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Samstag, 7. Dezember 2013

Tolle Typen #14: Monsanto vs. Urheberrecht

Es scheint nicht besonders hilfreich, auf die gesundheitlichen Risiken durch Gentechnik hinzuweisen. Wäre dem so, wären Atomkraftwerke schon lange abgeschaltet und Fukushima wäre nicht relevant gewesen. Denn auf jede Studie, die eine Häufung von Krebserkrankungen in der näheren Umgebung von Atomkraftwerken hinwies, folgte eine Gegenstudie, die bedauerte, dass gerade Krebskranke offenbar gerne in die Nähe von Atomkraftwerken zögen. In Bezug auf Gentech-Konzernen funktioniert das ähnlich.

Vielleicht hilft hier das Urheberrecht: Das Kerngeschäft von Gentechnikfirmen ist ja nun gerade etwas für sich zu beanspruchen, was eigentlich der Natur entspringt. Dies tun sie, indem sie das natürlich Gewachsene dem erworbenen Boden entnehmen und es mit einer Signatur versehen, welche den Besitzer, oder besser gesagt, den Urheber bezeichnen soll. Das haben Viehdiebe ähnlich in den Weiten der Prärie betrieben, indem sie dem Vieh anderer Rancher einfach ihr Brandzeichen aufdrückten.

Die Frage ist aber: Wird eine Kartoffel von einem Konzern gentechnisch verändert, ist dann der Konzern der Urheber oder einfach nur Besitzer? Nun, ohne besonders spitzfindig sein zu müssen: Der Konzern ist der Besitzer, die Natur ist der Urheber. Das bedeutet: Ich darf die Kartoffel besitzen und darf mit deren Ablegern auch anstellen was ich will. Aber ich bin gewiss nicht der Urheber der Kartoffel. Ich bin gegebenfalls ein Erzeuger. Deshalb geht die veränderte Kartoffel auch in den Besitz des Käufers über, der dann wiederum mit ihr anstellen darf was er will. Die Ansprüche des Erzeugers gehen mit dem Erwerb des Erzeugnisses durch andere verloren.

Daher muss man das Urheberrecht verändern, wenn gegen die Patentierung von Natur vorgegangen werden soll. Dies bedeutet allerdings auch eine andere Wahrnehmung von geistigem Eigentum: Töne und Gehör sind bereits gegeben, sie gehören der Allgemeinheit. Setzt einer die Töne so zusammen, dass eine mehr oder weniger angenehme Tonfolge entsteht, dann kann er das Stück verkaufen. Er ist aber nicht der Urheber. Er nutzt nur das bereits Vorhandene. Was der Käufer jedoch damit anfängt, entzieht sich der Kontrolle des Erzeugers. Der Käufer darf das Stück weiter verkaufen oder verschenken. Ich kann es auch verändern und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Voraussetzung dafür ist, dass es vorher in seinen Besitz gerät.

Damit wäre zumindest ausgeschlossen, dass Bauern in Abhängigkeit von den Gentech-Konzernen geraten und umliegende Farmen, auf denen patentiertes Saatgut keimt, mit Prozessen überzogen werden, weil sie unter Piraterieverdacht geraten. Würde den Konzernen dieser Zahn gezogen, müssten sie umdenken und die Frage, ob die Erzeugnisse gesundheitsschädlich sind, erübrigt sich. Umgekehrt aber gilt: Wer sich Sorgen um das Einkommen der (Kultur-)Erzeuger macht, der macht sich indirekt (und unbeabsichtigt) auch Sorgen um die Gewinne der Konzerne. Eine andere Lösung muss dafür her.

Samstag, 21. September 2013

Und morgen wählen? BILD und Deutsche Bank sagen ja!

Wenn die BILD und die Deutsche Bank zur Wahl bitten, dann muss was faul sein? Die moralische Frage lautet, ob man ob solcher Fürredner überhaupt Wählen gehen darf. Die Interessen von Friede Springer und den Lebensmittelspekulanten der Deutschen Bank sind mir persönlich etwas zu einseitig. 

Nur für's Protokoll:
Die BILD habe ich mir nicht etwa gekauft. Sie lag bei mir heute Morgen im Briefkasten. Ich habe nicht darum gebettelt, aber auch nichts dagegen getan. Bitteschön, mein Briefkasten ist voll mit Aufklebern, was alles nicht rein soll!

Meine Aufkleber:
Keine Reklame!
Keine werbegestützten Wochenblätter
Keine Wahlwerbung der NPD!
Keine Wahlwerbung der SPD! (in Neukölln ein und dasselbe)

und nun auch noch:
Keine BILD!

