Ich habe schon mehrere narzisstische Kränkungen überstanden: Abgelehnte Bewerbungen, einmal auch eine zur Kandidatur als Oberbürgermeister von Mannheim oder als Lehrkraft in Österreich. Nun, daran gereift, bin ich endlich soweit und sage es ganz unumwunden: Ich bin reif für das Amt des Bundespräsidenten! Was soll die Bundesrepublik mit Schnarchnasen wie Herrn Schäuble oder Frau von der Leyen, die panisch in aller Munde waren, bloß weil sich unser Bundeshorst vergrantet zurückgezogen hat? Eben!
Nicht nur, dass ich sowieso schon wieder auf der Suche nach einer neuen Arbeit, einem neuen Betätigungsfeld bin. Was läge da näher, als ein befristetes Arbeitsverhältnis auf zunächst fünf Jahre, Amtszeitverlängerung möglich? Ich bringe auch sonst alle Eigenschaften mit, die von einem zukünftigen BuPrä verlangt werden.
Ich bin stoisch genug für das Amt, andere können mir mit ihrer Meinung glatt den Buckel runter rutschen. So sieht's nämlich aus. Und ich finde alles gut, was der Staat so anstellt, solange ich ihn repräsentiere. Da bin ich mir selbst gegenüber ganz loyal. Versprochen! Alles andere werde ich schlicht nicht repräsentieren. Der Bundespräsident ist schließlich keine Marionette. Er ist das Gewissen unseres Landes!
Ich werde natürlich andere Schwerpunkte als mein Vorgänger setzen: Afrika ist ja ganz lieb und nett, ich selber halte es aber mehr mit den mediterranen Entwicklungsländern. Mit Griechenland kenne ich mich sogar persönlich aus. Ich habe mit dem Land quasi schon geschlafen bzw. mit einer seiner Einwohnerinnen. Das erfüllt mich geradezu mit Empathie zu mediterranen Lebensweisen.
Daraus leite ich denn auch mein Motto für die Bundesrepublik ab: Habt mehr Spaß im Leben, neidet anderen nicht die Butter vom Brot! Entspannt Euch mal! Ich will einen Ruck, der sich unterhalb der Gürtellinie vollzieht. Geht tanzen, wenn Euch danach ist. Reichtum an Geld ist zwar ein Lebenskonzept, aber nur eines von vielen und nicht unbedingt tauglich für ein Leben in Freiheit. Besitz schränkt ein und belastet das Gemüt erheblich. Strebt also nicht nur nach materiellem Reichtum, sondern nach inneren Werten!
Das möchte ich meinen Mitbürgerinnen und -bürgern gerne mitteilen und sie an meinen Gedanken für eine bessere Welt teilhaben lassen. Aber auch dies möchte ich Euch zurufen: Seid wachsam und glaubt nicht jeden Mist, den man Euch gerne unter die Nase reiben möchte. Seid Selbstwirksam und lasst Euch nicht einreden, dass Ihr dem Markt zur Verfügung zu stehen habt. Denn der Markt, er ist für Euch da. Aber überspannt den Bogen nicht, sonst geht uns allen das Licht aus! Wer nimmt ohne zu geben, der plündert! Lasst uns die Fehler der Krisenverursacher nicht wiederholen! Apropos plündern:
Für unsere Politiker, aber auch unsere Unternehmer, habe ich schließlich folgende Worte: Nehmt Euch und Eure Bürde selbst nicht zu wichtig! Ihr habt Euch aus freien Stücken für Euer Los entschieden. Lebt damit und der daraus resultierenden Verantwortung. Aber geht den Normalsterblichen nicht auf den Keks mit den Risiken, die Ihr glaubt eingehen zu müssen und verlangt dafür auch keine Zugeständnisse. Niemand hat von Euch verlangt, dass Ihr diese Risiken eingeht. Könige, die hatten das einst von ihren Untertanen verlangen können. Ihr Schicksal war bestimmt von den Göttern. Ihr aber seid gewählt worden oder habt einfach Schwein gehabt.
Da sind wir beim Stichwort "Verantwortung": Die fängt oben an und wurstelt sich so nach unten durch. Der da sich oben durchmogelt, darf unten nicht erwarten, dass jene dort dann auch noch dessen Verantwortung zur eigenen aufhalsen. Das muss man verstehen lernen. Erst wenn das geschafft ist, können die Begriffe von "oben" oder "unten" aufgelöst werden und eine Gemeinschaft kann entstehen.
Als Bundespräsident werde ich trotz der Beschränkungen meines Amtes dafür sorgen, dass sich die Demokratie in der Bundesrepublik durchsetzt und endlich freie Wahlen stattfinden können. Das Grundgesetz wird klar an der internationalen Menschenrechtscharta orientiert sein. Die Bundesdeutschen werden streitbar sein und den Mund auftun, nachdem sie vorher freilich gründlich nachgedacht haben. Dazu gehört ein Grundstock von Bildung. Ich werde die Schulpflicht einführen helfen. All diesen Prozessen werde ich große Teile meiner Energie widmen. Dafür trete ich ein, danach werde ich mein Amt ausrichten und danach werde ich gemessen werden.
Liebe Bundesversammlung, bitte wählen Sie mich zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik!
Mittwoch, 2. Juni 2010
Montag, 31. Mai 2010
Harry Potter ist tot! Unser Bundeshorst ist zurückgetreten!
Ich weiß, das ist eine billige Ranschmeiße, diese Schlagzeile. Aber sonst kriegt es ja mal wieder keiner mit, wenn ich den Tod des genialen Künstlers und Schauspielers Dennis Hopper beklage. Kaum ein Schauspieler stand so sehr für Renitenz und Rebellion wie er. Sogar M. Brando war ein Weichei gegen ihn. Dafür und für ein paar großartige Auftritte in Spielfilmen wie Blue Velvet oder Apocalypse Now, je nun: und die Regiearbeit bei dem unvermeidlichen Easy Rider, muss man dankbar sein. Alles Gute auf die Reise!
Unser Bundeshorst ist zurückgetreten. Hat doch gar nicht weh getan. Vergessen schon seine Attacken gegen fiese und nicht so fiese Gesetze von fiesen und nicht so fiesen Politikern. Aber den Herrn Köhler braucht so richtig niemand, auch wenn er wenigstens einmal die Wahrheit aussprach, aber leider gleichzeitig zur Aufforderung postuliert hat: Man müsse bei Militäreinsätzen auch die ökonomischen Aspekte erwägen, um sie nachgerade zu legitimieren. Ach was? War das denn nicht sowieso schon immer so?
Krieg, wenn überhaupt, dient doch wohl nur ökonomischen oder geostrategischen Interessen. Sogar der Einsatz religiöser Gefühlsduselei ist immer nur Mittel zum Zweck - wenn vernünftige Gründe nicht ausreichen, wird halt irgendein Gott hervorgekramt. Sollten die Kriege der westlichen Allianz tatsächlich ausschließlich humanitär sein, dann würden sie überall dort geführt werden, wo Menschen unterdrückt werden - sei es von Großkonzernen oder anderen Regimes.
Auffälligerweise wird aber nur dort reingefunzt, wo Rohstoffe zu holen sind oder wenigstens ein paar Aufträge für den Wiederaufbau. Das Wohlergehen der umkämpften Bevölkerung ist da nur zweitrangig, ein positiver Nebeneffekt sozusagen! Kriege werden geführt aus Neid, Bedrängnis, drohendem Machtverlust oder gar Hunger bzw. Durst.
In jedem vernünftigen Western ist dies ein zentrales Thema. Und in denen hat Dennis Hopper ja auch ganz gerne mal mitgespielt. Wenn ich die Wahl hätte, wäre Dennis Hopper unser BuPrä, und Horst Köhler... nun ja, ich bin ja nicht der liebe Gott. Wär ich aber gern!
Und ach, wo wir gerade bei Western, Schauspielern und begnadeten Regisseuren sind: Herzlichen Glückwunsch zum 80sten, Herr Eastwood.
