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Donnerstag, 7. Mai 2015

Von Gutmenschen und der Profilierungssucht: Ach, leckt mich doch!

Ja, ich wieder! Aber: Warum tut man sich in diesem Land nur so schwer damit, wenn Parteien, Gewerkschaften oder auch einfache Bürger*innen sich für andere einsetzen, statt einzuknicken vor der Forderungen der sogenannten Märkte oder der öffentlichen Meinung oder irgendwelchen verkackten Nazis?

Es gibt tatsächlich Leute, die behaupten, ein Herr Weselsky wolle sich nur zulasten der Wirtschaft profilieren. Nun, beliebt ist er ja wohl eher nicht. Profilieren kann man sich hierzulande besser mit mittelmäßigen, garantiert dummen und daher völlig unnötigen Maßnahmen zur Beruhigung der Neidgesellschaft, am Besten gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Ein Herr Sarrazin ist nicht profilierungssüchtig? Klar ist er das, und seine Hetze hat außer ihm keinem genutzt. Ein Herr Dobrindt ist auch profilierungssüchtig, sonst hätte er seine "Ausländermaut" nicht durchbringen wollen.

Ein Arbeitskampf nützt wenigstens den Beschäftigten. Und bloß, weil uns der Zug ab und an nicht zu unserer schlecht bezahlten Arbeit bringt, heißt das nicht, dass wir auf das mühsam erkämpfte Recht auf Tarifstreit verzichten sollten oder von anderen verlangen, dass sie es tun.

Frage: Warum verdienen die Lokführer noch so einigermaßen?
Antwort: Weil sie regelmäßig von ihrem Streikrecht Gebrauch machen!
Frage: Und warum verdiene ich nur so wenig?
Antwort: Weil es mir wichtiger ist, pünktlich zu meiner schlecht bezahlten Arbeit zu kommen!

Es gibt auch Leute, die durchaus finden, dass Demokratie seine Grenzen haben müsse. Nein, ich denke dabei nicht an Vizekanzler Gabriel und Konsorten (nicht nur). Ich denke dabei an den mehr oder weniger mündigen Bürger, der nicht versteht, dass Griechenland nicht diktatorisch beherrscht wird, die Regierung vielmehr (unverschämt eigentlich) demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip gewählt wurde. Und noch unverschämter ist nur noch, dass die griechische Regierung versucht, für die Opfer der Bankenkrise (ich bleibe dabei: es ist keine Staatsschuldenkrise!) das Schlimmste zu verhindern bzw. zurück zu nehmen. Dass kann der doitsche Reichsbürger einfach nicht hinnehmen.

Apropos Reich: War da was nicht mit Reparationen für Kriegsschäden? Und hat man da der Bundesrepublik keinen Schuldenschnitt gewährt? Ohne den würden wir heute etwas dämlich dastehen. Aber warum sollten wir auch heute noch für etwas bezahlen, was unsere Großväter verbockt haben und hernach nicht zahlen wollten? Warum aber sollte überhaupt jemand dafür bezahlen, was unsere Großbanken verbockt haben? Klar, die heutigen Deutschen haben keinen Weltkrieg angezettelt. Aber die Griechen haben genauso wenig die Finanzkrise angezettelt wie wir und alle anderen Europäer.

Und dann gibt es noch diejenigen, die finden, dass Asylsuchende bitte in ihrem Land bleiben sollten, um es wieder aufzubauen. Das hätte man mal den Ostdeutschen zu Zeiten der Wende oder den sogenannten Vertriebenen sagen sollen (okay: das hat man wahrscheinlich), die "rübergemacht" haben in die schöne alte Republik.

Leute, ich sage es klar und deutlich: niemand geht auf einen Todes-Trip, wenn er nicht unbedingt muss! Der Grund muss jenseits einer möglichen Karriere als Dealer im Görlitzer Park liegen. Wer ein Asylbewerberheim oder gar einen Abschiebeknast dem Verbleib in der "Heimat" vorzieht, der darf Aufbauhilfe in seinem Land wohl nur als Zwangsarbeiter, Folteropfer oder gleich als Dünger für die Agrarwirtschaft leisten.

Seid also bitte nett zu den Leuten, die in Eure Nachbarschaft ziehen. Sie können sich sicher Besseres vorstellen, als in Hellersdorf oder Tröglitz wohnen zu müssen, sind wahrscheinlich auch besser gebildet. Und sind Euch trotzdem dankbar dafür, in Eurem Kiez leben zu dürfen! Dafür ist kein Geld da? Die Polizeieinsätze rund um Eure "friedlichen" Montagsdemonstrationen sind um ein Vielfaches teurer als ein Asylbewerberheim, noch dazu ein brennendes.

Ach, jetzt bin ich ein Gutmensch? Von mir aus: In einem Land, in dem "Gutmensch" ein Schimpfwort ist, müssen ja wohl schlechte Menschen als Vorbild herhalten. Ein schlechter Mensch kennt allerdings kaum ein Maß und gar keinen Anstand. Er kennt nur sich und "seinesgleichen" bzw. das, was er dafür hält. Was daran erstrebenswert sein soll, bleibt mir glücklicherweise verborgen.

Sonntag, 29. März 2015

Der EZB-Turm brennt schlechter als ein Asylbewerberheim! Ich kaufe Eure Grünanlagen und bebaue sie mit Townhouses!

Kleine Story zum Anfang: Übelgelaunter Bully kommt mir entgegen, ich laufe eng an einem Stand vorbei, keine Chance auszuweichen, war eigentlich auch nicht nötig, Platz war genug für 10 von uns. Aber Bully steckt augenscheinlich absichtlich den Ellbogen raus und rammt mir die Schulter. Ohne den Ellbogen wäre gar nicht passiert. Er beschimpft mich auf's Übelste, ich hätte nicht aufgepasst, ich Vollpfosten, Wichser und natürlich: Yuppie!

Entschuldige, bloß weil ich mich nicht so scheiße kleide wie der Rest der männlichen Bevölkerung innerhalb und außerhalb Berlins bin ich noch lange kein Yuppie. Ich trage zwar Casual Wear, mische aber Flohmarkt mit Neuem. Also völlig yuppieunverdächtig, vielleicht eher noch Hipster (bäähhh), aber ohne Rauschebart und dafür mit trainierten, muskulösen Beinen. Hätte ich eine Brille auf, sie wäre jedenfalls kein Fake!

Aber bitte, wenn Ihr es so wollt, bin ich halt Yuppie: Ich kaufe Eure Grünanlagen und Brachen, bebaue sie mit Townhouses und verkaufe sie an chinesische Immofonds. Und dort, wo gerade Eure Hunde hinscheißen, lasse ich eine neue Mall entstehen, erbaut von unbezahlten Asylbewerbern und gemietet von ausbeuterischen Textilverkäufern. Ich weiß, wie das geht!

Wenn ich doch nur könnte... oder auch nur wollte... Das Motiv des verbohrten 100%- Kerls scheint hingegen klar: Alle, die nicht so sind wie ich, haben hier nichts verloren. Da ist es egal, ob ich ein Unternehmer bin oder auch nur ein therapiebedürftiges kleines Würstchen wie jener rempelnde, rüpelnde Walking Dildo. Jeder gegen jeden, so scheint es auszusehen in dieser Welt.