Nun gibt sich BILD sehr neutral und will nur dazu aufrufen, morgen wählen zu gehen. Tatsächlich ist nichts an der heutigen BILD tendenziös. Vielmehr beschwört sie die unrichtige These, dass mehr Stimmen mehr Prozente ergeben. Entweder sind die BILD-Redakteure selbst keine großen Leuchten oder sie trauen ihrer Kundschaft wenig zu: Mehr als 100% kann es bei Wahlen nicht geben (OK, in der Ukraine schon)!

Hofberichtserstattung:
Was die BILD aber schon seit Monaten veranstaltet, kann man nicht anders als Hofberichtserstattung von der königlich-kanzlerischen Regierungskoalition aus CDU/CSU und der FDP nennen. Und dabei alle möglichen Gegner zu mobben, mit allen zur Verfügung stehenden schäbigen Mitteln. Da kann sie heute ja mal auf alle Tendenzen verzichten, nicht wahr? Wenn man seine Leserschaft zuvor schon dermaßen präpariert hat? Euch den Mittelfinger zeigen geht hier leider nicht. Aber ich kann ihn Euch schreiben, Ihr ver.... W... Schw...!

Denn ich kann auch tendenziös, meine Lieben!
Natürlich gebe ich hier keinerlei Wahlempfehlung. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, so viel Liberalität muss sein. Und damit kann auch ein jeder für sich entscheiden, ob er ein blöder Dummbatz  ist oder ein angenehm aufsässiger Mensch, mit dem man auch mal gerne ein Bier abends trinkt.

Also: Wer wird gewählt?
Bei der CDU weiß man ohnehin nicht, ob man Merkel, Deutsche Bank oder Friede Springer wählt. Merkel wäre gerne systemrelevant, die Deutsche Bank ist es. Frau Springer hingegen ist das Furunkel am Knie der Demokratie. Wenn sie das Furnkel am Arsch wäre, wäre die Demokratie wenigsten gezwungen aufzustehen. Aber so kann sie nicht mal mehr laufen.

Wer die Deutsche Bank will, muss Merkel wählen!
So könnte ein Schuh draus werden. Doch wie kann die CDU in den Umfragen nur so weit vorne liegen? Im Grunde geht es vielen Menschen doch zunehmend schlechter bzw. abnehmend gut. Ausschließlich die Wirtschaft bzw. die "Märkte" profitieren von der Agenda 2010, welche die SPD verursacht hat. Dies wird der CDU nun gutgeschrieben, weil die Auswirkungen sich in dieser Legislaturperiode gezeigt haben. Der Großteil der Bevölkerung hat vom "Aufschwung" hingegen nichts.

Im Gegenzug wird die SPD für Sozialabbau, steigende Mieten und sinkende Löhne verantwortlich gemacht (was zwar stimmt, aber auch irgendwie ungerecht ist) und von der CDU deshalb vorgeführt. Daher scheint vielen WählerInnen die SPD unwählbar. Aber mal ehrlich: Die Union hätte die Hartz IV- Reformen ohne weiteres rückgängig machen können! Zeit genug war vorhanden. Warum nur hat sie es nicht getan? Hmmmm? Das sollte sich alle ärmer gewordenen Schlucker mal überlegen, bevor sie ihr Kreuzchen mal wieder im schwarzen Urschleim versenken!

Wenn die Union der SPD verbietet, mit der Linken zu koalieren, dann sollte man als WählerIn mit Trotz reagieren und sie trotzdem wählen oder zumindest nicht die CDU oder gar die FDP. Merkel steckt ihre Energie ohnehin eher in den Machterhalt als ins Regieren. Sie scheint Schland vor Schaden bewahren zu wollen und sagt stets Nein zu Mehrausgaben, um dann wenige Tage später das genaue Gegenteil zu tun. Ihre Fans jedoch schenken ihrer Intention mehr Aufmerksamkeit als ihrem tatsächlichen Handel. Ist das schon Dialektik oder schreit das nach der allseits beliebten Zwangspychiatrisierung einer ganzen Wählergruppe? Die zudem mehr an der boulevardesken Seite der Politik interessiert ist als am Schaden, den sie anrichten kann?

DIE LINKE ist übrigens die einzige der im Bundestag vertretenen Parteien, die keine Großspenden von Konzernen, Banken, Versicherungen und Lobbyisten erhält.
Damit ist sie auch weniger käuflich als die anderen Parteien. Deshalb: Wer die echte alte Tante SPD will, muss DIE LINKE wählen. Die SPD hat es nicht mehr drauf. DIE LINKE ist die letzte Antikriegspartei der BRD, befürwortet die Bankenregulierung und will einen echten Mindestlohn. Sie vertritt die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitslosen und nicht die der "Märkte".