Unser Bundeshorst ist zurückgetreten. Hat doch gar nicht weh getan. Vergessen schon seine Attacken gegen fiese und nicht so fiese Gesetze von fiesen und nicht so fiesen Politikern. Aber den Herrn Köhler braucht so richtig niemand, auch wenn er wenigstens einmal die Wahrheit aussprach, aber leider gleichzeitig zur Aufforderung postuliert hat: Man müsse bei Militäreinsätzen auch die ökonomischen Aspekte erwägen, um sie nachgerade zu legitimieren. Ach was? War das denn nicht sowieso schon immer so?
Krieg, wenn überhaupt, dient doch wohl nur ökonomischen oder geostrategischen Interessen. Sogar der Einsatz religiöser Gefühlsduselei ist immer nur Mittel zum Zweck - wenn vernünftige Gründe nicht ausreichen, wird halt irgendein Gott hervorgekramt. Sollten die Kriege der westlichen Allianz tatsächlich ausschließlich humanitär sein, dann würden sie überall dort geführt werden, wo Menschen unterdrückt werden - sei es von Großkonzernen oder anderen Regimes.
Auffälligerweise wird aber nur dort reingefunzt, wo Rohstoffe zu holen sind oder wenigstens ein paar Aufträge für den Wiederaufbau. Das Wohlergehen der umkämpften Bevölkerung ist da nur zweitrangig, ein positiver Nebeneffekt sozusagen! Kriege werden geführt aus Neid, Bedrängnis, drohendem Machtverlust oder gar Hunger bzw. Durst.
In jedem vernünftigen Western ist dies ein zentrales Thema. Und in denen hat Dennis Hopper ja auch ganz gerne mal mitgespielt. Wenn ich die Wahl hätte, wäre Dennis Hopper unser BuPrä, und Horst Köhler... nun ja, ich bin ja nicht der liebe Gott. Wär ich aber gern!
Und ach, wo wir gerade bei Western, Schauspielern und begnadeten Regisseuren sind: Herzlichen Glückwunsch zum 80sten, Herr Eastwood.
Sonntag, 30. Mai 2010
Opfer und Täter! Karstadt und der böse Wolf!
Selbst da, wo man es kaum vermutet, kann ein ganz banaler Einkauf zum Abenteuer werden. Ein solcher Abenteuerspielplatz für Konsumenten ist zum Beispiel der Karstadt am Hermannplatz. Nicht nur, dass er sich ganz wunderbar dafür eignet, den Weg zur Bushaltestelle zu verkürzen, trotz aller Wegelagerer im Innern, die sich selbstredend nur an den verengten Stellen der Verkaufsräume plaudernd aufhalten und nicht etwa an den geräumigeren Orten.
Der Mensch, so ist beaobachtbar, ist tatsächlich ein Opfertier, dass sich freilich äußerst erfolgreich durchgesetzt hat. Wahrscheinlich der Befähigung zur Dialektik geschuldet, welche den Täter zum Opfer macht und das tatsächliche Opfer zum Täter. So sucht der Herdenmensch gerne beengte Durchschlüpfmöglichkeiten (Türrahmen, Gänge, Rolltreppenan- und absätze etc.) zum geselligen Aufenthalt. Von dort aus ist es nicht nur einfach, sich der Gefahr wegen in die weite Steppe der Verkaufsregale zu flüchten. Die Jäger verlieren kostbare Zeit und viel des eleganten Schwungs, um ihrer Beute nachsetzen zu können.
Wozu also in die Universität, um soziologische und psychologische Aspekte menschlichen Verhaltens zu studieren? Ein einziges Warenkaufhaus reicht aus. Wölfe im Schafspelz zum Beispiel sind die Verkäufer/ Berater (ausschließlich männlich) in der Elektronikabteilung. Man winkt sie herbei um diese oder jene Information zu diesem oder jenen Produkt zu erhalten. Aber nicht so voreilig: Zunächst muss noch der Kunde bedient werden, der finanziellen Spielraum zu haben scheint.
Die Eckzähne des Verkäufers blitzen leicht im milden Licht der künstlichen Beleuchtung. Er ist hungrig, schon beinahe irre vor Schwäche, doch bald wird er seine Beute zu Fall gebracht haben. "Ja, wenn man einen Einkauf natürlich nur vom Portemonnaie abhängig macht, dann kann man sich so ziemlich alles kaufen. Bloß keine Qualität. Schauen Sie hier: Sieht zwar einigermaßen aus, ist auch billig, aber hören Sie nur wie das klingt... schrecklich, oder?"
Der Verkäufer betont noch, dass er vom Fach komme, eigentlich sei er sogar in der Entwicklung von Lautsprechersystemen tätig gewesen. Der solvente Käufer oder jener, der bereit ist, noch was drauf zu legen für den guten Namen eines Produktes, der aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken möchte, er könne sich lumpige 100 Euro mehr nicht leisten, nickt leicht abschätzig. "Klingt ja wirklich schrecklich!" Dann doch lieber die hochpreisigen Modelle herzeigen. Kaufen. Einpacken.
Ich werde offenbar als schwieriger Kunde betrachtet. Obschon ich zwar rein äußerlich, wenn auch fälschlicher Weise, eher den Eindruck vermittle, ich hätte irgendwelches Geld: Irgendwie sieht man mir auch an, dass ich nie viel Geld für technisches Gelump ausgeben würde. In der Buchabteilung kann man mir vielleicht alles aufschwatzen, aber nicht bei Elektroartikeln. Ich schaue unglaublich gebildet aus, muss man sagen. Und ich schaue auch aus, als sei ich unglaublich selbstironisch. Deshalb übersieht man mich in der Elektroabteilung geflissentlich. Ich bin dort ein absolutes NoGo.
Trotzdem brauchte ich kürzlich einen Rat: Für eine künstlerische Arbeit benötigte ich drei autarke Boxensysteme. Die sollten einigermaßen nach was klingen, eine ausreichende Lautstärke haben, gut aussehen und natürlich nicht viel kosten. Von meinen künstlerische Arbeiten erwarte ich zwar und schließlich keine Rentabilität, aber verschulden möchte ich mich deshalb noch lange nicht. Ich nannte dem Verkäufer die Preisspanne, woraufhin der leicht die Augen verdrehte: Ich habe es genau gesehen.
Der Verkäufer zeigte mir widerwillig "billige" Soundsysteme, nur um darüber verächtlich zu rapportieren. Mein Hinweis, ich hätte zu Hause ein vollkommen ausreichendes Exemplar der Marke so und so, dass einigen Wumms hätte und nur ca. 30 Euro gekostet hätte, wurde milde belächelt: "Da irren Sie sich bestimmt. Das kann gar nicht sein." Der Verkäufer betont noch, dass er vom Fach komme, eigentlich sei er sogar in der Entwicklung von Lautsprechersystemen tätig gewesen.
Nun, es gab kein Weiterkommen. Tatsächlich klangen die Soundsysteme wie Arsch und Friedrich. Nun war ich aber nicht bereit, dermaßen viel Geld für benötigte Geräte auszugeben, wie man es mir Vorschlug. Dazu hätte ich denn auch noch MP3-Player gebraucht. Unnötig zu erwähnen, dass die von mir ausgesuchten Modelle zu nichts taugten. Ich verließ die Elektroabteilung ohne Einkauf und irgendwie ratlos.
Zuhause recherchierte ich im Internet und fand alles was ich brauchte innerhalb weniger Minuten. Alles wurde geliefert, funktionierte tadellos und evozierte den gewünschten Effekt. Die künstlerische Arbeit wurde zu einem Erfolg, wenn sich das auch nicht pekuniär ausgewirkt hatte. Alle Geräte taugten was, sahen gut aus und waren günstig. Was will man mehr?
