dabei egal.

Der Euro kann nichts dafür, dass einige Flitzpiepen das Geld anderer Leute verballern und damit eine Krise hervorrufen, die am Ende jene zu blechen haben, die sie nicht verursacht haben. Gemeint sind jene, auf deren Kosten die Sozial- und Bildungsausgaben gekürzt wurden, damit das eingesparte Geld die Verluste von Großanlegern ausgleichen kann. Der Euro: Es kommt halt darauf an, was man draus macht! Wenn ehemalige Arbeitgebervertreter und Teile der Wirtschaft den Euro am Liebsten heute noch abschaffen möchte, dann sollte man überlegen, zu wessen Gunsten dies geschähe. Ich vertraue auf die Faustregel: Wenn Dein Feind etwas haben will, dann willst Du das Gegenteil davon!

Der bundesdeutsche Stammtisch, an dem der Euro zerschmettert wird, profitiert jedenfalls bestimmt nicht davon, auch nicht Leistungsträger wie stinknormale ArbeitnehmerInnen. Dass sich dann noch eine Partei gründet, die den Weg aus der Bankenkrise ausschließlich mit dem Weg aus dem Euro finden will, ist da schon beinahe lächerlich. Dass sie auch noch Zuspruch aus weiten Teilen der Bevölkerung erhält, ist traurig. Halten wir fest: Der Euro kann nichts dafür, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Schuld ist die Gier und die Verantwortungslosigkeit der Vertreter eines ungezügelten Kapitalismus sowie die Plan- und Ahnungslosigkeit unserer politischen VertreterInnen sowie ihr Defizit an Demokratieverständnis.

Will sagen: Der Vermieter erhöht die Miete, wenn er kann! Die konventionellen Energieversorger und deren Lobbyisten erhöhen Preise und Umlagen, solange sie "ihren" PolitikerInnen die Gesetze diktieren können (siehe: Baden-Württemberg). Arbeitgeber zahlen nur soviel Gehalt, wie sie müssen und heulen sofort auf, wenn die Worte "fair" und "Bezahlung" in einem Text vorkommen (Heuuuul!). Die Wirtschaft wird nicht an den allgemeinen Teuerungen beteiligt, die entstandene Last wird den BürgerInnen aufgebürdet, während die noch für die Verluste der Superreichen aufkommen müssen. Nach dem Grundgesetz stehen eigentlich die Eigentümer in der Pflicht, soziale Verantwortung zu übernehmen. Tja, so kann's gehen.

Dass die BürgerInnen nun gefühlt weniger Geld in der Tasche haben als zu DM- Zeiten, liegt nicht am Euro. Das liegt allein an der Phantasie- und Verantwortungslosigkeit der Protagonisten, von mir aus auch am System. Wie das Geld heißt, spielt keine Rolle. Es wird eh immer den Namen derer tragen, die sich die Taschen auf Kosten der Allgemeinheit füllen. Wird Zeit, dass die Antagonisten auch mal was zu sagen haben. Doch wo ist deren Partei? Wäre noch zu gründen oder was?

Montag, 28. Januar 2013

Democracy for Dummies! Lesson 1: The principles of Democracy

Demokratie: noch ein langer Weg
Ursula vdL, Ihres Zeichens Bundesministerin für Arbeit und Soziales, hat (wie so viele Ihrer KollegInnen) eine merkwürdige Auffassung über das Prinzip der Demokratie. Angesichts der für die Regierungskoalition ungünstige Zusammensetzung des Bundesrates stellt sie die "Gretchenfrage", ob die Opposition SPD/Grüne die irrwitzigen Gesetzesvorhaben der Koalition mithilfe der "Linkspartei" (sic!) zu verhindern sucht. Und das obwohl die SPD ja gesagt habe, dass sie nicht mit der Linken paktieren mag.

Seit wann ist es denn ehrenrührig, bescheuerte Gesetze (Lebensleistungsrente, Betreuungsgeld etc.) verhindern zu wollen und dagegen Mehrheiten zu beschaffen? Das ist Demokratie! Und dafür werden ja schließlich die Landtage gewählt, als Korrektiv von Entscheidungen auf Bundesebene. Aber nein: Wenn die Linken jenes nicht wollen und solches gern möchten, dann muss die SPD immer das Gegenteil davon tun. Und zwar, weil es Frau vdL gerne so hätte. Wuff wuff, brav mein Hündchen.

Lustigerweise hat es bis jetzt immer funktioniert, wenn CDU/CSU/FDP das linke (sozialistische) "Gespenst" herbeizitiert hatten: Die SPD spurt im vorauseilenden Gehorsam, und man fragt sich, ob sie nicht vielleicht eine Art "gelbe Partei" (in Analogie zur gelben Gewerkschaft) ist, deren Abgeordnete auf den Gehaltslisten der Regierungsskoalition stehen und die eine eigene politische Ausrichtung nur simuliert. Peer Steinbrücks Geldgeber mag wohl die FDP sein (die ja selbigerweise wegen des geringen Gehalts auf eine Kanzlerschaft verzichtet).

Wenn nun behauptet wird, die Bevölkerung sei politikverdrossen und schätze die Demokratie nicht, dann ist das schlicht gelogen. Allenfalls sind die WählerInnen politikerverdrossen, und sie murren auch nicht wegen einem Zuviel an Demokratie, sondern wegen einem Defizit daran. Am Stammtisch mag sich das so anhören: Wenn "die da oben" sowieso nur machen, was ihnen (und ihren Sponsoren) recht und billig ist, und ich nichts dagegen tun kann, warum soll's mich dann noch interessieren? Wen soll ich wählen, wenn sich die Opposition auch noch vorschreiben lässt, mit wem sie paktiert?

Ausgerechnet der konservative, britische Premier Cameron benennt das tatsächliche Problem in Europa und seinen Mitgliedsstaaten: Es herrscht tatsächlich ein Demokratiedefizit. Und wenn selbst PolitikerInnen (noch dazu Politikertöchter) allmählich die Bedeutung des Wortes "Demokratie" vergessen oder fehlinterpretieren, dann wird die Zustimmung der Bevölkerung weiter sinken. Und hinterher wird wieder geschrien und gezetert. Die nächsten Aufstände finden vielleicht in den westlichen Industrienationen statt, wer weiß?

Dienstag, 25. Dezember 2012

Berufe, die unter die Haut gehen #4: Sozialpädagoge

Habe ich meinen Humor verloren? RonJustice merkte diese Möglichkeit bezüglich der letzten Posts an. Ich hatte allerdings gedacht, die letzten Post seien sehr lustig. Diese Einschätzung jedoch scheint ein sicheres Anzeichen fehlenden Humors zu sein. Gut. Dann bin ich halt bösartig und nicht lustig. Es gibt auch nicht viel zu lachen.

Ein Teil von mir bedauert aufrichtig, dass die Welt am 21.12.2012 nicht untergegangen ist. Sicher, sterben möchte niemand, der sich lustvoll im relativen Wohlstand der Gesellschaft räkelt und von sozialen Geflechten unterschiedlichster Natur profitiert. Häuserbau, Kultur, Warenverkehr: Alles wunderbare Segnungen, die uns das Leben erträglich machen. Da sitzt man schön im warmen Zuhause, ob gemietet oder nicht. Wenn man was auf die Birne will, geht man ins Theater und die Wurst muss ja auch einer machen und dann verkaufen.