Sie sehen: Ich will unbedingt, dass SPD und DIE LINKE koalieren, notfalls auch mit den Grünen. (Was kann der SPD denn noch passieren? Wovor hat sie Angst? Etwa dass sie unter die 30%-Marke fällt? Haha!)

Die Piraten wurden von den etablierten Parteien und Medien nicht ernst genommen bzw. verlacht, weil sie mitunter etwas naiv versucht haben, den Politikbetrieb aufzumischen. Heute haben sie ein richtiges Programm und treten professioneller auf, was ihnen prompt zur Last gelegt wird: Nun sind sie ja genauso (bl)öde wie alle anderen Parteien. Na und? Dann sind sie ja auch genauso wählbar! Das Wahlprogramm der Piraten ist zumindest weit weniger eine Zumutung als das vieler anderer Parteien. Und: Wer eine Partei im Bundestag haben will, für die das Internet kein Neuland ist, sollte die Piraten wählen. Deren Experten scheinen zumindest nicht direkt von Lobbyisten entsendet worden zu sein.

Die FDP hingegen muss endlich weg! In der FDP sitzen gefährliche Wirrköpfe, deren einziger echter Programmpunkt die Beteiligung im Bundestag ohne jede Gegenleistung ist. Selbsthilfe geht vor, das ist der liberale Urgedanke. Die FDP lebt ihn. Dieser Gedanke ist leider verkürzt auf Wirtschaftliberalität. Als Garant für Bürgerrechte gilt vielleicht noch die parteiintern ungeliebte Frau Leutheusser-Schnarrenberger, das war's aber auch schon. Möglich, dass in der ein der anderen Kommune noch ein guter Liberaler sitzt. Aber Entschuldigung: Wer FDP auf Bundesebene wählt, ist entweder gefährlich dumm oder selbst Mitglied der Partei. Oft läuft das auf's selbe hinaus.

Die NPD muss auch weg! Aber werden dann nicht die ganzen V-Leute arbeitslos? Und würde der Verfassungsschutz dann nicht überflüssig? Und das will scheinbar niemand, also wollen wir es dann auch nicht? Ob deren WählerInnen auch vom Verfassungsschutz bezahlt werden? Bitte eine kleine Anfrage durch DIE LINKE oder demnächst durch die Piraten.

Und die AfD soll bitte dahin gehen, wo ihr Geld liegt! Das ist bestimmt nicht in der BRD, jede Wette!

Und ach, oh weh, die Grünen! ...
Die bewaffneten Pazifisten schaffen es ja noch nicht einmal mehr, ihr ureigenstes Themengebiet für sich zu nutzen. Dass die CDU bzw. die FDP die Energierwende nicht ansprechen, ist nur logisch: Die Regierungskoalition hat es geschafft, die gesamte Bevölkerung gegen den Umbau der Energieherstellung aufzubringen.
Die denkt nun zur Freude von CDU und FDP, dass Umwelt- und Klimaschutz teuer sei und Atomenergie sowie Kohle- und Gaskraftwerke wieder gebraucht würden.
Die Grünen hätten darauf hinweisen müssen, dass die Verteuerung des Stroms nur für Privatkunden und mittelständische Betriebe gilt, nicht aber für die energieintensive Industrie: Ein Geschenk der Koalition an ihre Kumpels, die herkömmlichen Stromerzeuger (hier...).
Eine faire Umverteilung der Kosten wäre möglich. Das hätte Programm sein können. Stattdessen verirren sich diese Vollpfosten in Steuer- und Ernährungsdebatten.

Freitag, 20. April 2012

Die Armut beschießen! Freibeuter Ahoi!

kriegswichtig: "Waffenhandel"
Großes Piraten- Bashing dieser Tage: Unter Ihnen soll es rechte Umtriebe geben. Ausgerechnet die CDU und die FDP, beide mit jeweils großem Erfahrungsschatz, was Neo- Nazis, SS- Schergen und NSDAP- Mitglieder in der eigenen Partei betrifft, schützen nun das Abendland. Klar: Eine Partei ohne klare Positionen und Strategien kann man ja nicht politisch angreifen. Dies erfolgt nun durch eine "Schmutzkampagne". Der Piraten Maximo Leader Nerz reagiert leider so wie es viele Gemeindebürgermeister innerhalb der BRD tun, indem er behauptet: "Wir haben kein rechtes Problem!" Klar! Ich habe auch kein Problem mit Alkohol. Nur ohne.

