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Freitag, 20. Mai 2011

Ein Reiseführer durch Sardinien (Teil 3): Meine goldrichtige Einstellung zum Auto!

Nicht mehr gefährlich = gut!
Ich habe ein schwer gestörtes Verhältnis zu Autos. Ich kann kaum an Autos denken, ohne dass sie vor meinem inneren Auge ordentlich brennen oder wenigstens irgendwo vor sich hinrosten. Nur so kann ich sie ertragen. Autofahren ist die dümmste und ödeste Art der Fortbewegung. Man sieht nur Autos vor sich und Autos neben sich, alles Feinde, und dazu gibt es etwas Gewürm, das überfahren werden muss wie in einem dieser alten Computerspiele: Radfahrer und die Fußgänger, die Baader-Meinhof-Bande des modernen Stadtverkehrs!

Nun gut, die RAF war irgendwie sexy, die Terroristen hatten wenigstens etwas Glamour, was man von Autofahrern nicht gerade behaupten kann. Autofahren ist so ziemlich das stil- und würdeloseste, was man auf Erden tun kann. Wer etwas auf sich hält, der fährt wenigstens nicht selber, sondern lässt sich von Professionellen fahren. Chauffeure und Taxifahrer sind zwar ähnlich gesellschaftliche Parias wie zum Beispiel Politessen und Parkwächter, doch sind sie trotz ihrer bornierten "ich-kann-besser-fahren-als-alle-deswegen-habe-ich-das-recht-alle-anderen-zu-töten"- Art irgendwie nützlich: Während sie sich fluchend durch den Verkehr wurschteln, kann man hinten bequem die Zeitung lesen. Getönte Scheiben sind Voraussetzung, damit man das Elend auf den Straßen nicht sehen muss.

Im Grunde kann ich mir das aber gar nicht leisten. Ich fahre deshalb Rad. Oder ich gehe zu Fuß. Damit bin ich nicht ausschließlich an die von KFZ okkupierten Straßen gebunden, sondern kann auch mal durch den Park saußen oder am Ufer entlang. Die Welt ist am schönsten dort, wo es keine fahrenden Autos gibt, und die stehenden irgenwie verkohlt sind und schon kleine Bäume aus dem zerbeulten Kofferraum wachsen. Auf den Straßen ist es sehr gefährlich für Fußgänger und Radfahrer. Deswegen sollte man lieber behut- und achtsam die Gehwege nutzen. Wenn mich ein Polizist anspricht, weil ich wieder mal auf dem Bürgersteig radele, dann gibt es zwei, nein drei Antworten, die jedoch nichts bringen:

Wie? Zu den Idioten? Auf die Straße? Ich bin doch nicht lebensmüde! Oder: Herr Wachtmeister, Sie sind gut! Wo soll denn hier eine Straße sein? Meinen Sie vielleicht diese lose nebeneinander gelegten Steine? Fünf Meter fahre ich darauf, und dann habe ich eine Gehirnerschütterung! Oder: Schieben, Herr Wachtmeister? Ein Fahrrad ist doch nicht zum Schieben gemacht. Apropos: Es gibt ja die lustigen Baustellen, an denen ein Schild steht mit der Aufschrift: Radfahrer absteigen und schieben! Jemand mit Verstand hat darunter gekritzelt: Autofahrer aussteigen und schieben! It is a car's world...

Die Welt ist gemacht von Autofahrern für Autofahrer. Wer an Baumärkten oder andernorts einmal versucht hat, sein Fahrrad an den dafür vorgesehenen Fahrradständern zu befestigen, der weiß, was ich meine. Die "deutsche" Ingenieurskunst konstruiert ausschließlich Fahrradständer, die für anständige Bereifung zu schmal sind, außerdem sind die Radabstände zu eng gewählt, dass sowieso nur jede zweite Möglichkeit genutzt werden kann. Und zuguterletzt kann man nur das Vorderrad fest anschließen. Die einzig durchdachte Komponente ist die Tatsache, dass die im Baumarkt einkaufenden Autofahrer nicht dazu neigen, ein Fahrrad zu klauen. Lieber fahren sie nur leicht drüber, sodass sich die Räder verbiegen.