Wenn nur die Arbeit nicht wäre. Also die Lohnarbeit. Die Sorte Arbeit, die man glaubt, tun zu müssen um finanziell irgendwie über die Runden zu kommen. Um ein Zuhause haben zu können und auch die Wurst auf dem Brot. Um sich im Theater Stücke darüber anschauen zu können, wie doof das alles auch irgendwie ist. Da lässt sich ein Kulturbetrieb, der sich durch Selbst- und Fremdausbeutung über Wasser hält, über die Ausbeutung im Allgemeinen aus. Das ist, als äße der Bäcker sein Brot alleine auf und wäre selbst sein schärfster Kritiker. Das ist, als schlüge sich ein Zahnarzt selbst alle Zähne aus, um über die Anfertigung eines Gebisses seinen Swimmingpool finanzieren zu können. Das ist, als... ach, lassen wir das.

Das ist, als würde ein Sozialpädagoge (Diplom FH, staatlich anerkannt) dabei helfen, sich selbst überflüssig zu machen. Sozialpädagogen sind bessere Menschen, weil sie anderen Menschen dabei helfen, so zu werden wie der angenommene Durchschnitt der Gesellschaft. Deshalb sind Sozialpädagogen auch so furchtbar langweilige Leute. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn sie nicht selbst davon überzeugt wären, so unglaublich unangepasst und flippig zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie treffen an einer Theke einen sehr langweiligen Menschen, der von sich selbst glaubt, er sei witzig und verfüge über einen interessanten Charakter, total kritisch und unheimlich querdenkerisch sei er natürlich auch.

Wenn Sie nun das dringende Bedürfnis haben, Ihr Bier auszutrinken und schnell zu verschwinden, dann handelt es sich unter Garantie um einen Sozialpädagogen. Das sind Menschen, die jeden ihrer Sätze auf ihre pädagogische Wirkung hin abwägen müssen und niemals einen Witz über Minderheiten machen würden, es sei denn, man mache damit die Rohheit der Gesellschaft unter den furchtbar turbokapitalistischen Umständen deutlich, in denen SOLCHE Witze gedeihen können, pfui!

Sozialpädagogen sind Menschen, die anderen Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags helfen sollen, z.B. indem sie mit ihnen gemeinsam Anträge oder andere Formulare ausfüllen. Selber können Sozialpädagogen das selbstredend nicht, geschweige denn eine Rechnung oder einen Sachbericht schreiben. Für so einen im Sinne der Berufsausübung unnötigen Quatsch hat man nicht studiert. Das Studium diente freilich dem Zotteln eigener Rastalocken und dem Üben des bedächtigen Teetrinkens, bei dem man im Schneidersitz die Schale mit beiden Händen hält und mit zu schmalen Schlitzen verengten Augen sanft, aber total kritisch und auch irgendwie aufmerksam über den Teeschalenrand blickt. Dieser Blick soll sagen: Ey, Du, das ist alles eine Sache der Wahrnehmung, weißt Du? Du musst da drüberstehen, so in echt, Du! Das ist zwar krass anstrengend, aber ey, weißt Du, das muss echt sein, ey!

Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, sollte Sozialpädagoge werden. Wer schlecht bezahlt werden möchte und nichts lieber tut, als sich bis zur Verrentung mit dem unteren Rand der Gesellschaft abgeben zu müssen, braucht vielleicht selbst Hilfe. Dabei steht er vor der Wahl, entweder wirksam zu helfen und sich selbst überflüssig zu machen oder sein Klientel gerade so am Funktionieren zu halten, dass es nicht in Agonie verfällt und völlig wegknickt. Letzteres ist zwar sehr zynisch, ist aber bei den Ärzten abgeguckt: Völlige Heilung ist der Tod des eigenen Berufsstandes.

Sicher kann man auch als Sozialpädagoge Karriere machen: Man kann mehrere Fortbildungen machen und sich damit hoch verschulden. So eine Fortbildung kostet denn auch gleich mehrere tausend Euro. Das kann man machen, wenn man den Bildungskredit abbezahlt hat. Froh ist, wer Eltern hat, die ihr Geld nicht für den Aufenthalt im Pflegeheim verballern müssen. Man kann sich fortbilden in:

a.) Sich selber die Schuhe zubinden, ohne dabei umzufallen
b.) Sich solange selbst reflektieren, bis man nicht mehr weiß, wer man ist
c.) Wie man Gemüse unter den Aspekten des Gender-Mainstreamings anbaut
d.) Antisemitismus pflegen unter dem Deckmantel des Völkerrechts bei zeitgleicher Verdrängung der Tatsache, dass es im Grunde gar keine Palästinenser gibt
und
e.) Was tun, wenn das Haar unter den Rastalocken dünn wird?

Sozialpädagogen sind die Aasfresser der Gesellschaft. Sie leben vom geschaffenen Elend und müssen es erhalten, damit sie sich auch nächstes Jahr ernähren können. Erklärtes Ziel ist es, ihre Klienten an den Rest der Gesellschaft anzupassen und genau so fad und öd wie sie zu machen. Sie sind das Ketchup der sozialen Milieus, das gesellschaftlichem Leberkäs und Filetstücken einen identischen Geschmack zu verpassen trachtet. Was an sich nicht schlecht sein muss. Doch leider glauben Sozialpädogogen, damit die Welt zu verändern und zu verbessern.

Damit fällt auch dieser Beruf nicht in die engere Wahl.

Mittwoch, 28. März 2012

An [greta+sushi]: Wir sind Gemüse und Grau gewinnt über das Bunte!

kriegswichtig: Fun
Ich bin leicht exzentrisch. Ich bin quasi nicht ganz in meiner Mitte, ich bewege mich etwas außerhalb des Kreises. Bin neben der Spur. In Groß-Britannien galt das bis vor kurzem als notwendiger Habitus, um das enge gesellschaftliche Korsett dortzulande etwas lockern zu können. Ich fürchte, diese Zeiten sind im neoliberalen Zeitalter längst vorbei. In der BRD haben sie nie stattgefunden. Wie auch? Vor der Staatsgründung wurde das Ausscheren aus dem Trott mit Zuchthaus oder Schlimmerem geahndet.

In der BRD stellte z. B. Homosexualität bis in die 80er eine Straftat dar, wenn nicht gar eine psychische Erkrankung. Es folgte Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Die DDR verfolgte Punks mit aller gesetzlichen Häme und Härte. Wer in beiden Regimes von kreativer Individualität träumte, dem wurden die Träume ausgetrieben: Der Bürger soll arbeiten. Wer Künstler werden will, soll Kunst studieren und sich hernach kapitalistischer Kunstverwertung (ergo Kunsthandwerk) aussetzen oder untergehen. Wenn's nicht klappt, wenn die Kunst nicht gefällt, kann der Künstler ja immer noch arbeiten gehen. Kunst ist ohnehin nur Spinnerei.

Die BRD hat den zynischen Gedanken ihres rechtlichen Vorgängers verinnerlicht: dass Arbeit frei mache. Unter solchen Aspekten gewinnt die Farbe Grau haushoch über das Bunte. Nicht umsonst hieß eine Zeitschrift so und ließ die Wünsche der Hausfrau nach einem Entkommen aus dem tristen Alltagsleben kurz aufflackern, um sich hinterher der bitteren Realität zu stellen: Das Leben ist kein Blumenstrauß, und keiner entkommt der kapitalistischen Verwertungslogik. Wir werden zum Humankapital erklärt und sind doch nichts weiter als leicht verderbendes Gemüse.