Wir regen uns auf über ständig beleidigte Muslime und sind selber dauernd beleidigt. Wir sind beleidigt wegen der puren Existenz andersdenkender oder deren Gesten: Da zeigt den zufällig in Schland geborenen Menschen ein zukünftiger griechischer Finanzminister 2013 den Stinkefinger (oder auch nicht) und im Land herrscht der Ausnahmezustand. Ich selber zeige Schland schon seit Jahren den Stinkefinger (in echt!), ernte jedoch nur Kopfschütteln. Ist doch alles schick hier, wem es nicht passt, kann ja in die DDR rüber machen. Im Zweifelsfall gehöre ich jedoch zur "Volksgemeinschaft" und genieße Sonderrechte. Igitt!

Bedrohlicher finde ich, dass die Menschen hierzulande gerade jenen Regierungen ein Übermaß an Misstrauen aussprechen, die zumindest dem Anschein nach alles versuchen, Ihren Landsleuten zu Diensten zu sein, um ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Die Deutschen scheinen die Demokratie noch nicht verstanden zu haben und wählen stattdessen alternativlose Politik. Wäre ja noch schöner, wenn Politik auch der Bevölkerung nutzen würde. Da würde ja keiner mehr was arbeiten. Außer mir, selbstverständlich!

Wir sehnen uns geradezu nach der Überwindung der Demokratie, in der ja von uns gefordert wird, uns zu beteiligen, sei es nur um zu wählen zwischen den Parteien. So viel Freiheit macht uns angst. Was, wenn wir falsch entscheiden? Dann sind wir ja selber schuld! Besser wäre es, wenn einfach die anderen Schuld sein könnten. Im nationalen Taumel ist es natürlich sicherer, gleich ganze souveräne Staaten in Haft zu nehmen.

Die faulen Griechen, die korrupten Italiener, die streikwütigen Franzosen, die unfähigen Spanier und die drogendealenden Asylbewerber: es ist klar, wer schuld daran ist, dass wir hungern müssen wie nach dem, wie wir wieder meinen zu müssen, unverdient verlorenen WW2. Wir opfern uns auf für die europäische Idee, also weg mit der europäischen Idee! So einfach ist das! Bildung stört da übrigens nur, so was brauchen wir nicht: Bildung macht unsere Kinder schwul!

Noch vor wenigen Jahren hieß die Staatsschuldenkrise übrigens noch Bankenkrise. Das war aber schlecht für das Image der systemrelevanten Banken, also hat man sie umbenannt. Seitdem bezahlen die Bürger der EU für das Unvermögen und die Gier einiger Weniger. Die wegzuputzen ist jedoch schwer. In Frankfurt hat sich kürzlich einmal die Wut gegen die vermeintlich Unantastbaren gerichtet, das war allerdings mal wieder zu viel des Guten. Viel leichter und besser ist es hingegen, die alten Ressentiments zu pflegen. Ein Asylbewerberheim brennt auch viel besser als der vollverglaste Turm der EZB.

Warum aber die "Südländer" für ihre angebliche Faulheit beneiden? Warum tun wir es ihnen nicht gleich und werden auch etwas fauler? Antwort: Weil wir es schon längst sind! Wir wollen es uns nur nicht eingestehen und pflegen den Mythos des arbeitsamen Deutschen. Wenn man sich jedoch umschaut in Betrieben, Büros und Behörden, wird da auch nur mit Wasser gekocht. Über die Menge der Arbeit zu jammern heißt noch lange nicht, dass sie auch erledigt wird.

Schlendrian ist King, auch in Schland. Aber so ist er, der gute Deutsche: Steht mit der Schippe an der Baugrube und überwacht die Arbeit. Und wenn der Vorarbeiter kommt, sagt er: Schau mal wie groß die Grube geworden ist, die ich gegraben habe! Mit etwas Glück schmeißt der Vorarbeiter in dort hinein und lässt die Kollegen das Loch wieder zuschaufeln. Man wird doch nochmal träumen dürfen.

Montag, 26. Januar 2015

Juhuuu: links wählen trotz Verelendung! Weil: Rechts ist ja keine Lösung!

Juhuuu! In Griechenland hat ein ausgewiesen linkes Bündnis die Wahl gewonnen! Es geht also doch anders: In sozialer und materieller Verelendung muss nicht zwangsläufig faschistoides Gedankengut salonfähig werden und die Köpfe regieren. Das sollte sich unser leipziger und dresdener (Fuß)volk mal merken. Aber bei denen spielt ja eher eine geistige Verelendung inklusive Geschichtsvergessenheit bzgl. gewählter Termini eine Rolle (Lögenprrrässe! Vvvvolxvörrröterrrr!).

Und jetzt her mit dem Schuldenschnitt! Es ist ohnehin nicht einzusehen, warum nur ein Bürger der Europäischen Union für das Gezocke unserer Banken auch noch bezahlen sollte. Die Griech*innen haben das Geld nie gesehen, genausowenig wie die Bürger*innen der "Gebernationen" evtl. zurückbezahltes Geld zu sehen bekommen würden. Das Geld ist futsch für Menschen wie Dich und mich!

Deutschland hat seinen Schuldenschnitt, übrigens trotz seiner Verbrechen vor und während des zweiten Weltkrieges, längst bekommen. Auch von Gläubigern wie: Griechenland! Seitdem prosperiert das Land und hat offenbar genug Geld, es den Banken bedingungslos hinterherzuwerfen (klar, das Geld sind ja wir, und der Staat sind wir auch, Europa sind wir ebenfalls - Mist!).

Wie schlimm müssen die Verbrechen Griechenlands gewesen sein, dass man ihnen einen Schuldenschnitt verwehrt? Syriza, go on: Vielleicht macht das den Europäer*innen Mut, mal wieder mit dem Verstand und nicht nach Beliebtheitsrankings zu wählen! Eine Demokratie hält das nicht nur aus, sie lebt davon!

Stichwort: Hoffnung? Enttäuschung? Beobachtung!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mannemer Dreck: Nazis im Gemeinderat! Und: Deftiges aus dem Umluftofen!

Liebes Mannheim,

wie ich höre, hast Du in Mannheim jetzt Deinen eigenen Nazi im Gemeinderat sitzen. Mannmannmann, kaum ist man mal vier Jahre weg, schon machen sich die braunen Deppen bei Dir breit! Ich sage Dir: Unter mir hätte es sowas nicht gegeben!

Wie geht es Dir? Was macht die Kunst, was macht die Liebe in diesen unsicheren Zeiten? Ich war kürzlich auf Kreta, mit meiner Liebsten, und nicht alle freuen sich über "Deutsche", können aber trennen zwischen Merkel und Demokraten, zumindest jenen, die sie nicht gewählt haben (also auch nicht die alte Tante SPD, dieses blöde Furzkissen, gefüllt mit zur Dummheit geronnenen Hörigkeit).

Was ich sagen will: Die Kreter sind herzlicher zu den deutschen Leistungsträgern als diese miteinander. Und die Infrastruktur funktioniert erstaunlich gut, besser als in Berlin zumindest. Aber Nazis gibt es auch dort. Was die Liebe nicht fortzuspülen vermag, bleibt halt übrig als Hass auf alle, die anders sind und kleiner und hilfloser. Deswegen mag ich Hunde nicht, die sind mir zu unkritisch und zu dumm. Vielleicht rührt daher die Liebe des Nazis zum Hund?

Würde man zum (Links-) Extremisten, man könne gar nicht so viel Munition besorgen, um all die Deppen von der Welt zu schießen. Vielleicht hülfe es aber, in Bildung zu investieren. Ich meine Herzensbildung, nicht industrienützliches Halbgarwissen. Letzteres ist nichts anderes als die Anerkennung oktroierter Standesdünkel und endet mit der vollständigen Vernuttung des Individuums. Dann: Orgasmen werden privatisiert und Sperma im Gesicht wird sozialisiert, so läuft es doch immer noch ab.