Da trifft es sich gut, dass es nun ein erweitertes Bundeswehrmandat zum Einsatz gegen die Piraten, vorerst allerdings nur in Somalia, gibt. Dann darf die Bundeswehr vermeintliche Piraten auch an Land beschießen und erhält dabei Unterstützung von islamistischen Milizen. Karl Ernst Thomas de Maiziére (CDU) will halt unbedingt sein eigenes Afghanistan. Ja, das können sie, die Deutschen: Die Armut beschießen. Diesbezüglich kann man so auch schon mal den Ernstfall proben für den Einsatz zu Hause: Wenn die Piraten in der BRD noch zulegen, kann Margot Honeckers "Waffengebrauchsgesetz" wahre Wunder wirken.

So wie die somalischen Fischer wegen den Fangflotten der ersten Welt zur Piraterie gezwungen wurden, so mögen die unsrigen Piraten sich die Fischgründe nicht von der Industrie abfischen lassen. Was Wunder, dass ausgerechnet die FDP in Gestalt von "Schnarre" Widerstand leistet, genauso wie auch gegen die Vorratsdatenspeicherung. Wie schade, dass die neue Regelung für Redebeiträge im Bundestag gescheitert ist, nach der all jenen, die da unbequemes, parteischädigendes Zeug daherreden, das Maul verboten werden kann. 

Im Falle der Weigerung der BRD, den Vorgaben der EU zu folgen, wird übrigens eine Strafe in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe fällig. Tja: Demokratie sollte man sich schon was kosten lassen. Blöd nur, wenn keiner mehr so richtig weiß, was das eigentlich ist: Demokratie! Ist das nicht das, wo einer sagt wo's langgeht und die anderen folgen? Jedenfalls bekommen die WählerInnen schon heute von SPD und CDU gesagt, was sie wählen sollen und was nicht. Und da hat unser aller Verkehrsminister Ramsauer (CSU) der Berliner SPD geholfen, nicht mit den Grünen koalieren zu müssen, indem er eine Umwidmung der 410 Millionen Euro für den Autobahnring kategorisch abgelehnt hatte? Und da will der Herr Friedrich den Salafisten verbieten, den Koran zu verschenken? Dann müsste er auch den Hoteliers verbieten, die Bibel im Nachttisch neben dem Bett zu verstecken. Aber Hotels sind das Hoheitsgebiet der FDP, da hat der Herr Friedrich nichts zu suchen.

Lupenreine Demokraten gibt es schließlich auch in der Berliner Landespolitik: Einige Bezirke wollen am 1. Mai die "Spätis" schließen lassen. Der Grund: Gefährliches Sortiment! Flaschen und Dosen könnten den Polizisten an den Kopf geworfen werden. Was sagt Frank "Pinhead" Henkel (CDU) als Innensenator dazu? "Wir werden auch Rollkommandos in die Wohnungen derer schicken, die ihre Blumentöpfe nicht von den Fensterbänken nehmen." Habe nur ich den Eindruck, dass sich alle Seiten mal wieder richtig Randale wünschen? Nach Jahren der friedlichen Mai- Revolution ohne jedes Chaos? Welcher Innensenator träumt nicht davon, mal so richtig auf die Kacke zu hauen und den Notstand auszurufen? Schäuble, der würde selber ein paar Autos abfackeln, wenn er dafür auf einen Teil der Bevölkerung schießen dürfte. Aber Schäuble hasst global und ist für so'n Schnickschnack nicht zu haben. 

Wird man am 1. Mai eigentlich verhaftet, wenn man öffentlich eine Cola oder einen Latte Molotow trinkt? Müssen Tankstellen auch schließen? Weil die ja auch Getränke verkaufen. Und was ist eine leere Flasche ohne Benzin und Wischtuch? Es bleibt eine leere Flasche! Und es wäre so schön: Keiner dürfte tanken, ein paar Autos mehr stünden still. Benzin ist sowieso viel zu teuer. Da will der Herr Rösler (FDP) zwar was gegen unternehmen, aber man muss sich schon fragen, was das eigentlich soll. Ausgerechnet die "man darf die Wirtschaft nicht überregulieren"- FDP will hier mehr Transparenz durch Regulierung schaffen. Wer's glaubt! Der Herr Rösler, dieser Streber, kämpft ja mittlerweile wohl um jede Stimme. Ich darf zitieren:
“Wenn Sie einen Frosch in heißes Wasser werfen, dann hüpft er sofort heraus. Wenn Sie einen Frosch in kaltes Wasser setzen und langsam die Temperatur erhöhen, wird er zuerst nichts merken und nichts machen. Und wenn er etwas merkt, dann ist es zu spät für den Frosch. So viel zum netten Herrn Rösler.“
Also obacht! Wir haben's nämlich schon immer gewusst: Hinter dem Blick dieser grenzdebilen Schildkröte verbirgt sich ein Mad Scientist. Allemal besser als Röslers transparente Benzinpreise ist es jedenfalls, die olle Karre zu Hause lassen und ersatzweise Füße, Beine oder Bahn zu benutzen. Benzin wird ohnehin rar werden, und damit auch immer teurer. Bis dann gar nichts mehr für den Individualverkehr übrig ist. Und wenn BMW wie angedroht den indischen Markt erobern möchte, dann geht's halt noch etwas schneller. Ist doch eigentlich ganz prima: Eine sich selbst erledigende Wirtschaft! Das ist fast so gut wie eine sich selbst erledigende FDP.