Das eigentliche Abenteuer im Karstadt hatte ich aber erst gestern: Ich wollte einfach nur einen DVD-Player (günstig und hübsch) kaufen, der die eine oder andere Funktion hatte. Um nicht aufzufallen, versteckte ich mich sicherheitshalber vor dem Fachpersonal. Der Wolf nahm Witterung auf, doch er konnte mich nicht finden. Ich schlich um die Geräte herum, verglich selber und hätte nun doch einen Rat gebraucht. Ich hielt mich jedoch vornehm zurück: Sollte etwas nicht funktionieren, gibt es ja noch den Umtausch auf Kulanz. Ich schnappte mir ein Gerät und brachte es so dermaßen unauffällig zur Kasse, ich hätte es problemlos stehlen können.
Nun steht Karstadt schon lange zum Verkauf. Ein neuer Interessent hat den Tag der Veräußerung um eine Woche verschoben. Am 7. Juni soll es so weit sein. Was wird mit dem Kaufhaus am Hermannplatz geschehen? Muss man zukünftig um ihn herumlaufen, wenn man zum Bus will? Werden Soziologie- und Psychologiestudenten zukünftig an der Universität studieren müssen? Blecken Wölfe nun in den engen Gassen Neuköllns ihre Zähne, wo sich das Opfervolk bereit zur Flucht aufhält? Werde ich mich weiter vor meiner Steuererklärung drücken, indem ich hier einen Blog nach dem nächsten abdrücke? Fragen über Fragen, und keine befriedigende Antwort!
Der Mensch, so ist beaobachtbar, ist tatsächlich ein Opfertier, dass sich freilich äußerst erfolgreich durchgesetzt hat. Wahrscheinlich der Befähigung zur Dialektik geschuldet, welche den Täter zum Opfer macht und das tatsächliche Opfer zum Täter. So sucht der Herdenmensch gerne beengte Durchschlüpfmöglichkeiten (Türrahmen, Gänge, Rolltreppenan- und absätze etc.) zum geselligen Aufenthalt. Von dort aus ist es nicht nur einfach, sich der Gefahr wegen in die weite Steppe der Verkaufsregale zu flüchten. Die Jäger verlieren kostbare Zeit und viel des eleganten Schwungs, um ihrer Beute nachsetzen zu können.
Wozu also in die Universität, um soziologische und psychologische Aspekte menschlichen Verhaltens zu studieren? Ein einziges Warenkaufhaus reicht aus. Wölfe im Schafspelz zum Beispiel sind die Verkäufer/ Berater (ausschließlich männlich) in der Elektronikabteilung. Man winkt sie herbei um diese oder jene Information zu diesem oder jenen Produkt zu erhalten. Aber nicht so voreilig: Zunächst muss noch der Kunde bedient werden, der finanziellen Spielraum zu haben scheint.
Die Eckzähne des Verkäufers blitzen leicht im milden Licht der künstlichen Beleuchtung. Er ist hungrig, schon beinahe irre vor Schwäche, doch bald wird er seine Beute zu Fall gebracht haben. "Ja, wenn man einen Einkauf natürlich nur vom Portemonnaie abhängig macht, dann kann man sich so ziemlich alles kaufen. Bloß keine Qualität. Schauen Sie hier: Sieht zwar einigermaßen aus, ist auch billig, aber hören Sie nur wie das klingt... schrecklich, oder?"
Der Verkäufer betont noch, dass er vom Fach komme, eigentlich sei er sogar in der Entwicklung von Lautsprechersystemen tätig gewesen. Der solvente Käufer oder jener, der bereit ist, noch was drauf zu legen für den guten Namen eines Produktes, der aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken möchte, er könne sich lumpige 100 Euro mehr nicht leisten, nickt leicht abschätzig. "Klingt ja wirklich schrecklich!" Dann doch lieber die hochpreisigen Modelle herzeigen. Kaufen. Einpacken.
Ich werde offenbar als schwieriger Kunde betrachtet. Obschon ich zwar rein äußerlich, wenn auch fälschlicher Weise, eher den Eindruck vermittle, ich hätte irgendwelches Geld: Irgendwie sieht man mir auch an, dass ich nie viel Geld für technisches Gelump ausgeben würde. In der Buchabteilung kann man mir vielleicht alles aufschwatzen, aber nicht bei Elektroartikeln. Ich schaue unglaublich gebildet aus, muss man sagen. Und ich schaue auch aus, als sei ich unglaublich selbstironisch. Deshalb übersieht man mich in der Elektroabteilung geflissentlich. Ich bin dort ein absolutes NoGo.
Trotzdem brauchte ich kürzlich einen Rat: Für eine künstlerische Arbeit benötigte ich drei autarke Boxensysteme. Die sollten einigermaßen nach was klingen, eine ausreichende Lautstärke haben, gut aussehen und natürlich nicht viel kosten. Von meinen künstlerische Arbeiten erwarte ich zwar und schließlich keine Rentabilität, aber verschulden möchte ich mich deshalb noch lange nicht. Ich nannte dem Verkäufer die Preisspanne, woraufhin der leicht die Augen verdrehte: Ich habe es genau gesehen.
Der Verkäufer zeigte mir widerwillig "billige" Soundsysteme, nur um darüber verächtlich zu rapportieren. Mein Hinweis, ich hätte zu Hause ein vollkommen ausreichendes Exemplar der Marke so und so, dass einigen Wumms hätte und nur ca. 30 Euro gekostet hätte, wurde milde belächelt: "Da irren Sie sich bestimmt. Das kann gar nicht sein." Der Verkäufer betont noch, dass er vom Fach komme, eigentlich sei er sogar in der Entwicklung von Lautsprechersystemen tätig gewesen.
Nun, es gab kein Weiterkommen. Tatsächlich klangen die Soundsysteme wie Arsch und Friedrich. Nun war ich aber nicht bereit, dermaßen viel Geld für benötigte Geräte auszugeben, wie man es mir Vorschlug. Dazu hätte ich denn auch noch MP3-Player gebraucht. Unnötig zu erwähnen, dass die von mir ausgesuchten Modelle zu nichts taugten. Ich verließ die Elektroabteilung ohne Einkauf und irgendwie ratlos.
Zuhause recherchierte ich im Internet und fand alles was ich brauchte innerhalb weniger Minuten. Alles wurde geliefert, funktionierte tadellos und evozierte den gewünschten Effekt. Die künstlerische Arbeit wurde zu einem Erfolg, wenn sich das auch nicht pekuniär ausgewirkt hatte. Alle Geräte taugten was, sahen gut aus und waren günstig. Was will man mehr?
Das eigentliche Abenteuer im Karstadt hatte ich aber erst gestern: Ich wollte einfach nur einen DVD-Player (günstig und hübsch) kaufen, der die eine oder andere Funktion hatte. Um nicht aufzufallen, versteckte ich mich sicherheitshalber vor dem Fachpersonal. Der Wolf nahm Witterung auf, doch er konnte mich nicht finden. Ich schlich um die Geräte herum, verglich selber und hätte nun doch einen Rat gebraucht. Ich hielt mich jedoch vornehm zurück: Sollte etwas nicht funktionieren, gibt es ja noch den Umtausch auf Kulanz. Ich schnappte mir ein Gerät und brachte es so dermaßen unauffällig zur Kasse, ich hätte es problemlos stehlen können.
Nun steht Karstadt schon lange zum Verkauf. Ein neuer Interessent hat den Tag der Veräußerung um eine Woche verschoben. Am 7. Juni soll es so weit sein. Was wird mit dem Kaufhaus am Hermannplatz geschehen? Muss man zukünftig um ihn herumlaufen, wenn man zum Bus will? Werden Soziologie- und Psychologiestudenten zukünftig an der Universität studieren müssen? Blecken Wölfe nun in den engen Gassen Neuköllns ihre Zähne, wo sich das Opfervolk bereit zur Flucht aufhält? Werde ich mich weiter vor meiner Steuererklärung drücken, indem ich hier einen Blog nach dem nächsten abdrücke? Fragen über Fragen, und keine befriedigende Antwort!
Samstag, 29. Mai 2010
Der Zahlmeister der EU! Sogar der Grand Prix de Eurovision will unser Bestes!