Doof genug: Jeder möchte einmal der sein, der spritzt. Niemand will der sein, der warten muss bis es dem Zuhälter kommt. Doch alle machen mit, weil sie hoffen, wenn sie einmal genug Sperma im Gesicht haben, dann sehen sie aus wie ihre Führer und würden auch zu ihnen werden. Merkel sieht aus, als habe sie Kartoffelsuppe im Gesicht. Wie es dazu kam, möchte ich gar nicht wissen. Aber Merkel ist ja auch nicht von dieser Welt. Sie ist aus dem Osten! Doch Obacht: Auf meine erste Staatsratsvorsitzende lass ich nichts kommen! Auf die nicht!

Jetzt ist es irgendwie mit mir durchgegangen. Das tut mal wieder gut! Eigentlich wollte ich mich ja nur mal melden und Dir gratulieren: 3600 Wähler können sich nicht irren?

Grüße,


Holz E. von Bald

Sonntag, 11. August 2013

Tolle Typen #2: Personalmangel: Angela Merkel (CDU) geht für Brandenburg an den Start!

Personalmangel in der CDU: Merkel springt in BraBu ein
Sie hat es nicht leicht: Die Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden, und ganz gegen ihre Gewohnheit gibt es sowas wie eine lästige Opposition, die mindestens so tut, als wolle sie ihr ans Leder. Trotz guter Umfragewerte muss die Kanzlerin umsichtig sein.

Doch wie soll das Land flächendeckend durch die CDU regiert werden? Es herrscht Personalmangel allenthalben. Viele mussten gehen oder ihr Ressort wechseln: Mappus, von und zu Guttenberg, Röttgen, F. J. Jung, Anette Schavan und Helmut Kohl sind schon weg, HP "Baxter" Friedrich wackelt bereits mit dem Hintern und auch sonst zittern alle vor der Grand Dame. Es wird eng. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht.

Da muss sie wohl selber ran. Einen großen Coup hat Merkel nun in Brandenburg gelandet. Weil dort die Listenplätze nicht vollständig besetzt werden konnten, springt sie nun unter dem Pseudonym Andrea Voßhoff (MdB) in die Bresche. Das obige Foto zeigt sie links (ohne Brille) auf dem Kanzlerinnen-Wahlkampfplakat und rechts bei der Verleihung eines Bundesverdienstgedöns (ohne Brille) an irgendwen im Bundestag als: Andrea Voßhoff.

So kennen wir sie, ganz praktisch veranlagt und mit viel Gespür für die Logisitk: Merkel kann gleichzeitig als Bundeskanzlerin für das Vaterland und für Brandenburg im Bundestag als Andrea "Booty la" Voßhoff die Seele baumeln lassen. Den Spitznamen hat sie weg: In ihrer Vita gibt sich Voßhoff/Merkel als Bootfahrerin und leidenschaftliche französische-Vokabeln-Lernerin aus. Sowas kann man nur erfinden und ist daher der Beweis für das doppelte Spiel von Merkel/Voßhoff.

Ob die beiden auch gemeinsam in Urlaub fahren, ist frühestens nach den Wahlen im September abzusehen. Keine Sorge: Bei doppeltem Gehalt als Bundekanzlerin und einfachem MdB für Brandenburg ist der ein oder andere Griechenlandaufenthalt drin. Und fällt wohl auch nicht auf. "Wo ist die Bundeskanzlerin/ Frau Voßhoff" ist eine recht selten benutzte Formel im Bundestag.

Nur eine Frage der Zeit, bis Merkel ihr eigenes Kabinett komplett selbst stellt. Bis dahin heißt es allerdings: üben, üben, üben! Und sich nicht erwischen lassen. Wenigstens optisch sollten sich die beiden Kunstfiguren voneinander unterscheiden. Doch Chapeau, Frau Merkel/Voßhoff: Ein Team in (Personal-)Union! Das muss man Ihnen erstmal nachmachen. Gemeinsam erfolgreich eben!

Freitag, 23. Dezember 2011

Zu Gast bei: Gottschalk! Heute Kinder wird's was geben, tralalalala tralalala!

kriegswichtig: eine Plattform
Thomas Gottschalk: Servus allerseits, herzlich willkommen zu mir und meiner neuen Show, eine kleine Show zum Talken, haha, und zum Talken lade ich kleine Menschlein ein, so wie vorher schon, nur dass die sich nicht, oder nur im wortwörtlichen Sinne, das Rückgrat brechen können. Als meinen ersten Gast haben ich den Herrn Bold eingeladen, einen mäßig erfolgreichen Blogger, der sich nur allzugern entmutigen lässt. Guten Tag, mein Lieber.  

Herr Bold: Mein Name ist Holz E. von Bald.

Thomas Gottschalk: Na wie auch immer. Herr Bold, wie geht's, wie steht's?

Holz E. von Bald: Nehmen Sie bitte die Hand von meinem Knie...

TG: Mein Lieber, Sie - ich darf doch Du sagen? - Du bist...

HEvB: ... Sie dürfen nicht...

TG: ... Du bist also ein sogenannter Blogger und träumst bestimmt vom Umsturz des, ähhh, Systems, nicht wahr?

HEvB: Nein, eigentlich träume ich nicht vom Umsturz. Ich finde, es passt alles so, wie's jetzt ist.

TG: Wie jetzt?

HEvB: Na, 's ist alles knorke, so wie's ist.

TG: Entschuldige mal, das klingt in Deinem Blog aber ganz anders, mein Lieber. Salopp gesagt, kotzt Du ja so richtig ab. Ich hätte jetzt mehr Skandal erwartet, unsere Freunde vorm Fernseher wollen's so, gelle?

HEvB: Naja, das mit dem Abkotzen, das ist nur so ein Stilmittel. Grundsätzlich aber finde ich, dass alles in Ordnung ist.

TG: Und mit dem lieben Herrn Bundespräsidenten Wulff zum Bleistift hast Du auch keine Probleme?

HEvB: Nehmen Sie bitte endlich die Hand von meinem Knie... Der Herr Wulff, der macht das schon richtig. Schließlich ist er der oberste Repräsentant der BRD. Ihn zu beklagen hieße, das Amt des Bundespräsidenten in Verruf zu bringen...

TG: ... sehe ich ganz genau so...

HEvB: ... und seine Funktion ist ja auch, die Verhältnisse innerhalb der BRD zu repräsentieren. Endlich ein BuPrä, der als moralische Instanz auch wirklich nachlebt, was ihm vorgelebt wird.

TG: Häh?

HEvB: Nun, wenn Politik nach außen hin wie ein Selbstbedienungsladen wirkt, dann muss der BuPrä dies auch repräsentieren. Er repräsentiert genau genommen eine Bananenrepublik, und wir alle sollten uns ein Beispiel an seinem Verhalten nehmen.

TG: Das musst Du aber mal kurz erläutern...

HEvB: Gerne! Unsere Regierungskoalition ist mit dem Versprechen einer totalen Transparenz angetreten. Und ich finde, sie hat Wort gehalten. Transparency International hat keinen Grund zur Klage. Denn es ist überdeutlich, wem was zu Gute kommt und wofür. Ich erinnere da nur an die Senkung der Umsatzsteuer für Hotels. Oder die Bankenrettung. Oder die Abwrackprämie. Oder zuletzt der ESFS - auch wieder für die Banken. Da nimmt man kein Blatt vor den Mund. In diesem Sinne ist es auch folgerichtig, wenn die Verfehlungen einzelner Politikerinnen und Politiker benannt werden und auch sofort auch wieder verziehen werden. Das ist ein grundkatholischer Verhaltenskodex. Nur dass es hier nicht um Schuld, sondern um Fehler geht...