Montag, 9. April 2012

Geistiges Eigentum! Ganz materiell betrachtet!

kriegswichtig: Die Freiheit der Kunst
Zum Thema Piraten sagte der FDP- Kandidat für NRW Christian Lindner:  "Ich nehme die Piraten als Formation nicht sehr ernst, weil viele Programminhalte der Partei ja nur vage sind oder inakzetabel sind. So wäre etwa die Aufhebung des geistigen Eigentums die kulturelle Verarmung unserer Gesellschaft."

Aha! Da regt sich doch leiser Widerspruch: Wenn die Aufhebung des geistigen Eigentums eine kulturelle Verarmung der Gesellschaft darstellen würde, bedeutete dies doch, dass Kunst und Kultur nur im betriebswirtschaftlichen Interesse geschaffen wird, niemals aber aus einem inneren Drang heraus. Dieses Denken ist sowas von FDP, besser geht gar nicht: Unter der Fuchtel dieser Partei (unter anderen) wird jede Kunst zum Kunsthandwerk. Bravo!

Das wirft die Frage auf, ob kommerziell erfolgreiche Kulturschaffende die bessere Kunst machen oder ob nicht unzählige darbende Künstler gleichwertige Kunst fabrizieren. Und ebenso wird angedeutet, dass den Kulturschaffenden die eigenen Ideen ausgegangen seien und sie sich bei einer Freigabe der Kunst hemmungslos bei anderen bedienen würden, ohne dem etwas Neues hinzuzufügen. Was dann aber keine Kunst wäre, sondern bloße Imitation.

Freilich, der Konsument würde im Falle einer Freigabe des geistigen Eigentums auch nicht mehr Geld für Kultur zahlen wollen. Aber auch nicht weniger, als er es heute schon tut. Die Frage hier ist doch, wieviel die Künstler selber an der Produktion ihrer Kunst verdienen und wieviel z. B. Verlage oder Galerien. Und ist es nicht sowieso eine Verarmung der Kultur, wenn nur kommerziell erfolgreiche Kunst gefördert wird und dies zu einer Angleichung an den Mainstream führt? Sind Verlage und Galerien nicht Kunstfilter, deren Interesse stark von marktwirtschaftlichen Interessen geleitet wird? Wenn es nicht so ist: Wie können dann Galerien Insolvenz anmelden oder Bücher wie Musik aus dem Katalog gestrichen werden?

Doch wovon lebt der Künstler? Damit sind nicht die solventen Vertreter der Kunst á la Sven Regener, Neo Rauch etc. gemeint. Sondern jene, die produzieren, ohne nennenswerte Einnahmen durch ihre Erzeugnisse oder Lehrtätigkeiten zu erzielen. Die meisten Künstler leben von staatlichen Transfers, gelegentlichen öffentlichen Auftritten und ein paar Aufträgen. Nun, das geht in Ordnung: Kultur und Kunst sind ein Teil der Infrastruktur und gelten daher als Gemeingut. Damit sollten sie, wie der ÖPNV und die Gesundheitsversorgung etc. zu den für den Bürger kostenlosen Dienstleistungen eines Staates gehören.

Wenn die Verlage deshalb aussterben, das Buch wird es nicht. Zur Not ist es per Demand oder als eBook zu veröffentlichen. Kann jeder selber machen. Ich erinnere an dieser Stelle an vergriffene Titel, die nicht mehr aufgelegt werden, nicht nur in der Publizistik. Auch in der Musik hemmt der Schutz geistigen Eigentums die Entstehung von Kunst. Wie kann ein Musiker seine Visionen veröffentlichen, wenn er jedes Sample erst rechtlich abklären muss? Seit Hegemann und zu Guttenberg wissen wir um die Bedeutung des Samples auch im literarischen Bezug. Und hängen die Kulturhäuser nicht sowieso am Tropf der Kommunen und Bundesländer?