Vom unternehmerischen Standpunkt betrachtet sind Einnahmen immer dann vorhanden, wenn nichts ausgegeben wird. Geld, das der Unternehmer nicht ausgibt, ist also immer auch eingenommenes Geld. Das widerspricht eklatant dem fiskalischen Gedanken, der davon ausgeht, dass nicht ausgegebenes Geld im Prinzip überflüssiges Geld sei und von daher dem Staat überantwortet werden müsste. Ist es bei dieser Unvereinbarkeit beider Prinzipien nicht verständlich, wenn sich Unternehmer winden, um etwaigen Zahlungen zu entgehen? Sind Fiskus und Unternehmer nicht jeweils Teil einer destruktiven Beziehungsform? Wer von beiden muss deswegen zur Therapie?
Da hat sich der Staat geleistet, dem hoch verschuldeten Griechenland 22 Milliarden Euro zu leihen. Unternehmer, Adelige und Leserreporter laufen Sturm. Das Geld bekomme man nicht mehr zurück, damit hätte man Besseres anfangen können. Steuererleichterungen für die einen, und höhere Löhne für das Prekariat. Selten so gelacht! Seit wann wird Geld direkt an die Bevölkerung ausgeschüttet? Der Staat hat ja nie das Geld für Bildung, Infrastruktur und soziale Gerechtigkeit. Wenn Banken ihr Geld in den Sand setzen, dann gibt es dann doch noch irgendwo lumpige 400 Milliarden Euro. Wenn es aber um verliehenes Geld geht, dass wir nie wieder sehen, dann ist das für Griechenland nur ein Peanut gegen das für UNSERE Finanzmärkte.
Zumal diese Milliarden ja auch nur dazu dienen, damit die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken zurückzahlen bzw. neue Kredite aufzunehmen können. Es fließt also alles wieder zurück. Zwar nicht an den Staat, der wir ja irgendwie auch alle sind. L'État c'est moi, sagen da unsere Politiker. Sie haben das demokratische Prinzip missverstanden. Und schon befinden wir uns in einer Dreiecksbeziehung, in der keiner glücklich werden kann. Der ungeeigneste Therapeut ist die Fußball-WM. Auch der GPI heute Abend mit Lena Schleyer-Landshut wird die Bundesrepublik nicht einen.
Die BRD, der Zahlmeister der EU: Er vergisst, wie sehr er selbst davon profitiert. Das meiste Geld fließt zurück. Schon mal überlegt, warum die Lebensmittel so günstig sind? Wo Ihr Arbeitgeber seine Projekte her hat? Wie unsere Bauern überleben können bei den Milchpreisen? Wohin die BRD so kostengünstig exportiert? Ich fand es bei meinem kürzlichen Besuch in Griechenland jedenfalls interessant, dass Milchprodukte, Softgetränke und Konfitüren fast ausschließlich in der BRD hergestellt wurden. Griechenland ist kein Exportweltmeister. Dass die Griechen ihre Ware nicht loswerden, liegt nicht an der ihnen unterstellten Faulheit: Ganz Europa schimpft mittlerweile auf die deutsche Exportpolitik und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft der Mitgliedsstaaten. Fast nirgendwo in Europa wird so billig hergestellt wie in der BRD. Da können andere Länder nicht mithalten.
Zusammengerechnet also 422 Miliarden Euro für deutsche Banken sind beim Zahlmeister der EU trotzdem noch locker drin. Das ist eine ganze Menge Geld. Leider kam bisher keiner auf die Idee, dass man es auch für schöne Sachen ausgeben könnte. Mit dieser Summe könnte man zum Beispiel jedem Bundesbürger ein Jahr lang 500 Euro monatlich auszahlen. Und da sind noch nicht einmal jene Transfergelder drin, die die BRD ohnehin schon augibt. Man hätte endlich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen anfangen können. Das hätte die Konjunktur wieder zum Laufen gebracht. Phantasielose Menschen aber finden es richtiger, dieses Geld unseriösen Geschäftsleuten in den Rachen zu stopfen und der Allgemeinheit weitere Zumutungen zu prognostizieren.
Besonders schön sind die Ideen aus dem Hause FDP. Dort versucht man ja ohnehin den leisesten Ansatz gerechter Geldverteilung zurückzuschneiden. Genau betrachtet ist nämlich Harz IV ein Grundeinkommen, wenn auch nicht bedingungslos. Und eben diese FDP will nun den Langzeitarbeitslosen, quasi unser Ambivalent zu den Griechen, eine Wohnkostenpauschale aufdrücken. Harz IV- Empfänger tanzen bekanntlich den ganzen Tag und sind fröhlich, sie schlemmen Luxuslebensmittel und machen sich über die hart arbeitenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Republik lustig. Die bundesdeutsche Logik besagt nämlich folgendes: Wenn es arbeitenden Menschen schlechter geht als nicht arbeitenden, dann muss es Letzteren eben schlechter gehen. Keinesfalls kommt man aber auf die Idee, dass es lediglich den arbeitenden Menschen besser gehen müsste.
Und da schließt sich der Kreis: Der Staat hat mehr Einnahmen durch weniger Ausgaben erzielt. Diese eingesparten Gelder werden für den Schuldenabbau genutzt. Raten Sie mal, bei wem der Staat Schulden hat? Und deswegen tue ich mir gerade sehr schwer, meine Steuererklärung für das Jahr 2009 fertigzustellen. Denn ich weiß, dass ich dieses Mal nichts zurückbekomme, sondern Steuer zahlen muss. Der Staat bekommt also seinen Anteil an meinem Verdienst und zahlt damit wiederum seine Schulden. Mir aber scheint es um so viel einfacher zu sein, wenn das Geld gleich auf meinem Konto bliebe. Eine unschöne Zeitverschwendung: Arbeiten, um zu zahlen! Die FDP wird auch dieses System zu perfektionieren wissen.
Da hat sich der Staat geleistet, dem hoch verschuldeten Griechenland 22 Milliarden Euro zu leihen. Unternehmer, Adelige und Leserreporter laufen Sturm. Das Geld bekomme man nicht mehr zurück, damit hätte man Besseres anfangen können. Steuererleichterungen für die einen, und höhere Löhne für das Prekariat. Selten so gelacht! Seit wann wird Geld direkt an die Bevölkerung ausgeschüttet? Der Staat hat ja nie das Geld für Bildung, Infrastruktur und soziale Gerechtigkeit. Wenn Banken ihr Geld in den Sand setzen, dann gibt es dann doch noch irgendwo lumpige 400 Milliarden Euro. Wenn es aber um verliehenes Geld geht, dass wir nie wieder sehen, dann ist das für Griechenland nur ein Peanut gegen das für UNSERE Finanzmärkte.
Zumal diese Milliarden ja auch nur dazu dienen, damit die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken zurückzahlen bzw. neue Kredite aufzunehmen können. Es fließt also alles wieder zurück. Zwar nicht an den Staat, der wir ja irgendwie auch alle sind. L'État c'est moi, sagen da unsere Politiker. Sie haben das demokratische Prinzip missverstanden. Und schon befinden wir uns in einer Dreiecksbeziehung, in der keiner glücklich werden kann. Der ungeeigneste Therapeut ist die Fußball-WM. Auch der GPI heute Abend mit Lena Schleyer-Landshut wird die Bundesrepublik nicht einen.
Die BRD, der Zahlmeister der EU: Er vergisst, wie sehr er selbst davon profitiert. Das meiste Geld fließt zurück. Schon mal überlegt, warum die Lebensmittel so günstig sind? Wo Ihr Arbeitgeber seine Projekte her hat? Wie unsere Bauern überleben können bei den Milchpreisen? Wohin die BRD so kostengünstig exportiert? Ich fand es bei meinem kürzlichen Besuch in Griechenland jedenfalls interessant, dass Milchprodukte, Softgetränke und Konfitüren fast ausschließlich in der BRD hergestellt wurden. Griechenland ist kein Exportweltmeister. Dass die Griechen ihre Ware nicht loswerden, liegt nicht an der ihnen unterstellten Faulheit: Ganz Europa schimpft mittlerweile auf die deutsche Exportpolitik und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft der Mitgliedsstaaten. Fast nirgendwo in Europa wird so billig hergestellt wie in der BRD. Da können andere Länder nicht mithalten.
