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Sonntag, 9. November 2014

100 Jahre Einheit (respektive Reichspogromnacht)! Herzlichen Glückwunsch, Bunzreplik, Du geile Sau!

bunt, süß und kalt: Der "neue" Kapitalismus!
Wir gedenken unseren Ground Zeros, unseren 9.11. nach europäischer Zeitrechnung. Nach diesen Tagen war nichts mehr wie so wie vorher: 1938 und 1989 - welch schicksalhafte Jahre, welch schicksalhafte Tage! Hier ein kurzer Abriss der Ereignisse:

Wo ich war? 1938 genetisch schon angelegt in den Hoden meiner Großväter, habe ich mit der Reichspogromnacht wohl wenig zu tun. Die Rolle meiner Großväter bleibt mir verborgen. Immerhin war der eine Gendarm und Mitglied der NSDAP. Das hätte ich nicht gedacht. Ich habe es aber erst nach seinem Tod erfahren. Es war bei ihm nicht so offensichtlich wie bei so manchem CDU- oder FDP-Politiker.

1989 war ich schon mündig und habe gewusst, dass die Einheit nicht umsonst zu haben ist. Ganz entgegen der Aussagen der sogenannten Einheitspolitiker. Heiner Geissler (CDU) hat's in den Raum gestellt und wurde deshalb kaltgestellt.

Nicht dass ich aus Kostengründen gegen die Einheit gewesen wäre. Aber auch eine demokratische Zweistaatenlösung wäre gut gewesen. Hat man der ehemaligen Tätärää nicht einfach unser Konzept der Demokratie übergestülpt? Ich denke schon! Dann aber denke ich es auch wieder nicht: Die Neudeutschen aus der Zone haben unseren rheinischen Kapitalismus nie kennenlernen dürfen. Nach dem Beitritt war der nämlich schon passé.

Der rheinische Kapitalismus war so urst gemütlich wie man es sich nicht mehr vorstellen kann heutzutage. Die Gewerkschaften waren damals noch auf der Seite der Arbeitnehmer! Es wurden regelmäßig Gehaltserhöhungen gefordert, und die Arbeitgeber haben nicht wie heute einfach Nein! gesagt.

Sie haben gesagt: Jein! Nicht so hoch jedenfalls! Keine 7 Prozent. Eher so 3! Wegen der Rezession. Oder wegen Wurst oder auch einfach so. Weil: Damals hatten manche Arbeitgeber noch ein schlechtes Gewissen, wenn sie den guten Kaviar ganz alleine gegessen haben und ihre Arbeitnehmer Wurst aus der Dose essen mussten.

Da herrschte noch Anstand. Dann aber kam die Wende und Hitler, entschuldigung, Kohl, hat den sogenannten Runden Tisch erfunden. Und vorbei war's mit dem rheinischen Kapitalismus. Denn plötzlich saßen da alle Arbeitgeber mit Politikern an einem Tisch und haben sich gegenseitig Zugeständnisse gemacht.

Und wie das so ist, wenn sich zwei unter Ausschluss der wirklich Betroffenen gegenseitig Zugeständnisse machen, kommt dabei auch nur Gutes für alle Beteiligten raus: Die Politik hat die durch die Wende ganz arg gebeutelte Wirtschaft unterstützt und die Wirtschaft hat im Gegenzug in Aussicht gestellt, nicht allzu viele Leute zu entlassen.

In Wahrheit hat die Wirtschaft aber gar nicht die Kosten der Einheit getragen. Ganz im Gegenteil hat sie enorm davon profitiert. Die Kosten haben im Grunde so egale Leute wie Du und Ich getragen, aus dem Osten und aus dem Westen. So dumme Leute verdienen es allerdings nicht, eine Arbeit zu bekommen, geschweige denn eine gut bezahlte. Die schlauen Arbeitgeber hingegen konnten ihre Versprechen, die sie der Politik gemacht hatten, aus diversen Gründen irgendwie nicht so richtig einhalten, sonst... die Arbeitsplätze, Sie wissen schon... im Ausland ohnehin billiger... knick knack!

Nennenswerte Gehaltserhöhungen gab es nun nicht mehr: Entweder waren die Zeiten schlecht und kein Geld war da oder die Zeiten waren gut und es mussten Rücklagen gebildet werden für schlechte Zeiten. Es ist nie jemand auf die Idee gekommen, in schlechten Zeiten mittels Rücklagen Gehaltserhöhungen durchzusetzen. Hätte funktionieren können, stattdessen haben wir die Gürtel enger geschnallt.

Die Gewerkschaften haben schließlich begonnen, sich ganz auf die zu konzentrieren, die noch einen Job haben und einigermaßen bezahlt werden. Dabei haben sie alle anderen vergessen, die daraufhin weniger und weniger verdient haben und am Ende gar nichts mehr, weil es keine Jobs mehr für sie gab. Dann hat Hitler, entschuldigung, Schröder, Hartz IV erfunden und alles wurde wieder gut:

Seitdem arbeiten nämlich sehr viele Leute viel für wenig Geld und ein paar Leute arbeiten wenig für sehr viel mehr Geld. Und andere arbeiten gar nicht und haben so viel wie die Leute, die viel arbeiten. Da stellt man sich dann Fragen. Aber wegen der gelungenen Bildungspolitik unserer Bunzreplik halten alle nur noch durch und haben verinnerlicht, dass der beste Lohn immer noch die Arbeit selbst ist und die Anerkennung, die daraus resultiert.