Wir erleben den Neid nach unten! Die Boshaftigkeit der Menschen richtet sich gegen jene, die sozial vermeintlich unter einem stehen und dennoch besser zu leben verstehen. Warum soll Anton H. noch arbeiten gehen, wenn Fritz K. mit ALG II augenscheinlich mehr Geld zur Verfügung hat? Anton H. geht arbeiten, damit er ungeprüft und ungestraft gegen Leute wie Fritz K. hetzen darf.

So gilt in weiten Teilen der BRD der "Ausländer" immer noch als faul, laut und latent kriminell. Er ist mit Misstrauen zu betrachten, da er auch noch "unser" Geld nimmt, um nicht arbeiten zu müssen. Arbeitet er (was "er" in der Regel tut), nimmt er "uns" die Arbeit weg. Die Grundvoraussetzung, anderen das Leben schwer zu machen, ist, ihnen zu zeigen, dass sie es einem gar nicht recht machen können: Was man tut, man tut das Falsche!

Man könnte meinen, dass die Menschen Wege aus ihrem Unglück suchen und etwas an ihrem Leben ändern möchten. Aber das Gegenteil trifft zu: Sie versuchen, andere in ihr Unglück einzubeziehen und deren Leben ihren öden Gesetzmäßigkeiten auszusetzen. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Beschränktheit und wollen die farblich reich kolorierte Außenwelt in ihr graues Gefängnis holen. Nicht, um sich daran zu erfreuen. Sie wollen sie vernichten. Weil sie nicht wissen, wie es geht, das Leben. Sie sind unglücklich über das Glück anderer Leute.

Und so, liebe [greta+sushi], ist es zu erklären, dass Menschen ihren Nachbarn hassen, bloß weil er seine Wäsche in der falschen Ecke aufhängt und noch dazu "Ausländer" ist. Natürlich ist es ratsam, solche Menschen möglichst bald alleine mit ihrem Unglück zu lassen. Bis dahin sollte man sich nicht einschüchtern lassen und extra freundlich grüßen, wenn sich die Wege kreuzen. Mit etwas Glück ärgern sich die eigentlich schon Toten darüber. Mit noch mehr Glück steigt ihnen etwas Wärme in die Herzen.

Hier schließt unser kleines Soziallexikon.

Sonntag, 27. November 2011

Unmittelbare Schmankerl! Zum Wohle eines großen Ganzen!

kriegswichtig: gemeinsame Ziele
Kann man das sagen? Kann man sagen: Ich hatte eine Epiphanie? Kann man sagen, dass ich eine Epiphanie hatte, während der mir deutlich wurde: es ist längst Krieg! Es ist keiner vergangen, es wird keiner kommen, nein, er ist längst da: der Krieg! Nicht so ein Krieg, in dem sich zwei oder drei Parteien gegenseitig schlagen. Es ist Krieg von der Sorte, in der jeder seines Nächsten Feind ist. Es ist sozusagen ein postideologischer Krieg, weil hinter der Vielzahl der teilnehmenden Parteien keinerlei Ideologie mehr steckt.

Im Gegenteil: Es ist die Ideologie selber, die den Krieg verursacht, um deren Verteidigung es allerdings nicht mehr geht. Es handelt sich um die einzig übriggebliebene Ideologie, sie hat keine Feinde mehr. Es ist die Ideologie des unendlichen Wachstums, welche den Einzelnen dazu treibt, sich gegen seine Mitmenschen zu wenden und sie zu fleddern und um das Gefledderte zu raffen und zu verteidigen gegen andere Fledderer und Raffer. Es gibt keine Solidarität in diesem Krieg, es gibt auch keinen Klassenkampf. Es gibt höchstens Bewegungen, innerhalb derer jeder für sich selber kämpft und spricht. Zum Beispiel die Occupy- Bewegung, die den Kapitalismus eher zu okkupieren als zu vernichten sucht. Es geht ums Fleddern eines stinkenden Leichnams, und nicht um die Geburt einer neuen Idee.

Super: Ich bin nun endlich im Lager der Kulturpessimisten gelandet. Das ist nicht meine Schuld. Nicht ganz alleine meine Schuld. Ich bin ein Opfer der Umstände. Ich versuche einigermaßen aufrecht durch das Leben zu wandeln, umsichtig und gerecht. Das ist zumindest ein Anspruch, den ich an mich richte. Ich beziehe meine Umwelt in mein Handeln ein und wäge ab zwischen dem eigenen Interesse und den Interessen der anderen. Ich betrachte die Gesellschaft als ein vom Tauschhandel geprägtes Gefüge. Es herrscht dort ein Geben und ein Nehmen, und die reine Vernunft will Licht in das Dunkel des vom Menschen verursachten Chaos bringen.

Meine Eltern haben mich so gemacht. Sie haben noch viel mehr aus mir gemacht. Nicht alles war gut. Das Beste aber habe ich behalten. Ich behielt es aus einer tiefen Einsicht heraus. Es ist die Regel, dass das unmoralische Handeln anderer Menschen nicht dazu berechtigt, selbst unmoralisch zu handeln. Vielmehr ist geboten, dem die eigene Moral entgegen zu halten. Zum moralischen Handeln gehören allerdings Werte. Ohne diese Werte kann ich nur dem eigenen Instinkt gehorchen und den Bedürfnissen meines Körpers. Diese sind allerdings keine berechenbare Konstante.

Super, jetzt bin ich auch noch ein wertkonservativer Moralist. Dafür kann ich aber nichts. Ich bin nicht ganz alleine Schuld daran. Meine Eltern haben in ihrer kleinen Welt eben gedacht, es sei hilfreich, anständig zu sein und den inneren Überzeugungen (ihren Überzeugungen allerdings) zu folgen. Sie haben in ihrer Naivität nicht daran gedacht, dass die Welt voller Nihilisten ist, die nur ihre eigene, übrigens völlig diffuse Ordnung kennen und sich eher von momentanen Befindlichkeiten leiten lassen als von tiefer, innerer Einsicht über das Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft.

Meine Eltern haben mich irgendwie falsch auf das Leben vorbereitet. Denn dauernd kommt irgendein Arsch daher, der aus dem einfachen Bestreben sich etwas Gutes zu tun oder sich sein Leben leichter zu machen, anderen schaden will. Da diese anderen sich nun aber gestört fühlen müssen und es sich selber leicht machen wollen, kompensieren sich den entstandenen Schaden nun ihrerseits völlig rücksichtslos. Es ist einfach in dieser Welt, ein Arsch zu sein. Es scheint die Grundvoraussetzung für ein unkompliziertes Leben zu sein, sich völlig arschmäßig nur um seine eigenen Interessen zu kümmern. Arsch sein heißt, respektiert zu werden.

Deswegen sagt auch keiner mehr was, wenn ihm ein Arsch daher kommt und sich nimmt, was er will oder braucht oder glaubt zu brauchen. Die wahren Asozialen sind heute diejenigen, die sich über einen Arsch zu beschweren wagen oder ihm einfach nicht das gewähren, was er glaubt sich nehmen zu müssen. Da gerät man richtig unter Rechtfertigungsdruck. Man sieht sich als Spießer, Langweiler, Aggressor gebrandmarkt. Man stört den Lauf der Dinge, innerhalb derer der Einzelne seinem Gusto entsprechend, sonst völlig ungestört, unreflektiert und erkenntnisneutral einer anderen Erlebnissphäre gegenüber, agieren kann.