Hier kann gar nicht der ein Dieb sein, dem das Produkt schon längst gehört. Kunst gehört von den Zwängen der Existenzsicherung entkoppelt. Genauso, wie Kunst in der Rezeption vom Zwang des Erwerbs zu entkoppeln ist, weil es aus dem Kunstinteressierten einen Konsumenten macht. Nur so könnte wirklich von einer kulturellen Bereicherung gesprochen werden. Kommerzieller Erfolg als Indikator für ein verdientes Künstlerleben hemmt Innovation. Mit einer Freigabe der Kunst unter Berücksichtigung einer finanziell abgesicherten Existenz hat der Künstler sein garantiertes Ein- und Auskommen mit Zuverdienstmöglichkeit. Dies entspräche durchaus der Logik eines bedingungslosen Grundeinkommens. Unter welchem Label staatliche Transfers laufen, ist für den Staat ohne Bedeutung. Für den Transferbegünstigten ändert sich jedoch Wesentliches.

Urheberrechtlich geschützte Kulturgüter lassen die Gesellschaft geistig und kulturell eher verarmen. Oder anders: Eine Gesellschaft, die es sich erlaubt, die Weiterverarbeitung seiner kulturellen und wissenschaftlichen Erzeugnisse nur ihren kaufkräftigsten Mitgliedern zu gestatten, noch dazu nur in einem betriebswirtschaftlichen Interesse und nicht an der Sache an sich, ist zum Scheitern verurteilt. Innerhalb eines Unternehmens ist der Einbehalt von Wissen schließlich auch kontraproduktiv.

Samstag, 24. März 2012

Equal Pay Day! Ich will auch endlich equal gepayt werden!

kriegswichtig: klare Verhältnisse
Das Statistische Bundesamt hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass Frauen immer noch 23% weniger Lohn als Männer erhalten. Sicher ist diese Einkommensdiskrepanz auch der immer noch geschlechterdifferenzierten Berufswahl und Wochenarbeitszeit sowie den unterschiedlichen Karrierezielen geschuldet. Vielleicht ist der eigentliche Skandal der, dass eben in den "klassischen Frauenberufen" viel zu wenig gezahlt wird. Männer, die ihren Weg dort hinein finden, können ein Lied davon singen.

Was in der Diskussion um Berufswahl und Chancengleichheit fehlt, ist ein nicht- chauvinistischer Ansatz in der Zuweisung von Geschlechterrollen. Vor ca. 20 Jahren gab es dann endlich eine Diskussion um den Unterschied zwischen biologischem und sozialem Geschlecht. Das biologische Geschlecht ist eine genuin auf primäre und sekundäre Körpermerkmale reduzierte Angelegenheit, in der, vereinfacht ausgedrückt, festgelegt ist, wo die Kinder herkommen (und wie sie gemacht werden).

Das soziale Geschlecht ist eine systemabhängige Festlegung individuell zu erwerbender Kenntnisse, Fertigkeiten und vor allem Verhaltensweisen und deren Zuweisung an das jeweilige biologische Geschlecht. Wieder vereinfacht ausgedrückt wird folgendes behauptet: (alle) Männer basteln gerne an Autos rum und (alle) Frauen kümmern sich am Liebsten um Kind und Haushalt. Da dieses Verhalten als (geschlechter-) konform gilt, wird es beständig in Familie, Kita, Schule und Erwerbsleben reproduziert, bis alle Beteiligten glauben, da sei schon was dran. Und wer dem nicht entspricht oder entsprechen möchte, wird ebenso entsprechend gemobbt.

Wie erbärmlich diese Selbsteinschränkung ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Denn soziale Verhaltensweisen sind keineswegs ein Ergebnis eines biologischen Geschlechts. Diese Erkenntnis haben uns die Gender- Studies geschenkt, und die Gesellschaft hat sich dafür großzügig mit Büchern wie "Mann = Mars, Frau = Venus" sowie Mario Barth und diversen Päpsten bedankt. In der Emanzipation der biologischen Geschlechter vom konformen Rollenzwang hat es einen Rollback sondersgleichen gegeben. Dass Frauen fast weltweit ausgebeutet werden, liegt ja nun nicht an deren generell unterwürfigem Charakter, sondern ist allein der temporären Abhängigkeit von der Gesellschaft vor, während und nach des Gebärprozesses geschuldet. Ansonsten gilt: Was Vatikan, kann Mutti auch! (den Kalauer wollte ich schon lange mal unterbringen)

Doch ist es nicht so, dass männliche Babys automatisch auf den Bagger zukrabbeln und die weiblichen Babys auf die Puppe? Wollen wir die offensichtlichen (körperlichen) Unterschiede zwischen Mann und Frau wirklich nivellieren? So ähnlich hat es Frau von der Leyen, immerhin ehemalige Familienministerin, in einer Talkshow zum Thema "Weltfrauentag" ganz biologistisch ausgedrückt. Einzig Frau Weisband von den Piraten hatte dem etwas entgegenzusetzen, jedoch ganz ohne theoretische Termini. Aber dennoch, immerhin... Sie hat's gut gemeint und hat ja auch nichts Falsches gesagt.