Nur das Nötigste zu haben und nicht dafür zu arbeiten gilt hingegen als verpönt und unwürdig. Solche Leute beuten den Staat aus. Solide Bildungspolitik verhindert dabei, dass die Leute auf die Idee kommen, dass es der Staat und die Wirtschaft sind, welche alle anderen ausbeuten. Der Staat, das sind wir? Da müssen dann alle wieder lachen!

Damit sich Arbeit wieder lohnt, hat Hitler, entschuldigung, Merkel, dann den Mindestlohn erfunden. Der ist eine Zukunftsinnovation, weil er erst 2017 kommt (wahrscheinlich) und dann auch nicht für alle. Ausgenommen sind alle die, die auch schon heute weniger als den Mindestlohn erhalten. Das könnte irgendwie schon wieder putzig sein in seiner Verlogenheit!

Die Einheit ist nun vollbracht: Es wächst zusammen, was zusammen gehört! Keiner hat sich Träumen lassen, wie wenig alles zusammen gehört. Entsprechend findet sich Geld zu Geld und Armut wird geteilt und vererbt. Man könnte an H.G. Wells Zeitmaschine denken, an Morlocks und an Eloys, aber selbst in dieser Dystopie scheint die Welt gerechter: Wenn wir die Reichen doch wenigstens nach einer Weile einfach aufessen dürften!

Stattdessen läuft es so ab: Wohlgekleidete Menschen höherer Einkommensklassen sowie ein paar trächtige Mitteweibchen kommen zu einer Olivenölverkostung zusammen und tunken weißes Brot in die zugegebenermaßen wohlduftende Flüssigkeit. Dazu trinken sie einen Riesling aus zu großen Weingläsern und unterhalten sich ausschließlich über Güte und Qualität der Öle und deren Produktionweise.

Früher hat man den Herstellern diese Schrulligkeit gestattet, schließlich will man ja, dass schmeckt was sie herzustellen gedenken. Heute muss auch noch der Kunde zum Experten werden und sanft mit den Augen rollend Speiseöl goutieren, womöglich gurgeln und über den warmen Abgang und die leicht nussige Note dieses vorzüglichen Öls aus biologischer Herstellung raissonieren.

Ich habe es ungefähr zehn Minuten dort ausgehalten und habe mich dann verdrückt, ohne noch ein Foto zu machen. Gestern konnte ich es noch nicht erklären, was mich eigentlich mehr gestört hatte: das blasierte Getue der betuchten Gäste, der Hype um ein Lebensmittel, das esoterische, pseudophilosophische  Drumherum? Ich sagte mir: Du bist aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht so weit, an einer Speiseölverkostung Freude zu haben!

Heute denke ich: Ich bin innerlich einfach noch nicht tot genug, um mich nicht darüber aufzuregen, wenn erwachsene Menschen ihren Fokus auf etwas völlig Nebensächliches lenken und einem Speiseöl eine beinahe religiöse Bedeutung zugestehen, während sich in aller Welt Menschen auf der Flucht befinden, im Mittelmeer ersaufen oder gleich von einer Horde Irrer vor Ort ermordet werden.

Können Menschen, die völlig ernsthaft Brot ins Olivenöl stippen und darüber philosophieren, über ein politisches (Verantwortungs-) Bewusstsein verfügen? Die wählen doch bestimmt alle die Grünen! Woran erinnert mich das? Ach ja: Kunst setzt ebenfalls blasierte Vollpfosten frei, doch ist Kunst auch immer Ausdruck einer empfundenen Gegenwart und damit auch politisch. Öl hingegen ist doch nur politisch, wenn es aus der Erde kommt und man viel Brumm Brumm damit machen kann. Wo sind die Waffen, wenn man sie mal braucht?

Sonntag, 6. Juli 2014

Trashlektüre orwellscher Ausmaße: Drei Farben Schwarz, Rot, Gold für die Jubeldeutschen!

Und sie winkten mich heraus aus der unbefahrenen Straße, sie hielten eine Kelle rechts heraus also, und ich brachte mein Fahrrad langsam zum Stehen. Was ich um diese Zeit hier zu suchen hätte, auf offener Straße, fragte einer der Beamten, noch während er den Wagen verließ.

Scheiße, Tugendwächter, dachte ich noch. Doch da bekam ich schon alle meine Verstöße gegen die neue Doktrin verlesen. Dass mein Fahrrad über keine zulässige Beleuchtung verfügt, schien den Tugendwächtern gar nicht aufzufallen. Oder es interessierte sie nicht. Seit der neuen Doktrin interessiert ohnehin nur das Eine!