Super, ich bin ein Spießer, ein Langweiler, ein Aggressor. Da bin ich aber nicht alleine Schuld daran. Das liegt an meinen Überzeugungen, die leider nicht mehr so ganz en vogue zu sein scheinen. Irgendwann müssen sie es ja mal gewesen sein. Das war wohl vor dem Krieg, in dem sich jeder mit jedem um jede Ressource schlägt: Zeit, Geld, Platz, Macht, Essen, Sex. Offenbar gibt es von jedem zu wenig für alle? Vielleicht liege ich falsch, wenn ich hier postuliere, dass man sich dem ganzen Wahn verweigern sollte. Ist ja auch nicht so einfach. Man steht ja nicht außerhalb der Gesellschaft.

Kann ich anderen überhaupt vermitteln, dass sie ohne Gier auskommen sollen, ohne meine eigenen Interessen gnadenlos durchzusetzen? Kann ich behaupten, dass ich einen Plan habe und alle anderen nicht? Ist es tatsächlich so, dass nur ich persönlich mit jener Konsequenz ausgestattet bin, die unmittelbare Schmankerl für verzichtbar hält zum Wohlgeraten eines großen Ganzen? Bin ich das Maß aller Dinge?

Manchmal schon! Und deshalb weiß ich auch, dass die ökonomische Abhängigkeit des Einzelnen der Motor für die Garstigkeit der Menschen ist. Wenn jeder schauen muss wo er bleibt und Angst um die eigene Existenz haben muss, wird er tun was (er glaubt, dass es) notwendig ist. Diese Abhängigkeit ist der Stachel im Fuß der Menschheit, eigentlich jedes Geschöpfes unter dem Mond und unter der Sonne. Sie sorgt beim Menschen für eine seltsame Unausgeglichenheit. Doch im Gegensatz zu den nicht vernunftbegabten Tieren sind Menschen wohl in der Lage, diesen Stachel zu ziehen. Geld ist genug da. Es ist nur unglaublich schlecht und ungerecht verteilt. Super, jetzt bin ich auch noch ein Träumer. Aber dafür kann ich nichts!

Donnerstag, 17. November 2011

Die stupide, verkürzte Gedankenwelt! Impressionen aus der U7!

kriegswichtig: eine Gesinnung
Das Problem scheint zu sein, dass unsere Politiker und Wirtschaftsdenker und -lenker (weibliche eingeschlossen) immer um mindestens 10 Prozentpunkte dümmer sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. In der Zeit ihres Handels gelingt es ihnen immerhin, den Intelligenzquotienten der Bevölkerung um 5 Prozentpunkte herabzusetzen, so dass der Verdummungsprozess langsam, aber sicher fortschreitet.

Anders ist die absolut stupide, weil verkürzte, Gedankenwelt mancher Mitmenschen kaum zu erklären. Schon früher, als alle beide meiner Eltern noch am Leben waren und ich mich politisch von deren Niveau abzuheben begann, da wurden meine Messages, die noch etwas diffus waren, als Nachgeplappertes von irgendwelchen ihnen seltsam erscheinenden Freunden bezeichnet. Meine Eltern hatten ganz offensichtlich ein Problem damit, dass ich meine Fachhochschulreife nachholte, statt in der BASF AG meinen Meister zu machen. Die beste Replik auf diese Herabsetzung war, dass es immerhin besser sei, meinen Freunden alles nachzuplappern, als das, was in der BILD so steht.

Das ist über 20 Jahre her. Ich musste mich deshalb wundern, als ich kürzlich mit der Proleten- U-Bahn U7 fuhr und sich einer dieser jungen, aufgepumpten deutschen Prolls mit modischer Glatze dermaßen in den Sitz fläzte, sodass die junge Frau neben ihm eine Pobacke in den Gang hängen musste. Gegenüber saß seine schwarzhaarige Freundin, und neben der saß komfortabel ich. Zwischendurch kam die fünfte Motz- oder Straßenfegerverkäufer/in während dieser Zugfahrt.

Wen Armut wirklich ankotzt, der sollte hierhin eben einen Eimer mitnehmen, da kann er dann hineinspucken. Der junge, aufgepumpte Proll, der sich so paschamäßig in den Sitz fläzte, ließ aber nur einen genervten Laut erklingen und legte endlich los: Er verstehe das gar nicht, die sollen sich doch Arbeit suchen, dann ginge es ihnen besser. Wer wirklich Arbeit suche, so der Proll, der finde auch welche. Zur Verteidigung seiner Freundin muss man sagen, dass sie seiner Sichtweise mit guten Argumenten widersprach, woraufhin er aber sichtlich ungehalten wurde. Er verstehe eben nicht, wie sich jemand so gehen lassen kann, gab er trotzig zu Protokoll. Seine Freundin hatte es ihm zuvor erklärt.

Ich hätte den jungen, aufgepumpten Proll gerne gefragt, wie jemand, der ganz offensichtlich zu dumm ist, ein Brot zu kaufen, eine Arbeit finden kann, wollte dabei sogar offenhalten, ob ich damit ihn meinte oder die Zeitungsverkäuferin (ich meinte ihn), resignierte aber: Erstens dachte ich, dass jemand, der so körperbewusst anderen den Sitzplatz streitig macht und ein Reflektionsvermögen wie ein Rasenmäher besitzt, bestimmt nicht feinfühlig genug ist, um mir ins Gesicht zu langen ohne mir die Nase zu brechen. Schon allein der Unsicherheit wegen, wen ich nun gemeint hätte, müsste er mir eine verpassen, sicherheitshalber (sic!).

Zweitens dachte ich: Der kann doch nichts dafür! Die arme Sau plappert lediglich nach, was andere ihm ständig vorkauen: Politiker und Wirtschaftsdenker und-lenker (weibliche eingeschlossen) nämlich, die dauerhaft in Talkshows sitzen, der BILD Rede und Antwort stehen und auch sonst jeden Stuss in jedes Mikrofon schwätzen, das ihnen vorgehalten wird, so dass einem ganz schwindlig davon wird, und die unter Garantie zu dumm sind, ein Brötchen beim Bäcker zu kaufen. Und die sagen eben denselben Blödsinn, den meine Eltern schon geglaubt haben:
  • dass jeder, der arbeiten wolle, auch Arbeit fände
  • dass jeder selbst seines Glückes Schmied sei (damit aber auch seines Peches Schmied)
  • dass die Kosten des Sozialstaates das Land ruinieren
  • dass Arbeit unzertrennlich mit Würde einher geht
  • dass Deutschland kein Einwanderungsland sei
  • dass die Lohnnebenkosten zu hoch seien
  • dass ein Mindestlohn zu hoher Arbeitslosigkeit führt
  • dass es besser sei, für wenig Geld zu arbeiten, als gar nicht
  • das Deutschland voll rocke, das restliche Europa aber irgendwie asozial sei
  • dass Schland endlich wieder zur Normalität zurückkehren solle
  • dass man seine Freiheit am Hindukusch verteidigen könne (nicht aber in Libyen, Syrien oder Somalia)
  • dass es linken Terror genau so wie rechten Terror gebe, sogar noch viel mehr
  • dass die Deutschen ausstürben und Schland muslimisch würde
  • dass es schon okay sei, wenn Autos mit Lebensmitteln getankt würden
  • dass es endloses Wachstum in einem begrenzten Raum geben könne
  • dass die Erde eine Scheibe sei und das Zentrum des Universums

Sonntag, 13. Februar 2011

Hier nur zulässige Vergleiche: Hund und Kinder und deren BesitzerInnen!*

Meine Mitbewohnerin wünscht sich sehr einen kleinen, nicht allzu überzüchteten Hund. Mir selber wird vom Geruch eines Hundes speiübel, ich ekele mich sehr und ich meide die Tiere - in der Regel auch deren BesitzerInnen - wo es nur geht. Ich kann K schlecht verbieten, sich einen Hund anzuschaffen. Eine Hundeneuanschaffung würde bedeuten, dass ich aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen müsste.