TG: Das ist mir eigentlich schon genug an Erläuterung, vielen Dank auch, mein Lieber, war schön, dass Du da warst und...

HEvB: ... von Guttenberg und Wulff, die sagen ja auch ganz offen, dass sie Fehler gemacht haben. Und da kann man sich doch auch als Bürger überlegen, ob man ja auch selber mal Fehler machen kann, und dann wird einem vielleicht auch verziehen, so nach ein paar Jahren Knast, da ist man dann ganz geläutert und rehabilitiert, während andere wiederum habilitieren. Oder wie ein Freund gemeint hat: "Entschuldigung, das mit dem unbezahlten Fernseher unterm Arm, das ist ein großer Fehler, aber Sie können mir glauben, wenn ich ihn wirklich hätte stehlen wollen, dann hätte ich es klüger angestellt." Man kann also niemandem mehr eine Absicht unterstellen. Wir alle sind Mängelwesen, und niemand lebt uns das besser vor als unsere Politikerinnen und Politiker. Wir sollten alle ihrem Beispiel folgen!

TG: Also willst Du sowas wie griechische Verhältnisse in Deutschland?

HEvB: Ach was, die Griechen. Die sind doch ganz arm dran. Die sind doch nur der Blitzableiter für all das, was bei uns nicht funktioniert. Es verhält sich doch so, wenn ich in einem Bild sprechen darf: Wenn zu uns nach Hause ein Handwerker kommt und alles noch viel schlimmer macht, als es vorher war, dann regen wir uns erst über den Handwerker auf. Wenn aber der Handwerker sagt, ja Entschuldigung, da habe ich wohl einen Fehler gemacht, dann freuen wir uns, dass er den offensichtlichen Fehler zugibt. Ist ja selten heutzutage. Wenn er dann noch über die faulen Griechen, Spanier, Portugiesen herzieht und behauptet, einer von denen wäre erst gar nicht bei uns vorbeigekommen, um die Sache in den Sand zu setzen, dann klopfen wir ihm auf die Schulter, bedanken uns bei ihm und geben ihm noch ein Trinkgeld für die Mühe.

TG: Du zeichnest jetzt aber gerade ein trübes Bild von der Intelligenz unserer Zuschauerinnen und Zuschauer, denen ich jetzt mal lächelnd zuwinke. Das ist nicht sehr nett vom Herrn Bold, gelle?

HEvB: Aber die Griechen sind viel schlimmer... oder gar die Spanier...

TG: Ach ja, stimmt. Die sollten lieber mehr arbeiten und weniger feiern und tanzen. Ich habe Dir unrecht getan, mein Lieber! Entschuldigung. Hier hast Du fünf Euro...

HEvB:  Danke.

TG: Wo waren wir gleich stehen geblieben?

HEvB: Dort, wo die Bundesrepublikaner sich nur zu gerne ablenken lassen vom Ungeschick oder Unvermögen ihrer politischen Führer. Übrigens zeigen sie ein historisch einzigartiges Verhalten...

TG: ... das da wäre?

HEvB: Nun, die Bundesrepublikaner glauben tief in der Scheiße zu stecken. Und da steht dann einer am Rand der Güllegrube und reicht uns die Hand. Wir greifen die Hand und, das ist das Besond're, ziehen mit vereinter Kraft den anderen zu uns in unsere Scheiße hinab. Vernünftige Menschen würden versuchen, da raus zu kommen und sich hernach die Gülle von der Kleidung zu klopfen. Wir nicht! Wir wollen, dass es den anderen genauso schlecht geht wie uns. Das nennen wir dann Stabilität.

TG: Ich weiß nicht, diese Ausdrücke, mein Lieber: Stabilität? Gülle? Liebe Freunde vorm Fernseher, der Herr Bold, das ist schon einer, gelle... Deswegen machen wir jetzt auch gleich Schluss, wenn wir noch gehört haben, was Herr Bold uns zu tun rät?

HEvB: Wir müssen uns ein Beispiel an den Würdenträgern der Politik und der Wirtschaft nehmen: Wir müssen zuerst unsere moralische Integrität über Bord werfen, dann alles grabschen was uns in die Finger gerät und völlig schuldunbewusst Fehler eingestehen, wenn man uns dabei erwischt. Das ist menschlich, das ist katholisch. Das ist Banane, und das wiederum ist unsere Republik. Papa Schlumpf möge uns beistehen und unserer Seele gnädig sein!

TG: Na, mein Lieber, das war jetzt aber starker Tobak. Trotzdem schön, dass Du da warst, gelle? Dann mal servus, und wir begrüßen auch gleich den nächsten Gast, er ist Justitiar...

RonJustice: ... ähhh, nicht wirklich...

TG: ... ach, macht doch nix, mein Lieber... Ich darf Dich doch duzen, oder?

Mittwoch, 10. August 2011

Wer Geist hat, geht auf den Geist! Ein Stück Mauer für Helmut Kohl!

Macht kaputt was Euch kaputtmacht!
So viel passiert, und man verliert eigentlich die Lust, zu kommentieren und zu lamentieren. Kopf tut weh vor lauter Ungemach. In Großbritannien brennen die Städte, und Premier Cameron hat nichts besseres zu tun, als ganze soziale Klassen zu denunzieren und noch dazu die Strafmündigkeit verbal auszuhebeln: Wer alt genug ist, Straftaten zu begehen, ist auch alt genug, um bestraft zu werden!

Dies war so ähnlich gerichtet an minderjährige Chaoten. Drakonische Strafen aussprechen gegen die Bevölkerung, die aus irgendwelchen verdammten Gründen sofort ausrastet, wenn mal wieder ein mutmaßlicher Gelegenheitsdealer von Polizisten erschossen wird. Obwohl: Laut Aussage beiwohnender Cops habe dieser zuerst geschossen. Gut, dass Polizisten immer gänzlich objektiv und sachlich die Wahrheit erzählen. Offiziell. Aber die Reaktion Camerons: Ist sie nicht entlehnt von den Gaddafis, al-Assads und Sarkozys dieser Welt? Niederknüppeln statt verändern! Traurig, das! Zumindest lenkt das ab von der Sache mit dem Murdoch und seiner gammeligen NOTW.

Vielleicht liegt es am an sich friedvollen Islam, dass die Proteste der nordafrikanischen Bevölkerung weitgehend friedlich bleiben, zumindest solange sich das Militär des jeweiligen Regimes zurückhält. Ganz anders in den säkulären Staaten des Westens, in denen sich die ganze Wut der in die kapitalistische Freiheit entlassenen Prekären von Fall zu Fall und dann wuchtig äußert. Dann brennen Städte und die Wohlhabenden wundert's, warum der Mob nicht mit der Wohlfahrt und der ganzen verdammten Meinungsfreiheit zufrieden ist. Apolitisch ist's noch dazu, wenn die sich doch wenigstens politisieren würden, aber so?

Reiner Krawall und pure Zerstörungslust. In Griechenland ist's etwas mehr als nur Krawall und pure Zerstörungslust. Das ist schon ein bisserl politisch. Aber da ist's dann auch nicht recht, weil, was will Griechenland schon machen? Es ist halt so wie's ist, und da kann der Grieche an sich auch nichts mehr dran rütteln. Kann er tun und machen und schreien und krakeeln. Der Grieche muss sich halt mal zusammen nehmen und auch etwas zurückstecken und nicht mehr ganz so viel feiern, singen und tanzen, sondern endlich anpacken und für weniger Geld mehr arbeiten. So wie's die Deutschen schon seit Jahrzehnten vorgemacht haben. Krieg verloren und trotzdem reich!