Zusammengerechnet also 422 Miliarden Euro für deutsche Banken sind beim Zahlmeister der EU trotzdem noch locker drin. Das ist eine ganze Menge Geld. Leider kam bisher keiner auf die Idee, dass man es auch für schöne Sachen ausgeben könnte. Mit dieser Summe könnte man zum Beispiel jedem Bundesbürger ein Jahr lang 500 Euro monatlich auszahlen. Und da sind noch nicht einmal jene Transfergelder drin, die die BRD ohnehin schon augibt. Man hätte endlich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen anfangen können. Das hätte die Konjunktur wieder zum Laufen gebracht. Phantasielose Menschen aber finden es richtiger, dieses Geld unseriösen Geschäftsleuten in den Rachen zu stopfen und der Allgemeinheit weitere Zumutungen zu prognostizieren.
Besonders schön sind die Ideen aus dem Hause FDP. Dort versucht man ja ohnehin den leisesten Ansatz gerechter Geldverteilung zurückzuschneiden. Genau betrachtet ist nämlich Harz IV ein Grundeinkommen, wenn auch nicht bedingungslos. Und eben diese FDP will nun den Langzeitarbeitslosen, quasi unser Ambivalent zu den Griechen, eine Wohnkostenpauschale aufdrücken. Harz IV- Empfänger tanzen bekanntlich den ganzen Tag und sind fröhlich, sie schlemmen Luxuslebensmittel und machen sich über die hart arbeitenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Republik lustig. Die bundesdeutsche Logik besagt nämlich folgendes: Wenn es arbeitenden Menschen schlechter geht als nicht arbeitenden, dann muss es Letzteren eben schlechter gehen. Keinesfalls kommt man aber auf die Idee, dass es lediglich den arbeitenden Menschen besser gehen müsste.
Und da schließt sich der Kreis: Der Staat hat mehr Einnahmen durch weniger Ausgaben erzielt. Diese eingesparten Gelder werden für den Schuldenabbau genutzt. Raten Sie mal, bei wem der Staat Schulden hat? Und deswegen tue ich mir gerade sehr schwer, meine Steuererklärung für das Jahr 2009 fertigzustellen. Denn ich weiß, dass ich dieses Mal nichts zurückbekomme, sondern Steuer zahlen muss. Der Staat bekommt also seinen Anteil an meinem Verdienst und zahlt damit wiederum seine Schulden. Mir aber scheint es um so viel einfacher zu sein, wenn das Geld gleich auf meinem Konto bliebe. Eine unschöne Zeitverschwendung: Arbeiten, um zu zahlen! Die FDP wird auch dieses System zu perfektionieren wissen.
worte die fallen
Banken,
bedingungsloses Grundeinkommen,
BRD,
EU,
Export,
FDP,
Fußball,
Grand Prix de Eurovision,
Griechenland,
Lena,
Weltmeister
Dienstag, 25. Mai 2010
Der Berufsjugendliche Roland Koch geht! Er wächst bestimmt nach!
Schönes Wetter ist schon wieder passè, Großstadtparanoia und Tötungsphantasien sind erstmal beseitigt. Denkt denn hier irgend jemand auch mal an mich? Dacht' ich's mir doch! Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Hitler musste ja auch erst nach Deutschland kommen, bis er es ordentlich rummsen lassen konnte. Doch wo soll ich hin?
Nein, mich selbst mit Adolf Hitler vergleichen zu wollen, verharmlost ja dann wohl doch die gar nicht allzu lang her gewesene Zeit deutsch-totalitärer Strukturen. Und damit meine ich nicht die Täterääh! Auch wäre es geschichtsvergessen, mich mit einem Herrn Goebbels zu vergleichen (nicht dem Heiner), wie es kürzlich ein Kommentator hier versuchte. Ich bin eigentlich ganz nett, nur manchmal bin ich furchtbar BÖSE!
Vergessen wir Hitler und Goebbels und wenden uns dem Herrn Koch zu, der angekündigt hat, sämtliche (?) politische Ämter zum Ende des Jahres abzugeben. Nach dem beruflichen Abtreten von Bischof Mixa DIE Nachricht des Monats. Wenn nicht sogar des Jahres. Wäre ich CDU- Wähler und Parteimitglied, ich müsste ganz arg weinen vor Kummer. Bin ich aber nicht, meine Tränen sind die der Freude.
Der CDU- Wähler und das Parteimitglied, aber auch der kleine Hitler in mir: Sie alle schätzen den Herrn Koch als Landesvater mit politischem Fingerspitzengefühl und der rechten Gesinnung, welche aus Deutschland das Boot macht, in das nicht mehr alle hinein passen können. Es ist das Gegenboot sozusagen, der Frontexkahn, dessen nachgelassener Wellengang die Boote der Flüchtlinge im Mittelmeer zum kentern bringt.
Herr Koch hat großes Verständnis für jene, die nicht gekentert sind und auch für deren Nachkommenschaft. Denen baute er Paläste aus Stacheldraht, Käfige aus Nirostastahl mit integrierten Essensbonautomaten, auf dass diese Menschen wenigstens bis zu ihrer Abschiebung hin in den Genuss landestypischer Kost kommen können. Ungeachtet ihrer religiösen Essensvorschriften natürlich. Ein bisschen Christianisierung muss halt sein!
Seine freundschaftliche Nähe zum Dalai Lama hat sicher Kochs Faible für die Jugend noch befördert. Koch ist, Bilder beweisen es, Berufsjugendlicher! Aber wer nicht spuren will, muss auf Spur gebracht werden. Da hat auch der Lama bestimmt nichts gegen einzuwenden, steht der doch traditionell bedingt ebenfalls auf autoritären Füßen. Wenn also junge Menschen, noch dazu nichtdeutsche, nicht den Pfad der Erleuchtung finden können im optimal ausgestatteten Bildungssystem des Bundeslandes Hessen, dann werden sie gewiss in anderen Anstalten geläutert.
Schade, dass man jugendliche, deutsche Kriminelle nicht abschieben kann. Bauen wir auch ihnen Paläste aus Stacheldraht und lassen sie die Freuden erzwungenem, homosexuellen Geschlechtsverkehrs erfahren. Wozu aber Knäste, Herr Koch, wenn es doch auch katholische Pfarrer gibt? Was hätte man da Geld einsparen können, gerade in Zeiten klammer Kassen? Zumindest zu Bischof Dybas Zeiten hätten im hessischen Nachkriegs-KZ Fulda wahre Wunder geschehen können, rein erziehungstechnisch. Die Kinder hätten die Dialektik von offen zur Schau getragener Homophobie und homoerotischen Machtphantasien der Würdenträger bewundern können. Bildung, fast für umsonst!
Und da hat es der Herr Koch lieber bewerkstelligt, dass MigrantInnen endlich einmal Farbe bekennen mussten und der ganze Quatsch mit der doppelten Staatsbürgerschaft gerade noch abgewendet werden konnte. Wo gibt's denn sowas? Der Papst, nun ja, der darf das. Wenn wir DEM die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennten, weil er ja nun im Vatikan lebt, dann wären WIR ja nicht mehr Papst. Wozu haben wir denn das C im Parteilogo?
Und die Parteispendenaffäre, da muss ich Ihnen ja mal sagen, da war der Herr Koch auch ganz geschickt. Hat sich aus allen Vorwürfen heraus laviert und brutalstmögliche Aufklärung versprochen. Dann alles ausgesessen. Aufgeklärt ist nichts. Ein paar ehemalige Granden der CDU wurden der Justiz ausgeliefert, das war's dann. Ein Schurkenstück, das hatte fast schon Strauß'chen Charakter. Da zwinkern wir doch lieber geheimnistuerisch mit den Augen als dass wir klagen.