Um ihren Hundewunsch zu kompensieren, schloss K Freundschaft zu einer frisch eingezogenen Hausbewohnerin, die ein eigentlich recht hübsches Kerlchen von Hund ihr eigen nennt und das gegebenenfalls zum temporären Betreuungsfall wird, diesen zu übernehmen sich K freudig angeboten hatte. Der Hund ist nun zeitweiliger Gast in unserer Wohnung, wobei K nur darauf zu achten hat, dass er Küche, Bad, Arbeitszimmer und meinem Zimmer fernbleibt. Das mag etwas pedantisch erscheinen. Was Hunde betrifft, bin ich es nun mal besonders stark.

K ist eine äußerst freundliche und zurückhaltende Frau. Der scharfe Ton liegt ihr nicht im Blute. Die Besitzerin des Hunde gibt offen zu, dass ihr Hund nicht erzogen ist. K versucht sich daran, scheitert aber: Ihre Kommandos dem Hund gegenüber klingen gelinde gesagt mehr wie ein überdenkenswerter und gutgemeinter Rat, aber nicht wie ein Befehl. Hunde funktionieren nicht so: Sie sind dem offenen Diskurs gegenüber verschlossen und setzen unbeirrt ihren eigenen Willen durch. Wieviele Herrchen und Frauchen sind tatsächlich die Alphawesen in der Hund-Mensch-Beziehung?

Im Grunde sind Kinder genau wie Hunde. Mit der Ausnahme, dass man gemeinhin erwartet, dass sich diese jungen Menschen dereinst zu einem eigenständigen sozialen Charakter entwickeln. Dieses Stadium wird der Hund nie erreichen. Dafür muss er aber später nicht arbeiten gehen. Andererseits werden heute geborene Kinder als Erwachsene wahrscheinlich gar nicht arbeiten dürfen. Wie auch immer.

Ein Kinder- oder Hundewunsch sollte auf jeden Fall gut durchdacht sein. Man sollte sich die Frage stellen, ob man tatsächlich in der Lage ist, zum Besseren des Kindes oder des Hundes klare und unmissverständliche Anweisungen zu geben. Ein Kind, das beständig und lachend den Spielplatzbereich verlässt, um die Eltern zu foppen, dafür aber droht auf die befahrene Straße zu laufen, muss deutlich spüren, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Da hilft schimpfen viel mehr als dem evtl. 2jährigen geduldig und vor allem ruhig zu erklären, warum er auf dem Spielplatz bleiben soll. Kinder haben keine Vorstellung vom Tod und ihr Aktion-Reaktion-Verständnis entspricht in der Regel der Handlung eines Fernsehcartoons.

In der Straßenbahn fühlte sich kürzlich ein mittelalter Herr offenbar von dem Kind eines Pärchens gestört. Dieses Kind hatte tatsächlich die ganze Zeit laut gesprochen, mal geschrien und auch gesungen. Der Herr sagte zu dem Kind, es könne doch auch mal ruhig sein. Ich fand diese Ansprache berechtigt und fand den stark berlinernden Mann auf Anhieb sympathisch. Der Vater des Kindes jedoch protestierte und behauptete, sein Kind sei eben lebhaft. Das könne man einem Kind ja wohl kaum verbieten usw.

Ich finde, man kann das wohl. Die Welt, sie ist kein riesengroßer Spielplatz. Kinder sollten durchaus lernen, wie man sich wo verhält. Im Restaurant wird gesessen und gegessen. Auf dem Spielplatz und im Haus wird getobt. In der Straßenbahn wird leise gesprochen und gekichert. Auf dem Fest wird anderen Leuten laut ins Ohr gebrüllt. Man nennt es Rücksicht. Solche Sachen sollten Kinder lernen.  Die Welt ist ohnehin voll von egomanischen Deppen. Wer sein Kind nicht erzieht, entlässt irgendwann einmal einen egomanischen Deppen in die Welt. Das ist Gesetz!

Von Eltern erwarte ich deshalb schlicht und einfach, dass sie ihre Kinder erziehen. Ich möchte rücksichtsvolle und umsichtige Schlaulis um mich herum haben. Da gehört die Zurechtweisung bei Fehlverhalten bzw. Störung einfach dazu. Und wenn das Kindchen dann weint, ach gottchen, dann nimmt es die Zurechtweisung wenigstens ernst. Das ist doch auch schon was. Wenn aber Eltern lediglich ihrem Fortpflanzungstrieb frönen und nur ihr persönliches Glück auf die private Seite ziehen, die negativen, lästigen Sache aber der Allgemeinheit überlassen, dann müssen sie es sich gefallen lassen, wenn andere intervenieren.

Nun zum Hund: Wer einen Hund hat, zieht ebenfalls einen Nutzen - welchen auch immer - daraus. Wer ihn auf den Gehsteig kacken lässt und den Haufen nicht entfernt, also den (Distinktions)Gewinn privatisiert und die Lasten sozialisiert, soll sich bitte niemals wieder über irgendwelche Bänker oder Manager beschweren. Und die paar Ocken, die HundebesitzerInnen an den Staat abdrücken, befreien noch lange nicht von lästig empfundenen Pflichten und Verantwortung. Die verrechnet sich eh mit der reduzierten Umsatzsteuer für Tiernahrung.

*Dieser Text ist werdenden Eltern und zukünftigen HundebesitzerInnen gewidmet

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Die schönste Tabelle der Welt! Danke, danke, danke FvdL!

Zu aller Überraschung ergab die Neuberechnung des ALG II- Regelsatzes gar nicht, dass den Langzeitarbeitslosen und ihren Kindern zu wenig bezahlt wird, sondern ganz im Gegenteil, sogar zu viel. Und nur dem Großmut einer Frau von der Leyen ist es zu verdanken, dass die Sätze nicht sofort gesenkt, sondern sogar um 5 Euro erhöht werden sollen - insofern es im Bundesrat eine Mehrheit dafür gibt. Danke, danke, danke, Frau von der Leyen.

Da Arbeitslose ständig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen, sollen sie auch schön gesund sein und auf keinen Fall Alkohol und Zigaretten im Wert von 14 Euro pro Monat erwerben und - schlimmer noch - für ihre Süchte missbrauchen. Diese Pauschale wurde gekürzt: Noch nicht einmal eine Flasche Sekt zum Geburtstag oder zu Silvester ist mehr drin - es könnte ja sein, dass just an diesem Glückstag ein Gespräch beim PAP ansteht oder man sich spontan für einen Job vorstellen soll. Zum Ausgleich steht dem Erwerbslosen eine Pauschale von 2,99 Euro im Monat zu: für Mineralwasser.

Wie ein Sixpack zu je 9 Litern für einen ganzen Monat reichen soll, wird allerdings nicht erklärt. Genauso, wie darüber gerätselt werden darf, wie man sich für 1,39 Euro bilden soll - wohlgemerkt: im Monat! Das reicht noch nicht einmal für eine Tageszeitung. Kein Wunder, dass das Lumpenproletariat auf Erzeugnisse der Springer-Hass-Presse zurück greift. Fortbildung zahlt doch der Staat? Wir reden aber gar nicht von Fortbildung: Es geht um Bildung, ganz allgemein! Das gab es früher mal, Sie kennen es bestimmt, das Wort: BILDUNG! Doch vergessen? Macht nix! Wer nix weiß, den macht auch nichts heiß. Wir brauchen hier Arbeitnehmer und keine Intellektuellen! Hinterher wird dann wohl auch noch nachgedacht über alles und so oder wie?