Einer ging zum schwarz-rot-goldenen Dienstfahrzeug zurück, wohl um meine Papiere zu überprüfen. Der andere fixierte mich mit Kabelbinder an einem Laternenpfahl und machte sich dann am Kofferraum zu schaffen. Er kam mit einem kleinen Koffer zurück.

Dich kriegen wir schon korrekt, Du Ketzer! Er öffnete das Köfferchen und kramte einen kleinen Pinsel hervor. Er bestrich meine Wangen mit den Farben der Bundesrepublik, Verzeihung: mit den Nationalfarben und behängte mich mit einer Alohakette selbem Farbspektrums. Ich wurde zwangsnationalisiert, mit aller Gewalt!

Der andere Tugendwächter hatte unterdessen meine Papiere überprüft und machte sich an meinem Fahrrad zu schaffen. Mit dem selben Kabelbinder, mit dem ich an der Laterne festgebunden war, befestigte er eine Deutschlandflagge daran. Über die Griffe drapierte er schwarzrotgoldene Söckchen.

Mir wurden noch einmal alle meine Pflichten als deutscher Patriot verlesen. Ich musste ebenso einen Eid auf die Nation, das Vaterland und die FIFA schwören. Dann erst wurden meine Fesseln gelöst und ich durfte weiterfahren. Nicht irgenwohin, selbstredend, sondern direkt zur nächsten Großleinwand, ohne Umweg!

Der Tugendwächter, der mich herausgeputzt hatte, zeigte mir auf seinem Smartphone den schnellsten Weg. Und keine krummen Dinger, Junge! Beim nächsten Mal schicken wir Dich sofort zum Feldkaplan Gauck, und der entsendet Dich in ein Kriegsgebiet seiner Wahl. Dort reicht es dann nicht mehr, auf eine Leinwand zu schauen und zu jubeln, um Deine patriotische Pflicht zu erfüllen.

Ich schwor ewige Treue und dankte den Herren Tugendwächtern für die Läuterung. Ich habe gesündigt und nun bereue ich. Kein Ding und kein Mensch kann mir meinen Glauben an die Nation und an die Große Mutti mehr nehmen. Führe uns zum Sieg, wir folgen Dir! Ich bin nun ein Jubeldeutscher, ein Guter!

Sonntag, 1. Dezember 2013

Tolle Typen # 12: Matthias Matussek, Autoerotiker! Eine Replik!

Ach ja, da ist er wieder: Der bekennende Katholik und Automobilliebhaber Matussek. In seinem Essay, ich las ihn gerade in der Spiegelausgabe #44 dieses Jahres, bedauert er, "Die Deutschen liebten ihr Auto, heute hassen sie es." Und diese Hasser, sie stifteten eine Religion, welche das autofahrende Abendland gefährde oder so ähnlich. Quasi eine Gegenreligion zu der des Autoliebhabers. So what? Alter Mann, Autoliebhaber, findet andere Religionen doof: wen interessiert's? Trotzdem, der Text hat mich irgendwie berührt, wenn auch eher unangenehm.

Große Worte sind das jedenfalls, die er da gebraucht: Liebe und Hass, all das innerhalb eines einzigen Satzes! Solche starke Gefühle einem Ding gegenüber? Ich muss doch sehr bitten: Objektive Menschen mögen Dinge oder sie mögen sie nicht. Übersteigerte Gefühle einem Ding gegenüber ist Fetischismus. Gut: Die einen bevorzugen hohe Stiefel an Frauenbeinen (ich), anderen genügen bereits die Beine (auch ich, wenn Stiefel gerade nicht zur Hand (sic!) sind und ich mich frage, ob die Beine einer Frau Dinge sind), bei wiederum anderen (Matussek und ein paar Neandertaler) sind es eben die Autos. Da ist für jeden etwas drin.

Aber jene, die das Ende des herkömmlichen Autos beschwören und gleichzeitig kreuzöde, ästhetisch gleichgeschaltete und beinahe emissionsfreie Vehikel führen, gleich als Selbstgerechte, als Religionsstifter zu bezeichen, geht etwas an der Sache vorbei. Natürlich wäre es besser, sie ließen gleich ganz vom Auto ab. Das wäre dann wenigstens konsequent. Aber was ist mit denen, die aus verschiedenen Gründen tatsächlich verzichten? Sind die auch selbstgerecht? Diese Frage möchte ich vom Herrn Matussek bitte direkt beantwortet wissen.

Ich stelle mir Herrn Matussek als jemanden vor, der wie viele Bundesdeutsche aufgrund latenter Mittelmäßigkeit erfolgreich ist und nicht in Stadtzentren leben muss. Er besitzt bestimmt ein Häuschen im Umland und fährt tagtäglich mit seinem geliebten Auto in die nächste große Stadt zur Arbeit. Wochenends verbringt er viel Zeit mit seinem Auto und streichelt es sauber und glänzend. Dann cruist er mit seinem frisch gewienerten Porsche (?) durch die volle Künstlichkeit des bundesdeutschen Waldes. Danach bleibt noch etwas Zeit für den Lebenspartner und ggf. auch für die Kinder. Katholiken haben ja all so was. Und da möchte er nicht gestört werden von so Leuten, die seine lieben Gewohnheiten in Frage stellen. Ein bisserl selbstgerecht ist halt ein jeder von uns.