Wer lügt nicht gern, wenn er nicht dafür bestraft wird? Noch nicht einmal vom Wähler? Die denken: Die paar Millionen. Ein Wahlkampf führt sich nicht für lau. Der Gauner, der (hihi)! Da brauchen wir doch das Geld der toten Juden. Und dem lebenden, dem Herrn Friedmann, spendieren wir noch einen Nazi-Begleitschutz. Ein bisschen Spaß muss schließlich sein.
Nun geht er halt, der Herr Koch. Der Nachfolger scheint Volker Bouffier zu sein. Ebenfalls ein großer Spaßmacher der Partei und berühmt für seine herzliche Art, all das auszusprechen, was sich sonst keiner traut. Die Weicheier. Fatal ist nur, dass offenbar genug WählerInnen dieses polarisierende Geschwätz richtig und mutig finden. Wer schaut gern in mein Herz hinein? Es ist das liebe Nazischwein!
Nein, mich selbst mit Adolf Hitler vergleichen zu wollen, verharmlost ja dann wohl doch die gar nicht allzu lang her gewesene Zeit deutsch-totalitärer Strukturen. Und damit meine ich nicht die Täterääh! Auch wäre es geschichtsvergessen, mich mit einem Herrn Goebbels zu vergleichen (nicht dem Heiner), wie es kürzlich ein Kommentator hier versuchte. Ich bin eigentlich ganz nett, nur manchmal bin ich furchtbar BÖSE!
Vergessen wir Hitler und Goebbels und wenden uns dem Herrn Koch zu, der angekündigt hat, sämtliche (?) politische Ämter zum Ende des Jahres abzugeben. Nach dem beruflichen Abtreten von Bischof Mixa DIE Nachricht des Monats. Wenn nicht sogar des Jahres. Wäre ich CDU- Wähler und Parteimitglied, ich müsste ganz arg weinen vor Kummer. Bin ich aber nicht, meine Tränen sind die der Freude.
Der CDU- Wähler und das Parteimitglied, aber auch der kleine Hitler in mir: Sie alle schätzen den Herrn Koch als Landesvater mit politischem Fingerspitzengefühl und der rechten Gesinnung, welche aus Deutschland das Boot macht, in das nicht mehr alle hinein passen können. Es ist das Gegenboot sozusagen, der Frontexkahn, dessen nachgelassener Wellengang die Boote der Flüchtlinge im Mittelmeer zum kentern bringt.
Herr Koch hat großes Verständnis für jene, die nicht gekentert sind und auch für deren Nachkommenschaft. Denen baute er Paläste aus Stacheldraht, Käfige aus Nirostastahl mit integrierten Essensbonautomaten, auf dass diese Menschen wenigstens bis zu ihrer Abschiebung hin in den Genuss landestypischer Kost kommen können. Ungeachtet ihrer religiösen Essensvorschriften natürlich. Ein bisschen Christianisierung muss halt sein!
Seine freundschaftliche Nähe zum Dalai Lama hat sicher Kochs Faible für die Jugend noch befördert. Koch ist, Bilder beweisen es, Berufsjugendlicher! Aber wer nicht spuren will, muss auf Spur gebracht werden. Da hat auch der Lama bestimmt nichts gegen einzuwenden, steht der doch traditionell bedingt ebenfalls auf autoritären Füßen. Wenn also junge Menschen, noch dazu nichtdeutsche, nicht den Pfad der Erleuchtung finden können im optimal ausgestatteten Bildungssystem des Bundeslandes Hessen, dann werden sie gewiss in anderen Anstalten geläutert.
Schade, dass man jugendliche, deutsche Kriminelle nicht abschieben kann. Bauen wir auch ihnen Paläste aus Stacheldraht und lassen sie die Freuden erzwungenem, homosexuellen Geschlechtsverkehrs erfahren. Wozu aber Knäste, Herr Koch, wenn es doch auch katholische Pfarrer gibt? Was hätte man da Geld einsparen können, gerade in Zeiten klammer Kassen? Zumindest zu Bischof Dybas Zeiten hätten im hessischen Nachkriegs-KZ Fulda wahre Wunder geschehen können, rein erziehungstechnisch. Die Kinder hätten die Dialektik von offen zur Schau getragener Homophobie und homoerotischen Machtphantasien der Würdenträger bewundern können. Bildung, fast für umsonst!
Und da hat es der Herr Koch lieber bewerkstelligt, dass MigrantInnen endlich einmal Farbe bekennen mussten und der ganze Quatsch mit der doppelten Staatsbürgerschaft gerade noch abgewendet werden konnte. Wo gibt's denn sowas? Der Papst, nun ja, der darf das. Wenn wir DEM die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennten, weil er ja nun im Vatikan lebt, dann wären WIR ja nicht mehr Papst. Wozu haben wir denn das C im Parteilogo?
Und die Parteispendenaffäre, da muss ich Ihnen ja mal sagen, da war der Herr Koch auch ganz geschickt. Hat sich aus allen Vorwürfen heraus laviert und brutalstmögliche Aufklärung versprochen. Dann alles ausgesessen. Aufgeklärt ist nichts. Ein paar ehemalige Granden der CDU wurden der Justiz ausgeliefert, das war's dann. Ein Schurkenstück, das hatte fast schon Strauß'chen Charakter. Da zwinkern wir doch lieber geheimnistuerisch mit den Augen als dass wir klagen.
Wer lügt nicht gern, wenn er nicht dafür bestraft wird? Noch nicht einmal vom Wähler? Die denken: Die paar Millionen. Ein Wahlkampf führt sich nicht für lau. Der Gauner, der (hihi)! Da brauchen wir doch das Geld der toten Juden. Und dem lebenden, dem Herrn Friedmann, spendieren wir noch einen Nazi-Begleitschutz. Ein bisschen Spaß muss schließlich sein.
Nun geht er halt, der Herr Koch. Der Nachfolger scheint Volker Bouffier zu sein. Ebenfalls ein großer Spaßmacher der Partei und berühmt für seine herzliche Art, all das auszusprechen, was sich sonst keiner traut. Die Weicheier. Fatal ist nur, dass offenbar genug WählerInnen dieses polarisierende Geschwätz richtig und mutig finden. Wer schaut gern in mein Herz hinein? Es ist das liebe Nazischwein!
Sonntag, 23. Mai 2010
Entspannt Euch, Ihr Stadtspinat! Pull Trigger: Click Kill Kill Kill!
Ach ist es nicht schön? Reinstes Frühlingswetter treibt uns hinaus, lässt uns irren in der Wahl der Kleidung (doch noch zu leicht, mein Rock und meine Bluse, ich friere, und die Härchen an meinen Armen stellen sich leicht auf). Wir erfreuen uns auch an der tendenziell steigenden guten Laune anderer Menschen. Mit nichts an als mit einem guten Buch setzt man sich also an ein sonnenbeschienenes Ufer oder auf eine Parkbank und lässt gut Ding lange Weile sein. Betrachtungen sind des Königs neue Kleider, und sie stehen ihm so gut, dass der König keine Ohrstöppsel braucht, um sich Gesehenes oder Gehörtes wegzudröhnen.
Derweil dieses hier geschrieben wird, sitze ich natürlich an keinem Ufer und auf keiner Parkbank, und selbstredend höre ich Musik, in diesem Falle die "Kolossale Jugend", altehrwürdige Band aus Hamburg, lange schon tot, aber mit jeder Silbe und jedem Ton die Wahrheit sprechend. Gestern Erlebtes will sich hier in die Zeilen drängen und schlägt mir zum Behufe desselben eins in die Fresse, fingert mir ins Gesicht, Aufmerksamkeit erheischend: schreib schreib schreib, schreib Du Stadtspinat! Dieser Text ist keine Party!