Als soziale Gruppe betrachtet sind Autofahrer unglaulich boshaft, leichtfertig und rechthaberisch. Niemand kann so wirkkräftig seine fälschlich angenommene Vorfahrt verteidigen wie ein Autofahrer. Niemand sonst kann so gehässig und mit Freude nah am Fußgänger oder Radfahrer durch Pfützen fahren. Sie sind wie der fiese 10jährige, der die kleinen Kinder auf dem Spielplatz verkloppt. Vielleicht trifft es auch das Bild vom bewaffneten Jäger, der arglose Tiere abknallt. Nicht etwa weil er Hunger hat. Da hätte er ja noch Interesse am Wild. Nein: er knallt sie ab, weil sein narzistischer Trieb durch sein Überlegenheitsgefühl befriedigt wird.

Auf Sardinien fährt wirklich JEDER Auto. Wahrscheinlich ist das notwendig, denn die Straßen bieten kaum eine Möglichkeit für Fußgänger. Unsere Wirtin meinte, sie habe echte Probleme, den Kinderwagen sicher von A nach B zu bringen. Auch sind die Distanzen zwischen den einzelnen Städtchen zu groß: Nicht, dass ich keine 10km laufen kann. Doch über weite Strecken gibt es auf den Landstraßen keinen Straßenrand, auf dem man gehen könnte. Die Sarden sind gleichermaßen rücksichtsvoll und leichfertig. Sie rasen durch die Straßen, fahren aber vorsichtig durch die Wasserpfützen. Das ist nett und hat nur manchmal Todesopfer zur Folge: Vor kurzem sei ein alter Mann überfahren worden. Der Fahrer habe ihn nicht gesehen, weil er so dünn war. Für den Erzähler dieser Story schien dies den Fahrer von seiner Schuld zu entlasten. Da konnte man halt nichts machen: zu dünn!

Aufgrund dieser Situation haben C. und ich uns dazu durchgerungen, ebenfalls ein Auto zu mieten. Ich schäme mich sehr! Doch die Busverbindungen waren zu schlecht, um die Insel auf diese Art zu erkunden. Aber ich finde, dass 400km in 10 Tagen nicht zuviel sind, wenn man bedenkt, dass die Rückfahrt zum Flughafen schon 160km betrug. Ich fahre nunmal nicht gerne. Ich finde meine Einstellung zu Autos jedenfalls goldrichtig.

Im Urlaub fotografiere ich eigentlich nur zwei Dinge: Blumen und Autos, die in der Landschaft zum verrotten abgestellt wurden. Man wird auf Malta oder in Griechenland, aber auch in der Türkei, leicht fündig. Dies finde ich sehr ästhetisch: Das Auto, endlich nicht mehr gegen Mensch und Natur gerichtet, sondern im Einklang mit der Welt. Die Natur überwuchert das Auto und vergibt ihm seine Schuld. Man könnte sagen, dass ich Autos erst lieben kann, wenn sie ihren Zweck überdauert haben und keinen Schaden mehr anrichten können. Zudem ist der Zerfall des Fahrzeugs zugleich eine Metapher für den erwartbaren Zerfall der Automobilindustrie. Alles ist vergänglich.

Der Anteil von Menschen ohne Auto nimmt in der BRD zu. Dies entspricht zum Teil einer tieferen Einsicht und mangelndem Einkommen. Arm, aber dadurch auch irgendwie sexy! Außerdem wird sich Benzin in den kommenden Jahren stark verknappen und damit teurer. Eigentlich eine große Chance für eine Wende im Straßenverkehr. Weniger Autoverkehr schafft auf lange Sicht mehr Platz und Sicherheit auf den Straßen. Vom Lärm und dem Gestank einmal abgesehen. Etwas ungnädig nehme ich daher die aktuellen Versuche der Regierung hin, Elektroautos zu etablieren. Werden wir die Dinger denn nie los? C. beschwert sich jedenfalls leidenschaftlich über die ach so naturverbundenen Leute, die aus der Stadt ins grüne Umland ziehen, damit ihre Kinder Kühe kennenlernen können. Um dann hinterher mit ihren Dreckschleudern die Stadtluft auf dem Weg zu ihren Jobs noch mehr zu verpesten. C. und ich sind große Verfechter der City-Maut!