Und wenn der Geist schon hungert: 128 Euro für Lebensmittel sollen es schon sein - alles für den dicken Bauch: Dafür kann man ganz schön bio und gesund leben! Das Geld reicht dann zwar nur für einen halben Monat, aber Hauptsache gesund! Oder aber man verzichtet völlig auf Fleisch und Käse. Es gibt noch eine Möglichkeit: Täglich guten Biokäse kaufen (200 bis 300gr) und ein Stück Brot. Da kommt man mit vielleicht 4 Euro über den ganzen Tag.

Man kann jedoch alle Knappheiten mit anderen Posten verrechnen. Was soll man denn mit 15 Euro für die Gesundheit anfangen? Das geht besser: ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen, tüchtig ausfiebern - das spart die Quartalsgebühr und Kosten für Medikamente. Wenn man dann ein Jahr lang spart, kann man sich vielleicht eine Waffe auf dem Schwarzmarkt kaufen und ein paar Patronen. Sich selbst in den Kopf schießen und die Gesellschaft, den Arbeitsmarkt und den PAP (persönlicher Ansprechpartner vom Jobcenter) entlasten, das wäre anständig! Wie anständig sind Sie?

Ja, den Arbeitslosen soll es nicht besser gehen als den Arbeitnehmern. Letztere missgönnen Ersteren lieber ihre Grundsicherung, als für sich selbst höhere Löhne zu erstreiten. Aber was rede ich da? Deutsche Arbeitnehmer sind viel zu blöd zum Ziehen der richtigen Schlüsse. In Frankreich brennen schon wieder Autos, weil die Franzosen nicht bis 62 arbeiten wollen. Hier in der Bunzreplik (H. Kohl) ist sowas nicht denkbar. Lieber schützt man die Bäume im erzlangweiligen Stuttgarter Park, als dass man gegen die Wohltätigkeiten unserer Politiker auf die Straße geht.

Der Zorn über die soziale Ungerechtigkeit, der wird im Straßenverkehr ausgelebt. Immer schön nach unten treten, und vielleicht auch zur Seite. Aber niemals nicht nach oben hauen, bitteschön! Das stört die Ordnung der Dinge. Ordnung ist das halbe Leben. Die andere Hälfte ist die Demütigung anderer sowie die eigene. Jedenfalls weiß man: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert, so steht es geschrieben. Kann wirklich niemnd sehen, dass diese Hand schon lange niemanden mehr füttert? Hmmm? Ergo: Schnapp, Hasso, fass'!

Und nun: Die schönste Tabelle der Welt! Darin steht, was mensch so braucht, um über die Runden zu kommen. Vielleicht sollten sich zukünftig alle Arbeitgeber daran orientieren, wenn die Gehaltsfrage mal wieder auftaucht. Also wirklich, mehr Geld braucht doch nun wirklich niemand, oder?

Regelsatz für Erwachsene
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke128,46 Euro
Bekleidung, Schuhe30,40 Euro
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung
(ohne Miet- und Heizkosten, die separat erstattet werden)
30,24 Euro
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände27,41 Euro
Gesundheitspflege15,55 Euro
Verkehr22,78 Euro
Nachrichtenübermittlung31,96 Euro
Freizeit, Unterhaltung, Kultur39,96 Euro
Bildung1,39 Euro
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen7,16 Euro
andere Waren und Dienstleistungen26,50 Euro
 
Regelsätze für Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres (in Klammern: Kinder zwischen 7 und 14 Jahren/zwischen 15 und 18 Jahren):
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke78,67 Euro
(96,55/124,02 Euro)
Bekleidung und Schuhe31,18 Euro
(33,32/37,21 Euro)
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung7,04 Euro
(11,07/15,34 Euro)
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände13,64 Euro
(11,77/14,72 Euro)
Gesundheitspflege6,09 Euro
(4,95/6,56 Euro)
Verkehr11,79 Euro
(14,00/12,62 Euro)
Nachrichtenübermittlung15,75 Euro
(15,35/15,79 Euro)
Freizeit, Unterhaltung, Kultur35,93 Euro
(41,33/31,41Euro)
Bildung0,98 Euro
(1,16/0,29 Euro)
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen1,44 Euro
(3,51/4,78 Euro)
andere Waren und Dienstleistungen9,18 Euro
(7,31/10,88 Euro)
Quelle: tagesschau.de

Dienstag, 27. April 2010

Achtung: Am Anfang ist es noch Satire! Aber dann geht's um's Kruzifix!

So hat also die niedersächsische CDU nichts Besseres zu tun als eine "Türkin", noch dazu muslimischen Glaubens, zur Sozialministerin zu machen. Und dann beschwert die sich auch noch über Kruzifixe in deutschen Klassenzimmern. Soll sie doch hingehen wo sie herkommt, da wird sie schon sehen, wie gut sie es hat in Deutschland, wo jeder alles darf und viele, vor allen Dingen die Ausländer, noch viel mehr dürfen als die Deutschen selbst. So was von undankbar, diese Frau. Man muss sie vor sich selbst beschützen, indem man sie direkt zum Rücktritt drängt. hier...

Ein Bischof muss schon schlagen (Verzeihung: Watsch'n), lügen (Verzeihung: vergessen) und betrügen (Verzeihung: unterschlagen), um den Rücktritt nahegelegt zu bekommen. Worüber regt man sich eigentlich im Fall Özkan auf? Dass eine Ministerin selbstverständlich nach der Rechtmäßigkeit von Kruzifixen in unseren säkulären Schulen fragt? Sie will ja keinen Halbmond dort aufhängen (außer vielleicht zum Weihnachtsfest). Sie möchte wissen, was religiöse Symbole in Schulen hierzulande zu suchen haben. Das reicht einigen verirrten Schäfchen schon, nach einem Rücktritt zu krakeelen.

Und damit alle Ressentiments zu bedienen, die es gibt. Frau (hat eh nichts zu melden), Türkin (von wegen: Frau Özkan ist in der BRD geboren und hat die deutsche SBS), jung (hat eh nichts zu melden) und Muslimin (was hat eine Muslima in unserem ach so an christlichen Werten orientierten Land zu suchen?). Ja, so ist sie halt, die bundesdeutsche Mehrheit: Wer sich über das große D beschwert, der soll doch woanders hingehen, da wird er schon sehen, was ihm blüht.

Die Christen aber werden weltweit verfolgt, so sieht es nämlich aus! Deshalb sollte sich Frau Özkan nicht so aufregen über das Kruzifix. Sie kann nicht einfach die Gesetze ihres Heimatlandes, wo in den Schulen das Kopftuch verboten ist, in die freie BRD einführen, wo sich ein jeder frei entfalten kann. Es sei denn, er gehört einer Minderheit an. In der Türkei hängt ja wohl auch überall das Bild vom Atatürk, und da sagt auch keiner was. Aber uns sagt es etwas: In der BRD verwechselt so mancher Religion mit Politik und das Ausland mit dem eigenen Land.