So ähnlich war ich auch einmal. In meiner Jugend. Nun gut, fürs Säubern meiner diversen Autos war ich nie so recht zu haben. Aber auch ich liebte es, wie in George Lucas' Film "American Graffity" durch die Gegend zu cruisen und mich selbst zu bedauern. Ich lebte auf dem Land, und wer arbeiten wollte und danach auch Freundschaften zu pflegen hatte, dem blieb auch gar nichts anderes übrig als hin und wieder zu cruisen. Dies war auch die Folge eines Rückbaus des ÖPNV zugunsten der Automobilität. Wenn ich heute meine Mutter besuche, bin ich ausschließlich zu Fuß unterwegs. Hey, was früher unmöglich schien, es geht: Freunde aus anderen Orten zu besuchen, und das ganz ohne Türenklapp und Zündschlosswiehern.

Zurück in die Vergangenheit: Die Planung der Städte und Dörfer war (und ist es heute noch) bereits in den 80ern völlig dem Kraftverkehr untergeordnet. Noch heute ist es übrigens eine selbstmörderische Unternehmung, die Kreisstraßen mit dem Fahrrad zu befahren. Jedoch wurden einige Bahnstrecken reaktiviert. Und dort, wo keine Bahnstrecke reaktiviert wurde, ist immerhin schon seit Jahrzenten geplant, an deren Stelle Fahrradwege zu bauen. Den matussekschen Selbstgerechten verdanken wir das übrigens nicht, sondern schlicht der unglaublichen Menge an Fahrzeugen, welche Tag für Tag die Straßen verstopfen.

Während Herr Matussek nun in Nostalgie schwelgt und die Zeiten vermisst, als den Menschen CO2-Emissionen noch unbekannt und egal waren und sie ihre Aschenbecher noch aus fahrenden Autos heraus in die Pampa entleerten, wird heute angesichts übervoller Straßen deutlich, dass amerikanisches Cruising, das zufällig auch irgendwie die Weite eines dünn besiedelten Landes benötigt, nicht in die bundesdeutsche Enge transferiert werden kann.

Aber wie man es auch dreht: Selbst durch das New Yorker Zentrum werden wohl nur Vollidioten cruisen wollen. Auch wenn es noch so sehr der amerikanischen Tradition entspricht: Der Bundesrepublik fehlt sie völlig: Wer hierzulande mit dem Wagen durch das Land cruiste, der war schlecht beleumundet und wurde mitunter sogar interniert. Schwer und auch unpassend, daraus eine stolze, bundesdeutsche Tradition zu konstruieren.

Nun bin ich erwachsen, lebe in einer Stadt und brauche kein Auto mehr. Dafür bin ich dankbar. Dass meine Mutter immer noch auf ein solches Fahrzeug angewiesen ist, nehme ich ihr nicht übel. Es ist für sie das, was es im Grunde auch immer war: Ein Vehikel, das zu benutzen ist, wenn es gebraucht wird und das stehen zu lassen ist, wenn es nicht gebraucht wird. Und wenn es dabei emissionsfrei ist, bitteschön. Ein Auto ist schließlich kein Kunstwerk, es ist ein Gebrauchsgegenstand. Es muss nicht ästhetischen Aspekten genügen, ethischen jedoch sehr wohl.

Es gibt kein Recht darauf, ein Auto fahren zu dürfen. Es gibt allerdings auch kein Recht auf eine schadstoffarme Luft. Aber ich finde, dass es dieses Recht geben sollte. Viel mehr als das Recht, ein Auto fahren zu dürfen. Da bleibe ich hart. Herr Matussek sollte sich doch einfach mal zehn Minuten an den Straßenrand zum Beispiel der Karl-Marx-Straße in Berlin stellen. Wenn er dann immer noch glaubt, emissionsarme Autos seien das Werk selbstgerechter Arschkneifer, dann weiß ich wenigstens, was ich von ihm halten soll.

Dass er nun aber angesichts all dieser Selbstgerechten aufzuckt, ist vielleicht die Reaktion auf die Angst vor dem Verschwinden eines Männlichkeitsideals. Einem Ideal, die dem Fahrenden Potenz verleiht und aus dem Nichtfahrenden eine "Schwuchtel" oder eine "Pussie" bzw. aus dem Mitfahrenden ein "Mädchen" macht. Diese Verachtung all jenen gegenüber, die nicht am Steuer einer motorisierten Schwanzverlängerung sitzen, gibt es freilich immer noch. Doch die Apologeten dieser zwischen Altbackenheit, Technikaffinität und Homophobie bzw. Misogynie oszillierenden Männlichkeit wanken und stolpern blindwütig vor Daseinsangst durch die Welt. Doch keine Angst: Auch sie werden platziert!