Wenn's die Griechen richtig machen, dann exportieren die ihre Sachen bald so günstig in die Bunzreplik Deutschland, dass die Leute dort zuerst ihren eigenen Kram nicht mehr kaufen wollen und hinterher nicht mehr können, und dann ist Griechenland der Exportweltmeister und die Bunzreplik Deutschland geht pleite, weil deren billiger Schrott dann sogar teurer ist als der griechische Schrott, und aus Export- wird Importweltmeister und aus Waren werden Ladenhüter. Die Bunzreplik wird in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft und braucht einen Rettungsschirm. Den kriegt sie aber nicht, weil sie ihn ja verboten hat, aber wer weiß schon ganz Genaues?

Vielleicht gibt's dann ja auch mal so richtig Krawall in der Bunzreplik, wobei die weiße Bevölkerung mit christlichem Hintergrund bestimmt jemanden findet, der Schuld ist, und irgendwelche Politiker sagen dann ja auch: die sind schuld, nicht wir! Und DIE, das sind immer welche, die garantiert nicht schuld sind, aber bei denen es leichter ist, ihnen die Schuld zuzuweisen, weil die Schwachen einfach viel besser Schuld sind als die Starken, und die Starken gar nicht Schuld sein können, weil sie, nun ja, sie können's einfach nicht gewesen sein. Sie leisten doch auch so unendlich viel!

Im Gegensatz zu den Schwachen, die schuften und sie schuften und kommen auf keinen grünen Zweig, die machen es halt verkehrt, so verkehrt geht es nimmer. Die Reichen machen es richtig, sonst wären sie nicht reich! Die Armen machen es falsch, sonst wären sie nicht arm. Debatte beendet, Sozialstaat abgeschafft! Arme bleiben arm, oder sie machen's endlich richtig und werden auch so reich wie die, die's richtig machen. Möchte man aber in so einer Welt leben, wo's alle richtig machen und keiner falsch? In einer Welt, in der alle gleich reich sind, sind auch alle gleich arm. So ist's und nicht anders!

Deswegen gibt's hier keine Aufstände, schon allein, weil die Sozialhilfe hier so gut, besser als anderswo zumindest, ist und keiner verhungern muss, zumindest materiell nicht, aber der Geist spielt ja keine Rolle hier in der Bunzreplik. Wer Geist hat, geht auf den Geist. Wer Geist hat, kommt in die Anstalt. Wer seinen Geist lähmen kann, wird Politiker. Oder Polizist. Oder Manager bei EON. Dann kann man klagen, dass der Atomausstieg, der lange geplant war und dem man vor Kurzem noch entronnen ist, nun doch noch (oder wieder - scheiß Fukushima (oder wie das gleich noch heißt)) kommt, und man sich leider verrechnet hat und nicht vorgesorgt hat in vernünftige Energiequellen, ach es ist ein Leid und ein Jammer!

Oder werden Sie doch persönlicher Ansprechpartner im Jobcenter: Dann kann man, selber geistesgelähmt, von anderen Menschen verlangen, dass die ebenfalls ihren Geist lähmen sollen. Das heißt dann, Hilfsbedürftige für den Arbeitsmarkt fit gefügig machen. Dazu zeigt man denen erst mal, wie man lange in der Schlange stehen kann, ohne tot umzufallen und seitenlange Anträge auszufüllen, immer wieder und wieder, um am Ende leseschwachen Sachbearbeitern mit Dyskalkulie ausgeliefert zu sein, die einfachste mathematische Prozesse nicht ausführen können und ihr perönliches Unglück an ihren Kunden auslassen. So sieht's aus!

Andere lähmen ihren Geist und ertränken ihn hernach in Sülze, werden dann Bunzkanstler oder später sogar Ex-Bunzkanstler, wie das Pfälzer Original Helmut Kohl, der von seinem Titten- und Pieselfreund Kai "die Schmalzlocke" Diekmann ein Stück der Berliner Mauer geschenkt bekommen hat, das ab sofort und nun im Garten seines Oggersheimer Anwesens prachtet. Dies zwar nicht zum Jahrestag des Mauerfalls, wohl aber dem des Mauerbaus.

Blühende Landschaften im Garten des greisen Königs des Ostens, mit einem importierten Mahnmal mittendrin. Dabei war Bunzkanstler Kohl gar nicht verantwortlich für den Mauerbau, wohl aber macht er sich selbst verantwortlich für den Fall derselben. Das stimmt so aber gar nicht: Die Sowjetunion war einfach pleite und konnte sich die DDR nicht mehr leisten. Da hat sie die DDR einfach an den Westen verkauft. Macht aber nichts, man soll alten Leuten nicht den Glauben an ihr Lebenswerk nehmen, egal wie konstruiert und verlogen es ist.

Kohl war jedenfalls ob des Geschenks gerührt (hier...) und mag sich gedacht haben: ach, ich weiß nicht was er sich gedacht haben mag, aber es hat gewiss irgendwas mit seiner verstorbenen Frau Hannelore zu tun und einem lichtdurchfluteten Küchenfenster, dem eine Mauer gut... egal. Gut ist dieses Geschenk auch für Roger Waters, der sein Machwerk "The Wall", dass eigentlich gar nichts mit der Berliner Mauer zu tun hat, nun nicht nur in Berlin, sondern auch in Oggersheim aufführen kann, Und weil der Herr Rogers auch die Gaza-Flotte unterstützt, kann er sein Stück im Grunde sogar an der israelischen Mauer in Palästina aufführen, er kann aber demnächst auch die griechische Mauer zur Türkei bespielen. Der Herr Waters, der ist einer, der's richtig macht!

Das ist jetzt aber Politik, und in Berlin wird bald wieder gewählt. Wer die Wahlplakate gesehen hat, ist depressiv verstimmt und wendet sich an die kassenärztliche Vereinigung. Wen dies aggressiv-depressiv stimmt, wird aktiv werden müssen und die bis zu vier Plakate pro Straßenlaterne abfackeln wollen statt vorher nur die unpolitischen, aber völlig überflüssigen KFZ. Mit etwas Glück fallen die brennenden Plakate auf die darunter stehenden Autos und tun Gutes. Da fällt mir gleich das Märchen vom tapferen Schneiderlein ein. Wenn das Märchen zu Ende erzählt ist, fallen mir die Äuglein zu und ich beginne zu träumen von Dingen, die die Welt noch nicht kennt und doch besser beraten wäre, dies zu tun.

Gute Nacht, liebe Kinder, gebt fein acht!

P.S. mit Dank an RonJustice für die Inspiration!

Dienstag, 19. Juli 2011

Demokratieverdrossene Politiker und the Rise of the Bierdeckelanarchie! Das Eichhörnchen ist der Antichrist im Sozialismus!

So, liebe Kinder, jetzt gibt es etwas Staatsbürgerkunde. Ich weiß, meistens nutzt das gar nichts, wie wir an unseren älteren Brüderinnen und Brüder aus den neuen Bundesländern immer wieder sehen können. Denn schließlich mussten die alle in der Schule ihren Marx lesen und hätten erkennen müssen, dass der real existierende Sozialismus überhaupt nichts oder nur ganz wenig mit dessen Gesellschaftsvision zu tun hatte. Hatten sie aber nicht!

Ich war sehr traurig, als die Jubeldeutschen aus dem Osten nach der sogenannten friedlichen Revolution die Marxstatuen niederrissen. Der olle Marx konnte doch nichts dafür, was die Staatslenker der DDR aus seiner Idee gemacht hatten. Das ist ja so, als würde man alle Platten seines Lieblingsmusikers verbrennen, bloß weil irgendein Dummbeutel eine schlechte Coverversion aus einem sonst tollen Lied gemacht hat.