Auf Sardinien konnte ich leider keine Fotos von Autowracks schießen. Das einzige, dass ich zu Gesicht bekam, war ein von den Serpentinen ins Tal gestürztes Fahrzeug. Ein solches Bild wäre ein Unfallbild. Sicher waren Todesopfer zu beklagen, ein Foto hiervon wäre daher zynisch und hätte einen unfeinen Nachgeschmack. Ich möchte lieber Autos fotografieren, die absichtlich "vergessen" wurden. Ein Unfalltod würde die Botschaft des Bildes überfrachten. Und am Ende wünsche ich auch niemandem den Tod, auch nicht Autofahrern. Denn da kommen wir nun vom Autofahrer als soziale Gruppe zur Person im Auto. Und diese Person muss nicht zwingend identisch sein mit der ungehobelten Masse. Ich wünsche mir sehr, dass auch ich als Fußgänger und Radfahrer nicht für eine ganze Gruppe haften muss und verwahre mich davor, ihr zugerechnet zu werden.

Mittwoch, 30. März 2011

Nachlese zum Vorwählen: Was soll schlecht sein am Atom?

Maximal fünf Jahre gibt Inge der grün- roten Koalition in Baden- Württemberg. Immerhin kommt es vor den Wahlen nicht zu einem Misstrauensvotum. Inge argumentiert im ARD- Forum zum Thema folgendermaßen:
Rot-Grün ist ein Ergebnis der Naturkatastrophe in Japan. Genauso wie die Zerstörungen dort vor Ort entfernt werden, wird auch diese Regierung aus dem Ländle entfernt.
Es liegt ja wohl auf der Hand, dass diese steinewerfende und pulloverstrickende Partei in spätestens fünf Jahren wieder abgewählt wird.
Als Anhänger der Grünen würde ich mir Gedanken machen, wenn positive Wahlergebnisse nur bei solchen Katastrophen entstehen.
Auch in Rheinland-Pfalz sind die Grünen nur aufgrund der Ereignisse in Japan so "erfolgreich".
Leider benötigt die deutsche Bevölkerung wieder etwas länger, um die Fakten zu identifizieren.
Im Übrigen bin ich mal auf ihre politischen Ergebnisse gespannt. Sämtliche AKWs abschalten und Stuttgart 21 einfrieren?! Willkommen im Jahre 1500!
Harry spann schonmal die Pferde vor!
Die womöglich CDU- wählende Inge hat natürlich in allen Punkten vollkommen recht:
  1. Rot- Grün IST das Ergebnis einer Naturkatastrophe! Diese Regierung WIRD aus dem Ländle gefegt (zumindest mal die Grünen), genau so wie in Japan das Atom aus der guten Stube gefegt wird. Im Ländle ist es natürlich nicht der Pazifik, wo die Regierung hineingefegt wird. Doch auch der Bodensee bietet genügend Platz für das Lumpenpack (zumindest mal die Grünen)!
  2. Denn Grüne SIND allesamt steinewerfende Wollpulliträger. Das ist Naturgesetz! Die sind gefährlich für unsere Demokratie. Da loben wir uns doch unsere alten Helden wie den Herrn Filbinger: Der hätte solches Gesocks einfach aufhängen lassen, wenn er als Ministerpräsident noch so gedurft hätte wie damals bei den Nazis als Richter! Der Herr Filbinger hat nämlich NIE gegen den Staat gehandelt, sondern IMMER nur mit ihm. Ganz im Gegensatz zu dem steinewerfenden Pazifistenpack!
  3. Auch in Rheinland- Pfalz sind die Grünen nur aufgrund der Ereignisse in Japan so "erfolgreich"! 
  4. Die Leute sollten endlich einmal die Fakten identifizieren! Fakt 1: Japan ist doof! Fakt 2: Der Strom kommt sowieso aus der Steckdose! Fakt 3: Siehe Fakt 1!
  5. Sämtliche Atomkraftwerke abschalten ist absoluter Irrsinn! Das wird der Wähler dann auch merken, wenn der Strom teurer wird. Da sind doch dann nur die Grünen schuld, wenn den Stromkonzernen sonst das Geld ausgeht! 
  6. Die sind sowieso schon ganz klamm, wenn man denen schon das Stromnetz, die Endlager und die CO²- Emissionszertifikate aus Steuergeldern zahlen muss. Und wer kann da böse sein, wenn sie dem Kunden genau diese Posten trotzdem in Rechnung stellen? Die müssen doch auch schauen, dass sie irgendwie über die Runden kommen! Der "Ausländer" macht das doch genauso: kassiert doppelt und dreifach ab, das sag' ich Ihnen! Aber liefert der uns auch Strom? Sehen Sie?
  7. Überhaupt: Was haben die denn alle gegen das Atom? Alles, auch wir, besteht aus Atomen. Daran kann doch nichts falsch sein! Stuttgart 21 besteht übrigens auch nur aus Atomen! Die Grünen haben nicht mehr alle Ärmel am Strickpulli!
  8. Bitte: Wenn die Wähler zurück ins 16. Jahrhundert wollen, dann warte ich dort mit meiner Kutsche auf sie! Denn ich bin schon längst dort!