Denn es ist schön, dass es eine größere werdende Zahl Menschen gibt, die verzichten und statt zu cruisen lieber zu Fuß durch die Stadt flanieren. Und wenn sie ins Umland ihrer Stadt flüchten, dann tun sie es mit der Bahn oder mit dem Fahrrad. Und dann spazieren sie durch den Wald oder durch die Heide und sind genervt von jeder Straße, die ihre Wege kreuzt. Weil sie eigentlich vor dem Verkehr geflüchtet sind, aber im Grunde wissen, dass sie ihm nicht entfliehen können. Mitunter wegen solcher ollen Typen wie dem Herrn Matussek. Katholische Genusssucht kann auch im Verzicht auf Altbekanntes aufgehen. Siehe: neuer Papst!

Dienstag, 12. Juli 2011

Hannelores Nacktheit! Resignation später!

Hannelore wollte sich eben einfach einmal ausziehen und nackig auf dem Rasen sitzen. Offenbar reichte es nur für einen gemeinsamen Ausflug mit Herrn Unwichtig zum Wildenbruchplatz. Vielleicht wäre sie lieber zum Müggelsee gefahren, aber auch Herr Unwichtig macht nicht wirklich den Eindruck, als verfügte er über die Mittel für solch eine Reise. Am Müggelsee jedoch könnte man nicht nur nackt herumliegen, sondern auch ins Wasser springen. Dies ist vielleicht eine schöne Jugenderinnerung von Hannelore.

Nun baut sich Hannelore ihre Realität selbst zusammen. Sie ist alt, ganz offensichtlich alkoholisiert und möglicherweise auch dement. Sie wähnt sich am Nacktstrand und trägt kein Höschen. Herr Unwichtig liegt daneben und scheint zu schlafen, auch er hat gewohnheitsmäßig einen im Tee. Ihn habe ich schon oft derart im Park gesehen, und auch die Bierflaschen neben seinem Handtuch sprechen Bände.

Hübsch anzuschauen ist Hannelore nicht. Sie streckt dem Publikum auf allen Vieren ihren faltigen Hintern, ihre ergraute Scham und baumelnde, schlaffe, graue Brüste entgegen. Ich bin froh, als sie sich setzt. Und ich nicht mehr in eine andere Richtung schauen muss. Hannelores Nacktheit ist schwer zu ertragen. Ich machen mir Gedanken darüber, ob Hannelores Nacktheit zumutbar ist. Oder ob man etwas dagegen tun müsse.

Da wird Herr Unwichtig, plötzlich erwacht, auch schon aktiv. Mensch Hannelore, so kannst Du doch nicht hier herumlaufen. Du bist ja ganz nackt. Zieh Dir was an! Na und? fragt Hannelore. Trotzig wie ein vierjähriges Kind verschränkt sie die Arme vor ihrer Hängebrust. Hannelore wird sich in hundert Jahren kein Höschen anziehen. So! Herr Unwichtig legt ihr die Sachen über die Schultern und vor die Scham. So bleibt sie dann lange sitzen, bis der Schatten weitergewandert ist. Dann krabbelt sie ihm auf allen Vieren nach. Herr Unwichtig hat sich unterdessen wieder hingelegt.

Wir wären ja nicht in Bayern oder Baden-Württemberg, wenn sich nicht mindestens eine etwas, sagen wir einmal, konventionelle, Mutter mit Südstaaten-Mami-Frisur über Hannelores Nacktheit aufregen würde. Ach nein, wir sind ja mitten in Berlin-Neukölln. Die junge Frau weckt Herrn Unwichtig und fordert ihn mit leicht schwäbischen Akzent auf, sich doch darum zu kümmern, dass sich Hannelore wieder was anzieht. Ich verstehe nicht alles. Dazu bin ich zu weit weg. Einzelne Wortfetzen dominieren das Areal, und Herr Unwichtig nickt und versucht Hannelore dazu zu bewegen, sich was anzuziehen. Die junge Frau geht weg.

Mensch Hannelore, mach doch nicht so einen Ärger und zieh Dir endlich was an. Du, die rufen sonst den Krankenwagen. Los, mach schon! Nein, ich will nicht, die knappe Antwort. Jetzt mach es doch nicht noch schlimmer als es schon ist. Die rufen den Krankenwagen. Na und? Hannelores Antwort. Hast Du wieder heimlich Schnaps gesoffen? Hannelore? Doch sie sitzt trotzig schweigend auf dem Rasen, mitten in der prallen Sonne. Ich beginne allmählich große Sympathie für Hannelore zu entwickeln. Warum soll sie nicht nackt herumkriechen dürfen? Das durch die spießige Südstaatenmutti entstandene Bohei stört so viel mehr als eine nackte alte Frau. Nur das mit der Sonne finde ich gefährlich.