Gestern (noch kein Krieg): Da sitze ich also alleine auf einer der großteils abgeschraubten Parkbänke am Paul-Linke-Ufer, diese Angeberpromenade mit all seinen satten Stinos und den achsokreativen, LUSTIGEN (weil bunten) jungen Austauschstudenten. Ich lächle zufrieden wie ein Buddha auf Drogen und bin recht froh. Wo soll ich sonst hin, wie sonst soll ich sein? Im restlichen Kreuzberg, Treptow und Neukölln ist der Kanal zugesperrt, die Mauer kommt zurück: Jetzt handelt es sich noch um einen Bauzaun, aber wartet nur...
Versonnen betrachte ich all die jungen und alten, auf alle Fälle aber ängstlichen, Muttis, wie sie ihre Kinderwägen schieben und sich alle paar Meter lang darüberbeugen, um nach dem Rechten zu schauen. Womöglich hat das Kind in den letzten Sekunden nun doch einen Sonnenbrand bekommen, oder es ist ihm plötzlich kalt, oder nicht vielleicht zu warm? Sind ihm möglicherweise Flügel gewachsen und es will der Mutter fliehen? Schnell, Schere heraus und zippzapp, Flügel ab. Frauen proben schon einmal die Rolle der Übermutter, um diese perfekt mimen zu können. Für den Fall, das Kind sollte doch einmal größer werden und einen eigenen Willen entwickeln. Deinen eigenen Willen sollst Du haben, mein Kind, solange es nur auch mein Wille ist!
Ja, da wachsen sie heran, die neuen Menschen: Sie brauchen später keinen Therapeuten, weil man versucht hat sie zu disziplinieren, weil man sie geschlagen oder nicht geliebt hat. Sie gehen zu Therapeuten, weil sie zu sehr geliebt wurden, so dass ihnen die Brust engt, wenn sie nur einmal selber ein- und ausatmen wollen. Sonst pressen ihnen die Eltern mit ihren starken Fangarmen ja die Luft heraus. Wie soll das denn überhaupt gehen, selber Atmen? Mami, wirf die Decke über mein Körperchen! Mami, setze das Helmchen auf mein Köpfchen. Mache mir Creme in mein Gesicht. Fahr mich, wohin Du willst mit Deinem Sicherheitspanzer und ummäntele mich mit Deinem Behüteponcho! Die Welt wird kalt genug sein, wenn Du stirbst dereinst.
Da beneide ich die Unterschichtenkinder! Keinen Zugang zu Bildung, aber auch keinen zur Verbildung. Einbildung. Ihnen läuft die Nase und mit ihnen andere verrotzte Kinder. Ihr Spielzeug ist die Straße. Ihre Eltern vernachlässigen sie. Ihre Eltern geben ihnen Freiheit. Ihre Eltern schenken ihnen ihre Nichtbeachtung. Ihre Eltern sind keine Eltern. Deswegen sind es vielleicht gute Eltern. Die Kinder sind lebendig. Sie haben keine Chance. Die Kinder der Bildungselite haben eine Chance. Man stopft sie jedoch zurück in den Mutterleib. Darinnen begraben, füttern die Mütter ihre Kinder durch den Spalt zwischen ihren Beinen.
Etwas später (Krieg): Welche Kinder werden zu amoklaufenden Jugendlichen oder Erwachsenen? Warum klingen die kleinsten Vögel hier draußen plötzlich alle nach den allergierigsten Rabentieren. Und warum ist das ehemals zarte Grün der Bäume mit einem Mal giftig, warum hat das Wasser im Kanal ein kaltes Herz? Heaven is a place where nothing ever happens. Der Himmel ist die Hölle. Mein MP3Player wird zur Waffe, im Magazin ist ausreichend Munition, um die Menschheit auszurotten. Setze Kopfhörer auf zwecks Schallschutz. Ich erchieße alle um mich herum mit Noten und Worten. Am Ende erschieße ich mich selbst, so wird es sein.
Das tumbe Pack kommt näher, ich ziele bereits darauf, ich befreie das Kind im Wagen, ich befreie auch das Kind im Bauch von seinen Bremsern und Verstümmlern. Sie sind so dumm, so instinktlos, und setzen sich direkt zu mir. Sie okkupieren mein Land und drängen mich hinaus, fremd auf der eigenen Bank. Sie scheinen nicht verwundbar zu sein durch meine Musik. Die Mutter zappelt zwar im Kugelhagel, doch sie weicht den Gechossen nur aus. Ihr Gefuchtel macht mich wahnsinnig, ihr retardiertes, vollbeschäftigtes Muttergehabe. Und der Vater ist ein Vollpfosten mit Verantwortung, wo ist denn der strafende Gott der Christen, wenn man ihn nur braucht?
Da will ich die letzte Waffe zur Verteidigung ergreifen, will den Familienklumpen mit einer Zigarette niederstrecken. Leider habe ich keine Zigaretten dabei. Ich verzweifele zunehmend, während ich immer weiter ins Abseits gedrängt werde von diesen kalten Kriegern mit ihren Geiseln in Leib und Kinderwagen. Kollateralschäden, Guerillakrieg, Strategiewechsel. Ich schieße Blickeraketen ab, sie verfehlen ihr Ziel. Da tauchen Verbündete auf. Es werden immer mehr. Sie riechen bereits die Kadaver der Gefallenen und wollen nun deren Besitz fleddern. Sie schneiden mir den Weg zu meinen Truppen ab. Versorgungsengpass. Belagerung. Hunger auf Perspektive. Dann diktieren sie die Bedingungen meiner Kapitulation.
Geschlagen, gedemütigt, erobert. Ich willige ein und gehe. Wohin? Heimatlos. Meine Tasche aber lasse ich wie unabsichtlich liegen. Kaum habe ich den Ort, verlassen, höre ich die Explosion, spüre die Druckwelle. Rieche verbranntes Fleisch. Die Unterdrückten jubeln, sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sie tanzen um die abgetrennten Körperteile ihrer einstigen Unterdrücker herum und gründen eine neue Republik. In ihr wird alles anders werden. Ich lächle und nenne dies Entspannungspolitik. Ich habe noch viele Taschen und Koffer. Im Supermarkt gegenüber gibt's Sprenggürtel im Sonderangebot.
Derweil dieses hier geschrieben wird, sitze ich natürlich an keinem Ufer und auf keiner Parkbank, und selbstredend höre ich Musik, in diesem Falle die "Kolossale Jugend", altehrwürdige Band aus Hamburg, lange schon tot, aber mit jeder Silbe und jedem Ton die Wahrheit sprechend. Gestern Erlebtes will sich hier in die Zeilen drängen und schlägt mir zum Behufe desselben eins in die Fresse, fingert mir ins Gesicht, Aufmerksamkeit erheischend: schreib schreib schreib, schreib Du Stadtspinat! Dieser Text ist keine Party!
Gestern (noch kein Krieg): Da sitze ich also alleine auf einer der großteils abgeschraubten Parkbänke am Paul-Linke-Ufer, diese Angeberpromenade mit all seinen satten Stinos und den achsokreativen, LUSTIGEN (weil bunten) jungen Austauschstudenten. Ich lächle zufrieden wie ein Buddha auf Drogen und bin recht froh. Wo soll ich sonst hin, wie sonst soll ich sein? Im restlichen Kreuzberg, Treptow und Neukölln ist der Kanal zugesperrt, die Mauer kommt zurück: Jetzt handelt es sich noch um einen Bauzaun, aber wartet nur...
Versonnen betrachte ich all die jungen und alten, auf alle Fälle aber ängstlichen, Muttis, wie sie ihre Kinderwägen schieben und sich alle paar Meter lang darüberbeugen, um nach dem Rechten zu schauen. Womöglich hat das Kind in den letzten Sekunden nun doch einen Sonnenbrand bekommen, oder es ist ihm plötzlich kalt, oder nicht vielleicht zu warm? Sind ihm möglicherweise Flügel gewachsen und es will der Mutter fliehen? Schnell, Schere heraus und zippzapp, Flügel ab. Frauen proben schon einmal die Rolle der Übermutter, um diese perfekt mimen zu können. Für den Fall, das Kind sollte doch einmal größer werden und einen eigenen Willen entwickeln. Deinen eigenen Willen sollst Du haben, mein Kind, solange es nur auch mein Wille ist!