Dienstag, 22. März 2011

Zu viel Salon, zu wenig Revolution! Die Kinder sollen's richten!

Na also! Geht doch: Jene Kanzlerin, die sich ja jede politische Vorteilnahme durch die Reaktorunfälle in Japan verbeten hatte, befürwortet nun die vorübergehende, ich betone, die vorübergehende Abschaltung von drei Atomkraftwerken in, wie könnte es anders sein, CDU- regierten Bundesländern. Wenn das mal nicht hilfreich ist bei den anstehenden Landtagswahlen in Baden- Württemberg und Rheinland- Pfalz, dann weiß ich auch nicht.

Dabei spielt es gar keine Rolle, dass eben jene AKW vor wenigen Monaten noch als ach so sicher galten, so dass man deren Laufzeiten geradezu verlängern MUSSTE! Bin ich allzu prophetisch, wenn ich im Geiste wenige Wochen nach den Landtagswahlen wieder breit strahlende AKW sehe, die selbstredend noch sicherer sind als je zuvor? Zumal in der BRD ja nun nicht mit einem Tsunami gerechnet werden muss, und auch Erdbeben sind hierzulande eher lau.

Den Wähler freut es so oder so. Denn wenn es an den Geldbeutel geht, dann steht er eh fest zur Atomkraft. Der Strom kommt schließlich aus der Steckdose und nicht vom Werk! Jedenfalls entblödet sich das amtliche Presseorgan der CDU, die Bild- "Zeitung" (sic!) nicht, ihre LeserInnen auf horrende Stromkosten hinzuweisen, sollte Atomstrom künftig wegfallen. Als wenn es nicht reichen würde, dass das Öl wegen dem ganzen Revolutionsterror in Nordafrika sich verteuert. Ts ts! So geht das aber nicht! In Sachsen- Anhalt hat man es begriffen. Dort ist alles ist beim Alten geblieben.

Okay, Politiker, die einmal Hüh und ein anderes Mal Hott sagen, kennt man ja zur genüge. Und dass die Springerpresse ihre exklusiven und millionenschweren Anzeigen von der Bundeswehr nun direkt der Bundesregierung danken muss, weil sie es dem Initiator zu Guttenberg nicht mehr kann (noch nicht!) - geschenkt. Der Wähler muss ja nichts davon glauben. Er muss sich auch nicht verführen lassen. Warum aber tut er genau das?

Angesichts solcher Dreistigkeiten von der eine Seite und der schweren Dummheit der anderen müsste man eigentlich gezielt Sprengsätze platzieren und zur Detonation bringen. Doch leider bin ich, wie so viele meiner Mitmenschen, so gar nicht auf Revolution getrimmt. Die RAF hatte anno dazumal leider starke Probleme damit, die Inhalte ihrer Programmpunkte auf einen massen- und medientauglichen Kernsatz zu reduzieren. Ihre Welt war viel zu komplex, als dass die Lesenation Deutschland sie hätte verstehen können. Das rächt sich nun! Leute wie T.S. oder KTzG haben es da viel leichter. Deren Weltverständnis lässt sich auf ein paar griffige Formeln reduzieren und dann zum Buch aufblähen.

Nein, ich entstamme einer Familie von Untertanen. Wenn ich einen Strafzettel bekomme, muss man mich davon zurückhalten, ein Dankesschreiben an den Polizeipräsidenten zu schreiben. Die Revolution liegt mir dabei nicht im Blut, nur auf der Zunge! Fände ich eine Pistole und wollte sie nutzen, ich schösse mich wohl eher selber in den Fuß als dass ich auch nur eine relevante Person träfe. Ich kann ja noch nicht einmal spicken und habe es deshalb auch noch nie probiert. Ich schwöre: Einmal lag noch ein Buch versehentlich auf meinen Knien, als es zur Klassenarbeit kam, und ich habe es geschafft, nicht einmal hinein zu schauen. Ich bin obrigkeitshörig und voller Skrupel. Ich bin zu ehrlich: Wenn ich mir Zutritt zu einem Gebäude verschaffen wollte, um einen Koffer dort abzustellen, und man fragte mich warum, ich würde prompt die Wahrheit erzählen.