Machen wir es doch wie Richard Sennett und schauen uns erst mal in unserem direkten Umfeld um. In einer meiner diversen Tätigkeiten u.a. in einer Grundschule wurde vor allem eines deutlich: Das Spektrum von biologischen Jungen und Mädchen ist unglaublich breit. Vom aggressiven über den moderaten bis hin zum introvertierten Jungen geht es (ab dieser Nulllinie) zum introvertierten über das moderate bis hin zum aggressiven Mädchen. Einfach gesagt: stopfte man das aggressive Mädchen in Jungenkleidung und schnitte ihm die Haare, dann könnte man äußerlich und am Verhalten gemessen, nicht mehr erkennen, dass das biologische Geschlecht eigentlich weiblich ist.

Beim introvertierten Jungen verhielte es sich genau so, trüge er Mädchenkleidung und sein Haar lang mit Schleife. Das Verhaltensrepertoire dieser Kinder ist so vielfältig, man möchte beinahe behaupten, es gäbe genau so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt. Freilich werden die Kinder früh genug in ein Verhaltenskorsett gesteckt. Recht bekommen allein die verkorksten Jungs-Jungs (wild und aggressiv) und die Mädchen-Mädchen (brav und süß). Sie müssen sich nicht verändern, sind sie doch der heimliche Stolz der nicht minder (zwangs-) konformen Eltern: Hauptsache, meine Brut ist nicht homosexuell und fällt auch sonst nicht weiter auf!

Diese Einschränkung des persönlichen Verhaltensrepertoires aufgrund einer zufälligen Geschlechterzugehörigkeit stellt eine Zumutung für jeden denkenden Menschen dar. Würden diese völlig willkürlichen Zuweisungen endlich überwunden, gäbe es keine Überlegungen mehr zur Einführung von Frauen- Quoten und niemand käme auf die Idee, Frauen und Männern unterschiedliche Gehälter für die gleiche Arbeit zu zahlen. Einige wenige Unternehmen indes wollen erkannt haben, dass sogenannte weibliche Eigenschaften ihnen nützen könnten, weshalb sie sich dazu bereit erklärt haben, den Frauen bessere Karrieremöglichkeiten zu bieten.

Über eines muss man sich doch klar werden: Niemand kann eindeutig erklären, wie die unverwechselbaren Verhaltensmuster von Frauen oder Männern denn auszusehen haben. Der Versuch ist meist ein elendiges biologistisches Gebrabbel, allenfalls mit etwas Küchenpsychologie angereichert á la Frauen könnten nicht einparken und Männer fänden im Kühlschrank den Joghurt nicht. Und wenn ich den Joghurt dann doch finde UND einparken kann? Bin ich dann schwul, lesbisch oder gar intersexuell?

Insofern fand ich es zum gestrigen Equal Pay Day völlig ungerecht, dass Frauen einen 23%- Rabatt für ihre Getränke in den Kneipen bekommen haben. Zum Einen kann ich davon ausgehen, dass alle Frauen, mit denen ich gestern zusammen saß, deutlich mehr als ich verdienen (wahrscheinlich sogar zu Recht), zum Anderen kann ich ja noch nicht mal selbst ernsthaft behaupten, dass ich tatsächlich dem gesellschaftlich verbrieften Bild eines Mannes entspreche:

Ich arbeite am liebsten in Teilzeit, mag keine Autos und habe bezüglich meiner beruflichen Karriere keinerlei Ehrgeiz. Gemäß der vorherrschenden Logik wäre ich also eine Frau (wozu noch passt, dass ich wenig verdiene). Während die karrierebewussten, autofahrenden, Vollzeit arbeitenden und gut verdienenden Frauen eigentlich Männer sein müssten. Ich hätte den Rabatt jedenfalls beanspruchen können. Und damit ihn die Wirtsleute schneller ausrechen können, wäre der Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau, Ost und West, Friseur und Bankkaufmann auf 20% zu senken. Oder sogar ganz abzuschaffen! Soviel Ordnung muss sein!