Nun, für die, die kein Fernsehen haben und auch keine Freunde: Wir leben in der BRD und nicht anderswo. Hier gelten die Gesetze der BRD, logisch. Aber dies wird gerne einmal dialektisch aufgefasst, wenn's ins rechte Konzept passt: Die Migranten sollen sich an ihrer eigenen Nase (bzw. der ihres "Heimatlandes") fassen, wenn sich dem German Native etwas nicht fügt. Andererseits pickt der sich die ihm gefälligen Zustände aus dem Ausland geübt heraus und nimmt sie sich zum Maßstab, zur Not auch gegen die eigene Verfassung. Das wäre ja so schlau, wenn es nicht so perfide wäre.

In unseren Schulen soll Wissen vermittelt werden und nicht der Glaube an ein vermutlich frei erfundenes Fabelwesen, dessen einzige Zeugen seiner Existenz ein gealtertes Findelkind respektive Wüstenwanderer und ein selbsternannter Prophet sind. Was dabei herauskommt, wenn man Wissenschaft und Religion miteinander vermischt sieht man zur Zeit am Besten am Beispiel Iran: Es kommen dabei Idioten raus! Auch soll die Schule dem Individuum helfen, sich innerhalb einer multipen Gesellschaftform zu verorten. Dazu gehören zwar auch weltanschauliche Aspekte. Ein Kruzifix im Klassenzimmer ist jedoch nur die sichtbar gemachte Duftmarke von Christen mit Revierbewußtsein. Neben dem Kreuz soll es nichts geben! Dies aber grenzt Anders- und Nichtgläubige aus.

Ein Kompromiss? Man könnte zusätzlich eine Buddhastatue, einen Shintoschrein, einen sechsarmigen Leuchter, einen Koran und dergleichen aufstellen, um ja auch niemanden zu benachteiligen. Man könnte aber auch für alle Religionszugehörige eigene Räume in den Schulen gestalten, in denen jeder seinen religiösen Vorlieben nachgehen kann. Viel einfacher aber wäre es, einfach auf jede religiöse Symbolik zu verzichten, auch auf ein Kreuz. Das würde niemandem wirklich schaden.

Wie auch? Man kann auch an Gott glauben, ohne ein Kreuz anzustarren. Das ist schon irrational genug. Wenn nun aber das Jesuskind wüsste, dass seine Schäfchen ein Kreuz zur Festigung ihres Glaubens brauchen, es würde bitterlich weinen!  Will sagen: Jede Aufregung um's Kreuz ist nur schwer nachvollziehbar. Der einzige mir schlüssige Grund für die Verbissenheit im Kampf ums Kreuz im Klassenzimmer kann bei genauerer Betrachtung nur die Angst vor Überfremdung bzw. eigenem Bedeutungsverlust sein. Was anderes fällt mir dazu nicht ein!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Zeit für ein paar Annahmen! Das Lob des Tellerwäschers!

Angenommen, jemand aus meinem Dunstkreis hätte eine großartige Idee, nur leider nicht die nötigen Mittel, um diese umzusetzen. Die Idee teilt er mir mit. Ebenfalls angenommen, ICH (bruhaha) hätte die Mittel, um dessen Idee umzusetzen, TÄTE dies auch und würde ihn NICHT am Umsatz beteiligen: Ich wäre gestorben für diesen Jemand?

Angenommen, ich lauschte mir beim Abendessen vom Nachbartisch eine Idee ab, sicherte mir diese und setzte sie dann ganz sorglos um, verdiente gar Millionen damit. Selbst wenn ich meinem Dunstkreis gegenüber zugäbe, dass die Idee nicht von mir stammte, würde ich Anerkennung für die schnelle Reaktion ernten?

Angenommen, einer meiner Kollegen hätte eine Spitzenidee und ich reichte diese beim Chef ein, bekäme eine Prämie dafür oder eine Beförderung. Oder meine StudentInnen erarbeiteten mein Projekt, dokumentierten und belegten es, und ich erhielte einen Wissenschaftspreis nach der Veröffentlichung der Ergebnisse. Alles noch im Rahmen?

Angenommen, ich besuchte kleine Clubs und durchforstete sie nach neuen Trends, nähme mich ihrer an. Angenommen ich sei Madonna oder irgendein anderes Pop-Chamäleon, das gerühmt wird für die besonders innovative Aneignung avantgardistischer Musik, während die eigentlichen Innovatoren weiterhin einem sauöden Job nachgehen müssen, um ihre Existenz zu sichern. Ist des Stars Lob auch das des Tellerwäschers?

Angenommen, ich fügte - wie so viele Autoren übrigens - fremde Textbausteine in meinen Text ein und nennte dies Cut-up -oder Samplingtechnik. Dabei wäre es mir vollkommen egal, ob ich die Textstellen von etablierten oder von unbekannten Autoren verwendete, weil es ja der Kunst alleine diente und etwas Neues daraus entstünde. Ist das Wort des Benutzten dann weniger wert oder mehr?

Angenommen, ich dächte: wer umsonst oder für wenig Geld arbeitet, egal ob er schreibt, Musik macht, malt oder sich einfach der falschen Person mit der richtigen Idee anvertraut, ist schon selber schuld, wenn er die Obhut über sein geistiges Eigentum verliert. Er stünde wesentlich besser da, käme er aus betuchtem und gekünsteltem Haus. Selber schuld, wer keine Connexxions hat und auch kein Geld?

Angenommen, ich regte mich etwas über das extrem wohlmeinende, aber an der Sache vorbeigehende, dreiseitige Special über Helene Hegelmann in der ZEIT auf. Und angenommen, es ist tatsächlich üblich zu klauen respektive fremdes Material zu verwenden: Wenn "Reiche" bei den "Armen" stehlen oder verwenden, dann ist das nicht zwingend Kunst, sondern in erster Linie Kapitalismus! Deshalb: Nehmt's den Reichen und gebt's den Armen. Oder zahlt Letztere für den verwendeten Geist aus. Das ist wenigstens sozial! Und das sollten auch 17jährige schon gelernt haben!

Dienstag, 22. Dezember 2009

Berufsmäßige Schmarotzer! OBERST klein, WO SIND SIE?

Das Jahr einmal sanft ausklingen lassen? Milde walten lassen und Gleichmut? Mit mir nicht, liebe Sportsfreunde! Was Mist ist, muss beim Namen genannt und angeprangert werden. Es hilft nicht über den üblen Geruch hinweg, einen riesigen Misthaufen mit Weihnachtskugeln zu schmücken. Nein, man muss ihn auch anzünden, auf dass das elendige Geseiere der Menschen endlich aufhöre und der Natur Gerechtigkeit widerfahre.

Die Menschen, das sind alle, die sich selber einen Namen geben können, dies aber lieber von ihren Eltern erledigen lassen. Leider gehöre ich dazu. Ich schäme mich. Man kommt sowas von unfertig auf die Welt und wird seinerseits von unfertigen Menschen in eine unfertige Zivilisation geworfen. Fatal ist, dass die Menschen sich nur allzu gerne als vernunftbegabt darstellen, was der Menschheit aber genauso viel oder wenig bringt, als würde man behaupten, man könne die große Klimakatastrophe verhindern.

Dann tun wir es doch endlich! Wenn es eine Begabung gibt, dann nutzen wir sie doch einmal und reden nicht dauernd davon, was wir tun könnten. Wir könnten zum Beispiel einfach nur Vorbild sein, statt uns dauernd hinter dem Unwillen anderer zu verstecken, à la "wenn diese und jene sich nicht an die Klimaziele halten wollen, dann tun wir es eben auch nicht - ätsch!" Solche Leute habt ihr gewählt? Eine Klimakanzlerin, die gut Wetter machen möchte in Kindergartenmanier? Ihr habt es nicht besser verdient, das muss ich jetzt mal sagen.