Damit bin ich nicht alleine. Vielen Frauen und Männern meiner Generation geht es so. Man muss also keine Angst vor uns haben. Im Salon reden wir davon, dass sich die Zustände nur durch Gewalt verändern lassen und freuen uns über die Kids in Frankreich, ach was, in der gesamten arabischen Welt. Aber hinterher kassieren wir den Pfand für unsere Bierflasche wieder ein und lassen auf dem Heimweg die Pflastersteine da, wo sie hingehören. Es wäre uns ein Graus, würde sich ein Fußgänger den Knöchel deshalb verstauchen. Gefundene Geldkarten liefern wir brav bei der Bank ab, statt diese zu schädigen. Dabei müssen die den Schaden doch tragen und nicht ihre Kunden. Wir ärgern uns über die Springerpresse, doch reißen wir deren Erzeugnisse ihren LeserInnen nicht empört aus der Hand. Was nützt uns das Lesen überhaupt, wenn keiner wirklich versteht, was da eigentlich geschrieben steht? Dann sind mir revoltierende Analphabeten lieber, solange die wenigstens wissen, was sie wollen!

Wir warten ja alle auf denjenigen, der endlich einmal anfängt mit der Revolution. Warum viele glaubten, KTzG wäre derjenige, bleibt ein Rätsel. Er war ja wohl nur ein Revolutionär der ewig Gestrigen. Nö! Unsere Hoffnung sind die Kinder. Dabei muss man schauen, dass sie nicht so schafsblöd wie wir werden, nicht so tumb und unbeholfen. Kinder sind in der Lage, die Dummheiten der Erwachsenen zu durchschauen. Sie stellen die richtigen Fragen und geben sich mit halbgaren Erklärungen nicht zufrieden. Man darf erst gar nicht so tun, als wüsste man die Antwort. Man muss nur ehrlich sein. Wenn Kinder fragen, warum man arbeiten gehen müsse und was das überhaupt ist, antwortet man mit: Das weiß ich auch nicht! Arbeit macht jedenfalls nicht halb so viel Spaß wie sich einfach in den Dreck zu schmeißen und zu toben. Wozu brauchen wir Atomkraft? Woher soll ich das wissen? Frag' die, die ihr Geld damit verdienen!

Kinder müssen lernen, die Dinge zu hinterfragen und skeptisch zu bleiben, dabei auch neugierig. Dann entscheiden sie sich später selber, wie sie sich ihr Leben einrichten: als Reaktionär oder als Revolutionär? Um Ersterem vorzubeugen, gelten folgende Vorschläge:
  • Kindern von Beginn an respektvolles Handeln gegenüber anderen Menschen, aber nicht ggü. Institutionen zeigen
  • Ihnen mit vier Jahren den ersten Chemiebaukasten schenken
  • Mit sechs Jahren bekommen sie ein internetfähiges Netbook, die Gier nach viel Krach und Bumms wird gefördert. Ein zweiter Chemiebaukasten wird geschenkt.
  • Mit acht Jahren wird bei Kindern der sinn- und achtlose Gebrauch von Knallern getadelt - Alternativen werden aufgezeigt.
  • Mit zehn Jahren besuchen die Kinder ihr erstes Feriencamp in Gaza oder Pakistan
  • Ab zwölf Jahren werden Geschichtsfilme wie "Terminator" oder "V wie Vendetta" gezeigt. Die Inhalte werden später diskutiert, die Wahrscheinlichkeit der dargestellten Ereignisse wird erörtert.
  • Ab vierzehn Jahren muss Kindern das Konzept der freien Liebe erläutert, außerdem das Studium des "Kapitals" und "Wege des Kriegers" nahegelegt werden.
  • Mit 16 Jahren muss man wohl das streng alterskonforme Verhalten des Sprosses akzeptieren lernen
  • Die Erkenntnis bei Volljährigkeit des Nachwuchses: Man hätte es besser selber gemacht. Nun, nach 18 Jahren, ist es zu spät! Warten auf die Enkel! Vielleicht klappt es mit denen...