Mittwoch, 28. Juli 2010

Putzerfische zu den Waffen! Kapern ist ein Verb und keine eingelegten Blütenknospen!

Putzerfische führen ein ganz okayes Leben. Für patriarchal geprägte Zeitgenossen mag es verlockend klingen, dass die männlichen Exemplare einen eigenen Betrieb (Putzerstation) führen und sich einen Harem halten. Für Einkommen und Kopulationsmöglichkeiten ist allemal gesorgt. Größere Fische machen Station und lassen sich mal so ordentlich von innen und außen durch- und abschrubben. Putzerfische ernähren sich von Parasiten und abgestorbener Haut. Haben die beflossten "Kunden" genug, verlassen sie die Putzstation.

So kann Dienstleistung also aussehen: Völlig friedfertig finden sich Kunden ein, unter ihnen auch gewichtige Verbrecher, lassen sich verwöhnen und zahlen mit Naturalien, die sie selbst nicht brauchen können. Der Dienstleister indes ist es zufrieden und geniesst ansonsten sein Leben. Inwieweit Fische ihr Leben geniessen, mag einmal dahin gestellt sein. Inwieweit menschliche Dienstleister ihrem Leben etwas Freude abringen können, allerdings auch. Doch die Vorzeichen sind anders: Die großen Fische unter den Menschen (um im maritimen Bild zu bleiben) lassen die kleinen Fische zu sich kommen, und sie halten sie kurz.

Bei Hamburg findet derzeit eine von der Arbeitagentur finanzierte Qualifizierungsmaßnahme statt, in der Hartz IV Empfänger zu Servicekräften auf Luxusjachten qualifiziert (nicht ausgebildet!) werden. Das bedeutet: Zimmer putzen, Cocktails reichen, Deck schrubben, Nacken massieren - und das rund um die Uhr. Ein Privatleben dürfte bei solch einem Job eher Nebensache sein. Man könnte sich womöglich genausogut kastrieren lassen und als Eunuch einen Harem bewachen, statt ihn wie ganz ordinäre Putzerfische selbst zu unterhalten.

Also muss es ja das zu verdienende Geld sein, das einen Menschen zu solch einer Qualifizierung antreibt? Weit gefehlt: Mit knapp 2500 Euro brutto (für 9to5- Jobber klingt das verlockend) ist das Gehalt keine Entschädigung für ein ausschließlich den Superreichen gewidmetes Leben. Das ist in der Tat erniedrigend: Ein geringes Einkommen und den ganzen Tag schuften für einen halbdankbaren Blick des Arbeitgebers, wenn sein Drink ausnahmsweise einmal korrekt kredenzt wird. Den Stundenlohn jedoch möchte man sich erst gar nicht ausrechnen.

Anerkennung ist also der Lohn des Arbeitnehmers, nicht sein Gehalt. Dementsprechend wird der Wert der Arbeit von den Arbeitgebern festgesetzt: Er ist niedrig und wird zudem nach unten, und nicht nach oben, verhandelt. Arbeit wird tendenziell als eine vom Arbeitnehmer freudig erbrachte Dienstleistung betrachtet, einzig und allein dazu da, die Reichen noch reicher zu machen. Solange die NichtSoReichen und die FastArmen für ihre Distinktion und nicht für ein angemessenes Gehalt arbeiten, wird sich daran nichts ändern.

Kein Wunder, dass jene Reichen ihren Besitz als gottgegeben und sich selbst als Leistungsträger betrachten. Keiner von ihnen käme je auf die Idee, das sein Reichtum auf der schlechtbezahlten Arbeit seiner Angestellten gründet. Käme er darauf, müsste er sie ja an "seinem" Umsatz gleichberechtigt beteiligen - falls denn ein auf Ethik begründetes Verantwortungsgefühl vorhanden wäre. Dann aber wäre es essig mit der Jacht. Der Pöbel auf seine Plätze, mir zu wohlgefallen!

In schöneren Zeiten würde sich derselbe Pöbel erheben, die Piratenflagge hissen, den "Eigentümer" über die Planken springen lassen und einfach kapern, was er (sich!) mittels eigener Arbeitskraft erarbeitet hat und was ihm eigentlich auch gehören sollte. Klaus Störtebeker, seines Zeichens Likedeeler (Gleichteiler) und Todfeind der Hanse, gilt als volkstümlicher Held. Warum sollte man ihm nicht nacheifern? Wer aber würde uns dann jene so erflehte Anerkennung schenken? Der Arbeitgeber ist nun der Makler unseres Selbstwertgefühls... Traurig, dass selbst Fische da irgendwie weiter sind.