Der Kommunismus ist jedenfalls eine tolle Idee, und den Sozialismus hat schon Jesus von Nazareth erfunden. Oder so ähnlich. Der Sozialismus setzt, ähnlich wie die Nächstenliebe, eine besondere Reife im Menschen voraus. Im Grunde ist das Eichhörnchen als hortender Einzelgänger der Antichrist im Sozialismus. Gefragt ist hingegen der gemeinschaftliche Broterwerb bei Unterlassung jedweder Egotrips. Dass macht den Sozialismus auf jeden Fall besser als den Kapitalismus, der ja auch schon streng riecht und immer mal wieder ohnmächtig wird.

Nun, jetzt wird es etwas knifflig, weil ich zwei grundverschiedene Wirtschaftsformen mit diversen Staatsformen vergleichen möchte, was aber eigentlich nicht erlaubt ist. Das ist sozusagen der sogenannte Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ich versuche es trotzdem, weil: Die DDR hätte durchaus, trotz Sozialismus, demokratisch, also so richtig, nicht nur halb, sein können. Auch eine Diktatur oder eine Kleptokratie kann kapitalistisch sein. Griechenland hat innerhalb von 50 Jahren beides bewiesen.

Die Bundesrepublik Deutschland, nun kommen wir zum Staatskundeunterricht, hat die Staatsform der parlamentarischen Demokratie inklusive Kapitalismus-Verdikt. Das bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger des betreffenden Staates ihre parteilosen oder parteigebundenen Vertreter in der Kommune, im Bundesland und in der Republik wählen. Diese gewählten Personen nennen sich Politikerinnen und Politiker und haben meistens nichts anderes gelernt als zu reden und die anderen Politikerinnen und Politiker zu beschimpfen und der Lüge zu bezichtigen.

Wie der Islam gilt die parlamentarische Demokratie als ein zu exportierendes Kulturgut. Zumindest war das früher einmal so. Bei der Anerkennung einer Nation stand eine demokratische Verfassung, zumindest aus bundesdeutscher Sicht, stets im Vordergrund des Interesses. Nun aber regiert uns die CDU mit einer Kanzlerin, die früher Staatsratsvorsitzende in der pseudodemokratischen DDR war.

Seitdem wird keine Demokratie mehr exportiert, sondern nur noch Rüstungsgut oder andere Sachen, die die Welt nicht wirklich braucht, in Länder, die eigentlich auch niemand braucht. Dorthin wird trotzdem zu unschlagbar günstigen Preisen, (made in Germany!) verkauft. Die Wirtschaftsform hat die Staatsform verdrängt. Und da die jeweilige Politik immer auch absolut alternativlos ist, kann man gut und gerne sagen, dass sich die Demokratie hierzulande abschafft. Denn die Demokratie lebt von der Alternative. Ohne sie ist sie unbrauchbar.

Wenn also selbst die Politikerinnen und Politiker demokratieverdrossen sind und alles tun, um demokratische Prozesse zu umgehen, und die Wählerinnen und Wähler großteils nicht mehr zur Wahl gehen, dann sollte man einmal, leise wenigstens, die Systemfrage stellen. Wo wollen wir also hin?

Zurück zu charismatischen Führerfiguren, die immer auch Blender sind (z. B. KT von Guttenberg, Hitler u. dgl.) wollen wohl einige, doch gottlob nicht die Mehrheit. Die Vertreter der Industrie und Arbeitgeberverbände sehnen sich nach einer Rückkehr zum Feudalismus, haben aber zu großen Respekt durch Anschauungsmaterial aus Nordafrika, Griechenland oder Spanien bekommen, um noch unverschämter werden zu können, als sie ohnehin schon sind. Der Sozialismus ist leider auf ewig verseucht, man findet wirklich kaum noch jemanden, der die Gleichung DDR resp. UDSSR  = Sozialismus resp. Kommunismus aufzulösen in der Lage ist.

Dann bleibt ja nur noch die gute, alte Anarchie. Nicht die Bierdeckelanarchie der Dorfpunks, die lediglich den Berufsstand des Polizisten verdrängen möchte. Nein, die klassische, die altgriechische Variante, die vom Menschen die allergrößte Reife verlangt, die man sich nur vorstellen kann: herrschaftsfrei zu walten und nicht trotzdem, sondern deswegen, Chaos und Ungerechtigkeit zu vermeiden. Aus sich heraus wirken, nach dem Motto: Was Du nicht willst was man Dir tue, das füg' auch keinem ander'n zu! Eine Gesellschaft gegenseitigen Einverständnisses.

Jaja, jetzt hör' ich manche wieder unken: Das klappt doch nie, dafür ist der Mensch nämlich gar nicht gemacht! Er ist viel eher ungut, korrupt und ein Biest, das lieber mordet als teilt! Dann sage ich: Man soll nicht immer von sich ausgehen, wenn man andere beurteilen will. Man muss zudem auch an das Gute glauben, um Gutes tun zu können. Außerdem ist eine Idee oder eine Vision zu haben immer noch besser, als vor lauter Alternativlosigkeit den Kopf in den Sand zu stecken! Das lasst Euch mal gesagt sein!

P.S. Es ist wie's ist und wie es war, deswegen bleibt's so immerdar!

Samstag, 29. Mai 2010

Der Zahlmeister der EU! Sogar der Grand Prix de Eurovision will unser Bestes!

Vom unternehmerischen Standpunkt betrachtet sind Einnahmen immer dann vorhanden, wenn nichts ausgegeben wird. Geld, das der Unternehmer nicht ausgibt, ist also immer auch eingenommenes Geld. Das widerspricht eklatant dem fiskalischen Gedanken, der davon ausgeht, dass nicht ausgegebenes Geld im Prinzip überflüssiges Geld sei und von daher dem Staat überantwortet werden müsste. Ist es bei dieser Unvereinbarkeit beider Prinzipien nicht verständlich, wenn sich Unternehmer winden, um etwaigen Zahlungen zu entgehen? Sind Fiskus und Unternehmer nicht jeweils Teil einer destruktiven Beziehungsform? Wer von beiden muss deswegen zur Therapie?

Da hat sich der Staat geleistet, dem hoch verschuldeten Griechenland 22 Milliarden Euro zu leihen. Unternehmer, Adelige und Leserreporter laufen Sturm. Das Geld bekomme man nicht mehr zurück, damit hätte man Besseres anfangen können. Steuererleichterungen für die einen, und höhere Löhne für das Prekariat. Selten so gelacht! Seit wann wird Geld direkt an die Bevölkerung ausgeschüttet? Der Staat hat ja nie das Geld für Bildung, Infrastruktur und soziale Gerechtigkeit. Wenn Banken ihr Geld in den Sand setzen, dann gibt es dann doch noch irgendwo lumpige 400 Milliarden Euro. Wenn es aber um verliehenes Geld geht, dass wir nie wieder sehen, dann ist das für Griechenland nur ein Peanut gegen das für UNSERE Finanzmärkte. 

Zumal diese Milliarden ja auch nur dazu dienen, damit die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken zurückzahlen bzw. neue Kredite aufzunehmen können. Es fließt also alles wieder zurück. Zwar nicht an den Staat, der wir ja irgendwie auch alle sind. L'État c'est moi, sagen da unsere Politiker. Sie haben das demokratische Prinzip missverstanden. Und schon befinden wir uns in einer Dreiecksbeziehung, in der keiner glücklich werden kann. Der ungeeigneste Therapeut ist die Fußball-WM. Auch der GPI heute Abend mit Lena Schleyer-Landshut wird die Bundesrepublik nicht einen.