Ja, da wachsen sie heran, die neuen Menschen: Sie brauchen später keinen Therapeuten, weil man versucht hat sie zu disziplinieren, weil man sie geschlagen oder nicht geliebt hat. Sie gehen zu Therapeuten, weil sie zu sehr geliebt wurden, so dass ihnen die Brust engt, wenn sie nur einmal selber ein- und ausatmen wollen. Sonst pressen ihnen die Eltern mit ihren starken Fangarmen ja die Luft heraus. Wie soll das denn überhaupt gehen, selber Atmen? Mami, wirf die Decke über mein Körperchen! Mami, setze das Helmchen auf mein Köpfchen. Mache mir Creme in mein Gesicht. Fahr mich, wohin Du willst mit Deinem Sicherheitspanzer und ummäntele mich mit Deinem Behüteponcho! Die Welt wird kalt genug sein, wenn Du stirbst dereinst.
Da beneide ich die Unterschichtenkinder! Keinen Zugang zu Bildung, aber auch keinen zur Verbildung. Einbildung. Ihnen läuft die Nase und mit ihnen andere verrotzte Kinder. Ihr Spielzeug ist die Straße. Ihre Eltern vernachlässigen sie. Ihre Eltern geben ihnen Freiheit. Ihre Eltern schenken ihnen ihre Nichtbeachtung. Ihre Eltern sind keine Eltern. Deswegen sind es vielleicht gute Eltern. Die Kinder sind lebendig. Sie haben keine Chance. Die Kinder der Bildungselite haben eine Chance. Man stopft sie jedoch zurück in den Mutterleib. Darinnen begraben, füttern die Mütter ihre Kinder durch den Spalt zwischen ihren Beinen.
Etwas später (Krieg): Welche Kinder werden zu amoklaufenden Jugendlichen oder Erwachsenen? Warum klingen die kleinsten Vögel hier draußen plötzlich alle nach den allergierigsten Rabentieren. Und warum ist das ehemals zarte Grün der Bäume mit einem Mal giftig, warum hat das Wasser im Kanal ein kaltes Herz? Heaven is a place where nothing ever happens. Der Himmel ist die Hölle. Mein MP3Player wird zur Waffe, im Magazin ist ausreichend Munition, um die Menschheit auszurotten. Setze Kopfhörer auf zwecks Schallschutz. Ich erchieße alle um mich herum mit Noten und Worten. Am Ende erschieße ich mich selbst, so wird es sein.
Das tumbe Pack kommt näher, ich ziele bereits darauf, ich befreie das Kind im Wagen, ich befreie auch das Kind im Bauch von seinen Bremsern und Verstümmlern. Sie sind so dumm, so instinktlos, und setzen sich direkt zu mir. Sie okkupieren mein Land und drängen mich hinaus, fremd auf der eigenen Bank. Sie scheinen nicht verwundbar zu sein durch meine Musik. Die Mutter zappelt zwar im Kugelhagel, doch sie weicht den Gechossen nur aus. Ihr Gefuchtel macht mich wahnsinnig, ihr retardiertes, vollbeschäftigtes Muttergehabe. Und der Vater ist ein Vollpfosten mit Verantwortung, wo ist denn der strafende Gott der Christen, wenn man ihn nur braucht?
Da will ich die letzte Waffe zur Verteidigung ergreifen, will den Familienklumpen mit einer Zigarette niederstrecken. Leider habe ich keine Zigaretten dabei. Ich verzweifele zunehmend, während ich immer weiter ins Abseits gedrängt werde von diesen kalten Kriegern mit ihren Geiseln in Leib und Kinderwagen. Kollateralschäden, Guerillakrieg, Strategiewechsel. Ich schieße Blickeraketen ab, sie verfehlen ihr Ziel. Da tauchen Verbündete auf. Es werden immer mehr. Sie riechen bereits die Kadaver der Gefallenen und wollen nun deren Besitz fleddern. Sie schneiden mir den Weg zu meinen Truppen ab. Versorgungsengpass. Belagerung. Hunger auf Perspektive. Dann diktieren sie die Bedingungen meiner Kapitulation.
Geschlagen, gedemütigt, erobert. Ich willige ein und gehe. Wohin? Heimatlos. Meine Tasche aber lasse ich wie unabsichtlich liegen. Kaum habe ich den Ort, verlassen, höre ich die Explosion, spüre die Druckwelle. Rieche verbranntes Fleisch. Die Unterdrückten jubeln, sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sie tanzen um die abgetrennten Körperteile ihrer einstigen Unterdrücker herum und gründen eine neue Republik. In ihr wird alles anders werden. Ich lächle und nenne dies Entspannungspolitik. Ich habe noch viele Taschen und Koffer. Im Supermarkt gegenüber gibt's Sprenggürtel im Sonderangebot.
Mittwoch, 12. Mai 2010
Situation. Malerei / akustische Installation.
Holger Endres / Holger E. Karst
15.05.2010 / 19Uhr
ca. 2 Stunden
H7/15 Mannheim
Holger Endres: Ich gebe eine Fläche von 210 x 150 cm auf einer Wand vor. Angefangen an der oberen linken Kante
male ich eine schwarze Linie senkrecht zur unteren Ecke der Fläche. Enganliegend führe ich weitere
Linien fort. Nach ca. 90 Minuten ist die Malerei an der rechten unteren Ecke der Fläche beendet.
H. E. Karst: Mit der akustischen Installation erforsche ich die
Wechselseitigkeit von Raum, Akustik und Individuum. In einem Raum
befinden sich drei autarke Soundsysteme, welche 66 verschiedene
akustische Texturen und Pausen im Shuffle-Modus übereinander schichten.
Es entstehen dissonante Tongebirge, aber auch harmonische
Geräuschelandschaften. Der Zuhörer bewegt sich im Raum und setzt dabei
eigene Akzente beim Hören. Er wird selbst zu einem Teil der
Installation, zu einem vierten "Soundsystem". In dieser Anhäufung
generierter Zufälle entstehen spezifische, nicht wiederholbare
Situationen.
3 Stk. MP3 Player / Shuffle Repeat Mode
3 Stk. Multimedia Speaker / moderate Lautstärke
66 Loops / [un]cut / ca. 300 Minuten
15.05.2010 / 19Uhr
ca. 2 Stunden
H7/15 Mannheim
Holger Endres: Ich gebe eine Fläche von 210 x 150 cm auf einer Wand vor. Angefangen an der oberen linken Kante
male ich eine schwarze Linie senkrecht zur unteren Ecke der Fläche. Enganliegend führe ich weitere
Linien fort. Nach ca. 90 Minuten ist die Malerei an der rechten unteren Ecke der Fläche beendet.
H. E. Karst: Mit der akustischen Installation erforsche ich die
Wechselseitigkeit von Raum, Akustik und Individuum. In einem Raum
befinden sich drei autarke Soundsysteme, welche 66 verschiedene
akustische Texturen und Pausen im Shuffle-Modus übereinander schichten.
Es entstehen dissonante Tongebirge, aber auch harmonische
Geräuschelandschaften. Der Zuhörer bewegt sich im Raum und setzt dabei
eigene Akzente beim Hören. Er wird selbst zu einem Teil der
Installation, zu einem vierten "Soundsystem". In dieser Anhäufung
generierter Zufälle entstehen spezifische, nicht wiederholbare
Situationen.
3 Stk. MP3 Player / Shuffle Repeat Mode
3 Stk. Multimedia Speaker / moderate Lautstärke
66 Loops / [un]cut / ca. 300 Minuten
worte die fallen
Ausstellung,
Galerie,
H7/12,
Klang,
Malerei,
Mannheim,
Performance,
Sound
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