Wer weiß schon etwas über Hannelores Leben, die Entbehrungen, die sie hinter sich hat. Vielleicht ist es ein Leben voller Arbeit und verschütt gegangener Hoffnungen und Träume. Resignation später und die Flucht in den Alkohol, in das Vergessen hinein, in die Demenz. Das Heraufbeschwören schönerer Zeiten, als Herr Unwichtig noch nicht in ihr Leben getreten war und sie noch Glück empfinden konnte. Denn allmählich wird klar, wie sehr Hannelore von ihm bevormundet wird. Er beschimpft sie. Das käme nur vom vielen Saufen. Das sagt der Richtige. Sie wolle nie was außer Schnaps und Bier. Sie wolle sich nicht anziehen, sie wolle nicht in den Schatten. Nie wolle sie etwas!

Doch, Hannelore will nackt sein. Sie hat sich nun einmal dazu entschieden. Und sie will in der Sonne sitzen. Im Gras. Niemand außer ihr möchte, dass sie das tut. Deshalb kommt die junge Mutter wieder, dieses Mal mit dem Handy in der Hand. Herr Unwichtig versucht weiterhin, Hannelore zur Ankleide zu überzeugen. Er ist zum Scheitern verurteilt. Die junge Mutter ruft irgendwo an. Ich hasse sie dafür, weil sie den Wunsch der um Einiges älteren, vielleicht sogar verdienteren, Hannelore nicht respektiert. Warum kommen all diese Leute nach Berlin und importieren ihre Überzeugungen, ihre Prüderie, ihre Kleinbürgerlichkeit? Das ist reinster Kolonialismus.

Badeseen, an denen man vor wenigen Jahren noch ungeniert nackt baden konnte, werden heute von verklemmten Badeanzugträgerinnen und ihren zweijährigen, Bikini tragenden Kindern belagert. Mittlerweile erntet man böse Blicke, wenn man sich einfach nur umzieht, ohne ein Handtuch vorzuhalten. Nacktheit ist nicht immer schön. Aber sie ist natürlich. Vielleicht das Natürlichste auf der Welt verbliebene. Wer sich, andere und vor allem und immer wieder die Kinder vor der Nacktheit anderer bewahren möchte, ist einfach nur unfassbar prüde, vielleicht auch ein bisschen gestört. Alles hat seinen Platz, auch die Nacktheit. Und das sind nun mal Badeseen. Und das Zuhause. Im BibleBelt der Bundesrepublik gilt das nicht.

Das hast Du nun davon, Hannelore. Jetzt kommt der Krankenwagen und holt Dich ab. Weil Du so stur bist. Na und? Ist mir doch egal. Und dann kommt sie tatsächlich, die Polizei, und amüsieren sich halb und ärgern sich halb, dass sie wegen einer nackten, alkoholisierten alten Frau, die niemanden wirklich stört, vorbeischauen müssen. Nach einigem Hin und Her schaffen sie es, Hannelore in den Schatten zu führen und dazu zu bringen, sich etwas anzuziehen. Die PolizistInnen ziehen dann ab. Ein kurzes Gespräch mit ihnen ist möglich.

Und tatsächlich hat die junge Mutter die Polizei angerufen und nicht etwa einen Krankenwagen. Sie fühlte sich gestört durch die bloße Nacktheit. Weil das im Park nun mal verboten sei. Und überhaupt, die Kinder, die müssen sowas auch nicht sehen. Ich sage, nun ja, das Leben, das Erwachsen werden, sei eine einzig lange Ansammlung von Traumata, das schade das Trauma, eine nackte alte Frau gesehen zu haben, gewiss nicht. Die Polizistin grinst. Die anderen beiden zucken mit der Schulter. Und ich habe auf einmal angst davor, alt zu werden. Angst davor, alt zu sein in einer Welt, in der man sich nicht einmal nackt ins Gras setzen darf. Hunde dürfen derweil überall hinscheißen.

Ich gehe zum Café gegenüber und bringe Hannelore einen Becher Leitungswasser. Hannelore sagt danke. Herr Unwichtig fragt mich nach meinem Namen, stellt Hannelore vor und sagt ihr, sie solle sich bei mir bedanken. Hab' ich doch gesagt. Ich hab' danke gesagt! Als er den Becher gebracht hat. Ich bestätige das und frage ihn aus Höflichkeit auch nach seinem Namen, doch er winkt nur ab und sagt: unwichtig.

Dienstag, 1. März 2011

Scheiden tut weh! Eine verletzte Seele nimmt ihren Abschied!

Ich spiele gerne! Ich bin ein sehr guter Gewinner. Verlieren tue ich nicht so gerne. Aber so ist das nun mal beim Spielen: Da gibt es Gewinner und Verlierer. Das weiß ich selbstverständlich. Trotzdem stehe ich viel lieber auf der Seite der Gewinner. Ich wurde schließlich so geboren. Es steht mir deshalb auch zu! Ich pflege Spiele deshalb nicht zu verlieren! Ich bin nämlich ein Gewinner-Typ!