Apropos "besser verdienen". Die Ärztesippschaft um den Marburger Bund herum möchte sich mal wieder das Gehalt erhöhen lassen. Möglicherweise zurecht. Aber warum streiken immer zuerst die Ärzte und hinterher die Pflegekräfte, die ja noch viel weniger verdienen? So herum bleibt ja wieder nichts übrig für die wahren Leistungsträger: Die armen Würste, die für wenig Geld viel und hart arbeiten müssen.

Und demnächst noch tiefer in die Tasche greifen müssen, da die FDP sich das Ziel gesetzt hat, Leistungsträger (nach ihrer Definition) steuerlich zu begünstigen. Das sind meistens Menschen, die andere zu üblen Bedingungen einstellen und daher das Rückgrat jeder kapitalistischen Gesellschaft bilden. Dazu gehören aber auch jene, die im Grunde für den selben Arbeitsaufwand ein Vielfaches des Gehalts "ganz normaler" Arbeitnehmer "verdienen" bzw. erhalten.

Sozialbeiträge sollen nun also vom Einkommen unabhängig pauschalisiert werden (Kopfpauschale), und man kann davon ausgehen, dass man sich nicht am derzeitigen Mindestbeitrag orientieren wird. Ist ja auch richtig so: wer unter miesen Bedingungen arbeiten und leben muss, der wird öfter krank und belastet die Sozialsysteme ungleich mehr als ein "Leistungsträger". Liebe Leute, wer diese Partei in die Regierung gewählt hat, kann entweder nicht mehr alle Tassen im Schrank haben oder ist ein berufsmäßiger Schmarotzer! Oder beides!

Ich fordere hiermit jeden FDP- Wähler zum Boxkampf mit einem meiner Lohnsklaven heraus. Meine Männer sind stark im Vorteil: Aufgrund schlechter Krankenversicherungen haben sie keine Zähne mehr zu verlieren. CDU- und Restwähler hingegen können froh sein, dass sie nicht beim Tanken an ihrer Lieblingstankstelle bombardiert werden, wobei wahrscheinlich jeder Autofahrer mehr Schaden anrichtet als ein afghanischer Zivilist und daher ein Bombardement auf deutsche Tankstellen tatsächlich eine Verteidigung der Freiheit wäre. Wo ist Oberst Klein, wenn man ihn mal braucht?

Ach was? Krieg ist keine Lösung? Laut Barrack Obama ist Krieg immer eine Lösung! Womit er wahrscheinlich recht hat: Wer schon einmal versucht hat, gegen destruktive Kräfte in seinem Umfeld anzugehen, der lernt die bittere Lektion, dass Gewaltlosigkeit immer den Kürzeren zieht. Gewalt also immer schön mit Gewalt begegnen, und Dummheit immer mit Dummheit. So kann jeder er selbst bleiben und sein Gesicht wahren.

Konsequent wäre es allerdings gewesen, mit einer solchen Argumentation den (Friedens)Nobelpreis abzulehnen. Damit hätte man möglicherweise das Komitee brüskiert, stünde aber moralisch einwandfrei da. Den Krieg rechtfertigen, während man einen Friedenspreis bekommt, ist irgendwie auch arschcool. Sich aber Klimakanzlerin nennen zu lassen, gleichzeitig Autoneukaufprämien zu zahlen UND eine Klimakonferenz an die Wand zu fahren ist hingegen dreist. Das hat keine Klasse.

Ich wünsche allen Idioten ein Fest, das ihnen quer im Magen liegen soll und ein Neues Jahr, dass sich gewaschen hat. Dumme Entscheidungen sollen nämlich sofort Konsequenzen tragen, gute aber auch! Ein paar Forderungen an das Jahr 2010:
  • Ich will alle halbe Jahre Bundestagswahlen haben! Dann ist es auch nicht so schlimm, wenn ich mal nicht wählen gehe. Aber wenn ich dann gehe, DANN aus Überzeugung!
    • Ich will, dass die Menschen nett und freundlich zueinander sind und nicht immer so grantig dreinschauen. Außerdem soll Blockwartmentalität und Denunziantentum mit Fußhieben nicht unter fünfzig Schlägen bestraft werden.
      • Ich will, das Religionen und anhängige Parteien mit sofortiger Wirkung verboten werden! Jeder sollte für sich an keinen, an einen Gott oder von mir aus auch an mehrere Götter glauben, aber sich keinesfalls organisieren oder noch schlimmer: predigen dürfen! Sonst: siehe "Stockhiebe"!
      • Ich will ein Rezept erfinden, wie man Dummheit mit Raffinesse begegnen kann und Gewalt mit Sänfte (und das auch wirklich funktioniert). Aber wahrscheinlich würde es schon ausreichen, Religionen zu verbieten!
      Wie hat es der Heiland einmal formuliert und mit Hitzeblick in den Mond hinein graviert? "Seid hilfreich und gut, dann ist ein jeder von Euch ein Superman!" In diesem Sinne: Helau und Alaaf!

      P.S. Ich habe da eine super Idee für eine Mohammed- Karikatur (die sind ja in Vergessenheit geraten): Ein Maler steht mit Pinsel vor einer leeren Leinwand, schwitzend und zitternd. Aus dem Off heraus nur eine ungeduldige Stimme: "Nun mal mich doch endlich, damit endlich Ruhe herrscht!"

      Dienstag, 29. September 2009

      Offen Homosexuelle haben nicht immer die Lösung! Aber Lust ist immer eine Heizung!

      Na? Gewählt? Oder auch nicht? War ja eh klar, was hinten dabei rauskommt, von vornherein. Und? Ernüchtert? Zurecht muss ich sagen! Es ist eben nicht nur gut, wenn eine Frau und ein offen Homosexueller hohe Ämter be- bzw. erhalten. Es kommt auch darauf an, wie sich die Frau und der offen Homosexuelle ihrer bzw. seiner zu regierenden Bevölkerung gegenüber verhält. Ich würde lieber von Menschen regiert, die anderen Menschen Gutes tun möchten und bei denen folgerichtig Geschlecht und Sexualneigung völlig wurscht ist.
      Ach, es werden wieder die Sachzwänge sein, welche uns das Leben verhageln. Man wird wieder hören, wie leid es ihnen tut, die Armen noch etwas ärmer zu machen, während die Reichen noch etwas reicher werden oder so reich bleiben wie sie sind. Wenn aber die Armen ärmer werden, werden die Reichen ganz automatisch reicher, selbst wenn sie später genau so viel Geld haben wie sie jetzt haben. Ist das nun In- oder Deflation? Hat das jemand verstanden?
      Ich jedenfalls nicht! Aber deshalb muss es ja noch lange nicht falsch sein. Es sei jedenfalls jedem empfohlen, sich um eine wärmende Beziehung zu einem anderen Menschen zu kümmern. Es wird ja auch Winter. Wer möchte da alleine bibbern vor lauter sozialer und thermaler Kälte?
      Bibbern will ich zwar nicht! Ich will nur vögeln und keinerlei Verantwortung dabei verspüren, da bin ich zurzeit gewissermaßen knallhart. Wo Reibung ist, da entsteht Wärme, knickknack, Sie verstehen schon? Und da ich offen heterosexuell bin und keine Frau, wähle ich anders als ein Großteil der WählerInnen dieser Republik.