Die BRD, der Zahlmeister der EU: Er vergisst, wie sehr er selbst davon profitiert. Das meiste Geld fließt zurück. Schon mal überlegt, warum die Lebensmittel so günstig sind? Wo Ihr Arbeitgeber seine Projekte her hat? Wie unsere Bauern überleben können bei den Milchpreisen? Wohin die BRD so kostengünstig exportiert? Ich fand es bei meinem kürzlichen Besuch in Griechenland jedenfalls interessant, dass Milchprodukte, Softgetränke und Konfitüren fast ausschließlich in der BRD hergestellt wurden. Griechenland ist kein Exportweltmeister. Dass die Griechen ihre Ware nicht loswerden, liegt nicht an der ihnen unterstellten Faulheit: Ganz Europa schimpft mittlerweile auf die deutsche Exportpolitik und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft der Mitgliedsstaaten. Fast nirgendwo in Europa wird so billig hergestellt wie in der BRD. Da können andere Länder nicht mithalten. 

Zusammengerechnet also 422 Miliarden Euro für deutsche Banken sind beim Zahlmeister der EU trotzdem noch locker drin. Das ist eine ganze Menge Geld. Leider kam bisher keiner auf die Idee, dass man es auch für schöne Sachen ausgeben könnte. Mit dieser Summe könnte man zum Beispiel jedem Bundesbürger ein Jahr lang 500 Euro monatlich auszahlen. Und da sind noch nicht einmal jene Transfergelder drin, die die BRD ohnehin schon augibt. Man hätte endlich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen anfangen können. Das hätte die Konjunktur wieder zum Laufen gebracht. Phantasielose Menschen aber finden es richtiger, dieses Geld unseriösen Geschäftsleuten in den Rachen zu stopfen und der Allgemeinheit weitere Zumutungen zu prognostizieren.

Besonders schön sind die Ideen aus dem Hause FDP. Dort versucht man ja ohnehin den leisesten Ansatz gerechter Geldverteilung zurückzuschneiden. Genau betrachtet ist nämlich Harz IV ein Grundeinkommen, wenn auch nicht bedingungslos. Und eben diese FDP will nun den Langzeitarbeitslosen, quasi unser Ambivalent zu den Griechen, eine Wohnkostenpauschale aufdrücken. Harz IV- Empfänger tanzen bekanntlich den ganzen Tag und sind fröhlich, sie schlemmen Luxuslebensmittel und machen sich über die hart arbeitenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Republik lustig. Die bundesdeutsche Logik besagt nämlich folgendes: Wenn es arbeitenden Menschen schlechter geht als nicht arbeitenden, dann muss es Letzteren eben schlechter gehen. Keinesfalls kommt man aber auf die Idee, dass es lediglich den arbeitenden Menschen besser gehen müsste.

Und da schließt sich der Kreis: Der Staat hat mehr Einnahmen durch weniger Ausgaben erzielt. Diese eingesparten Gelder werden für den Schuldenabbau genutzt. Raten Sie mal, bei wem der Staat Schulden hat? Und deswegen tue ich mir gerade sehr schwer, meine Steuererklärung für das Jahr 2009 fertigzustellen. Denn ich weiß, dass ich dieses Mal nichts zurückbekomme, sondern Steuer zahlen muss. Der Staat bekommt also seinen Anteil an meinem Verdienst und zahlt damit wiederum seine Schulden. Mir aber scheint es um so viel einfacher zu sein, wenn das Geld gleich auf meinem Konto bliebe. Eine unschöne Zeitverschwendung: Arbeiten, um zu zahlen! Die FDP wird auch dieses System zu perfektionieren wissen.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Saufen, tanzen, streiken! Der Griechen Schuld am Untergang des Abendlandes!

Ja, so sind sie, die Griechen: Faulenzen den lieben langen Tag, und in der Nacht tanzen sie und trinken. Dabei verjubeln sie nicht etwa ihr eigenes Geld, nein, sie verjubeln das Geld der Ütschen. Die Ütschen finden das nicht toll, sie ärgern sich. Denn so sind sie, die Bewohner der BRD: Arbeiten den ganzen Tag und feiern nie, es sei denn, die ütsche Nationalmannschaft gewinnt einmal ein Spiel gegen so eine LoserNation.

Sollte die vorherrschende Meinung über die Griechen zutreffen, so sollten sich die Bürger der BRD hier mal ein Scheibchen abschneiden, statt ihnen griesgrämig jenen Spaß zu verbieten, den sie sich selber nicht gönnen. Wer ganz Europa vorschreiben möchte, wie es wirtschaften soll, der braucht dringend etwas Entspannung. Aber nein, richtig: Entspannung ist ganz schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Genauso übrigens wie jeder Streik.

Der Deutsche findet es unmöglich, dass in Griechenland derzeit gestreikt wird, sich sogar im Generalstreik befindet. Wenn es dem Staat doch schlecht geht, dann muss man auch mal was tun für den Staat und nicht motzen gegen den Staat oder sich sogar wehren gegen den Staat. Motzen ginge ja noch, sagt der Bundesdeutsche, macht er ja selber gerne mal, aber damit soll sich's haben im bundesdeutschen Land. Motzen schadet dem Wirtschaftsstandort jedenfalls nicht. So motzt der Deutsche und reckt danach den Hals wie ein stolzer Puter: Hui, jetzt hat er's denen da oben aber mal sowas von wieder gegeben!

Man blickt heuer nach Griechenland, bald nach Portugal und nach Spanien, alles Länder, in denen mehr getanzt und gefeiert wird als in Ütschland, und deswegen geht es denen auch so schlecht. Würden die so brav arbeiten wie es der bundesdeutsche Arbeitnehmer tut, dann ginge es betreffenden Ländern viel besser. Wie man gemeinhin weiß, führt Arbeit um der Arbeit willen zu mehr Wohlstand. Na gut, zunächst einmal nicht für die Arbeitnehmer. Aber irgendwann einmal auch für ihn, bestimmt! Jetzt warten die Ütschen bald dreissig Jahre seit Helmut Kohls rundem Tisch, dass alles besser wird, lange kann es also nicht mehr dauern.

Dass die Ütschen noch nicht profitiert haben vom ganzen Wohlstand, liegt aber auch immer an den blöden Zwischenfällen in der Welt und Zuständen intern: Dann machen mal die Banken schlapp, dann bekommen die Langzeitarbeitslosen Zucker in den Arsch geblasen. Irgendwas ist immer, warum es mit dem Wohlstand nicht klappt, und jetzt die Sache mit den Griechen...

Seltsamerweise werden immer nur Griechen herangezogen, die verhältnismäßig viel Geld verdienen, um zu verdeutlichen, wie gut es den Griechen geht. 90 Prozent von letzten Gehalt als Rente, da träumt freilich auch der Deutsche davon. Der Deutsche kriegt ja selber nicht den Hals voll. Er weiß aber auch, dass das nicht geht, von wegen Wirtschaftsstandort und so. Man nimmt selber nur zu gerne und kritisiert andere dafür. Mal sind's die griechischen, mal unsere Beamten. Beamte dürfen bei uns z. B. nicht streiken, haben ja auch gar keinen Grund dazu. Beamte verdienen überall auf der Welt das gleiche Geld, wie man weiß. Warum gehen dann die griechischen Beamten auf die Staße? Weil sie, genau wie jeder Deutsche, ihre Pfründe nicht verlieren wollen.