Wenn ich nun doch einmal verliere, dann, ich betone: dann sieht das nur so aus. In Wirklichkeit habe ich nämlich gewonnen. Aber für die Dummen und die Neider sieht es eben so aus, als hätte ich verloren. Wenn man mich aus dem Spiel hinaus würfelt, dann hat das ja auch gar nichts mit Glück oder Strategie zu tun. Man kann mich nur dann aus dem Spiel werfen, wenn meine Gegner unfair spielen. Sonst kann ich nämlich gar nicht aus dem Spiel geworfen werden. Ich bin schließlich ein geborener Gewinner.

Die Dummen und die Neider, sie mögen mich nicht gewinnen sehen. Deswegen spielen sie unfair. Sie können es einfach nicht ertragen, dass aus meinem Arsch die Sonne scheint. Es genügt ihnen nicht, ein Sonnenbad unter meinem Arsch zu nehmen und froh zu sein, mit mir überhaupt spielen zu dürfen. Lieber nehmen sie die Sonne - also mich - von ihrem Himmel. Ist der Korken erst entfernt, dann pladdert es halt braun hinunter. Bitte: Wenn Ihnen das lieber ist...

Die Dummen und die Neider verbünden sich also gegen mich und wenden dabei irgendwelche altbackenen Spielregeln an, nur um mich aus dem Spiel werfen zu können. Ich bitte Sie: Wer braucht schon sowas Profanes wie feste Spielregeln... das ist doch Sozialismus in Reinform und hat mit Standesdünkel oder flexiblem Handeln überhaupt nichts mehr am Hut! Das ist es doch, was die Nation heute braucht: Einen König, der entschlossen und flexibel handeln kann!

Ich kann eigentlich gar nicht verlieren, wenn ich nicht verlieren will! Wenn ich verliere, dann lasse ich es zu. Vor allem, wenn mir das Spiel lästig geworden ist und keinen Spaß mehr macht. Sonst bin ich grundsätzlich bereit zu gewinnen. Auch bin ich kreativ genug, die Spielregeln zu ändern, wenn es sein muss. Und es muss sein, wenn ich zu verlieren drohe. Denn dann verliert die Nation! Und vergessen Sie bitte nicht: Ich bin ein geborener Gewinner! Und Gewinner verlieren nicht (es sei denn sie wollen verlieren). Das ist gegen deren Natur. Deswegen haben die Dummen und die Neider auch nicht wirklich gewonnen. Können sie gar nicht. Denn: Sie haben verloren! Und zwar: Mich!

Mit solchen Spaßbremsen gebe ich mich erst gar nicht mehr ab! Das belastet und macht mich auch traurig. Dann macht das Spiel auf einmal keinen Spaß mehr. Ich bin so viel mehr als alle anderen zusammen. Ich habe sogar mehr Namen als auch nur einer von denen. Gut, von den zehn Vornamen gehören auch nur zwei wirklich mir. Die anderen acht sind entliehen.

Dafür war einer von den Vorfahren gegen Hitler! Der lebt nun in meinem Namen weiter. Dies nur am Rande: Ich bin damit auch Widerstandskämpfer! Nun, aber der Nachname und der Adelstitel, der gehört ganz alleine mir. Naja, stimmt auch nicht ganz: Er gehört auch meinem Bruder und meinem Vater. Genau genommen gehört er noch vielen mehr. Aber davon sind schon die meisten tot. Zeigen diese Toten mit dem Finger auf mich? Sehen Sie?

Jetzt habe ich nur noch meinen Namen. Das ist schon sehr viel. Andere haben ja noch nicht einmal einen Namen. Es zählt auch gar nicht, was ich verloren habe. Das ist nämlich nicht so viel, eigentlich sogar gar nichts: Denn wenn man etwas zurück gibt oder von etwas zurücktritt, kann man wohl schwer von einem persönlichen Verlust sprechen. Es ist dies vielmehr ein Verlust für die Bundesrepublik insgesamt. Die Toten und die Verwundeten, was sollen sie nun denken? Ich meine, die Toten, die denken jetzt ja nicht mehr. Aber was HÄTTEN sie gedacht? Ich meine, wenn sie noch könnten?

Sie würden sich schämen für all die Dummen und die Neider, die mich aus dem Spiel gebracht haben. Sie würden wissen, dass die Bundesrepublik ohne mich viel ärmer ist. Sie ist arm dran, um es einmal ganz deutlich zu sagen. Besser Arm dran als Bein ab? Nein: Das wäre zynisch gegenüber den Verwundeten, die ihr Leben für mich tagtäglich auf's Spiel setzen. So darf man nicht denken. Denn wahrlich, ich sage Euch: Verloren habe nicht ich! Verloren habt, und ich betone: Ihr!

Mittwoch, 2. Juni 2010

Die fängt oben an und wurstelt sich so nach unten durch! Meine Verantwortung als zukünftiger Bundespräsident!