Samstag, 12. September 2009

Ach ja, Wahlen! Heute: Die CDU und Rüttgers Rumänen!

Allmählich muss man sich ja orientieren. Die Parteien zur Bundestagswahl machen es einem ja nicht gerade leicht: Keiner scheint Wahlkampf machen zu wollen. Wie soll man sich denn da entscheiden, wenn man kein Stammwähler ist?

Nun, es wäre durchaus an der Zeit, sich einmal zu überlegen, wie man sich die Welt so wünscht. Dann kann man in Ruhe nach einer Partei suchen, die den Wünschen am nächsten kommt. Bei der Partnerwahl macht man es ja schließlich auch nicht anders: Eine unsichtbare Checkliste tragen wir ja alle in unseren Köpfen herum.

Also: Ich wünsche mir eine Welt, in der die Menschen ihren Körper nicht mehr für Geld prostituieren müssen, um am Leben teilhaben zu können. Fürderhin möchte ich gerne, dass sich jeder seinen Interessen und Fähigkeiten entsprechend betätigen kann. Selbstverständliche Dinge sollten kostenlos sein, dass man z. B. Geld für ein Dach über dem Kopf bezahlen soll, ist schlicht pervers.

Es läuft alles auf das selbe hinaus: Ich würde gerne eine Partei wählen, die sich für das Bedingungslose Grundeinkommen stark macht! Diese Partei hätte eine Vision und würde sich schon allein deswegen von allen anderen unterscheiden. Die CDU scheidet ganz aus, obwohl sie das Bedingungslose Grundeinkommen laut Wikipedia für finanzierbar hält (als angeblich einzige Partei innerhalb der BRD). Trotzdem steht es nicht in ihrem Wahlprogramm.

Die CDU hat so viel Angst, dass sie diese gerne nach draußen projiziert. Deswegen auch der starke Ruf nach Sicherheit. Da sind Rüttgers Rumänen oder seine "Kinder-statt-Inder"-Kampagne ja beinahe noch harmlos. In der Zentrale der Macht sitzt Schäuble, der Darth Vader der bösen Imperatorin. Gerade ihm das Innenministerium anzuvertrauen, spricht für die Logik der Partei: Selbst durch ein Attentat traumatisiert, versucht er die Welt durch Repressalien und Überwachung sicher (und sauber) zu halten.

Eine schwere Form einer Paranoia mit starker Strahlkraft. Kommen wir daher zur Energiepolitik: Da Strom preiswert bleiben oder werden soll, braucht man Atomkraftwerke, ganz klar! Frau Merkel hat früher einmal im Zuge der Atomtransporte als Umweltministerin (?) gesagt, das sei wie beim Backen: Ab und an geht halt mal etwas daneben! Diese Bereitschaft zum Risiko ist ihr erhalten geblieben. Und solange der der Staat den Schutz, Transport und die Lagerung der Abfälle bezahlt, bleibt der ach so umweltfreundliche Atomstrom garantiert günstig, versprochen! Ich persönlich bin dafür, dass jeder Atomkraftbefürworter etwas Atommüll bei sich zu Hause lagern sollte! Der Badezimmerschrank ist mindestens genau so sicher wie jede Asse.

Unterschiedslos zu allen anderen Parteien ist "ARBEIT ARBEIT ARBEIT" das höchste Gut auch in der CDU. Was haben die denn alle mit der Arbeit? Das Leben besteht doch aus so viel mehr: Autofahren, Auto kaufen, Autowaschen, Auto bauen. Für all das gibt es jedoch Maschinen: Leitsysteme, Internet, Waschanlagen, Roboter. Wer aber nicht arbeiten geht, braucht ja gar kein Auto! Ach so, jetzt habe ich es kapiert: Wir sollen arbeiten, um Dinge herzustellen, die wir wiederum kaufen sollen, weil wir sie brauchen um Geld verdienen zu können. Ein ökonomisches Perpetuum Mobile, wer hätte das gedacht?

Aber liebe CDU: Wie wäre es denn wenigstens mit einem flächendeckenden und menschenwürdigen Mindestlohn? Oder mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen? Dann würde das klappen mit dem Konsum. Aber so? Schade, liebe CDU. Mit uns beiden wird das wohl nichts! Schauen wir mal weiter.