M., eine griechische Lehrerin, bekam monatlich netto 750 Euro heraus. Eine Wohnung in Athen konnte sie sich nicht leisten. Glücklicherweise hatte ihre Mutter noch ein Haus, in dem gerade noch ein Stockwerk für sie und ihren Bruder frei war. Die jungen Griechen verdienen weniger als Deutsche bei vergleichsweise höheren Lebenskosten. Sie zehren das Vermögen ihrer Eltern auf, wenn noch welches da ist. Bei vielen jedoch ist es mittlerweile so zerteilt, dass sie sich ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft machen müssen. Ist es ihre Schuld, dass Griechenland so hoch verschuldet ist?

Kann man ihnen vorwerfen, wenn sie sich gegen den aufgezwungenen Sparkurs wehren? Wenn von ihnen verlangt wird, den Gürtel noch enger zu schnallen, damit es ihnen irgendwann einmal besser geht. Da glauben doch selbst die Deutschen nicht dran. Und deshalb streiken sie, gehen auf die Straße und kämpfen. Viele mit friedlichen Mitteln, manche mit militanten. Dann sterben mitunter ein paar Menschen, und jeder ist zuviel, ich will nicht zynisch sein. Aber deshalb eine ganze Bewegung zu denunzieren wegen ein paar Idioten, genau das finde ich wiederum zynisch. Ich wünsche mir hier griechische Verhältnisse her.

Auf die Straße zu gehen ist eine urdemokratische Sache. In Deutschland wird nur marschiert, wenn es auch erlaubt ist. Zum 1. Mai z. B. Da dürfen die Ütschen Hand in Hand für eine gerechtere Arbeitswelt gehen. Natürlich nur, solange es dem Wirtschaftsstandort nicht schadet. Wenn sie wenigstens feiern könnten, die Deutschen. Aber auch dafür sind sie viel zu doof. Und ich lebe mittenmang unter ihnen und bin sogar einer davon. Manchmal schäme ich mich zu Tode.

Donnerstag, 4. März 2010

Modenamen und ihre Bedeutung für! Ja, für was eigentlich?

Wenn man nichts Besseres zu tun hat, als die ZEIT zu lesen, denkt man halt darüber nach, was da so drin steht und wundert sich auch so ein bisschen. Mein Arbeitgeber meint wahrscheinlich, ich hätte in der Tat Besseres zu tun als die ZEIT zu lesen, da ich mich nun bitte darum kümmern soll, ein Konzept in die Tasten zu hämmern, wobei ich die ja gar nicht in die Tasten hämmere, sondern AUF die Tasten IN das Notebook, noch genauer... ach lassen wir das.

Gerade kann ich aber gar nicht an einem Konzept arbeiten, weil ich zur ZEIT nämlich gar keines habe. Zurück also zur ZEIT: Modenamen sind Namen, die zu einer bestimmten Zeit in Mode waren. Wären sie immer schon modisch, könnten sie gar nicht Mode sein. Ein Paradox, welches die ZEIT nicht hilft aufzulösen in ihrer gar wundersamen Grafik namens "Konjunktur der Namen".

Sogleich fällt auf, dass einstige Modenamen wie Mandy, Candy oder Lt. Commander Data dort gar nicht auftauchen. Sonderbar, habe ich doch den Eindruck, dass beinahe alle 10-20jährigen einen dieser Namen tragen. Wohl aufgezählt aber sind die Unterschichten- Namen wie Jacqueline, Alina, Justin oder Marvin, samt und sonders aufgetreten nach der Wende und gar so schnell verwelkt wie eine Nelke in der Wüstensonne.

Was mich aber nun so tief bewegt an dieser Grafik, ist, dass die männlichen H- Namen (Heiko, Holger, Hans) die 80er gar nicht mehr erlebt haben. Und was ist mit Helmut, Horst und Heino? Nun, diese erscheinen dort erst gar nicht als Modenamen. Offenbar gibt es doch einen Gott. Nun aber trage ich einen dieser mir von meinen Eltern verpassten Namen, der zuletzt angeblich 1978 vergeben wurde, und den ich selber aus lauter Scham gar nicht mehr verwenden möchte.

Weswegen ich dem H. zwar mit Holz konsequenterweise treu geblieben bin, aber von dessen Rest ich mich entschieden distanziere, so sehr offizielle Stellen der Demokratie auch darauf beharren mögen, mich weiterhin dermaßen zu nennen. Ich könnte meinen Namen ja auch ändern lassen, also wirklich. Ich finde es unerträglich, dass im Ausweis überhaupt Vorname und Geschlecht verlangt wird: Ich finde, dass man/ frau Geschlecht und Vorname täglich wechseln dürfen sollte.

Zur eindeutigen Identifizierung bekommt man ja schließlich auch bald eine ID- Nummer vom Finanzamt. Mehr will der Staat doch gar nicht. Er will nur all unser Geld! Jedenfalls wäre es dann auch viel einfacher für eine Frau, einen tollen Job zu bekommen, da sie sich ja notfalls einen Männernamen geben könnte. Und für Männer wären nun Schwangerschaft und Mutterschutz möglich! Einen Nachteil hat das: Er/ Sie wäre Mutter und Vater zugleich und könnte sich nicht wirklich aus der Verantwortung stehlen.

Doch was sind denn nun die Modenamen dieser unübersichtlichen ZEIT? Es sind jene Namen aus den ökologisch und politisch korrekten Milieus einer spätberufenen Elternschaft, bei deren Nennung man sofort spätere Erwachsene mit ausgewachsener Neurose oder ordentlichem Trauma beim Therapeuten sitzen sieht, weil deren Eltern ihre Zeit damit verplempert haben, bei Amazon ganze Bücherwände der allerrichtigsten Erziehungsratgeber zu kaufen und ansonsten Erziehung durch einen Terminkalender für ihre Kinder ersetzen.

Noch so ein langer Satz gefällig? Bitte sehr:

Es sind die Namen jener Kinder, die mit drei Jahren mit ihren Eltern bereits die Kosten-Nutzen-Diskussion um eine Spielkonsole austragen und gewinnen können, deren Eltern immer gefasst und daher nie authentisch sind, die ihre wirklichen Gefühle also niemals zeigen, um das Kind nicht zu verletzen, was aber gerade deshalb ungemein grausam ist, die wahrscheinlich gar nicht wissen um ihre Grausamkeit, aber umso mehr um ihre Bildung, und deshalb ihren Kindern Namen geben wie:

Nele, Niklas, Paul, Philip, Elias, Emilia, Emma, Lennard, Anna usw. Durchaus schöne Namen also. Hoffen wir mal, dass die Behauptungen über Bildungsbürgereltern im Vorfeld reine Erfindung sind! Und hoffen wir ebenso, dass meine Eltern ein Schuldbewusstsein bezüglich meiner Namensgebung entwickelt haben. So, und jetzt heran ans Konzept! Ei wo bisse denn? Kommsu her, na? Nukommscho, Konzepti, hallöle? Weissu: Morgen und dann noch ein Tag, dann fliege ich nach Griechenland! Bleibsu halt weg!
P.S. Haben Sie gemerkt, wie im vorletzten Abschnitt ganz zufälligst Subjekt und Objekt die Plätze getauscht haben?
P.P.S. Ich nenne das Redundanz
P.P.P.S. Sie nennen das wahrscheinlich "grammatiklaisch nicht korrekt"
P.P.P.P.S. Ich nenne das "grammatikalisch nicht korrekt"
P.P.P.P.P.S. aber trotzdem irre redundant
P.P.P.P.P.P.S. super Ausrede was?