Ich habe schon mehrere narzisstische Kränkungen überstanden: Abgelehnte Bewerbungen, einmal auch eine zur Kandidatur als Oberbürgermeister von Mannheim oder als Lehrkraft in Österreich. Nun, daran gereift, bin ich endlich soweit und sage es ganz unumwunden: Ich bin reif für das Amt des Bundespräsidenten! Was soll die Bundesrepublik mit Schnarchnasen wie Herrn Schäuble oder Frau von der Leyen, die panisch in aller Munde waren, bloß weil sich unser Bundeshorst vergrantet zurückgezogen hat? Eben!

Nicht nur, dass ich sowieso schon wieder auf der Suche nach einer neuen Arbeit, einem neuen Betätigungsfeld bin. Was läge da näher, als ein befristetes Arbeitsverhältnis auf zunächst fünf Jahre, Amtszeitverlängerung möglich? Ich bringe auch sonst alle Eigenschaften mit, die von einem zukünftigen BuPrä verlangt werden.

Ich bin stoisch genug für das Amt, andere können mir mit ihrer Meinung glatt den Buckel runter rutschen. So sieht's nämlich aus. Und ich finde alles gut, was der Staat so anstellt, solange ich ihn repräsentiere. Da bin ich mir selbst gegenüber ganz loyal. Versprochen! Alles andere werde ich schlicht nicht repräsentieren. Der Bundespräsident ist schließlich keine Marionette. Er ist das Gewissen unseres Landes!

Ich werde natürlich andere Schwerpunkte als mein Vorgänger setzen: Afrika ist ja ganz lieb und nett, ich selber halte es aber mehr mit den mediterranen Entwicklungsländern. Mit Griechenland kenne ich mich sogar persönlich aus. Ich habe mit dem Land quasi schon geschlafen bzw. mit einer seiner Einwohnerinnen. Das erfüllt mich geradezu mit Empathie zu mediterranen Lebensweisen.

Daraus leite ich denn auch mein Motto für die Bundesrepublik ab: Habt mehr Spaß im Leben, neidet anderen nicht die Butter vom Brot! Entspannt Euch mal! Ich will einen Ruck, der sich unterhalb der Gürtellinie vollzieht. Geht tanzen, wenn Euch danach ist. Reichtum an Geld ist zwar ein Lebenskonzept, aber nur eines von vielen und nicht unbedingt tauglich für ein Leben in Freiheit. Besitz schränkt ein und belastet das Gemüt erheblich. Strebt also nicht nur nach materiellem Reichtum, sondern nach inneren Werten!

Das möchte ich meinen Mitbürgerinnen und -bürgern gerne mitteilen und sie an meinen Gedanken für eine bessere Welt teilhaben lassen. Aber auch dies möchte ich Euch zurufen: Seid wachsam und glaubt nicht jeden Mist, den man Euch gerne unter die Nase reiben möchte. Seid Selbstwirksam und lasst Euch nicht einreden, dass Ihr dem Markt zur Verfügung zu stehen habt. Denn der Markt, er ist für Euch da. Aber überspannt den Bogen nicht, sonst geht uns allen das Licht aus! Wer nimmt ohne zu geben, der plündert! Lasst uns die Fehler der Krisenverursacher nicht wiederholen! Apropos plündern:

Für unsere Politiker, aber auch unsere Unternehmer, habe ich schließlich folgende Worte: Nehmt Euch und Eure Bürde selbst nicht zu wichtig! Ihr habt Euch aus freien Stücken für Euer Los entschieden. Lebt damit und der daraus resultierenden Verantwortung. Aber geht den Normalsterblichen nicht auf den Keks mit den Risiken, die Ihr glaubt eingehen zu müssen und verlangt dafür auch keine Zugeständnisse. Niemand hat von Euch verlangt, dass Ihr diese Risiken eingeht. Könige, die hatten das einst von ihren Untertanen verlangen können. Ihr Schicksal war bestimmt von den Göttern. Ihr aber seid gewählt worden oder habt einfach Schwein gehabt.

Da sind wir beim Stichwort "Verantwortung": Die fängt oben an und wurstelt sich so nach unten durch. Der da sich oben durchmogelt, darf unten nicht erwarten, dass jene dort dann auch noch dessen Verantwortung zur eigenen aufhalsen. Das muss man verstehen lernen. Erst wenn das geschafft ist, können die Begriffe von "oben" oder "unten" aufgelöst werden und eine Gemeinschaft kann entstehen.

Als Bundespräsident werde ich trotz der Beschränkungen meines Amtes dafür sorgen, dass sich die Demokratie in der Bundesrepublik durchsetzt und endlich freie Wahlen stattfinden können. Das Grundgesetz wird klar an der internationalen Menschenrechtscharta orientiert sein. Die Bundesdeutschen werden streitbar sein und den Mund auftun, nachdem sie vorher freilich gründlich nachgedacht haben. Dazu gehört ein Grundstock von Bildung. Ich werde die Schulpflicht einführen helfen. All diesen Prozessen werde ich große Teile meiner Energie widmen. Dafür trete ich ein, danach werde ich mein Amt ausrichten und danach werde ich gemessen werden.

Liebe Bundesversammlung, bitte wählen Sie mich zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik!